Fuldaer M Rettung
M 192.
JuLöcr, Donnerstag, den 25. August 1898
25. Jahrgang.
verantwortlich: Für die Redaktion i. v.: 3oL Jörg B far Inserate I. parzeller in Fulda.
mit Zlnterhaüungs-Weilage „Zssustrirte Sonntags-Zeitung!' peter^affe Nr. 2 (Lar Monte).
Erscheint täglich, m-Ausnahme der Sonn- und^ Feiertage. Bicrteljährl.
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□ 45. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands m Krefeld.
IV.
Krefeld, 24. Aug.
Die 2. geschlossene Generalversammknng wurde um ll1/« Uhr durch den zweiten Vorsitzenden Dr. Stephan mit dem kathol. Gruße eröffnet. Zunächst gelangte eine Reihe von Begrüßungsschreiben und Telegrammen zur Verlesung, darunter ein Telegramm des Abgeordneten Dr. Lieber, welches unter lebhaftem Beifall verlesen wurde. Sodann folgte die Berathung der von den Ausschüssen vorbereiteten Anträge, und zwar zunächst die des Ausschusses für die Presse (Vors. Prälat Dr. H ü l s k a m p). Der erste Antrag richtet sich gegen die durch Herstellung und Verbreitung von Druckschriften und Abbildungen, durch öffentliche Ausstellung und Ankündigung von zu unsittlichem Gebrauch bestimmten Gegenständen entstehenden sittlichen Gefahren und fordert gesetzliches Einschreiten dagegen. Der Antrag wird angenommen, ferner ein Antrag, welcher sich gegen Unsittliche Schaustellungen, befonders Theatervorstellungen, richtet; ein Antrag, der eine Beschränkung der Berichte über Gerichtsverhandlungen auf besonders allgemein interessirende und bedeutungsvolle Verhandlungen wünscht; ein Antrag, welcher die vom Geiste katholischen Glaubens und katholischer Sitte getragene Unterhaltungslektüre empfiehlt; ein Antrag, welcher die Aufmerksamkeit der Generalversammlung auf die neueren Erscheinungen gediegener kath. Jugend- fchriften hinlenkt; ein Antrag, welcher sich gegen die sogenannte unparteiische und „farblose" Presse richtet; ein Antrag, der die Verbreitung des kathol. Zeitungswesens wünscht durch Empfehlung, Nachfrage und Ankauf in Gasthöfen oder Bahnhöfen und welcher auf die Bedeutung der kleinen, wöchentlich bis dreimal erscheinenden sog. Lokalblätter im Kampfe gegen die Sozialdemokratie aufmerksam macht; ein Antrag, welcher die Gründung von öffentlichen Bibliotheken verlangt.
Es folgen die Anträge für Missionen. Verschiedene Anträge werden angenommen, welche die akademischen St. Bonifatiusvereine, sowie den St. Josephsverein in Aachen empfehlen; ferner ein Antrag, welcher den Deutschen Verein vom hl. Lande empfiehlt, welcher letzterer besonders warm vom Hochw. Herrn Weihbischof Dr. Schmitz-Köln unterstützt wird, besonders in Rücksicht auf unsere Interessen im Orient, speziell im hl. Lande. Alle anderen Nationen feien uns im Orient zuvorgekommen und wir müssen dafür sorgen, daß nicht im Orient „deutsch" und protestantisch identifizirt würde. (Beifall.) Ferner wird ein Antrag angenommen, welcher fordert, daß die Gemeinden mehr als bisher zur Gründung von konfessionellen Schulen angehalten werden, ein Antrag, welcher wünscht, daß junge Männer sich als Laienbrüder
Auf der Reichsmacht.
Erzählung von A. Jüngst., 17 ------ (Nachdruck verboten.)
Muhme Gertrud schüttelte traurig den Kopf. War dieses thörichte Kind denn ganz verblendet, daß es mit sehenden Augen in fein Verderben rannte? Konnte, wollte es nicht begreifen, daß der leichtfertige Franzose nur sein Spiel mit ihm trieb? Was sollte sie anfangen? Sie konnte den Gang der Dinge nicht ändern. Rose! hörte nicht auf sie. Ihre Mahnungen machten im Gegen- theil die Sache immer nur noch schlimmer. Und den armen kranken Vetter, der fast den ganzen Winter an der Gicht gelegen, konnte sie das schwere Herz nicht noch schwerer! machen. Ja, wenn der Thomas nicht gewesen wäre mit seinen Zuträgereien! Aber der gleißnerische Mensch, der ränkeoolle Leisetreter, > der sich dem Thürmer ganz Unentbehrlich zu machen gewußt hatte, steckte immer mit dem Mädchen zusammen und vermittelte die Botschaften des Vicomte.
Auch jetzt kam der Pockennarbige langsamen Schrittes um die Ecke gehinkt. Sein schieles Auge ruhte mit stechendem Blick auf Rosel, welche die Taube eingefangen hatte und liebkosend an ihre Wangen drückte. Das Thierlein ruckste und gluckste und steckte fein Köpfchen in das dunkle Gelock der tief erglühenden Maid: ein gar lieblich Bild auf dem ernsten Hintergrund des hehren Gebäus.
„Hurtig, Thomas, bringe das Futter für die Taube und fülle ihr Näpfchen mit frischem Wasser aus dem eben heraufgewundenen Zuber!"
den Priestern der Gesellfchaft des heiligen Joseph für Negermissionen an die Seite stellen, ein Antrag, in welchem die Förderung des Franziskus- Xaverius - Missionsvereins in Lyon empfohlen wird, und endlich ein Antrag, welcher die Unterstützung des Afrikavereins wünscht. Es folgen die Anträge für christliche Charitas. Zunächst wird ein Antrag angenommen, in welchem vor leichtsinniger Auswanderung nach ausländischen Großstädten, speziell nach Paris, gewarnt und die Bitte ausgesprochen wird, daß den Auswanderern die Adressen der katholischen Seel- sorgestellen im Auslande bekannt gegeben werden. Ein zweiter Antrag bezweckt die Gründung des Komitees für die Errichtung einer Heilanstalt bei Werden für Alkoholkranke katholischer Konfession. Ferner wird der St. Raphaelsverein zum Schutze deutscher katholischer Auswanderer der Unterstützung der Katholiken empfohlen. Weiter wird den Katholiken die Förderung der bestehenden Gefängnißvereine ans Herz gelegt und der Beitritt zum Charitasverband für das katholifche Deutschland empfohlen. Ein weiterer Beschluß fordert eine größere pastorelle Fürsorge für die italienischen Arbeiter in Deutschland, endlich wird auf die Thätigkeit des internationalen katholischen Mädchenschutzverbandes empfehlend hingewiesen.
Um l1/. Uhr wird die Versammlung mit dem katholischen Gruße geschlossen.
Am Nachmittage war ein kleines Gewitter niedergegangen und daher die Temperatur etwas kühler und erträglicher. Unter einem ungeheuer starken Andrange wurde die
2. öffetittidje Generalversammlung
durch den ersten Vizepräsidenten Dr. Stephan um 5 Uhr mit dem kath. Gruße eröffnet. Das Wort erhält zunächst der hochw. Herr Weihbischos Dr. S ch m itz - Köln : Hochverehrte Versammlung! Wenn ich diese imposante Versammlung übersehe, so drängt sich mir unwillkürlich die That- sache auf, wir sind gewachsen. Während früher die kleinsten Säle genügt haben, erweisen sich heute die größten Hallen als zu #tein. Wir sind aber nicht nur an Zahl, sondern auch an Festigkeit gewachsen. Früher pries man die Bischöfe, weil sie fest zum Papst hielten, heute steht der einfachste katholische Arbeiter fest zum Felsen in Rom, wo Papst Leo die Sache des Arbeiters vertritt. (Beifall.) Wir sind auch gewachsen an Einigkeit. Früher ging diese Einigkeit bis zur scharfen Grenze des Dogmas, im übrigen sagt man: In dubiis libertas, im Zweifelhaften gilt die Freiheit. Heute haben wir erkannt, daß die Dubia nicht über Gebühr auszudehnen sind und die Freiheit nicht maßlos betont werden darf, sonst führt sie zu Riffen und Zerklüftungen. Wir sind einig bis zu den letzten Konsequenzen unseres Programms. Wir sind auch gewachsen in der gegenseitigen Liebe. Heute kennen wir nicht Bayern und Westfalen, nicht Hessen und Schlesier, nicht Rheinländer und Badenser, wir sind katholisch und haben uns wie Brüder lieb. (Stürm. Beifall.) Vor allem sind wir aber auch gewachsen an Bedeutung. Heute sind es nur noch wenige rückständige Fanatiker, welche den alten Ladenhüter vom Bürger zweiter Klasse vorzubringen suchen. In den maßgebenden Kreisen einsichts-
ries Rosel dem Knecht zu und löste dann mit geschicktem Finger ein schmalgefaltetes Streifchen Papier, das mit seidenem Faden unter dem Fittich des Vogels befestigt war.
Während sie mit leuchtenden Augen und hochklopfendem Herzen die wenigen Worte las, welche das Brieflein enthielt, glitt ihre Hand wieder und wieder über den Rücken des müden Thierleins.
„Er kommt! Er kommt!" flüsterten ihre Lippen. „Und Du, mein Liebling, habe Dank für Deine gute Künde!"
Lächelnd streute Rosel das inzwischen herbei- getragene Futter auf die Brüstung und sah dem emsig pickenden und trinkenden Täublein mit der größten Zärtlichkeit zu. Thomas war neben ihr stehen geblieben und blickte fragend auf das Papier in ihrer Hand. Aber erst nach einer Weile hob das Mädchen das strahlende Auge und sagte leise:
„Weißt Du's schon, Thomas? Er kommt."
Tomas nickte.
„Kann's mir alleweil denken. Sind ja beiiahe zwei ganze Monde ins Land gegangen, feit der gestrenge Herr zum letzten Male hier war, und die Tauben allein Botschaft hin und her getragen haben. Da will ich aber doch gleich las Werk vollenden, das ich fo lange schon mir vorgenommen."
„Was denn, Thomas?" fragte Rosel neugierig.
Der Knecht hinkte in den Thurmverschlag welcher allerlei Handwerkszeug barg, und kam gleich darauf mit einem schweren Hammer zurück.
„Seht her, Rosel. Der edle Herr soll nicht
voller Beurtheiler respektirt man uns, man rechnet mit uns und man erkennt eine Macht in uns. (Beifall.) Die Politik rechnet mit uns als einem mitbestimmenden Faktor. Die Staatsregierung erwägt bei ihren Entschließungen die Stellungnahme der Katholiken. Diese Stellung haben wir uns erobert vor allem durch die hervorragenden Leistungen auf dem parlamentarischen und politischen Gebiete. Die Wirthschaftspolitik, welche zur Hebung des Nährstandes von uns angebahnt wurde, hat zu den glänzendsten Resultaten der Versicherungs- und Arbeiterschutzgesetze geführt. (Beifall.) Der Lehrstand unseres Volkes zählt Männer aus unseren Reihen, die mit hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen aufwarten können. Das Verdienst der Katholiken um das Zustandekommen des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches ist von allen Seiten anerkannt. Wenn endlich der Wehrstand entsprechend der wachsenden Bedeutung des Reiches und seines überseeischen Handels ausgestattet wurde, dann ist für diese fortschreitende Entwickelung das Verständniß, welches wir Katholiken hierfür entgegen gebracht haben, mit in die Wagschale gefallen. (Beifall.) Wir stehen mitschaffend und mitwirkend mitten im nationalen Leben unseres Volkes. Sollte jemand zweifeln, ob diese Mitarbeit den katholischen Grundsätzen entspricht, dann würde ich sagen, daß das Christenthum nicht nur berufen ist, den Einzelnen zu retten, sondern vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe hat. (Lebhafter Beifall.) Durch die Thatsache der hervorragenden Leistungen der Katholiken in der Gegenwart wird unfere veränderte Situation gegenüber den Vorjahren gekennzeichnet. Man meint, nachdem der Kulturkampf beendet fei, fei die Organisation der Katholiken überflüssig. Aber es wäre unklug, sich wehrlos zu machen gegenüber zukünftigen Angriffen, wofür hinreichende Neigung vorhanden ist. Eine solche Auffassung verkennt auch die Aufgabe der Katholiken zur positiven Mitarbeit im gesellschaftlichen und staatlichen Leben. Im Hinweis auf untere hervorragenden Leistungen dürfte mancherlei Anklagen jegliche Unterlage entzogen werden. Man hat unsere geistigen Befähigungen in Zweifel gezogen. Glauben und Leben hält man für gar nicht mehr modern. Solche Anschuldigungen sind hinfällig geworden. Ein Windthorst hat auf den Generalversammlungen den Rosenkranz gebetet und war doch der größte Parlamentarier der Gegenwart. (Beifall.) Man hat unser hinreichendes Interesse für das deutsche Reich und unsere Vaterlandsliebe in Zweifel gezogen, aber heute ist es angesichts der rückhallslosen Mitwirkung der Katholiken aus allen gesellschaftlichen und staatlichen Gebieten unzweifelhaft erwiesen, daß stärker als alle vermeintliche Bitterkeit in uns die Siebe zum gemeinsamen Vaterlande, und mächtiger als die Erinnerung an das, was wir erduldeten, die begeisterte Hingabe an die Interessen unseres Volkslebens ist. (Lebhafter Beifall.) Wir dürfen daher wohl der Erwartung Ausdruck geben, daß die Reste kulturkämpferischer Beklemmungen bei der Beurtheilung katholischer Dinge an allen Punkten verschwinden. Minutiöse Abzählungen der Schwestern einer klösterlichen Niederlassung, umständliche Untersuchung ihrer Thätigkeit in der Krankenpflege und in den Kinderbewahranstalten,
wieder an feinem greulichen Contersei sich ärgern. Ich hab's ihm gar wohl angemerkt, wie schwer es ihn kränkte, daß der grimme Drache dort noch immer auf dem Stein sich ringelt. Das ganze Gebilde auszuheben, vermag ich nicht; die Steinmetzen würden's auch nicht dulden, sie behaupten ja, es wäre ein Kunstwerk; aber dem einfältigen Hans das Spiel verderben, das vermag ich schon."
So sprechend schob er sich nach der östlichen Seite des Thurmes, wo auf der Brüstung das fauchende Ungethüm sich wand. Rosel folgte dem Knechte, von seltsamen Gefühlen bewegt. Eme abergläubische Furcht beklemmte sie plötzlich und versetzte ihr den Athem. Als Thomas den Hammer erhob, wollte sie ihm in den Arm fallen und rufen: „Thu's nicht!" aber sie war keiner Regung, keines Wortes mächtig.
Der Hammer fauste durch die Luft, und mit einem wuchtigen Schlage splitterte das Gesicht )es Drachen ab. Thomas sammelte sorgfältig ne nachbröckelnden Steinchen und frohlockte mit yämischem Grinsen:
„Gut gemacht, Thomas Usinger! Nun sage roch einer, daß ich das gethan habe, und nicht )er Aprilsturm, der in der St. Markusnacht den Stein aus der Pyramide herunterschleuderte. Meint Ihr nicht auch, Rosel?"
Aber er wartete vergebens auf ein Wort des Lobes; das Mädchen stand mit bleichem Gesichte und starren Augen neben ihm. Es fröstelte sie plötzlich trotz der linden Sommerluft.
„Ich wollte. Du hättest es nicht gethan, Thomas," stammelte sie endlich.
„Wie Rosel, höre ich recht? Hängt Euer Herz
langwierige Nachforschungen vor Zulassung eines Kaplans zum, Religionsunterricht find geeignet, an die Beschäftigung einer Spinne zu erinnern, welche in den Sälen großer Diplomaten Netze spinnt, um Fliegen zu fangen. Redner weist im wetteren darauf hin, daß man in anderen Ländern in freimütiger Weise die Parität gewähre. Unsere heutige Stellung verpflichte uns, unseren Einfluß geltend zu machen und unsere Einigkeit und Energie zu bewahren, ein Stillstand sei ein Rückgang; Niemand dürfe sich ausschließen. Man müsse die Mitarbeit von den Kindern fordern, man müsse sie fordern von dem Jüngling, man müsse sie fordern von den christlichen Jungfrauen, von der christlichen Gattin und Mutter, von den katholifchen Männern, von den dahinwankenden Greisen; man müsse sie fordern von allen Ständen, von dem Arbeiter und Arbeitgeber, von dem Gesellen und Meister, vom Kaufmann und Gelehrten, von dem Knechte und Herrn, von der Magd und der Herrschaft, von Hoch und Niedrig. (Lebh. Beif.) Die jungen Leute, welche in stattlichen Studentenvereinen und -Verhindungen vereinigt seien, sollten stets eingedenk sein, daß die Ehre der katholischen Wissenschaft an ihre Fahne gebunden sei. Niemals sei ihre Aussicht auf der Gelehrtenlaufbahn günstiger als heute, niemals aber auch ihr Vorrang nöthiger gewesen, wie heute. (Beif.) Wir müßten zur Geltung kommen in der Industrie und in der Handelschaft. Die 1OOOO jungen Kaufleute in den kaufmännischen Kongregationen und Vereinen müßten an Intelligenz alle überflügeln und uns dahin bringen, daß der Kausmannsstand durch und durch christlich werde. Wir müßten eintreten ganz und voll auf politischem Gebiete. Die Männer des Centrums leuchteten uns voran, aber hinter ihnen müßten in jeder Stadt und in jedem Torfe geschulte und thatkräftige Männer stehen. Im festen Thurm trage jeder Stein, aber die unteren Steinen trügen am meisten. Auf den Männern, die sich in jeder Stadt und in jedem Dorfe in den einzelnen Arbeitervereinen und Mannervereinen verbänden, beruhe unsere unüberwindliche Kraft. Da pulsire unser Leben. Zum Schluß weist Redner darauf hin, daß es auch auf dem Gebiete freiwilliger Thätigkeit zu kommunalen, charitativen und wirthschaftlichen Zwecken viel zu thun gebe, und endet mit den Worten: Das 19. Jahrhundert erzählt von einer Gesellschaft, welche das Christenthum lästert, das 20. Jahrhundert soll erzählen von einer Gesellschaft, welche durch das Christenthum errettet wird. An uns ist es, diesen schönsten Triumph mitzufeiern. Möge das katholifche Volk jene heiligste Siebe besitzen, welche Begeisterung gibt für Kirche und Vaterland. (Sanganhaltender, stürmischer Beifall.)
Vizepräsident Dr. Stephan dankt dem Redner für seine herrlichen Worte, die allenthalben einen gewaltigen Eindruck gemacht haben, und bringt auf ihn, sowie den Hochw. Herrn Weihbischof Dr. Fischer ein dreimaliges Hoch aus, in welches die Versammlung begeifiert einstimmt.
Prof. Schrörs-Bonn behandelt das Thema: „Die christliche Kunst, ihre Entwickelung, Hindernisse und Förderung." Redner weist auf August Reichensperger hin, welcher es als ein Vor- urtheil bezeichnet habe, daß die Kunst für die höheren Schichten des Volkes bestimmt fei, sondern sie müsse das ganze Volk durchdringen. Dem-
)ennoch an dem jungen Fant, dem Findling der Landstraße?"
„Nein, nein, aber ich weiß nicht, mir ist so bang."
Ohne eine Erwiderung des Knechtes abzuwarten eilte Rosel zurück nach der Plattform und, da sie die Taube nicht mehr fand, von dort ins Thurmstübchen,
Versorglich in Kissen und Decken gehüllt saß Andreas Mevus auf der Ofenbank. Ein freundliches Lächeln verklärte das schmerzdurchfurchte Gesicht des Greises, als er fein schönes Töchterlein auf der Schwelle erblickte.
„Grüß' Gott, Väterchen! habt Ihr gut geschlafen heute?"
„So prächtig, wie schon lange nicht, mein Kind," schmunzelte der Alte. „Wenn's so weiter geht, hat's noch gute Weile mit dem Zuruhesetzen, wie die Herrn vom Rathe jüngst meinten. So leicht lasse ich von dem Thurme nicht. Habe jetzt auf ihm ausgehalten volle einundvierzig Jahre und möchte es auf die Fünfzig bringen, wie mein Großvater selig. Aber wie schaust Du denn aus, Rosel? Im Festgewand und noch ungezöpft?“
„Hab das Zöpfen halt vergessen bei dem schönen Wetter. Es trieb mich hinaus in den Sonnenschein."
„Ja, ja, der Sonnenschein!" nickte der Thürmer. „Ich will auch nachher auf die Plattform mich setzen und die morschen Knochen wieder durchwärmen lassen."
„Wenn Ihr Euch so gut fühlt, Vater", fing Rosel nach einer Pause an, „möchte ich hinunter zu der Base nach Limersheim. Ihr wißt, die