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mit Mnterfiattungs-Meitage „Zllullrirte Sonntags-Zeitungs' petereeaüt Ur. i CBam»nie).

M 173. JuLda, Dienstag, den 2. August 1898 25. Jahrgang.

Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung für die Monate August und September werden noch fortwährend angenommen.

ft Das Abschieds-Gesuch Bismarcks hat gleichzeitig mit dessen Todesnachricht ein Ber­liner Blatt, der ,Lokal - Anzeiger/ veröffentlicht. Die Veröffentlichung geht aus von einem ehe­maligen Blsmarck'schen Hausgenossen, dem Haus­lehrer der Söhne des Altreichskanzlers, Moritz Busch, der damit jedenfalls im Auftrag des Verstorbenen gehandelt hat. Um so auffälliger aber muß es erscheinen, daß man es mit der Be- kanntmachuag so eilig gehabt und damit nicht einmal bis nach der Beisetzung des tobten Kanzlers gewartet hat. Dadurch wird die Auffassung geweckt, daß es sich um eine wohl vorbe­reitete Aktion handelt. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, daß Busch den Abdruck mit einer Einleitung versehen hat, die eine Menge Spitzen und Bosheiten nach verschiedenen Seiten hin enthält.

Man erfährt aus dieser Einleitung auch in­teressante Dinge, von denen einzelne bis jetzt wenig oder nicht bekannt waren, und die jedenfalls noch von sich reden machen werden. Man erfährt hier, daß der Großherzog von Baden zu seinem verstorbenen Scbwager, dem Kaiser Friedrich, gesagt habe: „Ohne Bismarck kannst Du nicht regieren." Das sei aber anders geworden unter dem Regimente mit den Machtsprüchen: „Des Königs Wille ist das höchste Gesetz", „So -will ichs, so befehle ich's, mein Wille ist entscheidend." Der Kanzler sei zu einer Rolle unter einem solchen Regiment nicht zu haben ge­wesen. Ob Busch dem Fürsten Bismarck damit eine Ehre erweist, daß er noch nach deffen Tode hervorhebt, derselbe sei ein Gegner der preußischen Landgemeinde-Ordnung gewesen, weil dieselbe dem „kleinen Manne" zuviel Einfluß ge­geben hab^, und für die kaiserlichen Erlasse vom 4. Januar 1890 habe er deshalb nicht ge­schwärmt, weil sie zuviel Arbeiterschutz angekündigt hätten, mag dahin gestellt bleiben. Em freundliches Andenken har Bismarck durch seine Opposition in dieser Hinsicht sich jedenfalls nicht gesichert. Wir hören hier, daß der Kanzler die kaiserlichen Erlasse, die er nicht unterzeichnete, in ihrer Ausarbeitung vielfach abschwächte und deren Ausführung nach Möglichkeit zu hindern suchte. Er handelte damit ganz im Interesse der Großkapitalisten, zu denen er ja selbst zählte.

Auch über den Besuch, welchen Windth orst dem Kanzler einige Tage vor dessen Entlassung durch Vermittelung des Bismarck'schen Bankiers Bleichröder machte, verbreitet sich Busch. Dieser Besuch habe mit den unmittelbaren Anstoß zu der Entlassung gegeben. Der Kaiser habe nicht dul­den wollen, daß Bismarck ohne sein Wissen und seine Genehmigung mit Abgeordneten verhandele, und habe ihm das für die Folge untersagt. Das habe Bismarck sich nicht gefallen lassen können und in diesem Sinne dem Kaiser erwidert. Darauf sei er aufgefordert worden, seine Ent­lassung zu nehmen. Und als er dann noch in einer an den Kaiser gerichteten Vorstellung habe durchblicken lassen, daß Anordnungen, welche der

SchwarzblaM.

Erzählung aus dem Böhmerwalde von Anton Schott.

6 ------ (Nachdruck verboten.)

Tag für Tag ist darauf der Michl Heimsuchen gekommen zum Zaunhäusler. Tag für Tag hat er nachgefragt, ob die Marie schon besser sei.

Da ist sie eines Tages doch aufgewacht aus ihrem Fieberschlafe, als der Michl eben fort war; sie hat geredet und reden lassen mit sich und ist nicht wieder kränker geworden. Essen haben ihr die Eltern gegeben, wie es der Doktor verordnet, leicht und nicht zu viel auf einmal, aber kräftig. Hingesetzt haben sich alle zwei an's Bett, und mit wahrer Lust haben sie der Kranken zugesehen beim Essen. Dann haben sie erzählt, was Alles vorgefallen während der Krankheit.

Die Marie ist darauf wieder eingeschlafen; aber am Abend ist sie wieder munter geworden und war schon viel frischer und fühlte sich viel kräftiger. Dann hat sie erzählt, wie es gekom­men, daß sie der Gräfin daoongelaufen und wie sie heimgekommen.

„Hab' ich mir doch alleweil denkt, daß 'was vorgefallen fein muß. Aber auf so 'was wär' mir kein Einfall gekommen," sagte darauf die Peterin.„Das wär' mir imSchlaf nicht beigekommen. Wer sucht denn bei diesen Leuten so 'was?"

„Man sucht's schon. Wenn man ein alter Soldat gewesen ist, hat man allerhand erfahren."

„Und könntest Dir es nicht denken, wer der riesige Korporal gewesen ist, der so grimmig ge­schaut hat und so streng gewesen ist?"

„Das müßt' ich nicht," antwortete Marie.

Kaiser bezüglich der auswärtigen Politik getroffen, die Ersolge gefährden könnten, welche er (Bis­marck) erzielt habe, sei abermals eine Auffor­derung des Kaisers an ihn ergangen, unverzüg- Irch sein Entlassungs - Gesuch einzureichen. Das hat er dann auch am 18. März Vormittags ge- than, und sofort erfolgte die Genehmigung des Gesuches. Bismarck ist also förmlich aus dem Amte gedrängt worden. „Ties blicken läßt die Mittheilung, daß, als Fürst Bismarck am Tage vor seiner Entlassung einen Ministerrath ein­berufen habe, um deffen Meinung zu hören, ein Kollege dem Kaiser stracks Mitlheilung davon gemacht habe." Welcher Minister das wohl ge­wesen sein mag? Wir glauben, daß er heute noch im Amte ist.

Der Wortlaut des umfangreichen Entlassungs­gesuchs spiegelt die tiefe Verbitterung wie­der, von welcher der mächtige Kanzler damals erfüllt war, als er seinen. Wirken ein Ziel gesetzt sah, während er doch immer geglaubt hatte, daß seine amtliche Thätigkeit nur mit seinem Tode ein Ende nehmen werde. Gleichsam im Tone des Vorwurfs weist er wiederholt darauf hin, wie er das volle Vertrauen der beiden ersten Kaiser genossen habe, und daß nun dieses Vertrauen ihm entzogen werden, daß seine Autorität und Stellung als Minlstrrpräsident gleichsam geköpft werden solle. Wenn man das Schriftstück liest, rollt sich vor den Augen das ganze tragische Schicksal des Mannes auf, der unter dem Groß­vater wie ein unumschränkter Herrscher schaltete und waltete, der keinen Widerstand duldete und sich für unüberwindlich hielt — und der nun unter dem Enkel plötzlich den Boden unter den Füßen schwinden sah, Schritt für Schritt wahr­nehmen mußte, daß „das Blatt sich gewendet" habe, daß er überflüssig geworden sei, gehen müsse. Menschlich begreift sich da der Groll, den er nach feiner Entlassung noch volle acht Jahre hindurch ungeschwächt in seinem Innern trug und gegen Alle wirken ließ, von denen er glaubte, daß sie an seinem Sturze mit schuld seien oder Genugthuung darüber empfänden, lieber« winden konnte er sich ja nie, und Verzeihen ist auch nicht feine „Schwäche" gewesen. Um so mehr bedarf er des Verzeihens. Die Veröffentlichung des Abschiedsgesuchs mit den Busch'schen Zuthaten dürfte noch Weiterungen nach sich ziehen.

6 Das Ableben des Fürsten Bismarck wurde in Berlin am Sonntag früh bekannt und wirkte, da in den letzten Tagen wieder günstigere Nachrichten über sein Befinden verbreitet worden waren, überraschend. Allerdings hatte der Tele­graph im Laufe des Sonnabends eine Verschlimme­rung gemeldet, allein, daß das Ende sobald schon eintreten werde, war doch nicht erwartet worden. Allem Anschein nach auch in der Umgebung des Fürsten nicht, denn Professor Schweninger war am Freitag von Friedrichsruh <16gereift und mußte, als am Sonnabend der Zustand des Fürsten sich verschlimmert hatte, telegraphisch zurückberufen werden. Erst kurz vor dem Ableben des Kranken, gegen Vs 11 Uhr Abends, traf er in Friedrichsruh ein, vermochte aber die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Die letztere und der kurze Verlaus

„Nicht? No mein', wer denkt es denn? Der Michl ist es gewesen, der Drahtbauern-Michl. Der hat uns die ganze Kasernen-Geschichte zunächst selbst erzählt."

„Ist denn der Michl jetzt wieder daheim?" fragte Marie nach einer/Pause.

„Freilich ist er daheim. Sein Vater ist im Herbst gestorben, und da hat seine Mutter hin- geschrieben zum Kommando, man möchte ihr ihn heimlassen zu der Wirthschaft. Und in der ver­gangenen Woche ist er heimgekommen vom Mili­tär. Aber gelt, groß ist er 'worden, und einen Bart hat er, daß einer vor ihm davonrennen könnt'. Bei dem hat's angeschlagen. . ."

Und noch lange redeten sie von dem und jenem. Ist es doch so gut, wenn man sich wieder einmal recht aussprechen kann.

Als der Michl des andern Tages wieder Heim­suchen kam, hielt Marie gerade ein sanftes Mit­tagsschläfchen. Leise trat er in der Stube auf; denn an der Stille, die in derselben herrschte, und dem gedämpften Reden der Nachbarsleute merkte er, es fei nicht gerathen, viel Lärm zu machen.

Von dem Erwachen gestern erzählte ihm die Nachbarin und von der raschen Besserung ihrer Tochter. „Und richtig hat das Dirndl Dich nicht 'kennt und hat keine Ahnung gehabt, daß des Nachbars Michl so ein unbändig riesenhafter Kor­poral 'worden ist. glicht einmal das hat sie ge­wußt, daß Du in der Großstadt drinnen warst."

„Nun ja, es geht öfters. so. — Aber zuwider ist es mir doch, daß es mir herausgefahren ist, daß ich der Korporal gewesen bin. Wird das Dirndl meinen, es ist mir Gott weiß wie viel Dank schuldig und . . . das mag ich nicht . . .

der tödtlichen Krankheit zeigen, daß der Zustand des Alt-Reichskanzlers in der vergangenen Woche ein weit bedenklicher war, als die veröffentlichten Nachrichten erkennen ließen, und daß das Ver- tufchungssystem, das stets bei Erkrankungen des Fürsten geübt worden, bis in die letzten Tage seines Lebens fortgesetzt ward. Dadurch konnten natürlich die Tage des Fürsten nicht verlängert und auch sein Leiden nicht erleichtert werden.

In den Kreisen seiner Verehrer, welche die Kunde von seinem Ableben in Folge dessen ganz unerwartet und unvorbereitet traf, dürsten diese Täuschungsversuche noch nachträglich sehr unan­genehm berühren, wenn sie auch menschlich begreif­lich fein mögen. Da die meisten Berliner Sonntags- Morgenblätter bereits im Druck waren, als spät in der Nacht die Todesnachricht eintraf, konnten nur wenige noch eine Würdigung der Person und des Wirkens des verstorbenen Kanzlers bringen. Bloß das eigentliche hiesige Bismarck-Organ, die berliner Neuesten Nachrichten', das jetzt an Be­deutung viel einbüßen wird, scheint eine besondere Ausgabe veranstaltet zu haben, denn es bot am Sonntag Morgen bereits einen langen Stoff über den Hingeschiedenen. Auch die,Vossische Zeitung' brachte bereits einen ausführlichen Artikel, der zweifellos zum Lobe des Kanzlers geschrieben, in einer ganzen Anzahl seiner thatsächlichen Angaben aber eineKritik des Verstorbenen enthälhwie einGeg- ner desselben in diesem Augenblick sie wohl nicht ge­übt haben würde. In dem Artikel wird von dem „Re­genten von Goites Gnaden", von „Deutschlands heimlichem Kaiser" gesprochen, als welcher Fürst Bismarck, wie Keiner, verherrlicht worden sei. Richt nur ein Mitarbeiter und Werkzeug des ersten Kaisers fei er gewesen, sondern dessen „Pfadfinder". Man braucht nicht näher anzu­deuten, nach welcher andern Seite diese Aus­lassungen noch sich wenden. Nach Aufzählung feiner, im Sinne des Artikelschreibers, hervor­ragenden Eigenschaften wird hervorgehoben, daß der Verewigte „sehr schroff" habe sein können, weil er „sehr stolz" gewesen sei. Ein gutes Ge- dächtniß habe er „in der Liebe wie im Haß" gehabt; wie er gegen feine Freunde dankbar, fei er „unerbittlich gegen feine Feinde und anschei­nend grausam gegen Männer" gewesen, „die er als Freunde angesehen hatte, um sie später als Feinde zu betrachten". Mit seiner „Herrenmoral" habe er „häufig jenseits von Gut und Böse" ge­standen. Wie man sieht, ein etwas „ge­mischtes" Lob!

Die freisinnige Zeitung' des Abg. Eugen Richter, dessen Stellung zu dem Fürsten Bis­marck ja hinreichend bekannt ist, beschränkt sich auf eine kurze, der Thatkrast und den Erfolgen des Hingeschiedenen gerecht werdende Würdigung. Auch sie hebt hervor, daß er nicht „Handlanger", auch nicht „Werkzeug" des ersten Kaisers, „sondern führend und bestimmend für die Grundrichtung in der Regierungspolitck" gewesen fei. Und das ist ohne Zweifel richtig.

Wie am Sonntag, so veranstalteten auch am Montag früh einzelne Berliner Blätter Extra- Ausgaben. Nach den übereinstimmenden Berichten dieser Blätter scheint eine Entzündung der Blut­adern, an welcher der Fürst öfters litt, das Ende so rasch herbeigeführt zu haben. Es trat eine WSWXMNzWWWWXXWWWXXMWWWWWWWSMDDWW»«»«» Ich hätte einem Wildfremden gerade so gern aus­geholfen. Wenn gerade gedankt sein muß, sagt man einfach „Gelt's Gott!" und die Sache ist abgethan. Was mehr ist, mag ich nicht leiden."

Mittlerweile erwachte Marie aus ihrem Schlafe. Einige Zeit sah sie schweigend herum, bann richtete sie sich etwas auf und streckte dem Michl die Hand entgegen.

„Grüß Gott, Michl! Es freut mich recht, daß Du aufs Heimfuchen kommst."

„Brauchst Dich nicht zu freuen deswegen," wehrte Michl verlegen ab. „Weißt ja, es ist der Brauch bei uns, und Jedes geht zum Andern heimfuchen, wenn es 'was gibt."

„Schau, baffelb, wundert mich alleweil, daß ich Dich nicht kennt hab drinnen in der Stadt. Wenn ich gewußt halt', daß Du in der Stadt wärst, und daß Du Korporal 'worden bist, könnt' es eher fein, daß ich Dich 'kennt hätt'. Die Mutter hat mir erst gesagt, daß Du's gewesen bist. . . . Und ich sag' Dir fleißig „Gelts Gott!" daß Du mir so fein heimgeholfen hast. Wo wär' ich jetzt, wenn Du nicht gewesen wärst? — Krank wär' ich 'worden und gestorben draußen in der weiten, fremden Welt. Und ist doch das Leben so gut! — Michl, das vergeß ich Dir mein Lebtag nicht!"

„Geh, schwatz nicht so lang, halt’ es ja einem An­dern auch g'rad so gelhan, g'rad so," gegenrebete er.

„Aber" . . . wollte Marie erroibern, doch ihre Mutter schnitt ihr bas Wort ab. „Laß das," sagte sie, „wenn es hall der Michl nicht leiden mag, wenn Eins so viel Aufhebens macht. Hal auch ganz recht, der Michl."

„Ja, recht Hal er, der Michl," sagte der Peter.

Verstopfung der Adern ein, in Folge deren Blut in die Lungen drang und hier einen Schlagfluß hervorrief. Nach einem Berichte soll der Fürst zwei Stunden lang in heftigstem Todes­kampfe gelegen haben. Mehrere Stunden vor dem Tode hatte ihn das Bewußtsein schon ver­lassen. An seinem Sterbelager war die ganze Familie versammelt: Die beiden Sohne mit ihren Frauen und Kindern, die Tochter und der Schwie­gersohn, Graf Rantzau, mit ihren Söhnen, Dr. Schweninger, der Sekretär des Fürsten, Dr. Chrysander, zwei Diener und eine Pflegerin.

Der Kaiser, welcher die telegraphische Mel­dung vorn Tode des Fürsten am Sonntag früh 7 Uhr in Bergen in Norwegen erhielt, wo er noch einige Tage verweilen wollte, traf Verfü­gungen zur sofortigen Abreise nach Kiel. Der Kaiser drückte der Familie Bismarck telegraphisch sein Beileid aus und äußerte gleichzeitig, wie schon telegraphisch gemeldet, den Wunsch, daß der Verstorbene in der Reichshauplstadl beiges>tzt werde. Graf Herbert Bismarck antwortete tele­graphisch, sein Vater habe vor feinem Tode an- geordnet, daß er auf einer Anhöhe am Wald­rands gegenüber dem Friedrichsruher Schlosse begraben werden solle. Hier wird wahrscheinlich am Dienstag die vorläufige Beisetzung erfolgen, bis em Mausoleum erbaut ist, in dem bann ber Fürst seine enbgiltige Ruhestätte finden soll. Ob ber Kaiser zu ber Beerdigung er­scheinen wird, steht noch nicht fest.

Am Sonntag war der Staatssekretär Graf v. Posadowsky in Friedrichsruh, um im Auftrag des Reichskanzlers mit der Familie Rücksprache wegen der Beisetzungsfeier und der Betheiligung ber Regierung an derselben zu nehmen. Als Kuriosum wirb ba berichtet, bie Absperrung am Schloßthor sei so streng gewesen, baß der Staats­sekretär V< Stunde lang am Gitter habe warten rnüffen, ehe er Einlaß erhielt. Beileidstelegramme liefen am Sonntag schon von einer Anzahl aus­wärtigen Souveräne ein, so vom Kaiser von Oesterreich, dem italienischen Königspaar, vom russischen und dem englischen Hofe, von Staats­männern u. s. w. Auch die deutsche Kaiserin und die Mitglieder des königlichen Hauses sandten Beileidskundgebungen.

Von Hamburg aus fand schon am Sonntag ein starker Andrang nach Friedrichsruh statt. Die meisten glaubten wohl schon die aufgebahrte Leiche sehen zu können. Es wurde aber Niemand zugelassen, nicht einmal in den Schloßpark. Ein Blatt berichtet, der Fürst habe schon vor Jahren mit seinen Kindern die Vertheilung seines Ungeheuern Vermögens, das sich zu nicht geringem Theile aus Dotationen und Geschenken gebildet hat, vereinbart. Friedrichsruh soll dem ältesten Sohne, dem Grafen Herbert, zufallen. Das Baarvermögen, das bei ber Bank von Eng­land (!) und dem Bankhause Bleichröder, das be­kanntlich für den Fürsten Bismarck spekulirte, hinter­legt sei, übersteige die Schätzungen um Millionen.

In Berlin merkte man äußerlich am Sonntag nicht viel von dem Ereigniß. Die Staats- und städtischen Gebäude hatten halbmast geflaggt und hin und wieder auch ein Geschäftshaus. Die Extrablätter mit Nachrichten über den Verstor­benen wurden stark gekauft.

„Ich hab' baffelb’ Gethu' auch nicht leiben mögen mein Lebtag. Grab’ offen weg und fertig! — Wie wir zu meiner Zeit auf Leipzig zu marschirt sind, wo der Napoleon drinnen gefeffen ist mit feinen Franzosen, sind wir einmal am Abend in ein Dörfl einquartirt worben. Ich und zwei Kameraden hatten bei einem Häusler-Weib Quartier kriegt, einer Wittwe mit fünf ober sechs Kindern. — Dableiben, hat sie gesagt, könnt’ ihr schon, aber zum Essen kriegt ihr nichts, wir haben selber nichts. Kein Bissen Brod ist im Haus, und die Kuh haben uns die Franzosen in ber anderen Woche geholt. — Wir sind dort geblieben, aber auf bie Nacht, wie es Essenszeit 'worden ist, sind wir foct’gangen und haben für uns und die Häusler-Leut Esten 'kauft und haben es den Leuten 'geben. Wie bie bann gegessen haben! — Und als wir am andern Morgen fort’jogen sind, haben wir auch noch Gelb her'geben, daß bas Weib unb die Kinderl auf ein paar Tag zu leben gehabt haben. Viel war's freilich nicht; wir haben halt selbst nicht recht viel gehabt. — Herrgott, ist das ein Gethu' gewesen! Aber ich bin gleich fertig gewesen. „Maul halten", hab' ich gesagt, als uns bie Bälge haben bie Hände küssen wollen, „und nicht vom Fleck rühren, bis wir fort sind. Ist nicht nothig wegen der Bagatelle." — Ja, grob muß man bei so einer Geschichte noch fein, übern Willen. Zu was ist das Gethu'? Recht hat er, der Michl!"

Und nun ber Zaunhausler auf feine Soldaten­zeit zu sprechen gekommen war, gab's kein Auf- hören mehr. ‘

* * * (Schluß folgt.)