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mit Ztnierhakümgs-Aeikage „Mustrirte Somüags-Zeiiungr'

Druck und Verla« de» Lnldaer Actiendru ckerei. peterss-Se Nr. 8 (Harmonie).

M 196.

JuLöcr, Dienstag, den 30. August 1898

25. Jahrgang.

* Eine Friedenskundgebung des Zaren.

Dauernder Friede — Völkerzwiste geregelt und beigelegt durch internationale Schiedsgerichte — allgemeine Abrüstung und Befreiung der Kultur­völker von den schier unerträglichen und uner­schwinglichen Lasten, die der Moloch des soge­nannten bewaffneten Friedens ihnen auferlegt: welch eine köstliche Reihe erhabener Gedanken! Wir hören sie nicht zum erstenmal aussprechen. Hervorragende Männer aller Kulturvölker und aller Parteirichtungen, im Lager der deutschen Katholiken allen voran der edle Fürst zu Löwen­stein, haben es sich schon längst zur Aufgabe ge­setzt, den großen Gedanken des ewigen Völker­friedens immer und wieder in den Vorleegrund zu schieben und stets von neuem darzuthun, welche ungeheuren Opfer an Gut und an Blut unnütz durch Kriege den Völkern auferlegt werden. Aber leider muß man sagen, daß bisher die Erfolge dieser idealen Bestrebungen nur sehr gering waren. Schön und gut — so lautete stets das Urthei! der Menge — aber „zu schön für diese Welt", unausführbar. Wer wird wohl anfangen mit der Abrüstung? Kein Staat wird damit den Anfang machen wollen und sich auf diese Weise der Ge­fahr aussetzen, daß er einem andern gegenüber in Nachtheil gelangt.

Jetzt, nahe an der Wende des Jahrhunderts, hat ein gewaltiger Mann in Europa die herrlichen Gedanken der Friedensfreunde sich zu eigen ge­macht. Der Monarch desjenigen Staatswesens, von dem man eine solche Kundgebung wohl am allerwenigsten erwartete, der Zar der Russen, ist an alle Mächte mit einer Kundgebung heran­getreten, die in eindrucksvoller Weise an die Noth- wendigkeit mahnt, der ständigen Gefahr der Ansammlung von Kriegsstoff ein Ende zu machen, der fortschreitenden Entwickelung der gegenwärtigen Rüstungen ein Ziel zu setzen und aufbem9Beget>er internationalen Berathung die wirksamsten Mittel zu suchen, um allen Völkern dauernden Frieden zu sichern.

Am letzten Sonntag hat der amtliche .Peters­burger Regierungsbote' die Mittheilung von dieser Kundgebung des Zaren gebracht. Aber schon einige Tage vorher, am 24. ds. Mts., ist sie er­folgt. Dies ist so geschehen, daß der russische Minister des Aeußern, Graf Murawjew, allen in Petersburg beglaubigten Vertretern auswärtiger Mächte am genannten Tage eine Mittheilung überreichte, die die vortrefflichen Anregungen des Zaren enthält. „Die Aufrechterhaltung des all­gemeinen Friedens — so hebt die Kundgebung an — eine mögliche Herabsetzung der über­mäßigen Rüstungen, die auf allen Völkern lasten, stellen sich in der gegen­wärtigen Lage der ganzen Welt als ein Ideal dar, auf das die Bemühungen aller Regierungen gerichtet sein müßten." Gott segne den jungen Zaren für dieses Wort! Zu gegenwärtiger Zeit gehört fast so etwas wie persönlicher Muth dazu, derlei auszusprechen. Bei uns in Deutschland zu­mal gerälh leicht in den Verdacht der sogenannten Reichsfeindschaft derjenige Staatsbürger oder Parlamentarier oder Zeitungsschreiber, der solche

Ans der Ueichswachl.

Erzählung von A. Jüngste

21 —-— (Nachdruck verboten.)

„Hans, Mütterle, für Dich und Gesina immer nur Hans!" rief der junge Mann aufspringend und ein Knie vor der Matrone beugend. „Meinst Du denn wirklich, daß ich hinfüro der Mutter entralhen könnte, die ein halbes Menschenleben hindurch mich geliebt und mit Aufopferung ihrer selbst mich gehegt und gepflegt hat? Als Hans Hochkirchner bin ich im ehrsamen Bürgerhause in Zucht und Sitte groß geworden; als Hans Hochkirchner habe ich Hammer und Meißel schwingen und die Geheimnisse meiner edlen Kunst kennen gelernt; meinst Du, daß sich das so leicht ab streifen ließe? Nein, Mutter, für so undankbar kannst Du Deinen Hans nicht halten, und auch Du nicht, Gesina." Er wandte sich zu der Jungfrau und reichte ihr seine Hand hin. „Du bist und bleibst meine Schwester, mag ich nun Hans Hochkirchner oder Adalbert von Konzen­berg heißen."

„Für immer Deine Schwester!" lächelte Ge­sina unter Thränen und erwiderte den warmen Druck seiner Rechten. „Aber werden Deine Ver­wandten Dich uns lassen?"

„Vielleicht nicht gerade für immer. Guno- mar besteht darauf, daß meines Vaters Erbtheil mir zugesprochen werden müsse. Das hat jedoch noch gute Wege; das Reichskammergericht in Wetzlar liebt den Schneckengang und wird sich meinethalben nicht beeilen. Mein Vetter hat allerdings sofort die einleitenden Schritte zu

Gedanken laut werden läßt; und „patriotisch denken" und rücksichtslos dem Volke Lasten aus Lasten aufbürden, ohne daran zu denken, wovon sie wohl bestritten werden können, das ist nach der Auffassung der leitenden Kreise bei uns bei­nahe eines und dasselbe geworden. Da klingen die Worte des russischen Herrschers wie Er­lösung aus einer Zeit der Begriffsverwirrungen: „Im Namen des Friedens haben große Staaten mächtige Bündnisse mit einander geschloffen. Um den Frieden besser zu wahren, haben sie in bisher unbekanntem Grade ihre Militär­macht entwickelt und fahren fort, sie zu ver­stärken, ohne vor irgend einem Opfer zurückzu­schrecken. Alle ihre Bemühungen haben dennoch nicht das fegensreiche Ergebniß der ersehnten Friedensstiftungzeitigen können. Da die finan­ziellen Lasten eine steigende Richtung verfolgen und die Volkswohlfahrt an ihrer Wur­zel treffen, so werden die geistigen und physischen Kräfte derVölker, dieArbeit und das Kapital zum großen Theile von ihrer natürlichen Bestimmung abgelenkt und in unproduktiver Weise aufgezehrt. Hunderte von Millionen werden aufgewandt, um furchtbare Zerstörungs-Maschinen zu schaffen.... Die nationale Kultur, der wirthschaftliche Fort­schritt .... sehen sich in ihrer Entwickelung gelähmt und irre geführt.... Diesen un­aufhörlichen Rüstungen ein Ziel zu setzen und die Mittel zu suchen, dem Unheil vorzubeugen, das die ganze Welt bedroht: das ist die nächste Pflicht, welche sich heutzutage allen Staaten aufzwingl."

Der Zar schlägt vor, eine internationale Konferenz einzufetzen, die sich mit dieser ernsten Frage zu beschäftigen hätte. Werden die anderen Staaten einwilligen? Sie müssen es, wenn sie wirklich Kulturstaaten sein wollen. Sonst be­weisen sie, daß sie mehr Träger der Barbarei als der Kultur sind.

* * *

In der deutschen Presse wird der Vor­schlag des Zaren aufs freundlichste willkommen geheißen. „Auch wir — so läßt sich das Organ der Deulschkonservativen, die .Kreuz-Zeitung', vernehmen — wünschen aufs innigste, daß -der augenblickliche Zustand fortwährender Bedrohniß gedeihlicheren Zeitläuften Platz machen möge, die es den Völkern ermöglichen, mit ungeteilter Kraft sich ihren Kulturaufgaben zu widmen . . . Dem Gebäude des Friedens ist ein neuer, so hofftn wir, ein fundamentaler Eckstein eingefügt. Und doch, wird das Gebäude den Stürmen der Zukunft Trotz bieten können? Bisher haben die Verhältnisse, die Interessen der Völker, sobald sie in ihrem innersten Mark berührt wurden, sich stets als stärker erwiesen als alles Andere. Würde ein Land denn immer geneigt sein, einem Friedensgerichtshofe sich zu fügen? Wohl schwer­lich . .

Auf dieselbe Tonart ist die naiionalliberale Berliner,National-Zeitung' gestimmt. Sie schreibt unter anderem: „Den Beschlüssen der Friedensfreunve hat man immer entgegengehalten, daß sie nicht anzugeben wüßten, wie die Aus­führung ihrer Abrüstungs-Forderungen auch nur begonnen werden könnte. Wenn die Regierung

meiner Anerkennung gethan; ich mußte mit ihm nach Tübingen und Stuttgart reiten, sonst hätte ich nicht so lange gesäumt und wäre schon früher in Eure Arme 'geeilt, die günstige Wandlung Euch zu berichten. Schreiben konnte und mochte ich das Wunderbarliche Euch nicht; solche Dinge erzählen sich nur von Mund zu Mund."

„Ich kann's immer noch nicht fassen," mur­melte die Matrone. „Wenn mir auch mitunter geschwant, daß Du von vornehmer Abkunft sein müßtest, so hatte ich's mir nimmer gedacht. Ein Reichsfreiherr von Konzenberg!"

„Ja, Mutter, und ich kann nicht leugnen, daß es mich freu', auf eigener Hufe zu stehen und mir sagen zu dürfen: Das haben deine Väter erworben, strebe danach, ihres Namens und Besitzes würdig zu werden! Und gesteh' nur selbst. Liebste, hast Du nicht manchmal da­runter gelitten, wenn Deine Sippe, die Neu­burger und Steiner vom Hohensteg und gar die verwittwete Rathsherrin, die alte Treuin am Steinthor, mitleidig die Achseln zuckten ob des Findlings, den Du thörichterweise Dir aufgehalst? Haben sie nicht für unehrlicher Leute Kind mich gehalten, die Köpfe zusammen gesteckt und ge­meint, daß es im Grunde eine Schmach für das alte Zünftlerhaus fei, einen solchen Sohn und Erben zu haben? Ich habe es wenigstens oft genug gefühlt und schon als Bube in ohn­mächtigem Grimme mit den Zähnen geknirrscht, wenn die Frau Rathsherrin in meiner Gegenwart eine hämische Bemerkung machte."

»Ja, ja, sie werden sich wundern, die Vettern und Basen," nickte Frau Edeltraur mit trium- phirend aufleuchtendem Auge. „Wenn's nur der

einer Großmacht aber eine Konferenz aller Staaten beruft, so darf man selbstverständlich voraussetzen, daß sie sich zum Mindesten über die Grundzüge eines Programms für diese Berathungen klar ist, daß sie namentlich festgestellt hat, welche Ver­pflichtungen sie selbst unter der Voraussetzung ähnlicher Maßregeln anderer Staaten übernehmen will. .

„Wir glauben — so bemerkt die .Deutsche Tageszeitung' des Bundes der Landwirthe — fest daran, daß der Erlaß ernst und rückhalt­los gemeint sei. Aber als nüchterne Politiker müssen wir prüfen, welchen Erfolg er haben könne. Zunächst ist es fraglich, ob alle Machte die Kon­ferenz beschicken werden. . . . Wenn aber wirk­lich alle bedeutenden Mächte die Konferenz be­schicken sollten, so würde die zweite Frage fein, ob es gelingen könne, sie alle unter einen Hut zu bringen ..."

Augenscheinlich beeinflußt von Berlin läßt sich die .Kölnische Zeitung' wie folgt vernehmen: „Schon in Anbetracht des Urhebers des Ab- rüstangsplanes erscheint es uns sicher, daß kein Staat sich weigern wird, ihn in ernstliche Er­wägung zu ziehen. Von Deutflhland versichert das genannte Blatt, daß es „gern bereit ist, die ehr­liche Probe zu machen und ohne Hintergedanken auf die russischen Pläne einzugehen, in der vollen Ueberzeugung, daß dieselben nur int Geiste der ausgleichenden Gerechtigkeit betrieben werden sollen und ohne Schädigung der Lebensinteressen und der Rechte unseres Staates und Volks."

Leider ist sestzustellen, daß man in England und in Frankreich dem Vorschläge des Zaren zum Theil mit Mißtrauen, zum Theil mit offen­barer Abneigung begegnet. Nur einige Blätter der englischen Liberalen treten für die Beschickung der vorgeschlagenen Berathung durch England ein. In Oesterreich macht der Abrüstungs­vorschlag einen großen Eindruck und wird als eine bedeutsame Kundgebung nach Westen und nach Osten angesehen. In Ungarn besprechen sämmtliche Blätter in enthusiastischen Worten die Kundgebung des Kaisers von Rußland und halten dieselbe für öas bedeutendste Ereigniß der letzten Jahrzehnte. In Italien begrüßt man den Vorschlag des Zaren zum Theil mit Mißtrauen, als seien hinter diesem Vorschläge Fallstricke ver­borgen — sicherlich ein sehr übel angebrachtes Mißtrauen. In Schweden hat der Minister des Aeußern, Graf Douglas, einem Mitarbeiter des Blattes,Dagens Nyheter' gegenüber geäußert, die kleinen Mächte, darunter Schweden, werden natürlich die Einladung Rußlands mit Dankbar­keit annehmen. Es ist jedoch klar, daß der Er­folg der Verhandlungen von der Stellungnahme der Großmächte abhängt. Falls irgend jemand im Stande ist, einen solchen Vorschlag glücklich durch­zuführen, fo iß es der Monarch, der nicht an ein Par­lament gebunden ist, und mit noch größeren Rüst­ungen drohen kann, falls fein Plan nicht gelingt. Man braucht wahrhaftig kein Freund zarischer Politik im allgemeinen zu fein; und dennoch muß man hier unter allen Umständen das Eine ganz bestimmt annehmen, daß der Vorschlag des Zaren ernst und aufrichtig gemeint ist. Man kann sich angesichts dieses großartigen Gedankens gar nicht vorstellen, daß die Staaten so tief in

Großohm noch erlebt hätte! Der würde sich gefreut haben; der hatte Dich lieb, beinahe so sehr wie ich. Und daß ich's Dir sage, mein Sohn: ich bin immer stolz gewesen auf das Kind, das Gottes Gnade mir gegeben, heute bin ich es doppelt, da ich sehe und fühle, daß der erb- gefeffene Edelmann fein Anderer ist, als mein Hans. Aber wie die vornehme Sippe Deine Angelegenheit auch betreiben mag, vorerst wirst Du doch bei uns bleiben? Meine alten Augen haben Dich so lange entbehrt, daß ich Dich so­bald nicht wieder missen kann. Wenn nur nicht der Vicomte — —"

„Der Vicomte? Ist der Vicomte von La- penbiere wieder hier in Straßburg?"

„Er war hier, ist aber schon seit einem halben Jahre nach Colmar versetzt."

Hans hatte die Brauen gerunzelt und ging unruhig in dem Gemache auf und ab. Der Ge­danke an den Vicomte war ihm eine unliebsame Erinnerung. Ob Rosels spärliche Briefe mit der Anwesenheit des früheren Nebenbuhlers zusammen- hingen?

„Rosel wird schöne Augen machen," sagte der junge Mann endlich, vor der Mutter stehen blei­bend und zärtlich über ihren ergrauten Scheitel streichend. „Du lieb's Mütterle, und auch Du Gesina, Ihr möchtet schon lieber den schlichten Hans Hochkirchner behalten, aber ich wette, der Rosel ist der Edelmann kein unwillkommener Freier. Ja, mein Röschen, mein holdes Rös­chen! O, es ist schwer, wenn man Stunde um Stunde gezählt und Meile um Meile in fieber­hafter Ungeduld durchmessen hat, am Ziele in seiner Hoffnung sich getäuscht zu sehen! Daß

die moderne Barbarei von Blut und Eisen ver­sunken sein sollten, um dem Vorschläge des Zaren nicht Folge zu leisten. Nun, wir werden ja sehen! Unter allen Umständen aber wird er dem Geiste und der Gesinnung des jugendlichen Zaren Nikolaus stets zur Ehre gereichen!

Deutsches Deich.

Berlin, 29. August.

* Bei der ^atäflhtafaljrf des Kaisers wird sich in dessen Gefolge in erster Linie de Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. B ü 1 o w befinden. In Konstantinopel schließt sich voraus­sichtlich noch der diesseitige Botschafter bei der Pforte, Frhr. v. Marschall, der wieder in der türkischen Hauptstadt eingetroffen ist, an. Der Cberftceremonienm elfter Graf Eulenburg wird das einzige Mitglied der aus etwa 90 Köpfen bestehenden Reisegesellschaft sein, das im Jahre 1869 die entsprechende Fahrt mit dem hochseligen Vater des Kaisers gemacht hat,

* Am 31. August wird in Berlin Arinz Leopold von Mayern von einer Truppen­besichtigung bei Jüterbog aus eintreffen, um, einer Einladung des Kaisers folgend, am anderen Tage an der großen Herbstparade auf dem Tempelhofer Felde und am Nachmittag am Parade­diner im Königlichen Schlosse theilzunehmen. Der Kaiser hat den Prinzen eingeladen, im Königlichen Schlosse zu wohnen. Wahrscheinlich steigt der­selbe aber in der Bayerischen Gesandtschaft ab und folgt am 1. September einer Einladung des derzeitigen Gefchäftsträgers Frhrn. v. Guttenberg zum Frühstück. Am 1. Abends oder am 2. früh fährt der Prinz zur Fortsetzung der Truppen­besichtigungen in feinem Jnspektionsbezirk nach Fürstenwalde refp. Frankfurt a. O. Weiterhin nimmt er auf Einladung des Kaisers an dem Kaisermanöver und auch an der großen Parade bei Minden Theil.

* Von der Bismar ck-Presse wird nach den Aeußerungen des Abgeordneten Konsistorial- rath Tr. Porsch auf Bern Katholikentag in Krefeld mit verdoppeltem Eifer und unter Be­rufung auf Bismarck eigene Worte behauptet, daß Windlhorst in den verhängnißvollen Märztagen 1890 den Fürsten Bismarck aus eigenem Antriebe ausgesucht habe und nicht von ihm emgelaben worden sei. Darum braucht es aber noch keines­wegs wahr zu sein. Fürst Bismarck hat sich in seinen Aeußerungen nach seiner Entlaffung sehr oft „geirrt" und als Mann von unzuverlässigem Gedächtniß bewiesen. Herrn Dr. Porsch will man einen Widerspruch nachweisen, indem man an eine Aeußerung erinnert, die er 1891 in Breslau gethan. Er sagte: „Ich bin mit Windt- horst zusammengewesen, ehe er damals zu Bleich- rüder ging, und bin der erste und einer der wenigen gewesen, mit dem er sofort darüber ver­traulich sprach, was ihm Bleichröder gesagt hatte. Das war an einem Sonntag und am folgenden Montag hatte er die Unterredung mit Bismarck." Wir vermögen mit dem besten Willen nicht ein­zusehen, wie das im Widerspruch stehen soll mit dem, was Dr. Porsch in Krefeld sagte.

* Im Osten erschallt nun der Ruf nach einer

„Sammlung" zn den Landtags,vayle«.

ich bis morgen mich gedulden muß, bevor ich Rosel in meine Arme schließe, dünkt mir schier unmöglich. Und Sigmar Eppendorf kommt auch nicht."

„Ich wollte Dich vorhin nicht unterbrechen," fiel Gesina rasch ein. „Der Lausbursche war mit der Meldung zurück, daß er Sigmar in feiner Wohnung nicht angetroffen und im Stadthause, wo große Rathssitzung gewesen, gar keinen Ein­laß gefunden habe."

„Wenn Sigmar nicht kommt, möchte ich hin­auf auf den Thurm, um wenigstens die Stätte zu sehen, wo Rosel heute früh noch geweilt, wo jeder Stein jedes Staubkorn von ihrer Liebe mir erzählt. Auch drängt es mich, Vater Meous und Muhme Gertrud zu begrüßen; die beiden Alten werden meines Glückes sich nicht minder freuen, als Ihr. Noch eins, Mutter, wenn mein Diener kommt — lache nur nicht, Gesina, ich habe wirklich und wahrhaftig einen Diener, der alte Meinhold that es einmal nicht anders, er mußte mich begleiten auf der Fahrt ins Elsaß, und Gunomar wollte es auch so — wenn also mein Diener kommt, laßt ihn die Pferde ein­stellen beim goldenen Schlüssel, wo ich vorhin auch meinen Falben gelassen. Und nicht wahr, Ihr nehmt den treuen Mann, dem noch immer die Augen feucht werden, wenn er jener ver- hängnißoollen Bittfahrt gedenkt, in Hulden auf und gebt ihm guten Einstand?"

„Das Beste, was ich in Küche und Keller habe, mein Sohn. Um Deinetwillen würde auch der Geringste Deiner Eigenholden willkommen fein bei den Hochkirchners in Straßburg."