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!aS6,ii“rtt:n mit Mnler^clüungs-Anlage Sonnlags-Ieilung" p-lersg-ike Nr. 2 (Harmonie).

M 199. JuLöcr, Freitag, den 2. September 1898 25. Jahrgang.

Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung für den Monat September werden noch fortwährend angenommen.

Äk Der Dreysus-Skandal in Frankreich

wird aller Voraussicht nach bald von vorn be­ginnen. Ein Offizier des französischen General­stabes, Oberstlieutenant Henry, hat bekanntlich das Geständniß gemacht, daß er den angeblichen Brief vom Oktober 1896 gefälscht Hat, den der Kriegsminister Cavaignac neuerdings als hauptsächliches Beweismittel für die Schuld des Hauptmanns Dreyfus in der französischen Depu- tirtenkammer verlas. Dies geschah am 7. Juli d. I. in der Beantwortung einer Interpellation des Deputirten Castelin. Damals hatte Herr Cavaignac von drei Schriftstücken als den am meisten belastenden gesprochen und hinzugefügt, daß in einem dieser Schriftstücke der Hauptmann Dreyfus mit vollem Namen genannt sei. Eben dieses Schriftstück ist der Brief, den der Oberst­lieutenant Henry gefälscht und dem Minister untergeschoben hat.

Natürlich ist das Aufsehen, das die Sache er­regt, nicht gering. Und ganz mit Recht ist Oberstlieutenant Henry sofort verhaftet worden. Natürlich auch bessern sich dadurch die Aussichten der Dreyfus - Gruppe auf eine Revision des Dreyfus - Prozesses, und ebensowenig läßt sich leugnen, daß dadurch die Behauptung ein wenig an Unwahrscheinlichkeit verliert, der Hauptmann Dreyfus fei unschuldig verurtheilt worden und leide unschuldig Jahre lang die Qualen auf der Teufelsinsel. Von dem Einen bis zum Andern ist aber ein sehr großer Schritt. Und ist nun­mehr bewiesen, daß auf der Seite der Drey­fus-Gegner mit Verrath und bewußten Fälschungen gearbeitet worden ist, so ist da­mit doch noch lange nicht das Gegentheil dargethan, daß die Dreyfus-Freunde unschulds­volle Engel sind. Im Gegentheil weiß jeder­mann bei nur einiger Kenntniß der Verhält­nisse und Thatsachen, daß fast die ganze Thätigkeit der Dreyfus-Freunde mit solchen Mit­teln arbeitete, die man sonst niemals anzuwenden pflegt, wenn man sich seines Rechtes ehrlich be­wußt ist. In schamloser Weise hat das Dreyfus- Syndikat mit Bestechungen und Hintertreppen­schlichen gearbeitet, und ganz riesig sind die Summen, die die feile Presse Frankreichs von der Dreyfus-Clique dafür eingeheimst hat, daß sie ihre Sache verfocht. Warum das alles; wenn man sich überzeugungsvoll der Gerechtigkeit seiner Sache bewußt war? Ehrliche Leute pflegen doch nicht mit solchen Kniffen zu arbeiten, und daß die öffentliche Meinung in Frankreich sich fast ganz von den Dreyfus-Freunden abgewandt hatte, ist eine allgemein bekannte Thatsache und auch sehr leicht zu erklären aus diesen lichtscheuen Um­trieben der Dreyfus-Freunde.

Die Fälschung des Oberstlieutenants Henry ist eine schmähliche That, die die volle Verachtung verdient. Aber sie allein kann unmöglich als Beweis dafür genügen, daß die unsaubere Dreyfus-Clique recht hat und daß der Haupl-

Auf der Reichsmacht.

Erzählung von A. Jüngst.

24 ------ (Nachdruck verboten.)

Bebend vor Zorn wandte Hans dem Knechte den Rücken und schritt eilig von dannen. Auf der Plattform trat ihm die Muhme entgegen.

„Gut, daß Ihr endlich kommt. Der Vetter ist schon ganz ungeduldig. Der beste Wein, die letzte Flasche von dem Pfälzer, wartet auf Euch."

„Muhme Gertrud," bat Hans, und ergriff die Hand der Greisin. „Ihr habt es immer gut mit mir gemeint?"

„Das weiß Gott, junger Herr."

„Und Ihr liebt die Rosel?"

„Mehr als mein Leben."

„So sagt mir, was ist an dem Gerede über Rosel und den Vicomte von Lapendiore?"

Muhme Gertrud wurde erst bleich, dann roth, ein Zittern überlief ihre Gestalt.

„Ach, Herr, habt auch Ihr schon davon gehört?"

„Also doch!" stöhnte Hans und ließ die Hand der Alten fallen.

„Ihr dürft Euch das müssige Geschwätz der Leute nicht zu Herzen nehmen," fing die Muhme eifrig an, das frische Fürtuch, welches sie eben dem Gaste zu Ehren umgebunden, in tausend Fältchen zerknitternd. „Nun Ihr wieder daheim seid, muß es von selbst verstummen."

„Aber Rosel? Rosel?«

„Ach, Herr, Ihr dürst auch die Rosel nicht gar zu streng beurtheilen. Sie ist jung und schön und kann nicht dafür, daß aller Augen

mann Dreyfus unschuldig verurtheilt worden ist. Ja, man könnte sich sogar denken, daß sich Henry durch die Leidenschaftlichkeit des Streites dazu verleiten ließ, nur um ein neues Beweismittel zu schaffen. Aber seinen Gegnern hat er einen sehr großen Gefallen gethan.

♦

Die Verhaftung des Oberstlieutenants Henry ist nicht das einzige sensationelle Ereigniß ge­blieben. Am Mittwoch Abend zwischen 7 und 8 Uhr hat Henry, wie wir schon gestern unter „Neueste Post" meldeten, seinem Leben ein Ende gemacht, indem er sich mit einem Rasir- mesfer die Kehle durchschnitt; und wahrscheinlich ist mit ihm der Mitwisser noch manches andern unliebsamen Ereignisses aus dem Leben geschieden. Der Chef des Generalstabcs, General Bois- deffre, hat infolge des Geständnisses des Oberst­lieutenants Henry den Kriegsminister Cavaignac um seine Entlassung gebeten. Dieser hat aber den General ersucht, auf seinem Posten zu verharren, da er an der Fälschung un­schuldig sei und keine Kenntniß davon gehabt habe; und erst auf wiederholtes dringendes Er­suchen hat der Kriegsminister dem Entlassungs­gesuche Boisdeffre's Folge gegeben. Was für Ergebnisse der Ministerrath gezeitigt hat, der Mittwoch Abend stattfand, ist gegenwärtig noch unbekannt. Man erzählt sich, einige Minister hätten die sofortige Revision des Dreyfus- Prozefses und Entlassung gewisser Generäle ver­langt, diesem Verlangen aber habe sich der Kriegsminister nachdrücklich widersetzt. Natürlich fehlt es nicht an vielen sensationellen Gerüchten über das, was kommen soll oder etwa kommen könnte. Erwähnt von diesen sei das eine, daß eine parlamentarische Untersuchungs- Kommission eingesetzt werden soll. Man konnte sich denken, daß auch die Verdächtigung auftauchen würde, der Kriegs Minister habe um die Fälsch ung Henry's schongewußt und habe diese vertuschen wollen. Aber irgend­welche Berechtigung für diese Verdächtigung wird natürlich niemand beibringen können.

Deutsches Reich-

Berlin, 1. September.

* Der Kaiser wird vor Beginn der Pa­lästinareise einen Aufenthalt in seinem lithauischen Jagdschlösse Rominten nehmen. Zum erstenmal wird die Kaiserin ihren Gemahl dorthin be­gleiten. Neben dem Jagdschlößchen, das zu klein ist, um beide Herrschaften aufzunehmen, wird für die Kaiserin eigens ein Barackenbau aufgeführt.

X Bei der Sakästinareise des kaiserlichen Paares wird das Gefolge desselben Tropen­uniform erhalten, sowohl die Leibgarde des Kaisers und der Kaiserin, als auch die Diener­schaft. Die Leibgarden erhalten eine Uniform aus gelbem englischem Seinen, die Leibgarde des Kaisers mit blauen und goldgestickten Kragen und Aufschlägen, diejenige der Kaiserin mit „karmesinrothen und silbergestickten Kragen und Aufschlägen. Die Dienerschaft erhält Anzüge aus demselben Stoff und englische Mützen.

X Herr v. b. chrööen Arenßeiu hat sich besonnen und ist dem Bunde der Landwirthe wieder

ihr nachschauen. Ihr lebensfrohes Herz bedarf der Freude, wie die Blume des Sonnenscheins. Ich war immer ernst und grämlich, und als mein Gero sortgezogen, dünkte die Welt mir wie aus­gestorben und aller Glanz erloschen."

Ein schmerzliches Lächeln überflog die Züge des Schwergetroffenen. Wie übermüthig hatte nicht Rosel über die stete Klage der zahnlosen Alten um den verlorenen Jugendgeliebten gelacht, und was hätte er jetzt nicht darum gegeben, wenn fein Sieb gleich ihr Trauer um ihn getragen lebenslang!

„O, ich bin gewiß," fuhr Muhme Gertrud immer erregter fort, „wenn Rosel nur einmal wieder in Euer Auge geschaut, nur einmal den Ton Eurer Stimme gehört, ist alles Andere, alles Spielen und Schönthun vorüber und ver­gessen."

„Rosel ist in Simersheim?"

„In Simersheim bei der Bärbel."

Hans stand und überlegte einen Augenblick.

„Der Vetter wartet mit dem Wein auf Euch," erinnerte die Muhme.

„Sagt dem Vater meinen Gruß, ich komme morgen wieder. Ich kann jetzt nicht hinein, die innere Beklemmung erstickt mich in der schwülen Suft der Kammer. Die Sonne steht noch hoch am Himmel, in weniger als zwei Stunden kann ich draußen sein. Ich reite nach Simersheim. Gehabt Euch wohl, Muhme!"

„O mein Gott!" stöhnte die Alte dem eilig Davonstürzenden nach. „Wenn nur nicht Rosel —"

„Da geht er hin. der Narr!" frohlockte Tho­mas, und ein teuflisches Sachen verzerrte das häßliche Gesicht. „Renn' in Dein Unglück, Du

beigetreten. Das erklärt Herr v. d. Gröben in einer Zeitung, indem er dabei bemerkt, daß die persönlichen Gründe nunmehr beseitigt seien, die ihn zum Austritte veranlaßt hätten. Was für Gründe das waren, fügt die Erklärung nicht. Das schadet wohl auch weiter nichts.

4- Vollkommene Verblüffun g soll nach einzelnen Zeitungsberichten in der fran­zösischen Botschaft zu ILerki« geherrscht haben, als dort die Friedenskundgebung des Zaren bekannt wurde. Höchst wahrschein­lich ist diese Kundgebung auch nicht anders zu deuten, als unmittelbarer Widerspruch Rußlands gegen bestimmte französische Wünsche. Bald nämlich nach dem Rücktritt des französischen Kabinets Meline und damit des auswärtigen Ministers Hanotaux ließ man von Paris aus Vorstellungen nach Petersburg gelangen, die den dringenden Wunsch nach einer kräftigeren Be­tonung des russisch-französischen Bündnisses aus­drückten. Natürlich hing dieser Wunsch zu­sammen mit dem anderen, gleichzeitig gegen Deutschland eine etwas revanchelustigere Miene anzunehmen. Man brauchte, oder glaubte derlei vermuthlich zu brauchen zur Erhöhung der Volks- thümlichkeit des neuen radikalen Ministeriums im eigenen Sande. In Petersburg hat man es, wie berichtet wird, zu vermeiden verstanden, auf diese Vorstellungen eine Antwort zu geben. Diese neue Friedenskundgebung des Zaren ist indessen ganz entschieden das Gegentheil von dem, was die leitenden Pariser Männer haben wollten. Und auf diese Weise läßt sich die gekennzeichnete Ver­blüffung in der Berliner französischen Botschaft sehr wohl erklären. Einige Meldungen wollten wisfen, die Friedenskonferenz solle in Kopenhagen abgehalten werden. Von anderer Seite wird das bestritten. Thatsächlich ist auch nicht anzunehmen, daß schon jetzt der Ort der Abhaltung bestimmt fein sollte, ehe man sich auch nur über die leitenden Grundsätze für die Berathungen geeinigt hat. Bemerkenswerth ist die Meldung des «Rheinischen Kuriers', daß Graf Murawjew, der russische Minister des Aus wärtigen, ein ausgesprochener FriedeMreund fej. Sy lM«t.nämlich eine Mittheilun^ an das genannte Blatt von dem Grafen Bothmer, der Mitglied des Berner Friedens­bureaus und Vorsitzender der Wiesbadener Gesell­schaft der Friedensfreunde ist. Nach dieser Mit­theilung hat sich Graf Murawjew wiederholt sehr sympathisch über die Bestrebungen des Weltbünd­nisses der Friedensfreunde ausgesprochen.

* Aus bet Armee geschieden sind nach einer Mittheilung der,Kreuzztg.' im letzten Halb­jahre 7 Generäle, darunter 3 Verstorbene, 6 Ge­neral-Lieutenants, 28 General-Majors, darunter 1 Verstorbener, 24 Obersten und Oberst-Lieute­nants der Infanterie, 9 Obersten und Oberst- Lieutenants der Kavallerie, darunter 1 Verstor­bener, 7 Obersten und Oberst - Lieutenants der Feldartillerie, darunter 1 Verstorbener, 2 Obersten und Oberst-Lieutenants des Trains — zusammen 85 höhere Offiziere, darunter 6 Verstorbene.

+ Immer neue Beispiele dafür werden be­kannt, zu welchen Ungerechtigkeiten die neueste Bokeu-Nokilik der preußische« Ilegie/rrng fuhrt. Nach den Grundsätzen dieser herrlichen Politik wird sogar ein Mann, der mit feiner Fa-

einfältiger Tugendheld, Du! Der Vicomte von Lapendiöre versteht keinen Spaß und wird Dir den Anspruch auf fein holdes Sieb schon mit der Spitze seines Degens in das glatte Gesicht zeichnen. Er führt nicht umsonst die beste Klinge unter den Reitern des großen Königs. Aber Staub wird's aufwirben, fürchterlichen Staub! Die Deutschgesinnten werden Zeter und Mordio schreien und den Kommandanten zwingen, feinen Neffen wenigstens zum Schein zu strafen. Haha, Thomas," er rieb sich vergnügt die Hände, „die beiden Nebenbuhler wären wir quitt! Und dann, schöne Rosel, bann kommt meine Zeit. Sperre Dich, wie Du willst, mein Kind; ver­höhne mich, wie Du magst, schließlich wirst Du Dich doch freuen, wenn Thomas Usinger, der demnächstige Thürmer zu Unserer Sieben Frauen, Dich zur Ehe begehrt! Ich werde schon dafür sorgen, daß fein Hund mehr ein Stück Brod aus Deiner Hand nimmt. Haha, man muß nur zu warten wissen, und die Frucht, die vorher uner­reichbar schien, fällt einem mühelos in den Schoß."

Auf der Straße nach Simersheim trabte ein einsamer Reiter. Frau Edeltraut und Gesina waren nicht wenig erschrocken gewesen, als Hans vor einer Stunde in das alte Zünftlerhaus zu- rückgekehrt war und erklärt hatte, [fofort wieder aufsitzen zu wollen. Vergebens chatten sie ihn beschworen, seinen drängenden Haß zu bekämen und bis zum nächsten Tage sich zu gedulden, er war taub gewesen für alle Vernunftgründe. Der alte Meinhold, der erst vor Kurzem mit den Packpferden eingetroffen, hatte den inzwischen aus­geruhten Falben wieder satteln und mit dem besten Reitzeug schmücken müssen.

milie getreu der Ueberlieserung seiner Väter poO nisch spricht, unfähig zum — Bremser-Dienste- Das ist fein Scherz, sondern bittere Wahrheit- Als Beweis dafür veröffentlicht der.Kuryer Poz- nanzki' den Wortlaut eines Schreibens der König!. Eisenbahn - Betriebs - Direftion in Posen, in dem diese einem Manne eröffnet, daß er von der Anwärter - Liste für Bremser gestrichen sei, weil er beantragt hat, daß sein Sohn den Religions-Unterricht in polnischer Sprache erhal­ten und auch am schulplanmäßigen polnischen Sefe« und Schreibunterricht theilnehmen möge. In dem Dienstschreiben wird zwar gesagt, der Mann sei ein Deutscher und seine Frau sei auch eine Deutsche. Gleichzeitig aber wird in demselben Schreiben fest- gestellt, daß zu Hause die ganze Familie pol­nisch spricht — recht merkwürdige Deutsche das!

* Die offiziöse .Italic' meldet zur Aö- rüfinngsfrage, daß die Kabinette von Berlin, Wien und Rom über eine gleichlautende Ant­wort an Rußland übereingekommen seien. Die genannten Regierungen erklären darin, die Ini­tiative des Zaren ohne Reserve anzunehmen und mit allen Kräften fördern zu wollen. Der Abgeordnete und Erzieher des Kronprinzen, Pro­fessor Morandi, meldete eine Jnterpellation darüber an, ob die Regierung bereit sei, den weisen Vorschlag des Zaren aufs Energischste zu unterstützen. Der ,Osfervatore' veröffentlicht eine päpstliche Allokution vom 11. Februar 1889, um daraus hinzuweisen, daß die erste Anregung des Weltfriedens und der Abrüstung vom Papste ausgegangen sei. Frankreich hat zur Anregung des Zaren noch keine Stellung genommen. Im gestrigen Ministerrathe machte der Minister des Aeußem, Delcasss, erst Mittheilung von dem Rundschreiben des Grasen Murawjew.

* Das Reichspostamt hat neuerdings in Be­zug auf die Einberufung der Bostuuteröeamle« znm Militärdienst die Bestimmung getroffen, daß zukünftig in gleicher Weise wie die Beamten auch die Unterbeamten (mit Ausschluß der nicht ständigen Hilfsboten, jedoch einschließlich der Telegraphen-Vorarbeiter und der Postillone der rMWgeWU.Oosthaltereien) zur Ableistung ihres Militärdienstes aus dem Postdienste zu beurlauben (bisher wurden sie entlassen) sind. Hierbei sollen die Unterbeamten darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie bei der Oberpostdirektion spätestens vier Wochen vor Ablauf der Militärdienstzeit oder, falls sie außer der Zeit entlaßen werden sollten, sogleich schriftlich ihre Wiederbeschäftigung nach- zufuchen haben, und es soll durch geeignete Maß­nahmen, z. B. Verwaltung erledigter Stellen durch Aushelfer, Hinausschiebungen von Stellenvermeh­rungen u. s. w., solchen sich zum Wiedereintritt in den Postdienst meldenden Unterbeamten die sofortige Unterbringung nach Ableistung des Militärdienstes gesichert werden.

X Eine halbamtliche Mittheilung entwickelt recht wunderliche Anschauungen über die Ileor- ganisatiou der Iavrikanfstcht. Sie meint nämlich, diese letztere werde einen „Abschluß" dadurch erhalten, daß im nächsten preußischen Etat die feste Anstellung der letzten sechs (von 100) Gewerbe - Inspektoren gefordert werden würde. Müßte man daraus einen Schluß ziehen auf die Anschauungen, die gegenwärtig bei

„Der Hochkirchner Hans ist wieder da und ist ein vornehmer Herr geworden", verkündete mehr als ein neugieriger Bube den aufhorchen- den Vettern und Basen der Nachbarschaft, als der graubärtige Diener das edle Thier vom goldenen Schlüssel nach dem Zünftlerhause führte, und Hans dort in feinem herrenmäßigen Ge­wände unter den Thorbogen trat.

„Ach, Herr, ich weiß nicht", mahnte der treue Meinhold, indem er feinem Gebieter die Zügel reichte, „aber ich meine, Ihr solltet heute nicht mehr reiten. Mir ist so schwer ums Herz, ge­rade wie dazumal, als Euer Vater — Gott habe ihn selig, den edlen Herrn! — meine Warnungen nicht hören wollte und darauf bestand, trotz der schweifenden Räuberbanden die offene Land­straße zu verlaffen und den näheren Weg durch's Gebirge einzuschlagen.

„Heute könnte meinetwegen der ganze Heer­bann des gewaltthätigen Sonnenkönigs auf der Limersheimer Straße ftreifen, ich müßte sie doch im Sturme nehmen," beharrte der Andere trotzig.

„So laßt mich Euch begleiten, Herr. Die Sonne wird gemach sich neigen, und im Abend­dämmer der Juninacht gehen böse Geister um, denen man bester zu zweien als allein begegnet."

„Für mich gibt's nur einen bösen Geist, und dem gnade Gott, wenn er mir in den Weg läuft; sonst fürchte ich nicht Tod noch Teufel. Gib Raum, Alter!"

Ein leichter Ruck, ein kaum merkbarer Schenkel­druck ließ das edle Thier traben und die gaffen­den Buben ängstlich zurückweichen. Einen freund­lichen Wink dem bekümmerten Diener, einen an= muthigen Gruß zu Mutter und Schwester hinauf.