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FuUmerW-Ieitung

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kür Inserate I. parzeller tu Lnlda. mit Jlnterhattungs-Meilage „Musirirte Sonntags-Zeitung:' peterrgaffe Nr. i (Batmonü).

48 172.

Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung für die Monate August und September werden noch fortwährend angenommen.

* Fürst Bismarck f.

Wie wir unseren Lesern in der Stadt schon am gestrigen Sonntage in der Frühe durch ein Extrablatt mittheilen konnten, ist Fürst Bis­marck am Samstag Abend aus diesem Leben abberufen worden. Schon glaubte man, es habe mit seiner Krankheit eine Wendung zum Bessern genommen; da plötzlich trat eine böse Verschlim­merung ein. Und jetzt erfährt man, daß man doch schon neulich bei dem ersten Anfalle ernste Besorgnisse um das Leben des Fürsten hegte. So war denn seit Mittwoch die ganze Familie in Schloß Friedrichsruh versammelt. Nach einer Periode großer Schmerzen folgte äußerliche Ruhe und zeitweise Bewußtlosigkeit; und um 11 Uhr Abends ist Fürst Bismarck unter den Händen seines Arztes Prof. Schweninger sanft entschlafen.

Wer wollte leugnen, daß mit dem Fürsten Bismarck ein gewaltiger Mann aus diesem Leben geschieden ist! — ein gewaltiger Mann auf dem Felde der Politik, gewaltig in seiner diplo­matischen Kunst, gewaltig in seinem persönlichen Auftreten und gewaltig in seinen Gemüthsregungen. Groß war sein Stolz, bestrickend freilich konnte auch seine persönliche Liebenswürdigkeit sein. Aber wer ihm entgegentrat oder wer ihn persönlich ver­letzte, der mußte gewahr werden, daß Fürst Bis­marck auch ein gewaltiger Hasser sein konnte, und ein Hasser mit gutem, scharfem Ge­dächtnisse, das nicht so bald oder nie vergaß, daß Fürst Bismarck einen Menschen als Gegner auf seinem Wege gefunden hatte. Der erste Kanzler des neuen deutschen Reiches war seinen Freunden ein vollkommener Freund. Aber ohne Erbarmen, fast könnte man sagen grausam, verfolgte er seine Feinde und solche Menschen, die er als Feinde betrachten zu müssen glaubte. In hohem Maße war ihm die Eigenschaft verliehen, durch seine Worte, durch seine Reden andere Menschen zu den gleichen Ansichten, aber auch zu den gleichen Leidenschaften zu entflammen, die ihn in seinem Thun leiteten; und kaum je hat ein Politi­ker, ein Staatsmann schon im Leben so hohe «Ehren erfahren wie er. Aber auch der Gegner, wenn er ehrlich sein will, muß gestehen, daß seit Mapoleon dem Ersten kein Staatsmann von ähn­licher Thatenmacht und ähnlichem Scharfblicke in die Geschicke der Staaten und Völker eingriff wie Fürst Bismarck. Bismarck war ein großer Staatsmann. Aber auch der mächtige Sonnen­ball mit seinem blendenden Glanze hat seine Flecken. Und der Flecken an dieser Sonne am politischen Himmel waren viele und große und böse! Die deutschen Katholiken wissen das viel­leicht am besten zu beurtheilen. Aber an dem Sterbelager des Dahingeschiedenen ist nicht der Ort, sich von neuem mit ihm darüber ausein­anderzusetzen.

Fürst Bismarck war nicht aus dem Holze geschnitzt wie die meisten anderen Minister. Seine Machtstellung in Preußen und im Reiche wird vielleicht am besten gekennzeichnet durch ein Wort, das einst der Großherzog von Baden zu

Schwarrblattl.

'Erzählung aus dem Böhmerwalde von Anton Schott.

b ------ (Nachdruck verboten.)

Es dunkelte schon stark, als am Hause des Zaunhäuslers eine weibliche Gestalt, über und über voll Schnee, sich über die „Greo", den ge­wöhnlich gepflasterten Steig vor der Hausthüre, schleppte.

Der Mann schnitzte noch an einem Hacken­stiele und sein Weib richtete am Ofen den warmen Trank für das Vieh her.

„Werden wir heut noch Besuch kriegen?" meinte er, als er die Gestalt am Fenster vorbei­schleichen sah.

„Wegen was? Kommt wer?" fragte sie.

„Gerade ist wer über die Gred hereingegangen, ein Weiberleut."

„Am Ende ist's eine Bettlerin, die um's Da­bleiben bittet," antwortete sie, und Beide han- tirten in ihrem Thun weiter.

Draußen stampfte es, und die Häuslerin zündete den Spahn an, damit man die An­kommende besser sehen könne. Das Aussehen, das Gesicht ist oft mehr werth als der beste Paß.

„Herrgott, unsere Marie!" schrieen Beide auf, als die Ankommende in die Stube trat. „Wie kommst Du denn heute bei dem Wetter zu uns? Was ist's denn, was gibt's?"

„Davongerannt!" schrie Marie krampshaft hervor und sank auf die Ofenbank hin. Mehr brachte sie nicht heraus. Unheimlich schüttelte sie der Frost, die Zähne klapperten, und am ganzen Leibe zitterte sie wie Espenlaub.

Jsulöa, Montag, den 1. August 1898

dem Kronprinzen und nachmaligen Kaiser Friedrich sprach. Es lautet: „Ohne Bismarck kannst Du nicht regieren." Und als wahr­scheinlich ist anzunehmen, daß auch unter dem Kaiser Friedrich der Fürst Bismarck noch lange Kanzler geblieben wäre, obwohl zunächst das gegenseitige Vertrauen zwischen dem Monarchen und dem Kanzler nicht allzu groß war. Da gingen die Schmerzenstage des ideal angelegten Kaisers Friedrich vorüber und es folgte Kaiser Wilhelm II. Zu ihm mögen manche ähnliche Worte gesprochen worden sein wie zu Kaiser Friedrich, in dem Sinne, daß er „ohne Bismarck nicht regieren könne". Aber das gemeinsame Regieren hat nicht lange gedauert. Bald fanden sich Meinungsverschiedenheiten ein zwischem dem Kaiser und dem Kanzler, und nicht lange währte es, bis Fürst Bismarck zu der Ueberzeugung gelangt war, daß seines Bleibens im Amte nicht mehr lange sein würde unter dem Kaiser, der auch von seinem Kanzler in der Subordination die militärische Strenge angewandt sehen wollte.

Nicht Herr von Puttkamer, wie Bis­marck wollte, wurde wieder preußischer Minister des Innern, sondern Herr Herrfurth, und mit diesem kam in Preußen eine Landgemeinde- Ordnung, deren entschiedener Gegner Bismarck war. Fürst Bismarck wollte das Ausnahme­gesetz gegen die Sozialdemokratie er­neuert sehen; der Kaiser und mehrere Minister waren dagegen und das Ausnahmegesetz wurde nicht erneuert. Es kamen weiter die Februar- Erlasse und die internationaleArbeiter- schutz-Konferenz in Berlin, und in allen diesen Stücken wurde gegen Bismarck's Willen und Meinung gehandelt; und da mag sich beim Kanzler der Entschluß gefestigt haben, aus dem Amte zu scheiden. Es wurde ihm keine Zeit ge- lasien dazu, das aus eigenem Antriebe zu thun. Am Morgen des 17. März 1891 brachte man ihm amtlich die Aufforderung, um seinen Abschied einzukommen; und diese Aufforderung wurde am 18. März wiederholt, als man dem Kaiser gemeldet hatte, daß Bismarck am Tage vorher noch den Ministerrath zusammen berufen hatte, um dessen Ansicht über die Sache zu ver­nehmen. So schied denn Fürst Bismarck. „Le roi me reverra“ — „der König wird mich wiedersehen!" — so hat er in der ersten Er­regung ausgerufen. Aber das, was damals viele befürchteten, ist nicht eingetreten; die von vielen Leuten befürchteten inneren Wirren als Folge der Entlassung des Fürsten Bismarck sind ausge­blieben, und es hat sich gezeigt, daß selbst ein Fürst Bismarck nicht unersetzlich ist. Man muß sogar, wenn man der Wahrheit die Ehre geben will, die Thatsache hervorheben, daß nach dem Rücktritte des Fürsten Bismarck allge­mach eine wohlthätige Beruhigung der Gemüther auf dem Gebiete der inneren Politik eintrat.

Nun ist der Mann gestorben, der zeitweise der Zielpunkt aller Blicke in Europa war. Der Mann ist nicht mehr, der so leidenschaftlich lieben und hassen konnte. Wir aber als seine ehema­ligen politischen Gegner streuen ein Häuflein Erde in sein offenes Grab und wünschen ihm, daß ihm unser Herrgott für das Große und Gute, das er

Schn ll wurde sie der nassen, dicht voll Schnee und Eis hängenden Kleider entledigt und in's Bett gebracht.

„Das Dirndl ist krank, recht krank," sagte später ihre Mutter. „Ist kein Wunder bei dem Wetter. Was es nur geben hat? Es muß was 'geben haben, sonst wär' sie nicht da, die Marie. — Wenn sie uns nur nicht stirbt!"

„Es wird was geben haben, hast Recht! Aber jetzt haben wir sie wieder daheim bei uns. Dank Gott! Und wenn sie stirbt, wer kann helfen? Alleweil ist es noch besser, sie stürbe, als wenn sie so Eine wär worden, weißt schon ..."

Marie wurde wirklich krank, schwer krank. Als der Doktor kam, erkannte er ein hochgradiges Nervenfieber und sagte, daß wohl an die drei Wochen verstreichen dürften, bis man von Besse­rung sagen könne; nur gut pflegen solle man sie und genau thun, wie er es verordne.

„ Als ob sie ihr eigenes Kind nicht gut pflegen würden! Hatten sie es doch jetzt wieder, und war es dem Verderben entrissen. Und besser, hat der Doktor gesagt, würde sie wieder werden in drei Wochen, wenn es Gott nicht anders be­schlossen mit ihr. Ein Jahr und darüber, wenn sie krank wäre, es lhäte nichts, schaute es nur dann zur Besserung her. Und wenn Gott es anders machen wolle — sein Wille geschehe!

Bewußtlos lag Marie da; nur phantasirte sie beständig vom jungen Grafen, vom Korporal und von der Eisenbahn. Wie dies zusammen­hing, vermochten die Zaunhäuslersleute sich nicht zu enträtseln. Aber Tag und Nacht wachten sie am Bette ihres Kindes. Die Nachbarn kamen auf's Heimsuchen, und es kamen die Kameradinnen,

während seines langen Lebens gethan hat, ein gnädiger Richter sein möge. Möge er, dessen Leben oft so heiß und leidenschaftlich bewegt war, nun ruhen im Frieden!

Deutsches Deich*

Berlin, 30. Juli.

* Der Kaiser hat die Nachricht von dem Tode Bismarcks gestern Sonntag (früh) in Bergen (Norwegen) erhalten. Er ließ sofort sein Schiff „Hohenzollern" auf Halbmast flaggen, bestellte die Flaggenparade ab und befahl als­bald die Rückkehr nach Deutschland. Montag Abend wird der Kaiser in Kiel eintreffen.

Der Universitätsprofeffor Dr. Lab and in Straßburg hat ein Gutachten über den l'ppe'schen Streitfall veröffentlicht, das sich in allen Stücken gegen den Grafe« Kr«k zur Lippe- ZLiesterfeld richtet. Professor Labaud bestreitet dem Grafen die Thronfolgeberechtigung, seinen Kindern die Ebenbürtigkeit und sucht darzuthun, daß der Familie des Grafen schon aus politischen Rücksichten gar nicht die militärischen Ehrenbe­zeugungen erwiesen werden können, die er wünscht. Denn würde das geschehen, so würde der Graf daraus sicher einen neuen Beweis dafür herleiten wollen, daß „der Kaiser ihre (eben der Kinder) Familienangehörigkeit, Ebenbürtigkeit, Thronfolge­fähigkeit anerkannt habe". Nach Professor Laband würde dann „die scheinbar so harmlose Geneh­migung einer an sich unbedeutenden Ehrenerweisung zum Fallstricke dienen, um den angestammten Thronfolgerechten ebenbürtiger und legitimer Agnaten Abbruch zu thun". Man sieht daraus, wie hitzig Herr Professor Laband für die Ansprüche des Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe eintritt. Ein so bedeutender Lehrer des Staatsrechtes aber auch Herr Professor Laband ist, so bleibt Herrn Laband doch noch immer die allgemein menschliche Schwäche des Irrens; und so geht es ihm auch in diesem Falle. Einstimmig ist der Schiedsgerichts­hof unter dem Vorsitze des Königs von Sachsen zu dieser Ansicht gelangt; und einstimmig hat dieser Gerichtshof die Anschauungen des Professor Laband abgelehnt, der in dieser Sache als Rechts­beistand des Prinzen von Schaumburg-Lippe thätig war. Ebenso einstimmig hat auch dieser Gerichts­hof sich dahin ausgesprochen, daß die Ehe mit einer Dame niederen Adels weder nach gemeinem Fürstenrecht, noch nach lippe'schem Hausrecht un­ebenbürtig war. Es ist also nicht recht zu begreifen, warum der Straßburger Staatsrechtsgelehrte nochmals seine bereits verworfene Anschauungen an die Oeffentlichkeit bringt, ohne daß ihn jemand dazu aufgefordert hat, und noch dazu mit so hitzigem Eifer. Der Gerichtshof, der am 22. Juni 1897 seinen Schiedsspruch zu Gunsten des Grafen Ernst zur Lippe-Biesterfeld abgab, bestand aus dem König Albert von Sachsen als Vorsitzender, dem Präsidenten des Reichsgerichts Dr. v.Oehlschläger, drei Senatspräsidenten des Reichsgerichtes und zwei Reichsgerichtsrächen.

* Der Hofbericht meldet: „Wie nachträglich bekannt wird, hat die Fürstin von Autgarie« mit dem Prinzen Boris am Mittwoch in der Kapelle des russischen Botschafts­palais dem Gottesdienste beigewohnt, der

welche sie immer „Schwarzblattl" geschimpft und geärgert hatten. Sie alle kamen, denn im Walde ist es Brauch, die Kranken zu besuchen. Und der Feind geht da zum Feinde. In der Noch stehen sie für einander und neben einander, die Wäldler; ist die Noth dann gewichen, sind sie wieder die Alten, sind Freund und Feind.

Da kam eines Tages ein gar seltener Besuch: des Nachbars, des Drahtbauern Michl. Der Drahtbauer war gestorben, und die Wittwe gab ein um ihren Buben, der beim Militär war; sie brauchte ihn so nothwendig zur Wirtschaft.

„Je, der Michl!" rief die Zaunhäuslerin er­staunt. „Grüß Gott!" Sie hatte den Burschen nicht gesehen, seit er eingerückt. „Bist halt ein seltsamer Gast. Und wie groß Du gewachsen bist seither! Bist ein gehöriges Stück worden. Und der Bart! Geh, den mußt Dir wegschaben, das ist nichts! Siehst gerade nochmals so alt aus damit. . ."

„Aber noch einmal", meinte der Zaunhäusler. „Du, Mlchl, Dich haben sie beim Militär nicht schlecht gefüttert. Kein Spaß, wirst es gut gehabt haben dort. Ich kenn' Dir's an."

„Und die Marie, ist die noch nicht besser?" fragte dann der Michl. „Die Mutter hat mir's gleich erzählt, wie ich heimkam, daß sie krank ist." Er suchte dem Gespräche eine andere Wendung zu geben, da er wußte, wenn der alte Peter aus's Militär zu sprechen kam, gab's nicht so bald ein Ende. Dann erzählte er alles, was zu seiner Zeit sich zugetragen, und den Franzosenkrieg wußte er vom Ansang bis zum Ende. Hatte er ihn doch selbst als schneidiger Feldwebel mitgemacht und das Kanonenkreuz davongetragen.

25. Jahrgang

dort aus Anlaß des Geburtstages des Groß' fürsten Wladimir stattgefunden hat. Der Fürst war am Erscheinen verhindert." — Ist denn die Fürstin auch vom katholischen Glauben ab­gefallen?

* Der freisinnige Abg. Enge« Attestier hat am Samstag sein 60. Lebensjahr vollendet; er ist am 30. Juli 1838 in Düsseldorf als Sohn des Generalarztes des VIII. Armeekorps geboren. Er studirte von 1856 bis 1859 zu Bonn, Heidel­berg und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften, wurde Regierungsreferendar zu Düsseldorf und 1864 Assessor. Zum Bürgermeister von Neuwied gewählt, aber von der Regierung nicht bestätigt und gegen seinen Wunsch nach Bromberg versetzt, weigerte sich Richter, dieser Verfügung zu folgen, verließ den Staatsdienst und widmete sich der Presse, in der er eine rege und umfangreiche Thätigkeit entfaltete. Im Jahre 1867 wurde er im Wahlkreise Nordhausen als liberaler Kandidat für den Reichstag gewählt. In jenem ersten Reichstag war Eugen Richter Jugendschriftsührer, ebenso wie Herr v. Stumm und der spätere Minister Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode. Richter zählte erst wenig mehr als 28 Jahre. In diesem Reichstag hat er nicht gesprochen. Seine erste parlamentarische Rede hielt et im Abgeordnetenhause, wohin ihn der Kreis Königs­berg in der Neumark entsandt hatte, am 13. Februar 1869. Seit jenem Jahre gehört Richter ununter­brochen dem Abgeordnetenhause, seit 1870 auch wieder dem Reichstage an.

* In Betreff der Alangordrmrrg der ä?ro- festoren wird in der Juli-Nummer der ,Blätter für höheres Schulwesen' Klage darüber geführt, daß, obwohl nach dem Allerhöchsten Erlasse vom 27. Januar d. I. an alle zu Professoren charakte- risirten Oberlehrer der höheren Lehranstalten der Rang der Räthe vierter Klasse verliehen werden könne, bisher eine größere Anzahl Pro­fess oren von dieser Auszeichnung ausgeschlossen geblieben sei. Der Verfasser des Artikels spricht selbst die Vermuthung aus, daß diese Maßregel nur provisorisch sei und baldigst weitere Er­nennungen erfolgen würden. — Die .Kreuz­zeitung' kann nach den von ihr eingezogenen Er­kundigungen diese Ansicht bestätigen.

X Nach einer Mittheilung der .Deutschen Tageszeitung' wird binnen kurzem die Sitzung des Ausschusses des Mundes der Landwirlye stattfinden, in der über den Nachfolger des Herrn v. Plötz im Bundesvorsitze entschieden werden soll. Die .Deutsche Tageszeitung' stellt sich so an, als brenne ganz Deutschland vor Ungeduld darauf, den Namen des Nenerwählten zu erfahren. Aber sie irrt. Die Macht des Bundes der Land- wirthe hat sich bei den letzten Reichstagswahlen bekanntlich durchaus nicht als so groß erwiesen, daß es Deutschland nicht noch recht lange aus­halten könnte in der Unkenntniß darüber, wer der Nachfolger des Herrn v. Plötz im Vorsitze des Bundes der Landwirthe sein wird.

X Der „Gänse-Krieg" ist noch immer nicht beendet. Der Waffenstillstand ist von neuem verlängert, die angedrohten russischen Zoll­erhöhungen sind noch einmal hinausgeschoben worden. An maßgebender Stelle in Berlin ist noch kein vollständiges Einvernehmen erzielt

„Ist aber schon eine schöne Zeit", fuhr der Michl fort, „seit sie krank ist. Und noch keine Besserung? Da wird mir nicht wohl dabei."

„No mein, hat der Doktor selber gesagt, daß es gewiß drei Wochen ansteht, bis sie besser wird. Es wird sich schon wieder geben; der liebe Herr­gott wird schon thun, was recht ist", plauderte die Mutter.

„Und ganz allein ist sie selbiges Mal 'kommen, in dem Wetter? Da gehört eine eiserne Natur dazu. Wie alles kommen kann!" sagte er darauf mit nicht ganz sicherer Stimme. „Hält' ich selbiges Mal Urlaub kriegt, wär ich schon heimgefahren mit ihr. Ich hält'sie nicht allein fahren lassen. — Aber Ihr wißt ja, Nachbar, wie es beim Militär ist. Gehorsam muß sein; seinem Dienst muß man nachkommen, und wenn es den Kopf kostete."

„Wie, Michl, Du hättest es gewußt, daß das Dirndl heimgeht?" fragten Beide zugleich. „Geh', sag' uns, wie es gewesen ist, und wegen was es so abgehärmt war. Sie selbst hat nichts mehr sagen können, hat nichts mehr herausgebracht, als davongerennt!"

„Wie es gewesen ist, kann ich euch nicht sagen. Aber ich hab' selbiges Mal Wacht gehabt, und da hat ein Posten sie angerufen und gestellt. Ich hab' sie gleich gekannt; ihr ist's aber nicht ein­gefallen, daß ich der Michl sein könnt'. Ich hab' sie einvernommen, und wie sie gesagt hat, sie möcht' heim und hält' keinen Pfennig, hab ich ihr Geld gegeben zum Heimfahren. Und ein Umhäng­tuch hab' ich ihr gekauft, weil sie mich erbarmt hat in ?em zarten Gewandt. Sie hat es nicht nehmen wollen: da hab' ich mich recht grimmig gestellt, und sie hat nachher gemeint, wer weiß.