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M 193.

JuLöa, Freitag, den 26. August 1898

25. Jahrgang

□ 45. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands m Krefeld.

VI.

Krefeld, 25. Aug.

^ie drille öffentliche Generalversammlung wird durch den Präsidenten Baron v. Freyberg um 5'/z Uhr mit dem katholischen Gruß eröffnet. 'Der Präsident theilt der Versammlung mit, daß ein Telegramm des Kaisers eingelaufen sei, in welchem derselbe für den telegraphischen Ausdruck treuer Ergebenheit bestens dankt. Der Präsident bringt ein Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Versammlung dreimal begeistert einstimmt. "Ferner ist ein Telegramm eingelaufen von Seiner Eminenz dem Kardinal-Erzbischof von Köln als "Antwort auf ein von den Pilgern diesen Morgen -an ihn von Kevelaer abgesandtes Telegramm, in welchem der Erzbischof die Gottesmutter bittet, die Anliegen der Versammlung zu segnen. Der "Präsident bringt auf den Kardinal ebenfalls ein dreifaches Hoch aus, in welches die Versammlung dreimal begeistert einstimmt.

Pfarrer Dr. Thywissen theilt mit, daß auf das Begrüßungstelegramm der Arbeiter- Vereine vom Sonntag vom hl. Vater eine Ant­wort eingelaufen sei, in welcher derselbe für die Gesinnungen der katholischen Arbeiter danke und ihnen von ganzem Herzen den apostolischen Segen ertheile. Auf das Telegramm, welches die Ar­beitervereine am Sonntag an den Kaiser abge­sandt haben, ist ebenfalls ein Telegramm des Kaisers eingelaufen, in welchem derselbe seine Freude über die Kundgebung treuer Anhänglich­keit ausdrückt und für dieselbe dankt. (Lebhafter Beifall).

Erster Redner ist Dompropst Dr. Scheuff- gen-Trier. Derselbe spricht über das Thema „Die Einwiikung des katholischen Gedankens au die soziale Frage und die christliche Charitas." Am Eingänge weist Redner darauf hin, daß man im Alterihum eine allgemeine Brüderlichkeit nicht bekannt habe, daß die Brüderlichkeit an der . grenze, an der der Feind wohnt, aufgehört habe. Erst das Christenthum habe einen entscheidenden Umschwung herbeigeführt; es habe Liebe zu den Armen, Kranken und die Brüderlichkeit Aller ge­predigt. Nach einer Zeit späteren Rückgangs habe die Gegenwart all-rdings Fortschritte zu ver­zeichnen. Die soziale Frage sei wieder kräftiger in Angriff genommen, das Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sei indessen nicht besser geworden. Der Arbeiter habe zwar gegen die Mitte des Jahrhunderts bessere Nahrung, Wohnung und Kleidung, aber er erkennt das nicht dankbar an, die falsche Auslegung der Frei­heit und Gleichheit verwirre seinen Sinn. Der Unglaube werde heute durch Presse und Kunst verbreitet. Der eine glaube, er sei über die Ver­wendung seines Reichthumes niemandem Rechnung schuldig und auch der Andere habe den gläubigen Sinn verloren. Das zeigten die sozialdemokra­tischen Arbeiter. Zwischen Sozialdemokratie und 'Christenthum gebe es keine Vermittlung. (Sehr richtig!) Die Sozialdemokratie könne die soziale Frage nicht lösen, das zeige die Geschichte des -Christenthums. Die katholische Kirche habe die

Auf -rr Peichswacht.

Erzählung von A. Jüngst.,

18 ------ (Nachdruck verboten.)

Rosel spielte mit dem Zipfel ihres Fürtuchs und schaute sehnsüchtig durch das kleine Fenster ins Freie. Seit sie wußte, daß der Vicomte nach Limersheim kommen werde, meinte fte's nimmer aushalten zu können in der be­drückenden Enge des Thurmes. Ihre verzehrende Ungeduld drängte sie hinaus und hinab, dem Ge­liebten entgegen. Schon öfters hatte sie heimliche Zusammenkünfte mit ihm bei der willigen Bärbel gehabt.

„Darf ich, Vater?" wiederholte Rosel, ohne auf die Reden des Alten einzugehen. „Ihr wißt, heute am 1. des Monats fährt der Wembacher hinaus, ich könnte die Gelegenheit benutzen und morgen Abend wieder Heimkommen. Bei dem schönen Wetter--"

„Schönes Wetter!" brummte der Alte „Es ist nimmer so schön wie in meiner Jugendzeit. Die Sonne scheint wohl, aber sie hat keine Kraft mehr; es bleibt kalt, eisig kalt. Und überdies, i Rosel, es brauet irgendwo Unheil. Gestern und vorgestern, als ich nicht schlafen konnte, habe ich es deutlich rauschen hören tief unten im Grunde. Die Unterirdischen sind an der Arbeit. Dann gibts allemal ein Unglück Bleib daheim, Kind!"

„Ihr habt geträumt, Vater, wie so oft schon. Wißt Ihr nicht mehr, daß Ihr auch im vorigen -Jahre das Rauschen der Waffer gehört haben wolltet, und nachher war es der Nordwind ge­wesen, der durch die Thurmlöcher pfiff. Darauf

soziale Frage denn auch wieder in den rechten Fluß gebracht. Er brauche nur an den sozialen Papst und an die Namen Hitze, Kolping, an die Vincenz-, die Charitasvereine und die großen Missionare zu erinnern. (Lebhafte Zustimmung.) Gegenüber den bevorstehenden gewaltigen Aende- rungen müßten die Katholiken besonders auf der Hut sein. Glaube und Liebe stützten die Kirche, so lange die Kirche sich auf diese Säulen stütze, so lange könnten wir ruhig fein, so lange könnten wir ausrufen: ..Wenn Gott in uns ist, wer ist gegen uns?" (Lebhafter Beifall.)

Pfarrer Aengenvoort -Emmerich behandelt das Thema: „Beruf der Frau in sozialer Be­ziehung." Die Frau, wie die Sozialdemokraten es wollten, dem Manne völlig gleich zu stellen, schieße über das Ziel hinaus; die Frauenfrage müsse vom christlichen Standpunkte betrachtet werden. Nach der göttlichen Ordnung solle die Frau die Gehilfin, aber nicht die Sklavin des Mannes sein und sie solle ihn und sich durch ihr gott­ergebenes Wirken glücklich machen. Aber bald habe man das Weib von dieser seiner Stellung herabgedrückt; bei allen vorchristlichen Völkern, die Juden nicht ausgenommen, sei die Frau zur Sklavin geworden. Selbst bei den Germanen habe es nicht so ausgesehen, wie Tacitus be­richtet. Die Rettung sei durch Jesus Christus gekommen. Nach seiner Lehre sei die Frau wieder die Gehilfin des Mannes geworden, die Mutter und Erzieherin d.r Kinder. (B.ifall.) Ihre Stellung sei durch das Sakrament der Ehe veredelt und befestigt worden. Diese Stellung habe die Kirche gewahrt bis in die höchsten Kreise hinaus, die Throne mit ihren Lastern beflecken. (Lebh. Bravo!) Speziell der Jungfrauen habe sich die Kirche stets angenommen und den entehrten habe sie die rettende Hand bargeboten, eingedenk des Wortes: Selig der Leib, der dich getragen. (Be­wegung.) Der Mutter verdanke der Sohn alles; zunächst in religiöser Beziehung. Die Frauen seien religiöser als die Männer, und es sei nöthig, daß die Frau Religion besitze, denn in ihrer Hand liege die Erziehung der Kinder. (Lebh. Zu­stimmung.) Das Gebet der Mutter habe man­chen Strauchelnden auf den rechten Weg zurück-, gebracht und noch das gebrochene Auge der tobten Mutter wirke im Sohne (ebenbig nach, fobaß es ihm unmöglich werbe, ihr Vorbilb zu vergessen. Die Frauen hätten oft ben Söhnen unb ben Männern ben Glauben erhalten. Mit biefer Wirkung in religiöser Beziehung wirke die Frau auch gleichzeitig in sittlicher und sozialer Beziehung. (Lebhafter Beifall.) Die Männer feien es, die in den Parlamenten die Gesetze machten, aber daß diese Gesetze im rechten sittlichen Sinn aus­geführt würden, das zu erreichen seien zehn Parlamente nicht im Stande, das sei allein Auf­gabe der Frau, der Mutter. (Beifall.) Der Mann fei das Haupt der Familie unb solle eS sein, bie Frau aber sei bas Herz berfelben. Wenn bas Herz gefunb sei, bann sei ber ganze Mensch ge- sunb, wenn aber bas Herz krank fei, bann schwebe ber Mensch beftänbig zwischen Leben unb Tob; unb wenn bie Frau, bas Herz ber Familie, nicht mehr gläubig fei, bann fei es mit ber Gläubig­keit unb mit ber Frömmigkeit ber ganzen Familie vorbei. (Lebh. Beifall.) Redner schließt mit dem

will ich's schon wagen. Ich bringe Euch auch Johanniskraut mit, das ist gut für die Gicht und heilt alle möglichen Gebrechen. Nicht wahr, Vater ich darf gehen?"

„Nun denn, meinethalben; aber wie gesagt, es ist nicht recht von den Hochkirchnerischen, daß Sie dich gar so viel allein lassen."

„Muhme Gertrud, hilf mir geschwind bei ben Zöpfen!" rief Rosel ber mit ber Morgensuppe eintretenben Greisin entgegen. „Ich will gleich hinaus nach Limersheim. Der Wembacher fährt um Acht vom goldenen Schlüssel ab."

Muhme Gertrud hätte beinahe die dampfende Schüssel der zitterigen Hand entgleiten lassen.

„Um Gottes Willen, Kind, Du hast ja gestern erst der Bärbel sagen lassen, Du möchtest nicht."

„Das war gestern. Ich habe über Nacht meinen Sinn geändert. Hilf mir nur schnell, daß ich den Wagen nicht versäume."

V.

Gesina war beruhigt und getröstet aus dem Münster geschieden. Sie halte ernste Einkehr in ich selbst gehalten unb bie besten Vorsätze gemacht, auch betreffs Rosels. Vielleicht war sie zu streng gewesen, hatte bas junge lebensfreudige Kind nach sich selbst beurteilt. Das war es. Sie mußte nachsichtiger werben unb mit ber Gebulb ber wah7en Liebe bas Mädchen an sich zu ziehen uchen.

Als sie aus dem Portale des Gotteshauses trat, kam eben Rosel in sonntäglichem Putz da- )er, anscheinend ohne sie zu sehen, obwohl das leichtfertige Ding die ernste Nebenbuhlerin beim ersten Blick bemerkt hatte. In der weichen Stimmung, unter dem noch nachzitternden Ein­

Wunsche, daß feine Ausführung dazu beitrage, eine recht hohe Vorstellung von ber Würbe unb Ehrenstellung ber Frauen in uns zu erwecken unb lebenbig zu erhalten. (Langanhaltenber, stürmischer Beifall.)

Fabrikant V o g e n o - Aachen spricht über bas Thema: „Die Betheiligung der deutschen Katholiken in Hanbel unb Jnbustrie." Das Thema sei auf bie Tagesordnung gesetzt worben in ber Erkenntniß, daß bei bem Bestreben ber beutschen Katholiken, bas in ben letzten Jahrzehnten verloren gegangene Terrain auf allen Gebieten bes öffentlichen Lebens roieber zu erobern, auch ben katholischen Kaufleuten unb JnbustriellHi eine erhebliche Aufgabe zufällt. Die Katholiken müßten dafür sorgen, baß befähigte unb einflußreiche Männer auch im bürgerlichen Leben bie katholischen Ideen zur Geltung zu bringen suchten. (Beif.) Wenn von anderer Seite Herren von Bildung und Besitz sich hartnäckig weigerten, an der Lösung ber sozialen Frage mitzuwirken, so müßten auch wir ihnen Männer von Bilbung unb Besitz entgegenstellen, bie bem Gebauten sozialer Gerechtigkeit zum Siege verhelfen unb bas Gebäube bes Egoismus stürzten. (Bravo). Der Einwand, daß uns die Kirche hindere, in weltlichen Dingen die Fürsorge in der nöthigen Weise auszuüben, sei falsch; sie warne nur vor Überschätzung materieller Güter, vor der Hab- unb Gewinnsucht. Die materielle Besserung müsse aber mit einer Steigerung bes sittlichen Gefühls Hand in Hand gehen. (Sehr gut!) Mit bem Be­sitz seien sittliche Pflichten nerbunben. Das Eigen- thum werbe seinem wahren Zweck entzogen, wenn es nicht bie Erreichung bes Nothwendigen für Alle ermögliche unb verbinben könne mit bersozialen Ueber= unb Ünterorbnung. Der katholische Glaube biete kein Hinberniß für bie rührige nachhaltige Bethätigung im wirthschaftlichen Leben. (Lebhafte Zustimmung.) Es seien anbere Grünbe, bie bie Zurückhaltung ber katholischen Männer erklärten. Das preußische System habe eine Zeit lang ben Katholiken ben Zutritt zu ben höheren Aemtern verwehrt. Die Anziehung zwischen katholischem Vermögen unb katholischen höheren Kreisen habe schädlich gewirkt unb ben katholischen Kreisen bas Gelb entzogen Geld fei eben ber nervus rerum., unb ber Kaufmann, ber es habe, habe einen Vor­sprung. Andere Gründe seien ehrenwerth für die katholische Bevölkerung, sie liebten keine Geschäfte, wo man das Zuchthaus mit dem Aermel streife. (Bravo!)

Pfarrer Lehn en-Koblenz behandelt das Thema: „Freiheit der Schule und des Unterrichts auf allen Stufen." Die Entchristlichung, führt Redner ans, sei die Ursache des riesigen An- schwellens der Sozialdemokratie und die Rückkehr zum Christenthum in der Schule sei das einzige Mittel, um bem sozialen Umsturz wirksam zu be­gegnen. In nichtkatholischen Gegenden seien bei ben letzten Wahlen 2 Millionen Stimmen für bie Sozialbemokcaten abgegeben worben unb kaum 100000 in kath. Gegenden (Beifall) unb auch barunter nur ein geringer Theil von katholisch erzogenen Wählern. Jene 2 Millionen Wähler seien in ben burch ben Kulturkampf verweltlichten Schulen erzogen worben (Beifall) unter liberalen Lehrern, bie ber Kultusminister Falk seine treuesten Mitkämpfer genannt habe. (Hört! hört!) Man

fluß ihres Gebetes, eilte jedoch Gesina ber schnell Weiterschreitenben nach unb bot ihr freundlich bie Hanb.

„Guten Morgen, Rosel! Wohin schon so früh?"

Rosel übersah bie bargereichte Rechte unb ttjat, als schaute sie bem Fluge eines aufsteigen- ben Storches nach. Dann legte sie bas feine Köpfchon mit einer unnachahmlich anmuthigen Bewegung in ben Nacken unb versetzte schnippisch:

„Ich wüßte nicht, wer Dir bas Recht ge­geben hätte, um mein Gehen unb Kommen Dich zu kümmern. Wenn Du es aber burchaus er­fahren mußt: ich will nach Limersheim zu meiner Base Barbara. Bist Du nun jufrieben?" Unb bevor noch bie Anbere ein Wort entgegnen konnte, hatte sie ihr einen spöttischen Knix ge­macht unb war um bie Ecke verschwunben,.

Diese Begegnung fiel wie verzehrenber Rauh- reif auf bie aufsprießenben HoffnungMüthen in Gesinas Herzen. Traurig, wie sie gegangen, kehrte sie zurück.

Frau Ebeltraut empfing bie eintretenbe Tochter mit leisem Vorwurf. Sie hielt auf strenge Ord­nung gerade wie zu der Zeit, da noch die Küfer mit ihren Gesellen im Keller hantirten, und nun hatte Kätherle schon vor einer Viertelstunde die Morgensuppe ins Hint^rstübchen getragen, und noch immer fehlte die Tochter. Gesina entschuldigte ihre Versäumniß mit hastigen unzusammenhängen- dcn Worten und saß dann mit der Mutter nieder zum Frühmahl. Da sie während des Essens die besorgten Blicke der letzteren gewahrte, nahm sie sich gewaltsam zusammen, rühmte das herrliche Sommerwetter, das üppige Gedeihen der jungen

babe die Schule zu einem Kampfmittel gegen bie fttrdje machen wollen und nun wendeten sich bic piaffen gegen die, bie sie bamals geschmiedet haben. (Beifall.) Die Thalsache, daß die Sozial­demokratie in nichtkatholifchen Gegenden einen so bedeutenden Zuwachs gehabt habe, beweise, daß der Katholizismus nicht inferior, sondern superior sei (Stürmischer Beifall), und diese Thatsache sei weiter ein ehrenvolles Zeugniß für die kathol. Arbeiter, die, meistens unter Sozialdemokraten wohnend, deren verführerischen Lockungen sich nicht zugänglich gezeigt hätten (Lebh. Beifall) und daraus spreche ein Geist, dem selbst die Gegner die Bewunderung nicht versagen könnten. So habe selbst die .Kölnische Zeitung' zugegeben, daß man von dem Geiste, wie er sich in der Ar­beiterversammlung am Sonntag gezeigt habe, er­baut sein müsse. Den kath. Lehrern müßte für dasjenige, was sie in den letzten 25 Jahren ge- than hätten. Dank ausgesprochen werden. Gleich­wohl wolle man die christliche Volksschule, die konfessionelle Volksschule nicht zulaffen. Man spreche viel von Sammlung, aber diese Sammlung wolle man nicht zulassen, und damit werde aus der Sammlung nichts als ein Sammelsurium. (Große Heiterkeit.) Man spreche von Freiheit, aber die Freiheit der Kirche sei nicht gemeint, sondern gegen diese möchte man wohl noch mit­sammeln. (Heiterkeit.) Die schwarze Interna­tionale sei vielen noch schlimmer, als die rothe. Die Freiheit der Kirche sei aber nöthig im Kampfe gegen den Unglauben. Zu diesem Kampfe müßten alle Kräfte gesammelt werben und !zu dieser Sammlung müsse die Schule Helsen. Die Religion müsse alle Fächer durchdringen und durch den Priester müsse sie gelehrt werden. (Bravo!) Aber für unsere Forderungen habe man kein Gehör. Das müsse anders werden. Das Schulausstchtsgesetz müsse aufgehoben, ein Volksschulgesetz auf christlicher Grundlage erlassen werden. (Lebh., anhaltendes Bravo!) Wir wollen Recht, keine Gnade, wir sind nicht Staatsbürger zweiter Klasse. (Langanhaltenber Beifall.)

Fürst Löwenstein theilt mit, daß die Oberin des Klosters der ewigen Anbetung in Mainz be­absichtige, eine neue Gründung zu veranstalten, speziell als Gebethilfe für alle diejenigen bestimmt sein solle, welche im öffentlichen Leben sich der Vertretung und Vertheidigur.g der Rechte der Kirche zu weihen gedächten. (Beifall.)

Nach Verlesung einer Reihe von Begrüßungs­telegrammen wird die Versammlung kurz vor 8 Uhr mit dem kathol. Gruße geschlossen.

Heute Morgen um 9 Uhr wurde die

letzte geschloffene De/sammlung

eröffnet. Es wurden noch zahlreiche Anträge, darunter einige über die soziale Frage, berathen und angenommen. Einen Antrag Lingens betreffend Reorganisation der Michaelbruderschaft und des Peterspsennigs empfahl Weihbischof Schmitz in längerer Rede. Fürst zu Löwenstein legt, wie schon in Landshut angekündigt, sein Amt als Kommissar der Generalversammlungen nieder. Be­schlossen wurde, ein Centralkomitee für die Leitung der Katholckentage einzusetzen. Als Ort des nächsten Katholikentags ist vorläufig Neisse bestimmt.

Erbsen und des wälschen Kohles draußen im Garten an der Jll, sprach von der neuen Pariser Haube der Frau Bürgermeisterin, von dem modischen Kamentuch der alten Rathsherrin, der Muhme Trenin, damit nur die Mutter nicht merke, wie schmerzlich bewegt ihre Seele sei. Rosels erwähnte sie mit keinem Worte.

Aus dem Münsterthurme batte es elf ge­schlagen, und eben wollte Gesina die Arbeit zusammenlegen, um dem alternden Kätherle bei den letzten Zurüstungen in der Küche zur Hand zu gehen, als die Hausthür geräuschvoll aufgestoßen ward, und ein eiliger Schritt im Flur erklang. Ein Schritt, der Gesinas Hand die Nadel ent­sinken und alles Blut in ihrem Herzen zurück­strömen ließ!

Und da — da scholl auch eine Stimme draußen, ein Schrei von den Lippen der Mutter — und erstarb in einem gebrochenen Freudenlaute! Gesina wollte sich erheben, aber der Schrecken, der sie plötzlich durchrieselte, lähmte ihr die Glieder. Regungslos, die Augen starr auf die Thür ge­heftet, saß sie in gespannter Erwartung und horchte.

„Siehst Du nun, Mütterle, liebes Mütterke, daß ich doch noch einmal heimgekommen bin, daß der Hans das Haus, das ihm zum Vaterhause geworden, nimmer vergessen konnte?" klang es in unmittelbarer Nähe.

Em Augenblick noch, und lachend und weinend am Halse des geliebten Pflegesohnes hangend, überschritt Fran Edeltraut mit ihm die Schwelle.

„Grüß Gott, Gesina! mein herzliebes Schwester­lein !" rief der junge Mann, aus den Armen der Mutter sich losend uns mit ausgestreckten Händen auf die Jungfrau zueilend.