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FuldaerMIeitung

M 177

Zweites Blatt

JuL'öa, Samstag, den 6. August 1898

25. JahrgMg.

Festhalle und Festplatz

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Restaurations-Saal

Reservirte

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Vorderansicht der Festhalle.

Restiuriüoos Balle

Inserate: Die rin« spalt. Garmond­zeile ober deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholunge« wird entsprechend. Rabatt gewährt.

a- Eingang

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 6. August.

An politischem Stoff scheint es während der heu­rigen Ferienzeit der Presse nicht mangeln zu sollen. Haben in den beiden letzten Wochen der „Lippe'sche Streitfall" und verschiedene andere Dinge die Spalten der Blätter reichlich gefüllt, so ist jetzt ein Ereigniß eingetreten, welches dies in noch weit höherem Maße Ihut: Der Tod des ersten Kanzlers des neuen deutschen Reiches, des Fürsten Bismarck. An sich kann der Tod dieses Mannes nicht überraschen: er hatte ein Alter erreicht, 83 Jahre, das die große Mehrzahl der Menschheit nicht sieht. Dazu war der wenn auch mächtige Körper durch mannigfache Leiden, die Be­schwerden des Alters und nicht am wenigsten vielleicht auch durch leidenschaftliche Gemüthserregungen, in denen der Verstorbene, wie in vielem Andern, sich nicht zu beherrschen vermochte, schon längst geschwächt, so daß mancher Andere unter gleichen Verhältnissen, -ohne die sorgfältige ärztliche Pflege, die der Fürst genoß, schon längst den Weg alles Fleisches gegangen wäre. Freilich mochten Diejenigen, welche den ersten Kanzler unter die Götter versetzen, an einen Gott und an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele aber nicht glauben, wähnen, er sei unsterblich, dürfe nicht wie andere Menschen dem unerbittlichen Tode und der Verwesung anheimfallen. Diese sind, nun dieses Loos ihn doch getroffen, furchtbar schnell sogar ge- troffen hat, — denn kaum war er tobt, da begann schon die Verwesung ihr Werk, so daß er rasch in den Sarg gelegt und dieser verlöthet werden mußte — fassungs- lo». Vernünftige Menschen aber denken anders, weil sie wissen, daß alle Menschen, mögen sie auch noch so hoch stehen, noch so mächtig und unüberwindlich scheinen, doch eines Tages sich hinlegen und sterben müssen, wie der ärmste Bettler.

Daß der Fürst, der im Leben geehrt und gefeiert worden, wie kaum ein anderer Mitlebender, auch nach seinem Tode geehrt wird, ist selbstverständlich. Seine Verehrer und namentlich diejenigen unter ihnen, die er durch seine Politik begünstigt und bereichert hat, überbieten sich in Ehrenbezeugungen für ihn und wissen sich darin gar nicht genug zu thun. Ganz gewiß: hätte eine wenn auch nur kurze Verlängerung der Lebensdauer des Hingeschiedenen um Millionen erkauft werden können, sie würden geopfert worden sein von Denen, welchen seine Politik Millionen ein­gebracht hat. Aber was kann das Alles dem nützen,

der selbst sein unermeßliches Vermögen hier zurück­lassen und bereits vor einem höher» Richter, der ohne Ansehen der Person urtheilt, Rechenschaft von seiner Verwaltung ablegen mußte. Für die g e s ch i ch t l i ch e Beurtheilung des Kanzlers und seines Wirkens ist alles das, was in den letzten Tagen in so über­schwänglicher Weise zu seinen Ehren aufgeboten wurde, ebenfalls ziemlich bedeutungslos; denn die unparteiische Geschichtsschreibung legt einen ganz anderen Maßstab an, als die von Sympathien und Antipathien beein­flußten Urtheile der Menschen. Und das Urtheil der unparteiischen Geschichtsschreibung wird in vielen Punkten ganz anders lauten, als die Lobeshymnen auf den Verewigten, die eben durch die Blätter gehen.

Fürst Bismarck hatte große politische Erfolge in seinem Leben zu verzeichnen, mehr als irgend ein Staatsmann dieses Jahrhunderts, Napoleon I. vielleicht ausgenommen. Aber bei gar vielen dieser Erfolge darf nach den Mitteln, mit denen sie erzielt worden, nicht geforscht werden. Noch weniger darf man das bei seinen Verirrungen im Kulturkämpfe, seinen Ver­suchen, die Kirche unter seine Gewalt zu beugen, sie zur Magd des Polizeistaates herabzuwürdigen. Diese Versuche kennzeichnen die traurigste und für das deutsche Reich beschämendste Periode seiner amtlichen Thätigkeit. Allerdings hat er später Manches von dem — leider nicht Alles — was er auf der Höhe seiner Macht in frevler Selbstüberhebung aufgebaut, abgetragen, aber doch nicht in Erkenntniß des begangenen Unrechts, der verfehlten Politik, sondern weil er sich fest gefahren sah, nicht weiter konnte, ohne wenigstens einen Theil der Unbill zu sühnen und wieder gut zu machen, die er Millionen der besten Staatsbürger zugefügt hatte. Um dieser theilweisen Wiedererstattung willen sei ihm verziehen, was er der katholischen Kirche und ihren Bekennern angethan, aber es vergessen und verschweigen in dem Augenblick, da er als der „größte Sohn des Vaterlandes", als ein Heros in jeder Hinsicht hinge­stellt wird, hieße die Gerechtigkeit verletzen. Hätte Fürst Bismarck sich auf die Leitung der auswärtigen Politik beschränkt, in der er Erfolgreiches geleistet hat, und die der innern, in welcher er nie eine glückliche Hand hatte, andern, geschicktem Händen überlassen, so würde er jetzt, bei seinem Tode, größer da gestanden, allgemeinere Anerkennung gefunden haben, als es so der Fall ist. Er würde dann wahrscheinlich auch länger im Amte geblieben sein, da seine Mißgriffe in der innern Politik seinen Sturz herbeiführten, hätte einen freundlicheren Lebensabend gehabt und nicht sich und Andern soviel Verbitterung und Verdruß bereitet. Für ihn so wenig wie für seine Verehrer kann die

bestanden sind, bieten sie einen angenehmen, schattigen Aufenthalt. Am dritten Tage der Generalver­sammlung, Mittwoch den 24. August, Abends 8 Uhr, wird hier für die Mitglieder und Theilnehmer des Katholikentages ein Gartenfest stattfinden.

Alles in Allem genommen, wird der bevor­stehende Katholikentag sich eines Heims erfreuen.

Erinnerung an alles das, was er seit seiner Entlassung gethan hat, um seinen Nachfolgern die Ausführung zu erschweren und seiner Abneigung gegen die ihm miß­liebigen Parteien Ausdruck zu geben, eine angenehme und erfreuliche gewesen sein, ganz abgesehen davon, daß dadurch auch sein Andenken bei der Nachwelt ge­trübt wird. Nun ist er dem Streite der Parteien entrückt, und es wird hoffentlich jetzt etwas mehr Ruhe und Stetigkeit in unsere verworrenen politischen Ver­hältnisse kommen, denn das kann keinem Zweifel unter­liegen, daß der fortgesetzte Zickzack-Kurs der letzten Jabre nicht unwesentlich von Friedrichsruh aus be­einflußt wurde.

Die Lippe'sche Angelegenheit trat in Folge des Todes Bismarcks etwas in den Hintergrund, ist aber noch keineswegs erledigt und wird der öffentlichen Diskussion noch einige Zeit Stoff bieten. Neuerdings sind noch weitere Einzelheiten bekannt geworden, die den peinlichen Eindruck, den die Sache von Anfang an machte, noch verstärken müssen. Wie nämlich die Lippe'sche Regierung erklärt, hatte der Regent gar nicht die Einführung des Grußreglements für seine Kinder verlangt; dasselbe bestand vielmehr. Der kom- mandirende General in Münster aber hob das Regle­ment plötzlich auf, zweifellos auf Befehl von Berlin aus. Nun verlangte der Regent blos, und das kann ihm doch wahrlich Niemand verübeln, daß der frühere Zustand hergestellt werde. Und darauf erhielt er die Aufsehen erregende Antwort vom Kaffer. Er hat übrigens kürzlich eine Unterredung mit dem Reichs­kanzler gehabt; es dürfte daher bald irgend eine neue Wendung in der Angelegenheit erfolgen. Welcher Art dieselbe auch sein möge, die Begeisterung für das neue deutsche Reich wird sie nicht fördern — wohl aber etwas Anderes.

In Oesterreich-Ungarn werden die politischen Schwierigkeiten immer größer. In Folge des Parla­mentsschlusses ruht die Sprachenfrage zwar für den Augenblick; dafür aber ist die Frage des verfassungs­mäßigen finanziellen Ausgleichs mit Ungarn um so brennender geworden, und Niemand vermochte bis jetzt, dies schwierige Werk zu Ende zu bringen. Die Ungarn, die von jeher größere Freunde des Nehmens wie des Gebens waren, wollen in Bezug auf den Ausgleich möglichst viele Rechte, aber möglichst wenig zu den gemeinschaftlichen Staatskosten beitragen; sie wollen herrschen und die gutmüthigen Oesterreicher sollen zahlen, was diese bisher auch thaten; denn anders kann man's nicht nennen, wenn Oesterreich stark zwei Drittel, Ungarn aber kaum ein Drittel der gemeinschaftlichen Kosten zahlt. Nun scheint aber den

Oesterreichern doch die Geduld auszugehen, denn sie weigern sich entschieden, auf solcher Grundlage mit beit Herren Magyaren weiter zu wursteln. So steht oie Partie: keiner will nachgeben. Unb boch muß die Frage vor dem Winter gelöst werden. Man hat nun den Reichsfinanzminister für Bosnien, v. Kallay, zu Rathe gezogen. Ob es ihm gelingen wird, die wider- smbenden Köpfe unter einen Hut zu bringen, wird sich zu zeigen haben.

wie es bisher wenige Generalversammlungen ge­habt haben, sowohl was die Größe des Festlokals wie seine Anlage und Einrichtung anbetrifft. Daß der Festplatz und die auf ihm errichteten Gebäulichkeiten auch an festlichem, Auge und Herz erfreuenden Schmucke keinen Mangel haben werden, ist selbstverständlich.

In der nebenstehenden Skizze finden die Leser unserer Zeitung einen Plan der Festhalle und des Testplatzes der bevorstehenden 45. Generalver­sammlung nebst Abbildungen der Vorderansicht der Festhalle und des Restaurationsgebäudes.

Der Festplatz liegt im nordwestlichen Theile der Stadt, dem Bahnhof Krefeld-Nord gegenüber, auf dem Terrain des sogen. „Drießenhofes", das -einen Flächeninhalt von ungefähr 5 preußischen Morgen (ca. 13000 Quadratmeter) hat. Von den drei Eingängen zum Festplatz befinden sich zwei an der den „Drießenhof" westlich begren­zenden Hofstraße, in die man entweder vom West­wall, der Nordstraße oder der Drießendorfer- straße aus oder durch die Oranienstraße gelangt, und zwar führt der nördliche Eingang an der Kaffe vorüber unmittelbar zum Haupt-(Eingangs-) Portale der Festhalle, der südliche zum Restau­rationssaale. Ein dritter Eingang ist an der Ostseite von der Weberstraße her angebracht.

Die Festhalle selbst ist ein Rundbau, in Holz- konstruktion hergestellt, welcher einen Durchmeffer von ca. 46 Metern hat und bei dem amphithea- tralischen Aufbau der Sitze 1774 Quadratmeter Fläche bietet. Damit übertrifft die Krefelder Festhalle die größten Säle, in welchen jemals unsere Katholikenversammlungen getagt haben, den Hauptsaal des Fredenbaum zu Dortmund, der eine Größe von 1595 Quadratmeter aufweist, um 179 Quadratmeter. Nach Angaben des deutschen Baukalenders für 1898 über die Größen- verhältniffe bekannter Säle steht sie nur hinter einem einzigen Saale Deutschlands, dem des Palmengartens in Charlottenburg, der 2461 Quadratmeter mißt, zurück. Die Festhalle fast bequem 6000 Personen, liebet die Anordnung der Plätze, die Lage der Ein- und Ausgänge gibt der Plan deutlich Aufschluß.

Unmittelbar an die Festhalle anschließend be­finden sich die nothwendigen Geschäftsräume für die Generalversammlung und zwar zunächstliegend ein hübsch ausgestattetes Zimmer für das Prä- sioium der Generalversammlung; daneben folgen geräumige Lokale für Presse (mit nebenliegendem Telephon), Stenographie, 6k6-Bureau und für Kommissionen. Diesen Räumen gegenüber auf der andern Seite eines 4 Meter breiten Korri­dors liegt der Raum für Post und Telegraphie, so daß derselbe für den Verkehr mit dem Publi­kum von der Gartenseite bequem zu erreichen ist. Anstoßend an diese Geschäftsräume liegt eine ca. 500 Quadratmeter große, nach dem Garten hin offene Restaurationshalle.

Eingang

Die südliche Hälfte des Festplatzes wird von Anlagen eingenommen, in deren Mitte etwa sich ein 600 Quadratmeter großer Restaurationssaal erhebt, ein vor Jahren abgebranntes, jetzt aber wieder hergestelltes Gebäude, das auch vor dem Brande Restaurationszwecken gedient hat. Da die Anlagen mit dichtbelaubten alten Bäumen

Der Freisinn und der Nassauische Gewerbeverein.

Unter dieser Ueberschrift bringt die heutige Nummer der ,Köln. Volksztg/ folgende recht interessante Ausführungen: Zur Zeit' der letzten Reichstagswahl hat das freisinnige Wahlkomitee zu Wiesbaden einige Flugblätter herausgegeben, welche den Zweck hatten, die katholischen Wähler im Kreise Wiesbaden-Rheingau günstig zu stimmen sür den Stichwahl-Kandidaten Herrn Louis Wintermeyer. Damals las man mit Staunen, von welch' christlichen Grundsätzen der Freisinn durchdrungen zu sein schien. Da wurden Aus­sprüche des hl. Vaters gegen die Sozialdemokratie verwendet. „Hütet euch," hieß es, „vor den falschen Propheten, die euch und euren Familien euren guten christlichen Glauben, die kräftige Stütze auf dem Lebenswege und den besten Trost in der Todesstunde rauben wollen und euch in's ewige Verderben führen" . . . „Einen Sozial­demokraten bei der Wahl unterstützen, das wäre Verrath an euerm Gott und euerm christlichen Glauben, den ihr von euern Eltern ererbt habt und euern Kindern zu überliefern gewillt und verpflichtet seid." In solchen und ähnlichen Wendungen ergingen sich die freisinnigen Wahl- Flugblätter.

Damals rief die wunderfcheue Welt aus: „Es geschehen Zeichen und Wunder, die Noch muß groß sein, daß die Freisinnigen sogar die päpstlichen Rundschreiben studiren, um sich und andere vor bet gottlosen Pest des Sozialismus zu bewahren!" Gewisse Skeptiker wollten aber das Auguren-Lächeln der neuen Katholikenfreunde beobachten. Diejenigen gar, welche ihre Pappen»

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45. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Krefeld

Das engere Keim der 45. cheneralversammkung der Katholiken Deutschlands z» Krefeld.

-Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn-unb Feier- tage. Bierteljährl. Aerugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

mit Nnterhaltungs-Meilage „Iffustrirte Sonntags-Iertung"

a Ausgang

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T9 I- Fest-Halle.

a Eingänge u Ausgänge b Vorstand etc

c Redner

d Presse

e Reservirte Plätze

f Damen-Tribüne

II. Nebenbau.

I. Präsidenten-Zimmer

2. Presse Arbeitszimmer

3. Stenographen- „

4. C-P.-C.-Bureau

5. Commissionszimmer z '</

6. Post, Telegraphie und Telephon

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Vorderansicht des Restaurationssaales

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