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mit Ztnterßaltungs-Meikage „Mustrirte Sonntags-Ieitung"

M 171. Jutöa, Samstag, dm 30. Juli 1898

25. Jahrgang.

[] Regierung und Sozialdemokratie.

Es ist berichtet worden, daß der preußische Minister des Innern einen Runderlaß an die Regierungspräsidenten gerichtet hat, in dem er diese auffordert, Ermittelungen an­zustellen über das Anwachsen der Sozialdemo­kratie auf dem platten Lande. In ihren Be­richten sollen alsdann die Regierungspräsidenten charakteristische Flugblätter und andere sozial­demokratische Kundgebungen beifügen, bemerkens- werthe Vorkommnisse aus der letzten Wahl besprechen und sich darüber auslassen, welche be­sonderen Verhältnisse sozialer und anderer Art zu demAnwachsen der Sozialdemokratie auf dem platten Lande etwa Anlaß gegeben haben.

Der unbefangene Mann könnte diesen Rund­erlaß ganz vortrefflich finden. Er könnte sagen: sehet, der preußische Minister des Innern will unterrichtet sein über die sozialen Verhältnisse auf dem platten Lande, die etwa Unzufriedenheit und Wachsthum der Sozialdemokratie erregt haben können. Er will unterrichtet sein über soziale Nothstände, also will augenschein­lich die Regierung helfen und bessern und sie will Material sammeln, um dem Parlamente entsprechende Aufschlüsse geben zu können und Vorlagen zu machen, die der sozialen Roth auf dem platten Lande, wo solche besteht, abhelfen können. Da hat z. B. eben ein konservativer Großgrundbesitzer, Freiherr v. Wrangel, in der .Ostpreußischen Zeitung eine Darlegung veröffent­licht, die ebenfalls eine Untersuchung anstellt über dieselbe Erscheinung, über das Anwachsen der Sozialdemokratie auf dem platten Lande; und es ist sehr beherzigenswerth, was Herr v. Wrangel sagt, um so beherzigenswerther, als die Dar­legung von einem Großgrundbesitzer aus derjenigen preußischen Provinz Herrührt, in der das Wachs­thum der sozialdemokratischen Stimmen auf dem Lande am meisten sich bemerkbar gemacht hat, also in Ostpreußen. Herr Freiherr v. Wrangel springt nicht zart mit den Sozialdemokraten um in dieser seiner Darlegung; und das wird ihm schwerlich Jemand verübeln. Dann aber wendet er sich auch an die Dienstherren auf dem platten Lande und fordert, daß das Verhältniß zwischen diesen und den Arbeitern ein ander es als bisher werden müsse. Man soll, so fordert Herr v. Wrangel mit Recht, in dem Arbeiter nicht nur die Arbeitskraft sehen, und man soll endlich von dem Grundsätze abgehen, daß man sein Streben vor allen Dingen danach ein­richten will, möglichst niedrige Löhne zu zahlen und möglichst hohen Gewinn zu er­zielen. „Wenn," so führt Herr v. Wrangel wört­lich aus, „der Arbeiter bei seinem Herrn nur Härte und Gleichgiltigkeit gegen ihn findet, dabei aber beobachtet, wie der Herr das Leben sich immer genußreicher gestaltet, da kann man sich nicht wundern, daß auch der Arbeiter das Ver­trauen und die Liebe zu ihm verliert." Herr

Zchwarzblattl.

Erzählung aus dem Böhmerwalde von Anton Schott. 4 ------ (Nachdruck verboten.)

Dichte Finsterniß hatte sich über die Stadt ausgebreitet. In den Straßen hüllte ein dichter Nebelflor die Laternen ein, und die Schneeflocken fielen unaufhörlich in gewaltigen Mengen nieder. Nur wenige Menschen huschten durch die sonst so belebten Straßen.

Wie von Gespenstern gejagt, eilte eine weib­liche Gestalt in dürftigem Hauskleide die Straße entlang. Der Wind peitschte ihr die eisigen Flocken in's Gesicht. Sie achtete es nicht, sie -eilte dahin. Am Portale einer Kirche sank sie -erschöpft zusammen.

Gs war Marie.

Wie war das alles gekommen? Warum war fle nicht in den prächtigen Zimmern des gräflichen chalaftes, warum war sie draußen auf den öden Straßen?

sie den Brief ihres Vaters gelesen hatte, waren ihr die Augen aufgegangen. Hatte nicht der junge Graf sie seit einiger Zeit täglich ver­folgt und sie geplagt? Er hatte ihr Geschmeide und Schmuck kostbarster Art geschenkt. Sie hatte gemeint, diese gelten der zukünftigen Künstlerin und hatte sie angenommen. Und als er ihr dann heute wieder ein prachtvolles Armband gebracht und ihr Schmeicheleien frechster Art gesagt, da hatte sie sich dergleichen ein für allemal in nicht mißzuverstehender Weise verbeten. Ob sie nicht wisse, daß sie von der Gnade und Barmherzig­keit seiner Mutter lebe, hatte er ihr darauf

v. Wrangel muß seine Berufs- und Standes- genossen doch kennen, und wenn er nun solche Mahnworte an sie richtet, so muß auch er gleich anderen vor ihm gefunden haben, daß in den sozialen Verhältnissen der Arbeiter auf dem Lande nicht Alles so ist, wie es sein sollte.

Ja, wenn also Herr Minister von der Recke Aufschlüsse dieser Art von den Regierungspräsi­denten haben wollte, dann könnte ihn jeder auf­richtige Volkssreund nur beglückwünschen dazu. Aber leider werden auf diesen Gedanken nur sehr unbefangene Menschen kommen. Wir, die wir die politischen Ereignisse der letzten Jahre und die politischen Entwickelungen in denselben ver­folgt haben, befürchten sehr, daß Herrn von der Recke nach ganz anderen Aufschlüssen gelüstet. Darauf deutet namentlich die Aufforderung, die Regierungspräsidenten möchten ihn mit Material versehen an „charakteristischen Flugblättern" und anderen Kundgebungen und bemerkenswerthen Vorkommnissen. Denn dabei liegt der Gedanke gar zu nahe, daß Herr v. d. Recke Material haben will, um daraus den revolutionären Charakter der Sozialdemokratie von neuem dar- zuthun und um dann im Anschlüsse daran wieder so etwas wie ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie auszuarbeiten. Jetzt vor einem Jahre war soeben der Entwurf des Herrn v. d. Recke über eine Novelle zum preußischen Vereins- Gesetze durch die ablehnende Abstimmung des preußischen Abgeordnetenhauses zu Grabe ge­tragen worden. Arbeitet jetzt etwa Herr v. d. Recke an einer neuen Auflage jenes soge­nannten „kleinen Sozialistengesetzes"?

Der Sozialdemokratie wird wahrhaftig kein echter Centrumsmann Vorschub leisten wollen. Aber mit solchen Maßregeln der Polizeiwillkür schafft man doch nun eben die Sozialdemokratie gerade nicht aus der Welt. Das beweisen so viele Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, und diese Wahrheit ist so oft schon ausgesprochen worden, daß sie hier nicht nochmals dargelegt und auseinandergesetzt zu werden braucht. Unter dem Drucke der Polizeiwillkür entsteht nur neue Unzufriedenheit und damit neuer Nährboden für öna weiter» Wachsthum der Sozialdemokrat': Und da das Centrum'von dieser alten Wahrheit vollkommen durchdrungen ist, so braucht man kein Prophet zu sein, um mit großer Bestimmtheit voraussagen zu können, daß das Centrum auch im neuen Abgeordnetenhause eine lex Recke ab-- lehnen wird, wenn diese als eine neue Auflage des kleinen Sozialistengesetzes vom Jahre 1897 dem preußischen Landtage zugehen sollte.

Deutsches Deich.

Berlin, 29. Juli.

* Der Kaiser ist heute (Freitag) Vormittag mit seiner Yacht „Hohenzollern" auf der Rück­fahrt vom hohen Norden vor Bergen einge­troffen.

X Mit der Hrientreise des Kaiserliche« Zkaares wird aller Voraussicht nach auch ein Besuch in Rumänien verbunden werden. Vorher wird der König von Rumänien dem Kaiser einen Besuch abstatlen. Wo und wann derselbe stattfinden soll, ist noch nicht bestimmt. Eine sehr spöttisch zur Antwort gegeben, und ob es einer Kleinhäuslers Tochter gezieme, gar so spröde zu thun!

Und darauf hat er mit Gewalt sie zu fassen versucht. Sie aber hat ihn zur Seite geschleudert und ist geflohen aus dem Hause der Gräfin, das seit langen Jahren sie gastlich beherbergte, geflohen durch die menschenleeren, vom Schneesturm durch­fegten Straßen.

Wieder raffte sie sich auf und eilte weiter.

Wohin? — Ja, wenn sie das wüßte, wohin. Heim! Ja, heim; daheim wäre sie geborgen und geschützt. Hatte sie doch noch einen Vater. Aber wie heimkommen ohne Geld, ohne einen Kreuzer?

„Halt! Werda?" schrie plötzlich eine Männer­stimme sie an.

Sie blieb stehen.

Der Mann schritt näher; es war ein Soldat. Sie war einem durch Posten bewachten Orte zu nahe gekommen.

Sie wurde zur Wache gebracht. Dort wurde sie streng ausgefragt; über woher, wohin, über den Zweck des Laufens an den verbotenen Ort. Getreulich stand sie Rede auf die Fragen; nur warum sie dem Hause der Gräfin entflohen sei, gestand sie nicht. Aber die Wache wußte auch das herauszubringen.

Da trat ein riesiger Korporal mit einem Ur- walde von Bart auf sie zu und sprach grimmig: „Da haben Sie Geld, so viel Sie bis zu Ihrer Bahnstation von Nöthen haben. Heute Nacht bleiben Sie hier auf der Wache — Frauenzimmer laben in der Nacht auf den Gassen nichts zu üchen. Und überdies," fügte er begütigend, den schroffen Ausdruck etwas mildernd, "bei," „ist es

erfreuliche Aenderung, die schon seit einiger Zeit für die Reisen des Kaisers zutrifft, wird ganz besonders deutlich bei den Vorbereitungen zu der Palästinafahrt. Ehedem nämlich machten immer Mitglieder der politischen Polizei die Reisen des Kaisers mit. Diesmal will man von einer solchen Maßregel gänzlich absehen, und es sind bisher nur einige Beamte der kaiserlichen Leibgendarmerie für diese Reise beordert worden. — Die Kaiser­pacht „Hohenzollern" wird bei der Fahrt nach Palästina von dem neuen Kreuzer „Hertha" und dem Aviso „Heia" begleitet werden. Beide Schiffe kehren aber nicht mit nach Deutschland zurück. Die „Hertha" geht vom Mittelmeer nach Ostasien, wird Flaggschiff der zweiten ostasiatischen Division, und Prinz Heinrich wird dann mit diesem Schiffe die Rückreise nach Deutschland machen. Die „Hela" wird aus dem Mittelmeer nach West­indien gehen.

x Nach einer Meldung der .Freisinnigen Zeitung' soll der Wortlaut des Telegramms des Kaisers an den Grafe« zur Kippe von einem Herrn in der Umgebung des Herzogs von Sachsen-Koburg erfolgt sein. Daß irgend jemand, der dem Grafen zur Lippe selbst nahe steht, diese Veröffentlichung veranlaßt habe, wird von Det­mold aus fortgesetzt nachdrücklich in Abrede ge­stellt. Es fehlt aber natürlich vorläufig jede Kontrolle darüber, ob die Meldung der frei­sinnigen Ztg.' richtig ist. — Aus Koburg wird der ,Voss. Ztg.' berichtet, daß die Meldung der -Freis. Ztg.' in Koburg selbst als dreiste Er­findung bezeichnet wird.

* Zu. den Zeitungsmeldungen über innere Krise« i« Kksaß-Lothringen bemerkt die gouveruementale .Straßburger Post', die „ganze Erzählung sei erfunden". An dieser Stelle ist jene Mittheilung nur unter Vorbehalt wieder­gegeben worden. Uebrigens klang die ganze Er­zählung nichts weniger als durchaus unwahr­scheinlich.

* Ihrem Abschlüsse nahe sind Iollk- taris-Derhavdkunge« zwischen Deutschland und Rußland. Nach einer Mittheilung der Host' von gutunterrichteter Seite ist über alle strittigen -Punkte zwischen beiden Regierungen völliges Einverständniß erzielt worden.

x Erhebungen über die KrlragsfähigKeil kavdwirlhschaslticher Aelrieke sollen ange­stellt werden, so hat Staatssekretär Graf Posa- dowsky dem deutschen Landwirthschaftsrathe mit- getheilt. Es sollen dabei landwirthschaftliche Be­triebe verschiedener Art in den Kreis der Erhebungen gezogen werden, und zwar nach Klima, Höhen­lage, Bodenverhältnissen, Groß-, Mittel- unv Kleinbesitz usw. Diese Erhebungen machen einen Theil aus von den Ermittelungen, die überhaupt über die heimische Gütererzeugung angestellt werden. Sicherlich werden sie unter diesen einen ganz hervorragenden Rang an Wichtigkeit und wirth- schaftlicher Bedeutung cinnehmen.

* Als voraussichtlicher Nachfolger des Herrn von Plötz in der Leitnng des Armdes der LandwirtHe wird von einem ostpreußischen kon­servativen Blatte der Gutsbesitzer Major a. D. von Endell genannt. Herr von Endell gehört zu der schärfern Tonart im Bunde der Land- wirthe von dem Schlage des Herrn Direktor ein Hundewetter draußen, und Sie find so leicht angezogen. Aber Morgen früh reisen Sie sofort ab. Wenn Sie nichts dagegen haben, begleite ich Sie Morgen bis zur Bahn; ich will sicher sein, daß Sie wirklich abgedampft sind."

Man sah es dem Korporal an, daß er sich zusammennehmen mußte, so bärbeißig aufzutreten.

„Bin ich denn gar so gefährlich, daß ich unter Eskorte gehen soll?" fragte Marie fast weinend, und der Frost schüttelte sie noch, trotzdem es warm war im Wachtzimmer.

„Nein, gefährlich richt; aber ich will über­zeugt sein, daß Sie fort sind."

„Und das Geld? Annehmen muß ich's wohl, denn ich habe keinen Pfennig, und bei dem Wetter komme ich zu Fuß nimmer heim. Aber schenken lasse ich mir nichts, gar nichts, Herr Korporal. Wenn ich daheim bin, werde ich es Ihnen senden. Nicht wahr?"

„Na, meinetwegen. Ich will Ihnen kein Al­mosen aufdrängen. Senden Sie es halt an das Unteroffizier-Kasino des 7. Infanterie-Regiments hierher. Verstanden? Werde es schon wieder­bekommen.

Marie zog sich einen Stuhl zum Ofen hin und sah dem Treiben der Wachmannschaft zu. Schlaf kam ihr nicht, und überhaupt war auch hier nicht der geeignete Ort, um zu schlafen.

Die Nacht verging über dem Scherzen und Lachen der Wache, und es begann endlich zu tagen. Durch die Fenster konnte man wahr­nehmen, daß bereits in der gegenüberliegenden Häuserreihe hier und da ein Licht angezündet wurde.

Die Wache wurde abgelöst, eine andere bezog das Wacktzimwer. Der Korporal mit seiner

Hahn. Indessen fehlt der Nachricht noch jede Bestätigung.

X Zum Schutze gegen die San Jos«. Schildlaus, der Reblaus und anderer schäd­licher Pflanzen-Parasiten, die aus Amerika nach Deutschland eingeschleppt werden könnten, ist in Hamburg eine Slatio« für Sfkavzeuschntz errichtet worden. Es sollen an derselben ein Botaniker und ein Zoologe wirken. Es soll die Einfuhr von Obst und von lebenden Pflanzen überwacht werden. Außerdem soll Aufgabe der Station überhaupt Bekämpfung von Pflanzen­krankheiten sein.

* Die Sozialdemokratie will sich in Bielefeld an den Mähte« z«m preußische« Avgeordve1e«ha«se betheiligen, und zwar in Gemeinschaft mit der freisinnigen Volks­partei. Eine in Bielefeld abgehaltene sozial­demokratische Versammlung hat in diesem Sinne einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „Die Be­theiligung an der Landtagswahl hat auf Grund eines Wahlbündniffes mit der freisinnigen Volks­partei zu erfolgen, demgemäß gemeinsame Wahlmänner aufgestellt werden und der So- zialdemokratie eine entsprechende An­zahl von Abgeordneten-Mandaten ein­geräumt wird." Sollte dasselbe Verfahren wie in Bielefeld nur einigermaßen allgemein beobachtet werden bei den bevorstehenden preußischen Land­tagswahlen, dann würde das ein Beweis dafür sein, daß innerhalb der Sozialdemokratie die Richtung des Herrn Bebel überwiegt entgegen der schärferen Tonart der Herren Singer und Genossen, die mit den Freisinnigen keine Wahl­gemeinschaft haben wollen. Die freisinnige Par­teipresse hat sich bisher über die Stellung der freisinnigen Volkspartei zu dieser Frage noch nicht geäußert. Sollte wirklich für die preuß. Landtagswahlen theilweise ein Bündniß zwischen Freisinn und Sozialdemokratie zu Stande kommen, dann wäre es jedenfalls wieder einmal aus mit dem schönen Traume eines „Bündnisses aller Liberalen" für diese Wahlen.

X Der Servil ität werden die deutschen Turner von den Sozialdemokraten beschul- üigl — warum, ist nicht gesagt. Aber die Sozial­demokraten benützen auch die Gelegenheit des Turnfestes in Hamburg, um massenhaft Flug­blätter unter die Turner mit der Aufforderung zu vertheilen, die Turnvereine und die deutsche Turnerschast zu verlassen und dem sozialdemokra­tischen Arbeiter-Turnerbunde beizutreten. Die Sozialdemokraten haben augenscheinlich sehr viel Geld übrig. Denn daß ihnen eine solche Art der Agitation nicht viel nützen kann, liegt doch wohl klar auf der Hand. Man hat ausgerechnet, daß durchschnittlich auf jedes Mitglied der sozial­demokratischen Partei die Jahressumme von 15 Mark entfällt, die für Parteizwecke geopfert wird. Bei allen anderen Parteien ist die Opferwilligkeit bei weitem nicht so groß.

rt Der soeben erschienene Jahresbericht der Kattdekskammer zu Kaffes für 1897 spricht sich über die allgemeine Lage in der Einleitung folgendermaßen aus:

„Seit 1895 haben die meisten deutschen Handelsver­tretungen, und so auch unsere Kammer, erfreulicher Weise von Jahr zu Jahr günstigere Berichte über die

Mannschaft zog ab, und ein anderer kam. Man kümmerte sich nicht um das Mädchen, das beim Ofen saß.

Allmählich war es lichter und lichter geworden. Da trat wieder der riesige Korporal ein und forderte Marie auf, zur Bahn zu gehen. Auch zog er ein dickes, warmes Umhängetuch unter dem Mantel hervor.

„Nehmen Sie es nur. Es wird Ihnen gut thun auf dem Marsch und während der Fahrt. In so einem Spinnweben-Klüftlein kann man in Winterszeiten nicht reisen. — Und wenn Sie auch das nicht geschenkt mögen, geben Sie es einem armen Weibe, damit sie „Gelt's Gott!" dafür sage. Ich kann es nimmer brauchen. Ich habe ja einen dicken Mantel, und Soldaten gehen nicht mit Umhängetüchern einher."

Marie legte das Umhängetuch um und dankte dem bärbeißigen Soldaten dafür. War sie doch gezwungen, Wohlthaten anzunehmen.

„Also Marsch!"

Und sie gingen die noch leeren Straßen der Großstadt entlang. Eines neben dem Andern, ohne ein Wort zu sagen.

Am Bahnhof war indeß schon reger Verkehr. Züge kamen an und gingen, Reisende stiegen aus und ein, und am Kassenschalter gab's ein ordent­liches Gedränge. Der Korporal löste eine Karte, und Marie blieb im Wartesaal sitzen. Kaurn war dieser mit der Karte gekommen, trat ein mit reichverbrämter Dienstkleidung anoetharer Be­dienter auf Marie zu und sp ach: „Die gnädige Frau Gräfin hat besohlen, Fräulein möchten sich sofort mit mir nach Hause bemühen."