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mit Nnterhaktungs-Meikage „Mustrirte Sonntags-Aeitung"
M 166.
Jutöct, Montag, den 25. Juli 1898
25. Jahrgang
f Vor einem Jahre.
Vor einem Jahre war es, am 24. Juli 1897, da wurde am Dönhoffplatze in Berlin rm preußischen Abgeordnetenhause das Schicksal der Gesetzesvorlage entschieden, die Minister von der Recke als Novelle zum Vereinsgesetze im preußischen Landtage eingebracht hatte. Mit 209 gegen 205 Stimmen wurde die Vorlage des Freiherrn von der Recke verworfen, die angeblich eine Einlösung des Versprechens sein sollte, das Reichskanzler Für st zuHohenloheim Reichstage gegeben hatte, nämlich des Versprechens von der Aufhebung des Verbindungsverbotes für politische Vereine. Aber man hatte es wirklich nur angeblich mit einer Einlösung dieses Versprechens zu thun. Denn der Entwurf des Freiherrn von der Recke war dergestalt mit sogenannten Kompensationen belastet, daß eine Annahme dieser Vorlage nicht ein Schritt vorwärts gewesen wäre auf dem Gebiete der Vereinsgesetzgebung, sondern ein tüchtiger Schritt rückwärts. Nach den Vorschlägen des Freiherrn von der Recke würden die Vereine aller politischen Parteien und alle ihre Versammlungen unter der Botmäßigkeit der unteren Polizeibeamten gestanden haben. Das verlangte Herr von der Recke als Kompensation, als Ausgleich für die Aufhebung des Verbindungsverbotes ; aber das Verlangen und auch die übrigen Bedingungen, die die Vorlage enthielt, waren so außerordentlich herausfordernd, daß sogar die Nationalliberalen in die Opposition gingen und das Ergebniß eben die Ablehnung des Entwurfes in dem vorher schon angeführten Stimmen- verhältniß war. Nur die Konservativen standen auf der Seite des Herrn von der Recke.
Die Minister von Miquel und von der Recke verwahrten sich zwar mit dem Aufgebote starker Ausdrücke gegen den Tadel, daß sie der Reaktion dienten mit dieser Novelle zum Vereinsgesetze. Aber die Herren Minister werden sich selbst kaum gewundert haben darüber, daß diese Versicherungen in den Reihen derjenigen Parteien, die die Vorlage ablehnten, laute Heiterkeit erregten. Die Behauptung widersprach gar zu sehr den Thatsachen, als daß dies anders hätte sein können.
Inzwischen ist in Bayern, in Sachsen und im kleinen Anhalt jenes Versprechen des Reichskanzlers eingelöst worden. In Preußen ist die letzte Sitzungsperiode des Landtages vorübergegangen, ohne daß die Regierung mit einer neuen Vorlage zur Aenderung des Vereinsgesetzes auf dem Plane erschienen wäre. Freiherr von der Recke ist Minister des Innern geblieben. Nicht wie Graf von Zedlitz im Jahre'1892 ist er seiner Vorlage gefolgt und vom politischen Schauplatze abgetreten. Vielmehr ist damals, nach der Ablehnung seiner Vereinsgesetz-Nooelle, wiederholt in der Regierungspresse versichert worden, daß Freiherr von der Recke sich nach wie vor des vollen Vertrauens des Monarchen sich erfreue. Er blieb also Minister und ist es heute noch. Und höchst wahrscheinlich wird arch das neue Abgeordnetenhaus das Ministerium des .Innern noch jvon demselben Freiherrn von der
<int alte EhttiWd.
Novellen- von M. von Radkersberg-Radnicki.
<6 (Nachdruck verboten.!
Mitleidig streifte das Auge der Baronin seinen Stelzfuß, und indem es an seinem vor innerer Aufregung so blassen Gesichte haften blieb, sagte sie herzlich : „Wenn Ihnen das Unwetter nur nicht geschadet hat! Ich bitte, machen Sie uns das Vergnügen und trinken Sie einen schwarzen Kaffee mit <£ognac mit uns . . Heinrich, noch einen Kaffee, ■aber einen recht heißen/ wandte sie sich an ven Kammerdiener, und bann führte sie Mahlfeld in den durch hohe Blattpflanzen versteckten Erker, wo sie ihn ihrem Bruder vorstellte.
„Herr Ernst Mahlfeld . . mein Bruder Feld- marschall-Lieutenant Epping."
Die beiden Männer sahen sich an; einst hatten sie sich sehr gut gekannt, jetzt war nur einer von ihnen dessen sich bewußt, indeß der andere in seiner Erinnerung herumsuchte und doch das Richtige nicht finden konnte.
^Und Fräulein Mira weiß, daß sie in diesem Unwetter draußen sind?" forschte die Baronin. „Das arme Kind! Wie wird sie sich ängstigen! AuS allen ihren Worten spricht eine solche Siebe und Verehrung für ihren Vater, daß ich wirk ich sehr neugierig gewesen bin, Sie kennen zu lernen.
„Das kommt daher, gnädige Frau: ich habe nur sie, und sie bat nur mich."
Eine kleine Pause entstand, welche der General mit der Frage: „Haben Sie auch beim Militär gedient, Herr Mahlfeld?" unterbrach.
„Ja, Exzellenz," erwiderte dieser, „ich war ■einst sogar mit Leib und Seele Offizier und
Recke vertreten fehen. Dieser aber wird doch jedenfalls in seinen Ansichten noch derselbe sein wie vor einem Jahre; und so lange er Minister des Innern sein wird, dürfen wir darum schwerlich darauf rechnen, daß jenes Versprechen des Reichskanzlers eine aufrichtige Deutung, und volle Einlösung finden wird.
Dennoch ist wohl kaum daran zu zweifeln, daß im neuen Landtage das Vereinsgesetz noch einmal eine Rolle spielen wird. Dieses wäre auch bann zu erwarten, wenn nicht ansbrücklich in jüngster Zeit in der Regierungspreffe die Ankündigung erfolgt wäre, daß noch außer der Vorlage über neue Regelung des Kommunal-Wahlrechtes wichtige Entwürfe aus dem Ministerium des Innern an den preußischen Landtag gelangen würden. Nach dieser Ankündigung ist ein Zweife daran aber kaum noch zulässig. Und wenn die neue Vorlage wiederum von Freiherrn v. d. Recke eingebracht wird, so wird sie sich von der alten wenig mehr unterscheiden als ein Ei vom anderen.
Das preußische Abgeordnetenhaus muß im bevorstehenden Herbste neu gewählt werden. Diese Wahl wird also eine große politische Bedeutung haben. Abänderung der Bestimmungen über das Kommunal-Wahlrecht, neue Regelung des Wahlrechtes zum preußischen Äbgeord- netenhause selbst, Vereinsgesetz, Schulfragen und namentlich vielleicht auch später eine Vorlage über neue Regelung der Schulunterhaltungs-Pflichten — das ist ein reiches, ein vielgestaltiges Programm mit so außerordentlich wichtigen Punkten, daß der Neuwahl zum preußischen Abgeordnetenhause diesmal gar nicht genug Wichtigkeit beigelegt werden kann. Mögen unsere Partei-Freunde vom Centrum dessen eingedenk sein und die großen Schwierigkeiten nicht vergessen, unter denen das Centrum im preußischen Abgeordnetenhause seine Aufgaben zu erfüllen hat. Viel mehr noch als bei den Wahlen zum Reichstage wird es für das Centrum auf die Personen der einzelnen Wahlbewerber ankommen. Viel weniger noch als dort wird es möglich fein, für die 'Landtagswahlen eine einheitliche Partei-Parole auszugeben; und darum wird die Arbeit und die Entscheidung noch mehr als bei den Wahlen zum Reichstage den Parteileitungen der einzelnen Landes- theile und Wahlkreise überlassen bleiben müssen.
Die Liberalen verschiedener Schattirungen beginnen jetzt mit ihren Vorbereitungen zur Landtagswahl. Genaue Beobachtung aller Vorgänge und Wahlvorbereitungen in den Reihen der anderen Parteien wird darum die nächste Aus gäbe sür unsere Freunde von der Centrumspartei fein, die diesmal wichtiger und bedeutungsvoller noch als sonst ist und deswegen diesmal auch ganz besonders sorgfältiger Ausführung bedarf.
Deutsches Deich«
Berlin, 23. Juli.
X An der Thatsache ist nicht mehr zu zweifeln, daß zwischen dem Kaiser und dem Grafen Ilegeuten zu Lippe ein Schriftendachte mir im Saufe der Jahre mindestens den Generalshut zu holen . . Aber das ist schon lange her." Ein tiefer Seufzer hob feine Brust.
„Ja, freilich," schnarrte der General dazwischen, „die meisten Offiziere schauen in den späteren Jahren mit Enttäuschung auf ihre Carriöre zurück. Das ist aber nicht anders möglich; wo so viele mitrennen, müssen die einen vorkommen, die anderen rückwärts bleiben. In welchem Regimente haben Sie denn gedient?"
„Im fünfundachtjigsten Infanterie-Regiment, Exzellenz, stand ich noch vor zweiundzwanzig Jahren," verfitzte Mahlfeld fast feierlich.
„Aber das ist ja gar nicht möglich!" rief der andere aus und schlug mit seiner rechten Hand auf den Tisch. „Ich habe ja selbst bei diesem Regimente gedient durch sünfzehn Jahre, war Hauptmann dort und Major, aber ich erinnere mich keines Offiziers Ihres Namens."
„Exzellenz, erinnern sich meiner nicht?" entgegnete Miras Vater langsam. Ein bitterer Zug lagerte sich um seinen Mund, und seine Wimper zuckte nicht, während er den Feldmarfchall- Seutenant ruhig anschaute.
Eine unheimliche Pause entstand.
„Dann müssen Sie im Feldzuge gegen Preußen Ihren Fuß verloren haben, das sind so 22 Jahre her," sagte die Baronin, indem sie in den Erker trat. Sie hatte die letzten Sätze nicht vernommen, weil sie so lange mit dem Diener redete.
„Leider nein, gnädige Frau."
„Aber erzählen Sie, wodurch ist Ihnen denn dies große Unglück widerfahren?" fragte sie theil- nahmsvoll.
Er sah den ihm Gegenübersitzenden an, als wollte er ihn fragen, ob er erzählen solle, doch
wechsel stattgefunden hat, wie er angedeutet worden ist. Aber von feinem Wortlaute weiß man noch nichts Bestimmtes. ,Reichsanzeiger' und ,Nordd. Allg. Ztg/ beobachten über diese Angelegenheit vollkommenes Schweigen. Wenn man aber nicht genau den Wortlaut dieses Schriftwechsels kennt, kann man sich auch kein bestimmtes Urtheil über die ganze Sache bilden. Es steht fest, daß Graf Ernst zu Lippe die Angelegenheit fämmtlichen Bundesfürsten persönlich unterbreitet hat. Aber es steht doch nicht fest, ob die Nachricht zutreffend war, daß auch dem Bundesrathe die Sache unterbreitet worden ist. Und sollte das geschehen sein, so würde dieser Schritt vermuthlich ohne Erfolg unternommen worden fein. Der Bundesrath ist nach der Reichsverfaffung zwar berufen, bei Streitigkeiten zwischen verschiedenen Bundesstaaten zu entscheiden. Aber hier handelst es sich nicht um den Staat Preußen und um den Staat Lippe-Detmold. Man sieht, daß über den ganzen Fall noch vollkommene Unklarheit herrscht, trotz der großen Mengen von Zeitungspapier, die ihm bereits gewidmet worden sind. Die Hauptsache bei der ganzen Angelegenheit ist wohl jedenfalls der Umstand, daß von preußischer Seite den Kindern des Grafen zur Lippe-Biester- fild die Thronfolgefähigkeit abgesprochen wird, weil die Mutter der Gräfin Karoline bürgerlicher Herkunft war. Auf diese Weise würde es auch zu erklären fein, daß die Garnison in Detmold angewiesen worden ist, wohl dem gräflichen Paare, nicht aber auch dessen Kindern die Ehren zu erweisen, wie sie den Mitgliedern regierender Familien zukommen. Graf Ernst hat feine Herrschaft Bentschen in der Provinz Posen in diesen Tagen an einen Herrn v. Klintzing verkauft. Es läßt sich nicht ersehen, ob dieser Verkauf irgendwie mit dem Streitfälle in innerem Zusammenhang steht.
* Srmz Keinrich von Frentzen steuert seinen Kurs noch immer ostwärts. Augenblicklich ist er auf dem Wege von Shanghai nach Wladiwostok im russischen Amurlande, und von dort aus mfid er der Halbinsel Korea einen Besuch abstatten.
X Oege» das geheime ZleichslagswaHk- recht schwingt der bekannte konservative Politiker Graf Mirbach in der ,Konf. Korr/ die Feder. Er bek.nnt sich offen als Gegner desselben — nun gut, das ist ausrichtig und männlich gehandelt. Warum spielen aber alle anderen Gegner des geheimen Wahlrechtes noch immer Verstecken mit ihren Anschauungen darüber? Heraus mit eurem Flederwisch! Auch der chaumburg-lippesche Minister Spring hat im lüdleburger Landtage ein offenes Wort gesprochen: „ohne Abänderung des Reichstags- Wahlrecktes keine Reichstags-Diäten" das hat Herr Spring als dm Standpunkt des Bundesrathes in dieser Sache bezeichnet. Warum sollte wohl das alles vor den Wahlen nicht wahr fein?
* Eine zweite Auflage der Gründerzeit traurigen Angedenkens scheint gekommen zu sein. Man rechnet heraus, daß allein in Aktien gewerblicher Unternehmungen im ersten Halbjahre 1898 etwa 192 Millionen Mark (Nennwerth) ausge-
der General betrachtete, offenbar in Gedanken vertieft, seine Fingerspitzen.
„Das ist eine traurige Geschichte, welche mich sehr aufregt. Deshalb müssen Sie mir erlauben, sie in Erzählungsform wiederzugeben, damit ich mich dabei als einen dritten denken kann," begann er.
„Es war einmal ein Oberstlieutenant. Man sagte, er fei zu den schönsten Lebenshoffnungen berechtigt, und sein Herz war in der That voll der schönsten Lebenshoffnungen. Er glaubte sich geliebt von seinen Kameraden und geachtet von seinen Vorgesetzten, und an ihrer guten Meinung war ihm so viel gelegen, daß er sich alles hätte kosten lassen, um dieselbe zu bewahren. Da er gleichzeitig sehr ehrgeizig war und ihm der Dienst des Kaisers ebenso befriedigend wie ehrenvoll schien, sah er schon im Geiste die Zeit vor sich, wann er an der Spitze eines Regimentes stehen würde, und segelte so auf dem Meere des Lebens zuversichtlich einher. Auch das, was das Lebensglück erst vollkommen macht, nannte er sein eigen: eine holde, liebe Braut, die zwar nicht reich war, aber von wohlhabenden Verwandten die zur Ehe mit einem Offizier erforderliche Heiraths-Kaution vor- gestreckt erhalten sollte.
„Es war im Sommer, der nach dem unglücklichen böhmischen Feldzuge folgte. Die militäri- fchen Uebungen wurden mit ganz besonderem Eifer betrieben, und besonders sein damaliger Bataillons- Kommandant trachtete, daß sein Grundsatz: „Ein tapferer Offizier kennt fein Hinderniß" den Offizieren in Fleisch und Blut überging. Besagter Oberstlieutenant stimmte dem Vorgesetzten, den er liebte und verehrte, in Aufrechterhaltung dieses Grundsatzes von ganzer Seele bei . . . und zahlte
geben worden sind, gegen 90 Millionen im zweiten Halbjahre 1897 und 95 Millionen im ersten Halbjahre 1897; der Kurswertbbetrug gar im letzten Halbjahre 274 Millionen Mark, gegen 138 Millionen bezw. 146 Millionen Mark in den beiden vorangegangenen Halbjahren. Dabei weisen die Jndustriewerthe nicht einmal die höchsten Ziffern in der Ausgabeliste auf. Jns- gefammt wurde im ersten Halbjahre 1898 ein Nennbetrag von 1330 Millionen Mark im Kurs- werthe von 1533 Millionen Mark neu an den Markt gebracht, gegen 844 bezw. 981 Millionen Mark im zweiten Halbjahre 1897 und 780 bezw. 857 Millionen Mark im ersten Halbjahre 1897. — Also die Gründungen haben sich ungefähr verdoppelt, und zwar ganz plötzlich. Hoffentlich haben die berufenen Konsuln ein wachsames Auge auf den bekannten „Giftbaum".
* Mit den Meldungen über neue Militärforderungen verbinden sich in der Presse solche über hochwichtige Aenderungen in der Behandlung der technische« Iragen in der deutsche« Marine. Danach soll die Leitung der Marine in Zukunft von dem weiteren Bau von Torpedobooten des seitherigen Typus absehen und nur noch Torpedoboote von den Dimensionen unserer jetzigen Torpedodivisionsboote bauen. Diese Entscheidung werde sich schon auf die zuletzt vom Reichstag bewilligten Torpedoboote erstrecken, so daß statt der Zahl der bewilligten kleinen Torpedoboote eine geringere Zahl von Torpedodivisions- booten hergestellt würden. Die,Nat. Ztg/ erfährt hierzu, daß es sich nicht um eine hochwichtige Aenderung, sondern nur um eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Torpedoboote handle," die, um leistungsfähiger zu werden, auch größer werden müßten. Im liebrigen handle es sich zunächst auch nur um einen Versuch.
* Das kaiserliche Reichspostamt in Berlin hat der Handelskammer zu Halberstadt auf ihre Vorstellungen über einige DerSesserimge« im Sosiverketzr mitgetheilt, daß bezüglich der Fernsprechgebühren und der Postanweisungsgebühr für kleine Beträge „eine anderweit Festsetzung in Aussicht genommen" fei. Die Zulassung von Rollenbriefen wird in Erwägung gezogen werden.
X Das neue sächsische Wereiusgesetz ist nunmehr amtlich veröffentlicht worden. In feinen wesentlichen Bestimmungen ähnelt es sehr dem bayerischen Vereinsgesetze. Die Hauptpunkte darin sind in Sachsen, ebenso wie in Bayern, die Aushebung des Verbindungsverbotes für politische Vereine und der Ausschluß der Minderjährigen. „Die Verbindung von Vereinen untereinander — so heißt cs im sächsischen Gesetz — ist zulässig. Politische Vereine dürfen mit außer- deutschen Vereinen nur mit Genehmigung des Ministeriums des Innern in Verbindung treten. — Minderjährigen ist die Theilnahme an Versammlungen, die politischen Zwecken dienen, verboten. Die Veranstalter oder Leiter einer solchen Versammlung sind gehalten, die Aufforderung, sich zu entfernen, an die etwa anwesenden Minderjährigen zu richten und nach Befinden auf Verlangen der Abgeordneten der Polizeibehörde diese Aufforderung zu wiederholen."
ihm seinen Zoll durch das Scheitern aller feiner Hoffnungen.
„Das trug sich folgendermaßen zu. An einem trüben Tage, es hatte am Morgen fogar mehrere Stunden geregnet, rückte das Bataillon zur Hebung aus in ein bisher noch unbekanntes Waldterrain. Auch der Oberstlieutenant war als Kommandant einer Plänkler-Abtheilung bestimmt. Plötzlich sah er sich vor einer tiefen Schlucht, während er den Major an der andern Seite in aufgeregtem Zustande hin- und herreiten sah. Es fielen bereits einige Schüsse, der Feind mußte nicht mehr fern sein, und als der Bataillons - Kommandant des Oberstlieutenants ansichtig wurde, rief er ihm zu: „Schnell her zu mir, Herr Oberstlieutenant! Ich bestimme Sie zum Führer einer Patrouille." Der Angerufene aber stand unschlüssig da und schaute nach rechts und nach links und erblickte einen Baumstamm, den der Wind gerade hier gefällt und als Steg über die Kluft gelegt hatte. Wie sollte er dem Befehle seines Vorgesetzten Folge leisten? Der Weg hier hinab in die Tiefe und wieder hinauf an der andern Seite mußte ja eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Er rief ihm deshalb zu: „Unmöglich, Herr Major; die Schlucht ist furchtbar tief." Dieser indessen, fei es, daß er feinen Grundsatz: „Ein tapferer Offizier kennt kein Hinderniß" auf die Spitze treiben wollte, fei es, daß er durch eine Mittheilung, die er eben jetzt von einem Ulanen - Ordonnanzoffizier übernommen hatte, in Aufregung versetzt, diese Worte überhört hatte, rief äußerst erregt: „Werden Sie vor dem Feinde auch so lange überlegen, wie Sie über einen elenden Graben zu fetzen haben ? Wenn Sie schwache Füße haben, so melden Sie sich krank! . . ." (Schluß folgt.)