FutdaerMZeitmig
M 189.
JuLöcr, Montag, den 22. August 1898
25. Jahrgang.
Lk Russisches.
14
(XX\ C V c . A, f VH UH UllUCll iO-UtHU Utb ItKieil
-mehr denn drei ^ahre waren nun verflossen, Maien weilte sie sinnend am Fenster des stillen m * •1er Fremde weilte. Wohl Hefen Hinterzimmers. In dem winzigen Gärtlein standen Nachrichten von ihm ein, Nachrichten, I Gelboeigelein und Aurikeln in voller Pracht • ein loelaje die Herzen der treuen Frauen mit Freude | blühender Fliederstrauch verhauchte seine süßen
ihren geistlosen Massenerzeugungen sich allzuhäufig m den Vordergrund gedrängt und die Kunst- schöpfungen der freien Hand der Kleinmeister zurückgeschoben habe. In Rücksicht auf die gegebenen beschränkten Räumlichkeiten, die der diesjährigen Ausstellung zur Verfügung standen, wurde von der Ausstellungskommission als Grundsatz festgestellt, daß nur solchen Leistungen der neuesten Zeit Zulaß gewährt werden soll, welche von Meistern der kirchlichen Kunst im Hinblick auf ältere, mustergiltige Vorbilder mit tieferem Verständniß nicht auf dem breitgetretenen Wege der fabrikmäßigen Präge, der Stanze und des I Gusses hergestellt worden seien. Zu diesem Zwecke wurde eine Jury eingesetzt, die sich die nicht leichte Aufgabe stellte, alle mittelmäßigen Schöpfungen von der Krefelder Exposition möglichst fernzuhalten.
| Um den Besuchern der diesjährigen Aus- i stellung Gelegenheit zu bieten, auch die Kunst der Väter in einer Reihe von mustergiltigen Vorlagen aus jenen fernliegenden Zeiten kennen zu lernen, als das deutsche Kunsthandwerk auf der Höhe kompositorischer und technischer Entwickelung stand, wurde ferner der Beschluß gefaßt, in einem gesonderten Abtheil hervorragende Werke ch r i st- licher Vorfahren zur Anschauung zu bringen, welche einen Vergleich ermöglichen sollen zwischen den Kunstschöpfungen vergangener Tage und den formverwandten Leistungen der heutigen Zeit.
Nachdem von verschiedenen Kirchen Niederrheins, ausschließlich aus dem linksrheinischen Theile des Düsseldorfer Regierungsbezirkes, hervorragende Werke der „Kunst der Väter", insbesondere aus den Gebieten der metallischen, skulpturischen Künste, desgleichen auch aus der mittelalterlichen Parameutik in großer Zahl eingesandt worden waren, nachdem ferner auch namhafte Meister der kirchlichen Malerei, der Plastik, der Weberei und Stickerei hervorragende Arbeiten entgegenkommend für die Ausstellung eingesandt haben; nachdem auch Se. Eminenz, Kardinalerzbischof Dr.Krementz besonders ausgewählte Ornate der erzbischöflichen Privatkapelle zuvorkommend zugesandt hatte, stellte sich schon bei der Eröffnung der Ausstellung am 14. ds. Mts. zur Ueberraschung der zahlreichen I Besucher die Wahrnehmung heraus, daß bei der diesjährigen Exposition seitens der Jury mit Erfolg der Versuch gemacht worden sei, die Massenerzeugniffe der Fabrik und die unkünstlerischen Halbwaaren von der Ausstellung fern zu halten.
wie sie jetzt so beisammen standen, bildeten sie ein stattliches Paar, und hätte Niemand zu sagen vermocht, wer das ältere von den beiden sei, obschon in Wahrheit Gesina dem andern um einen Lenz voraus war. Die drei Jahre, welche an dem ernsten Mädchen fast spurlos vorüber- gegangen,. hatten Sigmar gereift, aus dem lebensfrohen Jüngling einen gesetzten Mann gemacht.
und Abwechselung der Musterungen vertreten, sondern auch die Schule, die unter Leitung des Altmeisters christlicher Kunst, des Historienmalers Stummel, m Kevelaer sich zu hoher Blüthe entwickelt hat, ist auf den Gebieten der Skulptur, der monumentalen Malerei und der Glasmosaiken, der Goldschmiedekunst und der Stickerei so reich m vorzüglichen Leistungen vertreten, wie dies auf feiner der früheren Ausstellungen in ähnlicher We:se der Fall war.
I.
Krefeld, 21. Aug.
Als im vorigen Jahre das an der rauschenden Isar gelegene kleine Landshut die große Aufgabe übernommen hatte, den Katholikentag in feinen Mauern zu beherbergen, als es sich dieser Ausgabe in der glänzendsten Weise unterzogen halte und die Frage laut wurde: wo soll im nächsten Jahre die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands tagen ? — da erging von verschiedenen Städten, so Krefeld, Aachen, Neiße, in edlem Wettstreite der begeisterte Ruf: Gebt uns die Ehre! — und Krefeld ward sie zu theil!
Man ließ Krefeld den Vorrang, weil, wie es in dem betreffenden Antrag hieß, am linken Niederrhein eine Katholikenversammlung bis jetzt überhaupt noch nicht stattgefunden und weil andererseits die Katholiken Krefelds, dieses Hauptverkehrsortes am Niederrhein, im Hinblick auf ihr bisheriges thatkräftiges Eintreten für die katholische Sache, besonders auf dem Gebiete der Schulfrage, mit gutem Recht die Ehre einer Katholikenoerfammlung für sich in Anspruch nehmen könnten. Daneben spielte auch die Erwägung mit, daß die Abhaltung einer Generalversammlung in Krefeld einen Ausgleich der Gegensätze herbeisühren würde, die durch die am Niederrhein mit besonderer Schärfe hervorgetretene Agrarbewegung zu Tage getreten waren.
Mit der Erfüllung seines Wunsches erwuchs Krefeld die ehrenvolle, aber zugleich auch schwere Pflicht, dem Katholikentag ein seiner Würde angemessenes Heim zu schaffen und die mannigfachen mühsamen Vorbedingungen zu erfüllen für eine segensreiche Tätigkeit desselben.
Krefeld ist sich dieser seiner Pflicht vollauf bewußt gewesen und hat sich ihr mit frohem Schaffenssinn und treuer Gewissenhaftigkeit unterzogen, so daß die Stadt — wir sagen hier eher zu wenig als zu viel — sich ihren Vorgängerinnen ebenbürtig an die Seite stellen darf.
Krefeld, das Heim der 45. Generalversammlung der Kgl Koliken Deutschlands, prangt in strahlendem Festesschmuck. Hoch von den Thürmen der Kirchen herab klingt das feierliche Geläute der Glocken — lustig im Winde wehen die Fahnen; Kränze und Guirlanden schlingen sich von Haus zu Haus; allüberall, nicht bloß draußen, sondern auch drinnen in den Herzen des Volkes, das feine lieben Gäste erwartet von Fern und Nah, um ihnen zu entbieten feinen herzlichen Freundesgruß.
War die Sache vor zwei Jahren in Dortmund so großartig, hier in Krefeld wird sie noch großartiger. So möchte man fast jetzt schon sagen. Schon am Freitag Nachmittag waren weit über 2000 Mitgliedskarten ausgegeben und seitdem sind die Anmeldungen noch immer zahlreicher geworden, sodaß sie das Komitee fast gar nicht bewältigen kann. Dazu kommen dann noch < die vielen, vielen Theilnehmerkarlen. Ja, man muß , selbst hier fein und es selbst sehen. Schon gestern ' herrschte allenthalben in den Straßen ein Leben .und Treiben von den vielen Fremden, die nach ; ihren Logirhäusern suchten. Und jeder Zug bringt ' "och mehr Fremde her. Es ist unmöglich, ihre 1
Hans hatte in München und Augsburg mit rühmlicher Auszeichnung gearbeitet, war dann über die Alpen gegangen, um in der Heimath der Kunst an den Schöpfungen der großen Meister nicht allein den Blick zu entzücken in bewunderndem Genuß, sondern selbst zu wachsen an innerer Erkenntniß und äußerer Handhabung des Zirkel- Maß und Gerechtigkeit. Jetzt weilte er schon feit mehreren Monden in Regensburg.
So heiße Thränen nun auch" die Briefe des jungen Mannes meistens hervorriefen, sie waren dennoch die einzigen Sterne in dem Leben der beiden Frauen, besonders feit der Großohm das Zeitliche gesegnet hatte. Was der milde Greis in seiner sich stets gleich bleibenden Herzensgüte, mit seinem trotz der Blindheit durch Ersahrung und Studium geschärften Blick ihnen gewesen, fühlten sie erst, nachdem er sie für immer ver- laffen. Wie oft hatte er sie getröstet und er- j muthigt, wie oft durch die Macht seines Harfenspiels den inneren Zwiespalt gelöst, oder durch ein Sprüchlein aus seinem geliebten Heinrich Seuse und Taulec die zagende Seele nach oben gewiesen! Gesina schlich noch jetzt häufig in das vereinsamte Stübchen, als ob der Geist des Verstorbenen ihr hier näher sei und mit süßem Echo der verstummten Saiten zu ihrem Herzen reden könne.
Auch heute an diesem linden Abend des letzten I
erfüllten; aber was wollte ein Blatt Papier gegen den warmen Blick feines Auges, das lebendige Wort seines Mundes bedeuten?
Noch vor Eröffnung der Ausstellung hatten wir Gelegenheit, die zahlreich eingesandten Kunstobjekte eingehender in Augenschein zu nehmen und können der Wahrheit gemäß die Zusicherung geben, daß auf derselben alle Mittelmäßigkeiten und rein maschinelle Reproduktionen grundsätzlich ausgeschieden worden sind, und daß nur das künstlerisch Gediegene und Echte mit wenigen Ausnahmen Zulassung gefunden hat. Wie es der Metropole der Seiden- und Sammetfabri- kation zukam, sind auf der Ausstellung nicht nur in langer Reihe die prachtvollsten textilen Ornate des Mittelalters vom 11. bis 16. Jahrhundert, neben den gediegenen Erzeugnisfen der zahlreichen Paramentenfabrikanten Krefelds in großer Zahl
| walten zu sehen. Er habe geschwiegen, weil sein durch Eifersucht heller schauendes Äuge ihre Liebe zu dem Pflegebruder vielleicht eher noch erkannt habe als sie selber, habe auch nach dessen Versprach mit Rosel geschwiegen, um ihrem gekränkten Herzen nicht wehe zu thun, es erst ge- nessen zu lassen von dem harten Schlage. Nun aber, da die Zeit darüber hingegangen, da der Hans fort sei und sie mit der Mutier allein stehe in der den Fremden preisgegebenen Stadt, könne er nicht länger zurückhalten mit dem, was feine ganze Seele erfülle. Mit Thränen, wirklichen Kummerthränen hatte Gesina den Wackeren gebeten, jeden derartigen Gedanken fahren zu laffen; ihre Liebe, ob verschmäht oder nicht, gehöre nun einmal unwiderruflich dem Hans.
Sigmar hatte sich gefügt und war nicht weiter
- noch die Gastlichkeit von Krefelds Bewohnern, die alles aufbieten, um ihre Gästen ein freund- i liches Unterkommen zu bereiten.
Eine besondere Sorgfalt hat man in aner= kennenswerther Weise den Festlokalitäten zu- geroanbt. Dies gilt zunächst von der eigentlichen ' Festhalle, dem Drießenhof. Tritt man in die Fest- Halle ein, so befindet man sich der Rednertribüne gegenüber. Rechts und links von derselben befinden sich die Plätze für die Ehrengäste, unterhalb der Rednertribüne befindet sich ein großer Flaggenthron, aus dem auf der einen Seite (rechts vom Zuschauer) die Büste des hl. Vaters und auf der anderen Seite die Büste des Kaisers hervorragen. Die Halle zeigt einen reichen Flaggenschmuck. Dieselbe großartige Dekoration zeigt die Festhalle, in welcher die Begrüßungsfeier stattfindet. An dieser Stelle wollen wir nicht verfehlen, der Preß- kommission unseren wärmsten Dank dafür auszusprechen, daß sie den Bedürfnissen der Presse in der zuvorkommendsten Weise Rechnung getragen hat. Von den anderen Festlokalitäten erwähnen wir noch die Königsburg, die Erholung und den katholischen Gesellenverein, welche ebenfalls durch ihre Ausschmückung der Stadt Krefeld alle Ehre machen.
Neben der äußeren Vorbereitung verdient auch die übrige Vorbereitung durch das Lokalkomitee die vollste Anerkennung. Wir werden Gelegenheit haben, hierauf noch näher zurückzukommen.
Heute Nachmittag findet eine große Kundgebung katholischer Arbeiter statt, die sicher äußerst imposant werden und einen großartigen Verlauf nehmen wird. Ueberall herrscht j schon jetzt die größte Begeisterung. In dem Fest- zuge, welcher sich durch den größten Theil der Stadt bewegen wird, werden über 80 Vereine mit weit über 4000 Mitgliedern und 10 Musikkapellen marschiren. Gewiß dürfte dies ein herrlicher Aufzug geben, eine großartige Kundgebung | seitens der katholischen Arbeiter. Einen schöneren I Eingang hätte die diesjährige Generalversammlung j gewiß nicht finden können. Unb wie es sich so | schön trifft, baß gerabe unsere katholische Arbeiter es sind, welche bie biesjährige Generaloersamm- j lung einleiten.
Wie ja schon bekannt, würbe die Aus-! stellung christlicher Kunstwerke aus alter, I neuerer unb neuester Zeit bereits am vorigen Sonntag feierlich eröffnet. Abweichenb von ben seitherigen Ausstellungen, bie bei Gelegenheit früherer Generalversammlungen ber Katholiken ftattfanben, würbe diesmal nicht erst zugleich mit dem Beginne ber Generalversammlung, sonbern gleichsam als einleitenber Probromus bereits acht Tage vorher biefe Kunstausstellung auch beswegen eröffnet, bamit sie zugleich mit bem Beginn ber Generalversammlung am 21. August einen nach allen Seiten vollenbeten Abschluß gefunben habe.
In ben letzten Jahren ist häufiger mit Recht | Klage geführt worben, baß auf ben seitherigen Ausstellungen, besonbers in Hinsicht auf bie Kunstleistungen ber neuesten Zeit bie Fabrik mit
Zahl jetzt schon auch nur annähernb zu schätzen. Fast möchte man glauben, baß es überhaupt ganz unmöglich fei, biefe Schaaren alle unterzubringen. Aber bas Wohnungskomitee funftionirt trotz feiner kolossalen Arbeit sehr gut. Dazu kommt bann
□ 45» Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Krefeld.
Düfte. Aber Gesina hatte heute kein Auge für die Blumen, deren Pflege sonst ihre liebste Erholung war, hatte auch kein Obr für den lustia klappernden Gevatter Langbein, der unlängst sein altes Quartier auf dem Schornstein des "Hauses wieder bezogen hatte. Ihre Gedanken weilten weit, weit in der Ferne.
Das Knarren ber Thüre rief bas träumende Mädchen in bie Wirklichkeit zurück. Mit einem liefen Seufzer, über die edel geformte Stirn streichend, als ob bie beängftigenben Vorstellungen sich bamit bannen ließen, roanbte Gesina sich bem Eintretenden zu.
Es war im Frühsommer anno domini 1701. Schon feit mehr als drei Jahren trug Straßburg das Joch ber Fremben. Lange noch hatte bie Stabt auf Entsatz gehofft. Als aber Monat auf Monat verrann unb auch die Wende des Jahrhunderts keine Aenberung gebracht, ergab sie sich allgemach in ihr Schicksal. Aber es war eine freudlose traurige Zeit geworden. Frisches Leben, harmlose Fröhlichkeit wollte nirgend gedeihen im elfäffer Land. Selbst die Winzerfeste, wo sonst der neue Most die Herzen eröffnete und das ganze Volk in tollem Jubel ben Segen des Wahres feierte, verrauschten ohne rechten Sang unb Klang. Wenn jeweils ein heller Ton er- scholl, war es meist eine gemachte krampfhafte Lustigkeit, welche ben Mangel an wirklicher Freube vor ben mißtrauischen Augen ber Wälschen verbecken sollte.
Die Franzosen waren Herren ber Stadt wie des Landes unb gebahrten sich als solche. Wer sich ihrer Herrschaft widersetzte, wurde seines Amtes enthoben ober über bie Grenze verwiesen. Iran Edeltraut und Gesina waren nicht die einzigen, welche um den fernen Sohn und Bruder trauerten.
Ans der Reichswacht.
Erzählung von A. Jüngst., ------- (Nachdruck verboten.) VIH.
Inserate: Die einspalt. Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petit- zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl. .
Kesugoprris ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. 5V Pf.
,,Ach, Ihr seid es, Sigmar", tief sie bem Rathsschreiber freunblich entgegen. „Wißt Ihr, baß ich vorhin erst an Euch bachte?"
„Das ist bas Beste, besten ich mich von Euch
zu versehen habe, Gesina", versetzte, ber Ange-1 in fte "gebrungen.' llbet" bie" ßoffnungTat'tV*« i rro=te Fl1' ^^.Aufleuchten der ehrlichen Augen, i barum nicht aufgegeben; er vertraute ber Macht "Es gescheht nicht oft baß ich mich biefe§ Glückes ber Zeit unb ber Gebuld feiner Siebe. So war ! rächen, bunte. Um so höher aber vermag ich's allmählich Tag um Tag entschwunben unb ber ju icbagen, wenn es einmal zutrifft unb unser junge Mann in altgewohnter Weise bei ben iet^ Gedanken sich begegnen." Frauen aus- unb eingegangen. Ja, sein Ver-
G^ina lchiug die Augen nieber. Was mußte | hältniß zu Gesina war im Laufe ber Jahre nur doch Ligmar, dem ite als einem Freunde ihres noch freundlicher und inniger geworden; fast ohne Hanv von Herzen zugethan war, stets wieder auf daß sie selber es wußten, waren sie zu ber trau« ben einen Gegenstand zurückkommen, welchen sie lichen Anrede ihrer Kindheit zurückqekehrt. Unb am ersten Christfest nach jenem traurigen Aller- ' " ....... - ■
feelenabenb für immer abgethan zu haben glaubte ?
Damals hatteber junge Mann ihr in beweglichen
Worten geftanben, wie er feit seinen Jünglingsjahren, ja als Knabe schon bewundernb zu ihr ausgeschaut unb als höchstes Ziel seines Sehnens unb Strebens nur bas Eine erhofft habe, sie bereinst als züchtige Hausfrau an feinem Herbe
Wenn nicht alles trugt, bürste in bem mos- kowitischen Nachbarreiche eine neue „Bekehrungs"- Penobe bevorstehen. Zwei Mittheilungen, bie oon bort kommen, scheinen barauf hinzubeuten. Die eine bezieht sich auf bie sogenannten Unit en.
soll eine kaiserliche Verorbnung ergangen fein, welche die künftige Behcmblung ber Uniten regelt. Die Uniten finb jene Bekenner griechisch- katholischen Glaubens, bie in Kleinrußlanb, bem an Oesterreichisch-Galizien grenzenden Theile bes Zarenreiches, hauptsächlich in ben Diözesen Chelm unb Warschau, wohnen. Wie ihre Stammes- genossen in Galizien, bie Rulhenen, gehören sie ber griechisch-unirten, nicht berschismatisch-russischen Kirche an, erkennen ben Papst als ihr Oberhaupt an. Das heißt: heute muß man sagen, sie gehörten ber griechisch-katholischen Kirche an, benn von ben etwa 13 Millionen Uniten vor etwa stark 50 Jahren gibt es heute kaum noch 5 Millionen. Die übrigen finb in ber Zwischenzeit zum russischen Schisma — „bekehrt" worden. Wer hätte noch nicht von diesen „Bekehrungen" gehört, die namentlich in ben Fünfziger unb Sechsziger Jahren bis in bie neuere Zeit hinein bie civilisirte Welt mit Grauen, Entsetzen unb Abscheu gegen bie blutigen Unterrücker im Moskowiterreiche erfüllten!
Die Geschichte ber unglücklichen Uniten ist eine Geschichte ber Leiben, Drangsale unb Verfolgungen, bie ben Märtyrer-Akten aus ben ersten christlichen Jahrhunberten an bie Seite gestellt werden kann. Mit List und Gewalt, durch Verführung und ausgesuchtester Grausamkeit wurden sie dem Glauben ihrer Väter untreu gemacht und zum Schisma hinübergezogen, und schließlich | warb zu ber Marter auch noch ber Hohn gefügt, um bie Außenwelt zu täuschen, als ob bie Aermsten zu Verrcithern an ihrem Glauben geworben seien: war eine Anzahl von Uniten bewohnter Orte durch entmenschte Kosackenhorben für bas Schisma „vorbereitet" — mittelst ber Knute unb ber Flinte — so kam von bem Despoten in Petersburg ein bie wiberlichste Heuchelei athmenber Ukas, baß er dem Verlangen ber Uniten, in bie „heilige orthoboxe Kirche" ausgenommen zu werden, huldreich entspreche, es gestatte — und inzwischen wandten bie Gemarterten sich flehenb an bie europäischen Mächte, ihnen boch beizustehen in ihrem Kampfe um bas höchste Gut, um ihren Glauben. Aber keine von ben Mächten nahm sich ihrer an.
Nur Einer, zu bem noch kein Nothleibenber vergeblich gerufen hat, hörte ihren Nothschrei unb erhob seine Stimme zu ihren Gunsten: Der Papst in Rom. MitFreimuth unbUnerschrocken-
mit Nnterhaktungs-Weitage „Alkusirirte Sonntags-Ieikmg?