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mit Zlnlerhattungs-Aeilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!'
JuLöcr, Samstag, den 30. Juli 1898
25. Jahrgang.
Wochen-Rundschau.
(Rachdruck verboten.)
X Fulda, 30. Juli.
Merkwürdige Begebenheiten hat die abgelaufene Woche zu Tage gefördert, Dinge, die, wenn Jemand noch vor Monatsfrist sie vorausgesagt hätte, man in das Reich der Fabel verwiesen haben würde. Im Vordergründe der Diskussion steht da der Brief resp. Depeschenwechsel zwischen dem Landesherrn von Lippe- Detmold, Grasen von Lippe-Biesterfeld und dem deutschen Kaiser. Die Vorstellung, welche der Lippe-Detmolder an den Kaiser richtete, hat seitens des Letztem, nach bis jetzt unwidersprochen gebliebenen Mittheilungen, eine Antwort erhalten, welche die meisten Blätter zunächst sich scheuten, ihren Lesern zur Kenntniß zu bringen, weil sie einen derartigen Meinungsaustausch zwischen zwei deutschen Souveränen schlechterdings nicht für möglich hielten. Allein, was nach und nach über die Sache bekannt wurde, ließ doch keinen Zweifel mehr daran, daß, wenn auch der Wortlaut des kaiserlichen Telegramms an den Lippe- schen Landesherrn nicht genau dem veröffentlichten entsprechen sollte, dasselbe doch in einem Lapidarstil abgefaßt ist, der überall, auch in den „patriotischen" Kreisen großes Staunen, wenn nicht Verblüffung hervorgerufen hat. Es wird nun zur Entschuldigung des Telegrammstils darauf hingewiesen, daß man vor Abgabe eines endgiltigen Urtheils in der Sache den Inhalt des Briefes kennen müsse, den der Lippe'sche Souverän an den Kaiser gerichtet habe; vielleicht, daß dieser die scharfe Antwort erkläre. Das ist an sich richtig, allein eine so vollständige Unkenntniß über den Inhalt dieses Schreibens herrscht denn doch nicht. Aus derselben Quelle, aus der die Veröffentlichung des kaiserlichen Telegramms geflossen, ist auch mitge- theilt worden, daß Ton und Inhalt des Lippe'schen Schreibens eine derartige Antwort nicht habe erwarten lassen können, und dieser Behauptung ist bis jetzt von keiner Seite widersprochen worden, obschon inzwischen Zeit genug dazu gewesen wäre. Der Lippe'sche Landesherr habe, so ist berichtet worden, in einem so ehrerbietigen Tone sich an den Kaiser gewendet, daß ein einfacher Staatsbürger es nicht unterthäniger hätte thun können. Wenn das richtig ist, muß man viel mehr hierüber sich wundern, da doch der Landesherr von Lippe in seinem Lande von genau derselben Unabhängigkeit und Majestät umgeben ist, wie der König von Preußen in dem feurigen. Denn daß der Letztere über 30 Millionen das Scepter trägt, der Erstere dagegen nur über etwa 150000 Seelen, verschlägt zur Sache gar nichts; die Souveränetät ist bei Beiden ganz die gleiche. Dieses Moment aber würde es erklären, wenn der Verlauf der Angelegenheit in den Kreisen der Bundesfürsten eine gewisse Beunruhigung Hervorrufen würde, sie befürchten ließe, es möchte die Anschauung Raum gewinnen, als seien sie gewissermaßen nur Vasallen des Bundespräsidenten, der den Titel Kaiser führt. Und aus diesem Gefühl heraus dürfte auch die Veröffentlichung dieses Vorganges erfolgt sein, wenn auch nicht von einer der betheiligten Seiten, so doch jedenfalls von einer, die genaue Kenntniß von der Sachlage hat, und das sind ja viele „Seiten", da der Graf von Lippe-Biesterfeld unter Schilderung des Vorganges eine Vorstellung an die deutschen Bundesfürsten gerichtet hat, auf deren Er- gebniß man auch gespannt sein darf.
Daß die Veranlassung des so großes Aufsehen erregenden Vorganges eine in unsere Zeit vielleicht nicht mehr so recht passende ist: Form und Maß des Grüßens fürstlicher Sprößlinge ist für die Beurtheilung der Sache auch gleichgiltig; das Wesentliche, worauf es ankommt, ist, daß der Landesherr einem seiner Befehle im eigenen Lande nicht Gehorsam zu verschaffen wußte, und da braucht man, um die Konsequenzen davon zu erkennen, blos die Frage zu stellen, was wohl geschehen würde, wenn die Sache umgekehrt läge, wenn eine derartige Gehorsamsverweigerung in Preußen vorkäme. Die Antwort darauf kann sich Jeder geben. Man darf nun neugierig sein, wie die Sache weiter sich entwickeln wird, namentlich von Seiten'der Bundesfürsten, von denen ja jeder befürchten mag, daß auch ihm Aehnliches passiren könne. Soviel aber steht heute schon fest, daß die Reichseinheit keinen Vortheil von der Sache hat; wohl aber dürfte die „Reichsverdrossenheit" dadurch gefördert werden. Im klebrigen haben die größte Freude daran die Sozialdemokraten, und man wird nicht leugnen können, daß sie Ursache dazu haben.
Die, zweite merkwürdige Begebenheit ist ein sTc fische» Preußen und Rußland. Nicht daß die Kapitalsretter beider Staaten einen blutigen erirauö miteinander ausgefochten hätten; es handelt sich um einen Zollkrieg zwischen den beiderseitigen Re- gterungen. Das preuß. Ministerium der Landwirth- schaft hatte auf Drängen der ostelbischen Agrarier, denen die russische Gans wegen der Konkurrenz, die sie der ihrigen macht, ein Greuel ist, den Zutrieb der moskowitischen Gänse auf dem Landwege untersagt, um, wie der offizielle Grund hieß, der Einschleppung der Geflügelcholera vorzubeugen. Nur auf der Bahn sollten die Gänse eingeführt werden dürfen, nachdem vorher strenge Untersuchung stattgefunden. Natürlich wäre dadurch die Einfuhr bedeutend erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht worden. Das aber gedachten die Russen nicht ruhig hinzunehmen; ihr Finanzminister sagte: Unsere Gänse sind uns ebenso theuer, wie euch Deutschen eure Lederwaaren, von denen viel nach Rußland ausgeführt wird. Sprach? und legte zur Vergeltung einen höheren Zoll auf feine Leder
waaren, die hauptsächlich Offenbach a. M. nach Rußland liefert. Jetzt schrie wieder die Offenbacher Lederindustrie: wenn der Zoll «chöht wird, sind wir nicht mehr konkurrenzfähig und müssen zu Grunde gehen. Das aber konnte der Regierung auch nicht gleichgiltig fein, und so sah sie sich unvermuthet vor ein unausweichliches „Entweder — Oder" gestellt. Sie wählte das „Oder", ließ den Gänsezutrieb auf dem Landweg wieder zu, worauf die russische Regierung die Zollerhöhung auf Lederwaaren znrücknahm. Das ist der Ausgang des berühmten Gänsekrieges am Schluffe des 19. Jahrhunderts; er hat der preuß. Regierung gezeigt, daß jedes Ding zwei Seiten hat, und daß „Vorgethan und nachbedacht" selten gut thut, selbst wenn es auf Anregung der ostelbischen Agrarier geschieht.
Gegen das geltende Reichstags-Wahlrecht Hetzen und wühlen die mittelparteilichen Feinde desselben fortgesetzt. Während die einen die geheime Abstimmung beseitigt wissen wollen, verlangen andere noch dazu die Verminderung der Wählerzahl durch Erhöhung des wahlfähigen Alters von 25 auf 30 Jahre und Einführung eines ständisch gegliederten Wahlsystems, welches den Zweck hätte, den schlimmsten Volksfeinden, den Kartellbrüdern, für alle Zeiten die Mehrheit int Reichstage zu sichern. Natürlich wird die volksfreundliche Mehrheit des Reichstages nicht so dumm sein, diesen Akt des politischen Selbstmordes vorzunehmen, selbst den Ast abzusägen, der sie trägt; und deshalb fordern einzelne Kartellblätter die Bundesfürsten auf, einen Staatsstreich zu verüben, das bestehende Wahlrecht einfach abzuschaffen und ein dem preuß. Klassensystem ähnliches einzuführen. Wenn die Fürsten thöricht genug wäpen, einen solchen Rath zu befolgen, so würde das selbstredend nicht ohne die schwersten politischen Erschütterungen vor sich gehen, bei denen wahrscheinlich das deutsche Reich in Trümmer und Alles durcheinander gehen würde. Ob die Wähler gegen das Wahlrecht darüber sich klar sind, wird man bezweifeln dürfen, ebenso, daß sie bereit sein sollten, die Verantwortung dafür zu tragen.
In den parlamentarischen und politischen Wirren in Oesterreich ist eine überraschende Wendung eingetreten : Die Regierung hat die erst vor einigen Wochen vertagte Parlamentssession geschlossen, und damit ist vorläufig jede Hoffnung geschwunden, die Sprachenfrage in ordnungsmäßig parlamentarischer Weise zu erledigen. Die Vertagung des Reichsraths bis zum Herbst war seiner Zeit erfolgt, weil der Ministerpräsident Graf Thun gehofft hatte, es werde ihm gelingen, in persönlicher Verhandlung mit den einzelnen Parteien eine Einigung in der Sprachenfrage herbeizuführen. Wäre dies geschehen, so würde er bann sofort wieder den Reichsrath einberufen haben, um von diesem die getroffene Vereinbarung gutheißen zu lassen und damit endlich den Sprachenstreit aus der Welt zu schaffen. Seine gutgemeinten Versuche sind aber gescheitert — hauptsächlich in Folge der widerlichen Hetze der sogenannten Deutschnationalen, einer gewissenlosen Gesellschaft, deren Götze der — Bismarck ist, derselbe Mann, der 1866 das schwere Unglück über Oesterreich gebracht hat! Diese Elemente suchen jede Versöhnung der einzelnen Volksstämme zu hintertreiben, und die übrigen Deutsch-Liberalen lassen sich auch von ihnen einschüchtern, lehnen jedes Entgegenkommen ab. In Folge dessen hat nun die Regierung den Reichsrath geschlossen, und sie wird jetzt auf Grund des § 14 des Staatsgrundgesetzes, der diesen Fall vorgesehen hat, die Sprachenfrage selbstständig, ohne Mitwirkung des Parlaments, ordnen, ebenso den Ausgleich mit Ungarn. Daß hierdurch die politische Sage in Oesterreich nicht gebessert wird, ist klar; für den Augenblick aber blieb nichts Anderes übrig.
In Frankreich wird die öffentliche Diskussion fortgesetzt noch von der Dreyfus-Frage beherrscht, die, wie wir wiederholt schon hervorgehoben haben, erst zur Ruhe kommen wird, wenn eine gründliche neue Untersuchung derselben von Anfang an und, je nachdem, auch eine neue Gerichtsverhandlung gegen Dreyfus stattgefunden hat. Einstweilen ist der wegen Beleidigung des Kriegsgerichts zu 1 Jahr Gefängniß verurtheilte literarische Schmutzfink Zola, der sich so aufdringlich als Dreyfns-Retter aufspielte, durchgebrannt und hat dadurch die Dreyfus-Freunde in nicht geringe Verlegenheit gebracht. Auf der andern Seite wird die Untersuchung gegen den Major Esterhazy, auch ein höchst zweifelhaftes Subjekt, der in der Drey- As-Angelegenheit eine sehr dunkle Rolle gespielt hat, fortgesetzt, und was dabei herauskommt, ist nichts als Schmutz, wie denn überhaupt das heutige Frankreich im Schmutz der „Korruption inb Sittenlosigkeit" zu ersticken droht. Zola unb Esterhazy — bieses Zuhälterpaar bilbet heute den Typus der an der „Spitze der Civilisation" marschirenden „großen Nation'" Das sagt genug.
Die endlose Schraube des Militarismus geht wieder um. Eben wirkt sie in England, wo die Regierung vorn Parlament zu einem schon früher bewilligten Kredit von 140 Millionen noch einen weiteren von 160 Millionen Mark für Kriegsschiffe verlangt, und diese Forderung mit dem Hinweise auf Rußland begründet, das eben 10 große neue Schlachtschiffe baue, und von dem sich England nicht überflügeln lassen dürfe. Daß England, als reines Insel- reich und mit seinen überseeischen Kolonien, eine starke Flotte haben muß, größer als irgend eine andere Macht, ist klar, aber, so muß man sich doch fragen, wo soll es hinaus, wenn alle Staaten in einer Weise fortgesetzt rüsten, wie das seit jetzt 25 Jahren geschieht, wenn einer dem andern es zuvor zu thun sucht! Hat jetzt England die geforderten Schiffe, die vom Parlament natürlich bewilligt werden, gebaut, so kommen andere Regierungen und berufen sich für Neuforderungen wieder auf England, und so können die d e u t s ch en Steuerzahler sich schon heute an der „erfreulichen" Aussicht laben, daß auch ihnen vielleicht bald eine
neue Marinevorlage „blüht". So geht es unaufhörlich fort — bis es nicht mehr geht!
Nordamerika und Spanien liegen immer noch im Kriege mit einander, aber Spanien hat nach langem Sträuben sich doch genöthigt gesehen, um Einleitung der Friedensverhandlungen zu bitten. Inzwischen haben die Amerikaner noch mehrere cubanische Häfen beschossen unb spanische Schiffe in ben Grund gebohrt. Im Jntereffe der Menschlichkeit wie in dem des schon eigentlich vollständig niedergeworfenen Spanien wäre es dringend zu wünschen, daß dem Kriege schleunigst ein Ende gemacht würde, und Derjenige, dessen Vermittelung das zu Stande bringt, wird sich um die Menschheit große Verdienste erwerben.
Crispi als falscher Prophet.
In der »Augsburger Postzeitung' erinnert ein Mitarbeiter an die fortgesetzten Bemühungen der italienischen Staatsmänner auf Unterwühlung der Einheit der Kirche resp. Zerstörung des Papst- thums. Eine Hauptrolle spielte dabei natürlich „Ehren-Crispi", von dem auch noch ein interessantes, bis jetzt nicht bekannt gewordenes Wort erzählt wird. Das Blatt schreibt:
„Bereits in den Jahren 1872 bis 1875 offenbarte sich einschlägigen Kreisen die im Stillen wirkende Aktion des Quirinals. Durch die diplomatischen Agenten wurde bei den Regierungen von Wien, Paris, Madrid und Lissabon mit allem Eifer darauf hingearbeitet, um sich der Mitwirkung dieser katholischen Mächte zu versichern. Nach aller menschlichen Berechnung war in Bälde ein Conclave zu erwarten, und man meinte, ein mehr oder minder offener Druck der katholischen Staaten würde in erwünschter Weise die Wahl eines neuen Papstes beeinflussen. Der Nachfolger Pius IX. sollte sich mit dem ks.it accompli abfinden, er sollte vor der im neuen Italien so unbeschränkt herrschenden Loge kapitu- liren. Zu keiner Zeit wohl hegte man größere Hoffnungen im Quirinal, seine Ziele zu erreichen. Wie wenig freilich der Erfolg den Erwartungen und Mühen entsprach, ist sattsam bekannt.
Bald sehen wir dann Crispi in der Verfolgung desselben Planes zu anderen Mitteln greifen und zur brutalen Gewalt seine Zuflucht nehmen. In den Jahren 1887 bis 1888 entbrennt jener wirklich ruchlose Kampf gegen die mildthätigen Institutionen und Stiftungen, die Opere Pie, und 1889 bis 1890 wird der Codex Zanardelli geschaffen, um einen neuen Rückhalt für die Angriffe gegen den Klerus zu gewinnen. In jene Zeit nun fällt eine Unterredung, von welcher Schreiber dieser Zeilen Kenntniß erhielt und deren Inhalt offen die kirchenpolitischen Ziele der italienischen Regierung enthüllt. Minister Crispi war es, der belegte Besprechung mit einem beim Quirinal beglaubigten Botschafter führte. Der Name des letzteren thut wenig zur Sache; es mag genügen, zu bemerken, daß besagter Botschafter zwar Protestant, aber Vertreter einer katholischen Macht war. Crispi hatte um so weniger Grund, seine Gedanken zurückzuhalten, als er bei diesem Diplomaten auf verständnißinniges Entgegenkommen zählen konnte.
Nur zehn Jahre, versicherte damals der italienische Staatsmann, müsse er noch am Ruder bleiben, dann wäre er sicher, feine Ziele zu erreichen ; binnen zehn Jahren würde er nämlich entweder den Papst gezwungen haben, sich ihm zu unterwerfen, oder aber die Schöpfung von Nationalkirchen ins Leben gerufen haben."
So Crispi vor zehn Jahren. Und heute! Der einst gefeierte Staatsmann mußte als moralisch gebrochener und gerichteter Mann sich in die Einsamkeit zurückziehen. Das Papstthnm dagegen steht mächtiger denn je da, und kein Geringerer, wie Kollege Visconti Venosta sah sich neulich zu folgendem Geständniß gezwungen:
„Das Papstthum kann nicht niedergekämpft werden. Die ganze Katholikenverfolgung der letzten sechs Jahre ist unnütz gewesen. Die Kraft des Papstthums und der katholischen Partei ist beständig gewachsen, sie ist nie größer gewesen, als gerade jetzt. Ich betrachte den Vatikan als den eigentlichen Herrn der Situation. Wir Italiener müssen zu einem Abkommen mit ihm gelangen — um den Preis eines schweren Opfers für unfern Stolz, oder aber unser Volk geht in naher Zeit einer schrecklichen Katastrophe entgegen, zu der die jüngsten Unruhen das Vorspiel waren."
Vermischtes.
* AährwerlH des Lrommißvrotes. Eine Doktorarbeit über den Nährwerth des Kommißbrotes hat K. Pannwitz veröffentlicht. Der Autor hat, wie die ,D. Med. Wchschr/ berichtet, an den Untersuchungen über die Ausnutzungsmöglichkeit des Soldatenbrotes theilgenommen, welche unter Plagges und Lebbins Leitung im hygienisch-chemischen Laboratorium der Kaiser- Wilhelms-Akademre ausgeführt worden sind. Ihm war besonders die Ausgabe zugefallen, das Kommißbrot und eine Anzahl von Verbesserungsvorschlägen, wie sie in
Bezug auf Schälung des Korns, Größe des Kleienaus' zuges und Vermahlungsgrad vorlagen, nach ihrem Nährwerth zu prüfen. Der Bericht über die 34 von ihm persönlich unter diesem Gesichtspunkt angestellten mühsamen, entsagungsvollen und körperlich angreifenden Verdauungsversuche nebst den Belegen und Protokollen hierzu bildet den Inhalt seiner Doktorschrist. Das Er- gebniß besteht im wesentlichen darin, daß die Ausnutzung des jetzt vorschriftsmäßigen Soldatenbrotes durch Schälung oder Kleienzusatz nicht erhöht werden kann, daß eine Verbesserung aber wohl möglich ist und sich durch Anwendung feinerer Mehlsiebe und Steigerung des Kleieauszuges von 15 auf 25 pCt. erreichen läßt.
* Wie stch eine ^rintabontta kegitimirk. Den Angestellten eines New - Iorker Postamtes wurde vor Kurzem ein seltener Kunstgenuß gratis geboten. Die berühmte Diva Marianne Brandt fragte bei dem betreffenden Amte nach ihren Briefen an. „Haben Sie nichts bei sich, womit Sie Ihre Identität beweisen können?" fragte der Schalterbeamte. „Leider nicht. Ich habe meine Karte im Hotel gelassen. Aber es ist schon richtig, 'ich bin die Sängerin Marianne Brandt," entgegnete die Primadonna etwas ungeduldig. „Das kann jede Dame sagen," beharrte der ungalante Postmensch. „Aber nicht jede dürfte es sofort beweisen können," meinte nun die Diva mit feinem Lächeln. „Hören Sie, bitte!" Nach diesen Worten setzte sie zu einer Kadenz an, die ihre herrliche Stimme zur vollsten Geltung kommen ließ. So brillant klangen die perlenden Töne von ben Lippen der gefeierten Sängerin, daß sich überall die Thüren und Schalterfenster öffneten und mindestens ein halbes hundert Köpfe zum Vorschein kam. Der Beamte, welcher diese merkwürdige Art der Legitimation provozirt hatte, wartete ruhig, bis die Dame zu Ende war, dann händigte er die Briefschaften aus und sagte einfach: „Danke Ihnen vielmals; hier sind Ihre Briefe."
* Der Berlobungsring am Fußknöchel. Eine gegenwärtig irnHarz weilende junge Amerikanerin erregte die Aufmerksamkeit der übrigen Touristen dadurch, daß sie am Knöchel ihres rechten Fußes einen breiten, goldenen Ring trug, den man bei hochgeschürztem Kleide sehr gut sieht. Auf Befragen gab die Dame an, daß dies das neueste Schmuckstück der eleganten Welt New-Aorks, ein Verlobungsring, fei. Der Ring ähnelt einem Armband, das der Braut vorher angemessen wird und so gearbeitet ist, daß der Strumpf bequem an- unb ausgezogen werben kann, ohne baß hierbei ber Ring abgestreift wirb. Er besteht aus purem Golbe unb ist mit einem kleinen Schloß versehen, zu welchem allein ber Bräutigam den Schlüffe! besitzt. — Echt amerikanischer Unsinn!
* Ein schneidiges Mädchen. „ . . . Habe ja gehört, Herr Rittmeister, baß sich bie kleine Kommerzien- raths-Tochter so sehr für Sie intereffirt!“ — „Habe auch schon bavon gehört. Begreife nicht, wo die Kleine bie Courage hernimmt!"
* Unmögliches erwartet. Gnäbige Frau: „Also auch bei ben Pyramiden waren Sie? Gewiß haben bieselben einen überttmltigenben Eindruck auf Sie gemacht!" — Lieutenant: „Sie hätten recht, meine Gnädige, wenn überhaupt etwas in der Sage wäre, preußischen Sieutenant zu überwältigen!"
* Verlockend. Student: „Achtzig Mark soll der Anzug kosten?" — Schneider: „Keinen Pfennig weniger!" — Student: „Aber, Meister, bedenken Sie, ich zahle Ihnen gleich bei der Ablieferung drei Mark an!"
* Variante. „Ihre Hochzeit ist im März gewesen?" — „Jawohl, ich bin März-Reingesallener."
Literarisches.
Vßikosophisches Iahrvuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görresgesellschaft unter Mitwirkung von Prof. Dr. Jos. Pohle zu Breslau und Prof. Dr. Jos. Dam. Schmitt zu Fulda herausgegeben von Prof. Dr. Const. Gutberlet in Fulda. 11. Band. 3. Heft. Fulda, Druck und Kommissions-Verlag der Fuldaer Aktiendruckerei.
Inhalt des 3. Heftes: I. Abhandlungen. 1. C. Svorcik 0. S. B., Ueberstchtliche Darstellung und Prüfung der philosophischen Beweise für die Geistigkeit und die Unsterblichkeit der menschlichen Seele. 2. A. Seitz, Die Freiheitslehre der lutherischen Kirche in ihrer Beziehung zum Leibnitz - Wolff'schen Determinismus. 3. Deutler, Der Novf nach Anaxagoras (Schluß). II. Recenfionen und Referate. H. Wolff,Neue Kritik der reinen Vernunft, von Al. v. Schmid. — L. Goldschmid, Die Wahrscheinlichkeitsrechnung, von C. Gutberlet. — I. Dippel, Der neue Spiritismus, von demselben. — H. Cornelius, Psychologie als Erfahrungswissenschaft, von demselben. — R. Müller, Naturwissenschaftliche Seelenforschung, von demselben. — U. Kramar, Die Hypothese der Seele, ihre Begründung und metaphysische Bedeutung, von demselben. — L. Stein, Die soziale Frage im Lichte der Philosophie, von Ph. Huppert. — I. Biederlack, J. 8., Die soziale Frage, von demselben. — E. Pfleiderer, Sokrates und Plato, von G. Spicker. — G. Frhr. v. Hertling, Descartes' Beziehungen zu Scholastik, von Al. Otten. — P. v. Lind, Eine unsterbliche Entdeckung Kant's, von C. Gutberlet. III. Philosophischer Sprechsaal. IV. Zeit - schriftenschau. V.Miseellen und Nachrichten.
Gottesdienstordrmng in Fntda.
Sonntag, 31. Juli. Dom. 5, 6, 63« und 7‘/i Uhr hl. Messen, 6 Uhr hl. Messe und Kommunion des dom- pfarrl. Mütter-Vereins, 9 Uhr Umgang, Hochamt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1'/- U. Andacht und Christenlehre, 23/« Predigt und Andacht für den Mütterverein, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. — Ktadtpfarrkirchr. 5 U. hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 U. hl. Mefle und Kommunion der christenlehrpfl. Jungfrauen, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9‘/« Uhr Hochamt und Predigt, 11 und l‘/i Uhr Christenlehre, 3 Uhr Michaelsbruderschaft. — Michaelskirche. 10 Uhr hl. Messe mit Segen, 2 Uhr Predigt und Jesu-Maria-Joseph-Bruderschaft. — Pfarrkirche ?um hl. Grifte. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 U. Andacht mit Segen. — Sodalitüt. '/,10 Uhr. — Frauenberg. 5, 6*/i und 8 Uhr hl. Meffen, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feiert Vesper. Dienstag, den 2. August. (Portiunkulafest) Von 4'/, bis 8 Uhr hl. Meffen, 9 Uhr Festpredigt, Prozession und feierliches Amt, 2 Uhr feierliche Vesper und Andacht.