Erscheint täglich, «-Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
Srrugiprei» ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. 50 Pf.
KuUmer W Zeitung
Inserate: Die ei» spalt. Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
f»r Inserate 2. Varzeller i« Fulda. mit Ztnterhaltungs-Meilage „Muflrirte Sonntags-Zeitungs petersgaSe Nr. 2 (Harmonie).
M 174.
JuLöcr, Mittwoch, den 3. August 1898
25. Jahrgang
£ Ueber den Fürsten Bismarck
bringen heute alle Blätter lange Artikel; andere Meldungen liegen kaum vor. Eine ganze Anzahl Berichte bringt noch ausführliche Nachrichten über die letzten Stunden. Demnach ist der Fürst nicht wie einzelne Meldungen glauben machen wollten, ruhig und schmerzlos verschieden, sondern er hat einen langen und schweren Todeskampf gehabt. Schon am Samstag Abend habe er seine Umgebung nicht mehr erkannt. Von 9 Uhr ab lag er tm Sterben, und die Bewußtlosigkeit machte ein Abschiednehmen von den Angehörigen unmöglich. Vor Eintritt des Todeskampfes habe er heftige Schmerzen und schreckliche Athemnoth gehabt. Sein Stöhnen sei derart gewesen, daß die anwesenden Frauen das Zimmer verlassen mußten. Ein anderer Bericht sagt, die Schmerzen seien so stark gewesen, daß man das Stöhnen des Sterbenden auf der Landstraße gehört habe. Er habe öfters nach dem Herzen gegriffen, da heftige Athemnoth ihn bedrängte. Es muß ein furchtbarer Tod gewesen sein, was auch schon daraus sich schließen läßt, daß nach demselben Berichte, das Aussehen des Todten „erschütternd" sei. Er sei gar nicht mehr wieder zu erkennen, das Gesicht vollständig eingefallen, das Kinn gänzlich herabgesunken. In Folge dessen ist auch die Aufnahme von Photographieen der Leiche nicht gestattet worden. Die Todtenmaske wurde
allerdings abgenommen, einmal im Auftrag der Familie und dann im Auftrag des Kaisers von einem Beauftragten desBildhauers Reinhold Begas. Auch eine Aufbahrung der Leiche hat nicht stattgefunden und das Publikum hat keinen Zutritt zu derselben erhalten.
Auf die Todesanzeige der Familie hat der Kaiser folgendes Telegramm an dieselbe gerichtet: „In tiefer Trauer theilnehmend an dem Schmerz, der Sie Alle um den großen theuern Todten erfaßt, beklage ich den Verlust von Deutschlands großem Sohne, dessen treue Mitarbeit, an dem Werke der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes ihm die Freundschaft meines in Gott ruhenden Großvaters, des großen Kaisers Majestät, fürs Leben erwarb und den unauslöschlichen Dank des ganzen deutschen Volkes für alle Zeiten. Ich werde seiner Hülle in Berlin im Dom an der Seite meiner Vorfakren die letzte Stätte bereiten. Wilhelm."
Der ,Reichsanzeiger' widmet dem Verstorbenen einen Nachruf, in dem er des Vaterlandes „größter Sohn" genannt wird. In derartigen R rchrufen laufen ja immer Ueberschwänglichkeite, mit unter, wie auch der Schluß beweist, wo es heißt, ein deutsches Reich werde „in keiner Zukunft bestehen können ohne das Festhalten an dem Vermächtniß seiner Begründer, des ersten Hohenzollerischen Kaisers und seines großen Kanzlers". Darüber ließe sich Verschiedenes sagen; wir wollen indeß m diesem Augenblick darauf verzichten.
Der ,Berliner Lokalanzeiger' will erfahren haben, der Kaiser habe telegraphischen Befehl an das Reichsamt des Innern gelangen lassen, alle Vorbereitungen zu einer großen Trauerfeier auf dem Königsplatz in Berlin (dem neuen Reichstagsgebäude) zu treffen. Den Tag, an welchem sie stattsinden werde, habe er noch nicht fest-
SchrvarzbLattL.
Erzählung aus dem Böhmerwalde von Anton Schott.
7 ------- (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Frühling war's geworden im Walde. Von den Bergen fchaute noch der Schnee herunter, aber unten in den Thälern waren die Wiesen schon saftig grün und die Blümlein blühten über und über.
Auf den Aeckern arbeiteten die Leute, auf den Wiesen putzten und scharrten sie, und in der Stube wollte es Niemanden mehr leiden.
Auch des Zaunhäuslers Marie litt es nicht mehr in der Stube. Sie war schon ziemlich hergestellt, und die Frühlingsluft that ihr wohl. Draußen vor den Fenstern hatte sie das Gärtlein hergerlchtet und vergrößert; Aurikeln und Maß- liedchen blühten bereits darin. Marie stocherte und putzte schier den ganzen Tag an ihrem Gärtlein. An schwere Arbeit durfte sie sich noch nicht heranwagen Auch waren die in der Stadt auft gepappelcen Glieder nicht daran gewöhnt, schwerere Arbeit zu thun. Die mußten sich erst nach und nach wieder gewöhnen. Mitunter ging sie auch wohl Nachmittags auf die Weide oder dem Drahtbauern-Hof, wo man das Gebirge hüben und drüben übersteht, und labte sich an dem herrlichen Ausblick. So verging Tag um Tag. und Ostern kam heran.
Ostermorgen war's, und die Leute strömten schaarenweise der im Thale unten gelegenen Kirche zu. Auch der Zaunhäusler und Marie fragten beim Nachbar Drahtbauer an, ob man etwa schon
gesetzt. „Auf dem Mittelplatz der Auffahrt des Reichstagsgebäudes werde ein großer Katafalk hergerichtet und zu der Feierlichkeit zahllose Einladungen an alle deutschm Regierungen und hervorragenden Persönlichkeiten erfolgen." Die Meldung klingt etwas zu phantastisch, als daß man ihr Glauben schenken könnte, wenngleich, wie die Dinge liegen, es keineswegs außerhalb des Bereichs der Möglichkeit steht, daß etwas derartiges geplant ist. Im Uebrigen wird wiederholt berichtet, daß, da Fürst Bismarck über seine Beisetzung in Friedrichsruh selbst verfügt habe, das Anerbieten des Kaisers von der Familie dankend abgelehnt worden sei. Die kirchliche Einsegnung der Leiche werde heute, Dienstag, durch den Prediger des nächsten Dorfes stattfinden, und dann bleibe der verlöthete Metallsarg im Trauerhause stehen, bis auf der vom Fürsten bezeichneten Stelle am Waldrande bei Friedrichsruh ein Mausoleum errichtet sei, in dem dann der Fürst und seine vor zwei Jahren verstorbene Frau endgiltig beigesetzt würden, was etwa Anfangs Oktober geschehen werde.
Die Veröffentlichung des Abschiedsgesuchs durch Wilhelm Busch soll, wie ein Berliner Bismarck-Blatt wissen will, gegen den Willen des Fürsten und seiner Familie erfolgt sein. Bezüglich der Familie mag das zutreffen, aber was der verstorbene Fürst in dieser Hinsicht gewollt oder nicht gewollt hat, kann der diensteifrige Preßlakai nicht wissen. Wenn der Fürst seinen ehemaligen Hauslehrer eine Abschrift des Entlassungsgesuchs machen ließ, so hat er ihm ohne Zweifel auch die nöthigen Weisungen betreffs der Veröffentlichung ertheilt. Es ist ja begreiflich, daß man den schlechten Eindruck, den die letztere macht, zu verwischen sucht.
Dentsches Reich-
Berlin, 2. August.
x Die Keicheufeier für de« Iürste« Ais marck fand heute, Dienstag, Nachmittag um 6 Uhr in Friedrichsruh statt. Das Kaiserpaar war zu derselben von Kiel eingetroffen. Zutritt hatte außer den Familienmitgliedern und Beamten Niemand erhalten. Eine allgemeine Trauerfeier in Berlin ist heute Mittag von einem aus Mitgliedern von Hof-Polizei- u.s.w. Behörden bestehenden Komitee für Donnerstag den 4. August anberaumt worden. Die Feier wird aber nicht vor dem Reichstag, sondern in der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche stattfinden. Magistrat und Stadtverordnete werden, da Bismarck Ehrenbürger von Berlin war, durch Deputationen dabei vertreten sein. Der Hof legt für Bismarck auf 10 Tage Trauer an.
X An die Lippe'sch en Vorgänge erinnert eine Mittheilung die jüngst durch verschiedene Blätter ging. Es werde, so hieß es, der gegenwärtige Regent von Braunschweig, ^ri«z Albrecht von Preuße«, seine Stelle niederlegen und der Schwager des Kaisers, Prinz Adolf von Lippe-Schaumburg, der im vorigen Jahre den Thron von Lippe-Detmold verlaffen mußte, ihn ersitzen. Darauf erklären die braunschweigischen ,Amtlichen Nachrichten', daß im braunschweigischen Ministerium „keine fort sei. Noch war Alles daheim, aber schon reisefertig. Und so ging man mitsammen.
„Geh'st morgen zum Tanz, Marie?" fragte des Drahtbauern Dirn, die Rosel.
„Ich weiß es noch nicht. Ich glaub' nicht. Was lhät' ich auch dort?"
„Geh', wer wird denn daheim sitzen bleiben, wenn Alles lustig ist und sich freut. Geh' mit, gehen wir doch Alle mitsammen. Und lange bleiben wir ja nicht aus. Gerad' nur auf ein paar Stunden. Geh' mit", legte sich der Michl drein.
„Kann sein. Gewiß kann ich's noch nicht sagen."
Man hatte Amt und Predigt gehört und ging jetzt heim. Selbst die Männer säumten heute nicht, wie gewöhnlich des Sonntags. Gab's doch den Festschmaus daheim, und den hatte man nicht alle Tage. Und beim Essen der „Weih" durfte der Hausherr nicht fehlen. Der bekam stets ein ganzes Ei, ein ganzes, nicht gebrochenes Stück Brot, Fleisch, Salz und Meerrettig. So war's Brauch seit jeher, und der Brauch muß streng eingehalten werden, sonst ist des Geredes kein Ende.
Als sich die Drahtbauern-Leut und die zwei Zaunhäuslers-Leut trennten, mahnte Michl nochmals:
„Also morgen schreist Du zu bei uns, und nachher gehen wir zum Tanz."
„Nein, ich geh' nicht," entgegnete Marie trotzig.
„Z wegen was nicht, Marie? Bist wieder zornig auf mich? Hast es ja in der Früh versprochen, daß Du gehst."
Thatsache bekannt sei, die einen Wechsel in der Regentschaft in Aussicht stelle". Das wäre an sich kein schlagender Beweis, da in Berlin schon Manches beschlossen wurde, wovon man in Braunschweig vorher keine Ahnung hatte. Zudem hat der jetzige Regent, der in Braunschweig nichts weniger als beliebt ist und auch nur selten dort weilt, die Auflösung und Ueberführung seines Marstalles nach Berlin angeordnet, so daß ein Gerücht, wie das erwähnte, leicht entstehen konnte. Vorläufig indeß glauben wir auch nicht, daß ein Wechsel in der Regentschaft eintreten wird, wenn es dem Kaijer wohl auch angenehm sein möchte, seinen Schwager auf einem Throne zu sehen. Es wäre immerhin auch nicht so selbstverständlich, daß Letzterer der Nachfolger des jetzigen Regenten würde.
X Der protestantische ,Reichsbote', der sich durch seine gehässige konfessionelle Polemik, namentlich gegen alles Katholische „auszeichnet", hatte vor einiger Zeit der Befürchtung Ausdruck gegeben, der Bruder der Kaiserin, Kerzog Himther von Schkesrvig-KEei«, werde sich mit der Prinzessin von Koburg katholisch trauen lassen, was bekanntlich nicht geschieht. Im Anschluß daran hatte das von einem fanatischen Prediger redigirte Blatt heftige Angriffe auf die Familie der Koburger und versteckt auch auf den Herzog Günther gerichtet. Diese Angriffs machten in adeligen Kreisen einen sehr ungünstigen Eindruck, dem kürzlich schon das ,Deutsche Adelsblatt' scharfen Ausdruck gab. Nun muß das gehässige Predigerblatt einer Erklärung des Grafen von der Schulenburg- Bätzendorf, Mitglied des Verwaltungsaus- schuffes des ,Reichsboten', Raum geben, in der dieser mittheilt, daß er wegen Nichtzustandekommens des Zusammentritts des Ausschusses, schon seit drei Jahren (eine nette Wirtschaft!), nicht den geringsten Einfluß auf die Redaktion habe ausüben können, und daß er mit der Behandlung konfessioneller Fragen im.Reichsboten', namentlich „mit der Hineinbeziehung dahin einschlagender Verhältnisse erlauchter Fürsten und hoher Adelsfamilien in keiner Weise einverstanden sei und jede Verantwortung dafür nachdrücklichst ablehne". Man darf begierig sein, wie der ,Reichsbote' diese moralische Ohrfeige hinnehmen wird. Es ist ja gewiß anerkennenswerth, daß der Graf Schulenburg zu dieser Verwahrung sich verpflichtet gefühlt hat, aber es wäre doch besser gewesen, wenn er damit nicht erst gewartet hätte, bis das Predigerblatt auch an adeligen und fürstlichen Familien Kritik übte. Die nichtsnutzige Hetze, welche der ,Reichsbote' unausgesetzt gegen die katholische Kirche, Papst, Bischöfe und Priester betreibt, hätte schon längst die anständigen Kreise im protestantischen Lager veranlassen müssen, gegen dieses vergiftende Treiben einzufchreiten. — Ja Koburg hat heute Mittag die protestantische Trauung des Herzogs Günther von Schleswig-Holstein mit der Prinzessin Dorothea von Koburg stattgefunden. Die katholische Braut, die so die Vorschriften ihrer Kirche schwer verletzte, hat sich dadurch selbst aus der Kirche ausgeschlossen.
X Zur Lippe'sche« Angelegenheit wird heute bestätigt, daß der Regent von Lippe kürzlich
„Das wohl, aber ich geh' nicht."
„Geh', sag mir, warum willst denn jetzt nicht gehen? Ich hab' Dir noch nichts gethan," bat der Michl, als die Anderen schon ein Stück voraus waren.
„Nein, Du nicht. Du hast mir nichts gethan. Aber die Leut' schwätzen halt und reden. Sie haben böse Zungen, und mir — thut's nicht noth, daß ich zum Tanz geh'."
„Was reden die Leut'?" fuhr der Michl auf. Er war in diesem Punkte noch der nämliche Michl wie vor Zeiten. „Was reden sie? Gleich sagst mir's!", _
„Ich mag nicht." v
„So, Du magst nicht? Da schau'her. Wart', ich werd' den Korporal wieder aufstecken, nachher fürchtest mich schon."
„Gut, daß Du mich wieder daran mahnst, an den Korporal, Michl. Und jetzt sag' ich Dir's!" sagte sie herb und mit thränenerstickter Stimme. „Den Drahtbauern-Michl, sagen die Leut', möcht' jetzt das Zaunhäusler-Schwarzblattl fischen, und der Michl hält es schön zum Narren. Das sagen sie."
„So, das sagen sie? Werd' ihnen schon die Mäuler stopfen," meinte er aufbrausend wie ehemals, wenn er zornig wurde, weil Jemand sein Schwarzblattl geschimpft. „Das sagen sie? Du, Marie, wenn wir zwei aber den Spieß umdrehten und die Leut' reden ließen. Was meinst?"
„Ich werd' Dir's nie vergessen, nie nicht, was Du mir Gutes gethan hast; aber foppen laß' ich mich weder von Dir, noch von einem Anderen. Verstehst mich?" Und aus und davon lief sie ihrem Vater nach.
eine Unterredung mit dem Reichskanzler gehabt hat, woraus folgt, daß die Sache auch im Schooße des Bundesraths erörtert werden wird. Jedenfalls ist sie noch lange nicht erledigt. Der Lippe'sche Minister hatte einem Blatte eine Erklärung zugeschickt, daß es sich nicht um den Erlaß eines neuen Befehls über das Grüßen der Familie des Regenten, sondern um die plötzliche Aufhebung eines geltenden Befehls, der das Grüßen angeordnet hatte, durch den komman- direnden General in Münster handele. Die Sache wird immer sonderbarer und unerquicklicher.
* Vom 1. August ab sind bekanntlich für den Kavdelsverkehr zwischen Deutschland ««d Kanada neue Bestimmungen in Kraft getreten. Deutsche Maaren haben einen 25prozentigen höheren Zoll als die englischen zu tragen. Es ist nun fraglich, ob für die deutschen Maaren, die nach Kanada bestimmt sind, Ursprungs-Zeugnisse nothwendig werden. Bis jetzt sind aber noch keinerlei offizielle Mittheilungen hierüber eingegangen. Auf eine vom ,Konfektionär' beim englischen Generalkonsulate in Berlin gestellte Anfrage wurde mitgetheilt, daß es bester wäre, die deutschen Maaren vorläufig mit Ursprungs- Zeugnisten versehen zu lassen, namentlich, wenn solche über englische Häfen gehen.
Ausland.
* Wie«, 2. Aug. Heute wurde der zum ersten Male hier tagende Internationale Bergarbeiter-Kongreß eröffnet. Das Mitglied des englischen Parlaments, Burt wurde zum Präsidenten gewählt. — Der internationale Bergarbeiterkongreß nahm eine Resolution an betreffend Erstrebung des Achtstundentages, mit dem Zusatze, wonach der Achtstundentag auch auf die Obertagarbeiter auszudehnen ist. Sämmtliche Delegirten, mit Ausnahme der englischen, stimmten für die Resolution. Sodann wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die besagt, der Kongreß fordere ein Gesetz, wonach die Arbeitgeber für alle ihren Arbeitern zustoßenden Nnglücksfälle verantworllich sein sollen und keinem Gesetz zugestimmt werden dürfe, das die Umgehung dieser Verantwortlichkeit durch gegenseitige Kontrakte ermöglicht.
* Atom, 2. August. Gestern Abend veröffentlichte das Amtsblatt die Dekrete, welche die Aufhebung des Belagerungszustandes in der Provinz Como und im Bezirk Spezia, sowie die Rückgabe der Leitung der Polizeigewalt an den Präsekten in den Provinzen Como, Bergamo, Sondrio uud Brescia betreffen.
* Naris, 2. Aug. Die Blätter erkennen einstimmig, daß die Wahlen zu den General- räthen die politische Lage in den Departements- Versammlung nicht geändert haben, und daß durch dieselben keine Aenderung in der Stärke der verschiedenen Parteien eintritt. — Die Blätter melden, daß das Gericht eine Untersuchung anordnete, in welcher der Grund der Klage geprüft werden soll, welche gegen den Major Esterhazy von seinem Vetter Christian Esterhazy wegen Betrugs erhoben worden ist. Diese neue Untersuchung wird von der anderen Untersuchung getrennt behandelt werden.
„Marie, Marie!" schrie er ihr nach, aber sie hörte nicht.
Tags darauf saßen die drei Zaunhäuslers- Leut um den alten, wurmstichigen Ecktisch. Der Peter las wie gewöhnlich an Sonn- und Feiertagen im Kalender.
Da kam der Michl.
„Was Tausend, Du bist heute nicht auf dem Tanz?" fragte ihn erstaunt die Zaunhäuslerin.
„Bin nicht aufgelegt heut zum Tanzen," antwortete darauf der Michl mürrisch. „Heut gerade nicht. Was thät ich heut bei der Musik? . . . Trübsal blasen?"
„Du Michl, in Deinem Alter sollst so was nicht sagen. Nicht aufgelegt bist zum Tanzen? — Schäm Dich," neckte die Häuslerin weiter.
„So, Nachbarin, schämen soll ich mich noch? Ihr seid ein spassiges Weiberl. Uebermorgen einrücken und heut noch tanzen, was Platz hält?"
„Gehst denn nicht! Einrücken mußt — und übermorgen schon?" riefen alle Drei schier zu gleicher Zeit und hielten in ihren Beschäftigungen vor Staunen inne.
„Ja, übermorgen. Gestern auf die Nacht ist der Gemeinde-Bot' kommen und hat mir den Wisch gebracht. Einrücken, ist darauf gestanden, muß ich binnen drei Tagen. Sollt, hör' ich, in allen Hauptstädten Revolution sein, und die kleinen Städte geben auch nicht Ruhe. Und da soll das Militär her zum Dazwischensahren. Ja, binnen drei Tagen muß ich in der Stadt sein, muß alle Arbeit sein lassen daheim, wie sie geht und steht. Da fragen sie nichts darnach, die Schwerenöther."
„Gerade wie bei mir ist's, Michl, grade fo. Mich haben sie zur selbigen Zeit vom Tanzboden