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mit Zlnterhaltungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs
M 195.
Julda, Montag, den 29, August 1898
25. Jahrgang.
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A Der Krefelder Katholikentag.
Obwohl die nichtkatholische Presse uns mehrfach versichert hat, daß von dieser jüngsten Generalversammlung der Katholiken Deutschlands nichts Besonderes zu sagen und nichts Bemerkenswerthes zu berichten sei, so füllt doch dieselbe Presse nachträglich ganze Spalten mit sehr ausführlichen Betrachtungen über dieses angeblich so bedeutungslose Ereigniß. Das muß seine besonderen Gründe haben. Und diese Gründe sind sehr leicht dadurch gekennzeichnet, daß schließlich die Krefelder Versammlung auf diejenigen wider ihren Willen einen mächtigen Eindruck gemacht hat, die so gern die ganze Veranstaltung als etwas höchst Nebensächliches behandelt hätten.
Welchen Umständen haben wir das zu verdanken ? Wir brauchen nicht lange zu suchen danach. Der Geist vollkommener Einmüthigkeit, von dem diese Generalversammlung ebenso wie alle Vorgängerinnen beherrscht war — die thatsäch- lich geleistete Arbeit — das Maßvolle des Tones aller Kundgebungen, die den Gegner wohl bekämpfen, aber nirgends und in keiner Weise verletzen: das sind vor allem die Gründe, denen wir den machtvollen Eindruck dieser letzten Katholiken-Versammlung zu verdanken haben.
Die Einmüthigkeit aller versammelten Katholiken, wie sie in diesem Jahre in Krefeld hervorgetreten ist, bildet keine Neuigkeit mehr. Alle entsprechenden Versammlungen vorher gleichen ihr in diesem Punkte. Nichtsdestoweniger verfehlt die Thatsache nicht ihren Eindruck, daß diese Einmüthigket noch niemals Einbuße erlitten hat. „Der Krefelder Katholikentag — so schreibt die .Deutsche Tageszeitung', das leitende Organ des Bundes der Landwirthe — ist geschlossen worden, nachdem er eine überaus reiche und mannigfaltige Tagesordnung erledigt hatte. Es würde falsch und kurzsichtig sein, wenn man die Bedeutung dieser Tagung unterschätzen wollte .... Diese Zusammenkünfte der deutschen Katholiken legen sprechendes Zeugniß ab von der Geschlossenheit und Einmüthigkeit, die in den katholischen Reihen herrscht. . ."
An tatsächlich geleisteter Arbeit übertrifft dieser letzte Katholikentag noch virle seiner Vorläufer. Und es ist sicherlich ein sehr guter Gedanke gewesen, die gesummten Reden und Verhandlungen so viel wie möglich einem einheitlichen Gesichtspunkte unterzuordnen. „Katholisch-Sozial" — so überschreibt die Zeitung des Abg. Hofprediger a. D. Stöcker, das .Volk', einen Aufsatz, der der Krefelder Versammlung
Auf der Reichswacht.
Erzählung von A. Jüngst.
20 ------ (Nachdruck verboten.)
„Da geschah es eines Abends — es war in der letzten Hälste des Märzen —, daß die Dämmerung mich überraschte bevor noch das Ziel meiner Tagfahrt, das freundliche Tutlingen, sich zeigen wollte. Unschlüssig, ob ich wenden und dem Dörfchen, in desfen Wirthshause ich Mittag gemacht, zurückkehren solle, hielt ich auf der Landstraße, als plötzlich unweit von mir am Bergabhang ein Licht auftauchte. Ich gab meinem abgetriebenen Klepper die Sporen und sprengte darauf zu. Nach kaum einer Viertelstunde hatte ich das Außenthor einer ansehnlichen Burg erreicht. Auf meine dringende Bitte, und nachdem er sich überzeugt, daß ich allein sei und außer meinen Radpistolen keinerlei Waffen führe, ließ der Wärter mich ein, fuhr aber erschrocken zurück, als er mir unter dem Thorbogen mit seiner Laterne ins Gesicht geleuchtet. Meine Frage, ob er immer noch nicht traue, ob.mein ehrliches Gesicht ihm keine genügende Bürgschaft meiner friedlichen Absichten sei, ließ er unbeantwortet. Kopfschüttelnd und allerlei unverständliche Redensarten vor sich hinmurmelnd, ging er mir voran bis zum Eingang der großen Halle.
„Bald saß ich wohl geborgen in einem weiten, mit alten Bildern u. kostbaren Teppichen geschmückten Gemache am flackernden Feuer, neben mir der Herr der Burg, der gestrenge Herr von Konzenberg mit seinem jungen Gemahl und dem greisen Burgkaplan. Die edlen Menschensreunde hatten
gewidmet ist. „Der deutsche Katholizismus — so äußert sich das genannte Blatt — hat in Krefeld große Tage erlebt. Man wird sie nicht geringschätzig abthun dürfen mit dem Ur- theil: gut gemachte Centrums-Demonstration. Was sollte solche Geringschätzung dem evangelischen Glauben helfen? Wir glauben nicht, daß die Kluft zwischen Rom und Wittenberg.. . sich je wieder schließen kann . . . um so mehr gilt es, denen drüben gerecht zu werden und vielleicht manchmal von ihnen zu lernen. Das katholische Gemeingefühl Deutschlands kommt auf den Katholikentagen zum Ausdrucke. Das gibt den Reden Bedeutung weit über die Zuhörerschaft und über den Kreis der Zeitungsleser hinaus . . ." Solches Lob und solche Anerkennung hört man gern; um so lieber, wenn sie von einer Seite kommen, die sonst gar nicht die Neigung hegt, katholische Einrichtungen zu loben; am liebsten aber dann, wenn sie, wie hier, gerade der sozialpolitischen Thätigkeit im katholischen Lager gezollt werden. Und gerade diese ist in Krefeld hervorgetreten, wie niemals zuvor in einer Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Nicht in der Gestalt von Selbstberäucherung, in dem Rühmen eigner Thaten ist dies zum Ausdrucke gekommen. Vielmehr durchzieht alle Reden wie ein einziger rother Faden die klare Erkenntniß des Vielen, das noch fehlt, und das heiße Ringen nach Klarheit, nach Wahrheit, nach wahrem Fortschritt im besten Sinne des Wortes. Auch der Freude über das Erreichte ihr R.cht werden zu lassen, kann und darf unmöglich verboten sein Und hier in diesem Falle war dies doppelt am Platze: muß doch die Freude über das, was bereits erreicht ist, wiederum ermuthigend und anspornend wirken für fernere Arbeit.für weiteres Streben. Es kann uns darum sehr kalt lassen, wenn vereinzelte Stimmen im Lager der Gegner von „ultramontaner Selbstverhimmelung" reden. Alles Nörgeln, alle absichtliche Gehässigkeit bringen die Thalsache nicht aus der Welt, daß es gegen modernes Heidenlhum und gegen Umsturz - Bestrebungen keine bessere Waffe, kein vortrefflicheres Heilmittel gibt, als die Sozialpolitik', wie sie uns das Christenthum lehrt, die Sozialpolitik, welche ihre Lehren und ihre Anwendungen nicht einrichtet nach den Interessen einzelner Gruppen Hoher und Mächtiger, sondern unbekümmert um besondere Einzel-Interessen in den Dienst des Ganzen, namentlich aber in den Dienst derer sich stellt, die bedrängt sind und Noth leiden.
Vieles fehlt noch ohne Zweifel, bis die katholische Sozialpolitik ganz diesem hohen Vorbilde entspricht, wie das reine Christenthum es uns vorhält. Aber das redliche Streben, diesem Vorsilbe so nahe wie möglich zu kommen, kann der utholischen Sozialpolitik auch der Gegner nicht absprechen. Und wer weiß, ob nicht einst die Zeit kommen wird, in der der versöhnende Ver- mittlergeist dieser katholischen Sozialpolitik der einzige Hoffnungsanker sein wird für die Erhaltung bestehender Zustände!
Stark im Grundsätze, kräftig in der That — aber maßvoll und ruhig im Worte und in der Anwendung: so möge die katholische Sozialpolitik sein und bleiben. Dann wird ihr reicher Lohn werden!
den reisemüden, durchnäßten und durchfrorenen Fremdling willig ausgenommen an ihren Herd, ihm Obdach und Zehrung gegeben. B i einem Becher tiefdunkeln Meersburger mußte ich Ihnen von meinem Woher und wohin erzählen und, da der Name Straßburg gefallen, von dem schmählichen Raube unserer herrlichen freien Reichsstadt berichten, auch mehr als einmal dem ergrimmten Ritter Bescheid darauf thun, daß das Elsaß in Bälde seines Joches ledig, wieder deutsch werden möge. Der Kaplan mischte sich mit keinem Worte in die Unterhaltung, er wiegte nur immer nachdenklicher fein ehrbares Haupt und schaute bald mich, bald seinen Gebieter an, um dann, wie auf einem Unrecht betroffen, schweigend vor sich hin zu blicken. Als wir endlich niedersaßen zum Abendbiß starrte ich verwundert auf die silbernen Messer, die Pocale, das Linnen, die sämmtlich ein mir wohlbekanntes Zeichen trugen. Ein Kornfeld mit den Buchstaben, die Euch, liebste Mutter, und mir selbst schon so viel Kopfzerbrechens gemacht: M t. v."
„Nun, hunger Freund," lachte der Burgherr, „was seht Ihr so verwundert das Wappen meines Hauses an? Greift lieber zu! Der gebeizte Wilsschweinskopf ist gut, ich kanns Euch versichern."
„Mit Vergunst, edler Herr," versetzte ich und zog meine Brieflasche hervor, in welche die Fürsorglichkeit meines Mütterleins das Fleckchen Tuch mit dem eingewirkten Wappen gelegt hatte, „schaut einmal her, ob das hier nicht das gleiche Bild, die gleiche Ueberschrift ist."
„Bei Gott, das Wappen der Konzenberg mit dem Motto: Morte tua vivis! Durch den Tod zum Leben! Wie kommt Ihr dazu?"
Die sogenannten protestantischen De- giernnge« und die MiederherKeUung des Kirchenstaates.
Mit Angst und Bangen vernimmt jedes Jahr die nichtkatholische Presse den Protest, welchen die Katholikenversammlungen immer erneuern gegen die feige Gewaltthat der italienischen Regierung im Jahre 1870. Ein nervöses Zucken befällt sie, wenn immer und immer wieder die Wiederherstellung der territoralen Unabhängigkeit des Papstes gefordert wird. Immer allgemeiner wird aber trotzdem von Jahr zu Jahr die Erkenntniß, daß die Annexion des Kirchenstaates nicht nur ein internationales Verbrechen, sondern auch eine politische und soziale Dummheit war. Alle die weitgehenden Hoffnungen, die man auf diesen Raubzug Italiens gesetzt hatte, deretwegen man selbst auf konservativer Seite sich nicht scheute, zum Sturze des legitimsten^ aller Throne Europas Beifall zu klatschen, sind schmählich in die Brüche gegangen. Man erkennt immer klarer, daß die Kraft der katholischen Kirche nicht — wie man sich thörichter Weise einbildete — auf dem Besitz des Kirchenstaates beruht; daß dem Papst und der Kirche also auch durch Wegnahme des Kirchenstaates nicht beizukommen ist; daß nicht einmal das Ansehen und die Würde unseres heiligen Vaters von dem Besitz oder Verlust dieses Territoriums abhängt. Selbst einigen deutschen „Gelehrten" dämmert die Erkenntniß, daß die Souveränetät des Papstes nicht wie bei.den weltlichen Herrschern durch den Besitz eines Landes bedingt ist, sondern daß seine kirchliche Stellung, die Unabhängigkeit seines Regimentes in der katholischen Welt, ohne Weiteres die eigentliche Quelle seiner unerschütterlichen, unantastbaren Souveränetät bildet.
Seitdem dieHoffnung geschwunden ist, demPapst- thum durch den Raub des Kirchenstaates — wie man erwartet hatte — einen „gehörigen Puff" versetzen zu können, seitdem lassen die Herren ja schon bedeutend vernünftiger mit sich reden.
Wie wäre es also, wenn wir unfern Gegnern beweisen würden, daß die sogenannten protestantischen Staaten oder Regierungen ein großes Interesse an der Wiederherstellung des Kirchenstaates haben, ja sogar, daß die protestantischen Regierungen daran noch in höherem Grade interessirt sind als die katholischen? Das will vielleicht Manchem schier unglaublich erscheinen und doch ist es die reine Wahrheit und nicht schwer zu beweisen.
Daß der Papst und die Katholiken den Kirchenstaat aus Herrschsucht und Eitelkeit fordern, war lange Zeit protestantisches Dogma. Heute ist diese Fabel nicht einmal mehr als Ammenmärchen zu brauchen. Alle Welt weiß, daß der tiefste, innere Grund, weshalb Papst und Kirche aus der Forderung territorialer Unabhängigkeit lestehen, darauf beruht, daß die Katholiken aller Länder das Recht und die Pflicht haben, zu ver- v erlangen, daß derjenige, der der oberste Lehrer ihres Glaubens und der oberste Hirt ihrer Seelen ist, nicht der Unterthan irgend welcher politischen Macht sei. Die Macht, welche der Papst kraft unserer Religion über unser Gewissen und über die wichtigsten Angelegenheiten unseres
Der greife Priester, der unverwandt auf das Tuch gestarrt hatte, hob jetzt den Blick und sagte eierlichen Tones: „Der unglückliche Junker Konrad trug ein braunes Gewand, als er mit Weib und Kind die Burg seiner Väter verließ, um die Sippe seines Gemahls in der Pfalz zu besuchen."
„Und Ihr, woher habt Jhr's?" forschte der Konzenderg dringlich.
„Ich erzählte, was ich aus Eurem Munde so oft gehört und noch bevor ich geendet, faltete )er Kaplan die Hände und rief: „Gepriesen sei die Barmherzigkeit des Herrn, daß meine alten Augen den Sohn meines Konrad, dem ich selber das Taufwasser gespendet noch sehen dürfen, bevor sie sich schließen!"
„Ihr könnt denken, Mutter, Schwester, wie betroffen, halb erschreckt und halb freudig ich den Redenden anschaute, aber dieser ließ weder mir noch dem Burgherrn Zeit zu einer Erwiderung, andern fuhr unbeirrt fort: „Ich habe Euch gleich darauf angesehen, als Ihr vorhin in die Halle tratet. Junker Konrad, wie er leibte und lebte! Auch die Ähnlichkeit mit Herrn Guno- mar ist unverkennbar: dieselbe breite Stirn, die- elben tiefliegenden blauen Augen — zwei Reiser vom gleichen Stamm."
„Die Burgherrin, die prüfend von einem zum andern geblickt, bestätigte die auffallende Aehnlichkeit zwischen ihrem Gemahl und mir und wies auf das Bild des vorletzten Konzenberg hin, welches ebenfalls dieselben Züge trug. Ein Be- ehl des Ritters rief einen alten Diener herbei, der vor fünfundzwanzig Jahren den Bruder des damaligen Burgherrn und fein Gemahl aus der
Lebens ausübt, ist so groß, daß sie absolut unverträglich ist mit der Stellung eines Unterthanes weltlicher Interessen.. Wir müssen die Garantie haben, daß der Papst vollkommen frei und unabhängig seines Amtes walten kann und daß auch nicht der entfernteste Schein entstehen könne, als handele er in Abhängigkeit oder unter dem Ein- flusfe einer bestimmten Nation oder Regierung. Nun wissen wir allerdings, daß in Sachen des Glaubens und der Sitten ein derartiger Einfluß niemals statthaben wird; aber in Sachen der Verwaltung, sowie der kirchlichen Politik wäre es immerhin möglich, daß es einer Regierung gelänge, aus der Nothlage des Papstes Kapital zu schlagen und seine Entschließungen in ihrem Sonderinteresse zu beeinflußen; wäre es auch nur, um sich das Protektorat über die Christen in gereiften Ländern zu sichern. Und nun fragen wir unsere protestantischen Mitbürger, ob sie nicht selber überzeugt sind, daß, wenn dieser traurige Fall einträte, es jedenfalls keine sogenannte protestantische Regierung sein wird, der es gelinget, die Macht des Papstes sich dienstbar zu machen. Haben wir also Unrecht, wenn wir sagten: ein jeder Staat, und sogar ein sogenannter protestantischer noch mehr als ein katholischer, hat das höchste Interesse daran, daß der Papst wiederum, und zwar möglichst bald, auf den Jsolirschemel gesetzt werde, den man Kirchenstaat nennt, um so allen einseitigen Beeinflussungen im Sonderinteresse einzelner Länder und Völker ein für allemal entzogen zu fein ?
Die Erhaltung und Neutralisirung des Kirchenstaates ist also ein wichtiges gemeinsames Interesse aller Staaten, welche katholische Unter- thanen haben, als die Existenz der neutralen Schweiz für die Ruhe Europas.
Hoffen wir, daß die Ernüchterung unserer protestantischen^ Mitbürger derart fortgeschritten ist, daß sie sich in kaltblütiger Erwägung der thatsächlichen Verhältnisse der Erkenntniß nicht weiter verschließen, daß es auch für sie im wohlverstandenen nationalen Interesse liegt — mit uns einzustimmen in die Forderung der Wiederherstellung des Kirchenstaates. Unsere protestantischen Mitbürger haben damit zugleich die ihnen gewiß willkommene Gelegenheit, das Unrecht wieder gutzumachen, wodurch sie sich im Fahre 1870 so schwer gegen alle konservativen Grundsätze des Rechtes und der Legitimität versündigten, als sie zum Raubzug Italiens und zu der die Herzen der Revolutionäre aller Länder erfreuenden Depesche Bismarcks: „Jetzt oder Nie!" in blinder Thorheit Beifall klatschten.
Deutsches Deich.
Berlin, 27. August.
X Auch auf das Berliner sozialdemokratische Central-Organ , V o r w ä r t s' hat die Krefelder Katholiken - Versammlung einen mächtigen Eindruckgemacht. „Mit kulturkämpferischen Redensarten," so meint der.Vorwärts', „wird man der Bedeutung des Krefelder Katholikentages nicht gerecht .....Männer, wie der Weihbischof
Dr. Schmitz, lassen sich auch in Fastenzeiten nicht dazu verleiten, im Ueberschwange der Gefühle unbegründetes Selbstlob den Erfolgen der katho- Fahrt nach der Pfalz begleitet hatte. Als der treue Mann meiner ansichtig wurde, ging ein ZsitsH durch feinen ganzen Körper, er mußte sich est aus den Tisch stützen, wenn er nicht zu Boden sinken wollte. Erst nach geraumer Weile und nachdem ein Becher feurigen Weines die erloschenen Lebensgeister wieder angespornt, vermochte er von den damaligen Geschehnissen zu berichten.
„Die Reise nach der Pfalz war trotz der unruhigen Zeiten glücklich verlausen, und das edle Paar — meine Eltern, wie ich nun wohl sagen darf — auch auf dem Rückweg unangefochten bis Basel gekommen, als die junge Frau dringend begehrte, eine Bittfahrt nach St. Odilien zu machen. Mein Vater hatte der drohenden Kriegs- läufte wegen lange widerstanden, endlich aber ihren Wünschen nachgegeben. Im tiefen Walde, nicht ferne mehr vom Kloster, war eine Bande französischer Marodeure aus dem Dickicht gebrochen, hatte die Reisenden ihrer Baarschaft beraubt, meinen Vater und einen der Diener nach tapferer Gegenwehr erschlagen und den zweiten, der sich hilferufend über meine von einer unver- sehenen Kugel getroffenen Mutter geworfen und das noch unverletzte Knäblein mit feinem Leibe zu decken suchte, hohnlachend emporgerissen und mit sich geschleppt über den Zabernersteg nach Lothringen. Vergebens hatte der Wackere gestrebt, sich der Hand der Mordbuben zu entziehen, um zu dem Kinde seines Herrn zurückzukehren; der auf ihn gerichtete Sauf einer Pistole machte jeden Fluchtversuch unmöglich. Erst nach Jahr und Tag gelang es ihm, aus den Banden der räuberischen Horden zu entkommen und nach manchen Umwegen das Elsaß wieder zu erreichen.