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Cumberland (Sohn des verstorbenen Königs Georg von Hannover), des eigentlichen thronberechtigten Herzogs von Braunschweig, werde am 28. Oktober großjährig. Der Prinz habe sich von der schweren Krankheit, die ihn im vorigen Jahre befallen hatte, wieder erholt, so daß gesundheitliche Hinder­nisse seiner Thronfolge nicht entgegenständen. Selbstverständlich könne von einer Thronbesteigung nur dann die Rede sein, wenn der Prinz die Bedingungen erfülle, die seiner Zett (auf Betreiben Preußens) vom Bundesrath gestellt worden seien. Daran knüpft das Blatt dann die Bemerkung: „Nicht nur in welfischen Kreisen, sondern auch in gut nationalen (soll heißen: preußisch gesinnten) sehnt man eine solche Lösung herbei" — nämlich die Aufhebung der Regentschaft und die Einsetzung eines Herzogs. Das wird ganz gewiß richtig sein, denn, wie schon früher bemerkt, erfreut der Regent, Prinz Albrecht von Preußen, sich keiner allzugroßen Beliebtheit in Braunschweig; er hat es bis jetzt nicht verstanden, sich die Sympathien der Be­völkerung in größerem Maße zu erwerben.

* Schwer im Magen zu liegen scheint der »Berliner Volksztg." der Selerspfeuuig. Aus Krefeld sollen in den letzten fünfzig Jahren nicht weniger als drei Millionen Mark in der Form von Peterspfennigen nach Rom abgeführt worden sein. Wir wissen nicht, woher das Blatt die Angabe hat; wenn sie wahr ist, so macht sie den Krefelder Katholiken alle Ehre. Das demokratische ,Organ für Jedermann aus dem Volke" meint aber, es wäre intereffant, von einem Parteitage des Centrums zu erfahren, wie viele Millionen insgesammt in den letzten fünfzig Jahren an Peterspfennigen aus Deutschland nach Rom ge­wandert seien; die Sache habe „im Hinblick auf die Feststellung des deutschen Nationalvermögens eine große wirthschaftliche Bedeutung". Die ,Kreuzzeitung" antwortet dem Blatte mit der Gegenfrage, wie viele Millionen wohl von deutschen Juden an die Alliance Jsraolite Universelle in Paris überwiesen worden sein mögen, und um wie viele Millionen das deutsche Nationalvermögen durch die Einfuhr zweifelhafter exotischer Papiere von Seiten der Börse geschädigt worden sein mag.

Der bereits früher in Aussicht gestellte krrcheumusskakische Iussruktiouskursus wird im nächsten Monate zu Paderborn abgehalten werden. Die Leitung desselben hat der hochw. Herr Direktor Dr. Haberl aus Regensburg de­finitiv übernommen. Der Kursus wird stattfinden in der Woche vom 25. September bis 1. Oktober. Sonntag den 25. September wird Abends die Eröffnung statthaben; geschlossen wird der Kursus am Samstag 1. Oktober mit einem feierlichen Hochamte. Der Unterricht ist gratis. Bei der hervorragenden Tüchtigkeit des Kursleiters, der als kirchenmusikalische Autorität ersten Ranges und als Direktor der Regensburger Hochschule für kirchliche Musik weit über die Grenzen Deutsch­lands bekannt und berühmt ist, — derselbe wird vom 11.—18. September einen ähnlichen Kurs in Turin halten — kann eine zahlreiche Bethei­ligung an dieser Veranstaltung mit Bestimmtheit erwartet werden. Geistliche und Lehrer, Orga­nisten und Chorregenten, Chorsänger und Freunde der kirchlichen Musik dürfen reichlicher Belehrung und Anregung bei den Vorträgen und Uebungen dieser Kurswoche sicher sein. Es ist dringend erwünscht, daß diejenigen Herren, welche an dem Kursus theilzunehmen gedenken, sich möglichst frühzeitig bei dem Diözesanpräses, Herrn Re­petenten Müller zu Paderborn, anmelden.

* Krefeld, 18. Aug. Die Ausstellung für christliche Kunst in der Zentralhalle er­freut sich eines regen Besuches. Jeden Tag treffen neue Sehenswürdigkeiten ein. Gestern kam die große Kunstsammlung aus dem Privat­besitz des Aachener Archäologen Dr. Bock an und gelangte nochzur Aufstellung. Sie enthält einen großartigen ^atz von Kunstgegenständen zahl­reicher Branchen aus den verschiedensten Epochen vergangener Jahrhunderte. Diese Sammlung bildet eine Ausstellung für sich und bereichert die Gesammtausstellung in dankenswerther Weise. Eine ganze Anzahl von Kunstsachen zeigt sie, die

Hammer, Schlägel und Eisen sind mit meinem Namenszuge dort eingegraben für ewige Zeiten. Mögen sie auch so in Deinem Herzen stehen, süßes Lieb, und täglich, stündlich Dich an mich und meiner Minne Gluth erinnern, wie drüben das tückische Gebilde an meiner Minne Zorn! Und bann behüt' Dich Gott, mein Lieb!"

(Fortsetzung folgt.)

Das Lied der Mutter.

ErzählungvonJoseph Matt.

I.

Stille noch ruht die Natur, und durch die Bäume des Waldes geht ein geheimnißvolles Flüstern. Tausende von Thautröpfchen gleißen und glitzern, blitzenden Diamanten gleich, auf den Grashälmchen. Aus dem schattigen Gebüsch beim sprudelnden Quell schallt das melodische Schluch­zen der Nachtigall, die befiederten Sänger des Waldes werden wach und bringen aus frischer Kehle ihrem Schöpfer die Morgenandacht dar.

Es röchet sich das Firmament im Osten, und aus silberumsäumten Wölkchen steigt herrlich und voll Majestät das glänzende Tagesgestirn empor, und die Gimpfel der Berge erglühen in flammen­farbigem Schmelz.

Horch, da schallt von Der Höhe des Berges vom Thurme der Wallfahrts-Kapelle die Silber­stimme des Angelus-Glöckchens, die Glocken der lieblichen Dörfer in den Thälern und Fluren hal­len darein und rufen dem Gläubigen, der neu- gestärkt zum Tagewerk erwacht, zu:

man bisher nirgendwo anders zu sehen Gelegen­heit hatte.

Ausland.

* Kaag, 18. Aug. Die Sitzung des In­stituts für internationales Recht wurde in Gegenwart der Minister und des diploma­tischen Korps durch den Minister des Aeußeren de Beaufort eröffnet. Derselbe beglückwünschte das Institut, welches jetzt 25 Jahre besteht. Enttäuschungen seien allerdings nicht ausgeblieben. Die Strömung zu Gunsten des Schutzzollsystems stimme wenig zu dem Gefühl einer Solidarität der verschiedenen Völker, die Erhöhung des Militärbudgets in allen Ländern zeuge von gegen­seitigem Mißtrauen, der letzte Krieg sei eine grau­same Enttäuschung gewesen. Aber die Ideen schritten vorwärts. Die Kaperei sei für immer abgeschafft und die Unverletzlichkeit neutralen Eigen- thurns unter feindlicher Flagge und feindlichen Eigenthurns unter neutraler Flagge allgemein an­erkannt, selbst von den gegenwärtig kriegführenden Mächten, welche die Pariser Deklaration von 1856 nicht unterzeichnet haben. Zum Präsidenten des Instituts wurde der Rath Asser gewählt. — Die Krönung der Königin Wilhelmine von Holland findet am 6. September in der Amsterdamerneuen Kirche statt. Die niederländischen Arbeitervereine bilden in Stärke von 12 000 Mann ein Ehrenspalier. Die Stadt Amsterdam macht der Königin eine goldene Kutsche im Werthe von einer Million Gulden zum Geschenk; in derselben wird die Königin ihren Einzug in Amsterdam halten.

* Saris, 18. Aug. Wie die Pariser ,Pol. Korr." meldet, wird die Friedenskonferenz schwerlich zu einem früheren, als dem im Friedens­protokolle vorgesehenen äußersten Termine, näm­lich den 1. Oktober, beginnen können. Die Fest­stellung und Einführung des neuen Reimes auf Cuba und Portorico wird, obgleich man darauf bedacht sei, diese Aktion möglichst zu beschleunigen, wahrscheinlich einen Monat erfordern. Die spanische Regierung treffe Vorkehrungen, um die Heimbeförderung der Truppen von den Antillen derart einzurichten, daß unliebsamen Volkskund­gebungen, die sich bei deren Rückkehr ereignen könnten, vorgebeugt wird.

* Wie«, 18. Aug. Anläßlich des heutigen 68. Geburtstages des Kaisers Franz Joseph ist die Stadt aufs prächtigste geschmückt. In sämmtlichen Kirchen und Gotteshäusern finden Festgottesdienste statt. Vom Schmelzer Exerzier­felde wurde der Kaisersalut, bestehend in 24 Kanonen­schüssen, abgegeben. Um 8 Uhr fand auf der Schmelz die Parade der gesummten Wiener Gar­nison statt. Die Parade nahm Erzherzog Rainer ab, bei dessen Erscheinen die Volkshymne' gespielt und Generalmarsch geschlagen wurde. Ein sehr zahlreiches Publikum wohnte der Parade bei. Nach derselben celebrirte der Feldvikar Bischof Dr. Belo- potoczy eine Feldmesse, worauf die Truppen vor dem Erzherzoge befilirten. Die Blätter feiern den Geburtstag in schwungvollen Artikeln, in welchen sie namentlich hervorheben, daß der diesjährigen Geburtstagsfeier eine besondere Bedeutung inne­wohne, weil sie in das 50. Jahr der Regierung des Kaisers falle. Die Blätter führen weiter aus, daß das deutsche Volk Oesterreichs, welches Jahr­hunderte hindurch sich mit der Dynastie eins wußte, auch gegenwärtig treu zu ihr halte und ehrerbietig roie immer den Geburtstag des Kaisers begehe. Auch die Stadt Budapest trug zur Feier des Geburtstages des Kaisers reichen Flaggen­schmuck.

* Madrid, 18. Aug. Der Minister rath prüfte eingehend die Depesche, welche die Ueb er­gäbe von Manila ohne irgend welche Einzel­heiten meldet. Es ergab sich, daß die lieber« gäbe einige Stunden nach der Unterzeichnung des Friedensprotokolles erfolgt ist, was Spanien ausdrücklich fest stellen lassen wird.

* Koullauliuopel, 18. Aug. Die Pforte beantwortete die letzte serbische Note betreffend den jüngsten Einfall an der Grenze dahin.

„Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft."

Ernst und stumm schreiten zwei Wanderer den Bergpfad hinan, der eine im schwarzen Talar, augenscheinlich ein Priester, sein Genosse ein Student, der Schnitt der Züge läßt die beiden als Brüder erkennen. Der Priester hat das Haupt entblößt und die Hände in stummer Andacht ge­faltet ; fein Begleiter nimmt nach einem spöttischen Seitenblicke sein Fernglas hervor und besieht sich die Ebene, welche sich meilenweit vor dem ent­zückten Auge ausdehnt, bis in weiter Ferne das herrliche Panorama durch ein blitzendes Band, den alten Vater Rhein, und bläulichgrüne Höhen, dieBerge des Schwarzwaldes, abgeschlossen wird. Wir haben versäumt, den freundlichen Leser zu unterrichten, daß wir uns auf dem Annaberge bei Burrweiler in der Vorderpsalz befinden.

„Kann man sich denn nirgends ungestört am Anblicke der Natur erfreuen," murmelte der Bruder Studio plötzlich mißmuthig und steckte das Fern­rohr in das Futteral zurück. Sein Bruder hatte seine Andacht beendet und blickte ihn fragend an. Statt aller Antwort deutete der Student mit aus- gestreckter Hand den Berg hinab, wo eine Pro­zession mit fliegenden Fahnen die Höhen empor­wallte. Mit einem schmerzlichen Blicke sah der Priester seinen Bruder an und sagte: „Und dieser Anblick ist Dir unerträglich? Robert, Robert, wenn das unsere Mutter erlebt hätte, welche un­zählige Male den Hügel hier hinauswallte, um für Dich zur himmlischen Mutter zu beten! Und horch! Das Lieblingslied unserer guten Mutter,

daß serbische Panduren türkische Soldaten, welche einen Mehltransport begleiteten, angegriffen hätten. Die Pforte verlangt in ihrer Antwort von Serbien Maßnahmen, um derartigen Zusammenstößen künftig vorzubeugen.

* Bukarest, 18. Aug. Die rumänische Re­gierung beabsichtigt, wie berichtet wird, in Be­zug auf den Getreidehandel in Rumänien, dieser und zwar in erster Linie der Binnenhandel in tief einschneidender Weise im Interesse der Landwirthschaft umzugestalten. Es sollen staat­lich verbürgte Lagerscheine geschaffen werden, welche dem fremden Kapital zum Ver­kauf angeboten werden sollen. Des Weiteren werden die rumänischen Staatseifenbahnen in den meisten Stationen Getreidesilos bauen. Die rumänische Regierung beabsichtigt, die Gesammt- organifation einer unabhängigen Ueberwachungs- kommission zu unterstellen.

* Wt-kparaiso, 18. Aug. Wie dem,Reuter- schen Bureau" gemeldet wird, zeigt das Gesetz betreffend die Emission von 50 Millionen Dollars Papiergeld bereits unheilvolle Folgen. So seien gestern 150,000 Dollars Gold von der Regierung in öffentlicher Auktion in Santiago zu 37 Vs bis 46 Prozent Agio und 300,000 Dollars Gold in Valparaiso zu 371/* bis 46 Vs Prozent Agio verkauft worden. Im Publikum und unter den Kaufleuten herrsche hierüber große Erregung.

Lokales.

Fulda, 19. August.

△ Der Nachmittagsunterricht fällt heute an sämmtlichen hiesigen Schulen wegen der großen Hitze aus.

❖ Im Stiche gekäste« hat heute Nacht ein hiesiger Margarinehändler sein Geschäft am Ge­müsemarkt. Das Geschäft fand man heute Morgen verschlossen. Wohin die Reise gegangen ist, ist unbekannt.

c< Vom 22. August an wird der Nachtrag zu der Ordnung betreffend die Huartierkeistnug der Stadt Iukda für die bewaffnete Macht während des Friedenszustandes vom 13. April 1897, zwei Wochen lang int Stadt­sekretariate zu jedermanns Einsicht offen liegen. Etwaige Einwendungen sind während dieser Zeit bei dem Magistrate zu erheben.

* Das General-Kommando des XI. Armee- Korps hat eine Anfrage des hessischen Land- wirthschaftsrathes betreffs ZSeurlauvung vo« Sokdate« zu Erutearöeiteu dahin beant­wortet, daß ein Hinausschieben des auf den 24. September festgesetzten letzten Manövertages nur bis zum 29. September angängig und hier­durch nur ein Aufschub von fünf Tagen mög­lich wäre, der nicht im Verhältniß zu den außerordentlich umfangreichen Arbeiten stehen dürfte, den eine solche Anordnung für alle beteiligten Zivil- und Militärbehörden er­fordern würden. Die Beurlaubung von Soldaten zu Erntearbeiten fei lediglich Sache der Regimenter und hätten letztere vom General- Kommando die Anweisung erhalten, derartigen Anforderungen nach Möglichkeit zu entsprechen.

* Die Sicherheilskette« auf der Platt­form der Eisenbahnwagen mußten seither mit peinlicher Sorgfalt durch die Schaffner beim Abfahren der Züge eingehängt werden, um die trotz Verbot sich auf der Plattform aufhaltenden Reifenden von dem Herunterfallen zu schützen. Diese Anordnung, welche wegen der schlechten Ausführbarkeit viele Strafen des Personals nach sich zog, ist nun durch die Eisenbahnbehörden aufgehoben, da die Tafel, wonach der Aufenthalt auf der Plattform bei Strafe verboten ist, als genügender Schutz für das Publikum betrachtet wird.

Aus dem Uachbargebiet.

□ Kerzest, 19. August. Nicht weit hinter unserem Dorfe an der Neuhöfer Landstraße lagerte gestern Nachmittag eine Zigeuner­bau de. Mit derselben ließ sich ein hiesiger

das sie uns einst auf ihrem Schoße gelehrt!" Den Berg herauf schallte das innige Lied:

Es blüht der Blumen eine Auf ewig grüner Au; Wie diese blühet keine. So weit der Himmel blau. Wenn ein Betrübter weinet. Getröstet ist sein Schmerz, Wenn ihm die Blume scheinet Jn's leidenvolle Herz.

Eine Thräne der Rührung perlte dem Priester vom Auge, als er der Tage gedachte, da er auf den Knieen feiner Mutter gesessen, ihren Lehren gelauscht und von ihren Lippen dieses Lied ge­hört. Auch Robert war ernst geworden und willigte ohne Widerrede ein, als ihn der Bruder bat, ihn nach der Waldkapelle zu begleiten. An den Betern, die von nah und fern zufammenge- strömt waren, ging Robert theilnahmslos vorüber, den Worten des Priesters, der den Taufenden von einer steinernen Kanzel vor dem Eingänge des Gotteshauses herab predigte, hörte er an­fangs zerstreut, bann jedoch mit immer wachsendem Interesse zu. Der alte, ehrwürdige Herr, dem das schneeweiße Haar um die Schläfe flatterte, hatte sich das „Gebet der Mutter" zum Thema gewählt, und fo innig flössen die Worte von seinen Lippen, daß Robert nicht umhin konnte, seiner Rede zu lauschen.

II.

Zwei Jahre später. Roberts Studienzeit ist nahezu vollendet. Die wenigen Tage, welche er noch auf der Universität zu verbringen hat, will er mit vollen Zügen genießen, und mit einer An­

Bauer in einen Pferdehandel ein. Plötzlich erhoben die Zigeuner ein furchtbares Wehegeheul, da ein etwa lOjähriger Junge von einem Pferde, welches dieser geneckt haben soll, einen heftigen Huffchlag gegen die Schläfe erhielt und an­scheinend kurz darauf verstarb. Die Zigeuner brachten den Verunglückten nach Neuhof, wurden aber von dort alsbald nach Fulda verwiesen.

o° Nolhemau«, 18. Aug. Auf Anregung des Herrn Försters Nagelschrnitt von Döllbach und des Holzwaaren- und Fahrradhändlers W. Schipper von Motten wurde hier eine Versamm­lung von Radfahrern aus Motten, Döllbach, Rothemann, Löschenrod, Hattenhof und Sutter abgehalten, welche die Gründung eines Rad- fahrer-Vereius zur Folge hatte.

2 Salzschlirf, 18. Aug. Gestern Abend brach in der Scheune des Landwirths Lorenz Post Feuer aus und legte dieselbe in Asche. Die Scheune war reich gefüllt mit Getreide.

* Mom Mogelsverg, 18. Aug. Recht günstige Nachrichten trifft man hier allenthalben über die diesjährige Ernte. Der Ausfall der Kornernte, wie auch das zu erwartende Ergebniß der anderen Getreidearten stempeln die dies­jährige Ernte zu einer ganz vortrefflichen. Eine solche Kornernte, wie gegenwärtig, ist lange nicht dagewesen. Die Scheunen werden fast allein voll von der reichen Kornernte, so daß sicherlich in diesem Jahre der Platz zum Unterbringen der Frucht mangeln wird.

* Kassel, 18. August. Der deutsche Schneidertag nahm folgende Refolution an: „Der 13. deutsche Schneidertag erkennt in dem neuen Jnnungsgesetze vom 26. Juli 1897 eine bessere Grundlage für das Jnnungswesen, ins­besondere für Regelung des Lehrlingswesens, an, begrüßt die Errichtung obligatorischer Zwangs-Innungen und empfiehlt den Kol­legen, möglichst bald zu Zwangsinnungen zusammen zu treten. Wenn die deutschen Schneider auf dem Boden dieses Gesetzes mit aller Kraft die Hebung ihres Standes antreten wollen, fo können sie jedoch niemals auf die obligatorische Organisation und die Einführung des Be­fähigungsnachweises verzichten und bitten den hohen Reichstag und hohen Bundesrath, möglichst bald dementsprechende gesetzliche Be­stimmungen zu treffen." Die Resolution wurde nach einer sehr lebhaften Debatte angenommen. Als nächster Kongreßort wurde Krefeld gewählt.

* MilHelmshöye, 18. Aug. An der Gala- afel zur Feier des Geburtstags des Kaisers Franz Joseph nahmen der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin, Baron Szögyenyi, die Mit­glieder dieser Botschaft, der kommandirende General v. Wittich, Oberpräsident v. Magdeburg, und Andere theil. Der Kaiser trank auf das Wohl des Kaisers Franz Joseph. Die Tafelmusik führte die Kapelle des 83. Regiments aus.

* Witzeuhause«, 18. Aug. Gestern Morgen ist in der Werra beim Baden ein neunzehn­jähriger Komptoirist ertrunken. Der Ver­unglückte hatte dem geselligen Zusammensein des Hessischen Geschichtsvereins lange beigewohnt und war dann direkt ins Bad gegangen, wo ihn wahrscheinlich ein Herzschlag getroffen hat. Die Leiche ist noch nicht gefunden.

* Mreiteubach, 18.Aug.©inungebetener Gast in Gestalt einer Kuh kam dieser Tage zum nicht geringen Entsetzen der anwesenden Gäste in das Gastzimmer des Gemeindewirthshaufes. Das wild gewordene Thier sprang mit den Vorder­beinen auf das Billard, zertrat Stühle und warf Tische mit darauf stehenden Speisen und Gläsern um. Einige Männer verkrochen sich unter Bänke, andere suchten ihr Heil in der Flucht. Endlich tarnen der Wirth und der Führer der Kuh und brachten das Thier mit festem, kräftigen Griff zur Raison und mit Hurrah aus dem Loche, das der Zimmermann gelassen hat. Hinterher wurde die Kuhaffaire kräftig belacht. Der Führer der Kuh hatte diese aus Rengelrode geholt und auf dem Hofe des Gasthauses angebunden; sie hatte sich aber loszumachen verstanden und war auf ihrem Forschungsgange in das Gastzimmer gerathen.

zahl Freunde begibt er sich nach einem der Uni­versitätsstadt benachbarten Dorf und vergnügt sich bei funkelndem Wein, bis ihm die Kraft desselben das Blut erhitzt und seine Pulse schneller schlagen macht.

In feinem Taumel beleidigt er einen Kame­raden, nach kurzem Wortwechsel hat ihn dieser gefordert, und nach wenigen Minuten stehen sich in einem benachbarten Gehölz die bisherigen Freunde mit gezücktem Degen gegenüber. Nach kurzem Kampfe schreit Roberts Gegner plötzlich auf vor bitterem Schmerz, und mit dem Rufe: „Mein Gott, ich muß sterben!" stürzte er zur Erde.

Robert stand versteinert, sein Rausch war schnell verflogen. Mit einem Fluch warf er den Degen zur Seite, kniete neben dem Verletzten nieder und suchte mit ängstlicher Hast das Blut zu stillen, das aus einer tiefen Wunde strömte.

„Erwache, Freund, erwache! Gott, das habe ich nicht gewollt," schrie er mit banger Stimme. Da fühlte er sich an der Schulter gefaßt, einer feiner Freunde beugte sich nieder und flüsterte ihm ins Ohr: „Fliehe, noch ist es Zeit! Hier ist Geld."

Robert fühlte das kalte Metall in feiner Hand. Ja, fliehen, fliehen mußte er von den heimathlichen Fluren, um nicht den Häschern in die Hände zu fallen und in den Kerker geworfen zu werden. Er in den Kerker als Mörder! „Warum hast du deiner Mutter nicht gefolgt?“ schrie es mit Donnerstimme in seinem Innern, und mit einem letzten Händedruck, einem Blick auf fein Opfer eilte er davon ins nahe Gehölz.

(Schluß folgt.)