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derart zersplittert, daß er keine Tragkraft mehr besaß und durch einen neuen ersetzt werden mußte. Die Kosten, welche durch die komplizirte Wieder­herstellung sich verhältnißmäßig hoch belaufen, hat die Brandversicherungs-Anstalt zu tragen. Gleichzeitig mit dieser Arbeit wurde ein Blitz­ableiter angebracht, der über das ganze Dach der Pfarrkirche ausgedehnt wurde. Die Kosten hierfür betragen etwa 500 Mk. und sollen aus freiwilligen Spenden gedeckt werden, da die hiesige Pfarrkirche nur weniges Vermögen besitzt. Die Helmspitze des Thurmes ist im Jahre 1808, weil sie einzustürzen drohte, abgenommen worden. Erst im Jahre 1885 erhielt der Thurm wieder eine neue Helmspitze und seitdem ist die Gefahr des Blitzeinschlags größer geworden.

f Muckers, 24. Juli. Gestern erhielt die hiesige neue Pfarrkirche zwei gothische Seiten- Altäre, die eine Zierde unserer Muttergottes­kirche sind. Leider bilden die noch nackten Wände einen scharfen Kontrast zu den schönen bunten Altären. Hoffentlich wird in absehbarer Zeit durch die Opferwilligkeit der Gläubigen das Innere des Gotteshauses würdig gemalt werden können.

* Karmu, 23. Juli. Gestern Abend sind die beiden Pferde eines Fuhrwerksbesigers in Groß-Steinheim im Main ertrunken. Nur mit Mühe konnte der Geschirrführer, welcher in lebensgefährlicher Situation auf dem abgebrochenen Hintertheil des Wagens auf dem Wasser trieb, gerettet werden.

* IranKfurt, 23. Juli. In der verflossenen Nacht wurde im Uhrenmagazin von Eichenberg ein Einbruch ausgeführt und etwa 40 ameri­kanische goldene Taschenuhren im Werthe von 800 Mark gestohlen.

△ Hfferrkiach, 24. Juli. Ein Mitglied der hiesigen Turngesellschaft, welches sich an der Turnfahrt nach Hamburg betheiligte, wurde in Hannover vom Schlage gerührt und ist bald nachher gestorben.

* Kassel, 23. Juli. Die Frage eines Rath­haus-Neubaues für unsere Stadt ist allge­mach immer brennender geworden. Die neue Stadtverordneten-Versammlung dürste demnächst über sie zu berathen haben. Es ist daher im Auftrage des Oberbürgermeisters Westerburg vom Stadtbaurath Höpfner eine Denkschrift ausgearbeitet worden, die auf Grund eingehender sachlicher Darlegungen zu dem Vorschläge gelangt, die Errichtung eines Rathhaus-Neubaues auf dem Terrain zwischen oberer Königstraße, Wilhelmstraße, Karlstraße und Meßplatz zu be­fürworten. Es würde das fragliche Häuserviertel, zu dem das städtische Meßhaus, das Militär - und Civil-Kasino, sowie mehrere Privathäuser gehören, niederzulegen sein. Die Front soll nach der Königstraße zu gelegen sein mit 40 Meter Vorplatz. Die Kosten sind auf 3186 000 Mark veranschlagt, welche aus Anleihe-Mitteln zu decken sind. Zur Gewinnung eines geeigneten Bau­planes wird die Ausschreibung einer Konkurrenz vorgeschlagen, für welche 30000 Mark auszu­setzen wären.

* Kassel, 23. Juli. Die hiesigen Zeitungen konnten in der letzten Zeit recht häufig über falsche Alarmirungen der Feuerwache zur Nachtzeit berichten. Vorzüglich unterrichtet über diese leidigen Vorfälle zeigte sich ein junger Herr, der sich bei den hiesigen Zeitungen durch gelegentlich kleine Lokalnotizen sein Taschengeld verdiente. Es war frappant, mit welcher Ge­wissenhaftigkeit seine Berichte über die Feuerwehr- Falschalarmirungen am nächsten Morgen Punkt 6 Uhr in den Redaktionen zur Stelle waren. Natürlich endigten die Berichte stets mit dem Wunsche, daß es doch endlich gelingen möchte, den „ruchlosen Thäter" zu fassen. Das geschah denn auch in einer der letzten Nächte Dank der Wachsamkeit unserer Schutzleute. Der Bericht­erstatter mit den Alarmnachrichten blieb aber an diesem Morgen aus, nicht einmal die Meldung, „daß es endlich gelungen wäre rc." traf ein, wohl aber die überraschende Neuigkeit, daß der sonst so vorzüglich unterrichtete Herr Bericht­erstatter in höchsteigener Person auf der Polizei­wache säße, weil er in der vergangenen Nacht beim Alarmiren der Feuerwache erwischt worden war. Und so erklärte es sich, daß die hiesigen Zeitungen seit einigen Tagen nicht mehr über falsche Alarmirungen zu berichten brauchten und die Feuerwache endlich Ruhe hat. — Einige hiesige zoologische Sachen sammelnde Herren entdeckten ein wahres Kreuzotternest. Es gelang ihnen von diesen 14 Stück zu fangen. Dieselben haben die Größe von 20—68 Centi- meter. Es wurde zwar einer der Herren von einem Thiere in den Daumen gebiffen, doch unterband man die Wunde sofort, da man sich mit Allem vorgesehen hatte.

* WokfHagen, 23. Juli. Der Kasseler W 3tg.' wird von hier geschrieben: „Die Heu­ernte ist mit voller Rüstigkeit unserer tüchtigen Landleute des Kreises so weit beendet und das Beginnen des Roggenschnittes steht kurz vor der Thür. Mit ihm ist auch das so gern besuchte Volksfest, der Viehmarkt, herangerückt, -jung und Alt freut sich darauf und kann die Zett nicht abwarten, wo im Jahre viele Freunde und Bekannte einmal ein Wieder­sehen haben.'' — Das Wiedersehen der Freunde und Bekannten auf dem Viehmarkte muß wirklich schön sein.

‘v* Kirchhain, 24. Juli. Am Donnerstag wurde im hiesigen Felde und in der angrenzen­den Gemarkung mit dem diesjährigen Roggen- schnitt begonnen. Die fortgesetzt regnerische Witterung in den letzten 4 Wochen hat die Ent- .wickelung des Roggens theilweise ungünstig beein­

flußt. Die Erntearbeiten sind dadurch um etwa 14 Tage verzögert worden. Auch die Q u a l i t ä t des Roggenstrohes hat durch Ueberwucherung des Unkrautes viel gelitten. Der Körnerertrag ver­spricht jedoch gut zu werden, denn nach der von schönem Wetter begünstigten Blüthezeit hat sich ein guter Körneransatz gebildet. Auch wird schon frühgesäete Gerste hier geschnitten. Der Stand der übrigen Feldfrüchte ist in unsrer Gemarkung vorzüglich, und sendet der' Himmel gutes Erntewetter, so werden sich des Landmanns Speicher und Räume bis obenhin füllen. — Drei Sonderzüge passirten in der Nacht vom Freitag zum Samstag unsere Station, welche etwa 1000 Turner zur Theilnahme an dem großen Turnerfeste^ nach Hamburg beförderten. Auch vom hiesigen Turnverein schloffen sich zehn Mit­glieder dem Sonderzug der Turner des Mittel­rheinkreises an.

* Warvurg, 23. Juli. Der außerordentliche Professor Dr. von Blume an der juristischen Fakulität der hiesigen Universität erhielt einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Rostock.

* Mürgek« (Kr. Marburg,) 23. Juli. Der hiesigen Gemeinde wurde von Sr. Majestät dem Könige ein Gnadengesche nk von 10000 Mk. zum Neubau eines Schulhauses bewilligt.

* Darmstadt, 23. Juli. Die ,Darmstädter Zeitung' veröffentliche die Ernennung des Regie­rungsraths Kayser-Darmstadt zum Kreisrath in Worms, des Regierungsraths Wallau- Gießen zum Kreisrath in Lauterbach, des Direktors Mangold-Worms zum Direktor des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt und des Professors Blaß-Gießen zum Direktor des Gymnasiums in Worms.

* Ans Anterfrankeu, 23. Juli. Ueber die Wein aussichten in Unterfranken wird auf Grund amtlicher Mittheilungen berichtet: In guten Lagen ist die Traubenblüthe vorüber. In Mittellagen stehen die Weinstöcke in der Blüthe und in geringen Lagen wird sie sich erst in 8—14 Tagen zeigen. Die Weinbergsarbeiten sind vielfach im Rückstände. Die Peronospora hat sich in jüngster Zeit so verbreitet, daß alle Hoffnung beim Winzer geschwunden ist.

* Mürzvurg, 23. Juli. Zur Aufnahme in das Bischöfliche Klerikalseminar haben sich 41 Herren gemeldet. Die Prüfung erfolgt am 1. August.

* Jena,23.Juli. Eine gefahrvolle Lust- reise wider Willen mußte ein bei den Reparatur­arbeiten am Dache der hiesigen Stadtkirche be­schäftigter Dachdecker machen. Er hatte unten einen Korb mit Material zu füllen, der von den auf dem Dache thätigen Arbeitern durch eine Winde in die Höhe befördert werden sollte. Oben glaubte man, das Signal zum Aufziehen gehört zu haben und setzte die Winde in Bewegung. Nicht wenig erstaunt und erschrocken waren aber die Dach­decker, als sich schließlich am Dache nicht der Korb, sondern eine menschliche Gestalt zeigte, in der sie einen in höchster Lebensgefahr schwebenden Arbeits­genoffen erkannten. Derselbe war beim Aufziehen des Seiles von dem Hacken erfaßt und in die schwindelnde Höhe hinaufgewunden worden. Seine Hilferufe hatte man oben nicht gehört. Er wurde durch eine Dachluke in den sicheren Port hinein­gezogen und athmete erleichtert auf, als er sich aus der entsetzlichen Gefahr befreit sah.

* Apolda, 23. Juli. Eine eigenartige Verwendung des Fahrrades wurde im Mühlthale beobachtet. Ein junger Familienvater, der mit Frau und Kind eine Sommerparthie nach dem Forst bei Jena unternommen, hatte auf der Rückreise mit einem langen Strick einen blauen Kinderwagen an sein Rad befestigt, in welchem munter sein Sprößling saß und stolz darein schaute, wenn die Passanten sich über den zweckmäßigen Vorspann amüsirten.

Uermischtes.

XMünchen,23.Juli. Der bayerische Landes­verband landwirthschaftl ich er Genossen­schaften hat in seiner Generalversammlung ein­stimmig den Anschluß an den Allgemeinen Verband der landwirthschaftlichen Genossenschaften des deutschen Reiches zu Offenbach e. M. mit 1479 Genossenschaften beschlossen. Dieser Allgemeine Verband umfaßt nun­mehr 6400 landivirthschaftliche Genossenschaften und ist die größte genossenschaftliche Bereinigung der Welt.

• Königsberg i. ^r., 23. Juli. Beim Bau des Exerzierhauses in Rastenburg stürzten die Eisenträger der Dachdeckung ein. 11 Bauarbeiter wurden ver­schüttet, von denen sechs getödtet und die übrigen schwer verletzt wurden.

* Arestau, 23. Juli. Mehrere Personen, welche bei der letzten Reichstagswahl Wahlzettel vertheilt haben und sich mit großen Schildern vor den Wahl­lokalen aufgestellt hatten, sind hier wegen Verübung „groben Unfugs" zu Geld st rasen oerurtheilt worden. Zu der betr. Gerichtsverhandlung geht der ,Schles. Volksztg.' aus ihrem Leserkreise ein Schreiben zu, dem wir folgendes entnehmen: „Ist die Sache schon an sich selbst dazu angethan, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zu lenken, so muß dies um so mehr der Fall sein, da der Zeitungsbericht zugleich mittheilt, daß alle Parteien, welche Zettelvertheiler mit Pappen­deckel-Plakaten vor den Wahllokalen angestellt hatten, angeklagt waren, nur die konservative Partei nicht. Das muß auffallend und befremdlich erscheinen, da selbige sich doch ganz derselben Ueber- tretung schuldig gemacht hat. Es ist bisher nichts zu lesen gewesen, daß auch gegen die konservative Partei ein gerichtliches Verfahren eingeleitet worden sei. Welchem glücklichen Zufall mögen die Konser­vativen es zu verdanken haben, daß keiner ihrer Ver­treter in Gemeinschaft mit den Vertretern der übrigen Parteien sich zu verantworten hatte. „O selig", möchte man da ausrufen und singen, „o selig, ein Konservativer zu sein." Den Konservativen streute die holde Fortuna Zuffälligleiten in den Weg, in Folge deren sie in dieser Sache unbehelligt blieben, während diese launenhafte Göttin für keine der anderen Parteien eine ähnliche Gabe in petto hatte, selbst nicht einmal für die Nationalliberalen. Auch sie gehörten zu den Stief­kindern Fortunas. Und doch hätte es sich im Interesse

der Gleichheit vor dem Gesetze gar nicht übel, sondern sehr gut ausgenommen, wenn, wie Herrn Heppner, dem Vertreter der sozialdemokratischen Partei, und den Vertretern der übrigen Parteien, so auch einem Vertreter der konservativen Partei die Vorladung zugegangen wäre: „In der Strafsache Heppner und Genossen wegen Ueberlretung werden Sie usw." Jndeß der leidige Zufall hat es anders gefügt. Es ist dies zu bedauern, da dieser Zufall leider geeignet ist, aller­hand Vermuthungen Raum zu geben."

(*) Kleine Machrichten. Berlin. Die Ver­wandten der Familie Strauß, welche mit der „Bour- gogne" untergegangen ist, haben sich zur Erbregu Ir­rung nach Amerika begeben. Der Nachlaß der Strauß'schen Familie beträgt nahezu 5 Millionen Dol­lars. — Koblenz. In der Kaserne erschoß sich ein im zweiten Jahre dienender Soldat. Der Mann hatte eine Strafe wegen Gehorsamsverweigerung erhalten. — Kassel. Frau Kommerzienrath Henschel, die Be­sitzerin der bekannten Lokomotiv-Fabrik, stiftete anläßlich der Vermählung ihres Sohnes Karl mit Fräulein Mar­ti« aus London 200,000 Mark zu gleichen Theilen für die Wittwen-Kassen ihrer Arbeiter und Beam­ten. — Arnsb erg. JnHasenwinkel wurde die Leiche eines jungen Mannes von Kindern, welche am Wald beerpflücken waren, aufgefunden. Die Leiche soll bis zu den Hüften im Erdboden gesteckt haben, die Füße auf recht gen Himmel. — Straelen. Einem Bauern­mädchen, welches vom Weseler Markte heimkehrte, wurde durch das unvorsichtige Zuschlägen einer Koupee- lhür die Hand zerquetscht. — Emden. Die Zahl der von 11 Schiffen der Emder Häringsfischerei bis heute eingebrachten Tonnen Häringe stellt sich auf 3516, während bis zum 19. Juli v. I. durch 20 Schiffe ca. 5000 Tonnen eingebracht waren. — Elberfeld. Der frühere protestanlische Pastor Jdel, welcher eine eigene Gemeinde gründete, nahm in der Mirker Bade­anstalt die Wiedert aufe an 7Knaben und 4Mädchen vor. Da der Akt vorher öffentlich bekannt gemacht worden war, so hatten sich viele Neugierige eingefunden, die gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes von 20 Pfg. die Person der Taufhandlung beiwohnen durften. (!) Auch ein Photograph hotte sich mit Apparaten eingefun­den, um die feierliche Handlung zu fixiren. — Buda­pest. Die Arbeiter der hiesigen Militär-Konser- ven-Fabrik, 700 an der Zahl, drohen mit einem Streik. Sie fordern die Wiederaufnahme von 50 ent­lassenen Arbeiterinnen, die Abschaffung der Akkord-Ar- beit und ein Lohn-Minimum von 18 kr. täglich. — Gar­misch. Beim Besteigen der Zugspitze stürzte einer von zwei jungen Touristen ab. Sein Tod wird nicht bezweifelt; es ist der 18jährige Sohn des Prof. Inner aus Berlin. — Hörde. In Schrecken wurde eine Fa­milie in der Wemgartenstraße versetzt. Durch die Stille der Nacht erdröhnte plötzlich ein Schuß, die Kugel fuhr durch das Fenster und traf das in einem Wagen liegende schlafende Kind. Die Kugel drang dem Kleinen in ein Beinchen ein. Es ist gelungen, den Thäter ausfindig und dingfest zu machen. — Alzey. Ein Metzgermeister, auf der Reise zur Kur nach Soden begriffen, wurde tm Wartesaale des Höchster Bahnhofes vomTode ereilt und starb in den Armen seines ihn begleitenden Bruders.

* Ile Maucheriunen am russische« Kose. In Rußland ist eine Reform eingeführt worden, fast so be­deutend wie die Aufhebung der Leibeigenschaft. Die Kaiserin hat ihre Hofdamen ersucht, sich in ihrer Gegen­wart des Rauchens zu enthalten. Eine von ihnen wurde beauftragt, der Zarin eine Denkschrift zu überreichen und gegen den Ukas zu protestiren. Die Denkschrift enthielt einen „historischen" Ueberblick über die höfischen Raucherinnen aller Zeiten und hob besonders folgende Thatsachen hervor: Die Cigarrette ist bei allen Höfen zugelassen und zählt sogar regierende Fürstinnen zu ihren Anhängern. Die Kaiserin-Mutter von Rußland raucht, ebenso die Prinzessin von Wales. Die Kaiserin von Oesterreich, die Königin von Rumänien, die Königin-Re­gentin von Spanien, die Königin von Portugal sind Raucherinnen, und eine der leidenschaftlichsten Rauche­rinnen soll die Prinzessin Irene, die Schwester der Kai­serin von Rußland sein. Man fürchtet eine Palast- Tragödie, wenn das Rauchverbot am russischen Hofe nicht aufgehoben wird.

* Bei einer Verhandlung vor der Strafkammer zu Kalle a. S. stellte sich heraus, daß beim dortigen Schöffengericht u. a. ein Schöffe mitgewirkt habe, der vor zehn Jahren eine Zuchthausstrafe von drei Jahren wegen vorsätzlicher Brandstiftung verbüßt haben soll. Zur Feststellung des Thatbestandes beschloß die Strafkammer Einforderung der bezüglichen Schwur­gerichtsakten. Gegebenenfalls dürften die Schöffen- gerichtserkenntniffe, bei denen der betreffende Schöffe mitgewirkt hat, kasstert werden.

♦ Ein Mann, der als Soldat ein MeisterstüK vo« vlindem Gehorsam lieferte, wurde vor einigen Tagen in Pondorf (Bayern) zur Ruhe bestattet. Er diente in Ingolstadt und war Osfiziersbursche. Eines Tages be­fahl ihm sein Lieutenant: „Peter, hole mir zwei Regensburger Würste!" Bestürzt schaut Peter auf seinen Vorgesetzten. „Regensburger Würst?" fragte er erstaunt. „Freilich, mach, daß Du weiter kommst", er­tönt das Kommando. Es war Morgens neun Uhr. „Aber warm müssen sie sein", ruft der Lieutenant dem Peter noch nach. Es vergeht eine halbe Stunde eine Stunde, es wird Mittag, es wird Abend, Peter ist noch nicht da. Dem Lieutenant kommen allerhand Gedanken, er meldet das Ausbleiben, man recherchirt und erfährt, daß der Peter im Laufschritt durch den östlichen Stadt- theil geeilt sei und auf Befragen von Kameraden er­klärt habe, er müsse Regensburger warme Würste holen Endlich am nächsten Morgen kommt Peter schweiß­triefend wieder heim. War der pflichttreue Soldat nach Regensburg gelaufen und wieder zurück, um den Befehl zu erfüllen! Von da ab erfreute sich Peter des besonderen Wohlwohlens seiner Vorgesetzten.

* Was Mutterliebe vermag. An der Universität von Bordeaux bestand vor Kurzem ein junger Blinder mit glänzendem Erfolge die Prüfungen des Licenciats der Philosophie, aus denen er als Erster hervorging. Der junge Mann, dessen Vater Rath am Appellhofe von Bordeaux ist, besitzt die glänzendsten Geistesgaben, die von einer fürsorglichen Mutter mit der größten Hingebung gepflegt wurden. Die Mutter diente dem blinden Sohne als Lehrerin und Sekretärin, lernte seinet­wegen Lateinisch, Griechisch und Deutsch und arbeitete unausgesetzt mit ihm, indem sie ihm Plato, Aristoteles, Pascal, Descartes, Kant, Hegel, Schopenhauer u. a. m. vorlas und selbä studirte. Diese hingebende Mutter hätte offenbar gleichfalls die ziemlich schwierigen Examina mit Erfolg bestanden.

* Londoner Feuerwehr. Dieselbe ist 700 Mann stark, Offiziere nicht mit eingerechnet. Das Jahresge­halt der Mannschaft beträgt im Durchschnitte 2000 Mk. Der Jahresbudget der Feuerwehr übersteigt 3 Mill. Mk. An Geräthschasten besitzt sie: 68 Dampfspritzen verschiedener Systeme, 100 Handspritzen, 135 mechanische Leitern, Rettungsgeräthschaften und andere Fahrzeuge. Dazu kommen noch 5 schwimmende Spritzen. — Man schätzt das durch die Feuerwehr verbrauchte Wasser auf 900000 Hektoliter jährlich, während der jährlich durch Feuersbrünste angerichtete Schaden sich auf etwa 2*/« Mill. Mk. beläuft.

* Die bei weitem größte Zutsierfavrisi der Welt wird die von einem Iankee, namens Sprekels errichtete Rübenzuckeifabrik zu Salainas (Californien) werden. — Dieselbe kann bis zu 3300 Tonnen Rüben verar­beiten, welche ein Ausbringen von etwa 450 Tonnen Zucker geben würden. — Das Hauptgebäude der An­lage ist 582 Fuß lang und 102 Fuß breit.

* Das Spinnrad kommt wieder zu Ehren. Wenn man durch die Straßen Berlins schlendert, so sieht man jetzt kaum in ein größeres Möbelgeschäft, ohne im Schaufenster eines der kleinen Rädchen zu sehen, mit dem sich unsere Urgroßmütter noch ebenso ver­sammelten, wie heutzutage unsere Mütter mit der Handarbeit zum Kaffeekränzchen sich vereinen. Und thatsächlich wird das schnurrende, surrende Rädchen wieder modern, nicht allein als Zierrath, sondern als praktikabler Gegenstand. Gretchen am Spinnrad ist jetzt oft zu sehen. Die Töchter unserer vornehmsten Familien beschäftigen sich wieder mit Selbstanfertigung des Garnes für das feine Leinenzeug, bei der heutigen Emanzipation des weiblichenGeschlechtes sicherlich ein bemerkenswerthes Zeichen. Die neue Einführung des Spinnrades haben wir England zu verdanken, wo die Sitte, die Wolle für den Hausbedarf selbst zu spinnen, auf dem Lande nirgends ganz ausgestorben war. Von dort haben es die stolzen Ladies wieder gelernt und tonangebende Persönlichkeiten wußten dem Spinnrade die Wege über den Kanal in die Gesellschaft des Kon­tinents zu bahnen.

* Warum Damenuhren meist falsch gehen. Es ist bekannt, daß Damenuhren leicht außer Gang ge- rathen. Jeder Uhrmacher wird das wissen, ohne daß er die Unregelmäßigkeit den zierlichen Uhrwerken selbst zur Last legen würde. Im Gegentheil erweisen sich Damenuhren, sobald Herren sie tragen, oft genug als ruverlässige Zeitmesser. Das schlechte Gehen der Damenuhren soll daran liegen, daß Frauen ihre Uhren nicht sorgfältig behandeln, wie Männer es thun. Diese ziehen ihre Uhren regelmäßig auf, Frauen fast nur gelegentlich. Die Männer tragen ihre Uhren beständig und regeln ihre Alltagsthätigkeit nach dem Gange der­selben, wogegen die Frauen sich ihrer nur zur Zeit bedienen und nach dem regelmäßigen Gange ihrer Zeit­messer wenig zu fragen haben. „Und schließlich", so meint ein Uhrmacher, „muß man einmal zusehen, wie und wo eine Frau ihre Uhr trägt. Befindet sich die­selbe am Armband — eine sinnige Einrichtung, der man häufig begegnet — so ist es klar, welchen unvor­hergesehenen Stößen sie ausgesetzt ist. Trägt die Frau ihre Uhr wo anders, sei es auch in einem eigens dazu konstruirten Uhrtäschchen, so hat sie erstens eine Menge Schwierigkeiten, sie hinein — und abermals eine Menge Schwierigkeiten, sie herauszubekommen. Unter diesen Umständen dürfte sich keine Dame wundern, daß ihre Uhr ihren Dienst nicht pünktlich verrichtet, sondern zahlreichen Störungen ausgesetzt ist."

üirchenkalen-er.

Dienstag, 26. Juli. Anna. Die hl. Anna war die Mutter der allerseligsten Jungfrau Maria. Die hl. Schrift meldet uns nur wenig von ihr. Sie und ihr Gemahl der hl. Joachim führten einen sehr from­men sind gottgefälligen Lebenswandel und sie erzogen ihr Kind, welches Gott ihnen auf ihr inbrünstiges Gebet geschenkt hatte, in Gottesfurcht und Gerechtig­keit. Die hl. Anna wird insbesondere als Patronin der Hausfrauen verehrt.

Geschicht*-Kalr«>rr.

26. Juli.

1597 Aufstand der Niederlande gegen Spanien.

1834 Wolkenbrüche in der Rhön bei Hilders und Mellrichstadt; 17 Personen verloren das Leben.

1866 Friedenspräliminarien zwischen Preußen und Oesterreich. •

1867 Publikation der Verfassung des Norddeut­schen Bundes.

1891 Eisenbahnunglück bei St. Maudö (Frankreich);

80 Todte und 300 Verwundete.

1896 Große Fluthwelle in Shanghai; 4000 Todte.

KriefKastrrr.

F. hier. Die „Hundstage" beginnen, wenn die Sonne in das Zeichen des Löwen tritt. Dies war am vorigen Freitag Abends 10 Uhr der Fall. Am 23. August Morgens 5 Uhr tritt die Sonne in das Zeichen der Jungfrau, und damit erreichen die Hundstage ihr Ende. Der Name ist von dem Hundsstern (Sirius) abgeleitet, der in dieser Zeit zugleich mit der Sonne auf- und untergeht.

L. in K. Selbstverständlich.

m. Wettrr-Kesbachturrgeil.

25. Juli.

Temperatur 6 Uhr AbendS: 17,2° (Keif., 13,8° RSau»

„ Th „ Morg.: 10,8« „ 8,61 .

„ 12 „ Mittags: 20,5° „ 16,4° .

Die höchste Temperatur deS gestrige» TageS betrug 22,1« SelfiuS (17,7« Röaumur).

Die niedrigste Temperatur in vergangener Nacht betrug 8,5 ° Celsius (6,8° Rsaumur).

WafferwSrmr der Fulda (in Röaumur) 7 Uhr Abends 14,6«, 6'/, Uhr Morgens: 11,2».

Witterung- - Wrdrrstcht der Deutsche» Arrwartr vow

23. Juli, mitgetbeilt dem Deutschen ReickSanzetger

Ein tiefes Minimum ist über der Norwegischen See erschienen, einen Ausläufer nach dem westlichen Deutschland entsendend, während der Luftdruck über der Biscayasee am höchsten ist. In Deutschland ist das Wetter trübe und wärmer; die Morgentemperatur hat stellenweise den Mittelwerth überschritten; vielfach ist Regen gefallen. In Eüddeutschland fanden Gewitter statt. In Oesterreich-Ungarn herrscht noch heiteres, meist wolkenloses Wetter. Da das Depressionsgebiet ostwärts fortschreitet, ist für Deutschland trübes, feuchtes Wetter mit nachfolgender Abkühlung zu erwarten.

Barometerstand Mittags 12 Nhr

am 23./7 am 25./7.

770.

760.

750.

740.

730.

720.

710.

Muthmaßliche Witterung

für den 26. Juli. Schön.

Sehr ttocken Beständig

Schön Veränderlich

Regen (Wind)

Biel Regen

Sturm

.730

710

.70

.720

760

740

.77u