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JK 194.

Jutöcr, Samstag, den 27. August 1898

25. Jahrgang.

□ 45. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands m Krefeld.

VII.

Krefeld, 27. Aug.

Der letzte Tag der diesjährigen Katholiken­versammlung wurde eingeleitet durch hl. Messen in allen Kirchen Krefelds nach den Intentionen des Bonifatius-Vereins. Die

letzte geschlossene Generalversammlung wurde um 81/» Uhr durch den zweiten Vize­präsidenten Dorsemagen eröffnet. Auf der Tagesordnung stehen Anträge aus dem Gebiete „Wissenschaft, Schule und Unterricht". Zur Annahme gelangen zunächst Anträge, welche den zu Trier gegründeten Verein zur Unter­stützung studirender deutscher Katholiken dem 'Wohlwollen der Katholiken empfiehlt, ein Antrag, welcher den Erlaß eines christlichen Schul­gesetzes, durch welches die konfessionelle Schule gesichert wird, fordert, fowie ein Antrag, welcher in den Volksschulen die Trennung der Geschlechter wünscht. Es folgen die Anträge betreffend die soziale Frage. Hier werden folgende An­träge angenommen: ein Antrag, welcher die Her­anwachsende weibliche katholische Jugend auf die für die Beschäftigung der Frauen geeigneten Berufe aufmerksam gemacht wissen will ; ein An­trag, welcher die Bildung von„Berufsver- bänden der Arbeiter auf christlicher Grundlage und zwecks Studium und praktischer Lösung so­zialer Fragen die Gründung sozialer Kon­ferenzen wünscht; ein Antrag, welcher die Gründung von Vereinigungen für Lehrlinge und jugendlicher Arbeiter fordert; ein Antrag, welcher von der Regierung alle Maßregeln fordert, welche geeignet erscheinen, der Landwirthschäft in ihrer gegenwärtigen Nothlage Erleichterung und Hilfe zu bringen und insbesondere hie Ein­richtung einer gesetzlichen Vertretung der Land- Mirthschaft behufs Förderung der Interessen der landwirthschaft!. Bevölkerung und die Schaffung einer berufsgenossenschafilichen Organisation des Bauernstandes auf christlicher Grundlage nach­drücklich wünscht, und zu diesem Zwecke die Gründung und weitere Ausbildung von Bauern­vereinen und die Bildung von landwirthschaft- lichen Genossenschaften empfiehlt; ferner wird ein Antrag angenommen, welcher die beharrliche Fortführung der Sozialreform im Sinne der Rundschreiben des hl. Vaters und der kaiser­lichen Erlasse fordert und der Centrums- sraktion und der einzelnen Landtage für ihre bisherige Thätigkeit auf dem Gebiete der Sozial­politik den Dank ausspcicht, und ein Antrag, welcher alle Handwerker auffordert, nach den Be­stimmungen der Novelle zur Gewerbeordnung von 1897 allerorten Handwerkerinnungen einzurichten und erneut die Einführung des Be­fähigungsnachweises fordert; ein Antrag, welcher verlangt, daß den Beamten, insbesondere den Post- und Eisenbahnbeamten die Theilnahme

Ans der Aeichsmacht.

Erzählung von A. Jüngst.,

19 ------ (Nachdruck verboten.)

„Rose! ist nicht da", sagte Gesina, die nun endlich ihre Fassung wieder gesunden hatte und sich erhob, um das Verlangte zu holen.

„Nicht da! Um Gottes willen, wie habe ich das zu verstehen?" fragte der junge Mann er­bleichend.

„Beunruhige Dich nicht, sie ist nur hinaus nach Limersheim zu ihrer Base. Ich sah sie, als ich heute Morgen aus dem Münster kam."

Frau Edeltraut heftete den Blick auf die Tochter. Warum hatte Gesina des Zusammen­treffens mit dem Mädchen nicht erwähnt? Da war gewiß wieder etwas vorgefallen, eine der zahllosen Mißhelligkeiten, mit denen Rosel den beiden Frauen das Leben erschwert hatte in diesen Jahren. Ein leiser Seuszer hob ihre Brust. Der Gedanke an die unselige Liebe ihres Sohnes war wie Mehlrhau auf ihre Wiedenssehensfreude ge­fallen. Auch Hans seufzte.

„Nicht hier! Und ich bin geritten die halbe Nacht hindurch, um ein paar Stunden früher mein holdes Lieb überraschen zu können. Wenn es nicht um meinen müden Falben wäre, würde ich sofort mich wieder in den Sattel schwingen und hinüber nach Limersheim reiten."

Mißmuthig an der Unterlippe nagend, durch­maß der Enttäuschte mit großen Schritten das Gemach. Frau Edeltraut folgte ihm mit trau­rigem Blicke. Nie zuvor hatte sie es so schmerz­lich empfunden, daß die Liebe ihres Pflegekindes

am sonntäglichen Gottesdienste ermöglicht werde, und welcher die katholischen Familienväter auf­fordert, darauf zu dringen, daß ihre Söhne beim Militär Sonntags den Gottesdienst be­suchen; desgleichen gelangt ein Antrag zur An­nahme, welcher sich gegen die Ausbeutung der Kellner und ähnlicher Angestellten richtet; ein Antrag, welcher zur Abstellung der Miß­stände in den Wohnungsverhältnissen die Grün­dung von gemeinnützigen Bauvereinen und Bau­genossenschaften fordert, ein Antrag, welcher das Abwandern der ländlichen Be­völkerung in die Städte und Jndustriebezirke beklagt; ein Antrag, welcher die Bildung von Gewerbegerichten thunlichst in allen Jndustrie- gegenden fordert und daß die Gewerbegerichte mehr als bisher durch Abfassung von Gutachten an staatliche und kommunale Behörden wie vor­nehmlich durch die ihnen zustehende Thätigkeit als Einigungsämter zur Verhütung oder friedlicher Beilegung von größeren Arbeitsstreitig­keiten wirken sollen; ferner ein Antrag, welcher sich gegen die Zunahme der Vergnügungs­sucht in der Frauenwelt richtet und die Vereine empfiehlt, welche die Sorge für die weibliche Jugend sich als Aufgabe gestellt haben. Zur römischen Frage ist noch ein Antrag eingegangen, welcher es als dringendste Aufgabe aller Katholiken Deutschlands bezeichnet, dem heil. Vater zu Hilfe zu eilen durch eifrige Neuorganisation der St. Michaels-Bruderschaft in allen Diözesen Deutschlands während der nächsten Monate.

Hochw. Weihbischof Dr. Schmitz-Köln em­pfiehlt auf das wärmste die sofortige Gründung von St. Michaels-Bruderschaften zur Einsamm­lung von Peterspfennigen für jede Diözese. Es ist eine Ehrenpflicht der katholischen Welt im all­gemeinen und der deutschen Katholiken insbesondere, jede finanz'elle Kalamität vom hl. Vater fern zu halten. Der hl. Vater muß in die Lage versetzt werden, so 'sorglos und frei von allen finanziellen Bedrängniffen die Kirche Gottes zu regieren, daß sich nicht irgend ein Gesandter unterstehen darf oder es wagen.darf, de,m bl. Vater vgrzuhalten, es werde der Peterspfenaig zurückgehen, wenn der hl. Vater nicht die Wünsche irgend einer Nation erfüllt. (Stürm., minutenlanger Beifall und lebhafte Zustimmung.) Die Liebe zu unserem hl. Vater und der Gedanke, daß der hl. Vater frei sein muß, dieser Gedanke muß uns begeistern, mit vollen Händen mehr als je in der Ver­gangenheit zum Peterspfenniq beizutragen. (Stürm. Beifall.) Der Antrag wird einstimmig ange­nommen. (Lebh. Beifall.)

Kommiffar Fürst zu Löwenstein beantragt die Wiedereinsetzung eines Centralkomitees der Katholiken Deutschlands, welches die Obliegen­heiten des bisherigen Kommissars zu übernehmen hätte, da die Gründe weggefallen seien, welche 1872 die Generalversammlung zu Breslau ver­anlaßt hätten, das Kommissariat an Stelle des Centralkomitees einzusetzen.

Weihbischof Dr. Schmitz bittet den Kom­missar, da die Sache zu wichtig sei, als daß man sich jetzt darüber entschließen könne, noch ein Jahr das Amt weiter zu führen.

Fürst Löwenstein bedauert, bei seinem An-

mcht mehr ihr allein gehöre. Als Hans bei einer hastigen Wendung ihrem Auge begegnete, blieb er stehen und schlang Heide Arme um sie.

„Vergib mir, Mutter, daß ich so undankbar sein und mir nicht an Dir uiH Gesina genügen lassen konnte. Aber ich habe die Rosel so lieb, so unsagbar lieb. Und ich weiß nicht, ob ich's mir einbildete, ihre Briefe waren in der letzten Zeit gar kurz und kühl. Ich hielt's nicht mehr aus in der Fremde, ich mußte zurück, mußte in ihren Augen lesen, von ihren Lippen hören, daß ich ein Narr gewesen mit meinem eifersüchtigen Bangen."

„Ja, Hans" — die Sorge fiel erst jetzt aufs Mutterherz — „durstest Du denn zurück? Mußt Du nicht fürchten--"

„Ach was, die Sache ist ja längst abgethan. Als ich ging, habe ich freilich gemeint, Straß­burg nicht anders wiedersehen zu wollen als unter dem wehenden Reichsbanner. Ich hätte nicht gedacht, daß bei meiner Heimkehr die wälsch redenden Söldner noch im Thorthurm liegen würden. Aber wenn auch in währenden Kriegs- läuften die Befreiung des Elsaß noch hinaus­geschoben ist, meine Sicherheit ist nicht so leicht gefährdet Denn siebst Du,' Mütterle" — ein stolzes Lächeln verschönte das frische Antlitz — „ein Reichsfreiherr von Konzenberg braucht einen Vicomte von Lapendiere nicht sonderlich zu fürchten."

„Reichsfreiherr von Konzenberg!" stammelte Frau Edeltraut verständnißlos.

„Reichsfreiherr von Konzenberg l" wiederholte auch Gesina, die eben mit der Kanne und den Bechern eingetreten war.

trage verbleiben zu müssen. Der Antrag wird angenommen mit einem Antrag Custodis-Köln, wonach der Vorstand der 45. Generalversamm­lung unter Hinzuziehung des Abg. Dr. Bachem beauftragt wird, das Centralkomitee, welches sich selbst eine Konstitution zu geben hat, vorzu­nehmen.

Weiter wird ein Antrag angenommen, welcher den angehenden Akademikern empfiehlt, sich auf der Universität einer katholischen Studenten­korporation anzuschließen; ein Antrag, welcher das neue Centralkomitee beauftragt, sich an ver­schiedene Vereins- oder Ordensgesellschaften zu wenden zwecks Verfassung einer Geschichte der General-Versammlungen; ein Antrag, welcher die Gründung katholischer Vereine nach dem Muster des Windthorstbundes in Essen empfiehlt. Als Ort der nächsten Generalver­sammlung wird Neisse angenommen.

Es folgen Anträge des Ausschusfes für christliche Kunst. Ein Antrag wird ange­nommen, welcher die Zeitschrift für christliche Kunst empfiehlt und jene Kunst verwirft, die in der Darstellung des Nackten schrankenlose Freiheit duldet. Der Antrag verwirft ferner alle Dar­stellungen, welche die Personen und Verhältnisse der heil. Geschichte und überhaupt Gegenstände religiöser Art in die gemeine Wirklichkeit herab­zieht und ihres objektiv-idealen Inhalts beraubt. Auch empfiehlt der Antrag die Zuwendung reli­giöser Objekte an gläubige Künstler und die Unterstützung derselben. Ferner wird em Antrag angenommen, welcher sich gegen die Un­sittlichkeit in Druckschriften, Abbildungen, öffent­lichen Ausstellungen und in der Ankündigung von zu unsittlichem Gebrauche bestimmten Gegenständen richtet und ein gesetzliches Einschreiten fordert.

Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß der Versammlung 10x/» Uhr.

Ire kehle össeul'iche Generakversammk««g wurde unter großem Andrang durch den 1. Prä­sidenten Baron von Frey berg um 101 /a Uhr mit dem katholischen Gruße eröffnet.

Vom heil, Vater ist ein Telegramm einge­gangen, in welchem er Gottes Segen auf die Generalversammlung herabfleht und der Versamm­lung den apostolischen Segen ertheilt. Nach Ver­lesung des Telegramms bringt der Präsident ein Hoch auf den HI. Vater aus, in welches die Ver­sammlung dreimal begeistert einstimmt.

Präsident Frhr. v. Freyberg theilt mit, daß eine Dame, die unbekannt bleiben wolle, 4000 Mark gewidmet habe, von denen die Hälfte an bedürftige Arbeiter und Arbeiterinnen, die andere Hälfte für nothleidende Brüder in Ar­menien verwandt werden soll. (Lebh. Beifall.)

Reichsgerichtsrath Dr. Spahn, mit Beifall begrüßt, führt aus, er wolle das ihm gestellte Thema „Ausgleich der wirthschaftlichen Interessen auf allen Gebieten des Handwerks und der In­dustrie zwischen Nord und Süd und Ost und West mit besonderer Berücksichtigung der agra­rischen Interessen und der Einigkeit des katho­lischen Volkes", dahin einschränken, daß er nur die Agrarfrage und die Handwerkerfrage be­handeln wolle. Die letzte Reichstagswah! habe gezeigt, daß tie Sozialdemokratie jetzt auch auf

Der junge Mann weidete sich an dem Er­staunen der beiden Frauen und blickte triumphi- renb von einer zur andern.

„Ja, ja, Mütterle", nickte er, „Dein weib­licher Scharfsinn hat Dich sogar beim Auflesen eines armen Findlings richtig geleitet. Es war nicht bas namenlose Kind fahrender Leute, wie die Mißgunst behauptet hat, dessen Du Dich am Odilienberge erbarmet, sondern das einzige Söhn­lein des Reichsfreiherrn Konrad von Konzenberg und seiner Gemahlin, der Gräfin Adela von Gemmingen."

„Um des Himmels willen, Hans, erkläre Dich deutlicher. Sprich!" drängte Frau Edeltraut, welche fassungslos in den nächsten Sessel ge­sunken war.

„Sogleich, Mütterle, wenn ich meinen Durst gelöscht und meinen Hunger gestillt habe. Ich habe in Sinsheim die letzten Bissen gegessen und mir in Kehl kaum Zeit gelassen zu einem Trünke."

„Du armer Bub!" ftüfterte Frau Edeltraut, glückselig lächelnd, daß der neue Reichsfreiherr sie in alter lieber Weise sein „Mütterle" nannte. „Geh', Gesina, spute Dich! Sieh' in der Küche nach und laß auf den Tisch bringen, was irgend das Haus vermag. Hält' ich's nur geahnt, die Frau von Landsperg hätte lange bitten können, bis ich ihr den Hirschziemer, den der Jäger mir gebracht, für ihren vornehmen Besuch überlassen."

„Ich thue's auch ohne den Braten", lachte Hans. „Irgend etwas Gutes wird Deine Speise­kammer schon aufzuweisen haben, oder ich müßte mein Mütterle nicht kennen. Und höre, Gesina, könntest Du nicht das Katherle oder die Burschen zu Sigmar schicken? Mein Herz verlangt danach,

dem platten Lande Fortschritte gemocht habe. Auch auf dem Lande mache sich der Gegenfatz zwischen Kapital und Arbeit immer schärfer gel­tend und auch auf dem Lande habe sich die Ar­beiterfrage ru einer der brennendsten Fragen aus­gestaltet. Man habe schon Versuche zur Lösung dieser Frage gemacht. So habe man die land- wirthschaftlichen Arbeiter in die Versicherungsge­setze einbezogen, aber diese Einbeziehung bedeute eine ungerechte Belastung der landwirthschaftlichen Arbeitgeber. Der Gewinn aus dem Rentengut­gesetz sei für die landwirthschaftlichen Arbeiter nur ein geringer gewesen. Die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, welche die land­wirthschaftlichen Arbeiter beträfen, träten erst 1900 in Kraft. Wie zwischen Arbeiter und Ar­beitgeber ein Gegensatz bestehe, so bestehe ein sol­cher auch zwischen der inländischen und aus­ländischen Landwirthschaft, welch' letztem ihren heimischen Boden in einer für uns unerträglichen Weise ausnutzt. (Lebh. Zustimmung.) Dieser Konkurrenzkampf mache sich nicht unbemerkbar von Besitzer zu Besitzer, sondern auch von Fami­lienmitglied zu Familienmitglied. Um der Land­wirthschaft zu helfen, seien viele Maßnahmen ge­troffen worden. Man habe die Grundsteuer den Gemeinden überwiesen. Es sei ein Gesetz gegen den Terminhandel erlassen worden, man ließ die Grenzen sperren wegen Viehseuchen, erinnere ferner an den Gänsekrieg, an die Erleichterung des ländlichen Kredits, an die Konversion. Die Landwirthschaft sei also nicht das Aschenbrödel; im Gegentheil stehe die Landwirthschaft gegen­wärtig wie zu keiner Zeit im Centrum der Ge­setzgebung. (Sehr richtig.) Wenn das Centrum die großen Mittel abgelehnt habe, so hat es da­für gewichtige Gründe gehabt. Ein falsches Ein­greifen der Gesetzgebung würde nirgend mehr schaden, als der Landwirthschaft, die eine der stärksten Vesten des Staates sei. (Beifall.) Da­her sei das Centrum auch vorsichtig gewesen in der Frage der Verschuldung durch Erbgang. Da die Verhältnisse in den einzelnen Staaten ver­schieden seien, so sei es gut, die Regelung den Einzelstaaten zu überlassen. (Lebh. Zustimmung). Es bestehe roeiter ein Getreidezoll; der drücke zwar auf den Weltmarktpreis, aber zugleich er­höht er den inländifchen Preis für Getreide und komme demLandwirth zugute. Es seien Klagen über die Handelsverträge laut geworden. Hier müsse an die Ueberoölferung Deutschlands er­innert werden. Den Menschenüberschuß könne die Landwirthschaft nicht aufnehmen, daher müsse dies die Industrie thun oder man müßte Men­schen exportiren. Das Centrum halte es aber für besser, Maaren statt Menschen zu exportiren. Dazu komme, daß eine gutgelohnte Jndustrie- bevölkerung die beste Abnehmerin sei. Das zeige, daß nichts ein einzelner Stand auf Kosten des andern gefördert werden dürfe, sondern daß die Interessen aller Berufsstände gegeneinander ab­gewogen werden müßten. (Lebh. Beifall.) Was die Frage des Handwerks betreffe, fo fei für dasselbe durch Einrichtung von Handwerkerkam­mern, durch die Möglichkeit des Zusammen­schlusses zu Innungen und durch einen Ersatz für den Befähigungsnachweis gesorgt werden. Zum Schluffe wendet Redner sich gegen den Vor- «SSS8SSSSSSSSSSSSSSSSVSSSSWS» den wackeren Freund noch vor Abend wiederzu­sehen. Eigentlich hatte ich mir fest eingebildet. Dich als wohlbestallte Frau Rathsschreiberin finden zu müssen, trotz der Franzosenherrschaft. Aber es ist wohl nur ein Jrrthum meinerseits gewesen, Schwesterlein, und nimm's nicht für un­gut," fügte er schnell hinzu, als er das jähe Er­glühen und eben so rasche Erblassen Gesinas wahrnahm. „Ich hätte darauf schwören mögen, daß Sigmar zu tief in Deine Augen geschaut. Aber so geht's, wenn man selbst in der Minne Rosenketten schmachtet, wittert man überall Leidensgefährten."

XI.

Die zwölfte Stunde hatte noch nicht ausge- fchlagen, als Gesina zu Tische rief. Freilich gab es vorerst noch einen Aufenthalt, denn das Kätherle, das schon den Vater Hochkirchner gewartet und später Gesina und Hans aufgezogen hatte, mußte doch auch den Heimgekehrten gebührendermaßen begrüßen. In ihre laute, verwunderte Freude über fein gutes Aussehen, seine mannhafte Er­scheinung mischte sich nur ein bedenkliches Kopf­schütteln über die arge Verschwendung, in so kost­barem Aufzuge durchs Land zu reifen. Das war ehedem nicht Brauch gewesen bei ehrsamen zünf­tigen Leuten, höchstens bei den Söhnen der ritter- bürtigen Geschlechter.

„Kätherle, der Fisch verkocht," unterbrach Ge- fina den Redestrom der Alten, worauf diese mit einem Schxeckensmf in die Küche zurückstürzte und der kleinen Hilfsmagd schier den Kopf verwirrte mit all den Wunderdingen, die sie von Hans, ihrem Hans, zu berichten wußte.

Im Erkerzimmer saßen inzwischen die glück-