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verantwortlich: Mr die Redaktion 3of. Saarn, für Ini-raie I. parzeller in Mlda.
mit ZlnterHaktungs-Aeilage „Jkkuflrirte Sonntags-Zeitung" peterrgaKe llr. i (Larmon:e>.
M 169.
Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung für die Monate August und September werden fortwährend angenommen.
△ Bon dem neuen Reichspost-Etat werden allerhandWunderdinge und Ueberraschungen vorhergesagt. Und in der That ist unsere Reichspost in vielen Stücken so geworden, daß sie eine ganze lange Reihe von Reformen und Umänderungen außerordentlich gut vertragen kann. Hoffentlich aber werden es nur angenehme und keine unangenehmen Ueberraschungen sein, die uns der neue Etat der Neichspost im nächsten Herbste bringen wird.
Herr v. Podbielski versteht es augenscheinlich sehr gut, der Presse sich zu bedienen. Man liest in Berliner Blättern lange Schilderungen, wie der Herr Staatssekretär der Reichspost lebt, wann er aufsteht, wie er arbeitet. Und wenn er in dieser Weise die Presse sich dienstbar zu machen versteht und damit bekundet, daß er von der großen Bedeutung derselben voll durchdrungen ist, dann sollte er vor allen Dingen durch die Vorlage eines neuen und zweckentsprechenden Post- Tarifes für die Beförderung der Zeitungen beweisen, daß er auch volles Verständniß besitzt für deren Bedürfnisse. Aenderungen des Post-Zeitungs-Tarifes werden nun auch angekündigt. Aber es wäre recht sehr zu wünschen, daß man schon vor der Eröffnung der ersten Tagung des neuen Reichstages etwas davon erführe, wie der neue Tarif beschaffen sein, oder nach welchen Grundsätzen er aufgebaut werden soll.
Außerdem werden umfassende Neuerungen angekündigt für das Briefporto, für das Telegraphen- und Telephon-Wesen — von neuem angekündigt, muß man wohl sagen. Denn schon dem letzten Reichstage war bekanntlich eine Vorlage über Aenderungen im Postwesen zugegangen, die aber nicht mehr erledigt werden konnte; und auch dieser Entwurf enthielt bereits solche Neuerungen. Es scheint aber nicht ausgeschlossen zu sein, daß die neue Vorlage noch allerhand weitere Aenderungen in Vorschlag bringt. 'WenigstE wird likek'geschrieben von den letzten Reisen des Generalpostmeisters und den vielfachen Studien, die er bei diesen Gelegenheiten gemacht hat.
Daß die Verhandlungen mit den privaten Po st an st alt en über deren Entschädigung für die Ausdehnung des Postzwanges auf geschloffene Briefe guten Fortgang nehmen, ist bereits berichtet worden. Vorläufig bliebe dann also nur noch zu wünschen übrig, daß auch die Stellung und die Dienstverhältnisse der Unterbeamten und Bediensteten eine befriedigende Regelung finden. Das würde gegen sozialdemokratische Verseuchung dieser Beamtenklasse ein viel besseres Mittel sein als alle Ermahnungen, Verfügungen und Erlasse.
Deutsches Deich.
Berkin, 27. Juli.
* Die letzten Nachrichten über die Jkeise des Arinzerr Keiurich sollen nicht richtig sein. Es wird gemeldet, daß von einem Besuche in Korea
Kchwarzlrlattl.
Erzählung aus dem Böhmerwalde von Anton Schott.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Das Jahr verging. Es war wieder Frühling geworden, und auch der Sommer war gekommen und mit ihm die Gräfin. Diese wohnte wieder im Schlosse oben auf dem Berge und kam mitunter herab in's Thal. Den armen Kranken ließ sie Speisen aus der Schloßküche bringen, und wenn sie Jemanden helfen konnte, that sie es gewiß.
Die Leute im Thale hatten die Gräfin recht gern. Sie lebte getrennt vom Herrn Grafen, weil dieser nicht gut that. Darob war es zum Bruche zwischen den Herrschaften gekommen, und seitdem kam der Graf nimmer in's Schlößlein.
Da trat die Gräfin nun eines Sonntags beim Zaunhäusler ein. Er, der Zaunhäusler, faß oben an der Tischecke und las — zum wievielten Male wußte er selbst nicht mehr — die Geschichten, die im Kalender standen, und die Zaun- bäuslerin saß dabei. Als die Gräfin kam, klappte er schnell den Kalender zu, und beide drückten ihr Erstaunen aus, daß die Frau Gräfin auch einmal zu ihnen auf Besuch käme. Marie rückte schnell den Großvaterstuhl herbei; dann aber huschte sie schnell davon — sie dachte an den Thaler und an das „Schwarzblattl".
„Was wohl die Frau Gräfin veranlaßt hätte, zu ihnen zu kommen?" meinte der Zaunhäusler. „Mußte wohl was Besonderes sein, am Ende gar eine Arbeit im Schlosse? Wenn es so etwas wäre, könne die Frau Gräfin von vorn herein
Jutöcr, Donnerstag, den L8. Juli 1898
sowohl wie in Japan Abstand genommen sei. Ueber die eigentlichen weiteren Reisepläne wird indessen Stillschweigen beobachtet. Dieselben sind angeblich noch nicht festgestellt.
x Die Ereignisse geben denjenigen Unrecht, die durchaus die Unwahrheit in die Welt setzen wollten, die katholische Kirche mache Arsnahmen bei gemischten Ehen zwischen fürstlichen Personen. Die Eheschließung zwischen dem Kerzog Grnk Günther von Schkeswig-Kokkei« und der Prinzessin Dorothea von Ko bürg war die Gelegenheit dazu, solche Unwahrheiten zu behaupten. Man wollte der Welt glauben n.achen, die katholische Kirche werde das Paar trauen, ohne daß der Herzog das Versprechen der katholischen Kindererziehung gibt und ohne daß er auf seine Forderung der protestantischen Nachtrauung verzichtet. Ja noch mehr: kulturkämpferische Blätter von dem Schlage der,Voss. Ztg.' in Berlin ließen sich bis zu der niedrigen Verleumdung herab, daß der Papst in solchen Fällen gegen die Zahlung hoher Summen Dispens ertheile . . .! Und dieselben Blätter waren naiv genug, über die angebliche Unwissenheit katholischer Zeitungen zu spotten, daß sie derlei Sachen nicht wüßten. Jetzt wird der wahre Sachverhalt durch das katholische Wiener ,Vater- land' festgestellt: Da Herzog Ernst Günther weder die katholische Kindererziehung versprechen, noch auch auf seine Forderung der protestantischen Nachtrauung verzichten will, wird das Paar eben nicht katholisch getraut. Die Hasser und Ver- l-umder der katholischen Kirche mögen sich aber diesen Fall von neuem als Lehre dienen lassen darüber, daß ihre Gehässigkeiten und Unwahrheiten wirkungslos abprallen an dem Felsen der Kirche, und daß am Ende stets die abgeschossenen Giftpfeile auf den Verleumder selbst zurückfallen.
* Die Nachrichten über das Mefinderr des Iürsten Mismarck lauten sehr verschieden. Die ,Hamb. Nachr.' haben gestern (Mittwoch) Mittag aus Friedrichsruhe folgende „authentische" Auskunft erhalten: „Das Befinden des Fürsten ist unverändert. Der Schlaf in letzter Nacht war gut. Kein Grund zur Beunruhigung vorhanden." — Wie der .Berliner Lokalanzeiger' in seiner Nummer vom Mittwoch Abend berichtet, geben eingeweihte Kreise in Hamburg zu, daß Bismarck wohl kränker ist, bestreiten aber das Vorhandensein einer unmittelbaren Lebensgefahr. Andererseits wird aber der .Norddeutschen Allg. Ztg.' vom Mittwoch Nachmittag aus Hamburg berichtet: „Der Gesundheitszustand des Fürsten Bismarck ist bedenklich. Der Fürst hütet seit Sonntag das Bett. Es macht sich eine starke Anschwellung des Körpers bemerkbar." Nach dem .Berliner Tageblatt' hat eine offene Beinwunde, die sehr schmerzhaft ist, Schlaflosigkeit zur Folge, so daß sich unter diesen Verhältnissen eine besorgnißerregende allgemeine Körperschwäche eingestellt hatte. Ein Ürtheil darüber, welche von diesen sich direkt widersprechenden Nachrichten richtig sind, ist nicht möglich. Prof. Schweninger hat den Vertreter des .Hamburger Generalanzeigers' am Mittwoch Mittag zu der Erklärung ermächtigt, Fürst Bismarck befinde sich recht wohl und habe die letzte Nacht sieben Stunden ununterbrochen geschlafen. Die .Köln.
versichert sein, daß er seine Sache gut mache." War er doch gelernter Maurer.
„Nein, eine Arbeit bringe ich Euch diesmal nicht," sagte die Gräfin, die sich's einstweilen im herbeigerückten Großoaterstuhl bequem gemacht. „Wenn es so wäre, würde ich schon zu Euch geschickt haben. Aber es ist etwas ganz Besonderes, was mich veranlaßt hat, Euch zu besuchen und mit Euch zu reden."
Dachten sie es doch, daß es etwas ganz Besonderes sein müsse!
„Euer Mädel," fuhr die Gräfin fort, „ist schon über acht Jahre, geht vielmehr schon ins neunte, nicht wahr? Der Lehrer sagte mir, es lerne ausgezeichnet gut, und eine Stimme hat es, wie . . . wie eine Nachtigall. Wie wär's, wenn Ihr es mir anvertrautet? Ich schicke das Kind in der Stadt in der Schule und ließe es etwas Ordentliches lernen. Wenn es so fortfährt und fleißig lernt, könnte es am Ende gar Lehrerin werden. Das wäre nichts Unmögliches uno sie hätte es gut ihr Leben lang. Was meint Ihr dazu?"
»Ja, ja, Frau Gräfin, .das ist uns ganz recht," erwiderte die Zaunhäuslerin schnell darauf. Sie dachte sich ihr Kind als schon etwas recht Vornehmes.
„Nicht gleich: Ja, ja!" fuhr der Zaunhäusler dazwischen. So 'was muß überlegt seiß>. Sie wissen ja, Frau Gräfin, bei uns Hütt' es die Marie zwar nicht gerade gut, aber es ließe sich schon leben. Und wenn sie groß wird. Sie wissen ja, wir baben gerade nur das Dirndl, kriegt sie unser Häusl und kann sich einen ordentlichen braven Mann suchen dazu. Aber wenn Sie
Volksztg.' bringt folgende Privatdepesche: Aus Friedrichsruh sind im Laufe des Tages zwar günstigere Nachrichten über das Befinden des Fürsten Bismarck gemeldet worden, aber that- sächlich verhehlt sich die Umgebung des Fürsten den Ernst der Lage nicht. Bei der Natur der Krankheit kann die Katastrophe jeden Augenblick eintreten. Einstweilen scheint allerdings eine unmittelbare Lebensgefahr nicht besorgt zu werden. Der Schloßpark ist abgesperrt worden, um lauten Huldigungen vorzubeugen. Die ungünstigen Nachrichten über das Befinden Bismarcks stammen übrigens von durchaus bismarcksreundlicher Seite.
X Während der politischen Sommerruhe, die sonst über allen Wipfeln lagert, scheint sich in Kksatz Kolhrmge« ein kleiner Sturm vorbereitet zu haben. Man sagt, Herr von Puttkamer sei nunmehr die längste Zeit Staatssekretär gewesen. Der Statthalter, so wird erzählt, soll sich während der Wahlbewegung über einige katholische Blätter wie „Elsässer" in Straßburg und „ L o r r a i n " in Metz geärgert und verlangt haben, daß diese Blätter gleich anderen vorher auf Grund des Diktaturparagraphen unterdrückt würden. Herr von Puttkamer soll sich aus Gründen der höheren Politik geweigert haben, den in der Kanzlei des Statthalters bereits ausgearbeiteten Befehl auszuführen; und er soll in dieser Weigerung vom Reichskanzler unterstützt worden sein. Jetzt, heißt es, wird die Rückkehr des Kaisers abgewartet, um diesem die Angelegenheit zur Entscheidung zu unterbreiten. Wenn das alles sich wirklich so verhält, müßte doch eher der Statthalter von seinem Posten zurücktreten, und nicht der Staatssekretär — oder aber der Reichskanzler müßte durch den Kaiser vor dem Statthalter von Elsaß-Lothringen unrecht bekommen; und das geht doch wohl kaum an. Aber freilich ist es ja nicht gewiß, ob die vorher wiedergegebenen Erzählungen das Richtige treffen.
* In der nächsten Zeit werden «e«e Harrsend- ««d Kunderimark-Scheine der Reichsbank zur Ausgabe gelangen, welche sich von den 1895 und 1896 und später zur Ausgabe gelangten Reichs- bankaoten durch folgende Merkmale unterscheiden: Die Noten sind vom 1. Juli 1898 datirt. Der Pflanzenfaserstreifen ist links vom Ausfertigungs- Datum statt wie bisher rechts davon angebracht und bei den Noten zu 1000 Mark grün, bei denen zu 100 Mark roth gefärbt. Die Noten tragen außer dem bisherigen Wasserzeichen noch ein zweites, welches abwechselnd einen der großen Buchstaben des lateinischen Alphabetes zeigt.
X Die Kifenöahu-Auchhäudker müssen jetzt nach einer Verfügung der preußischen Staatseisenbahnverwaltung ein Verzeichn iß vorlegen von den Zeitungen, Zeitschriften und Büchern, die sie zum Verkaufe feilbieten. Sehr richtig heißt es in dem Schriftstück, das diese Aufforderung enthält, daß alles das von dem Verkaufe auf den Bahnhöfen auszuschließen ist, was „durch Wort, Bild oder Geschäftsanzeigen Anstand und gute Sitten verspotten und verletzen, die Sinnlichkeit überreizen, die idealen Güter des Lebens herabwürdigen, werthvolle vaterländische Einrichtungen und deren Träger verächtlich machen, Neid und Haß unter den Staatsange
glauben, Sie kriegte es besser, nun meinetwegen auch. Aber das müßten Sie mir halt schon versprechen, daß das Kind nicht verdorben wird, daß es ehrlich bleibt. Sie wissen ja," setzte er wie mildernd hinzu, „wie es zugeht in den Städten. Bin halt auch Soldat gewesen, hab' viele Städte gesehen und viel Elend anschauen müssen."
„Ich meine es natürlich Ihrem Mädchen zum Besten. Immerhin bleibt es Ihre Sache, ob Sie auf meinen Vorschlag eingehen wollen. Gehen Sie ein, thue ich natürlich mit Freuden, was ich mir vorgenommen. Dasür aber, daß es in meinem Hause nichts gibt, wodurch ein Kind verdorben werden könnte, brauche ich wohl nicht erst gutzustehen."
„So ist's recht, Frau Gräfin. Es gilt! Sie können das Dirndl mitnehmen in die Stadt. Ist's nichts, und fehlt's um und um, hat sie unser Häusl noch allemal. Und für Ihren guten Willen danken wir Ihnen recht herzlich, Frau Gräfin. Vergelt's Ihnen unser Herrgott!"
„So ist es recht! Im Herbste also, wenn ich wieder in die Stadt ziehe, geht die Marie mit."
„Ja, so machen wir's. — Wir danken Ihnen nochmals recht herzlich für Ihre Lieb' zu unserem Kind. Vergelt's Ihnen Gott!"
Also in die Stadt sollte Marie, sollte dort in die Schule gehen und vielleicht eine große Frau werden. War das nicht ein wahres Glück?
Tags darauf erzählte Marie dem Michl, daß die Frau Gräfin sie in die Stadt mit sich nehmen wolle, daß sie dort in eine schöne ^Schule gehen und nachher eine große, große Frau werden
25. Jahrgang
hörigen erregen" kann. Schade, daß diese treffliche Verordnung nicht auf den ganzen Buchhandel und Zeitschriften-Verlag im allgemeinen ausgedehnt werden kann!
* Von der fortschreitenden Entwickelung der Kkeinöahne« in ^rcngcn geben folgende Zahlen ein anschauliches Bild. An Bahnen, welche dem Kleinbahn-Gesetze vom 28. Juli 1892 unterstellt sind, waren am Ausgange 1893, also fünfviertel Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes, 17 mit einer Gesammtlänge von 539,6 Kilometern im Betriebe. Bis zum 30. September 1895, also in VI4 Jahren, hatte sich die Zahl auf 40 mit einer Gesammtlänge von 2095,4 Kilometern vermehrt. Sie stieg bis zum 30. September 1896, also in einem Jahre, auf 76 mit einer Gesammtlänge von 2811,2 Kilometern und bis zum 30. September 1897, also in einem weiteren Jahre, auf 120 mit einer Gesammtlänge von 3948,4 Kilometern. In diesem einem letzten Jahre sind also 44 Kleinbahnen mit 1137,2 Kilometern Gesammtlänge dem Verkehr dienstbar gemacht.
* Der Verband katholischer kaufmännischer Vereinigungen Deutschlands beabsichtigt die Gründung einer Wittwen- und Waiseukaffe. Es ist bereits vom katholischen kaufmännischen Verein H armonia - Trier ein Statut ausgearbeitet worden, dessen Entwurf den einzelnen Vereinigungen zugegangen ist. Die letzte Nummer des Verbands-Organs Merkuria' bringt darüber einen Artikel in ihrem Sprechsaal, und man darf annehmen, daß auf der Basis dieses Statuten-Entwurfes sich die deftnitive Gründung der genannten Kaffe auf dem diesjährigen Kongreß in Hannover vollziehen wird.
@ Dresden, 27. Juli. Der Verband deutscher Kriegs-Veteranen von 1848—1870/71 hielt vom 23.-25. Juli seinen 5. General-Appell in Dresden ab. Am ersten Tage hatten die alten Krieger sich auf dem festlich geschmückten Altmarkt um das Kriegerdenkmal geschaart, um ihren einstigen Kameraden den Zoll der pietätvollen Erinnerung zu bringen. Nach einer schwungvollen Rede des Vorsitzenden, wurden drei Kränze zu den Füßen der Germania niedergelegt, und dann zogen die Veteranen mit klingendem Spiel nach dem Sitzungslokal, dem „Eldorado" in Dresden. Nach 12 Uhr traten sie in die Verhandlungen ein, die an dem ersten Tage nichts Bemerkenswerthes brachten. Der Kassenbericht brachte heftige Diskussionen zu Tage. Ein Entschluß führte dahin, allen Anfeindungen der Gegner des Verbandes sachlich entgegenzutreten, ohne in kleinliche Nörgeleien zu verfallen. Damit war die Sitzung des ersten Tages geschloffen. Ein gesellschaftliches Zusammensein im Pariser Garten beschloß den Tag. Am Montag begann die Sitzung um ^«lO Uhr. Es wurden die Depeschen vieler gekrönter Häupter verlesen, denen die Veteranen ihre Versammlung angezeigt und ihre Treue zu Kaiser, Bundesfürsten und Reich versichert hatten. Nun folgten Anträge und Abstimmungen in bunter Reihe. Die Verlegung des Sitzes wurde abgelehnt, derselbe bleibt nach wie vor in Leipzig. Es wurde beschlossen, mit einer neuen Petition für die noch darbenden hilfsbedürftigen Veteranen heranzutreten, auch den Ortsverbänden Bittschriften zu Gunsten der diä-
—MB würde; sie beschrieb ihm, wie es dort in der Stadt schön wäre, und versprach dem Michl von all' den schönen Dingen, die sie in der Stadt sehen werde, zu erzählen.
„Wird Dir doch auch die Zeit lang werden, draußen in der Stadt, und mir auch daheim", meinte der Michl drauf.
„Nicht wird mir die Weil' lang werden, gar nicht, hat die Frau Gräfin gesagt. In der Stadt gibt's den ganzen Tag so viel zu sehen und zu hören: aber Dir wird am End' die Zeit wohl lang werden, Michl; ich komm' aber wieder heim, und dann spielen wir wieder mitsammen. Gelt, Michl!"
„Wenn Du wiederkämst, wär's schon recht; aber wenn in der Stadt so viel zu sehen und zu hören ist, wirst halt auch mich vergeßen."
„Gewiß, Michl, ich komme wieder."
Und fort ist sie gegangen im Herbste mit der Gräfin, fort in die ferne Stadt. Aber nicht gegangen sind sie, — bei Leibe nicht. Gefahren sind sie in einem schönen Wagen. Und zwei Pferde waren vorgespannt, trotzdem ein Pferd das Gefährt leicht gezogen hätte. Stoch nie war Marie gefahren. Hei! Wie das so lustig ging! Und noch dazu in einem so schönen Wagen!
Endlich sind sie zur Eisenbahn gekommen. Wie erschrak Marie, als der Dampfwagen donnernd und fauchend in die Station einfuhr! Oft hatte der alte Hackerhies bei ihnen daheim in der Sitzweile vom Bösen erzählt. Gerade so mußte der wohl aussehen. Gerade so schwarz mußte er sein und solche große, glühende Augen haben, und gerade so mußte er mit der Nase schnauben, daß der Rauch davon stob. Scheu suchte sie sich