KuIdaerMIeitung
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JuLöa, Donnerstag, den 4. August 1898
25. Jahrgang.
fortgesetzt und ausgearbeitet haben, so daß die Veröffentlichung in kürzester Frist erfolgen könne. Auf den Wunsch des Fürsten soll der Chemnitzer ProfefforHorstKohl die Herausgabe übernehmen.
X Die Kommission von Mein-Iach- mauver« zur Vorberathung der Abänderungs- vorschläge zum jetzigen Weingesetz wird bereits nächster Zeit vom Reichskanzler einberufen. Es soll derselben auch die Frage der Deklarattons. pflicht der durch Einleiten von Kohlensäure her« gestellten Schaumweine unterbreitet werden. Betreffs Stundung der Zölle und indirekten Steuern hat der Finanzminister neuerdings verschiedene Erleichterungen dahin zugestanden, daß wenn ein Zollpflichtiger die Stundung des Zolls für mehrere Waarenposten begehrt, er der Amtsstelle fortan nur ein Anerkenntniß zu übergeben braucht. Bei gestellter Sicherheit braucht über sämmtliche im Laufe eines Tages angeschriebene Zollbeträge am Schluffe der Dienst- flunden nur ein Anerkenntniß abgegeben zu wer» den.^ Die Hauptzoll- und Steuerämter sind weiter ermächtigt, bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von Zoll- und Steuerkredit dem Abgabepflichtigen bei gestellter Sicherheit einen gemeinsamen Kredit für die in Frage kommenden Abgabenzweige zu gewähren.
x Der russisch-preußische Gänsekrieg ist nunmehr deflnitiv beendigt. Die russische Regierung hat die Zollerhöhungen, die sie als Gegenmaßregel gegen das preußische Verbot des Gänse» Eintriebs verfügt hatte, zurückgenommen, nachdem die preußische Regierung den Gänse-Eintrieb an verschiedenen Grenzpunkten schon vorher gestattet hatte. Die Retter des Kapitols dürfen also wieder zu Fuß und schnatternd ins deutsche Reich einziehen.
*,Mit dem 30. Juli d. I. ist der dentfch- e«gkifche Kandeksverlrag vom 30. Mai 1865 abgelaufen. Für England und eine Reihe seiner Kolonien besteht er weiter, dagegen tritt nun für Kanada der Generaltarif in Kraft.
* Münster, 3. August. Gestern nahm in Münsters alten Mauern die diesjährige Generalversammlung der Görres-Gesell- schaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland ihren Anfang. Bereits um 4 Uhr gestern Nachmittag fand eine Sitzung des Ver- waltungs-Ausschuffes statt, welche sich mit den inneren Angelegenheiten der Gesellschaft befaßte. Gegen 8 Uhr füllten sich die oberen Räume des Centralhofes auf der Rothenburg mit einer auserlesenen Gesellschaft zur Begrüßungsfeierlichkeit. Namens des Lokalkomitees begrüßte Geheimrath Prof. Dr. Niehues die Gäste, indem er mit warmen Worten auf die historische Bedeutung Münsters hinwies und den wichtigen Berathungen der nächsten Tage besten Erfolg und glückliches Gedeihen wünschte. Ihm antwortete Professor Grauert-Müvchen mit einem prächtigen Elogium Westfalens, und speziell seiner Hauptstadt. Ferner feierte Profeffor Schröder den Präsidenten der Gesellschaft, Freiherrn v. Hertling. Dann lud noch ein Vertreter der Studentenschaft, Mitglied der kathol. Studentenverbindung Sauerlandia, die Einheimischen und die Gäste zum Kommers ein, den die katholischen Studenten-Korperationen der Akademie morgen Abend im Lortzing-Theater
schon gestern berichtet, am Donnerstag in Berlin in der Kaiser Wilhelms-Gedächtnißkirche abgehalten werden soll, beginnt daselbst um 10 Uhr Vormittags. An derselben werden theilnehmen: das Kaiserpaar, das am Dienstag Abend in Potsdam eintraf, die in Berlin anwesenden Minister, Prinzen, Fürstlichkeiten, die Botschafter, Staatsbehörden, die Generalität, die städtischen Behörden usw. Auch die Reichs- und Landtagsabgeordneten sind dazu eingeladen. Diejenigen von ihnen, welche theilnehmen wollen, sind ersucht, die Einlaßkarten in den Bureaux des Reichs- und Landtages in Empfang zu nehmen. Die Theilnahme dürfte sich im Wesentlichen auf konservative und nationalliberale Abgeordnete beschränken. Die Feier wird aus einer „liturgischen Andacht, Ansprache, Gebet und Gesang" bestehen. In dem Armeebefehl, in welchem der Kaiser die achttägige Trauer für das Heer anordnet, heißt es Eingangs, der verstorbene Kanzler sei der letzte Berather Kaiser Wilhelm I. gewesen. Die ,Voffische Ztg/ meint, das müffe ein Druckfehler fein — offenbar mit Rücksicht auf einen früheren Ausspruch des Kaisers, in dem er die Mitarbeiter des ersten Kaisers als dessen „Handlanger" und „Werkzeuge" bezeichnete.
In der Grab sch rift, welche Fürst Bismarck selbst sich gewählt hat, mit dem Zusatz: „Fürst Bismarck, ein treuer deutscher Diener „Kaiier Wilhelms I." erblickt ein Berliner Blatt drei verletzende Spitzen für den jetzigen Kaiser. Erstens wolle Bismarck vom „Herzog von Lauenburg", zu dem Wilhelm II. ihn gemacht, nichts wissen; zweitens nenne er Wilhelm I. nicht dtn „Großen", zu welchem fein Enkel ihn er- nannt habe, und drittens wolle er nur ein treuer Diener des alten, also nicht des jungen Kaisers gewesen fein. Der Leser mag sich das ©einige über diese Auslegung denken.
Merkwürdige Dinge und Aeußer ungen werden aus Friedrichsruh berichtet, die zeigen, daß don Manches nicht zu stimmen scheint. Der Leibarzt Schwenninger soll einigen Berichterstattern erklärt haben, er könne ihnen nichts mehr sagen, seine Rolle fei „ausgespielt"; er wolle noch am Dienstag Abend Friedrichsruh verlaffen Thaö sächlich soll er auch schon abgereist fein. Ebenso fei Oie Rolle des Privatsekretärs des Fürsten, Dr. Chrysander „ausgespielt", der älteste Sohn Herbert soll mit Rücksicht auf die strengen Absperrungen gesagt haben: „Sonst ärgern die Zeitungen uns, jetzt ärgern wir sie". Wirklich recht intereffant.
Folgenden Nachruf hat der Kaiser dem Fürsten Bismarck gewidmet:
„Mit meinen l-ohen Verbündeten und mit dem ganzen deutschen Volke stehe ich trauernd an der Bahre des ersten Kanzlers des deutschen Reiches, des Fürsten Otto v. Bismarck, Herzogs von Lauenburg. Wir, die wir Zeugen seines herrlichen Wirkens waren, die wir an ihm, als dem Meister der Staatskunst, als dem furchtlosen Kämpfer im Kriege wie im Frieden, als dem hin- gebensten Sohne seines Vaterlandes und dem treuesten Diener seines Kaisers und Königs bewundernd aufblickten, sind tief erschüttert durch den Heimgang des Mannes, in den Gott der Herr das Werkzeug geschaffen, den unsterblichen
Gedanken an Deutschlands Einheit und Größe zu verwirklichen. Nicht ziemt es in diesem Augenblicke, alle Thaten, die der große Entschlafene vollbracht, alle Sorgen, die er für Kaiser und Reich getragen, alle Erfolge, die er errungen, aufzuzählen. Sie sind zu gewaltig und mannigfaltig, und nur die Geschichte kann und wird sie alle in ihre ehernen Tafeln eingraben. Mich aber drängt es, vor der Welt der einmüthigen Trauer und der dankbaren Bewunderung Ausdruck zu geben, von welcher die ganze Nation heute erfüllt ist, und im Namen der Nation das Gelübde abzulegen, das, was er, der große Kanzler, unter dem Kaiser Wilhelm dem Großen geschaffen hat, zu erhalten und auszubauen, und, wenn es Noch thut, mit Gut und Blut zu ver- theidigen. Dazu helfe uns Gott der Herr!
Ich beauftrage Sie, diesen meinen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Friedrichsruh, 2. August 1898.
An den Reichskanzler. Wilhelm I. R.N
Wie man sieht, feiert der Kaffer den Entschlafenen in den höchsten und schwungvollsten Lobesausdrücken, was um so mehr ins Gewicht fällt, als bereits der ,Reichsanzeiger3 einen Nachruf gebracht hatte, und in Folge dessen wohl kaum Jemand erwartet hatte, daß nun noch ein besonderer kaiserlicher Nachruf folgen werde, namentlich auch, da der Kaiser schon im Armee- Verordmmgsblalte den ersten Kanzler in einem besonderen Erlaß gefeiert hatte. Bei dem „Meister der Staatskunst" fällt Einem allerdings unwillkürlich ein, daß der Kaiser keine 2 Jahre mit demselben zu regieren vermochte. Vielleicht wird dieser Nachruf demnächst noch eine besondere Bedeutung erlangen, wenn die „Wolken", die mit dem Tode des Altreichskanzlers über Friedrichsruh heraufgezogen sind, sich weiter entladen sollten; es soll dort, auch nach dem Tode des Schloßherrn, eine gewitterschwüle Luft herrschen, die „Explosionen" befürchten lasfe. Nachdem Moritz Busch in die Aktion getreten ist, werden sie sehr wahrscheinlich.
Inserat»: Die ein« spalt. Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt
Deutsches Keich.
Berlin, 3. August.
* Das Kaiserpaar ist gestern Abend kurz vor 11 Uhr wieder auf der Wildparkstation eingetroffen und begaben sich zu Wagen in das Neue Palais. Heute Morgen machte der Kaiser einen Spazierritt in der Umgebung des Neuen Palais und hörte um 11 Uhr die Vorträge des Kriegsrninisters v. Goßler und des Chefs des Militärkabiners v. Hahnke. Um 12 Uhr empfing der Kaiser den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe und danach den Staatssekretär v. Podbielski zum Vortrag und begab sich nach dem Frühstück nach Berlin, um in der Kunstausstellung die Prell'schen, für den Palazzo Caffarelli in Rom bestimmten Bilder zu besichtigen.
* Fast druckfertig sollen schon die Denk würdigkeile« des Iürsie« Aismarck vorliegen und bereits vor einiger Zeit an die Verlagsanstalt „Union", Stuttgart, zum Preise von einer Million Mark verkauft worden sein. Der Fürst soll die Denkwürdigkeiten bis in die letzte Zeit hinein unter Beihilfe Dr. Chrysanders
6 Zum Tode Bismarcks.
Die vorläufige Beisetzung des Fürsten Bismarck, wenn man von einer solchen reden kann, hat am Dienstag Nachmittag gegen Abend in Friedrichsruh stattgefunden. Da die eigentliche Beerdigung erst nach Ferttgstellung der Gruft er- ^an‘)e^e es sich am Dienstag haupt- faa)Itd) um eine Beerdigungs -Feier. Diese ging Bor sich im Sterbegemache des verstorbenen Kanz- urs, wo der Sarg mit der Leiche aufgebahrt war. Nur die Farnilien-Mitglieder, einige nahestehende Personen und das Kaiserpaar wohnten derselben bei. Letzteres traf, von Hamburg kommend, kurz vor 6 Uhr auf dem Bahnhofe Friedrichsruh ein und wurde hier von der Familie Bismarck empfangen. Der Kaiser begrüßte dieselbe, küßte, so berichtet der Telegraph, den ältesten Sohn Herbert auf beide Wangen, der Tochter und Schwester des verstorbenen Fürsten die Hand und drückte dann Allen seine Theilnahme aus; ebenso die Kaiserin. In der Begleitung des Kaisers befand sich der Staatsekretär des Auswärttgen Amtes, v. Bülow, sowie die Chefs des Civil- und Mili- tär-Kabinets. Man begab sich dann zum Schlosse, wo sofort am Sarge die Trauerfeier begann. Der Kaiser stand bei derselben, während die Damen auf Sesseln Platz nahmen. Der Prediger des Pfarrdorfes hielt eine Anrede über den Bibelspruch: „Tod, wo ist Dein Stachel, Hölle, wo ist Dein Sieg?" Ein Gesang beschloß die Feier, an welcher insgesammt etwa 30 Personen theil- nahmen. Am Schluffe reichte der Kaiser dem Prediger und dem Kammerdiener des verstorbenen Fürsten die Hand. Das Kaiserpaar verweilte etwa eine Stunde im Schlosse. Dann begab es M wiederum von der Familie begleitet, zum Bahnhof zurück. Beim Abschied umarmte und agite der Kaiser den Fürsten Herbert Bismarck nochmals, schüttelte dem zweiten Sohne Wilhelm und dem Schwiegersöhne Grafen Rantzau die Hand und bestieg dann mit der Kaiserin den Salonwagen, von dessen Fenster aus er der Familie nochmals mit der Hand Abschied winkte. Der Kaiser soll dem Fürsten Herbert fein Bedauern ausgesprochen haben, daß die letztwillig-n Ver- ffigungen des Verstorbenen ihn hindere, diesem, wie er beabsichtigt, im Berliner „Dom" ober im Charlottenburger Museum eine Ruhestätte zu be- reiten. Da nun der Kanzler in Friedrichsruh be- frattet sein wolle, hätten er, der Kaiser und die Bundesfürsten die Absicht, demselben dort ein Mächtiges Mausoleum zu errichten. Der älteste Sohn soll dafür gedankt und gebeten haben, es ber Familie zu überlasten, ihren Todten durch Errichtung einer Grabstätte zu ehren. Gestern schon wurde berichtet, daß reiche Hamburger Kaufleute! das Grabmal aus ihreKosten errichten (affen roflroen. Nach den neuesten Bestimmungen soll die reiche des Fürsten in den nächsten Tagen in «ner provisorisch zu errichtenden Gruft nahe der Stelle, wo die definitive Grabstätte erbaut wird, oeigefetzt werden, bis die endgiltige Beisetzung in dem Mausoleum erfolgen kann. Das klingt auch wahrscheinlicher als die erste Lesart, daß die Leiche wochenlang im Wohnhause stehen bleiben solle.
Die allgemeine Trauerfeier, die, wie
ä: iÄ3"'-/ mit Anterhattungs-Meikage „Ilkusirirte Sonntags-Zeitung!'
Erscheint täglich, «.Ausnahme der Sonn» und Feier» tage- Bierteljährl.
, Serngoprei, ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aur- wärt-lM.bvPs.
Eine Lvermiithise Eheöifteriir.
Erzählung aus dem Englischen.
I.
„Siebe Kousine Molly, ich bin fest überzeugt davon, daß Herr Beaumont in Dich verliebt ist."
„Ach Unsinn, liebe Nellie! Ich bin doch erst feit drei Wochen bei Dir, und er kennt mich und weiß nur sehr wenig von mir."
„Glaubst Du denn nicht daran, daß die Liebe sich gar oft bei der ersten Begegnung einstellt?"
„Ich weiß nicht, aber
„Nun fei vernünftig, Molly. Du weißt, daß Du ihn sehr gern hast."
„Davon wüßte ich nichts, ich kümmere mich gar nicht um ihn — das heißt, er ist gewiß ein fe?r angenehmer Mensch, hübsch, gutmüthig, und hat alle Eigenschaften, die. . . ."
„Du könntest noch hinzufügen: geschickt, anständig und bezaubernd."
„Wieso?"
„Dann hättest Du ihm alle jene Eigenschaften zuerkannt, die ein Mädchen von einem Manne, ben sie heirathen möchte, verlangen kann."
,. «9? der Thar, Nellie, mir scheint fast, Du bist nichts als so eine kleine Art von Ehestifterin."
- ,'!• ,n Augenblicke bin ich es vielleicht wirklich. Aber es ist bies gewiß eine höchst wünschenswertste Verbindung, denn chr seid ja Beide über Hals und Kopf in einander verliebt."
„Dagegen proteftire ich; ich liebe ihn nicht tm geringsten."
„Du kennst Deine eigenen Gefühle nicht."
„O, ich kenne sie wohl. Ich lieb« ihn nicht und werde ihn nicht heirathen."
„So, meinst Du das wirklich?"
„Nun, natürlich meine ich es so."
„Dann werde ich selbst ihn heirathen."
„Du?"
„Warum nicht?"
„O, mir ist es ja ganz gleichgiltig."
„Na also!"
„Aber ich finde es sehr sonderbar von Dir — sehr, sehr sonderbar — daß Du mir bann nichts bavon gesagt hast, baß Du Dich für ihn interessirst."
„Also höre mich an, Molly, Herr Beaumont glaubt sicher, baß Du ihn nicht liebst, unb daß Du ihn, wenn er um Deine Hand anhalten würde, ausschlagen würdest."
„Glaubst Du das ernstlich?"
„Ja. Ich glaube aus einigen Bemerkungen, bie er fallen ließ, schließen zu dürfen, daß er heute um meine Hand anhalten werde. Wenn Du nun in den Salon schlüpfen und Dich hinter der spanischen Wand verbergen willst. . . ."
„Was Dir nicht einfällt. Ich denke gar nicht daran, so etwas zu thun. Eine solche Idee!"
„Thue, was ich Dir sage, liebe Molly und Du wirst hören, wie ich ihn abweise. Ich scherzte ja doch nur, als ich sagte, daß ich selbst Herrn Beaumont heirathen werde."
„Du bist also sicher, meine liebe Nellie, daß Du ihn nicht im geringsten liebst?"
»Ich bin dessen ganz sicher. Du wirst übrigens selbst hören können, daß ich ihm das sage, wenn Du Dich versteckst."
II.
„Nun, Herr Beaumont, ich habe meine Kousine Molly ausgeforscht."
„Und glauben Sie also, daß ich mir einen Erfolg erhoffen darf?"
„Ich bin dessen sicher. Sie ist sehr in Sie verliebt, aber sie ist sich selbst dieser Thatsache nicht bewußt. Wir Frauen sind sonderbare Geschöpfe."
„Es war sehr gütig von Ihnen, Fräulein Nellie, mir Ihren Rath und Hilfe anzubieten."
„Durchaus nicht, wir sind doch alte Freunde. Aber sind Sie nur nicht zu voreilig, sonst verderben Sie Alles, und handeln Sie genau so, wie ich Ihnen jetzt sage. Sie müssen in den Salon kommen und um meine Hand anhalten."
„Um Ihre Hand anhalten?"
„Ja, und nehmen Sie sich in Acht, daß Sie nicht aus der Rolle fallen."
„Ich verstehe Sie nicht."
„Also, während Sie um meine Hand anhalten, wird Molly hinter der spanischen Wand fein. Wenn Sie Ihre Liebesbetheuerungen für mich hört, wird sie glauben, daß sie für Sie verloren sind und wird uns den wahren Stand ihres Herzens verrathen."
„Aber das ist in ber That etwas. . . ."
„Jetzt lhnn Sie nicht viel untersuchen und handln Sie nur so, wie ich Ihnen sage. Kommen Sie nur gleich in den Salon, ober sie wirb ein heimliches Einverstänbniß zwischen uns argwöhnen."
„Nur einen Augenblick. Glauben Sie nicht, daß. . . ."
„Kein Wort weiter, ich höre Molly schon die Stiege herabkommen. Ich will mich hier auf diefes Sopha sitzen, unb wenn ich meine Hand
erhebe, beginnen Sie. Können Sie mir einen hübschen Roman empfehlen, Herr Beaumont?"
„Hm, — wissen Sie mein Fräulein . . . . es ist heutzutage eigentlich eine ziemliche Verantwortung, den Damen einen Roman zu empfehlen. Es gibt ebenso viele Schulen von Lesern, wie von Schriftstellern."
„Aber Sie kennen doch heute schon meinen Geschmack."
„Leider noch immer nicht so sehr, als ich es eigentlich wünschen würde. Hm ... hm . . . ach! wenn Sie mich doch ihren einzigen literarischen Vorleser und Berather . , . . für's ganze Leben werden lassen wollten."
„Ich fürchte sehr, Sie nicht verstanden zu haben, Herr Beaumont."
„Können Sie denn nicht errathen, was mich heute eigentlich hierhergeführt hat? Lassen Sie mich frei und offen mit Ihnen sprechen; seit einer Reihe von Jahren sind wir nun Freunde, mit jedem Tage werden Sie mir werther und fühle ich deutlicher, daß ich nur durch Sie mein Glück finden kann. Wollen Sie meine Frau werden? Sprechen Sie, heißgeliebte Nellie, unb sagen Sie, daß Sie einwilligen. Sie ahnen gar nicht, wie sehr ich mich darnach sehne. Sie für immer an meiner Seite haben zu können. Sagen Sie das kleine Wörtchen „ja", und Sie machen mich dadurch zum glücklichsten Menschen auf dieser weiten Welt."
Nellie konnte von ihrem Sitze aus das Flat» tern eines lichtblauen Kleides beobachten, wie es schnell hinter der spanischen Wand verschwand und durch die offene Thür eilte, Molly war also vorzeitig geflohen.