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M 167.

JuLöcr, Dienstag, den 26. Juli 1898

25. Jahrgang.

M die Monate August uud September

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L Die Polen in Preußen.

Zu den hervorstechendsten Kennzeichen des politischen Sommers von 1898 gehört ohne Zweifel der neue Polenkurs der preußischen Staatsregierung. Zwar heißt es immer, es gebe bei uns keinen Zickzack-Kurs und diejenigen sprächen die Unwahrheit, die behaupten, es sei doch so. Aber wenn man einige Jahre zurück­schaut und dabei verfolgt, wie die Behandlung der Polen sich in dieser Zeit gestaltet hat, so er­hält man wenigstens auf diesem Gebiete den klaren Eindruck eines ganz unleugbaren Zickzacks. Einige Jahre Zuckerbrot, einige Jahre Peitsche, und wieder Zuckerbrot und wieder Peitsche — so gestaltete sich während der letzten Jahrzehnte die Polenpolitik der preußischen Staatsregierung in unaufhörlichem Wechsel von einem System zum anderen als bunt schillernde Musterkarle.

Vor Bismarck hatte es eine Zeit gegeben, in der man die Polen zu versöhnen und durch Entgegenkommen und Sanftmuth an die deutschen Mitbürger zu gewöhnen suchte. Dann kam der eiserne Kanzler mit dem schweren Küraffier- stiefel und machte es ganz anders, denn er traute den Polen grundsätzlich nur schlechte Sachen zu und witterte bei allem, das nur entfernt wie ein Jntrigue aussah, polnische Einflüffe und Ränke. Das war ein leidenschaftlicher Argwohn, der in seiner Heftigkeit beinahe an Verfolgungswahn grenzte, und dieser überreizten Polenfeindschaft entsprach die Behandlung, die den Polen zu theil wurde. Sie ist uns mit ihren fast unglaublichen Härten und Massenausweisungen noch in recht unliebsam frischer Erinnerung.

Während der Kanzlerschaft des Grafen Caprivi gestaltete sich die Sache anders. Man zog gelindere Saiten auf. Die Polen halfen der Regierung im Reichstage Militär- und Marine- Vorlagen durchbringen unter der Führung des Abg. v. Koscielski — unter dem Spitznamen „Admiralski" beinahe noch bekannter als unter seinem eignen; Herr v. Koscielski und Gattin waren gern gesehene Leute beim Hofe und Herr v. Koscielski wurde der großen Gnade theil- haftig, ins preußische Herrenhaus berufen zu werden. Graf Caprivi aber hielt es für nöthig, in einem Privatbriefe einem bekannten polnischen Abgeordneten zu versichern, daß er als Person gegen die Polen nicht die Abneigung theile, die sich noch immer in der Politik und in der Re- glerung geltend mache. . . .

Nun ist wieder alles ganz anders ge­worden. Der Polenwind hat von neuem umge- schlagen und bläst so eisig und so scharf, daß

Kim alte KhreaschM.

Novellette von M. von Radkersberg-Radnicki. 7 (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Eine Weile schwieg Mahlfeld, wie um sich selber zu beruhigen, dann fuhr er leiser fort: „Der Oberlieutenant überlegte nicht länger, er sah den Steg vor sich, den die Natur selber gemacht hatte. Wohl sah er, daß die Rinde jenes Baumstammes sich an manchen Stellen bereits losgelöst hatte, wohl bedachte er, daß seine schweren, durchnäßten Stiefel das Wagniß zu einem sehr gefährlichen machen mußten, aber es kam ihm vor, als sei seine Ehre angegriffen, als müffe er hinüber. Er überlegte nicht länger und betrat den Stamm, und als er in der Mitte war, da schaute er hinab, ein wenig verlor er das Gleichgewicht, die Rinde löste sich, und so stürzte er hinunter in die Tiefe . . . Viele Wochen wußte er nichts von sich selbst, und als er wieder erwachte, da war sein Kopf wohl klar,

* ’S?” ihm das rechte Bein abgenommen. Sem Bataillonskommandant war noch während feiner Krankheit als Oberstlieutenant zu einem anderen Regiments versetzt worden; er hörte nichts mehr von ihm durch zweiundzwanzig Jahre. Seine Kameraden bewiesen ihm wohl Theilnahme, aber das ließ ihn gleichgiltig, sein Herz war ver­bittert; er war von da ab todt für seine frühere Welt, und aus dem lebensfrohen Offizier Ernst Felding, Ritter von Mahlfeld, wurde der stille Ernst Mahlfeld, den Sie nun vor sich sehen."

man in bismarckische Zeiten zurückversetzt zu sein glaubt. Und Pole sein und „Reichsfeind" sein, das kommt manchen Leuten jetzt wiederum ganz wie eines und dasselbe vor. Man sieht das am besten an den Kriegervereinen. Hat doch General z. D. v. Spitz auf dem Kriegerverbands­tage in Weißenfels ganz klar und deutlich in diesem Sinne sich ausgesprochen, und die Vor­stände mehrerer Krieger- und Landwehrvereine im östlichen Preußen haben polnisch sprechende Vereinsmitglieder aufgefordert, aus dem Vereine auszutreten, wenn sie sich nicht dazu verstehen wollten, aus diesem oder jenem polnischen Ver­eine auszutreten, dem sie außerdem noch ange­hören. Denn die Mitgliedschaft dieser Vereine laufe dem Patriotismus und der Anhänglichkeit an den Kaiser zuwider!

Alle die anderen Thatsachen und Regierungs­handlungen, die aus der neuesten Polenpolitik in Preußen sich ergeben haben und fortgesetzt ergeben, sind ja bekannt genug. Der Hundert Millionen-Fonds wird verdoppelt; komman- dirende Generäle und Oberpräsidenten werden in den Geruch der „Amtsmüdigkeit" gebracht, weil sie nach Ansicht der Hakatisten allzu versöhn­lich den Polen gegenüberstehen; ein wissenschaft­licher Kongreß wird verboten, weil es ein polnischer Kongreß sein soll, obwohl die Veranstalter des Kongrefses aufs ernstlichste versichern, daß die Versammlung ganz ausschließlich wissenschaftliche Zwecke verfolgen soll — und das alles geschieht kurze Zeit nach dem Erlasse, in dem die Beamten der gemischt-sprachlichen Provinzen' aufgefordert werden, sich nicht von der Bevölkerung abzuschließen, sondern freundlich mit ihr zu verkehren, sich unter sie zu mischen und in allen Stücken beizutragen zur Ausgleichung der nationalen Gegensäne, zur — Versöhnung!

Und nun stößt man Leute aus Kriegerver­einen aus, weil sie außerdem auch einem pol­nischen Vereine angehören! Wie reimt sich das zusammen? Soll etwa das auch „versöhnend" wirken ? Und wie soll es möglich sein, die nationalen Gegensätze auszugleichen und die Polen allgemach an das deutsche Regiment zu gewöhnen, wenn man sie in dieser vollkommen verkehrten Weise behandelt, sie einmal ans Herz drückt, sie dann wieder mit Füßen tritt und sich so anstellt, als suche man sie gerade da zu reizen, wo sie am empfindlichsten sind? In der Erziehung und Re­gierung der Völker gelten im wesentlichen dieselben Grundsätze wie bei der Kindererziehung: mit ruhiger, besonnener Gleichmäßigkeit erreicht man viel — mit jäh wechselnder Behandlung erreicht man nichts und verdirbt mitunter alles. Und wenn fortan die Polen noch mehr von den Deutschen sich abschließen, noch preußenscheuer werden als bisher, so fällt die Hauptschuld daran auf die preußische Regierung. Selbst ausge- prochene Hakatistenblätter wie beispiels- veise der Graudenzer „Gesellige" werden t u tz i g und rufen der Regierung ein Halt über das andere zu. „Allzu scharf macht schartig", o schreibt das genannte Blatt zu der neuesten ireußischen Polenpolitik. „Die Kriegeroereine ollen doch grade die alten Soldaten zusammen- »alten als Kameraden, ohne Unterschied des Standes, der Konfession, der Nationalität ....

Mitleidsvoll hatte die Baronin auf den Sprechenden geschaut und gar nicht auf ihren Bruder geachtet, der das Gesicht mit der Hand beschattet hielt. „Und Ihre Braut?" schaltete sie leise ein.

„Gott sei Dank, sie blieb mir treu und erhielt mir den Glauben an die Menschheit," sprach Mahlfeld, indem er einen Blick nach oben sandte. „Trotzdem ihre Verwandten sich unserer Heirath widersetzten und ihr demzufolge die versprochene Kaution entzogen, hielt sie treu an ihrem Worte fest, und wir wurden ein Paar. Jndeß nach dreijähriger Ehe schon ist sie gestorben . . Ver­stehen Sie nun, gnädige Frau, wie sehr Mira mein Alles ist?"

Eine Thräne hatte sich der gefühlvollen Baronin in's Auge geschlichen, und um ihre Rührung zu bemeistern, erhob sie sich jetzt. Dabei fiel ihr Blick auf den Bruder, der sich in seinen Sessel zurückgelehnt hatte und dessen sonst so frisches Gesicht geisterhaft bleich von dem dunkelrothen Plüsch sich abhob. „Mein Gott, was fehlt Dir, Karl?" rief sie erschrocken aus.

„Nichts, Henriette," erwiderte er heiser; „sei nur so gütig und reiche mir ein Glas Wasser, und dann laß mich für ein Viertelstündchen mit Herrn Mahlfeld allein, wir sind alte Bekannte."

Die Baronin hatte sich entfernt, und der ehemalige Oberlieutenant und sein einstiger Bataillons-Kommandant sahen sich an.

„Hat der Zufall Sie hierhergeführt und Ihnen Gelegenheit geboten, mir Ihre Geschichte zu er­zählen, oder haben Sie mich absichtlich zu diesem Zwecke ausgesucht, um mich noch einmal jene Qualen durchkosten zu lassen, welche nach jenem

Gutes Wort findet oft eine gute Stätte ... der „Gesellige" möchte die Mahnung an die Be­theiligten richten, erst in freundlicher, echt kamerad­schaftlicher Weise mit den Männern unter ihren Mitgliedern zu verhandeln, die polnischen Vereinen angehören; es wird sich sicherlich in sehr vielen Fällen zeigen, daß diese Mitglieder glauben, nichts Unrechtes zu thun, wenn sie einem polnischen Vereine angehören ..."

So das genannte liberale und regierungs­freundliche Blatt in Graudenz. Wird die Re­gierung hören auf diese Stimme und auf andere Aeußerungen in demselben Sinne? Im allge­meinen Interesse ist dringend zu wünschen, daß sie es thun möge, ehe es wieder einmal zu spät ist. Aber leider ist vorläufig recht wenig Aus­sicht darauf vorhanden.

Deutsches Deich.

Berlin, 25. Juli.

X Bei der ^akällirra-Aleise des Kaisers wird die kaiserliche Dacht „Hohenzollern" von dem neuen Kreuzer „Hertha" begleitet sein. Der Kreuzer ist soeben zum erstenmal in Dienst ge­stellt worden und soll zunächst einige Probe­fahrten unternehmen. Das Schiff gehört zu den neuen gepanzerten Kreuzern zweiter Klasse und zeichnet fich durch starke Maschinen und große Schnelligkeit aus. — Auch Vertreter der prote­stantischen Konfession in Oesterr.ich werden auf die Einladung des Kaisers hin an der Palästina­fahrt theilnehmen.

* Finanzminister von Miquel wird noch im Laufe dieser Woche nach Berlin zurückkehren und seine Geschäfte in vollem Umfange wieder aufnehmen. Er ist von seinem Leiden vollkommen wieder hergestellt.

* Herr Berthold von Stütz, der Vor­sitzende des Bundes der Landwirthe, Mitglied les Reichstages und Landtages, ist nach schwerem Leiden Sonntag Abend in seiner Heimath ge­storben. Er erkrankte während der Reichstags- Wahlzeit, in der er noch lebhaft thätig war, und ist seitdem nicht mehr genesen. ,

O „Nktramoutaue werden von der Reichs­regierung absichtlich nicht ins Reichs- Gericht gebracht" — so beantworten die national« iberalen Leipziger Neuesten Nachr/ eine an sie gerichtete Zuschri^ in ihrem Briefkasten. Vor urzem ist Abg. Dr. Spahn zum Reichsgerichts­rath ernannt worden, wie man weiß. Sonst reilich hat man noch nie etwas gehört davon, daß solche Juristen ins Reichsgericht berufen wurden, die der Centrumspartei angehören. Sollten die ,Leipz. N. Nachr/ recht haben und öllte die Ernennung des Herrn Dr. Spahn in )er That nur eine Ausnahme sein, die die Regel bestätigt? Um Antwort wird gebeten!

X Erstaunlich ist der Eifer, den die Offi­ziösen entwickeln, um bei jeder Gelegenheit auf sozialpolitischem Gebiete flau zu machen. Vor einigen Tagen war berichtet worden, in einigen Einzelstaaten werde der Wunsch gehegt, laß die Altersgrenze für den Eintritt in den Genuß der Altersrente herabgesetzt werden möge. Flugs kommt ein Ojfiziosus mit der Bemerkung, daß „dieser Wunsch für die nächste

unglückseligen Zufall Jahre hindurch mich ver- ölgt haben? Glauben Sie, ich habe wenig ge­litten?" sprach der General beinahe grollend.

„Weder das eine, noch das andere, Exzellenz," erwiderte Mahlfeld, nur feine erste Frage beant­wortend. „Ich habe mit Absicht Sie aufgesucht, und der Zufall war mir günstig, denn es war mir viel angenehmer, auf diese Art zu Ihnen gelangen zu können, als Sie ohne weiteres unter meinem früheren Namen aufzusuchen. Ich brauche wohl kaum zu sagen, daß dieser Besuch mich viel Ueberwindung gekostet hat, aber dennoch hätte ich nicht damit gezaudert, denn ich habe Ihnen eine Bitte vorzutragen . . . Und nur deshalb, nur um meine Bitte, die für einen Fremden un­berechtigt wäre, wirksam zu unterstützen, habe ich meine traurige Geschichte erzählt. Darf ich reden, Exzellenz?"

„Reden Sie," sagte dieser mit traurigem Kopfnicken, „und was in meiner Macht steht, ist Ihnen von vorn herein gewährt. Das Schicksal hat es ja gewollt, daß Sie für ewige Zeiten eine Schuldforderung an mich haben!" Ein bitteres Lächeln umspielte seine Lippen.

^Mahlfeld sah es, und ein Funke von der alten Liebe, die er einst für seinen Vorgesetzten im Herzen getragen, wollte sich Bahn brechen durch die dicke Kruste, womit der Haß und die Bitterkeit so vieler Jahre sie umzogen hatte.

„Ich verlange nicht viel, und doch fällt das Reden mir schwer," sagte er. „Sie kennen Mira; sie ist mein Glück, mein Alles, sie ist die Perle, die den einzigen Reichthurn meiner Armuth aus­macht . . . Ihr Sohn will mir diese Perle rauben. Sie würde ihn freuen, gewiß, aber er wird sie

Revision des Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Gesetzes kaum große Aussicht auf Erfolg haben dürfte." Solche Wünsche, heißt es in der halb­amtlichen Darlegung weiter, seien bekanntlich schon damals vorhanden gewesen, als das Gesetz ausgearbeitet wurde. Man habe sie aber damals nicht berücksichtigt, weil man erst die finanzielle Tragweite der ganzen neuen Einrichtung kennen lernen wollte. Ob das in der Zeit von 1891 geschehen konnte, sei doch sehr zweifelhaft. Nun würde ja in der That schon bei einer Herab­setzung der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre die Belastung durch die Altersversicherung nicht unerheblich fteißen; nach der Berechnung, die be­sagter Offiziosus anstellt, um 30 vom Hundert. Aber das ist doch selbstverständlich und bedarf kaum noch besonderer Betonung. Bedeutend fraglicher aber ist es, ob die ablehnende Haltung der Reichsregierung gegen eine Herabsetzung der Altersgrenze nicht in viel höherem Grade der bekannten kleinen, aber mächtigen Jndustriegruppe und ihrem Einflüsse zuzuschreiben ist, als der noch immer mangelhaften Erkenntniß der finanziellen Tragweite solcher Maßregeln. Wenn man sofort im Stande ist, ganz genau die Mehrbelastung für jedes Jahrfünft der Herabsetzung der Alters­grenze auszurechnen, muß man doch eigentlich über diese finanzielle Tragweite schon ganz genau unterrichtet fein.

* Eine Ileform frer Kaudekskammern wird nach dem Muster der Reorganisation der­selben Körperschaften in Preußen, in Württem­berg und Baden angestrebt. In Württem­berg sollen anstatt der bestehenden Handels- und Gewerbekammern reine Handelskammern einge­führt und diese durch Klassenwahl zusammen­gesetzt werden. In Baden sollen die Handels­kammern eine mehr selbständige Stellung erhalten und erweiterte Rechte.

Ausland.

* Mrüssek, 25. Juli. Der spanische Prä­tendent Don Carlos hat Brüssel verlaflen und ist angeblich nach der Schweiz, thatsächlich aber wohl nach der spanischen Grenze abgereist, um dort die Fahne des Aufruhrs aufzupflanzen. Hier findet die Versicherung seiner Umgebung, der Prä­tendent habe nur eine kurze Schweizerreise unter­nommen, keinen Glauben. Allerdings wird aus Luzern gemeldet, daß Don Carlos dort einge­troffen sei. Die ,Reforme' meldet, Don Carlos sei thatsächlich nach der spanischen Grenze abge­reist. Er habe den Weg über die Schweiz nur gewählt, um die Behörden zu täuschen. Jeden­falls wurde die Madrider Regierung von der Abreise verständigt.

X Wie«, 25. Juli. So ganz und gar er­folglos scheinen doch die Bemühungen des öster­reichischen Ministerpräsidenten Grafen Thun nicht gewesen zu fein. Freilich hat er zunächst noch nichts erreicht, das wie ein bestimmter und handgreiflicher Erfolg aussieht. Aber feine Be- rathungen mit den Vertretern der verschiedenen Parteien sind augenscheinlich doch nicht ohne Ein­fluß auf deren Stimmung geblieben. Das geht namentlich hervor aus einer Aeußerung des,Linz. Volksblattes', das ein ausgesprochenes Organ der

nicht so hochhalten wie ich . . . warum gerade diefe? Die Welt ist ja voll von andern. Mira sagte zu mir: „Wir müssen fort von hier, Papa, denn er hat mir gesagt, daß er mich liebt, und ich, ich liebe ihn auch." Sie hat das Rechte ge­troffen. Aber wir können nicht fort, Exzellenz! Wir haben kein Geld, und ich kann meine Existenz hier nicht aufgeben . . . Deshalb muß Ihr Herr Sohn sortgehen von hier, und Sie sollen Ihren Einfluß aufbieten, daß er's unverzüglich thut . . Das ist meine Bitte."

Mahlfeld hatte in höchster Aufregung mit fast fliegendem Athem gesprochen, jetzt hielt er wie erschöpft inne.

„Und wenn er nicht will? Er ist fein Kind mehr, das sich zwingen läßt," sprach langsam der General.

„Aber er muß wollen! Er wird wollen, wenn Sie ihm erzählen, was zwischen uns sich zuge­tragen hat. Sonst hätte er ja keinen Sinn für Ehre und Gerechtigkeit, und so sieht er nicht aus!" rief Mahlfelv fast noch erregter als vorhin.

Aber der Andere ließ sich nicht aus seiner Ruhe herausbringen, und jetzt leuchtete sogar ein Lächeln wie ein warmer Strahl aus seinem Auge.

„Und wenn er anderer Ansicht wäre?" sprach er. „Wenn er glaubte, daß dasjenige, was sein Vater ohne fein Wollen verschuldete, am besten dadurch wieder sich austilgte, indem er Ihre Tochter glücklich machte, indem er sie mit aller Achtung und Liebe umgäbe, die nur der beste Ehegatte dem geliebtesten Weibe zu zollen im Stande ist?"

„Unmöglich, Exzellenz; die Kluft ist gar zu tief," gab Mahlfelv noch einmal, den Kopf schüt-