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KrüdaerMZeitung

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Sia1"1’ mit Ilnterhaktungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Ieitung"

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Julöa, Dienstag, den 16. August 1898

25. Jahrgang

i den Kosten beitragen wollen, weigerten sich an­fänglich sehr entschieden, über den seitherigen Prozentsatz hinauszugeheu, bis sie einsahen, daß ein Beharren auf diesem unbedingt verneinenden Standpunkt schlechterdings unmöglich sei. Denn Oesterreich hätte dann lieber den sogenannten Dualismus, die Verbindung mit Ungarn, der ohnedies ein Unglück für Oesterreich ist, lieber in die Brüche gehen lassen.

Man näherte sich dann einer Verständigung auf 65 und 35 Prozent. Letzteren Satz wollte Ungarn für sich acceptiren, während man ihn in Oesterreich mit Recht für zu niedrig hält. Die Differenz ist aber gering, und man sollte glauben, daß die Magyaren, die den Vorth eil vom Dualismus haben, das größte Interesse daran hätten, den Streit zu Ende zu bringen. Das fällt ihnen, namentlich dem Ministerpräsidenten, dem durch sein schroffes, anmaßendes Wesen be­kannten Baron Banffy, aber nicht ein: sie sind zu sehr daran gewöhnt, daß Oesterreich nach­gibt, wie es leider stets auch geschah, und meinen daher, sie müßten auch jetzt ihren Willen durch­setzen. Es handelt sich also in diesem Augen­blick gewissermaßen um eine Kraftprobe zwischen der Vertretung beider Länder, und es fragt sich, wer dieselbe besteht.

Den Magyaren kam bisher immer die unbe­greifliche, verhängnißvolle Schwäche des Mo­narchen zu statten, den die ungarischen Regie­rungen der letzten Jahre durch die Drohung mit Unruhen und möglicherweise der Trennung Un­garns vom gemeinsamen Staatsverbande, wenn er nicht nachgebe, regelmäßig einzuschüchtern wußten, so zwar, daß sie ihn sogar dazu ver­mochten, gegen bessere Einsicht und Ueberzeugung sich an der Kirche zu vergreifen und die das katholische Dogma verletzenden Kulturkampfgesetze gutzuheißen. Darf man angesicht einer solchen Sachlage sich wundern, wenn der skrupellosen Gesellschaft in Pest der Kamm geschwollen ist und sie sich aufs hohe Roß setzt!

Wenn nun aber nicht alles täuscht, dürfte es dies Mal doch anders kommen, denn es ist in die Verhandlungen jetzt ein Faktor eingetreten, den her, brutale Banffy bisher nicht iy Rechnung gezogen zu haben scheint: die gemeinsamen Mi­nister des Auswärtigen und der Herzegowina. Letzterer — das ist besonders wichtig — ist Un­gar, trotzdem aber, wie sein Kollege vom Aus­wärtigen, Gegner der ungarischen Forderungen, und es scheint nun, als ob es diesen Beiden in Verbindung mit dem österreichischen Minister- präsidenden Grafen Thun gelingen werde, dem Monarchen das Rückgrat soweit zu stärken, daß er den magyarischen Anmaßungen endlich ein entschiedenes: „Bis hierher und nicht weiter", entgegensetzt und dem Ministerium Banffy den Lauspaß gibt. Diese Eventulität ist auch schon in Pest ins Auge gefaßt, denn wie berichtet wird, hat das Ministerium den Präsidenten Banffy ermächtigt, dem König, wenn nöthig den Rück­tritt des ganzen Kabinets anzubieten.

In Ischl, wo Kaiser Franz Joseph eben weilt, sind seit Freitag der österreichische Ministerpräsi­dent, die Minister des Auswärtigen und für Bosnien versammelt und auch Herr Banffy. ist dorthin berufen worden. Hier wird wohl die

* In Oesterreich-Ungarn dürften in diesen Tagen Entscheidungen fallen, welche die Lösung der dort die berufenen Kreise seit vielen Monaten beschäftigenden wichtigen staatsrechtlichen Fragen bringen. Für den Augen­blick ist die leidige Sprachenfrage, die seit­her im Vordergründe der öffentlichen Diskussion stand, aber eine lediglich inner-österreichische ist, etwas zurückgetreten, da eben die Erledigung )esösterreichisch-ungarischen Ausgleichs dringender ist. Diese Frage muß vor dem nächsten 1. Januar gelöst sein, und da im Spät­herbst die einige Zeit währenden Festlichkeiten aus Anlaß des 50jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers stattfinden, während derer die Politik mehr oder weniger ruhen wird, ist keine Zeit mehr zu verlieren.

Schon länger als ein Jahr dauert der öster­reichisch-ungarische Streit über die Höhe der von leiden Ländern zu den gemeinsamen Verwaltunas-, Militär- usw. -Kosten zu leistenden Beiträge,"der ogenannten Quoten. Bisher zahlte Oesterreich lavon zwei und Ungarn nur ein Drittel. Diese Vertheilung war eine durchaus ungerechte zu Zugunsten Oesterreichs, und mit vollem Recht >aher weigerte die österreichische Volksvertretung ich bisher, dieses ungerechte Verhältniß fortbe- tehen zu lassen. Die Herren Magyaren aber — wir verstehen darunter den brutalen, unduld- ämen Theil derselben, der eben die Herrschaft ührt — die mit der ihnen angeborenen An­maßung in der gemeinsamen Monarchie politisch )ie erste Flöte spielen, indeß möglichst wenig zu

Entscheidung fallen, oder sie ist in diesem Augen' blicke vielleicht schon gefallen. Möge sie so lauten' daß sw eine Befreiung Oesterreichs von dem schmachvollen magyarischen Joche, das nun schon seit stark 30 Jahren auf ihm lastet und Land und Volk bereits in hohem Grade verpestet hat, bedeutet! Dann wird Herr Banffy als ge­wesener Ministerpräsident nach Pest heimkehren, und das würde auch in Ungarn von den über- zeugungstreuen Katholiken, auf denen das kor- rumpirte liberale Regiment schwer lastet, lebhaft begrüßt werden.

Das Ministerium Banffy hat bis jetzt auf der Forderung bestanden, daß der Ausgleich auch in Oesterreich auf parlamentarischem Wege zu Stande komme, sonst könne Ungarn ihn nicht annehmen. Das wäre aber nur möglich, wenn der Ausgleich auf dem Boden der mäßigen österreichischen Bedingungen abgeschlossen würde. Tritt nun das Kabinet Banffy zurück, so würde auch in dieser Hinsicht die Bahn für anderweitige Abmachungen frei. Ob fo oder so: es kann nur dringend gewünscht werden, daß die leidige Ausgleichsfrage so bald als möglich gelöst werde, und im Anschluß daran auch die nicht weniger leidige Sprachenfrage. Wie es da­mit aber gehen wird, vermag heute Niemand zu sagen.

lasten noch auf uns Katholiken und in gewissen Kreisen sucht man sich noch völlig von uns ab­zuschließen. Desto eifriger müssen wir streben und unsere Rechte geltend machen und zeigen, daß wir in keinem Punkte hinter die anderen zurücktreten, sondern daß wir dasselbe, ja noch mehr und Besseres leisten als sie.

Diese und noch viel andere ähnliche Gedanken werden die diesjährige Generaloersammlung beleben. Unsere jährlichen Katholikentage waren seither Versammlungen, wie sie ganz Deutschland sonst nicht kennt, und voll scheelen Neides müssen sie selbst unsere größten Gegner bewundern. Zwei Jahre sind nun verflossen, seit im Lande der rothen Erde, in Dortmund, jene so großartige Katholiken­versammlung tagte, wohl eine der großartigsten, die bis jetzt stattgefunden haben. Und wenn in diesem Jahre die Katholiken Deutschlands an den Niederrhein, nach Krefeld, pilgern, so darf diese Versammlung jener nicht nachstehen, sondern muß jene noch übertreffen. Die diesjährige General­versammlung der Katholiken Deutschlands muß ein e noch imponirendere Kundgebung katholischer Glaubenstreue und katholischer Einig­keit werden.

Drum auf ihr alle, die ihr noch zögert, auf, den Bündel geschnürt und hin nach Krefeld. Auf, ihr katholischen Männer, die ihr irgendwie ab­kommen könnt, ohne Rasten und Säumen, noch ist es Zeit zur Reise, noch kommt ihr zur rechten Zeit zu jener großen Heerschau des katholischen Deutschlands. Schnell noch den endgiltigen Ent­schluß und die Losung gefaßt: „Auf nach Krefeld!"

Deutsches Deich.

Berlin, 15. August.

+ Auf dem diesjährigen praktisch - soziale« Kursus des Volksvereins für das katholische Deutschland, welcher nunmehr vom 9. bis 15. Oktober d. I. zu Straßburg i. Els. stattfindet, werden in vormittägigen Vorträgen behandelt: Die Arbeiterfrage im Lichte der neue­sten Berufs- und Betriebsstatistik; Arbeiterwohl­fahrteinrichtungen; Organisation des Handwerks; Bauernvereine; Soziale Bedeutung des neuen Handelsgesetzbuches; Kommunale Sozialpolitik; Wohnungsftage; Frauenfrage; Neuere Bestreb­ungen auf dem Gebiete der katholischen Chari­tas; Volksbildungsbestrebungen; Bedeutung der Alkoholfraae für unsere Zett; Der Sozialismus mit besonderer Berücksichtigung seiner neuesten Entwickelung; Klerus und soziale Frage. Außer- dem sind Referate mit Diskussion vorgesehen über: Neue Aufgaben der Arbeitervereine; Ländliche Darlehnskasfenvereine, ländliche Genossenschaften; Vincenzvereine. Am Donnerstag den 13. Oktober, Nachmittags 3’/« Uhr, findet die diesjährige Generalversammlung von Arbeiterwohl, Verband katholischerJndustrieller und Arbeiterfreunde, statt. Hauptgegenstand der Verhandlungen werden die Arbeitskammern fein. Auf Mittwoch den 12. Oktober, Abends 8 Uhr, ist eine große öffentliche Versammlung anberaumt. — Wir machen auch bei diesem Anlaffe die unehrlichen Besucher auf­merksam, daß es lediglich in ihrem eigenen In­teresse liegt, wenn sie so zeitig wie möglich sich anmelden, wenn anders der Wohnungsausschuß die Berücksichtigung besonderer Wünsche i nach Freiquartieren oder vorher bestellten sonstigen Wohnungen gewährleisten soll. Besonders ist bestimmte Angabe der Dauer des Aufenthaltes nöthig. Gesuche um Stipendien sind an die

h Auf nach Krefeld!

Nur wenige Tage trennen uns noch von jener gewalttgen Heerschau, welche die Katholiken Deutschlands alftährlich abhalten. Heute in acht Tagen ist man schon mitten in den ernsten Be- rathungen, die gerade in diesem Jahre wieder so viele Früchte bringen sollen und müssen. Mit Jahr und Tag werden an uns Katholiken größere Anforderungen gestellt, und immer lauter und eindringlicher ergeht an uns der Ruf, nicht zurück­zubleiben, sondern auf allen Gebieten vorwärts zu streben. Unsere hl. Kirche selbst ist ja die Mutter eines jeden gesunden und wahren Fortschrittes.

Schon in der letzten Zeit gingen dem großen Katholikentage einige Vorläufer voraus, so die Generalversammlung der Görresgesellschaft zu Münster, der Gesellschaft für christliche Kunst zu Ravensburg, des Verbandes der kathol. kauf­männischen Vereine zu Hannover u. a. Doch diese alle sind nur Vorbereilungen und Ergänzungen der emen großen allgemeinen Katholiken - Versammlung, die dieses Jahr in Krefeld tagen wird. Hier finden sich alle Stände und alle Be­völkerungsklassen aus dem ganzen katholischen Deutschland zusammen, aus Nord und Süd, aus Ost und West, um gemeinsam zu berathen über unsere katholischen Interessen in unserem lieben deutschen Vaterlande.

Fünfzig Jahre sind es nun her, daß zum ersten Male im Jahre 1848 sich katholische Manner Deutschlands zu Mainz versammelten zur gemeinsamen Berathung und jährlich mit Aus­nahme von sieben Malen, hielt man seitdem Karholrkentage ab. Ihnen ist es nicht zum wenig­sten zu verdanken, daß das katholische Deutsch­land jene gewaltige Stürme und Kämpfe hat überwinden können, daß es jetzt stärker denn je dasieht. Auf dem Katholikentage finden sich hoch und niedrig, reich und arm, Bürger und Adeliger, Ardener und Fabrikant, kurz alle Stände, um sich dort neue Begeisterung zu holen für unsere heilige Sache. Irdische Sorgen lenken im Laufe des Wahres oft gar zu sehr unser Sinnen und Streben nach den materiellen Gütern und In­teressen, und daher ist es nöthig, daß man von Zett zu Zeit aufgerüttelt, daß" der katholische Mann erinnert wird an jene großen und heiligen Pflichten, die er nicht zuletzt auch im öffentlichen Leben zu erfüllen hat.

Die Reichstagswahlen sind soeben vorüber und die preußischen Landtagswahlen stehen vor der Thüre. Beide Parlamente werden schon in diesem Winter zu einer neuen Session zusammen­treten. Noch sind die letzten Reste des Kultur- kampses nicht verschwunden, lieber wichtige Fragen u. dgl. wird man demnächst zu entscheiden hoben. Von oben her hat man der Malen Arbeit gleichsam Thür und Thor ver­schlossen. Um so mehr muß das katholische Volk an diesem Werke mithelfen, an der Gesundung unseres deutschen Volkes. Gar viele Vorurtheile

Auf der Deichswacht.

Erzählung von A. Jüngst.

9 ------- (Nachdruck verboten.)

„So sagt doch endlich, was Ihr zu sagen habt", drängte Gesina, als Thomas Usinger, denn kein anderer war der Verkappte, der noch immer schwieg und nur aufdringlich sie anstarrte, gleich­sam als weide sich fein boshaftes Auge an dcm Schrecken seines Opfers.

„Es kommt schon, edle Jungfrau. Ich sann blos nach, wie ich die schlimme Nachricht Euch am glimpflichsten mittheilen solle. Und dann, bevor ich rede, müßt Ihr mir geloben bei Eurer Seelen-Seligkeit, über mich zu schweigen gegen 1-dermann. Es wäre ein übler Dank für meine Gutheit, wenn ich nachher darob in die Händel der streitbaren Herren verwickelt würde. Ich konnte ,a meine Nachricht für hohen Preis Euch verkaufen und meine Tasche mit klingenden Gold­gulden füllen, aber ich thu' es nicht. Ein armer Mann will auch einmal um bloßen Gotteslohn den Bedrängten einen Dienst erzeigen. Also gebt mir Euer Wort!" a

Nachdem Gesina, deren peinigende Ungeduld von Augenblick zu Augenblick stieg, dem Begehr des Knechtes willfahrt, hob dieser wieder an:

»Die Liebste Eures Pflegebruders__"

»Rosel! Ist der Rosel etwas zugestoßen?" , Gesina hatte sich selber züchtigen mögen, daß m ihrem Herzen und in dem Klang ihrer Stimme etwas aufjauchzte, dem sie nicht zu gebieten ver­mochte.

„Das nicht. Die Rosel ist frisch und ftöhlich

wie eine Sommerlerche und freut sich ihres Ruhmes, das schönste Mädchen in Straßburg zu ein, wenngleich es Stimmen genug gibt, welche behaupten wollen, der Johannes Hochkirchner habe nicht erst die vielen Stufen des Münster- lhurmes hinanzusteigen brauchen, um ein eben­bürtiges Gespons zu finden."

Unmuthig trat Gesina einen Schritt zurück. Wer war der Mensch, der so zu ihr zu reden wagte? Es war ihr, als habe ein giftiges Ge­würm sich unversehens ihr genaht und "hauche nun mit verpestendem Odem sie an. Sie wandte sich mit plötzlichem Entschluß der inneren Thüre zu.

„Gehet nicht, edle Jungftau, es möchte Euch gereuen! Nehmt meine Worte nicht für ungut; ich bin ein schlichter Werkmann und wiederhole nur, was unsereins, der bald hier bald dort zu thun hat, im Vorübergehen auffängt. Die schöne Rosel, die Liebste Eures Bruders" — mit welchem Behagen der Elende auf den einzelnen Wörtern weilte, als wüßte er, daß jedes ein Dolchstoß für Gesinas Herz war! - hatte unlängst noch einen anderen Freier, einen vornehmen Herrn, einen Franzosen, dcr halbtoll vor Leidenschaft war und das schlichte Bürgerskind vielleicht gar zu seinem ehelichen Gemahl gemacht haben würde, wenn nicht die Sippe des Vicomte von Lapendiore ein Einsehen gehabt und den jungen Herrn nach Paris geschickt hätte. Der schlanke Steinmetz mit den blauen Augen und dem reichen Erbe der Hoch­kirchner war schließlich der Rose! wohl auch lieber und dem alten Thürrner vollends ein genehmerer Eidam als der windige Franzmann."

„Was geht das alles mich an?" unterbrach Gesina den Redestrom des Knechtes. „Ich sehe

keine Gefahr darin für meinen Bruder, daß Rosel Mevus den deutschen Steinmetzen dem welschen Fähnrich vorgezogen hat. Noch ist Straßburg Frankreich nicht zugesprochen; noch ist der Fran­zose nicht unbefchränkter Herr in der freien Reichsstadt."

„Noch nicht; aber es wird schon werden. Die Zugvögel, die von Norden kommen, zwitschern seltsame Mär. Wenn die umlaufenden Gerüchte sich bewahrheiten, dann wehe der Hand, die gegen einen Franzosen sich erhoben hat!"

„Mein Bruder hat niemals den Frieden ge­brochen, niemals die Hand zum Streite erhoben."

„Nicht gegen den Vicomte selber, aber sein Meißel, der dem tobten Steine Leben einzuhauchen weiß, hat einem der Ungethüme heroben an der Gallerte des Thurmes die Züge des Franzosen geliehen."

Gesina erblaßte. Der tolle Streich sah dem unstlerischen Wagemuth des Bruders nur zu ähnlich.

„Jeder, der die Plattform betritt und den züngelnden Drachen auf der Brüstung sieht, ruft ofort: „Der Vicomte von Lapendiore!" Der Vicomte ist der Neffe des Befehlshabers auf der (Eitabelle; schon ist betn Allgewaltigen die Bot- 'chaft zugetragen. Sagt selbst, edle Jungfrau, was auf solche Vergehen — Beleidigung des vornehmen Mannes, Verhöhnung Frankreichs! — nothwendig folgen muß, wenn nicht der Schuldige der drohenden Gefahr durch schleunige Flucht sich entzieht. Die Rosel wird ja wohl auf ihn warten, bis Gras über die Geschichte ge­wachsen ist."

So bestürzt Gesina auch war, so sehr sie be­

griff, daß aus dieser unbedachten Rache an dem Nebenbuhler ihrem geliebten Hans ernste Fähr- lichkeiten erwachsen könnten, so sehr sie dem recht­zeitigen Warner zum Dank hätte verpflichtet sein müssen: sie vermochte ihren Widerwillen nicht zu überwinden. Je länger Thomas sprach, desto unerträglicher wurde ihr feine Nähe. Diefem Menschen wollte sie nichts fchuldig bleiben.

Mit zitternden Fingern nestelte sie an der goldenen Kette, einem Geschenke des Großohms, und als endlich das diamantenbesetzte Schloß ihren wiederholten Versuchen nachgab, reichte sie das kostbare Stück dem Knechte hin.

„Nehmt! Es ist alles, was ich an Geldes­werth bei mir trage."

Ohne den Dank abzuwarten, wandte sie sich und trat wankenden Schrittes hinaus auf den Münsterplatz.

„Hochrnüthiges Volk!" zischelte der Zurück­bleibende, nachdem er gierigen Blickes das Kleinod gemustert und in die Tasche hatte gleiten lassen. „That sie nicht, als ob ich eine giftige Schlange fei, vor deren bloßen Berührung man sich hüten müsse? Haha, so unrecht hatte die ehr- und tugendsame Jungftau nicht. Der schiefe Thomas, den ihr ungestraft verachten zu dürfen glaubt, wird es euch schon zeigen, daß er klüger ist als ihr alle. Ein Wurm nur in euren Augen, aber ein Wurm, dessen Stich sicher trifft!"

VI.

Im Erkerhause am Münsterplatze herrschte große Bestürzurig. Frau Edeltraut und der Groß­ohm, denen Gesina die dem Geliebten drohende Gefährde unverwe It mitgetljeilt, wollten freilich anfangs ihren Worten nicht recht glauben, be-