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Fuldaer W- Zeitung

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-"-TSÄÄT.imit Mnterhaltungs-Meilage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung!' peterszasse Nr. 2 (Larmoaie).

JuLöcr, Freitag, den 19. August 1898

M 187.

<fö Die päpstliche Encyklika

an dje italienischen Katholiken, in welcher die in den letzten Monaten gegen die katholischen Vereine und die katholische Presse seitens der piemonte- stschen Regierung verübten Gewaltthaoen gekenn­zeichnet und verurtheilt werden, hat ebenso wenig den Beifall der italienischen liberalen, kirchen- feindlichen Presse, wie den ihrer Gesinnungs­genossen im deutschen Reiche gefunden. Das kann bei dem unüberbrückbaren Gegensätze, der zwischen dem Katholizismus und den in den kirchenfeindlichen Kreisen herrschendenAnschauungen besieht, nicht weiter auffallen: der Papst verur­theilt und muß das verurtheilen, was jene Kreise erstreben. Wohl aber muß auffällig erscheinen, daß die Kirchenfeinde trotz aller Enttäuschungen, die sie erlitten, trotz aller diesbezüglichen Lehren, die sie schon erhalten haben, immer wieder der Selbsttäuschung zu verfallen scheinen, als ob der Papst schließlich doch noch ihre Ansichten theilen oder wenigstens denselben sich nähern werde. Wir sagen: zu verfallen scheinen, denn es ist in der That nur Schein, weiter nichts, als eine geheuchelte Selbsttäuschung, geübt zu dem Lwecke, um bei jeder neuen Kundgebung des hl. Vaters, die ihre Pläne enthält und kreuzt, immer ihr „Erstaunen" über den „unversöhnlichen Papst" äußern und mit verdoppeltem Haß ihn beschimpfen zu können.

Man wird sich noch erinnern, wie bald nach den Mailänder Unruhen die italienische kirchen­feindliche Presse, und ihr folgend, auch die deutsche, die um kein Haar besser ist als jene, den heuch­lerischen Versuch machte, einen Gegensatz zwischen dem hl. Vater und dem Kardinalerzbischof Ferrari von Mailand künstlich zu konstruiren; wie sie sich bemühte, den Anschein zu erwecken, als mißbillige der Papst das Auftreten des Mai­länder Oberhirten jenen Unruhen gegenüber und ebenso auch die Haltung der italienischen katho­lischen Btäller. Diese Versuche wurden mit solcher Verschlagenheit betrieben, daß der hl. Vater, um das wohlangelegte Lügennetz zu zerstören, sich genöthigt sah, das bekannte herrliche Schreiben an den Kärdinalerzbischof zu richten, in dem er denselben wegen seines korrekten Verhaltens während den Unruhen lobte und beglückwünschte und seinem Schmerze darüber Ausdruck gab, daß Diejenigen, welche die Rechte der Kirche und des hl. Stuhles vertheidigten, deshalb Bedrängnissen und Verfolgungen ausgesetzt seien. Das bezog sich auf die katholischen Blätter und Vereine, gegen die feile Richter drakonisch hohe Strafen verhängten, nicht etwa, weil sie schuldig gewesen wären, sondern weil die piemontesische Regierung ihre Bestrafung verlangte. .. ?

Man hätte nun glauben sollen, jene Kund­gebung des hl. Vaters an den Mailänder Ober­hirten sei so klar und verständlich, daß auch ein Gegner, der nicht etwa gar zu böswillig wäre, über die wirkliche Auffassung des hl. Vaters nicht länger hätte im Zweifel sein können. Es war auch Niemand mehr in Zweifel darüber, auch die liberale Presse nicht; es paßte aber zu ihrem System, jene Täuschung auch noch weiter zur Schau zu tragen und zu pflegen, wäre es auch nur, um Verwirrung in schwachen Gemülhern

Auf der Urichswacht.

Erzählung von A. Jüngst.

12 ------ (Nachdruck verboten.)

Die Vergleiche fielen nicht immer zu Gunsten des wackern Jünglings aus, der doch in diesen Tagen unzählige Mal die schmale Wendeltreppe chinanstieg, Auge und Herz an dem Anblicke der Geliebten zu laben. Der Bauhütte hatte er schon Valet gesagt; der Abschied von dem wälschen Meister war frostig genug gewesen. Desto wär­mer hatte sein früherer Lehrer ihn in die Fremde entlasten, ihm auch Briefe und Empfehlungen mit­gegeben nach Ulm und Augsburg, wo demselben einflußreiche Freunde lebten. Hans dachte jedoch, vorerst durch's Breisgau nach der Pfalz sich zu schlagen, um bei der noch immer erhofften Wen­dung der Dinge mit den Söldnern des Kurfürsten wieder in's Elsaß einrücken zu können.

So verflossen ein paar lange bange Tage. Die Stunden krochen langsam dahin und enteilten dennoch wie im Fluge, je näher der Augenblick des Abschieds kam.

Es war ein trüber Allerheiligentag der 1. Novem­ber 1697 und ein noch trüberer Allerseelenabend, der ihm folgte. Schwere Wolken hingen über der Stadt und drohten, in unergründlichen Regen­schauern sich zu entladen.

Aber schwerer noch als die grauen Herbst- vebel lag bange Sorge auf der Reichsstadt an der Jll. Scheuen Blickes, bleichen Gesichtes eilten die Bürger über die Straßen; nur gedämpften Tones wagte Einer dem Anderen etwas zuzuraunen, was eben schon auf der Cstadelle bei klingenden

anzurichten. Aber auch diese Versuche sind nun durch die Encyklika des hl. Vaters gründlich zu nichts gemacht, so zwar, daß weitere ähnliche auf irgendwelchen Erfolg nicht mehr rechnen können. Daher nun das Wüthen und Toben, die das Kartenhaus ihrer Entstellungen, das sie mühsam aufgerichtet hatte, mit einem Schlage zusammen­stürzen und sich selbst gründlich entlarvt sah. Es ist nun interessant, wie die italienische papstfeind­liche Presse von einem gesinnungsverwandten deutschen Blatte, daß ihr im Haß gegen den Papst nicht nachsteht, aber ihre Heuchelei nicht mitmachen will, sich zurechtweisen lassen muß. Dieses Blatt, das Berliner Organ der National- liberalen, sagt, es sei sonderbar, daß die Selbsttäuschungen — Derjenigen, die eine An­näherung des Papstes an die Eindringlinge glaubhaft machen möchten — „ trotz der keineswegs zweideutigen Haltung des Vatikans immer wiederkehren". Es wird hier also ausdrücklich anerkannt, daß der bei!. Vater Anlaß zu dem Vorgehen seiner Feinde nicht gibt. Es scheine, fährt dann das Blatt fort, „als ob derartige Illusionen zuweilen selbst der Männer sich bemächtigen, denen Italien zu regieren obliegt". Natürlich nähren diese Män­ner die Illusionen ebenfalls freiwillig, weil sie dadurch sich ihr Amt wesentlich erleichtern; denn die überwältigende Mehrheit des italienischen Volkes hält zum Papste und wird daher eine Regierung leichter ertragen und weniger befehden, die den Anschein erweckt, als stehe sie dem heil. Stuhle mindestens nicht feindlich gegenüber. Das hat sich ja augenscheinlich in der ersten Hälfte der Regierungszeit des letzten Ministeriums Ru- dini gezeigt, als dieses ein gewisses Entgegen­kommen gegen den hl. Stuhl — heuchelte. Das liberale Blatt erörtert dann in einer rührenden Naivetät mit verblüffender Unkenntniß katholischer Dinge vereinigenden Weise das Ergebniß der nächsten Papstwahl, eine Zukunfts - Betrachtung, die uns hier um so weniger zu beschäftigen braucht, als das lustige Phantasie - Gebilde jeder realen Unterlage vollständig entbehrt. Für uns handelte es sich nur darum, aus gegnerischem Munde den Nachweis zu führen, daß die Feinde der Kirche, wenn sie mitunter glauben machen wollen, der Papst habe wiederholt gezeigt, daß er die neue Ordnung der Dinge in Italien annehmen und billigen könne, es aber aus Friedfertigkeit gegen das „geeinte Italien" nicht thue, S e l b st - täuschung treiben und heucheln.

Deutsches Reich»

Berlin, 18. August.

* Das Kaiserpaar wird, wie neuerdings gemeldet wird, am Samstag, nachdem der Kaiser von Mainz zurückgekehrt sein wird, der Kaiserin v o n O e st e r r e i ch in Bad Nauheim einen Besuch abstatten.

* Eine ILegegvttng des Kaisers Wik- hekm mit dem Kaiser von Rußland soll, wie englische Blätter wissen wollen, geplant sein. Die Begegnung werde in der Krim stattfinden, die der deutsche Kaiser nach seiner Orientreise zu besuchen gedenke. In Livadia werde er dann einige Tage Gast des Zaren sein. Die Nachricht

Bechern mit Spiel und Tanz gefeiert wurde: Straßburg war den Wälschen zugesprochen! Straß­burg hatte aufgehört eine freie deutsche Stadt zu sein!

Je mehr der Tag sich neigte, desto bedrückter ward die Stimmung, desto bänglicher die furcht­gespannte Erwartung. Nur auf dem Münsterplatz herrschte noch regeres, wenn auch kein fröhlicheres Leben. Fromme Beter gingen ein und aus. Aber es war Heuer nicht die Liebe zu den armen Seelen allein, welche sie in das Gotteshaus führte, sondern mehr noch saft die lastenden Zweifel um die eigene, ungewiffe Zukunft.

Und wie drunten in den engen Gassen der Stadt machte sich auch oben in der luftigen Höhe des Thurmes das beklemmende Vorgefühl kommen­den Unheils bemerkbar. Das Liebespaar stand schweigsam beisammen an der Brüstung der Platt­form. Düsteren Auges schaute Hans hinüber nach der verhaßten Zwingburg, wo mit der anhebenden Dämmerung ein Licht nach dem anderen sich ent­zündete. Der blinkende Festschein dünkte ihm ein arger Spott, und wenn auch die weite Entfernung keinen Ton herüberdringen ließ, er vermeinte doch, den Siegesjubel wie schreienden Mißklang zu ver­nehmen.

Des Jünglings Herz war getheilt zwischen Zorn und Liebe. Zorn über den triumphirenden Feind, über sich selbst und nicht zum mindesten Iber Rosel. Er grollte dem leichtlebigen Kinde, daß es nicht wie Mutter und Schwester in alles vergessender Sorge um ihn sich verzehrte, daß es tets nur sich und niemals ihn beklagte, selbst nicht in dieser letzten Abschiedsstunde. Es war die letzte Stunde. Morgen um diese Zeit, wer wußte, wo er da schon sein mochte.

klingt nicht sehr wahrscheinlich, da sie mit den seitherigen Meldungen über das Reiseprogramm des Kaisers nicht in Einklang zu bringen ist. Aenderungen sind ja allerdings möglich.

ff Für die bevorstehende Ileichstags-Krsatz rvahk im Wahlkreise Kreuznach-Simmern, an Stelle des verstorbenen nat.-lib. Abg. Dr. v. Cuny, hat das Centrum den Rittergutsbesitzer Puricelli in Kreuznach aufgestellt. Da die Be­völkerung des Wahlkreises überwiegend protestan­tisch ist und Nationalliberale und Landbündler dies Mal Hand in Hand gehen, dürfte der Kan- didat der letzteren, Professor Dr. Paasche, gleich im ersten Wahlgange gewählt werden.

+ Ein Gegner des Aeichstagswatzkrechts behauptet jüngst in der ,Kreuzzeitung', dieses Recht sei nicht ein so wichtiges Volksrecht wie die „Demokraten" behaupteten, weil so viele Wähler keinen Gebrauch von demselben machten. Wir stellten damals sofort die Gegenfrage, wie es dann erst um das, nach Bismarck'schem Aus­spruch, elendste aller Wahlsysteme, das Drei- klassen-Wahlrecht, bestellt sei, von dem noch weit weniger Wähler Gebrauch machten. Nun wird gerade zur rechten Zeit eine Statistik ver­öffentlicht, die hierüber interessante Aufschlüsse bringt. Bei den letzten Landtagswahlen, 1893, haben von 5,989,538 Urwählern nur 1,102,309 gleich 18" Prozent, also um stark ein Sechstel, abgestimmt. Die Betheiligung in den Städten war nur wenig stärker, als auf dem Lande. In der dritten Äbtheilung betrug die Betheiligung 1521,in der zweiten 3203, in der ersten 48" Prozent. Am stärksten war sie in der Provinz Posen mit 463S, am schwächsten in Hannover mit 959 Prozent. In 119 Wahlkreisen blieb sie unter 10, in 12 sogar unter 5 Prozent. Bei den letzten Reichs­tagswahlen betrug die durchschnittliche Betheiligung einige 60 Prozent. Wollen nun wirklich Freunde des bestehenden Reichstags-Wahlrechts den Ver­such machen, das Dreiklassensystem als das bessere und das erstrebenswerthere für die Wahlen zum Reichstag auszuspielen?

* Für die Aendernng des Wahlrechts glaubt die amtliche .Leipziger Zeitung' sogar die Rückberufung der Jesuiten als Preis an­bieten zu dürfen. Sie meint, seit dem Bestehen des Jesuitengesetzes habe die politische Macht der katholischen Partei eine Ausdehnung erhalten, wie nie zuvor. Durch das Gesetz werde ein großer Theil der Bevölkerung in seinem Vertrauen zur Regierung erschüttert. So lange eben dieses Gesetz besteht, wird man darauf verzichten müssen, die Zustimmung der katholischen Bevölkerung zu einer Aenderung des jetzigen Reichstagswahlgesetzes zu erlangen, und es ist dies eine Thatsache, mit der zu rechnen ist. Mache man doch einmal die Probe! hebe man das Jesuitengesetz auf; man wird dann ja sehen, ob sich etwas geändert hat.

* Das.Mannheimer Volksblatt' bringt aus dem siebenten badischen Wahlkreis über schwere ISaHlfälschnngen folgende Nachricht:

„Seit Jahren besteht der Verdacht, daß es in einzelnen Orten des Amtes Kehl beim Wahlakt der Reichstagswahl nicht gesetzmäßig herging. Vielfach stimmten sämmtliche Wahlberechtigte ab und alle Zettel lauteten aus den nationalliberalen Kandidaten. Es konnte vor Jahren schon festgestellt werden, daß in solchen Fällen einige Wahlberechtigte ortsabwesend

Langsam, schlürfenden Schrittes kam Thomas um die Ecke gehinkt. Ein boshaftes Grinsen ver­zog sein häßliches Gesicht, als er das trauernde Pärchen erblickte.

„Das ist mein Werk!" dachte er und rieb sich vergnügt die Hände. „Den haben wir glück­lich weggebissen, und der französische Laffe — pah, wenn der auch wiederkommt, der meint es doch nicht ehrlich. Der tänzelt und scherwenzelt um das Mädel herum, bis es zum Gespötts der Leute wird und sich freuen muß, wenn ein ehr­licher Mann es noch freien mag. Eheliebster der schönen Rosel, Nachfolger des Thürmers — Thomas Usinger, Du kannst mit Dir zufrieden sein!"

Mit niedergeschlagenen Augen, die Arme schlaff herabhängend, kam er geräuschlos näher.

„Mit Verlaub, junger Herr, der Hammer hebt gleich aus zum sechsten Schlage. Ihr sagtet--"

„Dank Dir, Thomas. Schon sechs! Da darf ich nimmer säumen. O Rosel, Röschen, daß ich von Dir mich trennen muß, bricht mir das Herz! Wirst Du mir auch in treuer Miene zugethan bleiben, wenn selbst Jahr und Tag darüber ver­geht, bevor ich ungefährdet die Heimath wieder betreten kann?"

„Du zweifelst an mir, Hans, und ich hätte doch wahrlich triftigeren Grund, um Deine Liebe mich zu besorgen! Andere Städtchen, andere Mädchen."

Ein vorwurfsvoller Blick traf die Redende.

„Das hättest Du nicht sagen dürfen, Rosel, das nicht. Meine Liebe zu Dir steht so un­wandelbar fest wie das Himmelsgewölbe über dem Erdenball. Eher, tausendmal eher ging ich

25. Jahrgang

waren und doch in der Liste als solche verzeichnet wurde'3' die ihr Wahlrecht ausübten. Jetzt scheint man anläßlich der Juni-Wahl in einem eklatanten Fall der Wahl­fälschung auf die Spur gekommen zu sein. In dem Dorfe Sand wurden auf erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschft der Bürgermeister und das gesammte Wahlkomitee in Untersuchung genommen und cs soll fich herausgestellt haben, daß schwere Vergehen gegen die Reichswahlordnung vorliegen. Vom großherzogl. Unter­suchungsrichter in Offenburg'wurden in Sand 80 Wähler vernommen, weil glaubwürdig behauptet wird, daß für etwa 100 Wahlberechtigte, die nicht zur Urne gingen, Zettel mit dem Namen des nationalliberalen Kandidaten v. Rheinau in die Urne gelegt wurden. Einzelne Wähler sollen auf die Aufforderung des Wahlvorstandes zugleich für ihre wahlberechtigten Verwandten abgestimmt haben, damit diese nicht in der Heuernte gestört wurden, lieber das Ergebniß der behördlichen Untersuchung weiß man nichts; von den vernommenen Zeugen erfährt man, daß der Nachweis für die Wahlfälschung erbracht ist."

Ob die Darstellung richtig ist, wird ja wohl die Verhandlung erweisen. Fälschungen so grober Natur dürften auch im nationalliberalen Interesse selten vorgekommen sein.

* Zur Abwechselung kommt schon wieder ein­mal die Nachricht von einem netten Gewehr. Ein Versuchsschießen mit demselben fand am Mittwoch auf dem Tegeler Schießplatz durch Offiziere derSpandauerGewehrprüfungskommission statt. Die in Aussicht genommene Zu­kunftswaffe der deutschen Armee soll ein noch geringeres Kaliber haben, als das jetzige Gewehr, Modell 1888, sie soll bei erhöhter Rasanz und vermehrter Durchschlagskraft für weitere Entfer­nungen als jetzt verwendbar sein. Die Proben seien auf Distanzen von über 2000 Meter mit Erfolg ausgedehnt worden.

X Zur Lippe'schen Angelegenheit. Em süddeutsches Blatt will von einem hochangesehenen Mitglieds der Münchener Hofkreise erfahren haben, daß der Graf von Castell eine Abschrift des Kaiser!. Telegramms an den Regenten von Lippe der.Neuen Bayer. Landesztg.', die dasselbe dann veröffentlichte, habe zugehen lassen. Wenn der genannte Graf genaue Kenntniß der Sachlage be­sitze, so komme für ihn noch ein persönliches Mo­ment dabei mit in Betracht, denn diejenige Dame aus dem Hause Lippe, die von „Oben" als „nicht ebenbürtig" bezeichnet worden, sei eine Gräfin von Castell. Das genannte bayerische Blatt behaup­tet, das Geschlecht derer v. Castell sei älter als das der Hohenzollern. Die Nachricht dürfte wohl weitere Erörterungen nach sich ziehen.

x Von Bismärckischer Seite werden immer neue Versuche gemacht, den verstorbenen Kanzler in ein möglichst günstiges Licht zu stellen. So wird neuerdings erzählt, Fürst Bismarck habe die Gntthronnng des Kerzogs von Zkassan (des heutigen Großherzogs von Luxemburg) nicht gewollt, aber König Wilhelm, der den Her­zog nicht habe leiden können, habe dessen Ab­setzung verlangt. Der alte Wilhelm I. ist todt und kann sich nicht mehr vertheidigen, und der Herzog wird wissen, woran er ist.

* Daß der gegenwärtige Stand der Dinge in Mrau» schweig, wo statt des eigenen Herzogs ein preußischer Prinz als Regent fungirt, der aber saft nie in Braunschweig weilt, kein gesunder und ein auf die Dauer unhaltbarer ist, geben auch die „gesinnungstüchtigsten" und unzweifelhaft preußisch gesinnten Blätter zu. So berichtet die .Deutsche Tageszeitung', der älteste Sohn des Herzogs von

elend zu Grunde, als daß ich nur den Schatten eines Gedankens von Dir lassen könnte. Aber, Du Rosel, Du! Ha, wenn ich mir vorstelle, daß in meiner Abwesenheit der französische Vicomte--". Die Hand des jungen Mannes

ballte sich, sein Auge sprühte. „Rosel, schwöre mir noch einmal, daß Du mich und nur mich allein liebst, daß Du auf mich warten willst bis zum Ende der Tage!"

„Wie oft soll ich Dir dasselbe sagen? Du glaubst mir ja doch nicht."

„Rosel, sollen wir mit einem Zwiespalt scheiden?"

Die Gluth wahrer, inniger Liebe, die aus den schmerzvoll hervorgestoßenen Worten des Jüng­lings sprach, verfehlte ihre Wirkung auch auf Rosel nicht. Mit abbittendem Lächeln hob sie die schönen Augen zu dem Geliebten empört und schmiegte das lockige Köpf chen an seine Schulter.

„Vergib mir, Hans, daß ich dich quäle!" flehte sie in den weichsten Tönen. „Ich weiß nicht, was mir ist, ich kenne mich oft selber nicht aus."

„Aber Du liebst mich, Röschen, liebst mich mehr denn alles in der Welt?"

„Mehr als alles in der Welt," wiederholte das Mädchen und dachte bei sich, wie viel das wohl sein möge.

„Sieh'," fuhr Hans fort, indem er die Ver­lobte nach der westlichen Seite des Thurmes zog, wo noch ein fahler Lichtschein auf dem grauen Gemäuer hastete. „Hier in diesen Stein habe ich mein Zeichen gesetzt, als sie mich vor drei Jahren zum Gesellen schliffen: I. H. 1694;