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mtf Unterhaltungs-Meilage „Mustrirte Sonnlags-Zeilung

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verantwortlich: Lür die Redaktion i. v.: 3 o f.Jö r s fä» Inserate I. Parzeller in Allda.

3nfttatt:®ieein« spalt. Garmond- »eile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

« Xmi und Verlar der Fuldaer Rctlendrnckerei.

• peterrgakle Nr. 2 (Larmouie).

Erscheint täglich, m.Ausnahme der HH T- .

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Julöa, Samstag, den 13. August 1898

25. Jahrgang.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 13. August.

Mit seiner Gemahlin wohnte er der Einsegnung der Leiche in Friedrichsruh bei, begrüßte hier die Familie auf das Herzlichste, küßte sogar den ältesten Sohn Herbert zwei Mal und schüttelte dem anderen Sohne und dem Schwiegersöhne die Hände. Da die Familie

Die spanische Antwort auf die amerikanischen Friedensbedingungcn ist am Montag dem Präsidenten Mac Kinley überreicht worden. Der Inhalt derselben ist bis zur Stunde zwar noch nicht bekannt, aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Spanien die Bedingungen angenommen hat, denn es bleibt ihm nichts Anderes übrig. Es steht also zu hoffen, daß der Krieg in Kürze ein Ende nimmt. Mitten in diese Friedensverhandlungen nun kommt die Nachricht von einem bei Manila auf den Philippinen stattgehabten Kampf zwischen den Spaniern und den Amerikanern. Erstere griffen die letzter» an, wurden aber zurückge­schlagen und sollen bedeutende Verluste, an 200 Todte und 300 Verwundete, erlitten haben, während die Amerikaner nur wenige Todte hatten. Angesichts der beiderseitigen Bemühungen: Frieden zu schließen,- er­scheint dieses unnütze Blutvergießen höchst verurtheilens- werth und gänzlich zwecklos.

treten. Wie man sieht, ist der Vorschlag sehr radikal, und es begreift sich daher, daß er bei der Bundes­leitung und deren Presse auf lebhafte Opposition stößt. Da der Urheber des Vorschlages den letzteren der nächsten Bundesversammlung unterbreiten will, ver­zichtet das Bundesorgan einstweilen auf weitere Er­örterung desselben. Aber auch wenn er angenommen würde, könnte von einer Betheiligung des Centrums an den Bundesbestrebungen, wie sie seit Jahr und Tag betrieben werden, keine Rede sein. Das Centrum ver­tritt zudem selbstständig die Interessen der Landwirth- schaft so nachdrücklich, als der Bund das überhaupt vermag, wie es dies auch schon that, ehe Jemand an einen Bund der Landwirthe dachte.

In Oesterreich dauern die durch die Sprachenfrage und die Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn hervor­gerufenen Schwierigkeiten unvermindert fort, und immer weniger ist abzusehen, wie ein Ausweg aus denselben gefunden werden soll. Anscheinend schreckt das Mini­sterium Thun vor einem Staatsstreich und der Rege­lung jener Fragen durch einfache kaiserliche Verord­nung zurück, aber geregelt müssen sie bald werden, und Niemand weiß, wie es geschehen soll. Zudem will die ungarische Regierung einen durch bloße Ver­ordnung geschaffenen Ausgleich über die beiderseitigen Beitragsleistungen nicht annehmen, sondern verlangt, daß der Ausgleich auch in Oesterreich auf parlamen­tarischem Wege zu Stande komme. Somit müßte erst der Reichsrath einberufen werden, der kürzlich erst geschloffen wurde. Und zudem würde dieser den an­maßenden ungarischen Forderungen nicht zustimmen. So bietet die politische Lage Oesterreichs ein Bild, wie es trostloser nicht gedacht werden kann. Und das kurz vor der Feier des 50jähr. Regierungsjubiläums des Kaisers!

Nicht in gleichem Verhältniß und doch nicht so, wie erwartet wurde, hat sich der Verkehr auf der Fulda selber entwickeln können. Die, Ursache liegt in dem Umstand, daß es bisher nicht ge­lungen ist, von der Eisenbahn-Verwaltung die­jenigen Konzessionen zu erlangen, die allein einen größeren Verkehr, namentlich an Durchgangs­gütern, ermöglichen könnten, nämlich die tarifarische Gleichstellung von Kassel-Hafen mit den Stationen Kassel-Oberstadt und Kassel-Unterstadt und die Errichtung einer eigenen Tanfstation Kassel- Hafen. So lange hierin keine Aenderung erzilte sein wird, werden alle Bemühungen, aus dem Hinterlande Kassels einen erheblichen Verkehr für die Wasserstraßen heranzuziehen, nicht den er­hofften Erfolg haben, und der Umfang der Gütermengen, auf die bei Anlage der Waffer- straße gerechnet wurde, wird sich nicht erreichen lassen, denn eine tarifliche Vergünstigung ist bei der Lage des Häsens und des dadurch gebotenen Schienenumwegs eine unverläßliche Vorbedingung für die Heranziehung des Umschlagsverkehrs.

Bisher hat somit der Verkehr im Kasseler Hafen nur denjenigen Umfang annehmen können, den der Lokalbedarf bedingt, und der Bahnan­schluß ist in verhältnißmäßig geringem Maße benutzt worden. Auch sonst hafteten der neuen Wasserstraße bekanntlich noch recht erhebliche Mängel an. Die Entwicklung des Verkehrs konnte und kann unter diesen Verhältnissen nur dadurch ermöglicht werden, daß die Fulda bis­her von jeder Abgabe frei war und es vorläufig auch bleiben wird.

Folgende Punkte bedürfen dabei vor allen Dingen einer Erwägung:

Die kanalisirte Fulda kann nicht als eine selbstständige abgabefähige Wasserstraße angesehen werden, sie bildet nur eine kurze Verlängerung

Zwischen England und Rußland bestehen eben wieder sehr gespannte Beziehungen, die, wenn man nach den Reden urtheilen wollte, welche auf beiden Seiten gehalten werden, kriegerische Verwickelungen in nahe Aussicht stellen würden. Die Ursache natürlich liegt, wie immer, in Asien, in China. Die chine­sische Regierung hat den Engländern die Erlaubniß zu einem für diese sowohl in handelspolitischer wie strategischer Hinsicht wichtigen Bahnbau ertheilt, wo­rüber die Russen, die immer mehr nach der Oberherr­schaft über China trachten, sehr aufgebracht sind. Sie haben von der chinesischen Regierung die Zurückziehung der Erlaubniß und für sich besondere Vortheile ver­langt. Damit aber sind sie bei den Engländern schön angekommen, die einfach erklärten, daß sie, wenn noth- wendig, ihre Rechte auch mit der Schärfe des Schwertes vertheidigen würden, und außerdem den Chinesen ihre Unterstützung gegen die Russen zusagten. In Folge dessen hat China es abgelehnt, der russischen Forder­ung zu entsprechen, und so wird es bei der ertheilten Konzession bleiben, da die Russen keine Lust verspüren dürften, zur See mit den ihnen überlegenen Eng­ländern anzubinden.

— Nun lachten Beide und sprachen leise ihre Vermulhungen aus. Die Mutter der beiden jungen Damen sah sich dadurch veranlaßt, näher zu kommen und nach der Ursache ihres Gekichers zu fragen. Die Mädchen zeigten nach dem Manne mit dem Cylinder; doch geschah dies in ziemlich auffälliger Weise, sodaß mehrere Herren und Damen in ihrer Umgebung wie auf Kom­mando nach dem Bezeichneten blickten.

„Wer ist der? Wer ist der?" fragte die ganze Sitzreihe links und bald auch rechts hinauf und hinab. Alle Blicke waren erbarmungslos nach dem Manne mit dem Cylinder gerichtet.

Dieser war dergestalt von der Gebirgsansicht entzückt, daß er dar Jntereffe, das er allgemein hervorgerufen, gar nicht bemerkte. Endlich fiel es ihm aber doch auf. Wohin er blickte — nichts als Augen. Er glaubte, er müsse vielleicht ;twas an sich haben, was die Ausmerksamkeit der Mitreisenden errege, vielleicht schwarze Flecken vom Kohlendampf im Gesichte, oder einen Riß in der Kleidung — kurz, er eilte rasch die Treppe finab, auf das Schiffsoerdeck und fragte den nächstbesten Bediensteten: „Sie, sehen Sie mich an, sehen Sie etwas an mir?"

Der Angeredete sah nur einen mittelgroßen, in den Dreißigern stehenden Mann, mit kurzem, sellem Jäckel und hohem, schwarzem Cylinderhut. Deshalb antwortete er: „Nein, gar Nichts!"

Das genügte dem Fremden nicht. Er wandte sich an einen zweiten Matrosen: „Sie, haben Sie die Güte, und sagen Sie mir — sehen Sie etwas an mir ?"

Mehrere Umstehenden hatten Frage und Ant­wort gehört und lachten laut mit.

„Was will der Herr?" fragte ein Paffagier den Matrosen.

„Ich weiß nicht," entgegnete dieser, „ich glaube, er ist ein komischer Kauz, er fragt jeden, der ihm entgegen kommt, ob man etwas an ihm sieht."

Eine Gruppe von Studenten hatte dies mit angehört, und es gewährte ihnen kein geringes Gaudium, als der Mann mit dem Cylinder einen von ihnen fragte: „Erlauben Sie mir gefälligst, Sehen Sie etwas Auffälliges an mir?"

Das hatte ein allgemein schallendes Gelächter zur Folge. Alles blickte nunmehr auch auf diesem Verdecke nach dem interessant gewordenen Manne, die einen lachend, die anderen bedauernd; denn daß es bei ihm im Oberstübchen nicht ganz richtig war, das war eine ausgemachte Sache.

Der Unglückliche aber flüchtete in die Rauch­kabine und besah sich im Spiegel, prüfte seine Kleider, betrachtete seinen Hut von allen Seiten, nichts Ungewöhnliches war zu sehen.

Verstimmt zog er die blauen Vorhänge vor )ie Fenster der Kabine und nahm sich vor, hier zu verbleiben, bis sein Landungsort erreicht sei.

In Tutzing war mit mehreren Passagieren auch der am See begüterte ehemalige König von Neapel eingestiegen. Er trug einfache Sommer- 'leidung und einen grauen Cylinder. Niemand auf dem Schiffe kannte oder bemerkte ihn außer >em Schiffspersonal, das sein Inkognito wahrte und scheinbar keine Notiz von ihm nahm. Wie ! gewöhnlich begab sich der hohe Herr mit seinem Begleiter nach dem vorderen Theile des Schiffes, wo er sich auf einen Feldstuhl niederließ.

Das Hauptereigniß der vorvergangenen Woche, der Tod des Fürsten Bismarck, beginnt nun allmählich in oen Hintergrund zu treten. Unsere raschlebige Zeit ertragt es nicht mehr, von einzelnen Ereignissen, und s^skn sie auch von noch so großer Bedeutung, aus­schließlich sich beherrschen zu lassen; hat sie mehrere Tage hintereinander davon gelesen, so verlangt sie etwas Anderes, Neues. Das entspricht der Hast, mit der heutzutage die Vorgänge des öffentlichen Lebens einander jagen: kaum hat man Zeit gehabt, mit dem einen sich etwas zu beschäftigen, da wird das Jntereffe schon von einem neuen Ereigniß in Anspruch genommen. Und so muß auch Fürst Bismarck, der fast 40 Jahre hindurch die Oeffentlichkeit in einem Maaße in Anspruch genommen hat, wie kaum Jemand vor ihm, doch da­mit sich begnügen, auch in der Presse schließlich „zu den Tobten geworfen" zu werden. Es ist übrigens in den acht Tagen soviel über ihn gesagt, geschrieben und gedruckt worden, daß man Bände damit füllen könnte, und die Familie, die alle Zeitungsartikel sam­meln will, welche aus Anlaß seines Todes erschienen sind, wird eines ansehnlichen Raumes bedürfen, um all das Material unterzubringen. Ob sie wohl Alles sammeln wird? Es ist doch gar Manches in diesen Sagen gesagt worden — und es mußte gesagt werden — was weder dem Verstorbenen zur Ehre gereicht, noch auch von der Familie ange.iehm empfunden werden wird. So z. B. das, was über die letztere selbst, resp. über ihr Verhalten bei und nach dem Tode des verewigten Kanzlers berichtet worden ist.

Wir haben schon das vorige Mal über einzelne auffällige Erscheinungen referirt, so über das Be­nehmen der Familie dem Kaiser und einzelnen hohen Staatswürdenträgern gegenüber: daß dem vom Kaiser nach Friedrichsruh geschickten Bildhauer nicht gestattet wurde, die Todtenmaske von dem Verstorbenen zu nehmen; daß dieser eingesargt und der Sarg zuge- lothet ward, ehe der Kaiser und der Reichskanzler Fürst Hohenlohe in Friedrichsruh ankamen, und es somit Beiden nicht mehr möglich war, den Fürsten als Leiche noch einmal zu sehen; daß endlich das Aner­bieten des Kaisers: den Fürsten in Berlin im prote­stantischen Dome oder im Mausoleum in Charlotten- burg neben Kaiser Wilhelm I. begraben und ihm hier eine großartige Todtenfeier veranstalten zu lassen, ab­gelehnt ward. Gewiß sind die Erben dabei den An­weisungen des Verstorbenen gefolgt, der ja, wie nach­träglich bekannt geworden ist, schon vor Jahren sich verbeten haben soll, daß mit seiner Leiche „Unfug ge­trieben" werde; er wolle keine sogenannte schöne Leiche abgeben, sondern wenigstens im Tode Ruhe haben. Cr hatte ohne Zweifel Alles so angeordnet, wie es letzt gehalten worden ist; aber, wie das bei den Menschen so geht: für unliebsame Vorgänge nach dem Tode wird in der Regel nicht der Verstorbene, auch wenn er selbst der Urheber gewesen wäre, verantwort­lich gemacht, sondern die Umgebung, die Hinterbliebenen. Hier mag noch dazu gekommen fein, daß die Bismarck- fche Familie, namentlich der Vollstrecker des Willens des Verstorbenen, sein ältester Sohn Herbert, beson­derer Beliebtheit in der Oeffentlichkeit sich nicht erfreut.

Der Kaiser hat all die unangenehmen Dinge weder in seinem Verhalten in Bezug auf den ver­storbenen Kanzler, noch dessen Familie gegenüber irgend­wie merken lassen, sondern den Tobten in einer Weise gefeiert, daß er wirklich nicht mehr hätte thun können.

Fulda Schifffahrt.

lieber dieses gewiß auch für unsere Leser interessante Thema bringt der letzte Bericht der Kasseler Handelskammer folgende Aus­führungen:

Die Kanalisirung der Fulda hat die darauf gesetzten Erwartungen insoweit vollständig gerecht­fertigt, als sie die Berechtigung des Hauptmotivs ergeben hat. Man wollte in erster Linie durch Anschluß Kassels, also eines leistungsfähigen binnen­ländischen Umschlagsplatzes, an den Weserverkehr diesen beleben und die auf die Regulirung des Stromes verwendeten Mittel in höherem Grade als bisher fruchtbar machen.

Schon jetzt läßt sich mit Bestimmtheit fagen, daß dieser Zweck erreicht worden ist. Der Weser- verkehr hat seit der Eröffnung der kanalisirten Fulda einen unerwarteten Aufschwung genommen und würde noch größer gewesen sein, wenn für den gesteigerten Güterandrang alsbald ein ge­nügendes Schiffsmaterial vorhanden gewesen wäre. Dies kann indessen natürlich nur allmählich beschafft werden, immerhin drückt sich das ge­steigerte Interesse an der Weser in dem Wachs- thum der Weserflotte noch mehr als in der Ver­kehrszunahme aus. Zu der letzteren haben auch die günstigen Wafferstände der letzten Jahre bei­getragen. So bietet der Weserstrom jetzt ein Bild erfreulichen Aufschwungs, und große Ka­pitalien sind neuerdings auf seine weitere Ent­wickelung verwendet worden.

Der Herr mit dem Cylinder.

»Wer ist der Herr mit dem Cylinder?" „Kenne ihn nicht!"

Frage und Antwort kamen von zwei auf dem oberen Verdecke eines Salondampfers stehenden Herren, die sich gelegentlich eines Ausfluges nach dem Starnberger See zufällig trafen, und von denen der erstere Sekretär, der andere Assessor tttulirt war.

„Kuno, wer ist der Mann mit dem Cylinder?" fragte die Frau Sekretär ihren Gatten.

„Ich weiß es nicht, aber ich will mich erkundigen; der Herr ist mir bekannt, er sieht einem Studien­genoffen von mir ähnlich. Ich werde den Kapitän um Auskunft bitten. Er sprach vorhin mit ihm."

Der Kapitän stand gerade in der Nähe des Steuermanns, als ihn der Sekretär fragte:

„Herr Kapitän, können Sie mir vielleicht sagen, wer der Herr mit dem Cylinder ist?"

Der Kapitän hielt Umschau.

„sie meinen jenen doit mit dem kurzen, hellen Sommerrock und dem hohen, schwarzen Cylinder?"

,,-jn. Sie sprachen vorhin mit ihm."

»Das wohl," entgegnete der Kapitän, „aber fenne ihn nicht persönlich. Sie entschuldigen, ich muß auf meine Brücke. Leoni kommt."

Er grüßte und ging. Zwei neben ihm stehende Damen hatten die Frage des Sekretärs gehört und blickten neugierig nach dem auf einem Schiffs­stuhle sitzenden und in die See hinaüsblickenden Eigenthümer des Cylinderhutes.

„Wer der nur fein mag?" sagte die eine.

„Jnteressirt er dich ?" fragte bte'anbere lachend.

jede öffentliche, offizielle Ehrung abgelehnt hatte, ver­anstaltete er in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnißkirche in Berlin eine Trauerfeier für den Fürsten, zu der aber kein Familienmitglied erschien, obgleich ihnen eine Loge eingeräumt war. Jndeß, auch diese Dinge werden bald mehr oder weniger der Vergeffenheit anheim­fallen. Für die Folge dürfte die Diskussion sich mehr wieder den Thaten des lebenden Bismarck zuwenden. Hier nun bildet einstweilen hauptsächlich das von seinem ehemaligen Hausgenossen Moritz Busch veröffentlichte Entlassungsgesuch den bevorzugten Gegenstand der Unterhaltung. Die Thatsachen übrigens, welche zur Entlassung Bismarcks führten, sind längst bekannt und in der Busch'schen Veröffentlichung auch zutreffend an­gegeben. Ob nun die letztere mit dem in den Re­gierungsakten ruhenden offiziellen Abschiedsgesuch wört­lich genau übereinstimmt oder nicht, daraus kommt es schließlich nicht an. Und wie über die Thatsachen selbst, so besteht auch über die Nothwendigkeit der da­maligen Entlassung kaum noch ein Zweifel. Kaiser und Kanzler harmonirten nicht mehr miteinander und da blieb nichts Anderes übrig, als daß sie sich trennten. Zu bedauern bleibt nur, daß Fürst Bismarck, anstatt ein „Altentheil" mit Ruhe und Würde zu genießen, in den acht Jahren, die ihm nach seiner Entlassung noch beschieden waren, sich selbst und andern das Leben verbittert hat; denn das hat weder ihm zur Ehre, noch dem Lande zum Besten gereicht.

Der ostelbische Bund der Landwirthe hat sich in einer am Montag stattgehabten Ausschußsitzung einen neuen Vorsitzenden gegeben. Gewählt wurde der kon- ervative Landtagsabgeordnete Frhr. v. Wangenheim. Zwischen dem Bunde und der konservativen Partei und deren Presse besteht seit den letzten Reichstags­wahlen, bei denen der Bund bekanntlich in konservative ! Wahlkreise eindrang und dort eigene Kandidaten auf- tellte, ein ziemlich gespanntes Verhältniß. Man war )eshalb auf den Ausfall der Wahl neugierig, um so mehr, als das leitende Organ der konservativen Partei erklärt Hatte, daß, wenn der Bund und die Partei ernerhin einträchtig mit einander zusammenwirken ollten, dann ein Mann zum Vorsitzenden gewählt werden müsse, welcher dieses Streben sich zum Leit­motiv mache und der konservativen Partei nahe stehe. Es muß sich nun zeigen, ob der neue erste Vorsitzende die auf ihn gesetzten Hoffnungen rechtfertigt. Das Nothwendigste wäre jedenfalls, daß er sich bemühte, das Radauwesen in der Bundesleitung und -Agitation zu beseitigen und für ein ruhigeres und weniger ge­räuschvolles Arbeiten sorgte, denn auch die hinter der sozialdemokratischen Agitation nicht zurückbleibende Art und Weise, wie die Bundesagitatoren öffentlich auf­traten, hat in konservativen Kreisen nur verschnupft' Einen überraschenden Vorschlag hat übrigens ein anscheinend hervorragendes Mitglied des Bundes der Landwirthe ans Schlesien gemacht. In einer an die ,Kreuzztg/ gerichteten Zuschrift gab er dem Bedauern Ausdruck, daß das Centrum dem Bunde und seinen Bestrebungen sich so gänzlich fernhalte. Die Haupt- ursache davon findet er einerseits darin, daß der Bund zu sehr ein politischer Verein sei und andererseits in dem Bestehen der namentlich in katholischen Gegen­den verbreiteten Bauern- und landwirthschastl. Vereine. Um nun das Hinderniß für die Mitwirkung des Cen- trums zu beseitigen, schlägt er vor, den Bund der Landwirthe aufzulösen und dessen Mitgliedern anheim­zugeben, den Bauern- und landwirthschastl. Vereinen sich anzuschließen, denen auch das Bundesvermögen zu überweisen sei. Die Vorstände aller einzelnen Vereine könnten bann, wenn nothwendig, zu einem großen all­gemeinen Vorstände sich vereinigen, um die Gesammt- Jnteresscn der Landwirthfchaft nachdrücklicher zu ver-

Einer der Passagiere hatte aber gehört, wie ein Matrose zum andern sagte: „Der König von Neapel fährt auch mit."

„Welcher ist der König?" fragte der Passagier.

„Der mit dem Cylinder," erwiderte der Ma­trose, in den Kellerraum herabsteigend.

Der Paffagier erzählt dies sogleich seiner Frau, und diese fragte natürlich: „Welcher ist der König ?"

„Der Herr solls sein mit dem Cylinder," ant­wortete der Ehemann.

„Was?" sagte jetzt einer der nebenstehenden Studenten, „der Herr mit dem Cylinder ist der König von Neapel?"

„Ja, so ists," antwortete der Gefragte; „mir hats soeben ein Matrose gesagt."

Nun ging es wie ein Lauffeuer durch das Schiff: „Der Herr mit dem Cylinder ist der König von Neapel; er hat sich verstimmt in die Rauchkabine zurückgezogen."Das Gerücht verbreitete sich sofort auf dem oberen Verdeck. Von der Rauchkabine hielt sich nun alles fern. In Sees­haupt stieg jedoch der Mann aus. Man betrachtete ihn mit Neugierde und machte respektvoll Spalier. Die Herren zogen ihre Kopfbedeckung ab, — er dankte verblüfft, mit sich im Zweifel, ob er oder die Anderen verrückt seien. Alles blickte ihm nach, erheitert auch der König von Neapel. Jetzt aber sollte sich die Situation ändern. Der Posthalter von Seeshaupt kam an dem aussteigenden Paffagier vorüber und rief Deutlich vernehmbar, ihm flüchtig die Hand reichend: „Grüß Gott, Herr Merkel- mann! Ihre Frau erwartet sie schon seit Mittag. Auf Wiedersehen!"

„Wer ist der Herr, dem Sie soeben die Hand