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Inserate: Die ein« spalt. Garmond­zeile oder bereit Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

-ejugepreii ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

M 185.

IrrNa, Mittwoch, den 17. August 1898

25. JahrgMg

Verantivortlich: Für die Redaktion i. V.: 3 o f. jö r g, »ar Inserat- I. p-rzeller in Lntda.

mit Mnlerhaktungs-Meikage „Mustrirte Sonntags-Aeitung"

10

Anf der Krichswacht.

Erzählung von A. Jüngst.

------- (Nachdruck verboten.)

So schwanden die Morgenstunden für alle Familienglieder in gleicher Sorge dahin. Es war, als ob die Nebelflocken, welche in der Morgen­frühe um den Münsterthurm geflattert, sich zu- sammenaeballt und auf das stattliche Erkerhaus herabgesenkt hätten.

Endlich fiel die schwere Hausthür dröhnend ins Schloß, ein rascher Schritt klang auf den Steinfliesen. Hans kam heim von der Morgenarbeit.

„Grüß Gott, liebes Mütterle!" rief er schon -auf der Schwelle des Erkerzimmers, wo Frau Edeltraut eben blüthenweißes Leinen über den Tisch breitete. „Aber was gibt's? Hat das Kätherle die Suppe überlaufen lassen oder Gesina 6a§ neue Damasttuch zerschnitten, daß Du drein- schaust wie drei Tage Regenwetter?"

®‘n 1l?^es Lächeln irrte um den noch immer schönen Mund der Matrone.

»Ach- wenn es nur das wäre, mein Sohn, ■roie gerne wollte ich meine ganze Linnentruhe dahmgeben!"

„Gesina kann doch nichts zugestoßen sein," tief Hans auf die Einlretende zueilend, „denn da ist sie ja, heil und gesund. Jst's der Großohm, Schwester? Sag mir die Wahrheit!"

„Ach nein, Hans, es betrifft Dich."

„Mich? Nun, mir fehlt nicht das Mindeste und meinem Röschen auch nicht. War just noch mit einem Sprunge droben, um nach dem Rechten zu sehen."

Im Jahr 1885 gab es in Hochheim (Erfurt) neben 98 katholischen Schülern 38 evangelische; es wirkten an der Schule 2 katholische Lehrer. Die Behörde verlangte, die zweite katholische Lehrerstelle solle in eine evangelische umgewandelt, oder es solle eine neue evangelische Schulstelle errichtet, also als dritter ein evangelischer Lehrer angestellt werden. Die Gemeinde lehnte dies ab. Darauf verfügte der Landrath, es sei eine b e - sondere evangelische Schule für die 38 evan- gelifchen Kinder zu errichten. Auf eine Be­schwerde entschied die Regierung zu Erfurt am 12. Okt. 1883:

„ . - Da wir nun im vorliegenden Falle das Bedürfniß der Errichtung einer besonderen evan­gelischen Konfessionsschule nach eingehender Prüfung der obwaltenden Verhältnisse sestgestellt haben, so be­hält es bei den zu diesem Behuf« Seitens des hiesigen Königlichen Landraths auf unsere Veranlassung eigriffe- nen Maßregeln lediglich sein Bewenden."

Diese evangelische Schule in Hochheim, Rgsbz. | Erfurt, besteht, wie wir auf telegraphische An­frage _ erfahren, heute noch; allerdings hat sich inzwischen die Zahl ihrer Schulkinder vermehrt.

Der Verfasser des Artikels bedauert es, daß ..die von Centrumsabgeordneten angeführten speziellen Fälle nicht vom Regierungstische richtig gestellt werden können, und zwar wegen man­gelnden Materials". Wenn der Verfasser meint, den Regierungskommisfaren wären die Verhältnisse nicht bekannt genug, dann irrt er sehr; denn die Herren Kommissare haben im Sitzungssaale oder im anstoßenden Zimmer stets eine Menge Material vorräthig, welches sich auf die zur Verhandlung stehenden Gegenstände be- | zieht, und können aus dem Kultusministkrium in einer halben Stunde aktenmäßige Auskunft oder aus den während der Verhandlung genannten Orten binnen 3-4 Stunden telegraphischen Be­scheid haben. Aber in dem Sinne, wie es der Verfasser verlangt, können nicht die Fälle „richtig gestellt", d. h. widerlegt werden, weil sie näm­lich richtig sind. Allerdings haben hie und da die Regierungskommissäre eine Widerlegung, insbesondere der vom Abg. Dasbach vorgetragenen Beschwerden, versucht; aber die Unrichtigkeit ihrer Bemerkungen wurde stets nochgewiesen. ■ Es ist zweckmäßig, auf die Herausforderung im,Rhein. Kurier' mit der Nennung einiger Imparitäts- Fälle zu antworten.

In Peckelsheim, Kreis Minden, Rgbzk. Minden, gibt es eine evangelische Sozietätsschule, die in der Regel nur 7, hie und da bis zu 12 Kinder zählt; der Staat zahlt wenigstens den gesetzlichen Zuschuß von 500 Mark dazu. Vor einigen Jahren stellte die Regierung in Minden an die Cioilgemeinde Peckelsheim den Antrag, diese Schule auf ihren Etat zu übernehmen. Die Gemeinde lehnte ab, und es blieb dabei. Die Stadt Hünfeld, Rgsbzk. Kassel, wurde durch Beschluß des Provinzialrathes vom 16. Januar 1897 gezwungen, die dortige evangelische Sozie­tätsschule mit circa 27 Kindern auf ihren Etat zu übernehmen. Und was thut die Schulbehörde für300 katholische Schulkinder in Schöneberg?

Als im Jahre 1890 bereits 90 katholische Schulkinder dort vorhanden waren, wurde die Regierung in Potsdam von den katholischen Familienvätern Schönebergs gebeten, auf Grund

Mutter uno Tochter seufzten. Rofel, immer nur Rofel!

„Ah, Großohm, gut, daß Ihr kommt," wandte der junge Mann sich an den eintretenden Greis.

I ..Aus der Mutter und Gesina ist gar nimmer ! klug zu werden. Die beiden machen Gesichter, so trübselig, als ob eine Leiche int Hause wäre und sprechen in lauter Räthseln."

„Welche Du mit einem Worte lösen kannst, lieber Sohn. Es handelt sich um einen über- müthigen Streich, den Du verübt haben sollst, und der Dir nun leichtlich übel ausschlagen möchte. Hast Du dem Vicomte von Lapendiore, der etliche Monde hier auf der Citadelle lag, einen Scha- bernak gespielt?"

Eine dunkle Röthe flog über das hübsche Ge­sicht des Steinmetzen.

„Ach, wenn's anders nichts ist!" meinte er leichthin. „Der Drache mit dem Gesichte des Franzosen--"

„Also doch!" stöhnte die Matrone. Gesina schlug stumm die Hände zusammen.

„Lieber Himmel, Mutter, Gesina, wie könnt Ihr solch Aufhebens von einem Scherze machen? Der Vicomte hatte m'ch geärgert mit feinem Scherwenzeln um die Rofel, und fast ohne mein Zuthun nahm der Drache, den ich für die Brü­stung der Plattform meißelte, feine Züge an. Aber was soll das jetzt noch? Der Vicomte ist in Paris und fein Ohm, der gestrenge Herr Kom­mandant, steigt sicher nicht die schmale Wendel­treppe zum Thurm hinaus. Und wenn selbst, der unbedeutenden Steinfigur würde er schwerlich acht haben."

„Er weiß es bereits, weiß, daß Du seinen

Neffen und in diesem das stolze Frankreich hast verhöhnen wollen."

Hans erbleichte und schaute unsicher von einem zum andern. Dann aber warf er herausfordernd das blonde Haupt zurück und sagte:

„Nun, so mag er. Wir sind noch keine fran­zösischen Unterthanen. Kaiser und Reich können Straßburg nicht aufgeben. Der Kurfürst von der Pfalz wird uns zu Hilfe kommen. Drunten im Lande sind rührige Leute; der Vetter des Thür- mers--"

„TäuscheDich nicht, Hans," unterbrachGesina den Erregten. „Wenn die eine Hälfte der mir zugeraunten Botschaft wahr ist, wird die andere es auch wohl sein."

„Wer war der Bote? Wer hat die Lästerung Dir zugetragen?"

„Ich kannte ihn nicht, und er hat keinen Namen genannt."

„Aber wie sah er aus? Weß Standes und Amtes war er?"

„Ich kann es Dir nicht sagen, Hans; ich habe Schweigen gelobt."

„Ha, dann so viel für den unberufenen Schwätzer!" rief Hans und schnippte mit den Fingern.

„Gott zum Gruß, Frau Edel traut!" rief eine frische jugendliche Stimme von der Schwelle her.

Alle fuhren erschreckt zusammen und wandten sich der Thür zu, in deren Rahmen ein hübscher dunkellockiger Jüngling stand, dessen Gewand den Gelehrten, den Rathsschreiber, verrieth.

„Dreimal angepocht und keine Antwort er­halten ! Da habe ich mir ohne Einladung selber aufgethan. Ich sehe aber schon, daß ich als hin­kender Bote hinterher komme und Ihr die neueste

& Imparität auf dem Gebiete der Volksschulen in Preußen.

Der ,Rhein. Kurier' vorn 13. August, Abend­ausgabe, bringt folgenden Artikel:

. , "B°m Main, 12. Aug. Alljährlich bei Berathung Oes Kultusetats wird von Centrumsmitgliedern die alte abgetriebene Jmparitätsmähre aufs neue vorgeritten. ®te größeren Geister beleuchten die sogen. Imparität oon einem weiteren Gesichtspunkte, die kleineren suchen sie gewöhnlich an Einzelfällen auf dem Schulgebiete nachzuweisen. Wie es nun oft mit der Richtigkeit solcher Behauptungen aussieht, mag an dem von dem Abgeord­neten Dasbach am 15. März b. I. angeführten Bei­spiele aus unserer engeren Heimath gezeigt werden Herr Kaplan Dasbach führte aus unserer Provinz Bei­spiele von neugegründeten Konfessionsschulen an, durch die er die Zurücksetzung der Katholiken nachzuweisen versuchte. Unter anberem behauptete er: „In Hochheim, wo die katholische Schule von 30 evangelischen Kindern besucht wurde, ward die Gemeinde gezwungen, eine be­sondere evangelische Schule zu errichten/' Auch aus dem Bezirke Kassel führte er einige Orte an, wo für geringe -evangelische Minderheiten Konfessionsschule» eingerichtet worden seien, während man bei größerer Zahl katholischer Sinoer die Errichtung besonderer katholischer Schulen abgelehnt hätte. Wie weit die Angaben aus dem jen­seitigen Bezirke auf Wahrheit beruhen, können wir nicht feststellen, dagegen sind wir über die Schulverhältnisse des diesseitigen Bezirks genau oiientirt. Was die An­gaben des Herrn Kaplans über Hochheim anbelangt, so sei dem gegenüber hiermit festgestellt, daß daselbst über­haupt keine evangelische Schule besteht. An der Gemeindeschule ist allerdings ein Lehrer evangelischer Konfession angestellt. Auch beträgt die Zahl der evan­gelischen Kinder nicht 30, sondern fast das Doppelte........

Zu bedauern ist es allerdings, daß solche von Centrums­abgeordneten angeführte spezielle Fälle vom Regierungs- "sche wegen mangelnden Materials nicht richtig gestellt werden können und deshalb als volle Wahrheit von ultramontanen Blättern weiter verbreitet werden können uud sicher dazu dienen, verhetzend bei den uneingeweihten Katholiken zu wirken."

Der Abg. Dasbach würde eine beispiellose Niederlage durch eine solche Aufdeckung von Un­richtigkeiten feiner Behauptungen erlitten haben, wenn nicht — der Verfasser dieses Artikels durch die Oberflächlichkeit seiner Studien gründlich! hereingefallen wäre. Es gibt nämlich in I Preußen zwei Orte mit Namen „Hochheim": 1) die Stadt Hochheim am Main, Regb. Wies­baden, und von dieser Stadt redet der,Rhein. Kurier'; 2) das Dorf Hochheim im Landkreise Erfurt, und davon hat der Abg. Dasbach ge­redet. Mit keinem Worte hat er angedeutet, daß ■et von Hochheim am Main reden wolle. Auch nicht die Gruppirung der Fälle gab zu solcher Vermulhung irgend einen Anlaß; denn er er­wähnte der Reihe nach folgende Fälle, bei denen | wir den Regierungsbezirk beifügen: Hochheim -(Erfurt), Hünfeld (Kassel), Melchendorf (Erfurt), Peckelsheim (Minden), Schöneberg (Potsdam), Eckenheim (Kassel, jetzt Wiesbaden), Holzweißig (Merseburg), Giebichenstein (Merseburg), Zlotowo I (Marienwerder). Der Abg. Dasbach hatte, als er den Fall Hochheim am 23. Februar 1893 er­wähnte, ausdrücklich beigefügt, daß er oon Hoch­heim bei Erfurt rede; er glaubte darum, am 15. März d. Js. die nähere Bezeichnung unter­lassen zu können.

des Gesetzes vom 26. Mai 1887 den Kreisaus- schuß zur Feststellung der Verpflichtung der Ge­meinde znr Errichtung einer katholischen Schule zu veranlassen; die Regierung lehnte ab. Seit dieser Zeit ist die Zahl der Schulkinder stets gewachsen; fast alljährlich wurde der Fal öffentlich imAbgeordnetenhause besprochen. Schließ­lich hat der Herr Minister angeordnet, daß die vom Jahre 1896 ab schulpflichtig werdenden katholischen Kinder von einer katholischen Lehr­kraft unterrichtet werden sollen, und in Folge dessen sind jetzt etwa 200 katholische Kinder in katholischen Klassen; aber ungefähr 300 katho­lische K i n d e r werden heute noch nur von evangelischen Lehrern unterrichtet, ob­gleich die Finanzen der Cioilgemeinde Schöne­berg sehr glänzend stehen, und obgleich der Herr Kultusminister diese Sachlage ganz genau kennt.

Diesen Fall suchte, als er vom Abg. Dasbach am 15. März 1898 besprochen wurde, der Ministerialdirektor Dr. Kuegler, „richtig zu stellen"; er behauptete [Stenogr. Ber. S. 1497]:

„Wenn ein großer Th eit der katholischen Kinder in Schöneberg, der diese Schule besuchen könnte, die Schule nicht besucht, so liegt der Grund darin, daß die Ent­fernungen in Schöneberg so erheblich sind, daß ein Theil der Eltern — es handelt sich da um die kleinen Kinder — es anscheinend vorgezogen hat, ihre Kinder in den anderen Gemeindeschulen zu lassen."

Es handelt sich hier aber gar nicht um die Frage, ob und weßhalb nicht alle kleinen katho­lischen Kinder in die neugebildeten katholischen untersten Klaffen ging«,, sondern darum, daß für 300 große, also ältere katholische Kinder keine katholischen Klassen ge­bildet worden sind, und daß deshalb diese 3 00 katholischen Kinder in die evangelischen Schulen zu gehen gezwungen sind. Abg. Dasbach sagte deshalb in der Abendsitzung des­selben Tages [Stenogr. Ber. S. 1503]: „Wenn das Verfahren gegen die Gemeinde auf Grund des Gesetzes vom 26. Mai 1887 bereits i. I. 1890 eingeleitet worden wäre, dann wäre . . . die Gemeinde gezwungen worden, für ihre 400 oder 500 katholischen Kinder eine vollständige katholische Schule auf ihre Kosten einzurichten. Diese meine Behauptung zu widerlegen, hat der Herr Regierungskornrnisfar nicht einmal versucht. Wenn jährlich nur eine katholische Klasse einge­richtet wird, wird erst i. I. 1902 eine voll­ständige katholische Schule dort vorhanden sein." — Auf diese Widerlegung erwiderte der Herr Ministerialdirektor kein Wort. Daran war nichts mehr „richtig zu stellen".

Wenn der Verfasser des Artikels im ,Rhein. Kurier' uns einen Fall angeben kann, in welchem der Landrath einer der Mehrheit nach evan­gelischen Gemeinde die Errichtung einer katho­lischen Gemeindeschule für 7 katholische Kinder zugemuthet hat, oder einen Fall, in welchem 300 evangelische Kinder gezwungen sind, eine Schule mit nur katholischen Lehrkräften zu besuchen, ohne daß die Staatsbehörden ein­schreiten — dann, aber auch nur dann wollen wir aufhören, über die Behandlung der Katho­liken auf dem Gebiete der Volksschule zu klagen.

Diese Jmparitätsfälle zeigen, daß das Mini­sterium Bosse, welches so oft fein „Wohlwollen"

gegen die Katholiken versichert hat, in der Tha* d,e Bezeichnung „Ministerium der wohl- wolle nden Ablehnung" verdient!"

Deutsches Deich«

Berlin, 16. August.

X Der Kaiser wird, rote schon berichtet, am nächsten Samstag, den 20. d. Mts., eine Parade der Mainzer und der Darmstädter Gar­nison auf dem sogenannten großen Sande bei Mainz abnehmen und dann auch Mainz selbst besuchen, was bei einem frühem ähnlichen Anlaß nicht geschah. Es herrscht deßhalb, trotzdem die Mainzer sich sonst durch übergroße Preußen­freundlichkeit nicht gerade auszeichnen, jetzt eitel Freude und Jubel dort, denn — es gibt was zu sehen, und da ist der Mainzer immer dabei. Bisher bekam er immer nur feinen „engem" Landesherrn, den Großherzog von Hessen, zu fehrn; jetzt aber soll er auch das Reichsoberhaupt sehen, und das ist ein Ereigniß. Der Kaiser roirb gegen Mittag, von der Parade kommend, in die Stadt einziehen, wo er im Hessischen Palais die städtischen u. s. w. Behörden empfangen wird. Daran schließt sich eine Hoftafel, nach deren Be­endigung er nach Wilhelmshöhe zurückkehren wird.

* Die Fragebogen zum Zwecke der Er­mittelung des Umfanges der heimischen larrd- rvirlHschastlichen Produktion sind, roie be­richtet roirb, im Retchsamt des Innern fertig- gestellt und werden demnächst zur Versendung gelangen.

* Zwecks Krsparrmg von Aeamtenkräste« sollen jetzt auch bei der Post Schreibmaschinen angeschafft werden. Demselben Zweck dient auch die allen Oberpost-Direktionen ertheilte Ermäch­tigung zur Beschaffung von Zwei- und Drei­rädern.

* Die Frage der Ileform der Eisenöatzn- Personenlarife für das deutsche Reich soll nun, roie verlautet, in ber im Dezember in Berlin ftattfinbenben Generalkonferenz ber deutschen Eisenbahnen erlebigt werben. Die neuen Tarife würben bann schon zum 1. April 1899 in Kraft treten können. Wenn bei biefer Reform nur etwas Rechtes herauskommt!

* Durch Erlaß vom 5. August b. I. hat ber Handelsminister die Handelskammern auf gefordert, ihm noch vor Ablauf dieses Jahres Vorschläge zu machen für den Erlaß von Bestim­mungen über die Grenze« des Kkemgewerves nach § 4 des Handelsgesetzbuchs vom 13. Mai 1897. Nach dem neuen Handelsgesetzbuch ist ein Fehlgriff in der Unterscheidung des Minderkaus- manns von dem Vollkausmann von viel größerer Tragweite als nach dem bisherigen Rechte. Des­halb dürfe die Frage, wie die Grenze zwischen Kleinbetrieb und Großbetrieb zu ziehen sei, nicht lediglich der Entscheidung der einzelnen Register­gerichte überlassen werden, es bedürfe vielmehr bestimmter, allgemein bindender Vorschriften hier­über. Der Erlaß solcher Vorschriften erscheine auch deshalb erforderlich, weil durch § 126 des Gesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit vom 17. Mai 1898 den Organen des Handelsstandes die Mitwirkung bei der Führung des Handelsregisters mit selbstständigem Beschwerde-

Zeitung bereits erfahren habt. Merkwürdig, roie schnell die schlimmen Mären fliegen! Wo man geht und steht, stecken die Leute die Köpfe zu­sammen und tuscheln."

„Wie, so weit wäre es schon?" fragte Gesina zitternd.

Frau Ebeltraut war unfähig, nur einen Laut fervorzubringen, und der Großohm, welcher seit­her an der Kredenz gestanden, tastete unsicher nach einem Stuhle, während Hans einen der geschnitzten Schemel aufgriff und zornig in ber Luft herum­wirbelte.

„Ganz so weit allerbings noch nicht. Aber wenn nicht im letzten Augenblicke ein Wunder ge­schieht, sinb wir verloren."

„Hans! Hans verloren?"

Es war ein verzweifelter Schrei, ber aus übervollem Herzen sich rang.

„Hans?" fragte ber junge Schreiber erstaunt bagegen. „Warum beim Hans eher als wir alle?"

„So ist es nicht wegen bes Drachen?"

Der Andere schüttelte den Kopf.

„Von einem Drachen weiß ich nichts. Ist auch alles nur Nebensache gegen bas eine Furcht­bare, Unerhörte: baß Frankreichs Gewaltthat be­stätigt, baß ber Raub einer freien Reichsstadt zur vollendeten Thatsache und obendrein verbrieft und versiegelt werden soll."

„Erklärt Euch deutlicher, Sigmar," mahnte der Großohm, welcher am ehesten feine Fassung wiedergefunden. „Wovon redet Ihr?"

„Wovon heute Nachmittag wohl die Sperlinge auf den Dächern schwatzen werden. Die Bevoll­mächtigten Deutschlands und Frankreichs sollen nach einer Botschaft, biegtftetn auf derCitabelle