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JuLöcr, Montag, den 8. August 1898

25. Jahrgang

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"verantwortlich: Sür die Redaktion i. V.: 3 o f. Jo r g, für Inserate I. parzeller in Lnlda.

habe, einem Vorschlag Aufnahme und Verbreitung zu gewähren, „der das große Lebenswerk des kaum bestatteten Plötz zu zerstören bestimmt ist". Diese Erregung des Bundesorgans ist ganz natürlich und hat gar nichts Ausfälliges an sich. Denn erstens würden bei Ausführung der in der ,Kreuzzeitung^ gemachten Vorschläge die meisten Stellen in der Cen­tralleitung und vielleicht auch diese selbst, und ebenso möglicherweise das Centralorgan mit allen an dem­selben Beschäftigten überflüssig werden. Diese Herren also sühren lediglich einen Daseinskampf, wenn sie gegen derartige Vorschläge sich wehren; sachlich aber lsi ihre Opposition bedeutungslos. Zweitens würde die Folge der Ausführung jener Vorschläge eine ruhige Vertretung der landwirthschaftlichen In­teressen sein, wie sie in den Bauernvereinen be­trieben wurde, ehe in einzelnen derselben sich Sonderbestrebungen geltend machten; das Radau­machen, die Verhetzung der Massen müßten weg­fallen. Das aber gerade ist, was die Bundes- ifiter und Agitatoren nicht wollen; sie fühlen sich mindestens ebenso, wenn nicht mehr, als politische Agitatoren, wie als Vertreter der Land- wirthschaft. Eine ruhioe, rein sachliche Ver­folgung der Berufsinteresfen ist nicht nach ihrem Sinne; denn dabei lassen sich vor Allem keine politischen Lorbeeren ernten.

Der Verfasser der Kreuzzeitungs-Vorschläge würde sich daher einer argen Täuschung hingeben, wenn er etwa des Glaubens sein sollte, er werde im Bundeslager eine irgendwie bemerkenswerthe Gegenliebe finden; der Artikel des Bundesorgans wird ihn von der herrschenden Stimmung unter­richten und von seinen Illusionen heilen. Seine Absicht mag ja eine gute, lediglich von Interesse für die Landwirthschast eingegebene sein, aber auch allgemein betrachtet, erscheint dieselbe schlechterdings unausführbar, weil sie, wenn auch die Verschmelzung mit den Provinzial-Bauern- vereinen in Aussicht gestellt wird, zunächst doch eine neue, gänzlich überflüssige Organisation schaffen würde. Neben den Bauernvereinen be­stehen ja jetzt schon, wenigstens im Westen, Pro- vinzialoereine, und diese beiden Vereinigungen sind zur Vertretung der landwirthschaftlichen Interessen mehr als genügend. Das Richtige wäre daher gewesen, wenn der Verfasser erklärt hätte: Der Bund der Landwirthe, wie er heute besteht, ist überflüssig und sollte aufgelöst werden. Die Berufsinteressen werden von den bestehenden provinziellen und Bauernvereinen hin­reichend gewahrt. Um aber die Bestrebungen der letzter» um so" nachdrücklicher verfolgen zu können, vereinigen die Leitungen der einzelnen Korporationen sich zu einer Art Centralkomitee, das zeitweise zusammenzutreten hat, aus dessen Verhandlungen jedoch politische Erörterungen vollständig auszuschießen sind. Freilich würde auch ein solcher Vorschlag bei der Leitung und Presse des Bundes der Landwirthe auf ebenso heftige Opposition stoßen, wie die hier erwähnten Vorschläge. Die Hoffnung aber, das Centrum für Bestrebungen zu gewinnen, wie die Leitung des Bundes der Landwirthe unter dem Deck­mantel der landwirthschaftlichen Jnteressenver- tretung sie verfolgt, möge man ein für allemal aufgeben.

hätte übernehmen wollen und können. Und des­halb — aus keinem andern Grunde — mußte die Kommission auf eine größere Ausstellung, die sie sonst sicherlich viel lieber arrangirt hätte, ver­zichten. Diesen Thatsachen gegenüber werden hoffentlich Verstimmungen, wo sie vereinzelt etwa bestehen sollten, schwinden. Jedenfalls wird aller­seits anerkannt werden, daß auch eine auf einen Bezirk beschränkte Spezial-Ausstellung an sich ihre volle Berechtigung hat, und daß auch eine solche Interessantes und Gutes bieten kann. Das Be­streben der Ausstellungs - Kommission ging von Anfang an dahin, den Ausfall an Zahl der Gegen­stände zu ersetzen durch die künstlerische Qualität, non multa, sed multum zu bieten, und vor Allem den Besuchern des Katholikentages im Zusammen­hänge ein Bild des Kunstlebens und der Kunst­entwickelung des linken Niederrheins auf christlich­kirchlichem Gebiete vorzuführen. Dies ist jeden­falls ein einheitlicher, logischer Plan, und wenn er gelingt, was wir hoffen, so wird klar werden, daß auch die Lösung einer solchen kleineren Auf­gabe nicht ohne Verdien st ist.

Schon jetzt laufen zur diesjährig en Katho­liken - Versa mlu ng die Anmeldungen in außergewöhnlich großer Anzahl ein. Bis zum Freitag Abend waren laut der.Niederrhein. Volks- ztg.' bereits über 600 Mitglieder-Karten (sogen. Vollkarten) gelöst, eine Zahl, welche 14 Tage vor dem Eröffnungs-Termin bis jetzt noch nicht erreicht war. Dazu kommt noch eine große Zahl Theilnehmer-Karten, welche bereits versandt find. Nach Nachrichten und Anfragen, welche insbesondere aus Rheinland und Westfalen und weiterhin aus allen Theilen Deutschlands, aus Oesterreich, der Schweiz, aus Holland und Bel­gien vorliegen, wird die Befucherzahl diejenige von Dortmund — die bisher größte — minde­stens erreichen. — Vertreter der Presse haben sich bis jetzt schon mehr als 60 angemeldet, darunter auch Vertreter der bedeutendsten nichtkatholischen Blätter; auch die Auslands-Pr esse — Oester­reich, Frankreich, Holland und Belgien — hat bereits eine größere Zahl Vertreter ange­meldet.

Soeben ist auch ein Geleit- und Gedenk­buch zur diesjährigen Katholiken - Versammlung erschienen, welches als willkommene Gabe gewiß allseitig freudig begrüßt werden wird. In vor­nehmer Ausstattung gehalten, behandelt das Büch­lein in knapper und doch erschöpfender Form die Geschichte Krefeld's, die Entwickelung seiner Seiden- Jndustrie und Paramentik, sowie die Geschichte und großartige Entwickelung der katholischen Ge­meinde Krefeld's. Den Sehenswürdigkeiten ist ein besonderes Kapetel gewidmet, welches durch vor­zügliche, zahlreiche Abbildungen eineschätzenswrrthe Bereicherung erhalten hat. Ein Plan der Stadt, owie der Festhalle und des Festplatzes ermöglicht eine schnelleOcientirung. Selbstverständlich fehlen auch nicht die für jeden Fremden nothwendigen allgemeinen Anweisungen, als Droschen - Taris, Dienstmänner - Taris ic. Ein von der Krefelder Wirthe-Vereinigung zusammengestelltes Hotel- und Restaurations - Verzeichniß gibt dem Führer die wünschenswerthe Vollständigkeit.

Muhme Gertrud, deren Leben nach dem Scheitern der eigenen Hoffnungen nur in der Sorge um das Glück ihrer Mitmenschen aufge­gangen, schüttelte traurig den Kopf über die wachsende Selbstsucht des heranblühenden Mägd­leins. Ihr einziger Trost war der Gedanke, daß alles schon anders und recht werden würde, wenn einmal die Liebe an das junge unberührte Herz pochte. Mit namenlosem Schrecken hatte es sie daher ersüllt, als im vergangenen Lenz ein junger französischer Vicomte, ein Neffe des Generals de Monclar, Rosel mit seinen Huldigungen verfolgte und diese dem höffschen Manne nicht abgeneigt schien, obschon der tüchtigste und hübscheste der Steinmetzen,

welche unten in der Bauhütte Hammer und Meißel handhabten in allen Züchten um die Lrcbe des Mädchens, warb. Wie ein Alb war es der guten Alten von der Seite gefallen, als vor etüdjen Wochen eine geheime Sendung des Kommandanten den jungen Vicomte nach Paris führte und kurz darauf Johannes Hochkirchner, der Pflegesohn der vermöglichen Zünftlerswittib Frau Edeltraut Hochkirchner, wirklich die Hand der Jungfrau von dem Vater gefordert hatte. Nun durfte sie doch ruhig fein; der zärtlichen und feurigen Liebe des wackeren Mannes würde gelingen, was ihre ungeschickte Art nimmer ver­mocht hatte. Um seinetwillen mußte Rosel lernen, auf sich selbst zu vergeffen und in dem Glück

Zur 45. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands fit Krefeld.

* Krefeld, 6. Aug.

Die feierliche Eröffnung der Ausstellung lüt christliche Kunst, welche auch dieses Jahr wieder mit der Katholikenversammlung verbunden ist, wird nächsten Sonntag den 14. August, Mit­tags 12 Uhr, erfolgen und bis zum 28. August währen. Die Ausstellung verspricht nach den bis jetzt eingelaufenen Anmeldungen im kleinen Kreise wirklich Großartiges und Schönes zu bieten. Namentlich wird die Paramenten-Jndustrie, wie das für Krefeld selbstverständlich ist, prächtig ver­treten sein. Aber auch zahlreiche köstliche Alter- thümer von theils unschätzbarem Werthe werden dem Auge des Beschauers vorgeführt werden. Auch Kardinal-Erzbischof K r e m e n tz hat mehrere seltene Sachen aus seinem Privatbesitz zur Ver­fügung gestellt, die sonst noch irgends öffentlich ausgestellt waren. Es ist kein Zweifel, daß die Ausstellung einen der hervorragendsten An­ziehungspunkte des Katholikentages bilden wird.

Die Vorbereitungen zu dieser Ausstellung, namentlich die enge Begrenzung, welche das Programm ihr steckte, haben in weiten Kreisen eine lebhafte Diskussion hervorgerufen. Wir haben die Gründe für diese Beschränkung in Kürze bereits mitgetheilt, kommen aber zum Zwecke möglichst allseitiger Klarstellung nochmals darauf zurück. Bekanntlich werden von den lebenden Künstlern nur solche zugelassen, welche im links­rheinischen Theile des Regierungsbezirkes Düssel­dorf ansässig sind. Demgegenüber hat man er­staunt gefragt, warum denn nicht wenigstens Düsseldorf, Köln und Aachen, also die Rheinpcovinz hätte berücksichtigt werden können. Und im Weiteren hat es nicht an süddeutschen Stimmen gefehlt, die in der Beschränkung eine Zurücksetzung der süddeutschen Kunst, die gerade auf christlich-kirchlichem Gebiete auf ganz bedeutender Höhe steht, erblicken zu müssen glaubten. Von der Absicht der Zurücksetzung kann natürlich in keinerWeise die Rede sein. Die Dispositionen für die heurige Kunstausstellung waren gebunden an die finanziellen Fo nds, die dafür zur Verfügung gestellt werden können. Die Erfahrungen in dieferBeziehung redeten da eine nur zu deutliche Sprache. So schloß be­kanntlich die Dortmunder Kunstausstellung mit einem sehr empfindlichen Defizit ab. x Ausschlag­gebend aber war für Krefeld die Ra um frage. Wenn hier eine Kunstausstellung in größerem Stil hätte veranstaltet werden sollen, so hätte ein Ge­bäude dafür eigens aufgerichtet werden müssen. Und das hätte sicher kein Shedbau oder Bretter­bau sein dürfen. Denn bei der Kostbarkeit der vielen Gegenstände, deren Werth sich ost auf viele Tausende beläuft, hätte sich gewiß keine Ver­sicherungsgesellschaft gefunden, um sie gegen Feuersgefahr zu versichern. Auch würden fehr viele werthoolle Sachen unter fo mangeln­der Garantie für ihren Schutz gar nicht hergegeben worden sein. Es wäre also nichts anderes übrig geblieben, als ein massives Aus­stellungs-Gebäude neu zu errichten, und da­mit wären Kosten verbunden gewesen, für welche kein Mitglied des Komitee's die Verantwortung

6 Eine freiwillige Sprengung des Bundes der Landwirthe.

Unter dieser alarmirenden Ueberschrift wendet die ,Deutsche Tageszeitung', das Organ des Bundes der Landwirthe, sich in einem höchst auf­geregten Artikel gegen die konservative,Kreuz- zeitung', die am Freitag Abend einer aus Schlesien ihr zugegangenen Zuschrift Aufnahme gewährt hat, in welchem allerlei Vorschläge gemacht werden, um das Centrum für den Bund der Land­wirthe zu gewinnen. Der konservative Verfasser der Zuschrift legt zunächst einige für uns sehr interessante Geständnisse ab. Er gibt ganz un­umwunden zu, daß der Bund der Landwirthe „ohne das Centrum im Reichstage selbst dann nichts ausrichten kann, wenn sich ihm alle Kon­servativen und Nationalliberalen zur Verfügung; stellen". Nicht minder richtig und zutreffend wie dieser Satz ist ein anderer, in dem es heißt, die Centrumspresse lasse keinen Zweifel darüber, daß das Centrum dem Bunde hauptsächlich deshalb widerstrebe, weil er ein politischer Verein sei, daß dagegen unpolitische Organisationen zur Interessenvertretung der Landwirthschast au: provinzieller Grundlage ganz nach dem Sinne des Centrums seien. Von diesen Feststellungen ausgehend kommt der Verfasser dann zu der Er­örterung der Frage, ob sich nicht ein Weg zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten, zur Gewinnung des Centrums für die Bundesbestrebungen ftnden lasse. Er läßt es aber nicht bloß bei der Er­örterung, sondern macht auch praktische Vorschläge, mit Hilfe deren seiner Ansicht nach jenes Ziel sich erreichen lasse. Zu diesem Zwecke müßte mit dem Prinzip der Centralisation gebrochen, die Interessenvertretung der Landwirthschast provinziell geregelt werden. Im Einzelnen schlägt er vor:

1. Der Bund der Landwirthe löst sich in Provinzialvereine auf, unter die das Bundesver­mögen nach Maßgabe ihrer Mitqliederzahl ver- theilt wird.

2. Die Provinzialvereine sind durchaus selbst­ständig. Sie behalten — abgesehen von den nothwendigen redaktionellen Aenderungen — vor­erst die Statuten des Bundes bei; und die Charakteristik des Bundes als eines „politischen" Vereines fällt weg.

3. Es wird den Provinzialvereinen anheim gegeben, sich mit den Bauernvereinen ihrer Pro­vinz zu verschmelzen.

4. Die verschiedenen Bauernvereine verbünden sich zu einer Konföderation. Diese wird darge­stellt durch die Präsidenten der einzelnen Vereine, welche jährlich einmal oder nach Bedarf mehrmals in Berlin zusammentreten und Beschlüsse über das fassen, was nach ihrer Auffassung und der von ihnen geleiteten Vereine zur Vertretung der ge- sammtdeutschenLandwirthschaftsinteressenerforder- lich ist. Alle diese Vorschläge nun sind es, welche das Bundesorgan ganz verwirrt gemacht haben; es nennt den Vorschlag einen „vollständig unreifen, thörichten", den es „für einen Frevel an der deutschen Landwirthschast" erklären müßte, wenn es ihn „überhaupt ernst nehmen" könnte. Dann schilt es die.Kreuzzeitung', die es „fertig gebracht"

Auf der Keichsrvacht.

Erzählung von A. Jüngst.

------- (Nachdruck verboten.)

eines Anderen das eigene höchste Glück zu finden.

Darum lächelte auch heute Muhme Gertrud dem eintretenden Paare den freundlichsten Will­kommengruß entgegen trotz ihrem vorherigen Un­willen über die Säumigen; sie rückte sogar be­reitwillig zur Seite, um ihnen den besten Platz am Tische einzuräumen.

Während der junge Steinmetz auf Andreas Mevus, den langjährigen Thürmer zu Unserer lieben Frauen von Straßburg, zuschrilt und dem Alten mit einem herzlichen „Grüß Gott, Vater!" die Hand reichte, war Rosel auf der Schwelle stehen geblieben. Sie rümpfte verächtlich das feine Näschen und rief:

„Hui, Vater, welch' ein abscheulicher Rauch!"

„Schilt mir das duftige Kraut nicht, welches der Vetter als kostbare Zehrung mitgebracht", nickte der Angeredete behaglich schmauchend. „Wenn's die hochmögenden Herren da unten wüßten, daß wir hier oben einen solchen Tabak rauchten zur Nacht, sie würden schöne Gesichter dazu machen. Aber ob auch Steuer und Strafe darauf steht! über ein heilkräftig Trünklein aus der Pfeise geht doch nichts. Wirkt Wunder, reine Wunder, sage ich Dir."

„Ja," lachte der Vetter, ein vierschrötiger Bauer, der neben dem Thürmer auf der Ofen­bank faß. „wenn der andere Trunk dabei nicht fehlt." Er deutete auf die halb geleerten Becker und den mächtigen Steinkrug in der Mitte des Tisches. „Und das ist also der Johannes Hoch- krchner, seines Zeichens Steinmetz und künftiger Meister, der unsere Rosel zu seiner ehrsamen Hausfrau begehrt", fuhr der Pfälzer fort, indem

Inftrate: Die ein­spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit- zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

er forschend die stattliche Gestalt, das offene Ge­sicht des vor ihm Stehenden betrachtete. „Da habt Ihr meine Hand, Johannes Hochkirchner ! Schlagt ein, junger Herr, Ihr gefallt mir. Und nun laßt uns die neue Freundschaft mit einem guten Tropfen begießen."

„Rofel, lange den gebauchten Becher, daraus der Herzog von Lothringen den Ehrentrunk ge- than, als er Anno siebzig den Thurm bestieg, vom Kandelbrett herunter," gebot Mevus der noch immer zögernden Tochter. „Heute soll er gebraucht werden, Johannes," der Thürmer nannte den künftigen Eidam nur mit vollem Namen, „ist seiner werth."

Nachdem Rosel dem Geliebten den Becher gefüllt und mit schelmischem Lächeln kredenzt, und dieser den ihm zutrinkenden Männern Bescheid gethan hatte, ließ sich die Maid auf einem kleinen Schemel vor dem Spinnrad nieder, indeß Hans einen der schweren Holzstühle heranzog. Aber das Rädchen schnurrt nicht wie sonst in behag­lichem Gleichmaß, der Faden riß und riß immer wieder, bis die Muhme sich erhob, und Rosel ihr zur nöthigen Hilfeleistung in die Küche folgen mußte. Run erst betheiligte sich der junge Stein­metz an dem ernsten Gespräche der Männer, die fort und fort unterlaut mit einander geredet und nur bisweilen mit bedeutsamem Kopfnicken dem Geflüster der Liebenden gelauscht hatten.

„Ihr seid auch kein Franzosenfreund, wie ich >öce," wandte sich der Pfälzer an den näher Heranrückenden.

„Daß mich Gott bewahre! Wäre es nicht um meiner Ziehmutter und Rosels willen, ich würde der Stadt den Rücken kehren und nicht

Erscheint täglich, , m. Ausnahme der 6onn« und Feier­tage. Bierteljährl.

. -»rugspreir

■ »hne Bringerlohn . »nd Bestellgeld in Fulda und aus- wärt-IM. 50 Pf.

eher wieder kommen, bis der letzte Wälsche das Elsaß verlassen."

„Da dürstet Ihr vielleicht lange warten müssen," meinte der Bauer nachdenklich. „Es schaut nicht gut aus im Deutschen Reich."

„Der Kaiser, der Reichstag können uns nicht im Stiche lassen," suhr Hans auf. „Sie dürfen Straßburg, den Schlüssel, die Vormauer des heiligen römischen Reiches, wie Kaiser Maxi­milian es nannte, nicht aufgeben und den Händen der Franzosen überantworten. Erinnert Euch doch der schönen Worte Karls V.: „Wenn Straß­burg und Wien zugleich in Gefahr wären, so würde ich zuerst Straßburg zu retten suchen."

„Schöner Reichstag," spottete Vetter Jakob und begleitete jedes seiner Worte mit gewichtigem Kopfnicken, „der seit fast dreißig Jahren zu Regensburg um Titularen und kleinliche Vorrech te ich streitet! Und die Reichsarmee? Daß sich Gott erbarm'! Habt Ihr denn schon vergessen, wie die Franzosen in der Pfalz gehaust, wie sie gesengt und gemordet und das blühende Land in eine Wüste verwandelt haben, ohne daß die endlich mit Mühe und Noth aufgebotene Streitmacht des Reiches dem gewaltthätigen Melac Einha lt zu thun vermocht hätte. Hättet Ihr gleich m ir gesehen, wie die räuberischen Horden Speyer und Worms in Brand steckten, die Kaisergräbe r plünderten und die vermoderten Gebeine unter Spott und Hohn auf die Straße streuten, ohne daß eine Hand ihnen wehrte, Ihr würdet nicht mehr auf die Hilfe des Reiches hoffen. Wenn nicht der Himmel ein Einsehen hat und durch ein fürchter­liches Strafgericht die Wälfchen vom Antlitz der Erde vertilgt, ist Straßburg und das Elsaß pL

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