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' ich, so etwas an armen Leuten auszuüben. — Beschlagnahmt wurde gestern seitens der hiesigen Polizei verdorbenes Fleisch und Würste und Proben davon an das Untersuchungsamt nach Marburg versandt. Die Polizei war durch Ueber- mittelung eines anonymen Briefes auf die Stelle, wo sich das verdorbene Fleisch befand, aufmerk­sam gemacht worden.

* Aus demKreiseStHma1Kakde«,.25.Juli. Durch die Erwirkung des Königl. Herrn Land­raths Dr. Hagen wird den ärmeren Gemeinden des Kreises zum Neubau von Schulhäusern eine ansehnliche Sta als b ei Hilfe infolge Aller­höchsten Erlasses zugewendet. Die Gemeinde Unterschönau hat bereits 14 000 Mark erhalten und erhält noch weiter 10000 Mk. Zum Neu­bau des Schulanwesens in Grumbach sind 12800 Mark bewilligt. Für die Gemeinde Aue stehen 14000—15 000 Mk. zur Verfügung. Der Ge­meinde Elmenthal waren zum Schulneubau bereits 7500 Mk. zugewiesen, dieselbe erhält als Nach- tragsverwilligung noch 5000 Mk., also zusammen 12500 Mark. Sonach werden für den Kreis 64—65 000 Mk. Staatsbeihilfen gewährt.

t Ureysa, 25. Juli. Die Meldung der ,Fuldaer Zeitung", daß ein Turner aus Offenbach auf der Reise zum Hamburger Turnfeste in Hannover plötzlich gestorben, ist dahin zu berichtigen, daß der plötzliche Todesfall in der Nacht vom Freitag auf Samstag auf der Eisenbahn zwischen Mar- burgundTreysa erfolgte. Auf hiesiger Station angelangt, wurde die Leiche ausgeladen, durch den herbeigerufenen Kreiswundarzt Herrn Dr. Zülch untersucht und in der Leichenhalle unter­gebracht. Von den mitreisenden Kamerad en ist auch nicht einer am Orte zurückge­blieben! Name und Wohnort des Unglücklichen wurden aus den Visitenkarten, die man bei der Leiche fand, festgestellt. Es wurde alsbald an die Angehörigen nach Offenbach depeschirt, woran ein Bruder des Verstorbenen hier eintraf, um die Ueberführung der Leiche nach der Heimalh anzu­ordnen.

* Mainz, 25. Juli. Am Sonntag hatte ein Mainzer Geschäftsmann mit seiner Familie zu Wagen einen Ausflug nach dem Lorsbacher Thal unternommen. Auf dem Rückwege wurde zur Löschung des Durstes in einer Wirthschaft zu Massenheim eingekehrt. Während des Aufent­haltes fiel das 9jährige Töchterchen in eine Düngergrube und wäre beinahe ertrunken. Recht­zeitig zog der Vater sie noch heraus, verletzte sich aber dabei erheblich am Gesichte. Ob dieser Schreckensmomente fiel die Mutter in Krämpfe. Nachdem nun die erforderlichen Kühlungen, Verbände usw. beendet waren, wurde der Heim­weg angetreten. Doch die Nerven des Kutschers waren in Folge der Vorfälle und besonders durch den eifrigen Zuspruch des gewährten Freitrunks überreizt, er konnte die Mitte der Straße von dem Chausseegraben nicht genau unterscheiden und plumps lag der Wagen um. Alle wurden da­durch mehr oder minder verletzt. Nach Mitter­nacht erreichten die schwer geprüften Ausflügler die heimischen Gefilde. Eine schöne Landparlhie!

* Mainz, 25. Juli. Der Dienst des Fahrpersonals im hiesigen Eisenbahn- Direktionsbezirk ist so eingerichtet, daß viele Be­amte erst in 8 oder 13 Wochen oder gar in drei Monaten einen einzigen Sonntag frei haben; und dieser Zustand bleibt bestehen, ob­wohl die Geistlichen beider Konfessionen mehrere Eingaben gemacht haben, in welchen um Ab­hilfe gebeten wird. < Diese Mittheilung klingt so unglaublich, daß wir sie nur unter allem Vor­behalt wiedergeben. Die Eisenbahn - Direktion wird wohl Veranlassung nehmen, über die Sache sich äußern. D. Red.)

IX. deutsches Turnfest in Hamburg.

Kamvurg, 25. Juli.

II.

Den Glanzpunkt des gestrigen Sonntages bildete der großartige Festzug, an dem sich ungefähr 24,000 Personen betheiligten. Im Zuge befanden sich 35 Musik­kapellen und 1600 Fahnen sowie sechs Festwagen. Der Vorbeimarsch, der sich in größter Ordnung vollzog, dauerte über zwei Stunden. An der Spitze des Zuges marschirten die Vertreter von Turnvereinen aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika, aus Brasilien, Rußland, der Schweiz, England, Italien, Ungarn, Ru­mänien und Belgien. Den sremoen Turnern folgten die deutschen Turner in sieben Abtheilungen; die stärkste Betbeiligung ist aus Sachsen zu verzeichnen. Auch die stattliche Zahl österreichischer Turner erregte großes Aufsehen. Als der Zug beim Rathhause, wo die Mit­glieder des Senats und der Bürgerschaft mit ihren Damen Aufstellung genommen hatten, vorbeikam, herrschte andauernd unbeschreiblicher Jubel. Auf dem Wege, den der Zug nahm, bildete eine nach Hundertlausenden zählenden Menschenmenge Spalier, überall herrschte größte Ordnung. — Heute Vormittag gab der Preß­ausschuß den hier anwesenden, ungefähr 120 auswärtigen Vertretern der Presse ein Frühstück. Alle Redner aus Deutschland und dem Auslande sprachen sich in lobendster Weise über den herrlichen Verlauf des Festes aus.

Der Festplatz war trotz des widrigen kühlen Wetters außerordentlich gut besucht. Bei deutschem Weit- Iprung erzielte Buchheist aus Leipzig mit 11,»? Metern Zweiter wurde ein Amerikaner. Bei Schleuderball - Werfen, an welchem sich 466 Turner be- an' Jj)Qt Boormann aus Buhave (Oldenburg) den besten Wurf mit 47>„ Metern. Zu den Reckübungen waren 10,1.,7 Theilnehmer angemeldet, von welchen 7r>00 antraten. Die größte Theilnahme bei früheren Turnfesten betrug 4500. Boni Kreise Norden betheiligten sich 12/4 Turner aus 179 Riegen und 70 alte Herren ünjoarren. Die Hebungen gelangen sämmtlich ausge­zeichnet. Aus dem Auslande turnten gestern Nachmittag Schweizer in zwei Abtheilungen, ferner Italiener, Russen, Rumanier. Besonders interessant waren auch die von einigen Engländern ausgeführlen Boxergänge

Aus der Sitzung des Ausschusses der deutschen Turnerschaft sei mitgethetlt, daß die Kasse einen Be­stand von 50,263 M. hat, die Stiftung zur Errichtung deutscher Turnftätten hatte ein Vermögen von 36,100.79 Mark; die Sammlung für diese Stiftung, sowie für das Jahn-Mufeum Halle em Ergebniß von 2071.63 Mark.

Der Haushaltplan für 1899 wird in Einnahme und Ausgabe auf 15,600 Mk. festgestellt. Der im nächsterl Jahre stattfindende deutsche Turntag soll in Naum­burg a. Saale am 30. und 31. Juli 1898 abgehalten werden.

Die Turn- und Seefahrten, welche den Ab­schluß der Festlichkeiten bilden werden, erfreuen sich einer so großen Betheiligung, daß die Anmeldungen, wenigstens für die Seefahrten, längst geschlossen werden mußten. Die Seefahrten erstrecken sich bis London und Kopenhagen. Den Turnern wird hier zu sehr mäßigen Preisen Gelegenheit geboten werden, das Meer kennen zu lernen. Den Hauptanziehungspunkt bilden aber die Seefahrten nach Helgoland und durch den Kaiser Wilhelm- Kanal nach Kiel.

Vermischtes.

* Jus Aew-Morsi wird der Köln. Volkszeitung, geschrieben: Bekanntlich haben die Spanier das Mauser­gewehr, die amerikanischen Regulären das dänische (Krag-Jörgensen'sche) Repetiergewehr, und die Volun- teers sind mit dem Springfield-Gewehr bewaffnet. Die bisherigen Gefechte haben die Gelegenheit gegeben, die Wirkung der neuen Magazingewehren zu erproben. Das Mitglied der American Medical-Assoziation Dr. Ducker hat nun mit dem Marinearzt Dr. Edgar das Schlacht­feld von Cusco Mountain besucht und in den Zeitungen folgenden Bericht darüber eingesandt: „Die Wirkungen von Gewehrkugeln kleinen Kalibers dürften durch die Erfahrungen in der Schlacht von Cusco Mountain für immer festgestellt fein. Einer unserer Soldaten erhielt in einer Entfernung von 200 Schritt eine Fleischwunde in den linken Arm, die Kugel traf ihn dicht unter dem Ellbogen, als der Arm halb gekrümmt war. Die Wunde war an der Oberfläche nicht größer als das Ka­liber der Kugel; wo die Kugel aber wieder herausge­kommen, war das Fleisch schrecklich zerrissen, so daß man anfangs glauben konnte, es rühre von einer Spreng­kugel her, doch erwies sich dies bei genauerer Unter­suchung als unrichtig. Einem der spanischen Soldaten waren die fünfte und sechste Rippe völlig gebrochen und zerschlagen; der Mann hatte sich offenbar nach vorn gebeugt und war im Laufen begriffen, als die Kugel thn traf; die Kugel halte ihn in den Rücken getroffen, unterhalb der zehnten Rippe, war aufwärts gedrungen, hatte die innere Seite der sechsten und die äußere Seite der fünften Rippe getroffen und beide Rippen auf eine Länge von zwei Zoll förmlich in Stücke zerschlagen. Die zweite Leiche war die eines spanischen Neger-Gue­rilla, mit dem üblichen dicken Negerschädel. Eine Kugel war neben der Mitte des linken Schläfenbeins einge­drungen, hatte die Tabula vitrea einen Viertel Zoll fortgerissen, die weiche Hirnhaut aber unversehrt ge­lassen, nur daß sie ein glattes Loch von der Größe der Kugel zurückaelassen hatte. Die Kugel war durch den rechten Augenbogen herausgekommen und hatte hierbei die Hälfte der unteren Wand und die ganze innere Wand fortgerifsen. Ein vollständiger Längenbruch des Schädels war erkennbar, der sich von dem Stirnbein auf der rechten Seite bis zur Naht des Hinterhauptloches aus der nämlichen Seite, einen Zoll oberhalb der Wunde entlang, erstreckte. Die dritte Leiche war die eines spanischen Regulären, elnes jungen Mannes von etwa 25 Jahren. Dieser hatte sich vornüber gebeugt und sich unseren Truppen zugekehrt, als eine Kugel ihn zwei Zoll vor der Naht des Schläfenbeins traf, 2'/a Zoll oberhalb der Schläfe; die Kugel durchschlug das Gehirn der Länge nach und kam an der rechten Seite des Stirn­beines heraus. Die Wunde war dort in Form irregulär und nur ein l’/s Zoll in Größe, die weiche Stirnhaut, sowie die Tabula vitrea waren in gleicher Weise be­schädigt. Die Wunde war glatt und von der Größe der Kugel, sofern die weiche Hirnhaut involvirt war, jedoch dem unteren Rande der Tabula vitrea entlang war das Hirn fortgerifsen, als ob es mit einem Meißel herausgehauen worden sei. Auch hier zeigte der ganze Schädel einen Bruch. In beiden Fällen stand der Bruch mit der Wunde nicht in direkter Verbindung. Der Bruch lief parallel mit dem Laufe, den die Kugel genommen hatte. Der Bruch war so, daß man mit einer Messerklinge durchfahren konnte. Der Schuß war aus einer Entfernung von 600 bis 800 Schritt abge­feuert, die Bruchstellen befanden sich entlang der Linie, wo der stärkste Druck sich befindet. Ob eine Kugel, die von Seite zu Seite durch den Kopf dringt, einen Bruch im rechten Winkel zu dem Längendurchschnitt des Kopfes verursacht, werden weitere Untersuchungen er­geben müssen. Der vollständige Bruch des Schädels ist jedenfalls eine Folge der großen Schnelligkeit, mit der die Kugel durch den Kopf sährt, wodurch keine Zeit für eine Gewebekompression verbleibt. Weiter meint Dr. Ducker, daß bei den modernen Feuerwaffen die Sterb­lichleit entschieden größer sei. Wenigstens sei das bei den Amerikanern der Fall gewesen. So haben sich durch die modernen Feuerwaffen die Gräuel des Krieges un­zweifelhaft vermehrt, besonders die Verwundungen sind weit schrecklicher, als es früher jemals der Fall war.

(*) Kleine Nachrichten. Hamburg. DerKapitän Sawyer vom britischen Steamer „Ollfield" erzählt, daß sein Sch'ff auf der Höhe von Sable Island durch ein wahres Leichenfeld der mit der „Bourgogne" Ver­unglückten fuhr. Seine Leute zählten über 175 auf dem Meere herumtreibende Leichen. Der Anblick war ein derart furchtbarer, daß verschiedene Matrosen krank wurden. Viele Leichen trugen Zeichen des dem Unglück vorangegangenen Kampfes. — Havre. Die „Bre­tagne" ist mit 23 Schiffs brüchigen der „Bour­gogne" hier eingelaufen; 4 derselben sind bereits vom Staatsanwalt an Bord der „Bretagne" verhört worden. Die Schiffsbrüchigen sind angewiesen wor­den, das Schiff nicht zu verlassen und werden morgen vor Gericht erscheinen. — Rom. Papst Leo XIII., der im Vatikan die Centralheizung eingeführt hat, läßt nun auch die elektrische Beleuchtung installiren. Die nöthige Wasserkraft liefert der Wasserfall l'Aguilone, der vom See Bracciano gespeist wird. Auch einige Werk­stätten im Vatikan erhalten elektrische Betriebskraft. — Darmstadt. Am letzten Montag wurde in der S t i f t s kirche zu Wimpfen im Thal die Entdeckung gemacht daß die Klopfer an den Thüren der beiden Sakristeien Löwenhäupter mit wuchtigen Ringen im Rachen, abge schraubt und entwendet sind. — Bremerhaven Der Sozialistenführer und Stadtverordnete Grünow wurde wegen Unterschlagung von 1000 Mark Parteigeldern verhaftet. — Berlin. Etwa 200 Fahrräder sind seit Beginn dieses Jahres bei der Polizei als gestohlen angemeldet worden. Ungefähr 20 Räder konnten davon den Eigenthümern wieder zu- gestellt werden, die übrigen befinden sich noch im Besitze der Fahrrad-Diebe. — Rastenburg Gestern wurde eine Zigeunerin verhaftet, welche wegen eines schweren Verbrechens steckbrieflich verfolgt wird. Bei Untersuchung der Wagen bemerkte man zwei Kinder, die von den Zigeunern auf Streifzügen geraubt worden sind. — Halle a d. S. Einem Unglücksfall auf dem Fechtboden fiel der stuck phil. Sichnock ausDudweiler hier zum Opfer. Während des Fechtens flog ihm die abgesprungene Spitze eines Rappiers in den Mund, was eine erhebliche Verletzung zur Folge hatte. In der Klinik trat noch die sogen. Svringrose hinzu, so daß der junge Mann gestorben ist. — Glauchau. Der Handarbeiter Buckner wurde von seinem Sohne ermordet; der Thäier ist verhaftet. — Königsberg i. Pr. Auf der Haltestelle Sorquitten entgleiste ein Arbeitszug. Zwei Arbeiter wurden getödtet, vier leicht verletzt. — Nürnberg. Von einer polizeilichen Razzia auf unsittliche Bilder und Ansichts-Postkarten wurden mehrere Buchhandlungen überrascht. Bei Schartt

wurden schon vor einigen Wochen 20,000 Ansichts-Post­karten beschlagnahmt. Der Werth der im Aub'schen Ge­schäfte fortgenommenen Waaren beträgt 600—700 Mark. — Grabow. Ein Zusammenstoß zwischen zwei Förstern und mehreren Wilddieben sand in den Waldungen bei Alten-Grabow (Provinz Sachsen) statt. Einer der Förster ist dabei getödtet, der andere schwer verwundet worden. Die Wilderer sollen sämmtlich ent­kommen sein. — Fünfkirchen. Ein furchtbares Unwetter richtete imFünfkirchenerKomitat große Ver­heerungen an. Die ganze Wein- und Getreide-Ernte ist vernichtet. In Szampa schlug der Blitz in das Wohn­haus eines Metzgers ein und t ö d t e t e den Metzger, so­wie dessen Ehefrau. — Berlin. 80,000 Mark ver­untreut hat ein Buchhalter einer Engros-Firma. Der­selbe war bereits 12 Jahre in der Stellung und genoß das Vertrauen des Chefs in hohem Maße. Nur ein Zufall war die Veranlassung, daß die Unterschleife ent­deckt wurden. Der Buchhalter, zur Rede gestellt, legte ein Geständniß ab, worauf ihn Herr C. entließ, ohne ihn anzuzeigen. — Königsberg. Die Strafkammer verurtheilte den Regierungshauptkassen-Boten Hellwig, welcher aus dem Haupttresor in mehreren Fäl­len zusammen 32,000 Mark in Geldrollen gestohlen und dafür Rollen mit minderwerthigen Geldmünzen unter­geschoben hatte, zu 5 Jahren Gefängniß.

* Klassisch. Auf dem Wege von Turnow nach Drachhausen befindet sich folgende Bekanntmachung, die der Kottb. Anz." genau nach der Schreibart wieder- gibt:

Polizeiverordnung.

das befahren dieser Leh­mbahn bei naser Witteru­ng, ist bei gesetzlicher Str­afe verboten.

Die Polizeiverwaltung.

* Kühne Schlußfolgerung. Gast (der in einem Hering drei Haare findet): „Kellner, ich habe doch keinen Bismarckhering bestellt!"

* Vielsagende Auskunft. „Seit wann bist Du eigentlich in der Lehre?" Schusterlehrling: Vorige Woche habe ich meine Prügel angetreten.

* Galgenhumor. Richter (zum Delinquenten): „Haben Sie noch einen letzten Wunsch ?" Delinquent: „Ja, ich möchte, daß von meiner Hinrichtung Ansichts­postkarten angefertigt würden!"

* Auf dem Marsche. Leutnant: „Aeh, Kerls, grad aus geschaut! Köchinnen sind nicht dazu da, um vom Militär begafft zu werden, sondern umjekehrt!"

KandwirthschalMches.

ZeitigesUmpflügen der Stoppeln ist eine wichtige Bedingung zur Steigerung der Fruchtbarkeit unserer Aecker. Man pflüge die Stoppeln möglichst so­fort nach Aberntung der Früchte mittelst Schälpflug flach unter, egge das Land und lasse eine schwere Ringel­walze darüber gehen, damit die Wasserverdunstung aus dem Boden auf ein möglichst Geringes beschränkt wird, die Hohlräume beseitigt werden, die Verwesung der Ernterückstände schnell von statten geht und das Auf­gehen der Unkrautsamen gefördert wird. Dergleichen Ackerbehandlung bewirkt auch den Eintritt des Gar­zustandes, welcher bekanntlich höchst förderlich für das Pflanzenwachsthum wirkt, da hiermit der Boden chemische wie physikalische Verbesserung erfährt. Sofortiges Um­pflügen der Stoppeln ist auch zur Konservirung des im Boden enthaltenen Stickstoffs unerläßlich. Aus nicht ge­pflügtem Boden entweicht der Stickstoff sehr leicht, und zwar um so früher, je trockener das Land ist. In die Stoppeln säe man eine Zwischenfrucht (Inkarnatklee, Senf, Zottelwicken, Johannisroggen rc.) behufs besserer Ausnutzung ;des Bodens und Gewinnung von Grün­futter oder Gründüngungsmaffe. Jedenfalls verfahre man nach dem Grundsätze: „Den Pflug sofort dem Erntewagen folgen zu lassen" in Zukunft mehr als bis­her.

Das beste Sommergetränk für Feldarbei­ter ist Folgendes: '/« Pfd. Kaffee wird möglichst fein gemahlen und mit 1 Liter Wasser 10 Minuten gekocht. Den so gewonnenen Extrakt läßt man durch einen Beutel laufen und vermischt ihn mit 5 Liter kaltem Wasser, versüßt das Getränk mit etwas Zucker, setzt eine Obertasse voll Branntwein oder Rum hinzu, füllt es in einen Krug und gräbt letzteren verkorkt in die Erde ein ; das Loch wird mit Heu ober Stroh zuge­deckt. Dieses kalte Getränk stärkt die Muskeln und ist daher beim Mähen und Garbenbinden besonders zu empfehlen.

Um von den armen im Sommer von den Insekten so viel geplagten Zugthier en die Fliegen und Bremsen abzuhalten, kocht man einen starken Thee von Walnußblättern und reibt die Thiere sowie das Geschirr damit tüchtig ein. Auch eine Auflösung von 10 Gramm Aloe in einem Liter heißem Wasser eignet sich sehr gut zum Einreiben. Ist man unterwegs, wo man diese Mittel nicht zur Hand hat, so hilft ein kräftiges Reiben mit der überall wild wachsenden Schafgarbe, um den gequälten Thieren Erleichterung zu verschaffen. Eine Mftchmig von zwei Theilen Fischthran mit einem Th eil Petroleum oder von zehn Gramm Karbolsäure auf einem Schoppen Wasser find andere Mittel, die sich gegen die lästige Insektenplage der Pferde usw. be­währt haben.

Ein die Arbeit des Sensenschärfens sehr ab­kürzendes Verfahren findet in Frankreich statt. Man legt die Sense eine halbe Stunde vor Gebrauch ins Wasser, dem man ‘'?o Schwefelsäure beigemischt hat, und es genügt dann ein Ueberstreichen mit einem weichen Sandsteine, um die S närfe der Sense auf der ganzen Schnittfläche gleichmäßig herzustellen. Ein längeres Liegen in dem säurehaltigen Wasser schadet nicht, wenn man die Sense nur sauber und trocken abwischt. Dies gilt in gleichem Maße auch für andere schneidende In­strumente resp. Werkzeuge.

Marktberichte.

□ Ziranksurt a.M.,25.Juli. (Getreidemarkt- Bericht, mitgetheilt von Joseph Strauß, Agent, der sich bei An- und Verkäufen bestens empfiehlt.) Weizen ab unserer Umgegend 20.75—21.00 Mk., Desgleichen frei hier 21.00 —21.50 Mk., Desgleichen hochfeine Qualität co 25 Pfennige über Notiz, Argent., amerik und russ. Weizen 19.75—20.50 Mk., Roggen, hiesiger 00.00 bis 00.00 Mk., russ. u. amerik 14.50- 15 00 Mk., Braugerste (Pfälzer, Ried und Wetterauer) je nach Qualität 00.00 bis 00.00 Mk., Futtergerste (russische) 00.00 bis 00.00 Mark, Hafer (inländischer) 16.75—17.25 Mk., Hafer russ. u. amerik. 14.75—15.75 Mk., Mais (gesundes Mixed) 10.30—00.00 Mark, Mais, virgin. Pferdezahn zur Aussaat 00.00—00.00 Mk., Saaterbsen 00.00 bis 00.00 Mark, Saatwicken, 00.00—00.00 Mark, Leinsaat, 00.00—00.00 Mark, Weizenkleie 8.00 - 8.25 Mark, Roggenkleie 9.00 bis 9.25 Mark, getrocknete Biertreber 9.00—9.25 Mk., Malzkeime 8.00 -8.25 Mk., Spelzenspreu per Ctr. 1.25-0.00 Mk., Milchbrod und Brodmehl im Verband 54.00—56.00 Mk., Nordd. und Westfäl. Weizen­mehl Nr. 00 26.50—27.50 Mk., Roggenmehl Nr. 01 21.00—22.00 Mk., Torfstreu per Centner 1.25 Mk. Raps 00.00—00.00. La Plata-S£Beijen Waare per April- Juli 00.00—00.00. Die Preise verstehen sich per 100 Kilo ab hier, häufig auch loeo ausw. Stationen bei mindestens 10,000 Kilo.

Auch heute erfreuten wir uns prachtvollen Ernte­wetters. Tendenz für Getreide läßt sich nicht heraus- finden, prompte Waare von Benöthigten zur höchsten Notiz genommen. Konsumenten im Einkauf kleinlaut.

Landweizen im Preise stramm. Redwinter prompt 20 M., — Sept. Dez. 18 Mk. — übrig. Roggen ruhiger, russ. 14' 4 Mk.; Hafer Kurse gut behauptet. Mais animirt und spärlich offerirt. Kleie und sonstige Futterstoffe koulant verkäuflich. Mehlmarkt ruhig. Herbstlieferung viel unter Notirung käuflich. Größere Handelsmühlen bleiben zur Herbstlieferung anhaltend Verkäufer. Neuer Roggen noch nicht am Markte. Raps Kleinigkeiten mit 24‘// Mk. bezahlt.

Irankfnrt, 25. Juli. Amtliche Notirung der Vieh- markt-Preife. Zum Verkauf standen: 564 Ochsen, 48 Bullen, 706 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 195 Kälber, 116 Schafe und Hämmel und 1042 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerths bis zu 6 Jahren 65—67 M., b. junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemastete 61—63 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 57—59 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a. vollfleischige höchsten Schlachtwerthes 53-55 M„ b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 49—51M., c. gering genährte 00—00 M. Kühe und Färsen (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwerthes 60—62 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerthes dis zu 7 Jahren 54—56 M, c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 48—50 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 38—40 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 30—32 M. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Vollm. Mast) und beste Saugkälber 72—74 Pf., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 62—66 Pf., c. geringe Saugkälber 52 vis 56 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) —. Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel 62—64 Pf., b. ältere Masthämmel —.— Pf., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) 00—00 Pf. Schweine: a. vollfleischige der feineren Raffen und deren Kreuzungen int Alter bis zu l1/« Jahren 66—00 Pf., b. fleischige 64—65 Pf., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 00—00 Pf., d. aus­ländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) —.—. Pf. Ferner wurde für ein Pfund Lebend­gewicht bezahlt: Kälber a. 42 - 44 Pfg. b. 37—40 Pfg. Schweine a. 52—00 Pfg. Aus Oesterreich standen 108 Ochsen zum Verkauf.

Würzvurg, 23. Juli. An den 6 Markttagen waren zugeführt: 8 Bullen, 806 Ochsen, 552 Stiere, 251 Kühe, 28s Kälber, 9 Schafe, 416 Schweine. Preise per Pfund Fleischgewicht: Bullen 48—50 Pfg., Ochsen 64—66 Pfg., Stiere 59 bis 62 Pfg., Kühe 46—60 Pfg., Kälber 48—49 Pfg., Schafe 50 bis 53 Pfg., Schweine 58—61 Pfg. Auf dem Jungschweinemarkte standen feil 180 Läufer und 900 Ferkel; erstere kosteten 48—75 Mark letztere 16—36 Mark das Paar.

Kircherckalender.

Mittwoch, 27. Juli. Pantaleon, Märtyrer. Der hl. Pantaleon stammte aus einer heidnischen Fa­milie in Nikomedia. Er studirte die Heilkunde und lernte dabei den Priester Hermolaus kennen, der ihn zum Christenthum bekehrte. Wegen seiner großen Er­folge in der ärztlichen Praxis sowie durch seine Wohl- thätigkeit und Gerechtigkeit allgemein beliebt, erregte er den Neid der heidnischen Aerzte, die ihn während der Diokletianischen Christenverfolgung als Christen anklagten. Da er vor dem kaiserlichen Statthalter den christlichen Glauben standhaft bekannte, wurde er enthauptet im Jahre 305.

Geschicht»K«1r«>rr.

27. Juli.

1794 Sturz des französ. Bluthelden Robespierre.

1815 Preußen nahm das Fürstenthum Fulda in Besitz (1816 ging Fulda au Kurhessen über).

1830 Beginn der 2. französischen Revolution.

1866 Erkundigungsgefecht bei Würzburg.

1870 Vorpostengefecht bei Ludweiler.

1895 Grubenunglück auf Zeche „Prinz von Preußen" bei Bochum; 35 Tobte.

Der Postdampfer „Friesland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 23. Juli wohlbehalten in New-Jork angekommen.

m. Wetter-Keodachiunge«.

26. Juli.

Temperatur 6 Uhr AbendS: 20,4° Leis., 16,3° RSaum

„ 71/. „ Morg.: 10,2° „ 8,2° „

„ 12 . Mittags: 21,5° „ 17,2° „

Diehöchste Temperatur des gestrigen TageS betrug 22,5« Celsius (18,0 ° Röaumur).

Die niedrigste Temperatur in vergangener Nacht betrug 9,00 Celsius (7,2 ° Nsamnur).

Wassrrwärmr der Fulda (in R^aunmr) 7 Uhr Abends 14,4°, 611» Uhr Morgens: 9,8°.

Mittrrungs - Urbrrsicht der Deutschen Krewarte »cm . 25. Juli, mitgetheilt dem Deutschen Reichsanzeiger.

Das Minimum, welches gestern über den schwedi­schen Seen lag, ist mit abnehmender Tiefe nordostwärts nach dem Bottnischen Busen fortgeschritten und verur­sacht in Wechselwirkung mit dem Hochdruckgebiete, das die Südwesthälfte Europas überdeckt, an der deutschen Küste vielfach stürmische südwestliche Winde. In Deutsch­land. wo Regenfälle stattfanden, ist das Wetter kühl und trübe; Königsberg hatte gestern Mittag Gewitter. West- ostwärts fortschreitend, aufklärendes Wetter mit steigen­der Temperatur demnächst wahrscheinlich.

Barometerstand Mittags 12 Uhr

am 25.;7.

am 26./7.

Sehr trocken Beständig

Schön' Veränderlich

770.

750.

730__

72'•_________

710“J

.720

710

.740

.760

730

0

Regen (Wind)

Viel Regen

Sturm

Wluthmaßlicke Witterung für den 27. Juli. Nachts kühl,'Morgens Nebel, später schön.

Braut-Seide 95 Pfg.“

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