Erscheint täglich, i ».Ausnahme der
Sonn-und Feier» tage. Bierteljährl.
Kerugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. 50 Pf.
Inserate: Die einspalt. Äarmond- zeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
M 182.
JuLöcr, Freitag, den 12. August 1898
25. Jahrgang
mit Zlnterhaltungs-Meitage „Muftrirte Sonntags-Aeitung"
£ Die Friedensaussichten bessern sich. Wie aus Washington berichtet wird, scheint auf Grund der spanischen Aniwort ein Einvernehmen erzielt zu werden; ein Protokoll, enthaltend die Friedensbedingungen, sei abgefaßt worden. Die spanische Antwort soll, wie^schon berichtet, aus fünf Abschnitten bestehen, die sich auf Cuba, Portoriko, die Ladroneninseln, die Besetzung Manila's und die Einsetzung einer gemischten Kommission beziehen. Die kubanische Schuld indeß werde nicht erwähnt. Die Note erkläre sich prinzipiell wohl damit einverstanden, daß die spanische Oberhoheit über Cuba aufhöre, gebe aber bezüglich der künftigen Verwaltung der Insel der Erwartung Ausdruck, die amerikanische Regierung werde die Verwaltung so einrichten, daß die spanischen Interessen entsprechende Berücksichtigung fänden. Wenn Spanien die furchtbare Last der Hunderte von Millionen betragenden kubanischen Schuld auf sich nehmen soll, wird man gegen eine solche spanischerseits ausgesprochene "Erwartung nichts einwenden können.
Der Zeitpunkt der Räumung der Insel werde in der Antwort als einer der Einzelpunkre bezeichnet, deren Regelung der Kommission zu überlassen sei. Die letztere solle aus je 5 Mitgliedern beider Staaten bestehen und in Paris lagen.
Dem spanischen Minister des Auswärtigen ist eine Mittheilung des den Vermittler zwischen den beiden Mächtenspielendrnfranzösischen Botschafters Cambon aus Washington zugegangen, worin dieser erklärt, er habe den Eindruck empfangen, daß Präsident Mac Kinley, vorbehaltlich der Zustimmung des Kabinetsrathes, den Inhalt der spanischen Antwort annehme. Die amerikanische Regierung werde demgemäß bereit sein, die Protokolle für den Friedensschluß auf der gewonnenen Basis auszuwechseln. Der Friedensschluß dürfe indeß nicht von der Zustimmung der spanischen Volksvertretung abhängen ; die amerikanische Regierung verlange auch nicht, daß Spanien auf den Friedensschluß warte, bis der amerikanische ^Senat den Friedensvertrag bestätigt habe.
Endlich wird noch berichtet, der amerikanische 'Staatssekretär Day habe erklärt, es sei ein Einvernehmen getroffen auf Grund eines Protokolls, das die definitiven Friedensbedingungen umfasse, darunter die Räumung von Cuba und Portoriko. -Er glaube, daß dieses Protokoll zur Ausführung kommen werde.
So wird man also annehmen dürfen, daß einem der traurigsten Kriege, die je geführt worben sind, in Kürze vollständig ein Ende gemacht tssia wird; ein Krieg, in dem Brutalität, Heuchelei und Hinterlist sich vereinigten, um ein Land, das sich in Bekämpfung eines durch den Kriegsgegner fortgesetzt geschürten Aufstandes schon fast gänzlich erschöpft hatte, vollends zu Boden zu 'werfen. Dieser Krieg wird kein Ehrenblatt in der nordamerikanischen Geschichte bilden, und e§ möchte der Tag kommen, an dem die Treulosigkeit und Heimtücke, mit der die Unionsstaaten an Spanien handelten, an ersterer sich bitter rächen wird.
Es ist nicht anzunehmen, daß auf Cuba Ruhe und geordnete Zustände eintreten werden, wenn den Eingeborenen die Verwaltung der Insel über-
Auf der Krichswacht.
Erzählung von A. Jüngst.
7 ------ (Nachdruck verboten.)
»Frag' mich nicht, Mutter," flüsterte Gesina nach geraumer Weile, „und zürne mir nicht. Ich weiß ja selbst nicht zu sagen, wie es gekommen, daß der Hans mein ganzes Sinnen und Minnen eingenommen hat. Ich glaube, ich habe ihn immer geliebt, so lange ich zu denken vermag, ich habe nur keine Ahnung davon gehabt, daß es die Liebe war, bis zu dem Tage, da feine wirren Fieberreden mir seine Gefühle für die schöne Rosel verriethen. O der Schmerz, Mutter, das schneidende Web, das in dem Augenblick meine Seele zerriß. Ich habe gemeint, ich müsse mein Herz halten mit beiden Händen und es fest, fest zusammendrücken, daß es nicht breche unter dem Schlag, nicht aufschreie in unsäglichem Jammer. Und, Mutter, glaub's mir, wenn die Rosel ihn liebte, wenn sie so gut wäre, wie schön, ich wollte ihr den Hans nicht eine Sekunde Mißgönnen; ich wollte sie segnen und werthhalten alle Tage meines Lebens. Ab.r sie liebt ihn nicht, sie hat kein Herz."
Frau Edeltraut war aufgestanden und hatte die Arine tröstend um die Schultern der Tochter gelegt. Gesina schmiegte das Haupt enger an die Brust der Mutter und ließ ihren Thränen -freien Lauf. Die Matrone strich mit der Hand bald über die eigenen feucht gewordenen Augen, bald streichelte sie liebkosend das blonde Haupt ihres Kindes.
„O Gott, wer mir das gesagt hätte", stöhnte
tragen wird. Was sich für Raub- und Mordgesindel unter diesen Eingeborenen befindet, haben die Amerikaner bei der Belagerung von Santiago ja schon erfahren. Dieses Gesindel wird unter keiner Verwaltung Ruhe halten, am allerwenigsten unter einer solchen von Eingeborenen, von der es den geringsten Respekt haben würde. Die Amerikaner als „Oberwächter" werden in Folge dessen beständig einzuschreiten haben und dann schließlich, was wohl auch schon ins Auge gefaßt sein dürfte, Cuba annektiren. Dann aber wird der Haß des revolutionären Raubgesindels, das Amerika selbst mit großgezogen hat, in verstärktem Maße gegen letzteres sich wenden, weil es die amerikanische Herrschaft noch weit mehr als die spanische als Fremdherrschaft ansehen würde. Damit würde dann das verdiente Strafgericht über Amerika beginnen, und leicht könnte es dann dahin kommen, daß die Aankees, die Cuba von der spanischen Zwingherrschaft „befreien" wollten, zu dem Wunsche sich genöthigt sähen: „Wären wir Cuba wieder los!" Das würde für Spanien allerdings eine Genugthuung fein, aber eine sehr späte und traurige.
Spanien wird langer, langer Zeit bedürfen, um sich von dem furchtbaren Unglück, das es getroffen hat, auch nur einigermaß er wieder zu erheben. Die Hilfsmittel sind völlig erschöpft, Handel und Industrie liegen gänzlich darnieder, viele Tausende seiner Söhne im blühendem Alter sind nutzlos dahingeopfert worden — das sind Wunden, die sobald nicht verharrschen werden.
Deutsches Kelch.
Berlin, 11. August.
* Der Reichs tags ab geordnete Ar. Iof. Lingens beging gestern in voller Rüstigkeit feinen 81. Geburtstag. Lingens ist einer der Mitbegründer her Centrumspartei des Reichstages, der er feit 1871 ununterbrochen als Vertreter des Wahlkreises Siegkreis-Wald- broel angehört, nachdem er schon 1852 bis 1855 Mitglied der katholischen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses gewesen war. Herr Dr. Lingens, der nirgendwo fehlte, wo es galt, katholisches Leben zu wecken und zu bethätigen, ist auch einer her eifrigsten Besucher der katholischen Generalversammlungen, an deren erster 1848 zu Mainz er bereits Theil nahm. Möge ihm die geistige und körperliche Rüstigkeit deren er sich erfreut, noch recht lange erhalten bleiben.
h Kartellblätter zerbrechen sich jetzt schon immer mehr in sehr überflüssiger Weise ihre Köpfe über die AräkdenterlrvaHc im künftige« Reichstag. Der Anspruch des Centrums auf den Posten des ersten Präsidenten wird nicht bestritten. Ein antisemitisches Blatt mit besonders stark entwickelten „Löffeln" will nun von einem zwischen Centrum, Konservativen und Nationalliberalen abgeschlossenen „Kartell" gehört haben, nach welchem den Konservativen die erste und den Nationalliberalen die zweite Vizepräsidentenstelle überlassen werde. Es mag ja sein, daß es so kommt, vorausgesetzt, daß die Sozialdemokraten, als zweitstärkste Partei, auf eine Vertretung im Präsidium verzichten; aber von einem zu diesem Zweck abgeschlossenen
sie kummervoll, „daß eine Gutthat so bitter sich lohnen könne! Hätte ich das geahnt, nie, nie würde ich das hilflose Büblein in mein Haus und mein Herz ausgenommen haben, und wenn die blauen Augen mich noch viel rührsamer angeschaut hätten."
„Um des Himmels willen, Mutter, sprich nicht so," flehte Gesina, die Hände sinken lassend. „Was kann der Hans dafür, daß ich eine Thörin gewesen, daß ich, deren Leben und Licht der sonnige Bube von Kindheit an war, gemeint habe, es müsse immer so bleiben, der Hans möge so wenig ohne mich sein, wie ich ohne ihn. Es ist meine Schuld, ganz allein meine Schuld. Und höre, lieb' Mütterle, Du läffest es den Hans nicht entgelten, daß Dein Kind so verblendet gewesen ?"
„Wenn ich auch wollte, ich könnte es nimmer," sagte Frau Edeltraut mit einem Seufzer, „ist mir der Hans doch gerade so lieb wie ein eigener Sohn. Aber, aber--"
t »Kein Aber, Mutter. Der Hans und fein Glück geht allen anderen Dingen vor. Denke nicht mehr an mich, gräme Dich auch nicht, ich werde schon allein fertig mit mir und meinem Herzen. Wenn es nur nicht gerade die Rosel wäre! Doch ich will auch gegen sie kein Sterbens- wörtlein mehr sagen. Möglich, daß ich mich täusche, daß meine eifersüchtige Siebe, mir den Blick allzusehr geschärft und mich Gespenster hat sehen laffen, wo keine sind. Ach, wie gern, wie gern wollte ich Unrecht haben und dem Mädchen jeden unfreundlichen Gedanken abbitten!"
Ein fünfter, melodischer Ton, der anschwoll und erstarb, um wieder laut zu erklingen, zitterte
„Kartell" jetzt zu reden, wo die Parteien sich noch gar nicht konstituirt haben, nicht hier versammelt sind, dazu gehört die Findigkeit eines Antisemitenorgans Ahlwardt'scher Observanz. Sehr treffend meint dazu ein freisinniges Blatt: Die Hitze der letzten Tage scheine das Ausbrüten von Enten stark zu fördern. Sie wirkt bei manchen Leuten auch sehr austrocknend auf den Gedankenkasten.
X Wenn die Isavrifie ZLismarck einzelnen ihrer „Freunde" nicht bald abwinkt, richten diese ihr noch schöne Geschichten an. Die Sturnrn'sche ,Postt berichtet allen Ernstes, es solle beantragt werden, die Freifahrt, die Fürst Bismarck nicht nur auf Privat-, sondern auch auf der Staatsbahn — in eigenem, geschenktem Salonwagen — genoß, auch seinem Sohne Herbert zuzugestehen, um, wie sie sagte, „so das Gedächt- niß des Altreichskanzlers zu ehren". Natürlich würde jeder halbwegs verständige Millionär denjenigen, der ihn so in Verdacht bringen würde, er wolle sich auf Kosten der Steuerzahler eine solche Vergünstigung verschaffen, wegen Verleumdung gerichtlich belangen. Man darf neugierig fein, wie der älteste Sohn des verstorbenen Reichskanzlers, falls die Meldung der,Poftt nicht etwa ein dummer Witz ist, sich zu der Sache verhalten wird. Uebrigens würde, da eine budgetrechtliche Frage dabei in Betracht kommt, auch die Volksvertretung sich mit der Angelegenheit zu befassen haben.
* Nach einem Beschluß des Direktoriums der preußische« Aenlrakgenossenschaftskasse ist der Zinsfuß in der „Laufenden Rechnung" vom 1. Oktober 1898 bis zum 31. März 1899 auf 4 pCt.. für Vorschüsse und auf 3 pCt. für Einlagen festgesetzt worden. Seit der Errichtung der Anstalt war an einem Zinsfuß von 3 pCt. bezw 2l/a pCt. selbst dann festgehalten worden, wenn sich der offizielle Zinsfuß der Reichsbank zeitweise höher stellte. Das Direktorium hat sich jedoch jetzt zu einer Aenderung des Zinsfußes entschließen müffen, nachdem es sich herausgestellt hat, daß man in Deutschland für die Folgezeit wieder mit einem durchschnittlichen Zinsfuß, der wesentlich höher ist als 3 pCt., zu rechnen haben wird.
* Die Landräthe sind als Civil-Vorsitzende der Ersatz - Kommissionen angewiesen worden, Freiwillige für den Wikilärdienst in Kiantscho« anwerben zu helfen. Sie sollen in öffentlicher Bekanntmachung darauf aufmerksam machen, daß Anfang November d. I. bei den See-Bataillonen eine größere Anzahl Dreijährig- Freiwilliger zur Einstellung gelangen, welche im Frühjahre nächsten Jahres nach Kiautschou entsandt werden sollen, und geeignete, tropendienstfähige Leute zu veranlassen, sich möglichst bald an eines der Kommando's der beiden See-Bataillone zu wenden.
* Das belgische Auswärtige Amt hat nunmehr in der Zuckerprämienfrage in Verfolg der Beschlüsse der internationalen Zuckerkonferenz diplomatische Unterhandlungen eingeleitet, die zunächst in Paris geführt werden. Sie werden von Brüssel aus auch mit den übrigen Mächten fortgesetzt werden, sobald in Paris ein Ergekmiß erzielt wird. Ob die Verhandlungen wohl dieses Mal zum guten Ende führen werden?
durch die Abendstille und ließ beide Frauen lauschend die Köpfe erheben.
„Horch, der Großohm spielt!" murmelte Gesina. „Wenn man ihn hört, muß alle Klage verstummen, aller Zwiespalt sich lösen. Darum auch nichts mehr von mir und meiner Thorheit, Mutter! Erzähle mir lieber, wie du den Hans gefunden hast."
Ein trübes Lächeln flog über das Antlitz der Matrone. Wie schwer mußte doch dem jungen Herzen das Entsagen fallen, wie trügerisch die zur Schau getragene Fassung fein, wenn es nur von dem Gedächtniß des Geliebten sich nährte und die hundertmal gehörte Geschichte immer wieder zu hören verlangte!
„Ich meine--"
„Nein, Mutter, meine jetzt nichts, thue mit den Willen, nur heute noch", schmeichelte Gesina und drängte die schwach Widerstrebende in den Lehnsessel des Vaters, der wie zu dessen Lebzeiten am Tische stand; dann zog sie einen Schemel heran und kauerte sich zu den Füßen der Mutter nieder.
„So, Mütterle, nun fang an: Es war einmal," sagte Gesina mit einem traurigen Versuch zu scherzen.
„Ja, es war einmal ein Tag," begann die Aufgeforderte und sah starren Blickes ins Dunkel, „daß auch ich meinte, der Himmel wäre schwarz umflort und das Licht der Sonne ausgelöscht für immer. Zwei Buben, prächtige frische Buben, hatten wir schon begraben, da legte der schwarze Tod seine Hand auch auf den letzten, den liebsten. Dein Vater, Gott hab' ihn selig, den braven Mann! — meinte zwar: „Der Herr hat's ge-
. * Die Fürsorge der preußischen Iie- gieruvg für die 2*ore« — böswillige Menschen nennen sie Ausrottungspolitik — wird sich in nächster Zeit wieder glänzend bewähren. Bekanntlich sind die Minister der Finanzen, des Kultus und des Innern, nachdem sie schon vor zwei Monaten nach Posen gereift waren, um durch ihre Anwesenheit den Polen einen Beweis des Wohlwollens der Regierung für sie zu geben, vor einigen Tagen wieder dort gewesen und haben mit den Vertretern der lokalen Staats- und den städtischen Behörden berathen, welche Wohlthaten den Polen zunächst zu erweisen seien. Es ist zwar zuerst versichert worden, das Ergebniß der Berathun- gen werde geheim gehalten — wahrscheinlich um t>en Polen hernach umso größere Ueberraschungen bereiten zu können — trotzdem aber dringt jetzt doch Einzelnes in die Oeffentlichkeit. Wie regierungsfromme Blätter erfahren haben wollen, wurde u. a. berathen über die Erweiterung des Provinzial- mufeums — in dem wahrscheinlich die „Erfolge" des „deutschen" Protestantismus unter den Polen zur Ausstellung gelangen sollen — über die Gründung einer großen Bibliothek, die Errichtung eines Vereinshauses „als Mittelpunkt des geselligen und geistigen Lebens" — ob mit oder ohne Frei- bier, wird nicht gesagt, — die Niederlegung her Wälle im Westen der Stadt und die Renovirung des alten Rathhauses; endlich die Errichtung eines weiteren, natürlich deutschen Gymnasiums. Außerdem erstreckte die Berathung sich „auf hie gesammten, zur kulturellen Hebung her Ostprovinzen Überhaupt seit einiger Zeit erwogenen Pläne und Maßnahmen". Wenn aber ha§ alles nun hoch nicht Helsen unb genügen sollte, um hie Polen zurückzuhrängen unb bem Protestantismus Oberwasser zu verschaffen, was bann? Kenntniß her Geschichte scheint an ben betreffenben Stellen in Berlin nicht getabe hie starke Seite zu sein, sonst würbe man sich wohl schon mal erinnern, haß eine Nationalität, hie mit künstlichen Mitteln auf« gepäppelt unb erhalten werden soll, wie es mit dem protestantischen Deutschthum in den polnischen Distrikten versucht wird, dauernd nicht bestehen kann. Alle diese Pläne und Projekte werden natürlich riesige Summen erfordern, die von den Steuerzahlern aufgebracht werden müssen: den Polen aber wirb es — nichts schaben.
* Wegen Betheiligung an derWaht- agilalio« für de« pormsche« Ileichstags- kandidate« ist ein Gemeinbevorsteher in ber Provinz Posen „seines Amtes entsetzt" worben. Glückliches „Vaterlanb", bas wieher einmal „gerettet" worben ist! Unb habet sind die Polen ebenso wohl Staatsbürger mit vollen Rechten, wie die preußischen Protestanten — auf bem Papier wenigstens; in ber Wirklichkeit foll's wohl anbers fein.
X Die AieichslagsersatzmaHr im Wahlkreise Kreuznach-Simmern für ben verstorbenen nationalliberalen Abg. Dr. von Cuny ist auf ben 23. August anbetaumt worben. Kandidat her Nationalliberalen unb des Bundes der Landwirthe ist der Professor Dr. Paafche, der bei der Hauptwahl in allen Kreisen, wo er aufgestellt war, durchfiel, weil er allen Parteien: den Konservativen, den Landbündlern unb ben Nationalliberalen es recht machen wollte. Jetzt
geben, ber Herr hat's genommen," aber ich konnte unb wollte mich nicht in Demuth beugen. Ich haderte mit Gott und der Welt und mochte selbst Dich, die Du ein kaum jährig Mägdlein warst und mit ernsten fragenden Augen mich anschautest, nicht um mich dulden. Ich glaube, Kind, — Gott verzeih' mir die Sünde! — ich haßte Dich damals beinahe, daß Du leben durftest, wo Deine Brüder sterben mußten. Vergebens suchte die ganze Freundschaft mich zu trösten, vergebens redete der Großohm, der schon damals ein stiller frommer Mann war, mir ins Gewissen, ich wies allen Zuspruch von mir und hing nur meinem Schmerze um die Verlorenen nach.
„Da ließ der Vater eines Tages die Saumrosse satteln unb führte mich trotz meines Wider- strebens hinaus in ben Walb unb die Berge nach bem Heiligthum her frommen Königstochter, der heiligen Odilia, zu deren Grabstätte hie Frommen von nah unb fern pilgerten. Ich kniete mit kaltem Herzen unb trockenen Augen in ber Wallfahrtskirche, meine starren Lippen regten sich nicht. Was sollte bas Gebet mir auch helfen? hie Heilige konnte meine tobten Söhne nicht wieher lebenbig machen. Trostlos, wie ich gekommen, verließ ich bas Kloster, ungerührt von ben bekümmerten Blicken meines Eheliebsten, ber gar schweres Herzeleid um meine stumme Verzweiflung trug.
„Wir mochten etwa eine Stunde abwärts geritten sein, als ein fernes Stimmengewirr unb Geräusch wie yon Waffen an unser Ohr schlug. Der Vater unb bie uns begleitenben Knechte saßen eiligst ab unb tauchten seitwärts in das Dickicht, von wo jetzt laute Hilferufe brangen. Ich hing