Einzelbild herunterladen
 

FuldaerMZeitung

Iu0öa, Freitag, den 5. August 1898

25. Jahrgang.

M 176.

Tntit an» »ertafl b«t Silben Xditn»ni<fe«L peteresage Hf. 2 (txmnoni»)-

Infnatt: Die ritt* spalt. Garmond* »eile oder bereu Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit* yüt 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Lietteljährl.

, Ke,ug»prti- ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus* wärt-IM.bVPf.

Unterhaltungs-Beilage „Issnstrirte Sonntags-Zeitung

Dentsches R<^ch.

Berlin, 4. August.

* liebet den derzeitigen Stand des Kovfesfionek- ke« Uekigiousttuterrichtes derjenigen evan­gelischen Kinder, welche katholischeSchu- l e n besuchen, werden eben von den einzelnen Konsi­storien Erhebungen angestellt. Es handelt sich hierbei um die Feststellung der Zahl der evangelischen Kinder in den einzelnen Schulen und um die An­gabe, ob und auf welche Weise sowie auf wessen Kosten die in Rede stehenden Kinder konfessionellen Unterricht erhalten und eventuell wie und mit welchen Mitteln dieser Unterricht eingerichtet werden kann. — Gewiß wäre es recht wÜnschenswerth, wenn auch umgekehrt Erhebungen Über den konfessio­nellen Religionsunterricht derjenigen katholischen Kinder veranstaltet würden, welche evangelische Schulen besuchen.

* Wie die ,Germania" meldet, hat der Vor­stand der ostpreußischen Landwirthschaftskammer beschlossen, 100 schwedische Arbeiter zu besorgen, für die Reisekosten bis zu 1000 Mark aus der Kasse der Kammer zu bewilligen und über die Erfolge s. Z. Erkundigungen einzuziehen. Außer­dem wurde beschlossen, eine Statistik über die in Ostpreußen aufdem Lande leerstehenden Wohnungen zu veranlassen und die Einrichtung eines Arbeits­nachweises für inländische Arbeiter ins Auge zu fassen. Betreffs des Versuches mit der Beschaffung ländlicher Arbeiter aus Schweden und Norwegen theilte der Vorsitzende noch mit, daß der Ober­präsident gebeten worden sei, die deutschen General- konfulate in Norwegen und Schweden anzuweisen, der Landwirthschaftskammer rathend zur Seite zu treten, daß eine Antwort jedoch noch ausstehe. Die Kammer müsse sich über die Erfahrungen, welche mit der Beschäftigung schwedischer Arbeiter bereits in anderen Provinzen gemacht worden sind, orientiren. Der Vorstand beschloß demgemäß. Da die schwedischen Arbeiter so bedürfnißlos und so billig sein sollten, wie die polnischen Arbeiter, ist kaum anzunehmen. Um dem „nationalen" Interesse zu dienen, werden daher die Herren Großgrundbesitzer tüchtig in ihre Tasche greifen müssen, wenn sie schwedische Arbeiter zuziehen!

* Mehr Aufmerksamkeit scheint man nun seitens der Regierung wieder dem Klein­gewerbe zuwenden zu wollen. Der preußische tandelsminister hatte durch Geheimrath Simon rmittelungen anstellen lassen über die zurIör- der««g des Kkeingeweröes in Oesterreich ge­troffenen Maßnahmen. Die ,Magdeburgische Zeitung" kann diese Nachricht dahin ergänzen, daß das Ergebniß der Untersuchungen des Geheim­raths Simon in folgenden geplanten Maßnahmen zur Kräftigung des gewerblichen Mittelstandes in Preußen zum Ausdruck kommt: 1) Vermehrung und weitere Ausgestaltung der gewerblichen Fort- bildungs- und Fachschulen für Knaben und Mäd­chen, insbesondere durch Einrichtung von Lehr­werkstätten als Ersatz oder Ergänzung der Meisterlehre. 2) Ausbildung der Handwerks­meister in Kalkulation, Buchführung und prakti­schen Arbeiten in Meisterwerkstätten, durch Ab­haltung von sogenannten Meisterkurfen, zunächst für Schuhmacher, Tischler und Schlosser. 3) Veranstaltung ständiger Ausstellungen von muster-

Anf der Ueichswacht.

Erzählung von A. Jüngst.

Anno 1701. 2. Juni. ist. der. Bläser, mit. einem. Schlag­fl ass, hir. ligen. bl even. mit. Namen. Andreas. Mevas. Hat. den. Dienst, versehen.41 Jahr.

Inschrift im Treppenauf­gang des Straßburger Mün- sterlhurrnes.!

I.

Ein sanfter Abendwind strich vom Wasgen- walv über die alte Reichshauptstadt an der Jll. Die Sonne war eben untergegangen, dampf­weißer Nebel stieg in der Rheinebene auf. Auch durch die engen Gassen und Gäßchen der Veste schlichen graue Schatten und krochen langsam an den hochgiebligen Häusern empor. Nur das wunderbare Gebäu des Münsters mit seinem alles beherrschenden Thurme lag noch in voller Klar­heit, umwoben von glänzendem Wiederschein, als ob das Licht sich nicht trennen könne von dem lebendig gewordenen Steine.

Wer hätte auch jemals in deutschen Landen ein Werk geschaut wie dieses, so kühn erfaßt, so meisterhaft ausgeführt, daß noch die spätesten Geschlechter vor ihm sich beugen, und unwillkür­lich ein Schrei der Bewunderung der Brust ent­fährt, wenn zum erstenmale das Auge auf ihm ruht? Wie ein Schauer begeisterter Freude, demüthigheiligen Stolzes überfluthet's die Seele, daß Menschengeist solches erdenken, Menschenhand solches schaffen durfte. Der Blick kann sich nicht erf artigen an der Schönheit der statuengeschmückten Schauseite, der herrlichen Fensterrose und muß

gütigen Kraft- und Arbeitsmaschinen und Werk­zeugen. 4) Bildung und Unterstützung lebens­fähiger Rohstoff-, Werk- und Magazingenoffen- schaften. Im nächsten Etat des Staatshaushaltes sollen die nöthigen Mittel hierfür bereit gestellt werden.

* Wie die .Berliner thierärztliche Wochenschrift" meldet, wird eine A e n d e r u n g in der Besoldung der Kreisthierärzte in Preußen beabsichtigt. Eine an die Kreisthierärzte gerichtete behördliche Umfrage hat zum Zweck, die Höhe ihrer Einnahmen aller Art, sowie ihre Stellung zu einer etwaigen Gewährung von Pauschalentschädigungen an Stelle der Tagegelder und Reisekosten zu übermitteln.

* Die ,Magdeb. Ztg." bringt zur deutsche« Zucker - Ausfuhr nach de« Vereinigte« Staate« vo« Nordamerika folgende Mit­theilung:

Deutscher Rohzucker, welcher nach der amerikanischen Statistik seit November v. I. in Folge der Dingley- Tarifbill überhaupt nicht mehr nach der Union ausge­führt worden ist, ist im Monat April d. I. zum ersten Male wieder in den Vereinigten Staaten von Nordame­rika eingeführt worden, und zwar zu dem bescheidenen Werthe von 79,196 Doll. Nach der deutschen Statistik zu schließen hat sich inzwischen die Einfuhrziffer etwas gehoben, immerhin bleibt der Import aus Deutschland gegen den der früheren Jahre erheblich zurück. Ver- muthlich würde die Einfuhr g ößer gewesen sein, wenn den deutschen Exporteuren allgemeiner bekannt wäre, daß deutscher Zucker, der mit einem Gehalt von wenigerals 90 v. H. in Deutschland keine Ausfuhr-Prämie erhält, dem Zuschlagszoll des Dingley-Tarifes nicht unterliegt. Auch ist wohl anzunehmen, daß von dem eingeführten Zucker bedeutende Mengen einen Gehalt unter 90 Grad gehabt haben und dafür doch ein Zuschlagszoll bezahlt worden ist.

* Wie jetzt feststeht, soll der nächste ittfer- «alronake Sozialistenkongretz im Jahre 1900 wieder in Paris stattfinden. Wie der »Vor­wärts" rnittheilt, soll Anfangs beabsichtigt ge­wesen sein, den Kongreß in Deutschland zu ver­anstalten ; man habe aber diesen Gedanken auf­geben rnüffen, weil man keinen Ort gefunden habe, der Sicherheit gegen die Gefahr einet Aus­lieferung eines ausländischen Delegirten an irgend­eine befreundete Macht, z. B. an Rußland, bieten könne. Da man den ausländischen Delegirten „Freiheit und Sicherheit nicht hab? garantiren können", habe man „den französischen Brüdern die Ehre des Kongteffes überlassen", den vor- bereiten zu helfen, die deutsche Sozialdemokratie mit allen Kräften beflissen sein werde. Berliner Blätter vermuthen, daß andere Gründe als der angegebene für die Nichtabhaltung des Kon­gresses in Deutschland maßgebend gewesen seien.

* Münfler, 4. August. Um 9 Uhr gestern Morgen hielt, wie schon berichtet, die General- vetsammlung der Görtesgesellschaft int großen Rathhaussaale ihre erste allgemeine Sitzung ab. Dieselbe wurde durch Freiherrn v. Hertling eröffnet, auf dessen Bitten Herr Weihbischof Graf Galen der Versammlung den Segen ertheilte. Dann entbot Herr Oberbürger­meister Jungeblodt als Vertreter der Stadt freundlichsten Willkommengruß. Herr Prälat Dr. Hülskamp begrüßte die General-Ver­sammlung Namens des vorbereitenden Komitee's. Herr Prälat Hülskamp machte darauf einige ge­schäftliche Mittheilungen. Dann erstattete der Generalsekretär Herr Dr. Cardauns den Geschästs-

doch wieder, aufwärts schweifen zu der Pyramide des Thurmes, deren durchbrochener Helm, in immer neuen lieblichen Verschlingungen sich ver­jüngend, bis zu den Wolken des Himmels hinan­reicht! Die ersten Strahlen der Sonne grüßen den hochragenden Bau, und die letzten zögern auf dem mächtigen Knaufe, welchen ehedem ein Standbild der allerseligsten Jungfrau krönte.

Auch heute lag trotz der in der Tiefe wal­lenden Nebelstreifen ein milder Glanz auf dem ehrwürdigen Gotteshause. Gold und purpurn angestrahlt, funkelte die Spitze, diese „holde Mai­blume, das Entzücken aller Augen",*) in der durchsichtig blauen Luft, umschwirrt von zahl­reichen Schwalben, den letzten des Jahres. In dem verklärenden Schimmer des Abendlichtes glich der prächtige, wunderwürdige Dom viel eher einem zur Wirklichkeit gewordenen Feentraum, als einem Gebilde von Menschenhand. Das mochte auch dem jungen Manne dünken, der in Gedanken verloren an der Brüstung der Platt­form lehnte. Die Arme über einander geschlagen, schaute er unverwandt auf das vielgestaltige Gerank, welches an den leichten Mauerpfeilern emporklettert und die schlanken Fenster so kunst­voll umwindet, daß die schmalen Eckthürme nur wie hingehaucht erscheinen.

„Die Störche sind fort, die Schwalben rüsten zum Abzug, und ich, wie lange wird meines Weilens noch hier sein?" murmelte der Sinnende endlich, mit der Hand das lichtblonde Haar aus der Stirne streichend. „O Straßburg, wenn ich dich laffen muß, wann und wie werde ich dich

*) Ausdruck eines alten Bischofs.

bericht. Die Versammlung ertheilte auf Antrag der Revisoren dem Generalsekretär Decharge und sprach der Verwaltung ihren Dank für die Leitung der Geschäfte aus. Die bisherigen Rechnungs-Revisoren, Bankdirektor Elkan und Kaufmann Rody in Köln, wurden wiederge­wählt. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurden als neue Vorstandsmitglieder acceptirt die Herren P. Jeiler (Quaracchi bei Florenz), Prof. Killing, gegenwärtig Rektor der Akademie Münster, Geheimrath Prof. Niehues (Münster), Prof. Pieper (Münster), Prof. Pohle (Breslau), Dompropst Dr. Scheuffgen (Trier), Privat- Dozent Dr. Wey mann (München). Hierauf hielt Herr Rektor Schulte (Münster) feinen Vortrag über die Sehenswürdigkeiten von Münster auf dem Gebiete der kirchlichen und profanen Architektur, sowie der Kleinkunst, worauf sofort die Besichtigung des Domes und feiner Kunst­schätze unter Führung des Herrn Dompropstes erfolgte. Des Nachmittags um 5 Uhr begannen die Sektionssitzungen. In der historischen Sektion berichtete Herr Privat-Dozent Dr. C. W e y m a n (München) über das Historische Jahrbuch. Dann hielt Monsignore Dr. Stephan Ehses einen höchst interessanten, auf ungedruckte Materialien, vornehmlich aus den französischen Nuntiatur- Berichten, aufgebauten Vortrag über die Stellung des Königs Franz I. von Frankreich zu der Be­rufung eines allgemeinen Konzils in den Jahren 1536—1539. Gleichzeitig tagte unter dem Vor­sitze des Herrn Professors Dr. Schütz (Trier) die philosophische Sektion, in welcher Herr Dr. Weyman die neuere Literatur über die pseudo-cyprianischen Schriften behandelte und Pater Jeiler (Quaracchi bei Florenz) einen Vor­trag über Fragen aus dem Gebiete der Erkenntniß- Theorie hielt. Bei dem Abend-Kommers, den die katholischen Studenten-Korporationen Münster's zu Ehren der Gesellschaft veranstaltet hatten, war das Lortzing-Theater dicht gefüllt. Kand.phil. Neunheuser begrüßte die Corona. Stud. theol. Willke widmete Leo XIII. und Wilhelm II. ein Hoch. Dr. Car da uns dankte Namens der Gesellschaft für den freundlichen Empfang und verbreitete sich über das Verhältniß derselben zu der akademischen Jugend.

Ausland.

* Wie«, 4. Aug. Wie schon berichtet, nahm der zur Zeit hier tagende internationale Bergarbeiterkongreß eine Resolution zur Erstrebung des gesetzlichen Achtstundentags an. Dafür stimmten sämmtliche Delegirten mit Aus­nahme der englischen. Sodann wurde eine Resolution einstimmig angenommen, welche be­sagt, der Kongreß fordere ein Gesetz, nach welchem der Arbeitgeber für alle seinen Arbeitern zu- stoßenden Unglücksfälle haftbar sei, und daß keinem Gesetz zugestimmt werden dürfe, welches die Umgehung dieser Verantwortlichkeit durch gegenseitige Kontrakte ermögliche.

* Urag, 4. Aug. In der nächsten Zeit soll hier ein böhmischer Katholikentag abge­halten werden. Mit Recht betrachtet man dies als einen Lichtpunkt mitten in den österreichischen Wirren der letzten Zeit. Würden die Katholiken sich

wiedersehen? Ob die Wälschen" — er blickte zürnend nach Osten, wo die unlängst erbaute Trutz- und Zwingburg der Franzosen als eine wuchtige, düstere Masse aufragte — „denn wirk­lich festen Fuß hier fassen sollen auf diesem ge­segneten Stücklein Erde des heiligen römischen Reiches deutscher Nation? Ha, mir kocht das Blut, wenn ich nur denke--"

Ein leichtes Geräusch ließ ihn verstummen und den Kopf umwenden nach dem Häuschen des Wächters, welches auf dem flachen Dache des unvollendet gebliebenen südlichen Thurmes aufgeführt worden.

Die niedrige Thür hatte sich geöffnet, ein Mägdlein von kaum mehr als siebzehn Jahren, dem die überquellende Lebenslust aus den schelmischen, nußbraunen Augen wie aus jedem Grübchen des reizenden Gesichtes lachte, huschte heraus und kam schnellen Schrittes dahergetänzelt.

„Grüß Gott, lieber Hans!" rief sie mit hel­ler, klingender Stimme, „und nimm's nur nicht für ungut, daß ich so spät erst komme. Der Vetter ans der Pfalz ist da, und Du weißt, wenn der Jakob und der Vater die Köpfe zusammen­stecken, ist des Politisirens und Spintisirens kein Ende."

Der junge Mann war der Redenden freudig entgegengetreten und umfaßte nun mit liebendem Blicke die jugendlich aufblühende Mädchenknospe. Ein grünes Feiertagskleid mit bunter Borde, ein seidenblumiges Vortuch und ein weißes Mieder umschloffen die zierliche Gestalt und ließen das Ebenmaß der zarten Glieder nur noch mehr her­vortreten. Das feine Köpfchen krönte statt der ernsten schwarzen Schleife ein farbiger Schlupf,

enger zusammenfinden im öffentlichen Leben, so stünde es besser mit Schule und Kirche daselbst. Anstatt aber die großen, alles einigenden Ideale und Ziele voran zu stellen, rücken immer kleinere und kleinliche Gesichtspunkte vor. Von dem Tage ab, an dem die Katholiken Oesterreichs sich finde«, bilden sie eine Macht, eine Großmacht, und heute erliegen sie in Folge ihrer Uneinigkeit; zur Un­tätigkeit sind sie hierdurch verurtheilt. Wen« der Prager Katholikentag auch nur einen kleine« Anstoß gibt, um politische Einigkeit zu erziele«, so wird er ein glänzendes Blatt in der Geschichte Oesterreichs hüben. Den Gegnern ist diese Ver­sammlung natürlich höchst unbequem und jetzt schon blasen sie in allen Tonarten Alarm.

* Baris, 4. Aug. In dem Verleumdungs­prozeß Zolas gegen den Redakteur Judet oor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichte stellte die Staats­anwaltschaft den Antrag auf Unzuständigkeit des Zuchtpolizeigerichts, weil der Vater Zola's, der Gegenstand der Verleumdung, Beamter war. Der Vertreter dcr Staatsanwaltschaft verlangte in Folge dessen Verweisung der Angelegenheit vor das Schwurgericht. Stach einer Erwiderung des Advokaten Labori, welcher verlangt, daß das Gericht sich für zuständig erkläre, und einer Replik des Anwalts der Gegenpartei gibt das Juftiz- polizeigericht seine Entscheidung dahin kund, dass es sich für zuständig erklärt. Es verurtheilte de« Redakteur Judet zu 2000 Francs Geldstrafe, den Direktor Marinoni zu 500 Francs und den Geranten des Blattes ebenfalls zu 500 Francs Geldstrafe, ferner alle drei zusammen zu 5000- Francs Schadenersatz mit Zinsen. Außerdem wurde auf eine zehnmalige Veröffentlichung des Urtheils erkannt.

* Baris, 4. Aug. Bei den General­rathswahlen in Frankreich wurden gewählt 1121 Republikaner aller Schattirungen und 190 Konservative, ferner haben 139 Stichwahlen statt- zufinden. Die Republikaner gewann m 30 Sitze und verlieren 29. Eine neunenswerthe Aenderung in der politischen Zusammensetzung der Departe­mentalvertretungen durch die Wahlen hat aber nicht stattgefunden; zu bemerken ist indessen, daß in dem Departement der Cotes-du-Nord die Majori­tät von den Monarchisten auf die Republikaner übergegangen ist. Die sechs Mitglieder des Kabinets Briffon, die zur Wahl standen, sind fämmtlich wiedergewählt worden.

* Beki«g, 4. Aug. Der englische Gesandte Macdonald erklärte im Tsungli-Damen in nach­drücklicher Weise, daß England nicht die Eimnischun- einer anderen Macht in den britischen Anleihe- kontrakt dulden werde, den China freiwillig ein­gegangen fei zum Zwecke des Baues einer Eisen­bahn, welche die Verbindung zwischen den Ver­tragshäfen zum Abschluß bringen soll, in welchen die britischen Handelsinteressen vorherrschend sind — Die Meldung von dem Abbruch der Verhand­lungen betreffend die Hongkonger Bankanleihe bestätigt sich nicht. Die russische Opposition gegen dieses Abkommen dauert jedoch ungeschwächt fort. Der russische Geschäftsträger Pawlow behauptet dem Tsungli-Damen gegenüber, die Anleihe fei lediglich ein Deckmantel für die Ausdehnung des britischen Einflusses. — Durch kaiserliches Dekret wird die Errichtung eines Ceutraldureaus für die unter welchem ein loses Geringe! widerspenstig sich kräuselnder Haare in dieblendend weiße Stirn herabfiel.

„Was hast Du nur, alter Hans?" schmollte die Kleine, als der Jüngling noch immer schwieg. „Kein Wort für mich? Keinen Kuß?" Sie stellte sich neckisch auf die Zehenspitzen und hob das rosige Antlitz zu ihm empor.

„Ich glaube, Du bist in den Thurm mehr verliebt als in mich."

Die blauen Augen des Mannes senkten sich tief in die lachenden braunen Sterne, zärtlich neigte er sich zu ihr und flüsterte:

„Ach, Röschen, wenn ich daran denke, daß ich vielleicht bald von Dir scheiden soll!"

„Scheiden! Warum nicht gar? Erst feit acht Tagen versprochen, und Du denkst bereits an Scheiden!"

„Es wird mir schließlich nichts Anderes übrig bleiben, mein armes Sieb. Der wälsche Meister, welcher letzthin von Paris gekommen, hat heute in der Bauhütte neue Gesetze und Verordnungen verlesen; wer sich ihnen nicht fügen will von den Steinmetzen und Bauleuten, hat den Abschied zu gewärtigen."

Und weshalb sich ihnen nicht fügen ? Die Franzosen sind doch einmal Herren der Stadt, und--"

„O Roscl, kannst Du so zu mir sprechen. Ist meine Ehre, die Ehre eines deutschen Steinmetzen, welcher die altüberkommene Ordnung der Straß­burger Bauhütte auf das Evangelium zu halten gelobt, denn ein nichts für Dich? Da solltest Du einmal meine Schwester Gesina hören. Ich glaube, die sähe mich lieber tobt zu ihren Füßen liegen,.