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JE 197.
JuLöcr, Mittwoch, den 31. August 1898
25. Jahrgang.
LL Kommt die Friedens-Konferenz zu Stande?
Die allerersten Meldungen über die Art und Weise, wie die Friedens- klmdgebung des Zaren von der Presse der verschiedenen Länder ausgenommen worden ist, haben nicht überall eine richtige Kennzeichnung geliefert. Namentlich fehlt es auch in Frankreich mcht an
Zar Nikolaus II. von Rußland. Stimmen der Presse, , die 4n begeisterter
Weise ihre volle Zustimmung ausdrücken zu den Grundsätzen dieser Friedenskundgebung. Aber freilich, gerade in Frankreich stoßen diese Grundsätze naturgemäß auf den kräftigsten Widerstand. Das politische Frankreich lebt zum Theil noch immer von der „Revanche" und sür Frankreich würde die Annahme der Vorschläge des Zaren nichts Anderes bedeuten als eine dauernde Anerkennung der Bedingungen des Frankfurter Friedens und damit ewiger Verzicht auf Elsaß-Lothringen. Und derlei Dinge in das politische Programm Frank- reichs aufzunehmen galt bisher in Frankreich so ziemlich als ^andesverralh. Dennoch wird aller Voraussicht nach auch Frankreich die Theilnahme an der vom russischen Kaiser in Anregung gebrachten allgemeinen Friedensberathung nicht ablehnen können — schon gerade darum nicht, weil es der Zar, weil es der Herrscher desjenigen Staates ist, den Frankreich als seinen mächtigen Bundesgenossen zu betrachten und hoch zu schätzen sich gewöhnt hat. Und so darf man wohl schon heute mit einem hohen Grade von Bestimmtheit annehmen, daß die vom Zaren vorgeschlagene Friedenskonferenz stattfinden und auch allgemein von den Kultur st aaten beschickt werden wird — ob nun einige davon das gerne lhun, oder nur widerwillig sich dazu bereit finden lasten werden.
Die freundlichste Aufnahme hat der Vorschlag Zaren augenscheinlich in Rom und in Berlin gefunden, wobei wir unter „Rom" den Vatikan verstanden wissen wollen. Im Auftrage des Papstes hat sofort Kardinal-Staatssekretär Rampolla dem russischen Kaiser auf dem Drahtwege die volle Unterstützung des hl. Stuhles für das Gelingen seines Vorhabens zugesagt. Und ebenso sympathisch wie die augenscheinlich von Berlin aus beeinflußte Aeußerung der ,Kölner Zeitung" spricht sich über den Vorschlag des Zaren em anderes deutfches Blatt aus, von dem angenommen wird, daß es derlei Dinge nicht ohne voraufgegangenes Einvernehmen mit maßgebender Berliner Stelle bespricht. „Dieses Friedenswort so läßt sich nämlich der »Hamburger Korresp." vernehmen — wird für alle Zeiten ein unvergängliches Ruhmesdenkmal des Kaisers Nikolaus II. bilden. Daß das Deutsche Reich diese Anregung des Zaren mit hoher Freude begrüßt
Auf der Keichswachl.
Erzählung von A. Jüngst.
22 ------ (Nachdruck verboten.)
XII.
»Golt zum Gruß, Vater Mevus! Kennt Ihr mich noch!" So schlug eine Helle jugendfiische Stimme an das Ohr des Thürmers, der trotz der sommerlichen Wärme neben dem geheizten Ofen hockte.
„Ich, ich weiß nicht recht," stammelte der Alte. Aber plötzlich ging ein Leuchten über das runzelige Gesicht, ein freudiger Strahl brach aus den umflorten Augen. „Johannes Hochkirchner, Ihr seid es!" rief er und streckte dem Ankömmling mühsam die gichtkranke Hand hin.
„Hans Hochkirchner selbst in leibhaftiger Gestalt!", lachte dieser, vorsichtig die Rechte des Greises in die seine nehmend. „Hans Hochkirchner, glücklich zurückgekehrt von seiner langen Wanderschaft und endlich wieder daheim in dem geliebten Elsaß, dem schönen Straßburg! Nur, daß meine
„Ja, die Rosel," fiel der Thürmer mit bedächtigem Kopfnicken ein. „Gut, daß Ihr da seid, Johannes. Ich habe nach Euch verlangt Tag um Tao, Stunde um Stunde. Die Franzosen — Ihr wißt, ich hasse die Wälschen--"
„Ich auch", murmelte Hans halblaut.
„Die Franzosen sind Herren der Stadt, Herren des Thurmes, und wenn nicht bald ein Ende gemacht wird, verfälschen sie uns das ganze gesegnete Elsaß. Mein Vetter Jakob in der Pfalz--"
und bereit ist, in der vorgeschlagenen Konferenz auf das redlichste an dem großen und heiligen Werke mitzuarbeiten, versteht sich von selbst . . ."
Die Schwierigkeiten freilich, die sich diesem Werke entgegenthürmen, sind riesenhaft groß. Aber das kann für alle aufrichtigen und überzeugungstreuen Kulturfreunde kein Grund dazu sein, das Werk gar nicht erst in Angriff zu nehmen; und der Staat würde den Namen Kulturstaat gar nicht verdienen, der grundsätzlich und von vornherein die Mitarbeit an dem Riesenwerke verweigern wollte. Augenscheinlich ist die Kundgebung des Zaren für alle Regierungen eine Ueberraschung gewesen. In diesem Sinne liegen Aeußerungen in der Presse aus allen Hauptstädten vor; und daraus ist wohl auch die Thatsache herzuleiten, daß gerade die ausgesprochenen Regierungsblätter noch überall eigner Aeußerungen über den Vorschlag sich enthalten.
Etwas ist noch besonders zu beachten. Ein großer Krieg ist gegenwärtig kaum möglich ohne Rußland. Und vor allen Dingen Deutschland kann für sich der Erhaltung des Friedens sicher sein, so lange Rußland zu den aufrichtigen Friedensfreunden gehört; niemals kann Frankreich an einen Krieg gegen Deutschland denken, so lange Rußland dies nicht haben will. Und in diesem Sinne hat die Kundgebung des Zaren gerade für uns in Deutschland eine ganz besonders hohe Bedeutung.
Die Konferenz also, daran ist nicht zu zweifeln, wird statlfinden. Was für Erfolge sie zeitigen wird, darüber kann man heute noch gar keine Betrachtungen anstellen. Daß sofort Bürgschaften zu erzielen sein würden für einen ewigen Völkerfrieden, dürfen wir leider nicht hoffen. Aber wenn die Regierungen der verschiedenen Staaten in Wahrheit zu der Friedensliebe sich bekennen, die in jeder Thronrede und in jeder Kundgebung republikanischer Präsidenten bei jeder Gelegenheit stets von neuem den Völkern als glänzendes Aushängeschild gezeigt wird, dann müßte es ja sonderbar zugehen, wenn die Konferenz ohne alle Erfolge bleiben sollte.
Hier heißt es vor allen Dingen: ernstlich wollen! Wird der mitgebrachte Wille ernstlich sein, dann wird damit auch schon ein großer Schritt gethan sein bis zum Vollbringen. Und ernstlich wollen muß unbedingt jeder, der ein aufrichtiger Freund fortschreitender Kultur sein will. Ohne ein solches Wollen ist es nichts mit seiner Kulturfreundschaft!
△ Die gegenwärtigen Schnlzuftände in Sachsen-Weimar.
Vor Kurzem wurde in verschiedenen katholischen Blättern, speziell in der.Kölnischen Volkszeitung' den im Großherzogthum Sachsen-Weimar bestehenden kirchlichen Verhältnissen reiches Lob gespendet. Darauf fällt jetzt jedoch ein eigenthümliches Licht durch die amtliche Veröffentlichung einer sehr kompetenten Behörde, des hochw. Kapitular- Vikariats Fulda.
Von Jahr zu Jahr wird nämlich die Lage der katholischen Privatschulen in Weimar, Jena, Apolda und Eisenach immer bedenklicher.
„Ihr wolltet mir von Rosel erzählen, Vater", unterbrach der ungeduldige Mann den Redenden.
„Ich komme schon darauf," versetzte dieser empfindlich. Vetter Jakob, der letzthin heimlich hier war und und von keinem Spürhunde der Franzmänner gewittert wurde, meinte auch, es liege etwas in der Luft, was, könne er nicht fagen, aber man fühle es, man athme es, etwa wie dazumal den Hauch des schwarzen Todes. Und seht, Johannes, da habe ich immer gefürchtet, der Herr könne mich einmal abrufen von meinem Posten, bevor Ihr zurückgekommen wäret, und ich mein einziges Kind sicher geborgen wüßte in dem Schutze eines wackeren Mannes. Nicht wahr, Johannes" — er legte die zitternde Hand aus den Arm des jungen Mannes und sah ihn ängstlich bittend an — „Ihr seid nicht anderen Sinnes geworden draußen im Reich? Das Kind des Thürmers dünkt Euch nicht zu gering für das stattliche Haus drunten am Münsterplatz?"
„Vater Mevus, Ihr beleidigt mich! Meint Ihr denn, daß ich hier vor Euch stünde, wenn nicht mein ganzes Herz noch an der Rosel hinge ;erade wie an dem Tage, da ich von Euch qe- chieden? Daß meine Sehnsucht bis morgen sich gedulden muß, dünkt mir ja schier unerträglich."
„Gott segne Euch, Johannes, und vergebt mir die Frage. Das Alter und die Krankheit machen mißtrauisch. Wenn man tagaus, tagein hier oben sitzt und sinnt, kommen einem so allerlei Gedanken. Und wunderlich ift's doch" — der Greis wiegte nachdenklich den Kopf hin und her — „daß statt des gefürchteten Unglücks diesmal ein Glück kommen muß. Als ich vor etlichen Tagen durch das hohle Schweigen der
Auf die dringende Bitte der bischöflichen Behörde die großherzogliche Staatsregierung, sich die von den Gaben des Bonifatius-Vereins allein unterhaltenen Schulen anzunehmen und staatliche Mittel zur Beihilfe flüssig machen zu wollen, erfolgte unter dem 17. August bedauerlicher Weise eine vöMge Ablehnung: das Staats- ministerim „trage Bedenken, die Schwierigkeiten, die dem bischöflichen Stuhle zu Fulda infolge der Erhaltungbesonderer Konfessionsschulen in den Städten des Großherzogthums erwachsen, zum Ausgangspunkt sür eine einschneidende Aenderung des diesseitigen Schulge- setzes und der dazu erlassenen Ausführungsvorschriften zu machen, zumaldie Zahl der in Betracht kommenden Schulkinder eine verhältnißmäßig geringe sei. Auch ständen Mittel, aus denen den katholischen Privatschulen eine Beihilfe gewährt werden könnte, diesseits nicht zur Verfügung."
Im Hinblick auf dieses so betrübende ablehnende Schreiben bemerkt das hochw. General-Vikariat: „Wollen nun die katholischen Geistlichen des Großherzogthums, nachdem sie diese Entscheidung kennen, von der wir ihnen hier die erforderliche amtliche Mittheilung machen, daraus Veranlassung nehmen, die Katholiken an den betreffenden Orten, insbesondere in Weimar und Eisenach, zu Opfern für die katholischen Schulen aufzufordern; aber auch der Gesammtklerus der Diözese möge darin einen Antrieb finden, um so eifriger für die Sache des Bonifatiusvereins zu wirken, indem er bei der öffentlichen Kollekte auf die Zustände in der Beschulung der katholischen Kinder im Großherzog- lhum Sachsen-Weimar hinweist, wo die katholischen Schulen einzig und allein von den Almosen der Katholiken Deutschlands ohne eine Unterstützung von der großherzoglichen Regierung und den Gemeindebehörden erhalten werden müssen. Selbstverständlich ist der Diözesan-Bonisatiusverein nicht im Stande, die Gehälter der katholischen Lehrer in der Diaspora derart zu erhöhen, daß diese im Großherzogthum ohne Nachtheil zu verbleiben sich entschließen können."
Die genannten katholischen Privatschulen beherbergen gewiß mehr als 120 Kinder. Und nun fragen wir: Wie steht's denn mit der Handvoll protestantischer Kinder im weimarischen Oberlande? Nun, dafür ist herrlich gesorgt! Vor dem Thore Geisas erhebt sich ein prächtiger Bau: „Evangelische Pfarrschule" für etwa 20 evangel. Kinder mit staatlich angestelltem Lehrer. Und während Apolda wie Jena Hunderte von Katholiken zählen, ohne einen staatlich anerkannten und staatlich besoldeten Pfarrer zu haben, ist wiederum durch eine evangelische Pfarrei in Geisa staatlicherseits prächtig gesorgt. Könnte nicht Aehnliches auch in Apolda und Jena in die Wege geleitet werden, ohne „einschneidende Aenderungen der Schulgesetze"?
Freilich, eine gründliche Revision thäte diesem veralteten Schulgesetze Nolh. Bei dem Hin- und Herfluthen der Bevölkerung haben die größeren weimarischen Orte bedeutende katholische Minoritäten erhalten, die ihrerseits beisteuern müssen zu den durch und durch protestan- Mitternacht das Rauschen der Wasser tief unten im Erdengrund vernahm und mir sagte, daß die bösen Geister an der Arbeit seien und Unheil brauten, glaubte ich nicht anders, als daß wieder ein schweres Mißgeschick über der Stadt schwebe. Sie haben noch niemals betrogen die unterirdischen Zeichen, nur diesmal — —. Am Ende hat Rosel doch Recht, die behauptete, es sei der Nachtwind gewesen. Base Gertrud! Base Gertrud!"
„Nun, was soll's, Vetter Andreas!" scholl die Stimme der Muhme aus dem Küchengelaß. „Es ist noch nicht Zeit für das Vesperbrod."
„Wer spricht denn vom Vesperbrod?" lachte der Thürmer, als die Alte bei diesen Worten die Thür öffnete und den grauen Kopf heraussteckte. „Sieh her, wer da ist!"
„Herr, du meine Güte, der junge Herr Hochkirchner !" stammelte Muhme Gertrud und wischte ihre Hand sorglich an dem bunten Fürtuch ab, bevor sie dieselbe in die ausgestreckte Rechte des sie herzlich Begrüßenden legte. „Seid willkommen in der Heimath!"
„Und in Eurem Herzen, Muhme Gertrud," neckte Hans. „Ich hoffe nicht, daß der Thomas" — die Gestalt des Knechtes schlich eben wie ein Schatten am Fenster vorüber — „mich daraus verdrängt hat."
„Na, bis dahin dürstet Ihr getrost alt und grau geworden fein," meinte Mevus halb lachend, halb ärgerlich. „Die Beiden stehen noch immer mitsammen wie Katze und Hund. Aber geh', Base, und tische uns eine Flasche von dem firnen Pfälzer auf, den Vetter Jakob letzthin mitgebracht."
„Ich habe den Thomas auch nie gemocht,"
11 f dj e n Stadtschulen, denen sie ihre katholisch zu erziehenden Kinder nur in dringender Noth zusenden können und wollen. Da wäre es gewiß eine des Staates würdige Aufgabe, auf gesetzlichem Wege die Minoritäten zu schützen, und dort, wo die Stadtgemeinden den katholischen Mitbürgern keine Hilfe gewähren wollen, im Verein mit der kirchlichen Behörde helfend einzugreifen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!
Deutsches Deich.
Berlin, 30. August.
* Einen schweren Verlust hat wieder ein- mal die katholische Presse zu beklagen. Keittrich Keiler, der Redakteur des Deutschen Hausschatzes', ist heute gestorben. Der tüchtige Historiker unserer neueren katholischen Literatur war am 17. Juli 1853 in Paderborn geboren, hat also nur ein Alter von 45 Jahren erreicht. Er war zunächst in der katholischen Tagespresse thätig, u. A. längere Zeit am ,Westfäl. Merkur' in Münster, und machte sich durch verschiedene literarhistorische Schriften und Essays bekannt: 1876 Versuch einer Theorie des Romans; 1880 Katholische Erzähler der Neuzeit; 1881 Leben der Gräfin Hahn-Hahn; Lichtstrahlen aus den Werken derselben 1883; Fr. Wilhelm Weber, Biographie, 1883, 5. Auflage 1897; Katholische Dichter der Neuzeit 1883; Katholische Poesie in Deutschland seit 1848, 1885; Joseph v. Eichendorff, eine vortreffliche Monographie im Jahrbuche der Görres- Gesellschaft, 1887; Leitsterne aus dem Lebenspfade, Sentenzenschatz, 1888; Annette v. Droste 1889; Franz Grillparzer 1891; Heinrich Heine 1891; Praktische Winke für Schriftsteller 1895; Die Kunst, Bücher zu lesen 1895; Konfessionelle Brunnenvergiftung 1896 und andere kleine Schriften. Als Herausgeber des .Deutschen Hausschatzes' (Pustet, Regensburg) ist Heinrich Keiler im ganzen katholischen Deutschland, ja überall, wo Katholiken deutscher Zunge wohnen, bekannt und beliebt gewesen. Der.Deutsche Hausschatz' den Keiler aus den Händen von Venarz Müller übernommen halte, hat unter seiner Redaktion sich mehr und mehr den steigenden Anforderungen des modernen Lese-Publikums anbequemt und verdient die Bezeichnung eines katholischen Unterhaltungs- Blattes ersten Ranges. Durch die Herausgabe eines katholischen Literatur-Kalenders hat Keiler zur Stärkung des Solidaritäts-Gefühls sehr viel beigetragen, wie überhaupt die Entwickelung der katholischen Literatur Heinrich Keiter Vieles verdankt. An Keiter's Bahre trauert seine Wittwe, die hochbegabte feinsinnige Schriftstellerin M. Herbert. R. I. P.
X In Sachen des «ächste« KatHotike«- lages erhält die hiesige Märkische Volkszeitg.' eine Zuschrift, von der sie mittheilt, daß sie aus der Delegatur stammt. In dieser Zuschrift wird gesagt: Der Beschluß, den nächsten Katholikentag event. in Neisse abzuhalten, dürfte „in weiteren Kreisen Befremden erregen". Wer Neisse kenne, werde keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß Neisse „nicht auch nur annähernd der stetig wachsenden Bedeutung der Kaiholikenversammlungen werde gerecht werden können". — „Hoffentlich — so schließt die Zu
sagte Hans, als die Muhme die Thür hinter sich geschlossen hatte, und ich begreife Euch nicht, Vater, daß Ihr den Menschen mit dem schleichenden, gleißnerischen Wesen und dem verschlagenen Gesichte noch immer um Euch duldet."
„Er ist tüchtig wie keiner. Zuverlässig und treu im Dienste, erprobt in allen Obliegenheiten des Amtes. Wenn der Thomas nicht wäre, würde ich schon längst mein Wächterhorn habe niederlegen müssen. Und ich will auf dem Thurme sterben, wie meine Väter in voller Würde und Bürde ihres Postens auf ihm gestorben sind. Lebend bringt mich Niemand hinunter."
„Redet nicht vom Sterben in der ersten Stunde meines Hierseins, Vater, und noch dazu an einem so wonnigen Tage wie heute, wo neue Lebenskraft in jedem Lufthauche athrnet, und neue Daseinskraft aus jedem Laute spricht!"
„Ach ja, die Jugend! Die glückliche Jugend kann sich noch sonnen an dem lichten Frühlingsschein, ich fühle seine Wärme nicht mehr. Als vorhin der Knecht meinen Sessel hinausgetragen auf die Plattform, fröstelte es mich trotz der Junigluth. Nur wenn der echte alte Feuerwein durch meine Adern rinnt, fühle ich ein köstlich Behagen durch meine Glieder strömen. So, Base, Gertrud" — die Alte war mit einer versiegelten Flasche unter dem Arme wieder eingetreten — „nun schenk' ein und Ihr, Johannes, setzt Euch daher auf die Bank mir gegenüber!"
„Laßt mich einen Augenblick hinaus auf die Plattform, Vater Mevus, die Luft hier innen ist unerträglich. Und bann muß ich auch mein geliebtes Münster begrüßen, dessen Thurm mir Wahrzeichen und Sehnsuchtsziel gewesen all diese