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P«jn mit Ilnterhaktungs-Meitage „Ikkuffrirte Sonntags-Zeitungf petrreMe tt*. 8 (HortKottk).

M 180.

A Der Bund der Landwirthe hatte, wie bereits gestern schon berichtet wurde, in seiner Ausschußsitzung am Montag den zweiten Vorsitzenden Dr. Rösicke zum ersten und den konservativen Abgeordneten Frhrn. v. Wan gen - heim zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Herr Rösicke aber hat, wie das Bundesorgan berichtet, die Wahl abgelehnt, und daraufhin wurde dann Frhr. v. Wangenheim zum ersten Vorsitzenden gewählt. Herr Rösicke bleibt also zweiter. Die ,greif. Ztg/ meint, das sei ein abgekartetes Spiel gewesen; man habe Herrn Rösicke ehrenhalber, zum Schein gewählt. An die Spitze des Bundes aber habe er nicht treten dürfen, weil man dort nur einen „Edelsten der Nation", einen Junker, haben wolle. Wahrscheinlich deshalb, weil man den vielen Grafen und Baronen, die Bundesmitglieder sind, nicht zumuthen möchte, unter einem bürgerlichen, nicht „geborenen" Präsi­denten zu arbeiten. Diese Auslegung muß dahin­gestellt bleiben, wenn sie auch bei den in jenen Kreisen herrschenden Anschauungen Vieles für sich hat.

Das Bundesorgan, die ,Deutsche Tagesztg/, hatte geglaubt, den Verfaffer der der,Kreuzztg/ aus Schlesien zugegangenen Zuschrift, in welcher die Auflösung des Bundes zu Gunsten der Bauern- und landwirthschaftlichen Provinzialoereine empfohlen ward, mit einigen schnodderigen Redens­arten abthun zu können; sie nannte ihn einen „politischen Neuling", den sie nicht ernst nehmen könne usw. Da scheint sie nun an den Rechten gekommen zu sein, denn der „Schlesier" antwortet ihr in der ,Kreuzzta/ ruhig, aber nachdrücklich, so nachdrücklich, daß das Blatt mit dem großen Mundwerk es vorzieht, klein beizugeben. Es beeilt sich nämlich, die Erörterung zu schließen, da der Schlesier sich als Mitglied des Bundes der Landwirthe vorstellt und eröffnet, daß sein Vorschlag die nächste Generalversammlung des Bundes beschäftigen werde. Das Bundesorgan zeigt hier, daß auch bei ihm Vorsicht der bessere Theil der Tapferkeit ist. Vielleicht ist ihm plötz­lich die Einsicht gekommen, daß er sich in der Person „vergriffen" hat, und im Uebrigen weiß man ja nicht, was die nächste Generalversamm­lung beschließen wird.

Einen Beweis seiner Kleinlichkeit und Gehässigkeit legt das Bundesblatt heute da­durch ab, daß es der Mittheilung: „der frühere, von der Bundesleitung bestgehaßte Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Marschall erfreue sich als Botschafter in Konstantinopel einer aus­gezeichneten Gesundheit", die Bemerkung anfügt: „Vielleicht wäre es recht gut gewesen, wenn Frei­herr v. Marschall das wohlthuende Klima der türkischen Hauptstadt schon eher genossen hätte." Dieser Eselstritt kann dem Frhrn. v. Marschall nur zur Ehre gereichen.

Wie nun noch nachträglich berichtet wird, hat der Bund in seiner gestrigen Ausschußsitzung auch beschlossen, den beiden Vorsi tzenden zur Er­leichterung der Wahrnehmung der Bundesgeschäste erstens freie Wohnung in Berlin und zweitens 4000 Mark jährliche Entschädigung für die Auf­wendungen zu gewähren, die ihnen aus ihrem Aufenthalt in Berlin entstehen. Ferner erklärte

Auf der Ueichswacht.

Erzählung von A. Jüngst.

5 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Greis schwieg bewegt und blickte starr vor sich nieder. Die Pfeife war ihm schon längst ausgegangen.

„Ja, ja," nickte Jakob, „der schwarze Tod war ein böser Gast, aber doch kein schlimmerer, als die räuberischen Horden, die mitten im tiesften Frieden die Festung überrumpelten."

„An mir hat's nicht gelegen," bethsuerte Mevus, „ich habe die Sturmglocke gezogen, so­bald ich die erste verdächtige Staubwolke am Horizont aufsteigen sah. Aber was nutzte es mir, daß ich Feindio über Feindio läutete und die Reichssturmfahne aufzog: die kleine Besatzung war den, Heere Louvois nicht gewachsen, ein Theil des Magistrats durch Bestechung gewonnen, die angesehensten Kaufleute, welche die Bürger­schaft wohl hätten zum Kampfe führen können, abwesend auf der Frankfurter Messe. Louvois zog schon am folgenden Tage hier ein als Sieger. Und feit dem--“

„Seit dem gebühren sich die Wälschen als Herren der Stadt, wie sie's in der Pfalz und der Markgrafschaft Baden treiben, und der Reichs­tag hat, wie ich vorhin schon sagte, andere wich­tigere Dinge zu erledigen, als der Noth der Grenzlande abzuhelfen. Wenn ich der Kaiser wäre" — Vetter Jakob schlug mit der geballten Faust auf den Tisch, daß die Becher klirrten und der halb geleerte Krug in ein bedenkliches Schwanken gerieth — „ich schickte die hochweisen

Iuföa, Mittwoch, den 10. August 1898

der Ausschuß in Betreff der wegen der Thomas­mehllieferung an die Mitglieder gegen den Vorstand erhobenen Vorwürfe, daß diese Vor­würfe „völlig haltlos seien und der Begründung entbehren". Auf Wunsch des Vorstandes wird indeß eine Kommission der nächsten Generalver­sammlung einen besonderen Bericht über die An­gelegenheit erstatten. Damit aber ist doch die Thatsache nicht aus der Welt geschafft, daß den Mitgliedern für Thomasmehl ein höherer Preis berechnet wurde, als dem Vorstande von den Fabriken angesetzt worden war.

Deutsches Deich.

Berlin, 9. August.

* Der Kaiser, der mit seiner Familie eben in Wilhelmshöhe bei Kassel weilt, hat für den 23. September seinen Besuch in Stettin zuge­sagt, wo er der Eröffnung der neuen Hafen­anlagen und der Einweihung eines Monumental­brunnens beiwohnen will.

* Zur Kaiserreise nach Jerusalem ist nunmehr folgendes Programm festgesetzt: Am 12. Oktober Abreise aus Berlin, 13. Oktober Einschiffung in Venedig, 17. Oktober Ankunft in Konstantinopel, 23. Oktober Abfahrt aus Kon­stantinopel, 25. Oktober Abends in Haifa, 26. Oktober Ausschiffung, Landreise nach Cäsarea, Uebernachten in Zelten, 27. Oktober von Cäsarea nach Jaffa, 28. Oktober von Jaffa nach Latrun, üebernachten in Zelten, 29. Oktober früh Auf­bruch von Latrun, Mittags Ankunft vor Jeru­salem, Beziehen des Feldlagers, Nachmittags Einzug in Jerusalem; darauf bis zum 11. Nov. Ausflüge in die Umgebung von Jerusalem, 12. und 15. November Reise nach Damaskus und Beirut, 16. Nov. Reise nach Alexandria, 18. Nov. Ankunft daselbst.

* Eine Krisis soll, einem süddeutschen Blatte zufolge, vor einiger Zeit in einem be­stimmten Reichsressort bestanden haben; die­selbe scheine aber vorläufig beigelegt zu fein. Ob endgiltig, werde sich erst zeigen, wenn der Reichstag zufammentrete. Die Andeutungen, die das betreffende Blatt macht, sind so unbe­stimmt, daß es schwer ist, sich einen „Reim" darauf zu machen. Die Meisten dürften wohl geneigt sein, zunächst an den Staatssekretär des Innern, Grafen von Posadowsky, zu denken, von welchem vor und nach der Reichstagswahl so Allerlei berichtet wurde, aus dem man hätte schließen können, daß es nicht mehr so ganz stimme. Man denke nur an seinen Wahlerlaß, von dem mehrfach behauptet wurde, derselbe sei ohne Vorwissen des damals abwesend gewesenen Reichskanzlers herausgegeben worden; Manche wollten sogar wissen: ohne dessen Zustimmung. Dieser Erlaß erfuhr dann später in der offiziösen .Norddeutschen Allgemein. Zeitung'recht sonderbare Erläuterungen, die damals von verschiedenen Seiten dem Staatssekretär des Auswärtigen v. Bülow zugeschrieben wurden, von denen aber jetzt das erwähnte süddeutsche Blatt behauptet, daß deren Verfasser dem Herrn v. Miquel näher stehe. Daß der „Vater aller Hindernisse" mit diesen Dingen in Verbindung gebracht wird, kann nicht auffallen, denn wo und wann hätte

Herren sammt und sonders nach Haufe und zöge mit all meinen Mannen gen Frankreich. Wie einem Erlöser würde das Volk ihm zuströmen aus dem Breisgau, der Pfalz, aus Elsaß und Lothringen, um durch die Schwertkraft des deut­schen Armes die Schmach zu rächen, welche die Wälschen uns angethan. Aber das Reich ist groß und der Kaiser ist weit, und zur Selbsthilfe sind wir zu schwach. Ergo, wie der Accisen- schreiber sagt, wenn er einem beweist, daß der Bauer bluten, immer nur bluten muß--"

„Nein, nein, nicht ergo," rief Johannes mit glühenden Wangen, „noch ist Straßburg eine deutsche Stadt, eine freie Reichsstadt; noch gilt der westfälische Friede, den alle Parteien ange­nommen und beschworen haben. Einnehmen und besetzen mochte Ludwig ihre unvertheidigten Wälle, aber behaupten kann er sie nicht. O, Vetter Jakob, wenn ich Euch so reden höre, möchte ich gleich Meißel und Zollstab mit dem Schwerte vertauschen und mit Euch hinausziehen gegen den wälschen Unterdrücker. Und ich wette, es sind Tausende hier im Lande, welche gerade so denken wie ich."

„Wer weiß, was nicht ist, kann noch werden, junger Freund," nickte der Pfälzer wohlgefällig. „Aber was sagt denn die Herzallerliebste dazu? Gelt, Rosel, Du sähest Deinen Schatz auch lieber im stattlichen Waffenschmuck als im schlichten Werkmannskittel?"

Rosel, die schon lange den Reden der Männer mit gekrauster Stirne gefolgt war, schüttelte ver­neinend das anmuthige Köpfchen.

„Warum kann es nicht bleiben, wie es ist? Die Franzosen--"

es eine Krisis gegeben, bei der Er nicht seine Hand im Spiele hatte? Blos er selbst verstand es bisher, seine Person außerhalb aller Krisen zu halten. Freilich einst wird kommen der Tag, wo auch ihm fein „Lied gesungen" wird, denn nichts ist heute beständig, als der Kurswechsel, der politische nämlich.

x Mit Bezug auf die Lippe'scheAnge­legenheit berichtet ein Blatt, nach der Militär­konvention, die im Jahre 1867 zwischen Preußen und dem Fürstenthum Lippe abgeschlossen worden, fei int § 7 derselben dem Fürsten ausdrücklich die Besugniß eingeräumt, über die im Fürstenthum stehenden Truppen zum Zwecke des inneren Dienstes zu verfügen; ebenso über die aufzustellenden Ehrenposten und die den Mitgliedern des fürstl. Hauses einzuräumenden Ehren­rechte Bestimmung zu treffen. Wenn das richtig ist, wäre es unverständlich, wie der korn- mandirende General in Münster eine dieser Be­stimmung widersprechende Anordnung treffen konnte. Um so weniger verständlich auch würde der Inhalt des kaiserlichen Telegrarnrnes an den Regenten.

* Mit der ominösen Ueberfchrift „Der Katz gegen Aismarck" bringt die ,Krefelder Zeitg.' einen Artikel mit folgenden Schlußsätzen:

„Bismarck ist tobt und Centrum ist Trumpf. Immer weiter drängt die Fluth des Aber­glaubens, klagt die Köln. Volksztg/. Sie hat hier aus­nahmsweise die richtige Signatur unserer Kulturent­wickelung gegeben. Und unser Volk mit seinen neuen großen Aufgaben — es hängt in seiner Machtentwicklung ab von dec Gnade des Ultramontanismus, der nicht un­gefährlicher, sondern gerade gefährlicher wird, wenn er sich höfisch gibt und regierungsfähig zu werden strebt. Centrumsabgeordnete legten im Namen des Reichstags Kränze nieder auf den Sarg Bismarcks; daß der Ultra­montanismus nicht dereinst als Sieger am Sarge Deutschlands steht, wie er an seiner Wiege trium- phirte, das muß der heilige Kampf des nationalen Liberalismus sein, das heilige Testament Bis­marcks."

Die Nationalliberalen scheinen sich also jetzt nach Bismarcks Tode nicht mehr so ganz wohl zu fühlen. Nun ja, diese Herzensbeklemmungen lassen sich ja auch schon recht gut begreifen; denn die Sterbeglocke Bismarcks hat auch etwas anderes zu Grabe geläutet. Seither jft der National­liberalismus aus dem Sachsenwalde immer noch wenigstens einigermaßen angefrischt worden, doch jetzt droht er auch den letzten Rest seiner Lebens­kraft zu verlieren. Und da nun auch die Kultur- kampfsfelle dem betrübten Lohgerber National­liberalismus weggeschwommen zu sein scheinen — was wird da noch von der einstigen Pracht und Herrlichkeit übrig bleiben?

* Auf das Verhältniß der Kriegervereme zur Sozialdemokratie bezieht sich folgender vom ,Vorwärs' veröffentlichte Erlaß des Re­gierungspräsidenten zu Frankfurt a. O.:

„Nach dem Ausfälle der letzten Reichstagswahlen ist mit Sicherheit anzunehmen, daß in vielen Fällen auch Mitglieder von Krieger-Vereinen ihre Stimme den So- zialdemokraten?gegeben und sich somit in allerschärfsten Gegensatz zu der Zweckbestinimung der Kriegervereine gesetzt haben. Gegen dies Verhalten muß mit aller Strenge Dorgeflangen werden. Ich ersuche daher, durch geeignete sorgfältige Nachforschungen festzustellen, bei welchen Kriegervereinen sich die obige Voraussetzung be­stätigen sollte. Zutreffenden Falles ist dem Verein die sofortige Ausstoßung der Mitglieder aufzugeben, welche für den sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt haben.

„Rosel! Röschen!" scholl es erschrocken von allen Seiten; nur der Knecht im Winkel nickte beistimmend und lachte hämisch vor sich hin.

„Rosel weiß nicht, was sie sagt," begütigte der Thürmer als er sah, wie auch Hans mit finsterem Blick von der Geliebten sich ab­wandte.

„Sie ist eben noch ein Kind; ihrem unschul­digen Sinn widerstrebt der Gedanke an Krieg und Blutvergießen. Wenn aber, was Gott fügen wolle, der jetzt zu Frankfurt versammelte Kongreß das Elsaß wieder dem Reiche zuspricht, wird sie sich über den Abzug des letzten Franzosen nicht minder freuen als wir. Ha, wird das ein Jubel werden, wenn ich neben dem Banner U. L. Frau von Straßburg wieder die Reichsstandarte wehen lasten darf vom Münsterthurm!"

„Triumphire nicht zu früh, Vetter Andreas," warnte die Muhme. „Hast Du schon vergessen, was die lahme Ursel gestern gesagt?"

„Ach was, geh' mir mit den Altweiber­geschichten! Ich will nichts davon hören!"

„Was ist's mit der Ursel? Has hat sie gesagt?" tönte es im Kreise, und gespannt hingen aller Blicke an der Alten, selbst der pockennarbige Knecht rückte näher heran.

„Der Vetter weiß es bester als ich," ver­setzte Gertrud gekränkt. „Er glaubt auch selber daran; nur weil es ihm jetzt nicht paßt, will er's nicht zugeben."

„Die Thatsache selbst leugne ich gewiß nicht, da sei Gott vor! und wenn es Jemand anders wäre, der das Rauschen der unterirdischen Master gehört hätte als die lahme Ursel, würde ich die schlimmen Vorzeichen wahrlich nicht gering schätzen.

25. Jahrgang.

sollte ein Kriegerverein sich diesem Verlangen wider­setzen, so ist die Entziehung des Rechts zur Fahnen­führung und die Auflösung des Vereines herbeizuführen. Einer eingehenden Aeußerung über das Veranlaßte und den Erfolg der ergriffenen Maßnahmen sehe ich binnen drei Monaten entgegen. Gez. v. Puttkamer."

* In feiner Generalversammlung beschloß der Bund deutscher Gapezirer-Iaauage«, allen Innungen des Verbandes die Umwandlung in Zwangsinnungen zu empfehlen. Der Bund umfaßt zur Zeit 36 Innungen mit 1875 Mit­gliedern und 50 Einzelmitgliedern.

(*) „Ium Aesten der Dole«" finden in Pofen eben wieder Minister-Konferenzen statt, an welchen die Minister v. Miquel, Bosse, v. d. Recke und ein Vertreter des Kriegs­ministers theilnehmen. Nachdem die Minister ver­schiedene Institute besucht hatten, sand am Mon­tag Abend eine Konferenz im Oberpräsidium statt. Es soll eine deutsche Volksbibliothek und sonstige Einrichtungen geschaffen werden, mit deren Hilfe man die Polen gründlicher ausrotten zu können glaubt. Ob's glückt?

* Eine kurze Ueberstcht über die Innnngs- Newegnngen der letzten 20 Jahre geben fol­gende Zahlen, die vom preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe geliefert sind. Am 1. Dezember 1878 gab es 6018 Innungen mit rund 150,000 Mitgliedern, Ende 1888 zählte man 7424 Innungen mit 219,758 Mitgliedern. Am 1. Dezember 1890 bestanden 7823 Innungen mit 226,049 Mitgliedern, deren Zahl 1894 auf 219,075 gefallen war. Am 1. Dezember 1896 wurden dann 7940 Innungen mit 224,956 Mit­gliedern gezählt.

* Der Staatssekretär des Innern hat den deutschen Landwirthschaftsrath damit beauftragt, Erhebungen anzustellen für die amtliche ^ro- dnktionsstalistik der Landw irth schäft über die Rentabilität ganzer Betriebe, für die ein Fragebogen in der Hauptsache fertiggestellt ist. Für jeden Bezirk soll nun durch Vermittelung der Centralvereine bezw. Landwirthschaftskammern eine Reihe von Betrieben befragt werden, die die Wirthschaftstypen der Gegend vollkommen zum Ausdruck bringen. Bei der Auswahl soll Klima und Höhenlage, Bodenverhältnisse, Groß-, Mittel­und Kleinbesitz extensive und intensive Betriebs­weise, Körner- und Viehwirthschaften, Brennerei­betrieb, Anbau von Zuckerrüben, Wein, Tabak, Flachs, Hopfen usw. berücksichtigt werden.

* Wie groß der Katz gegen Arveiter- orgarrifatiouer» jeglicher Art bei den „Scharf­machern" ist, weiß man ja allgemein. Es kann deshalb auch nicht Wunder nehmen, wenn das Berliner Bismarckblatt, die ,Berl. N. Nachr/, sehr entrüstet ist über die Meldung, daß der Oberbürgermeister von Mainz den Ver­band der städtischen Arbeiter anerkennt und ihm feine Sympathie ausgesprochen habe. Unter Vorbringung der bekannten Argumente verlangt das Blatt, daß alle sozialdemokratischen Organi­sationen — alle Arbeiterorganisationen sind in seinen Augen selbstverständlich sozialdemokratisch — durch die Behörden vernichtet werden. Das Sozia­listengesetz hat alle diese Organisationen vernichtet, und was war die Wirkung?

Dcn Katholischen Stndenten-Aorpo- ralione« galt eine beherzigenswerthe Ansprache,

Aber die alte Tratsche steckt ihre Nase in alles hinein, wo sie nichts zu suchen hat, und darum —"

„Na, so laß uns doch endlich hören, was die lahme Ursel denn eigentlich erzählt hat," drängte Vater Jakob.

Der Thürmer schob seinen Becher der Muhme zu, und nachdem Gertrud ihn gefüllt und er einen langen Zug gethan hatte, lehnte der Greis sich behaglich auf die Bank zurück und begann mit gedämpfter Stimme:

„Nun, Ihr wißt ja alle, daß hier an dieser Statt, wo jetzt das Münster sich erhebt, vor Alters ein heiliger Hain gestanden, umgeben von einem Ringe künstlich geschichteter Steine. In der Mitte des Heiligthums befand sich der Dolmen, auf welchem die Aussprüche der heidnischen Götter verkündet und zur Zeit der Noth dem Kriegs­gotte blutige Menschenopfer dargebracht wurden. Der Hain mußte dem Tempel der Römer weichen, Herkules und Mars thronten dort in Macht und Herrlichkeit. Als aber Fürst Chlodwig Christ geworden war und auf der alten Opferstätte eine christliche Kirche errichtete, als das Kreuz siegreich aufgepflanzt wurde auf dem schlichten Gebäude, flohen die zürnenden Götter unter furchtbarem Geheul hinab in den Abgrund, in den schauerlich schwarzen See, der feine Wasser bis weit unter die Stadt, bis unter den Gärtnersplatz erstreckt. Wenn nun auch ihre Macht gebrochen, wenn sie es nicht hindern konnten, daß das Haus des Christengottes Jahrhundert auf Jahrhundert sich vergrößerte und verschönerte, bis endlich nach dem großen Brande Bischof Werner von Habsburg den Grundstein zu dem Neubau legte, welchen Konrad von Lichtenberg beenden sollte: sie weilen