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KuIdaerMZeitung

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iä3"*'*mif Anterhaktungs-Aeikage „Alluflrirte Sonntags-Zeitung;'

Dnt an» Verlag der Lnltae» Xctinrtrxlerei. peterega-e Nr. 1 (IxtraweU).

M 179.

JuLöa, Dienstag, den 9. August 1898

25. Jahrgang.

c Zur Heirath des Herzogs Ernst Günther.

Die Heirath, oder richtiger gesagt: die ge­mischte Ehe des Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein mit der Tochter des in letzter Zeit viel, wenn auch nicht gerade rühm­lich genannten Prinzen Philipp zu Koburg in Wien bildet fortgesetzt den Gegenstand lebhafter Dis­kussion in der Presse. Stoff zu dieser Diskussion hat neuerdings geliefert das pflichtwidrige Verhalten des Pfarrers von St. Stephan in Wien, welcher nach den bis jetzt unwidersprochen gebliebenen Berichten nicht nur auf die vorgeschriebene passive Assistenz sich beschränkte, als das Brautpaar vor ihm und zwei Zeugen sich das Jawort gab — um auch eine in Oesterreich gütige Ehe zu er­möglichen — sondern den Akt so gestaltete, daß er von den Anwesenden als eine regelrechte katho­lische Trauung aufgefaßt und in der Oeffentlich- keit auch so geschildert wurde.

Dieses Verhalten des Pfarrers, der entweder aus Schwäche, oder aus Unkenntniß der kirchlichen Vorschriften so handelte — beides gleich sträflich — hat in kirchenfeindlichen Kreisen ebenso große Freude und Befriedigung heroorgerufen, wie es in gläubisch-katholischen Kreisen Aergerniß und Entrüstung erregte. Kein Zweifel, daß, wenn jene gröbliche Pflichtverletzung seitens des Pfarrers von St. Stephan in Wien wirklich die Praxis der katholischen Kirche wäre, die Gegner der Kirche Grund zu ihrer Freude hätten; die Kirche würde dann selbst sich aufgeben und müßte schweren Schaden nehmen. Aber jenes Verhalten ist nicht die Praxis der Kirche, es widerspricht ihren Vorschriften durchaus, und der betreffende Geist­liche hat sich durch sein Verhalten schwere kirch­liche Censuren zugezogen, für die er Buße zu thun haben wird.

Es ist gewiß bedauerlich, daß in einer Zeit, in der die Feinde der Kirche unausgesetzt von Außen auf sie einstürmen, ein Diener der Kirche selbst ein solches Aergerniß gibt, allein unsere Gegner täuschen sich, wenn sie etwa glauben sollten, die Kirche werde auf einem ihrer wich­tigsten Gebiete, auf dem sie gerade in diesem Jahrhundert so schwer, aber fruchtlos bedrängt worden ist, jetzt die Grundsätze preisgeben, die sie trotz allen Anfechtungen stets siegreich vertreten hat, werde sich selbst ihren grimmigsten Feinden ausliefern. Oder wird ein vernünftiger Mensch behaupten wollen, daß die Vorschriften der Kirche dadurch aufgehoben würden, daß ein Einzelner sie verletzt? Wird dann etwa das weltliche Strafgesetz dadurch unwirksam, daß Jemand da­gegen verstößt?

Wie so oft schon, werden unsere „intimen" Gegner auch in diesem Falle bald die für sie nieder- fchmetternde Wahrnehmung machen müssen, daß ihre Freude verfrüht und absolut grundlos war. Der ärgerliche Vorgang wird aber die für alle kirchentreuen Katholiken erfreuliche Folge haben, daß man auch in Oesterreich, wo der Josephinismus, das Staatskirchenthum, leider immer noch nicht vollständig ausgerottet ist, „nach dem Rechten sehen" und die Reinerhaltung und strenge Befolgung der kirchlichen Vorschriften durch

die dazu Berufenen neuerdings gründlich einschär­fen wird.

Deutsches Keich.

Berlin, 8. August.

* „An maßgebender Stelle" soll man, wie die .Nationalliberale Korrespondenz' gehört haben will, nicht beabsichtigen, den offiziellen Wortlaut des Aismarcksche« K«Hafl»«gsgesuches zu ver­öffentlichen, weil dies der Reserve wiederspräche, „die jede Regierung mit Rücksicht auf derartige Aktenstücke zu beobachten genöthigt" sein. Wir wüßten nicht, welche Reserve jetzt, nachdem Fürst Bismarck tobt ist, noch zu beobachten sei.

X Zur Kntkaffuttg des Iürlleu Aismarck gibt der ,Reichsbote' die Darstellung eines ver­storbenen „hervorragenden Abgeordneten" wieder, die sehr wahrscheinlich klingt. Darnach habe der Kaiser in der letzten Zeit vor der Entlassung des Fürsten Bismarck in Folge dessen häufiger und langer Abwesenheit von Berlin sich hier ganz vereinsamt gefühlt, zumal auch kein Minister zu ihm gekommen sei, um ihm Vorträge zu halten. So habe er einmal zu einem Minister gesagt: „Was ist denn das, ich sehe und höre ja gar nichts von meinen Ministern; haben sie mir denn gar nichts vorzutragen?" Darauf Habe der Minister erwidert, daß die einzelnen Minister zu solchen unmittelbaren Vorträgen nicht berechtigt seien; sie hätten ihre Vorträge immer nur dem Ministerpräsidenten zu machen, der sie dann dem Könige halte. Darauf habe der König ge­sagt: „Das ist aber doch ein unhaltbarer Zu­stand; ich bin dadurch ja vollständig bei Seite gestellt. Einer kann doch nur König sein, und ich bin einmal dazu berufen; folglich muß ich es auch sein und regieren". Das führte dann zu den bekannten Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Kanzler und gab den unmittelbaren Anlaß zu des Letztern Entlassung, die sonst viel­leicht noch um einige Wochen sich hinausgeschoben hätte.

* Ein recht edles Bild von dem früheren KultusministerIakK und zugleich einen sehr geschmackvollen Nismartk-Wachrnf bringt die .Deutsche Warte' in ihrer vorletzten Nummer. Dort ist zu lesen:

„Die Maigesetze von 1873 halten den Zweck, die katholische Kirche in Preußen vollends unter die Herr­schaft des Staates zu beugen. Bismarck hatte sich in dem liberalen Kultusminister einen Saupacker auf Schwarzwild an die Seite gestellt, > mit dessen Hilfe er den Kampf fortsetzte. Dem Fürsten kam es in dem Kampfe gegen die katholische Kirche vornehmlich darauf an, sich eine überlegene und zuverlässige parlamentarische Mehrheit zu schaffen, die ihm eine konsequente Politik gestatten würde. Sobald er auf einen solchen freiheit­feindlichen und antinationalen Gegner wie Rom zeigen konnte, flogen ihm alle liberale Parteien, die National- liberalen an der Spitze, begeistert zu und sammelten sich unter Bismarck's Fahnen. Der Verstimmung, die der kirchliche Streit auf konservativer Seite erregte, brauchte der Fürst vorläufig kein übermäßiges Gewicht beizulegen."

In welche Beleuchtung durch diesen Gedanken­gang der kürzlich verstorbene Kanzler gerückt wird, darüber ist kaum ein Wort zu verlieren. „Er hatte mit brutaler Hand in seine Gewissensfragen eingegriffen und mußte den Rückzug antreten" — so sagt derselbe Artikel ein wenig später. Und

dieses „brutale Eingreifen" geschah nicht aus sach­lichen Gründen, deren subjettive Berechtigung man vielleicht zugestehen könnte, sondern im ausge­sprochenen Gegensätze zu den konservativen Ge- finnungsgenoffen, nur zur Einfangung der Natio- nallrberalen! Dieser BiSmarck-Beurtheilung gegen­über verschwinden die Angriffe der Sozialdemo­kraten. So realpolitisch ist er noch selten einge­schätzt worden. Was würden wohl gewisse Blätter für einen Radau gemacht haben, wenn eine katholische Zeitung einen solchen Artikel ge­bracht hätte!

_ X Heber die Höhe des Aermögens des Iürlleu Aismarlk, welches er seinen Erben hinterlassen hat, werden in der Preffe Ver- muthungen angestellt. Wie die in Wien er­scheinende ,Neue freie Presse' berichtet, sollen in- formirte Kreise in Berlin sich dahin geäußert haben, das Vermögen „könne wirklich dreißig Millionen Mark betragen". Dies sei einer­seits durch die Bedürfnißlosigkeit des Fürsten zu erklären, andererseits hätten sich gewisse Werth­papiere bei Bleichröder (der fein Privatbanquier war) im Laufe der Zeit verdreifacht. Mit 30 Millionen dürste das Vermögen jedenfalls eher zu niedrig, als zu hoch taxirt fein; denn ab­gesehen von dem viele Millionen betragenden Werthe der drei großen Güter Varzin, Fried- richsruh, mit ihren koloffalen Waldungen, und Schönhausen, die ihm bekanntlich geschenkt wurden, soll Bleichröder mitunter „zufällig" von diplomatischen Schritten des Kanzlers vorher gehört und darauf für diesen und für sich speku- lirt haben, was dann jedesmal enorme Summen eingebracht habe. Und wie oft das geschehen fein mag!

* In dem Kampf mit Gewaltmitteln gegen die Sozialdemokratie greift nun auch der Staatssekretär der Marine Girpitz ein. Er hat nämlich an die Werftdirektion zu Kiel eine Aufforderung ergehen lasten, sozial­demokratische Agitatoren und Hetzer sofort zu entlasten. Da die Sozialdemokratie unter den Werftarbeitern starken Fuß gefaßt Hat, fa dürfte für manche Familie diese Aufforderung schlimme Folgen haben. Es würde Übrigens schwer sein, staatstreuen Ersatz für die fozialdemokratischen Arbeiter zu finden; ist doch die arbeitende Klasse in Norddeutschland von der Sozialdemokratie völlig verseucht.

O In der heute stattgehabten Ausschußsitzung des „Auudes der LandwirIHe" wurde an Stelle des verstorbenen Abg. v. Plötz der seitherige zweite Vorsitzende Dr. Rösicke zum ersten und das Ausschußmitglied Freiherr v. Wangenheim zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Dr. Rösicke widmete dem Fürsten Bismarck einen Nachruf, und außerdem wurde beschlossen, noch eine Bei­leidsbezeugung nach Friedrichsruh zu entsenden.

X Kaum ist die Flottenoorlage mit ihren Hundertmillionen-Lasten angenommen, da tauchen schon wieder neue erfreuliche Aussichten auf neue ISarineforderuugen auf; im Torpedo- roefen sollen wesentliche Reformen bevorstehen, die natürlich Geld, möglicherweise viel Geld kosten würden. Die vorhandenen Torpedoboote, so vorzüglich sie sonst auch seien, seien den Torpedozerstörern nicht gewachsen. Und

Auf der Reichswucht.

Erzählung von A. Jüngst.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

III.

Als die Mahlzeit beendet und der trefflichen Köchin alles Lob gespendet war, rückten die Mä- ner wieder zusammen. Noch einmal wurden die Pfeifen aus dem Vorrath des Vetters gestopft und mit vergnügtem Schmunzeln in Brand gesetzt. Muhme Gertrud nahm ihr Strickzeug zur Hand, Rosel aber schob mit leichtem Scherze das Räd­chen zur Seite und wollte den Geliebten hinaus­ziehen auf die Plattform in das linde Schweigen der schönen September-Nacht.

Vater Mevus jedoch, welcher die Absicht des verzogenen Töchterleins merkte, erhob die dröh­nende Stimme und gebot dem künftigen Eidam, den Platz zu seiner Rechten auf der Ofenbank ein­zunehmen.

„Die Rosel könnt Ihr immer haben," lachte er, als er den schmollenden Ausdruck in dem Ant­litze des schönen Mägdleins gewahrte. „Vetter Jakob aber will morgen schon wieder weiter wan­dern und möchte noch des Näheren von Euch über die Stimmung des Volkes hören. Wie steht's unten in der Bauhütte?"

Die Stirn des jungen Mannes furchte sich, eine finstere Wolke flog über das hübsche Gesicht.

„Ich hab's vorhm Röschen schon geklagt, daß meines Bleibens hier wohl nimmer mehr lange fein würde."

Ein Ausruf des Erstaunens entfuhr gleichzeitig den Lippen der Anwesenden. Muhme Gertrud

ließ ihren Strickstrumpf, der Thürmer die Pfeise sinken, alle hingen mit fragenden Blicken an dem Munde des Jünglings. Nicht minder neugierig hastete das verschlagene Auge des Gehilfen mit aufleuchtender Schadenfreude auf dem Antlitze des Redenden.

„Unser alter Meister, der im Geiste seines großen Vorgängers Erwin von Steinbach die Satzungen der Straßburger Bauhütte hochgehal­ten zu Nutz und Frommen aller Meister und Ge­sellen in deutschen Landen, ist vorgestern seines Postens enthoben und an seiner Statt ein glatter Franzmann angestellt worden, der weder von dem Schutzpatron der verbündeten Bauleute, dem hl. Johannes, noch von unseren heimlichen Bau­zeichen etwas wissen will. Der Nürnberger Gott­lieb und der Augsburger Eberhard haben schon ihre Bündel geschnürt und wollen ihr Heil an der andern Seite des Rheines versuchen. Wenn's nicht besser wird, thue ich's ihnen nach und gehe hinaus in die weite Welt."

Rosel öffnete die schwellenden Lippen zu hef­tigem Widerspruch, aber der Vater kam ihr zuvor.

„Gemach, Herr Schwiegersohn, gemach," rief der Alle hitzig, „gar so schlimm wird's wohl nicht werden. Und was das Wandern in die Wette betrifft, da habe ich doch auch noch ein Wörtlein mit dreinzureden, Ihr ungestümer Heiß­sporn Ihr! Es war mir wahrhaftig schon arg genug — bei allem Respekt vor der ehr- und tugendsamen Frau Edeltraut und der ganzen Hoch- kirchner'schen Sippe muß es vermeldet werden — daß die Rosel einen Steinmetzen, einen Zünftigen freien will und keinen Mann, der mir dermal­einst im Amte folgen könnte, wie ich meinem

Vater, und die Mevus alle fett Urelternzeiten ein­ander gefolgt sind. Aber da Gott mir die Buben genommen hat, und das Mädel nicht zeitlebens auf dem Thurme hocken bleiben mag, hab' ich's mir müssen gefallen laffen und Ja und Amen dazu gesagt. Weiß auch das Glück und die Ehre für mich wie für mein Kind gebührend zu schätzen, insonderheit, daß Frau Edeltraut so gar nicht stolz thut. Sie und die fromme Gesina werden's Rosel nicht entgelten lassen, daß ihre Wiege nicht in einem Zünftlerhause gestanden hat. Aber nun auch nichts mehr von Scheiden und Meiden, Jo­hannes, versprecht rnir's. Und übrigens, was Jakob auch sagen mag, ich glaube noch nicht daran, daß der Kaiser uns aufgibt."

„Bis Du es zu Deinem Schaden erfahren, wer hier in Straßburg Herr und Gebieter ist," iel der Vetter ein. „Mich wundert nur, daß der Sonnenkönig, wie die Franzmänner ihren Ludwig nennen, Dich nicht längst hat aufheben lassen."

„Mich? Hoho, wer sollte denn Thurm und Münster bewachen, wenn ich nickt wäre?

„Werden Leute genug daraus warten, in Deine Schuhe zu schlüpfen." Ein argwöhnischer Blick ölgte dem Gehilfen, der sich bescheiden zurückge­zogen hatte und nun auf einer Bank im Winkel dauerte. „Wenn so viele brave Deutsche aus Amt und Brot verdrängt worden, bloß weil sie dem welschen Regimente sich nicht unterwerfen wollen, warum sollte es Dir besser gehen?"

„Na, das wollten wir denn doch mal sehen! Dem Ersten, der mir mit solchem Ansinnen die s Mattform hier beträte, würfe ich die Stiege hinab, daß er das Wiederkommen für immer vergessen

t>a alle Seemächte letztere immer mehr anschaffen, fei auch das deutsche Reich genöthigt, das Gleiche zu thun. Also neue Umdrehungen der Schraube ohne Ende, die sich jetzt schon in bedrohlicher Weise in den wirthschaftlichen Körper des deutschen Volkes eingebohrt hat. Wie soll das enden?

* Ueber eine etwa nothwendig gewordene Revision oder Ergänzung der zum DoKzug des Impfgesetzes ergangenen Bestimmungen hat das Reichsgesundheitsamt eine Verhandlung von Ver­tretern der Bundesstaaten, Delegirten aus dem Reichsamt des Innern und aus dem Reichs­justizamt, sowie in Gegenwart mehrerer Pro­fessoren stattgefunden. Vom kaiserlichen Gesund­heitsamt waren auch mehrere Gegner des Impf­zwangs eingeladen, die aber nicht erschienen waren. Das Ergebniß der Verhandlungen war die Annahme mehrerer Anträge, die darauf hin- zielten, der Bevölkerung die Erfüllung der Jmpf- pflicht zu erleichtern, ohne den Zweck des Impf- gesetzes zu gefährden, so der Antrag des Ver­bots von Menschenlymphe, ferner daß in Zukunft nur noch auf einen Arm, und zwar bei Erstimpf­lingen auf dem rechten, bei Widerimpflingen auf dem linken geimpft werden solle. Sodann wurde die Autorevaccination verworfen und die Ent­wickelung nur einer Impfpustel als ausreichend zur Erfüllung der gesetzlichen Pflicht erklärt. Be­züglich der Bestrafung der Jmpfweigerer beschloß die Kommission, keine Anträge an den Bundes­rath zu richten. Die Frage nach der Zweck­mäßigkeit der Monopolisirung der Lympherzeugung in den Händen des Staates wurde dahin beant­wortet, daß es im Interesse der Jmpfärzte liege, nur staatliche Jmpferzeugungsinstitute zuzu­lassen. Die unentgeltliche Abgabe der Lymphe aus den Staatsanstalten an die Privatimpfärzte hielt die Mehrheit der Kommission nicht für angemessen.

* Der bayerische Fleischerverband hat an das bayerische Staatsministerium eine Ein­gabe gerichtet um Gestattung der Kinfntzr vo« Schweine« aus Italien und Frankreich. Bei eventl. ablehnendem Bescheide seien Preis­erhöhungen des Schweinefleisches nicht mehr zu vermeiden; für die Folgen einer solchen Maß­regel müßten die Metzger dann die Verant­wortung ablehnen.

* Der Kriegsminister hat anläßlich der häufigen Kpidemie« in den Kasernen in der letzten Zeit eine Verordnung publizirt. Nach diesem ist die Ernährung der Mannschaften beim Auftreten von Epidemien besonders sorgfältig zu überwachen. Beim Aufenthalt der Truppen in Gegenden, in denen der Genuß des örtlichen Trinkwaffers in ungekochtem oder unverbessertem Zustand gesundheitsgefährlich ist, sowie beim Auf­treten oder Drohen von Krankheitszuständen, bei denen ärztlicherseits an Stelle oder zur Ver­besserung des Trinkwassers die Verabfolgung von Theeaufgüssen oder von bestimmten Zusätzen zu jenen für erforderlich erachtet wird, darf zu deren Beschaffenheit ein Zuschuß von 2 Pfg. für den Kopf und Tag neben dem niedrigen Beköstigungs­geld durch das Generalkommando nach Anhörung des Sanitätsamts für Rechnung des Natural­verpflegungsfonds bewilligt werden. Ist Gefahr in Verzug, so kann das Truppenkommando auf

sollte. Ich bin nicht sechsunddreißig Jahre hin­durch wohlbestallter Thürmer und Wächter zu Unserer Lieben Frauen gewesen, um mich von einem der hergelaufenen Wälschen meines Postens entheben zu lassen. Das haben nicht einmal die Hochmögenden bei meinem Ureltervater gewagt dazumal, als Rath und Magistrat dem Beispiele Basels folgend, protestantisch geworden waren, und der alte Mevus bei seinem katholischen Be­kenntnisse beharrte. Als die Väter der Stadt ihn aufforderten, die Augsburger Konfession anzuneh­men, oder aber sein Amt an dem in eine prote- tantische Kirche umgewandelten Münster nieder­zulegen, trat mein Ahne in den Rathssaal, ange- han mit allen Ehrenzeichen, die ihm in seinem angen Leben zu Theil geworden. Er rief den Herren ins Gedächtniß zurück, wie oft seine Wach- amkeit die Stadt vor Brand und feindlichem leberfaö bewahrt, wie es nur seiner Geistesgegen­wart zu danken sei, daß Straßburgs Stolz und Zierde in dem Schreckensjahre, als der Blitz sechs­mal in einem Monat zündete, nicht ein Raub der Flammen geworden.

Ehrenfeste und großgünstige Herren, wenn einmal ein Mevus ] einer Pflicht vergessen und nur ein Tüpfelchen von der vorgeschriebenen Satzung abweichen könnte, mögt Ihr ihn des Amtes ent« etzen und thun wie recht und billig, ging es ihm auch an Hals und Kragen; so lange aber, Ihr Herren, bleibt Ihr an Eurem Platze und laßt hn an dem seinen, hat der Alte gerufen, und ist einer gewesen, der ihm Widerpart geboten. Seit­dem sind die Mevus unbehelligt auf ihrem Thurm geblieben und sind Sonntags zu den Dominikanern in Amt und Predigt gegangen, wie's einem guten