Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, «n Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Dr,ug,preis ohne Bringerlohn «nd Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

KuldaerMZeUurtg

Inserate: Die ein­spalt. Garmonü- zeile oder bcryi Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit- zeile 25 Pf.; bei Wiederbolungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

mit Itnterhallungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung • pettrsgage Ur. 2 (Sarmouk).

M 198.

Jutöct, Donnerstag, den 1. September 1898

25. Jahrgang

Erkrankung an Pocken bietet — wenigstens nicht auf die Dauer. Der Staat zwingt also zu etwas, dessen vollkommene Unschädlichkeit nicht nachzu- weisen ist, das vielmebr schon oft sehr böse Folgen für Gesundheit und Leben des Geimpften gehabt hat; und er übt diesen Zwang aus, ohne die vollkommene Bürgschaft dafür bieten zu können, daß die gewünschte Pocken-Sicherheit auch wirk­lich erreicht wird. Er zwingt Eltern in der rücksichtslosesten Weise dazu, ihre Kinder impfen zu lasten, unbekümmert darum, ob diese Eltern dabei die schwersten Gewistensbedcnken empfinden, ob damit nicht ihren Kindern ein schweres Leid zugefügt wird — und gleichzeitig kann er keine Bürgschaft übernehmen dafür, daß das gewünschte Ziel der Pockensicherheit auch wirklich erreicht wird! Das reimt sich schlecht zusammen, so schlecht, daß auch jeder vorurtheilslose Freund der Schutz- pocken-Jmpfung der fernen Ausübung eines so absoluten Zwanges abhold werden müßte, wenn er sich die Sache einmal ruhig und reiflich überlegt.

In England hat diese Erwägung bereits ihre Früchte getragen. Bisher hatte auch England denselben Impfzwang wie wir. Aber im Volke machte sich dagegen eine so mächtige Bewegung geltend, daß man von der ferneren Aus­übung des absoluten Impfzwanges ab­gesehen und eine Abschwächung desselben ein­geführt hat: wenn nämlich Eltern ausdrücklich bekunden, daß sie Gewissensbedenken gegen die Impfung hegen, so sollen sie nicht mehr gezwungen werden dazu, ihre Kinder impfen zu lassen.

Jetzt haben wir keine großen Pockenseuchen mehr. Aber schrecklich wüthet unter unseren Kleinen der Würger Diphtheritis. Soll auch eine Schutzimpfung gegen Diphtheritis zwangsweise eingeführt werden, und dann später vielleicht ebenso gegen die Cholera, gegen die Tuberkulose? Man sieht, zu welchen Thorheiten man gelangt, wenn man die Lehre von der Nothwendigkeit des Schutzpocken-Jmpfzwanges folgerichtig durchführen will. Und doch müßten auch alle diese anderen Schutzimpfungen zwangsweise eingesührt werden, ebenso wie die Schutzpocken-Jmpfung, wenn die zwangsweise Anwendung dieser letzteren wirklich unumstößlich richtig wäre. Aber sie ist es nicht. Unsere Heilkunst hat bessere Mittel der Abwehr gegen eine Seuche, als den gröblichen und unserer Zeit unwürdigen Zwang der Schutzpockenimpfung. Und darum sollte doch endlich mit diesem Zwange ein Ende gemacht werden—je eher, desto besser!

Bestellungen auf die Fuldaer Ze für den Monat September werden fortwährend angenommen.

* Ein Wort über den Impfzwang.

„Sterben und Steuern zahlen muß jeder Mensch", so hat einmal der alte Kanl gesagt. Das stimmte für die Zeit, als Kant Profi stör in Königsberg war. Jetzt stimmt das Wort, wenigstens in Preußen, nicht mehr ganz genau. Jetzt müßte der große Philosoph seinen Satz ändern und sagen: „Sterben, Steuern zahlen unb geimpft werden muß jeder Mensch." Mag sich einer anstellen, wie er will, mag er wollen oder nicht, mag es gegen seine Grund­sätze gehen oder nicht, er muß geimpft werden und er muß auch seine Kinder impfen lassen.

Was ist die Impfung an sich? Die Freunde des Impfzwanges und die Regierung von heute erwidern: Die größte Wohlthat der Menschheit; denn sie gewährt Schutz gegen die Pocken. Andere Leute sind anderer Meinung. Sie beantworten auch diese Frage anders und sagen: Die Impfung ist die Einführung eines schleichenden Giftes in den mensch­lichen Körper. Aber der Staat kehrt sich nicht daran; denn — sterben und geimpft werden muß jeder Mensch.

Ist es wohl heutzutage noch richtig und gerechtfertigt, die Menschen in dieser gröb­lichen Weise zu etwas zu zwingen, das sie zum Theile durchaus nicht haben wollen? Die Frage läßt sich schwerlich mit einem deutlichen Ja beantworten. Das freilich ist richtig: weit verbreitete Pockenseuchen sind seltener geworden seit der Einführung der Schutzpocken-Jmpfung. Aber dann entsteht die weitere Frage: Haben wir das allein der Schutzpockenimpfung zu verdanken? Und auch auf diese Frage wird sich nicht leicht ein deutliches und klares Ja antworten lassen. Denn erstens sind diese Seuchen auch in anderen Ländern seltener ge­worden, in denen ein so drakonischer Schutz- pocken-Jmpfzwang wie in Preußen nicht aus­geübt wird, also ohne diesen absoluten Zwang; und zweitens kann es auch andere Gründe geben, aus denen die Abnahme dieser Seuchen sich her­leiten läßt. Die allgemeine Gesundheitspflege ist bester geworden. Es wird mehr für Reinlichkeit gesorgt. Und bildet sich irgendwo ein Seuchen­herd, dann kümmert man sich sorgfältiger als ehedem darum, daß eine Verschleppung der Seuche nicht stattfinden kann.

Gegen den absoluten Zwang spricht auch noch etwas Anderes. Niemand nämlich kann behaupten, daß die Impfung an sich etwas vollkommen Ungefährliches sei; und ebenso wenig kann jemand sagen, und sei er noch so sehr eingenommen für die Schutzpocken-Jmpfung, daß diese letztere auch wirklich ein voll­kommen sicherer Schutz gegen die Pocken sei. Thatsächlich ist und bleibt die Schutzpocken- Jmpfung ein gröblicher und schwerer Eingriff in das Leben eines Menschen, der schon oft genug verhängnißvolle Folgen nach sich gezogen hat; und davon kann keine Rede sein, daß die Schutz­pocken-Jmpfung eine absolute Gewähr gegen die

Auf der Reichsmacht.

Erzählung von A. Jüngst.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

Lächelnd suchte das Auge des jungen Mannes wieder die Dächer von Limersheim und schweifte erst dann über das weite herrliche Land „voll Weizen und Wein, voll Wasser, Weide und Wald". Es folgte dem majestätisch sich schlingenden Silber­streifen des Rheinstromes, hinter welchem die grüne Ebene sich dehnte bis zu den fern blauen Höhen des Schwarzwaldes, und kehrte von dort zurück zu den Fruchtfeldern und Rebengärten des Wasgaues mit seinen burgenreichen Höhen, dem Belchen, Landsberg und Männelstein, an welchen der Ovilienberg sich lehnt.

Dort hinaus wollte Hans in den nächsten Tagen. Er mußte mit dem alten Meinhold die Wege wandern, die seine Eltern in den Tod ge­führt. Und auf dem Gottesacker zu Barr sollte in Bälde ob dem namenlosen Grabe der Er­schlagenen ein Denkstein sicherheben, würdig derer von Konzenberg.

In solche Gedanken vertieft umschritt Hans langsam den Thurm, betrachtete an dem Durch­gänge der westlichen Schnecke das Zeichen, das seine Hand in den Stein gegraben, und wandte sich dann nach Osten, wo der Drache noch immer gegen die Zwingburg der Franzosen sich aufbäumte, trotzdem sie ihre eherne Faust sest auf die wehr­lose Stadt gelegt hatten. Die tolle Laune hatte ihn freilich ein paar schöne Jahre gekostet, aber nun die Zeit der Verbannung, der Trennung von Rose! vorüber und ihm zudem drüben in deutschen

Landen eine neue reiche Zukunft aufgegangen war, freute er sich ihrer dennoch. Wenn keiner der hochmögenden Herren vom Rath, keiner der ehr­samen Bürger mehr das Haupt zu erheben wagte gegen die veränderte Ordnung der Dinge: fein Widerspruch, sein Groll gegen alles wälsche Wesen blieb bestehen, so lange das hehre Werk Erwin's von Steinbach die wechselnden Geschicke der Men­schen überdauern durfte.

Aber was war das? Der Fuß des jungen Mannes stockte, seine Stirn faltete sich, sein Auge blickte finster. Da auf der Brüstung der Gallerte ringelte sich der Drache; aber abgehauen, wie mit einem einzigen scharfen Schlage abgetrennt war das Gesicht des gräulichen Unthieres.

Wer hatte das gethan? Wer hatte sich er­kühnt, Hand anzulegen an sein Werk? Die Bruch­stellen waren noch frisch; man sah deutlich, wo der Hammer angesetzt gewesen, obgleich alle Split­ter und Brocken sorglich entfernt waren.

„Thomas!" war der erste Gedanke des ent­rüsteten Künstlers. Und als ob sein schnell auf­lodernder Zorn den Uebelthäter herbeizuzaubern vermöchte, hinkte eben der Knecht um die Ecke.

„Muhme Gertrud läßt Euch sagen — —" Weiter kam der Bote nicht. Eine fiste Hand hatte ihn schon beim Kragen gefaßt und zerrte ihn zu dem verunstalteten Steine.

„Elender Bube, das ist Dein Werk," grollte Hans. „Wie kannst Du Dich erfrechen burfen---"

„Ich weiß nicht, was Ihr wollt," zeterte Thomas, mit einer ve>zweifelten Kraftanstrengung sich dem Griff entwindend, „ich hab' Euch wahr­lich nichts zu leide gethan."

Deutsches gUtdj.

Berlin, 31. August.

* Von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Karl zuLöwenstein werden wir um Veröffentlichung folgender Krkrär««g ersucht:

In der letzten geschlossenen General-Versamm­lung hat derHochwürdigste Weihbischof Dr. Schmitz überaus liebenswürdige und wohlwollende Worte an mich gerichtet, um mich zu bewegen, entweder das Kommissariat weiter zu führen, oder den Vorsitz in dem neu zu bestellenden Central-Komitee zu übernehmen. Die anwesenden Mitglieder haben in freundlichster Weise durch Beifall ihre Zu­stimmung bekundet. Ich war sehr gerührt und

habe meinem schuldigen Danke sofort Ausdruck gegeben; es drängt mich jedoch, nochmals aus­zusprechen, wie sehr mich diese liebevolle Kund­gebung gefreut und gerührt hat und wie sehr ich dem Hochwürdigsten Bischof und all den Herren dankbar bin.

Wenn ich dennoch der Aufforderung nicht entsprach, so geschah dies nur wegen triftiger, wohlerwogener Gründe. Meine Bequemlichkeit und Annehmlichkeit kommen dabei nicht in An­schlag und würden jedenfalls in gar keine Be­rücksichtigung gekommen fein gegenüber einer so überaus warmen, herzlichen und mich ehrenden Aufforderung.

Indem ich nun nochmals innigst danke, bitte ich, versichert zu fein, daß ich nach wie vor Alles aufbieten werde, um katholische Interessen und insbesondere auch die Interessen der General- Versammlungen zu fördern, und daß ich stets mit Freuden dem neuerwählten Central-Komitee zu Diensten stehen werde, insoweit meine Zeit und meine Kräfte dies gestatten.

Karl Iurst z« Köweuffei«.

Kleinheubach, 19. August 1898.

* Herr P. WiMvatd Azock, katholischer Missionar aus Bulgarien, ist heute im Aus­wärtigen Amte gewesen und hat daselbst im In­teresse seiner Mission, wo er seitens einiger bul­garischer „Rational-Katholiken" allen erdenklichen Vexationen ausgesetzt ist (sogar ein Mordversuch wurde auf ihn verübt!) als Reichsangehöriger den Schutz des Reiches nachgesucht. Der hochw. Herr ist daselbst mit größter Zuvorkommenheit empfangen worden.

h. Der Besuch des Karfert. Haares ttt Ägypten soll nach Berichten aus Kairo um die Mitte des Monats November stattfinden. Die Kaiserl. Jacht Hohenzollern wird nach diesen Be­richten in Alexandrien landen, und dort werden der Khedive und sein Bruder Mohammed Ali das Kaiserl. Paar empfangen. Dieses letztere soll von einem Gefolge von 85 Personen begleitet werden. Nach einem kurzen Aufenthalte soll die Reise nach Kairo gehen, wo das Kaiserl. Paar einen Theil des Abdin-Palastes bewohnen wird. Nach vier­tägigem Aufenthalte in Kairo selbst sollen Aus­flüge in die Umgebung unternommen, nachher aber eine Reise nach Oberegypten gemacht werden, an welcher der Khedive selbst theilnehmen wird. Diese Nachtfahrt auf dem Nil soll etwa 12 Tage dauern und bis zum ersten Nilfalle ausgedehnt werden.

-fi In den Kreisen der preußischen Re­gierung beschäftigt man sich bekanntlich gegen­wärtig mit einigen Abänderungen in der Hrgauisation der Wiuisteriett. Es handelt sich dabei nicht nur um die Einrichtung einer einheitlichen Hauptstelle sür das Wasserbau-Wesen, sondern auch um das Medizinal-Wesen. Daß dieses letztere nicht mehr länger als eine Ab- theilung des Kultusministeriums fortbestehen kann, scheint auch bei der Regierung keinem Zweifel mehr zu urterliegen. Aber man denkt, wie be­richtet wird, nicht an die Errichtung eines eignen neuen Medizinal-Ministeriums, sondern an den Uebergang der Medizinal-Verwaltung an das Ministerium des Innern. Vermuthlich aber wird diese Aenderung erst in dem Etat für 1900 ihren Ausdruck finden. Als feststebend kann nach einer

„Sieh hier, und dann leugne, wenn Du kannst!"

„Ei du meine Güte, der Drache! tief der Knecht und rieb sich die Augen mit so gut ge­spieltem Erstaunen, daß Hans wieder irre wurde. „Wann ist das geschehen? Das muß ich doch gleich--"

„Du weißt wirklich nichts davon? hast Deine ungeschlachten Fäuste rein gehalten von diesem Bubenstück?"

„Vor einer Stunde, als ich den letzten Rund- gang machte, war der Drache noch ganz und heil, züngelte nach der Citadelle, wie er es seit­her zum Verdruß der Wälschen gethan. Aber freilich, wenn man denkt--"

„Was? Sprich!" drängte Hans, als der Knecht plötzlich abbrach und sich wie verlegen die Hände rieb.

„Was soll ich sagen, Herr? Es ist am besten für unsereins, wenn man nichts sieht und hört. Die Wahrheit kommt einem immer theuer zu stehen, besonders bei Jemanden, der eine so rasche Faust hat wie Jhr."D 1

„Ich verstehe Dich immer weniger. Sprich die Wahrheit! Weder Rosel, meine verlobte Braut, noch ihr Vater ober Muhme Gertrub haben bie Wahrheit zu scheuen."

Unwillkürlich hatte bie Gestalt des Redenden sich höher gestreckt, ein Zug stolzer Unnahbarkeit legte sich über das schöne treuherzige Gesicht. Zum ersten Male vielleicht fühlte er sich als Freiherrn von Konzenberg gegenüber dem niedrig geborenen Knechte.

Thomas sah ihn verwundert und mit einem tückischen Blicke von der Seite an. O, wie er

halbamtlichen Mittheilung betrachtet werden, daß der Kultusminister bereits in der nächsten Tagung des preußischen Landtages die Medizinalreform in Vorlage bringen wird. Diese Reform soll bei der Stellung der Kreisärzte ihren Anfang nehmen. Diese Stellung bedarf in der That außerordentlich nöthig eine Reform. Dasselbe ist indessen bei vielen anderen Dingen ebenso sehr der Fall; und hoffentlich fehlt es nicht an der nothwendigen Reform auch bei diesen.

h In geheirnnißvoll klingenden Worten bringen die Dresdener Nachrichten' eine Meldung über die Anschauungen, die in Berlin „an sehr hoher Stelle" in Sachen der Gestaltung des Wahlrechts gehegt werden. „Aus sicherster Quelle" hat das genannte Blatt, das in nahen Beziehungen zu der sächsischen Regierung steht, die Nachricht, daß „das Vorgehen der sächsischen Regierung an sehr hohen Stellen in Preußen selbst als nachahmenswerth für den führenden Bundesstaat ausdrücklich anerkannt worden sei." Es ist gar nicht leicht, dieses wunderliche Deutsch der.Dresdener Nachrichten' zu verstehen. Aber vermuthlich wollen dieselben sagen, daß in Berlin eine „sehr hohe Stelle" der Ansicht sei, das Reichstags-Wahlrecht sollte ebenso wie das Land­tags-Wahlrecht in Sachsen in ein Wahlsystem nach verschiedenen Klassen umgewandelt werben. Ist biete Deutung richtig, bann fragt es sich noch immer sehr, ob denn auch bie Quelle bes Dresdener Blattes wirklich so ganz sicher ist. Sollte aber auch letzteres der Fall fein, fo würbe vorläufig noch immer bet Reichstag dafür sorgen, daß unser Reichstags-Wahlrecht uns unverändert erhalten bleibt.

x Jetzt hat nun auch bie Verwaltung bet fächftlcheu Staatsvahueu bie Giltigkeitsbauer ber Rückfahrkarten auf 10 Tage verlängert, und zwar auch für Karten nach Orten in ben Ge­bieten anberer Bahnverwaltungen. Somit er­streckt sich nun bas Gebiet ber zehntägigen Rück­fahrkarten vom Königreich Sachfen bis an die Grenze zwischen Elsaß-Lothringen und Frankreich, und sehr richtig bemerkt darüber die Dresdener Handelskammer in ihrem Jahresbericht, daß es „unverständlich erscheint, warum die preußische Staatsbahnverwaltuug noch zögert, auch ihrer­seits die verlängerte Giltigkeitsbauer für Rückfahrkarten einzuführen". In Preußen und namentlich bei der preußischen Eisenbahn geschieht eben manches, das an alles eher erinnert an das „Zeitalter des Verkehrs".

* Letzter Tage wurde dem Kaiser eine Wandtafel der deutsche« Kriegsschiffe vor- aelegt, bie in unseren Schulen unb sonstigen Bil­dungsanstalten Verwendung finden soll. Die Tafel zeigt in klarem Farbendruck die wichtigsten deutschen Kriegsschiffsarten, wie das neue Linien­schiff „Kaiser Friedrich III.“ in einer Seiten- und Vorderansicht unter Dampf, im Längsdurchschnitt und in einer Deckansicht, den Panzerkreuzer „Fürst Bismarck", den großen Kreuzer „Freya", den kleinen Kreuzer „Geier" und ein Torpedoboot, mithin Kriegsfahrzeuge, von denen die Mehrzahl erst in den nächsten Monaten ihrer Vollendung entgegensieht. Auch dem Reichstage beab­sichtigt, nach dem ,Hamb. Korr/ der Kaiser eine derartige Tafel zu überweisen.

ihn haßte, diesen kecken Fant, der Alles besaß, was ihm gebrach! Jugend, Schönheit, gerade gesunde Glieder, Leibes- und Geistesgaben, um zu lieben und geliebt zu werden! Und doch war derselbe — mochten die Hochkirchners fabeln, was sie wollten — nichts Besseres als er, das Kind verlorener Leute; bet Eine ein Findling im wilden Walde, der Andere ausgesetzt vor dem Thore des Hospitals.

Während er noch nachsann, wie er den Streich, den seine Bosheit schon lange vorbereitet hatte, am besten führen könne, kam gurrend und glucksend ein zierliches Täublein über die Brüstung heran- getrippelt und bog mit schalkhaftem Augenblinzeln das feine Köpfchen zurück, als ob es von Hans sich liebkosen lassen wolle.

„O das niedliche Thierchen!" rief dieser und streckte die Hand aus. „Seit wann hat denn Rosel Tauben? Ich meinte, der Rath wolle sie nicht dulden auf dem Thurm."

Thomas lächelte, ein vieldeutiges Lächeln, sagte aber nichts.

' „Eine Brieftaube!" fuhr Hans erstaunt fort, als er das Thierchen gestreichelt und genauer be­trachtet hatte. Wem gehört dieselbe?"

Der Pockennarbige schwieg noch immer, aber sein hohnneckendes Grinsen sagte mehr denn tausend Worte.

„Mensch, um Gottes Willen sprich! Dein Schweigen jagt mir bie Galle ins Blut und macht mich rafenb," brach Hans los, inbem er ben unschulbigen Vogel unsanft von sich stieß.

„Unb wenn ich spreche, werdet Ihr mir nicht glauben, ober Ihr vergreift Euch an einem wehrlosen Knechte!"