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mit Mnterhaltungs-Meikage „Mustrirle Sonntags-Zeitungs' peterszasse Nr. L (Harmonie).
M 170.
JuLöcr, Freitag, den 29. Juli 1898
25. JahrgMg.
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sX Zum lippe'schen Streitfälle.
Zwei Fragen sind es, die für den lippe'schen Streitfall wesentlich in Betracht kommen: erstens, ist der Bundesrath zuständig, in diesem Falle einzugreifen — zweitens, wie steht es mit der Berechtigung der Erbfolge?
In der Verfassung des Deutschen Reiches bestimmt der erste Absatz des § 76: „Streitigkeiten zwischen verschiedenen Bundesstaaten, sofern sie nicht privatrechtlicher Natur und daher von den kompetenten Gerichtsbehörden zu entscheiden sind, werden auf Anrufen des einen Theiles von dem Bundesrath erledigt." Könnte also der Regent von Lippe-Detmold, Graf Ernst zur Lippe- Biesterfeld, den Beweis dafür erbringen, daß es sich hier um einen Fall handelt, in dem die Hoheitsrechte von Lippe-Detmold verletzt worden sind, so müßte er auch beanspruchen dürfen, daß der Bundesrath mit der Sache sich beschäftigt.
Am 14. November 1873 ist zwischen Preußen und dem Fürstenthum Lippe eine Militärkonvention abgeschlossen worden. Der Vertrag ist unterzeichnet von dem „Deutschen Kaiser und König von Preußen" auf der einen und von dem Fürsten von Lippe auf der andern Seite. Das sieht so aus wie ein richtiger staatsrechtlicher Vertrag. Aber außerdem bestimmt die Verfassung, daß der Kaiser oberster Befehlshaber des gesammten Reichsheeres ist und alle Truppen verpflichtet sind, seinen Befehlen zu gehorchen. Unter der Voraussetzung ist die Militärkonvention zwischen Preußen und Lippe-Detmold geschlossen, daß die Bestimmungen der deutschen Reichsverfassung in allen Punkten gelten müssen. Wenn also der Kaiser dem General in Lippe-Detmold etwas befiehlt, das nicht gegen die abgeschlossene Militär-Konvention unmittelbar verstößt, so muß der General dem Kaiser gehorchen, auch wenn der Regent von Lippe-Detmold Gegenbefehl ertheilt.
Verstößt die Anweisung, die der General erhielt, nämlich den Kindern des Grafen-Regenten nicht die Ehrenbezeugungen wie den Kindern regierender Häuser machen zu lassen, gegen die zwischen Berlin und Detmold abgeschlossene Militär-Konvention? Man muß diese Frage mit nein beantworten. Während in den Militär- Konventionen, die mit anderen kleinen Staaten abgeschlossen wurden, zum Beispiel mit Schaumburg-Lippe, ausdrücklich die Rede ist von den Ehrenbezeugungen, die der fürstlichen Familie zu erweisen sind, findet sich davon in der Konvention mit Lippe-Detmold kein Wort. Mit seiner Forderung der militärischen Ehrenbezeugungen für seine Kinder kann sich der Graf-Regent also nicht auf die bestehende Militär-Konvention berufen. Und somit wird es auch kaum anzunehmen sein, daß der Graf den Bundesrath zum Eingreifen in diesem Falle in Anspruch nimmt. Man kann ihm in vielen Punkten Sympathie zuwenden, wenn man will, und man kann ihm die Erfüllung seiner Forderungen aufrichtig
Schwarzblattt.
Erzählung aus dem Böhmerwalde von Anton Schott.
3 ------- (Nachdruck verboten.)
Fest schlief Marie die Nacht hindurch. Sie träumte von den schönen Zimmern, von den hübschen Wagen und von den anderen schönen Sachen, die sie heute im Palaste der Gräfin gesehen. Dann aber kam wieder so ein schwarzer, pustender, rauchschnaubender Wagen und wollte sie in die Hölle führen. Aber da kam der Michl herbei und raufte mit dem Bösen, bis sie wieder frei war. Dann gingen sie und der Michl auf die Weide hinauf über dem Drahtbauern-Hofe und sangen so fröhlich wie ehedem.
Einen Juhschrei wollte sie ausstoßen vor Freude, daß sie wieder daheim war; aber sie erwachte und — lag jm Palaste der Gräfin in der Stadt.
Da fing sie zu weinen an.
„Was fehlt Dir denn?" fragte das Mädchen.
„Heim möcht' ich!"
n Darauf brachte man ihr das Frühstück und später ging das Dienstmädchen mit ihr in die Stadt hinein. Da war in jeder Auslage Neues zu sehen, bald schöne Kleider, bald Spielsachen, bald Bilder und dergleichen. Und als ihr das Dienstmädchen erst ein Bilderbuch, ein Schreibzeug und eine Schultasche kaufte, vergaß sie vor Freude darüber die Heimath, den Michl und die Weide über dem Drahtbauern-Hofe.
Aber erst als sie in die Schule gebracht wurde! Da war's noch viel schöner, als in der Schule daheim im Waldthale. Mit lauter schön gemalten Bildern und Karten waren die Wände behangen,
wünschen; aber aus der zwischen Berlin und Detmold abgeschlossenen Militär-Konvention kann Graf Ernst zur Lippe keine Rechtsbegründung für diese seine Forderungen herleiten. Und selbst wenn der Fall eintreten müßte, daß der Bundesrath hier eingriffe, würde auch dann noch die Erledigung dieser Angelegenheit sehr schwierig sich gestalten. Die Autoritäten sind nämlich durchaus verschiedener Ansicht darüber, was der Bundesrath in einem solchen Falle thun müßte'; die Verfassung sagt das nicht. Es fragt sich nämlich, ob der Bundesrath selbst einen Schiedsspruch fällen kann, oder ob er einem besonderen Schiedsgerichte das zu überlassen hat.
Wenn es sich darum handelt, ob den Kindern des Grasen Ernst zur Lippe-Biesterfeld militärische Ehren zu erweisen sind, wie den Kindern eines regierenden Fürstenhauses, so kommt es zweitens auch darauf an, ob man diese Kinder für berechtigt zur Erbfolge anerkennt oder nicht. In Berlin thut man das nicht. Man versagt ihnen diese Anerkennung, weil die Großmutter der Gräfin zur Lippe bürgerlicher Abkunft war. Aber damit befindet man sich auf keinen Fall in llebereinstimmung mit der erdrückenden Mehrheit des Volkes. Erstens sollte man in der Beurtheilung dieser Frage nicht gar zu engherzig fein. Auch in den Adern der Hohenzollern fließt ein Tropfen Bürgerblut von Eleonore d'Olbreuse, und Bürgerblut vermischte sich mit den regierenden Geschlechtern in England, in Sachsen-Meiningen, in Anhalt — sollen nun alle diese Geschlechter etwa abdanken und vom Throne verschwinden? Die Lehre von der Ebenbürtigkeit wird zur Komödie, wenn man allzu strenge mit ihr umgeht; und davor sollte man sich am allermeisten hüten. Außerdem aber hat der letzte Fürst von Lippe-Detmold die Ehe des Grafen zur Lippe-Biesterfeld ausdrücklich als giltig anerkannt. Und das müßte auch den ängstlichen Kritikern in der Frage der Ebenbürtigkeit der Kinder des Grafen Ernst zur Lippe genügen.
Deutsches Deich.
Berlin, 28. Juli.
* Reichskanzler Fürst Kotzeulohe wird sich am 1. August nach seiner Besitzung Grabowo in Posen und von dort nach seiner Herrschaft Werki in Rußland begeben.
* Finanzminister vo« Miquel übernimmt in dieser Woche noch nicht die Leitung wieder. Er reift zunächst über Berlin zu feinem Schwiegersöhne nach Schlesien und wird von dort erst am 6. August zurückkehren, an welchem Tage sein Urlaub beendet ist.
h Herzog Kr«st Günther vo« Schlesrvig- Kokstei« und seine Braut Prinzessin Dorothea zu S ach sen - Kob urg-Gotha sind nach Wien gereist, um dort die Anerkennung ihrer Verbindung als eine gütige Ehe in der katholischen Kirche zu erwirken. Die Brautleute geben vor dem Pfarrer der Braut die Erklärung ab, daß sie eine Ehe eingehen wollen. Diese Formalität wird nicht in der Kirche vollzogen, und auch vor keinem Priester in kirchlichem Gewände. Von einer katholischen Trauung kann also keine Rede sein.
und die Bänke und Tafeln waren so hübsch und bequem. Und Arbeit gab es auch so viel, so viel, daß man an nichts anderes mehr denken konnte. Auch im Winter konnte sie da alle Tage in die Schule gehen. Da gab's nicht so viel Schnee wie im° Walde, und wo irgend ein Schneeflöckchen auf dem Pflaster sich sehen ließ, wurde es sorgfältig weggefegt. .,
Wenn die Ferien kamen, reifte Manschen allemal der Gräfin nach auf ihr Schloß auf dem Berge im Walde. Aber die Besuch; bei ihren Eltern, den Zaunhäuslersleuten, waren nur spärlich. Ihr gefiel es im Schlöffe oben jetzt weit besser, als in dem kleinen Häuschen mit der niederen Stubendecke und den alten, wurmstichigen Gerüchen.
Derweil waren der Zaunhäusler und fein Weib glücklich, daß ihr Kmd es so weit gebracht, daß es ein schönes Fräulein geworden, und, wenn's Gott gebe, noch viel, viel mehr werden könne.
Hier und da tauchten freilich im Kopfe des Zaunhäuslers doch Besorgnisfe auf, wenn er so darüber nachgrübelte. Ob denn wohl alles dies mit Glück enden würde? Ob die Leute in der Stadt fein Kind nicht verderben würden? Gefiel es der Marie doch jetzt schon nimmer daheim bei den Eltern. Nun, ein Wunder war's eben nicht. Wenn er so ein ärmliches Häuschen mit dem Schlosse der Gräfin verglich, fand er das sehr begreiflich. Aber es sollte doch nicht sein. Ein gutes Kind sollte doch immer und überall an den Eltern mit gleicher Siebe hängen, und die elterliche Wohnung sollte ihm nicht zu schlecht fein.
Aber in den Drahtbauern-Hof kam Marie nie, und den Michl sah sie auch nie. Und als die
h Graf Kr«st z«r Lippe-ZSiesterfekd hat sich nach einer Behauptung der .Lippe'schen Tageszeitung' durch schlechte Rathgeber verleiten lassen, sich „gegen den Kaiser zu wenden und ein gefährliches Spiel zu treiben"; und außerdem wird in demselben Blatte angegeben, daß sich in dem Schreiben des Grasen an den Kaiser „allerlei Andeutungen vorfinden, die den Kaiser verletzen mußten". Das genannte Blatt verficht die Interessen des Prinzen Adolf von Lippe-Schaumburg. Verhält es sich so, wie das Blatt behauptet, bann tritt immer mehr dieNothweudigkeit zu Tage, das Schreiben des Grafen an den Kaiser in feinem ganzen Wortlaute zu veröffentlichen.
* Der Abg. Dr. Lieber wird demnächst wieder eine längere Reife nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika antreten und in verschiedenen Städten der Union Vorträge halten. In Folge dessen wird er der Krefelder Katholiken- uerfammlung, auf der er eine Rede halten sollte, nicht beiwohnen; um jene Zeit wird er schon in Amerika weilen.
* Der Sohn des Abg. Liebknecht ist zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Seelow, Kreis Lebus, ernannt worden. Amtsrichter Liebknecht ist auf dem Leipziger Nikolai - Gymnasium vorgebildet worden und hat bann in Berlin stubirt. Die politischen Anschauungen seines Vaters theilt er nicht, im Gegentheil, er pflegt gegen bie „Genossen" recht energisch aufzutreten. Mit feit em Vater soll er trotz a Lebern auf sehr gutem Fuße stehen.
X Ein Berliner bernokratisches Bla't, bie ,Volkszeitung', hatte sich ben Bären aufbinben lassen, bas Centrum würbe unter gewissen Umftänben für Beseitigung ber geheime« Matzt z«m Reichstage zu haben sein. Der Schwinbel war noch mit allerhand» Glossen versehen. Auch war behauptet worben, ber Abg. Dr. Lieber habe in einer Wahlrebe zu Montabaur in sehr zweifelhafter Weise sich über bie Erhaltung unseres Wahlrechtes zum Reichstage geäußert. Dr. Lieber hat bie thörichten Erfinbungen bes genannten Berliner Blattes einer Entgegnung geroürbigt unb nunmehr in einer Versammlung zu Kaiserslautern erklärt, baß „alles, was ihm von Plänen wiber bas bestehenbe Wahlrecht nachgesagt wirb, von A bis Z aus ben Fingern gesogen ist. Es ist eine freie Erfindung in allen ihren Theilen, kurz: erfunden und erlogen." Für verständige Leute bedurfte es dieser ausdrücklichen Feststellung nicht. Und nirgends hatte die,Volkszeitung' gläubige Leser für ihre Schauermär gefunden. Nunmehr wird sie wohl selbst nicht mehr daran glauben.
X Der sozialdemokratische Berliner,Vorwärts' ist wieder einmal „in der Lage", einen Krkast des preußischen Ministers des Innern an die Regierungspräsidenten der Oeffentlich- keit zu übergeben, obwohl der Erlaß nicht für bie Oeffentlichkeit bestimmt war. Dieser Erlaß beschäftigt sich auch mit bem Anwachsen ber sozialdemokratischen Stimmen auf bem platten Sanbe unb weist bie Regierungspräsidenten an, ben Minister näher barüber zu unterrichten, wie bie sozialbemokratische Bewegung in ben einzelnen Kreisen sich gestaltet hat, unb ferner, welche besondreren Verhältnisse sozialer ober
Mutter ihr einmal sagte, ber Michl sei bagewffen unb hätte gefragt, wie es ihr ginge, ob sie schon eine große Frau sei, unb er lasse sie recht schön grüßen, ba hatte sie aufgelacht unb gemeint, was benn ber Michl nach ihr zu fragen hätte, unb einen Gruß brauche sie von ihm auch nicht.
Wieber waren einige Jahre ins Land» gezogen. Marie war jetzt ein stattliches Mabchen. Dem Alter nach war sie eigentlich noch ein Backfischchen, aber sie war ziemlich groß unb stark. Sie hatte bie Schule burchgemacht unb sollte jetzt in bie Lehrerinnen - Bilbungsanstalt. Aber bazu hatte sie keine Lust. Die Gräfin hatte sie hie unb ba ins Theater führen lasten, unb bort hatte es ihr so gefallen, baß sie alle Tage hingehen wollte. Aber bas ging nicht an. Mit Ungebulb erwartete sie bie Abende, an denen sie wieder ins Theater geführt werden durfte. Ihr ganzer Wunsch war, auch so eine Künstlerin zu werden und immer, alle Tage im Theater fein zu können. Da sie wirklich eine ungemein schöne Stimme hatte, beschloß endlich die Gräfin, ihren Bitten nachzugeben und sie statt in die Lehreriunen-Bildungs- anstalt auf die Akademie zu schicken. Sie sollte Künstlerin werden.
Künstlerin! Wie schön das sein würde! Sie hatte im Theater berühmte Sängerinnen gehört. So sollte sie nun auch fingen lernen. Und bann bie schönen Kränze unb Sträuße, bie bei Künstlerinnen zugeworfen würben, — wenn nur bie Zeit schon ba fein würbe, bie schöne, golbene Zeit!
Den ganzen lieben Tag fang sie nun. Morgens, wenn sie aufftanb, fang sie schon, unb noch spät
sonstiger Art etwa zu bem Anwachsen ber Sozialdemokratie Anlaß gegeben haben. Dieser Erlaß wirb voraussichtlich Veranlassung geben zu verschiedenen Auseinandersetzungen in der Presse.
x Die Fortschritte ber Sozialdemokratie a«f dem platte« Lande werben von bem Berliner sozialdemokratischen Centralorgan ziffernmäßig dargethan. Nach diesen Berechnungen hat sich die Stimmenzahl der Sozialdemokratie bei den Reichstagswahlen in ben Jahren von 1881 bis 1898 versiebenfacht; biefe Gesammt- zahl ber fozialbemokratischen Stimmen stieg von 311 965 im Jahre 1881 auf 2120000 irn Jahre 1898. Jm Jahre 1881 machten bie sozialdemokratischen Stimmen ber Großstäbte mehr als bie Hälfte biefer Gesammtzahl aus, nämlich 51,62 vom Hundert. In diesem Jahre dagegen betrug der Antheil ber Großstädte nur noch 29,48 vom Hundert ber ganzen Summe. Die übrigen 70,52 vom Hundert ber gesammten sozialdemokratischen Stimmen sind diesmal vom platten Lande aufgebracht worben. Von allem Anfang an ist an biefer Stelle auf bas starke Wachsthum ber fozialbemokratischen Stimmen auf bem Laube aufmerksam gemacht worben; unb es liegt kein Grunb vor, bie angeführte Wahlstatistik des Berliner .Vorwärts' anzuzweifeln. Die Statistik wird wohl richtig sein. So wenig man nun vor ben Ziffern betfelben Angst zu bekommen braucht, so empfiehlt es sich boch, bie Thatsache bes Anwachsens der Sozialbemokratie auf bem Laube sich recht genau einzuprägen unb sich nicht mit dem faulen Tröste zu begnügen, baß ber Höhepunkt ber fozialbemokratischen Bewegung überschritten sei. In ben Großstädten hat bie Sozialdemokratie ihren Höhepunkt erreicht; bas wird von ben fozialbemokratischen Blättern selbst nicht bestritten. Aber auf bem platten Sanbe scheint bies boch noch lange nicht ber Fall zu fein, unb barum müssen wir ber sozialdemokratischen Wühlarbeit auf dem Sanbe unsere volle Aufmerksamkeit roibmen unb darauf bedacht sein, ihr mit allen guten Mitteln entgegen zu treten. Diese Mittel werden so ziemlich dieselben fein, wie diejenigen, die zur Bekämpfung der Landflucht der Arbeiter und Dienstboten auzuweuden sind. Sie liegen, wenn auch nicht allein, so doch hauptsächlich auf dem Boden einer wohlwollenden Sozialpolitik.
* Recht wunderlich lieft sich die nachfolgende Notiz des ,Jüdischen Volksblattes': „Jetzt heißt es, von den Parteien, in deren Dienst wir feit Menschengedenken ein «ngetzenres Kapital vo« Kraft unb Gelb verschwenden, auch zu fordern." Warum fo geheimnißvoll? Es wäre von allgemeinem Jntereffe, die Namen derjenigen Parteien zu erfahren, die fo stark mit jüdischem (Selbe arbeiten — also heraus mit ber Sprache!
Ausland.
* Wie«, 28. Juli. Von bem Rücktritt besGrafenGoluchowski, besösterreichischen Ministers ber auswärtigen Angelegenheiten, ist wieber bie Rebe. Es verlautet nach Melbungen aus Bubapest, baß in ber Leitung des Auswärtigen Amtes sich im August ober Anfang Abenbs übte sie unb fang sie bie schwierigsten Sachen. Am Klavier schlug sie herum und italienische Vokabeln übte sie, und nimmer wurde sie des Treibens müde. Sie wollte alle ihre Kräfte zusammennehmen, um rasch vorwärts zu kommen.
Als eines Tages die Professoren sie auf das Beste gelobt hatten und ihr in Aussicht stellten, daß sie einen Probe - Auftritt im Theater bald wagen könne, setzte sie sich Abends hin und schrieb ihren Eltern von ihren Fortschritten, ihrem Vorhaben und ihren Hoffnungen für die Zukunft.
Lange saß der Zaunhäusler daheim sinnend über dem Briefe unb murmelte einmal über das anberemal: „Das gefällt mir nicht! Das gefällt mir nicht! Künstlerin will sie werben? Was für eine Künstlerin? Jm Theater? Eine Komöbiantin? Herrgott, verlaß sie nicht! Nur bas nicht! Etwas Ordentliches, hat bie Frau Gräfin damals gesagt, soll bie Marie lernen, 'was Orbentliches. Unb jetzt wird sie eine Komödiantin!"
Dann holte er Feder unb Tinte hervor und suchte ein Stück Papier und schrieb: „Unser einziges Kind! Heut haben wir Dein Brief kriegt, Marie; der alte Bot' hat ihn gebracht. Gleich hab' ich mich aber hingesetzt und schreib' Dir jetzt. Dann geh' ich selbst in die Stadt damit und trag’ den Brief auf die Post.
Marie, unser einziges Kind! Was ist Dir da eingefallen? So tief hat Dich unser Herrgott sinken lassen, daß Dir so ein Gedanke kommt? Gewiß hast Du aufs Beten vergessen brinn in ber Stabt. Eine Komöbiantin willst Du werben? Schäm' Dich bis ins Grab! Eine Künstlerin,