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mit Ilnterhaltungs-Beikage „Mustrirle Sonntags-Zeitung!' Peterszaise Nr. (Larmonics.
M 163. Jutöcr, Mittwoch, den 27. Juli 1898 25. Jahrgang
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Q Das geheime Wahlrecht.
Die unverblümte Offenheit, mit der sich zahlreiche konservative Politiker und Zeitungen jetzt nach den Reichstagswahlen als Gegner unseres .Reichstagswahlrechtes bekennen, hat das Thema von der unveränderten Erhaltung des gegenwärtigen Reichstagswahlrechtes von neuem lebensfrisch gemacht. Namentlich das Partei-Organ der säch- fischen Konservativen, das,Vaterland', und die neueste Kundgebung des Grafen Mirbach in der Konservativen Korrespondenz' sind die Veranlassung gewesen zu neuen Auseinandersetzungen darüber in der Presse. Das ,Vaterland' stürmte heftig gegen das Wahlrecht zum Reichstage an, ohne eine Bemerkung darüber zu machen, was es denn an seine Stelle gesetzt sehen will. Graf 'Mirbach sagt indessen, was nach seiner Ansicht das sein soll: eine Wahl nach Berufsständen. Beide stimmen darüber überein, daß das geheime 'Wahlrechtdie beste Waffe der Sozialdemokratie sei und deswegen beseitigt werden müsse.
Der Gedanke des geheimen Wahlrechtes ist älter als das neue Deutsche Reich, viel älter. In Deutschland ist es wohl das Königreich Bayern gewesen, das zuerst das Geheimniß für die Wahlen einführte. Aber auch in Preußen ist der Gedanke alt; und er ist sogar von der preußischen Regierung selbst zu allererst in gesetzgeberische Formen gebracht worden. Das allerdings geschah unter ganz besonderen Umständen, nämlich unter den Eindrücken des Jahres 1848. Der erste preußische Landtag genehmigte damals ein von der Regierung vorgelegtes Wahlgesetz, das Wahlgesetz vom 8. April 1848, und dieses Gesetz schrieb für die Wahlen zum preußischen Landtage geheime Wahl durch Stimmzettel vor. Freilich dauerte die Freude nicht lange, nämlich nur etwas länger als ein Jahr, so daß die Vorschrift der geheimen Landtagswahl in Preußen gar nicht zur Ausführung gelangte. Denn durch eine Verord - nung vom 30. Mai 1849 wurde für die preußischen Landtagswahlen die öffentliche und mündliche Stimmabgabe zu Protokoll eingeführt. Nachträglich suchte dann die Regierung die Genehmigung des Landtages für diese Verordnung nach, und bei dieser Gelegenheit wurde die Forderung der Regierung unter anderem mit folgenden schönen Worten begründet: „Einem freien Volke ist nichts so unentbehrlich wie die persönliche Muth des Mannes, seine Ueberzeugung offen auszusprechen. Bei dem öffentlichen Wahloerfahren werden Wahlumtriebe, Bestechungen und sonstige Unlauterkeiten am wenigsten verborgen
SchwarMattl.
Erzählung aus dem Böhmerwalde von Anton Schott.
1 ------ (Nachdruck verboten.)
Plötzlich war's Frühling geworden im Gebirge. Höher und höher rückte die Sonne am Himmel hinauf, immer länger und länger blieb sie und ging immer mehr dem Schnee zu Leibe. Erft wurden die Raine schneefrei, dann die Plätzchen an der Mittagsseite der Häuser, dann kam über Nacht ein warmer Wind, und eines Tages früh Morgens schien die ausgehende Sonne auf das schneelose Thal so schön und warm, daß es eine Freude war.
Von den Bergesgipfeln freilich schaute der Schnee noch hernieder, dort liegt er noch zu Pfingsten. Aber unten im Thal sproßte junges Grün an allen Orten, und am Bache blühten schon einige Dotterblumen; auf den Angern ringsum lugten Windröslein und Himmelsschlüffel in die herrliche Frühlingsgegend hinaus.
In Schaaren kamen die Kinder von den zerstreut umherliegenden Höfen und Häusern zusammen, um sich herumzutummeln. Konnten sie doch schier den ganzen Winter kaum vor die Thüre; und nun wollten sie's redlich hereinbringen, was sie den Winter über versäumt.
Drunten beim Bach laufen sie herum; sie suchen Dotterblumen und Windröslein und wollen sich nachher Kränze daraus winden. Die Größeren aber hat das Blumenpflücken bald verdrossen. Sie spielen Ball. Wie das wieder einmal wohl- thut draußen in der frischen, würzigen Frühlingsluft ! Die Freude strahlte aus Aller Augen, die
bleiben." In Preußen gilt das Wahlgesetz vom 30. Mai 1849 für die Landtagswahlen noch heute, und damit auch die Vorschrift der öffentlichen und mündlichen Stimmabgabe. Aber der Norddeutsche Bund hat durch das Wahlgesetz für den norddeutschen Reichstag vom 15. Oktober 1866 das allgemeine und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmenabgabe durch verdeckte Stimmzettel ohne Unterschrist wieder zu Ehren gebracht; und damit lehnte er sich auch nur an das verflossene Frankfurter Reichs-Wahlgesetz vom 12. April 1849 an. Der Deutsche Reichstag hat also mit der geheimen Wahl keine neue Erfindung gemacht. Er hat damit nur etwas angenommen, was bereits längst vorhanden war.
Aus dieser kurzen geschichtlichen Entwickelung unseres heute gütigen Reichstagswahlrechtes geht hervor, daß seine Grundgedanken durchaus volks- thümlich sind, daß diese Gedanken immer dann heroorgebrochen sind, wenn der Stimme des Volkes freie Bahn geschaffen war. Und umgekehrt muß daraus der Schluß gezogen werden, daß es ganz unvolksthümlich, daß es eine Vergewaltigung des Volkswillens sein würde, wollte man jetzt diese Art des Wahlrechtes wieder beseitigen. Und in diesem Sinne sprach sich ja auch der Wahlaufruf der Centrumspartei vor den letzten Reichstagswahlen aus. mdem er sagte: „Angriffe auf die Rechte des deutschen Volkes und seiner Vertreter, insbesondere ans das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Wahlrecht zum Reichstage oder den Reichstag selbst werden allezeit an uns, wie bisher entschlossene Gegner finden."
Es klingt ja ganz schön, wenn man, wie jene Kundgebung der preußischen Regierung vom August 1849, die Behauptung ausstellt, daß „einem freien Volke nichts so unentbehrlich ist wie der persönliche Muth des Mannes, seine Ueberzeugung offen auszusprechen." Aber die Erfahrungen von Jahrzehnten haben ganz klar bewiesen, daß gerade die Wahl-Freiheit bei uns nur ausrecht erhalten werden kann durch die Bewahrung des Wahl-Geheimnisses. Nicht das Geheimniß der Wahl ist die Hauptsache, sondern die Freiheit der Wahl. Und können wir letztere nur bewahren durch die geheime Stimmenabgabe, so müssen wir auch" diese unter allen Umständen beibehalten. „Selbstverständlich — so gesteht die freisinnige ,Vossische Zeitung' zu — hat auch die geheime Abstimmung wie alle menschlichen Einrichtungen ihre Schwächen. Die Erfahrung hat aber genügend darzethan, daß die Nachtheile der öffentlichen Stimmenabgabe viel größer sind und mit Redensarten über den persönlichen Mannesmuth nicht aus der Welt geschafft werden . . . Sehr richtig!
Die Sozialdemokratie aber bringt man nicht ums Leben, wenn man sie rnundtodt macht. Unter der Gewaltmaßregel des Ausnahmegesetzes gegen die Sozialdemokratie ist diese erst recht gewachsen; und vermuthlich würde die Wirkung eine ähnliche fein, wenn man der Sozialdemokratie die Möglichkeit der parlamentarischen Vertretung nehmen wollte.
Vor einem Reichstage, gewählt nach Berufsständen, möge uns aber der Herrgott allezeit in Gnaden bewahren. Das würde kein
Gesichter glänzten vor Freuve, es ist ein unaufhörliches Rennen nach dem „Ziele" und zurück, und die, an denen die Reihe noch nicht ist, halten sich nicht still. Man wälzt sich derweil oder schlägt Purzelbäume.
Am Bache unten aber tummeln sich noch die Kleineren herum und suchen Blumen. Sie dürfen nicht mitspielen, weil sie noch nicht flink genug sind. Die größeren sollen auf ihre kleineren Geschwister Acht haben; sie sind aber so sehr vom Ballspiel in Anspruch genommen, daß sie diese ganz und gar vergessen. Sie haben nicht einmal bemerkt, daß diese im Sumpfe Blumen suchen.
Da hört man plötzlich vom Bache her lautes Schreien und Jammern. Erschreckt fahren die Spieler auSe.'naiber und eilen dem Bache zu.
„Was ist's dtnn? Wer schreit denn so?" rufen Alle durcheinander und suchen nach dem Schreihalse.
„Nun, was gibt's denn! Das Schwarzblattl ist ins G'moos*) gefallen," berichten die zuerst Angekommenen.
„Ah, die!" sagen die Anderen spöttisch. Alle zerren ihre kleineren Geschwister aus dem Sumpfe heraus und schimpfen mit ihnen, daß sie dorthin gegangen. Auch an fühlbaren Verweisen fehlt es nicht. Aber um die im Sumpfe steckende Kleine kümmert sich fast Niemand.
Nur ein größerer Bub ist bemüht, über den Sumpf hinweg zu dem Schreihälschen zu gelangen. Vorsichtig tritt er auf und bei jedem Schritt probirt er vorsichtig, ob der Rasen auch
*) Moos-Moor, Sumpf.
Reichstag mehr fein, sondern ein Jahrmarkt, auf dem nur noch um die gegenseitigen Geld- intereffen gefeilscht würde; und wir sind sicher, daß Herr Graf von Mirbach mit diesem Vorschläge außerordentlich wenig Freunde gewinnt, seine eigenen Parteigenossen nicht ausgeschlossen.
Deutsches Deich.
Berlin, 26. Juli.
X Der letzte Besuch, den Reichskanzler Iürst Kotzeulotze i« München machte, bildet noch immer den Gegenstand von Vermuthungen und Betrachtungen in der Presse. Der Reichskanzler kommt häufig nach der bayerischen Hauptstadt, in der er ein eignes Palais besitzt. Seine Anwesenheit dort an sich wäre also nichts Auffallendes gewesen. Da nun aber Fürst Hohenlohe vom Prinz-Regenten Luitpold empfangen wurde, und da bekanntlich noch immer nicht die Frage vom Obersten Bayerifchen Militärgerichtshofe gelöst ist, liegt nichts näher als die Annahme, daß bei dieser Gelegenheit auch diese Frage zur Besprechung gelangte. Entgegen anderen Meldungen wird nun auch in einer Mit- theilung der Kreuz-Zeitung' diese Annahme nicht nur ausdrücklich bestätigt, sondern es wird gleichzeitig hiuzugesügt, daß es sich bei der Unterredung zwischen dem Prinzregenten und dem Reichskanzler „in erster Linie" um den Obersten Gerichtshof gehandelt hat. Verschiedene Gründe sprechen dafür, daß die,Kreuz-Zeitung' in diesem Falle gut unterrichtet ist. Ob auch der andere Theil der Meldung der Kreuz- Zeitung' zutrifft, daß das Ergebniß der Unterredung ein befriedigendes ist, wird ja die Zeit lehren. Bei der Beurtheilung dieser Mit- theilung kommt es ja sehr darauf an, von welchem Gesichtspunkte aus sie beurtheilt wird.
* Dürst Ierdiuaud von Bulgarien ist mit feinet Gemahlin und dem jungen „Kronprinzen" Boris in Berlin eingetroffen und hat einen Jncogmto-Aufenthalt von wenigen Tagen genommen. Eine politische Bedeutung ist feinem Besuche der deutschen Reichshauptstadt nicht beizumessen.
st „Ungewöhnlich gut" nennen die,Äerl. Pol. Nachr.' das Leiborgan des preußischen Finanzministeriums, die Iiuauzkage im Zsteiche. Das am 31. März abgelaufene Rechnungsjahr hat 37l/2 Millionen zur Tilgung der Reichsschuld ergeben, und das Jahr 1896/97 hat gar 50 Millionen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Außerdem hat die Reichshauptkaffe in beiden Jahren zusammen einen Ueberschuß von 54 Millionen Mark aufzuweisen. Gleichzeitig bemerkt das genannte Organ, daß Steuererhöhungen für die Bestreitung „etwaiger neuer Militärforderungen" nicht zu befürchten seien . . . Aha!
x Auch das Leiborgan des Fürsten Bismarck, die .Hamburger Neuesten Nachrichten', erscheinen jetzt mit einer Meldung auf dem Plane über den lippe'sche« Streitfall. Danach soll das Schreiben des Kaisers an den Graf-Regenten so gelautet haben, daß diesem letzteren alle militärischen Ehren zu erweisen seien; die Familie des Grafen kenne
trägt; denn die Decke des Sumpfes erzittert bei dem leisesten Tritte.
„Nun ja, der Drahtbauern-Michl! Ein rechter Lapp ist er. Hat schon wieder Sorg', es erstickte etwa sein Schwarzblattl im Rothmoos. Heut' erst hat sie ihn wieder ausgeschimpft wie einen Kreuzweg-Juden, als er sie unversehens niedergelaufen. Das ift einer!" So redet und greint**) man in der jungen Schaar über den Michl, weil er dem Mädchen zu Hilfe geht; denn das Schwarzblattl mag keines der Kinder leiden. Derweilen hat der Michl dieses, ein Mädchen von etwa sieben Jahren, aus dem Sumpfe gezogen und auf die Füße gestellt; aber es schreit und jammert noch immer und stampft mit den Füßen. Es will heim, aber es rührt sich nicht von der Stelle.
„Ich geh' heim mit Dir. Schrei' nicht so, sonst werf' ich Dich wieder in's G'moos," sagte der Michl nun zornig zu ihr, weil sie das Schreien nicht lassen will.
„Ja, ich geh'. Michl, geh' heim mit mir. Ich geh' schon," jammerte die Kleine.
Er nahm das Schwarzblattl bei der Hand, und sie gingen.
Als sie an den anderen Kindern vorbeikamen, spotteten diese: „Heut' ist's Schwarzblattl nicht so fein wie sonst. — Heut' singt's nicht wie ein Schwarzblattl im Wald draußen. — Heut' schreit's recht garstig und ist voll Rothmoos."
„Wenn ihr nicht still seid und haltet eure Lästermäuler nicht, so . . .“ fuhr der Michl auf und machte eine nicht mißzuverstehende Geberde gegen die Spötter.
**) schilt, zürnt.
jedoch der Kaiser nicht, und er, der Kaiser cer* bäte sich im Uebrigen für die Zukunft derartige Briefe. Nach derselben Quelle soll bann Graf Lippe das Telegramm des Kaisers verschiedenen höheren Hofbeamten vorgelesen und ausdrücklich die Genehmigung dazu ertheilt haben, den Inhalt des Telegramms nach Belieben zu verbreiten. Sollte die Sache sich so verhalten, wie sie von dem Hamburger Bismarck-Blatte dargestellt wird, so kann man kaum die Bemerkung unterdrücken, daß Graf zur Lippe-Biesterfeld damit nicht sehr umsichtig gehandelt hat. Aber ohne Zweifel steht ihm dafür auch die Entschuldigung zu Gebote, daß das Telegramm des Kaisers ihn in einen Zustand der Erregung versetzt hatte. Durch dieses Telegramm sah er sich der Möglichkeit beraubt, sich weiterhin bittend an den Kaiser zu wenden; und so mag er sich dann unter dem Drucke dieses Umstandes weiterhin dazu veranlaßt gesehen haben, den deutschen Souveränen eine feierliche Rechtsoerwahrung zu unterbreiten. Nach einer Meldung der ebenfalls bismarckischen .Leipziger Neuesten Nachrichten' hat Graf zur Lippe - Biesterfeld in dieser Rechtsverwahrung „feierlich vor Gott bezeugt, daß er stets in Treue zu der Person des Trägers der deutschen Kaiserkrone gestanden habe, und daß alle bitteren Erfahrungen ihm nicht eine andere Gesinnung einpflanzen würden". Die ,Berliner Neuesten Nachrichten', die gleich den beiden vorgenannten Blättern Verbindungen mit Friedrichsruh haben, bemerken zu dem Falle u. A. folgendes: „Durch persönliche Verstimmungen, die auf preußischer Seite über den Schiedsspruch (betr. die Regentschaft in Lippe-Detmold) bestehen mögen, sollte das Verhältniß zu einem im übrigen reichstreuen Regenten eines deutschen Landes niemals beeinträchtigt werden. Auch einem that- sächlichen Jrrthume gegenüber soll der Größere — im edelsten Sinne des Wortes — stets der Kaiser fein." — Nunmehr, nachdem die ganze unerfreuliche Angelegenheit vor die Oeffentlichkeit gezerrt ist. sollte unbedingt der Wortlaut der Eingabe des Grafen zur Lippe- Biesterfeld an den Kais er veröffentlicht w erden!
* Eine Wasseuklage preußischer Städte gegen den preußische« Steuerüskus steht in Aussicht. Vor längerer Zeit hatte die Stadt- Breslau von dem preußischen Fiskus die Erstattung der Kosten gefordert, welche ihr vor dem Inkrafttreten der neuen Steuergesetze während dreier Jahre durch die Wahrnehmung der Veranlagungsgeschäfte für die Staats-Einkommen- und Ergänzungssteuer erwachsen waren. Diese Forderung war jedoch vom ©teuer» fiskus zurückgewiesen worden, worauf die Stadt Breslau gegen ihn die Klage angestrengt hatte. Der Fiskus wurde in erster Instanz durch daS königliche Landgericht Breslau zur Zahlung der in Rede stehenden Kosten v e r u r t h e i l t. Er legte jedoch Berufung ein. Das Oberlandesgericht zu Breslau hat aber die Forderung der Stadt Breslau als berechtigt anerkannt. Die Arbeiten der Veranlagung zu der Staatseinkommen- wie Ergänzungssteuer sind durch die neuen Steuergesetze seit dem Jahre 1892 den Gemeindebehörden zu- gewiesen worden. Die meisten Kommunaloerwal-
Die spotteten auch nicht mehr weiter. Sie wußten, der Michl spricht nicht lange von einer Tracht Prügel und Püffe, der gibt sie auch gleich her.
Michl war für feine zwölf Jahre ziemlich groß und stark gewachsen, aber etwas unbeholfen und noch recht kindisch. Man konnte ihn auch etwas foppen — und das thaten denn die Andern auch öfter — der Michl machte sich nichts daraus. Aber wenn sie ihn zornig machten, fetzte es Püffe in Menge ab. Auch in der Schule war der Michl der Sündenbock. Wurde etwas angestellt, mußte es regelmäßig der Michl sein, und feine Schulzeugnisse wiesen stets einige Vierer auf. Aber auf das Schwarzblattl ließ er nichts kommen. Sie waren Nachbarskinder, und er hatte das kleine Mädchen recht gern, trotzdem dasselbe ihn oft genug ausschimpfte und ihn verspottete. So gingen sie denn heimwärts, der Michel und das Schwarzblattl.
„Bist noch zornig auf mich, Marie?" fragte später der Michl das mit Schmutz bedeckte Mädchen. „Bist noch zornig, daß ich Dich zu Mittag nieberg’rennt hab' ? Ich hab's aber nicht gern gethan, weißt es ja eh.*)"
„Nein, jetzt bin ich nimmer zornig, weil Du mich heimführst. Ich schimpf Dich nimmer, gar nimmer mehr. Aber Du darfst auch nicht zornig sein auf mich, weil ick Dich g'schimpft hack'. Gelt, bist nimmer zornig?"
„Bin nimmer zornig auf Dich; aber . . . aber wenn .sie Dir rcieber was thun, die An--
*) so schon, ohnehin.