Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vierteljährl.

Kexuzspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

FuwaerMZeikmg

Inserate: Die ein­spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

SääSää"'- mit Ilnterhaktungs-Meikage „Mustrirtc Sonntags-Zeitung:' ’äx.äT1 *“

JE 165.

JuLöcl, Samstag, den 23. Juli 1898

25. Jahrgang.

zog sie sich zurück

in einen Raum kzurück.

Mein Kind, mein

dunkelter Stimme . .

würde, und deshalb zur Bekämpfung der Kartell- und Sammlungs-Kandidaten aufforderten. Kein Mensch, weder in der Regierung noch in den Kartellparteien — so versicherten treuherzig die Organe der letzteren — denke an eine Abschaffung oder Verschlechterung des Reichstagswahlrechts, und die gegenteiligen Be­hauptungen der Centrums- und der freisinnigen Presse seien durchaus grundlos. Glücklicherweise glaubte die große Mehrheit der Wähler der volksfreundlichen Presse und wählte demgemäß — und sie that wohl daran, wie das treulose Verhalten der Kartellpresse n a ch der Wahl klar und deutlich zeigt. Das jetzige Vorgehen der letzteren bekundet aber auch, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, eine Unverfrorenheit, die alle Begriffe übersteigt, denn es ist nichts Anderes, als eine Zumuthung an die volksfreundliche, zum Schutze des Wahlrechts gewählte Mehrheit, zu Gunsten der Feinde des Wahlrechts abzudanken und ein Wahlrecht schaffen zu helfen, auf Grund dessen wohl nie mehr eine volksfreundliche Mehrheit würde zu Stande kom­men können. Um eine solche Zumuthung stellen zu können, muß man die ganze Ueberhebung und An­maßung ostelbischer Junker und die Rücksichtslosigkeit der Agitatoren und Hetzer des Bundes der Landwirthe besitzen.

In der eentrumsfeindlichen Presse wird eben, wie schon vor der Wahl, der Versuch gemacht, auch das Centrum zu verdächtigen, als ob es sich gegen Kon­zessionen auf kirchenpolitischem Gebiete werde bereit finden lassen, einer Beschränkung des Wahlrechtes zu­zustimmen. Diese Verleumdung verstößt derart gegen den gesunden Menschenverstand, daß es schon deshalb allein überflüssig erscheint, auch nur ein Wort der Widerlegung darüber zu sagen. Das Centrum, das gerade mit Hilfe des bestehenden Wahlrechts zu seiner ausschlaggebenden Stellung gelangt ist, sollte selbst den Ast absägen, der es trägt! Wer eine so hirnverbrannte Idee auszusprechen sich nicht scheut, beweist dadurch, daß er ein volles Anrecht auf das Irrenhaus hat.

Mittlerweile werden bereits allerlei Gesetzesvor­lagen angekündigt, welche die neuen Parlamente, Reichstag wie preußischer Landtag, alsbald nach deren Zusammentritt im nächsten Winter beschäftigen sollen. Für den Reichstag werden, wie sich's in dem von Waffen starrenden deutschen Reiche von selbst versteht, zunächst Militärforderungen gestellt werden: eine Vorlage über die Neuorganisation der Artillerie und verschiedenen andern Fachtruppen, außerdem noch sonstige kleinere Vorlagen, die aber, wie es in dem offiziösen Einwickelungs- und Beruhigungsstil heißt, die Höhe der Forderungen der letzten Militärvorlage von 1893 nicht erreichen werden. Das soll ein Trost sein, wenn nicht wie damals, 150 Millionen gefordert werden! Wie bescheiden sind wir doch schon geworden, daß man sich schon gar nicht mehr darüber alterirt, wenn uns so im Handumdrehen Summen genannt werden, von denen früher schon ein Theil Aufregung und Entrüstung hervorgerufen haben würde. Heute nimmt man's gewissermaßen apathisch hin! Von so­zialpolitischen Vorlagen ist bis jetzt lediglich eine Aenderung der Alters- und Jnvaliditätsversicherungs- gesetze angekündigt, aber nicht gesagt, wie weit sie sich erstrecken soll. Dabei soll es einstweilen sein Bewen­den haben. Und doch bestehen auf einzelnen sozialen Gebieten Verhältnisse und Nothstände, die unbedingt Abhilfe erheischen. So z. B. zeigen die eoen ver­öffentlichten Jahresberichte der Gewerberäthe, daß die Zahl der in der Industrie beschäftigten Kinder sowohl, wie der jugendlichen Arbeiter beider Geschlechter unter 16 Jahren und der altern weiblichen Personen in den letzten drei Jahren in beständiger erschreckender Zu­nahme begriffe» ist — trotzdem seit Jahren daran ge­arbeitet wird, gerade diesem schlimmsten Krebsschaden entgegenzuwirken! Das ist eine sehr betrübende Er­scheinung, und hier muß unbedingt Wandel geschaffen werden. — Dem preußischen Landtage sollen haupt­sächlich Vorlagen über die nicht länger mehr zu ver­schiebende Aenderung des Gemeinde-Wahlrechts, das durchaus kapitalistisch wirkt, und über die Aufbesserung der Gehälter der Unterbeamten zugehen. lieber die letztere Vorlage aber werden neuerdings aus einer Quelle, die dem Finanzminister v. Miquel nahesteht, Andeutungen gemacht, die nicht allzuviel für die Unter­beamten erhoffen lassen, und letztere werden daher gut thun, ihre Erwartungen nicht allzu hoch zu spannen.

In Oesterreich macht der Ministerpräsident Graf Thun fortgesetzt Versuche zur Schlichtung des unseligen Sprachenstreites; er läßt sich durch seine seitherigen Mißerfolge nicht abschrecken und soll versichert haben, 1 er hoffe, daß es ihm doch noch gelingen werde, eine Vereinbarung zwischen den Vertretern der einzelnen ' Sprachengebiete zu Stande zu bringen. Wie das aber '

sie sich um den komplizirten Haushalt, daß er wie auf Rädchen ging — aber etwas Verschleier­tes, Unaufgelöstes haftete ihr an, ein gequälter Zug prägte sich täglich tiefer um ihren Mund.

Langsam breitete sich um das Paar jene schwere, unbewegliche Atmosphäre aus, wie wir sie in Häusern finden, die kein Kinderjauchzen durchschallt, kein froherLärm, durch dessen Räume niemals einige kleine Füße lustig trippeln. —

Der Senator fand endlich eine tröstliche Er­klärung für das seltsame Wesen seiner Frau. Sie sehnte sich nach Mutterglück, nach einem holden Gegenstand für Zärtlichkeit und Liebe, nach rosigen Kinderlippen, nach tiefen, großen, unschuldsvollen Augen —! Ihr Sohn erster Ehe, ihr einziges Kind, war durch einen Unglücksfall — das Ken­tern eines Schiffes — früh dahingenommen worden.

So kam Gehrenbeck dazu, Brigitte eines Tages den wohlübersonnenen Vorschlag zu machen, ein Pflegekind in das einsame Haus zu nehmen, dem legitime Elternfreuden versagt schienen; doch mit unverhohlenem Entsetzen wies die Frau das An­erbieten zurück. Abwehrend erhob sie beide'Hände. „Nie!" stieß sie heftig hervor. „Niemals!" Und ohne weitere Begründung dieser schroffen Ableh­nung eines so freudig ausgesprochenen Vorschlages

Die Marienkammer.

Novellette von A. Schoebel.

Zehn Jahre waren vergangen, seit der Senator Gehrenbeck, ein Mann von stattlicher Erscheinnng und machtvollem Reichthum, die verwittwete Frau Brigitte von Sarre als sein Weib über die Schwelle der clematisumrankten Villa draußen am Alster- Bassin geführt hatte.

Aber das Glück, das echte, rechte, das lachende Glück schien gezögert zu haben, mit über diese Schwelle zu treten.

Wohl blickte die noch immer schöne, wenn auch nicht mehr von erstem Jugendglanze um­floffene Frau den Gatten dankbar an, wenn er sich stets auf's Neue bestrebt zeigte, ihr Leben zu schmücken, ihren Weg zu ebnen — wohl mühte

Sohn, an dessen Tod durch einen Unglücksfall Du bisher glaubtest —" sie befeuchtete die aus­gedörrten Lippen mit der Zunge, „mein Sohn ist nicht tobt, war nur verschollen.--Er

lebt, lebt!"

Durch alles Weh und alle Furcht brach der Jubel des Mutterherzens.

Der Senator trat einen Schritt näher. Eine tiefe Blässe lag auf feiner Stirn. „Und aus welchem Grunde verschwiegst Du es mir? —

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 23. Juli.

Die Presse der Kartell- und Sammlungs-Parteien, bie auch bei den letzten Reichstagswahlen unter dem bestehenden Wahlrecht ihre Erwartungen wieder ge­täuscht sahen, glauben die politische Ferienzeit zu nichts Besserem benützen zu können, als zu Angriffen auf dieses Wahlrecht und zu Vorschlägen, wie dasselbe ge­ändert werden soll, damit sie, die Feinde aller Volks­rechte, wieder die Mehrheit im Reichstage erlangen könnten. Es zeigt sich darin erstens die ganze Ver­logenheit und Hinterlist dieser Presse und ihrer Hinter­männer, die während der Wahlbewegung nicht genug Entrüstung darüber heucheln konnten, daß damals Centrum und Freisinnige das Reichstagswahlrecht für gefährdet erklärten, wenn eine Kartellmehrheit gewählt

welcher ber stillste des prächtigen Hauses war — ihr Lieblingsaufenthalt, ein geweihter Raum, bie Marienkammer.

Kühl unb feierlich war es hier, ber gothische Schwung ber Fenster, bie Füllung bes Gestühls mahnte an bas Innere einer Kirche, unb doch durchsonnte ber Strahl ber Mutterliebe bas hohe Gewölbe.

An ben mit bunklem Leber verkleibeten Wän- ben hingen Mabonnen, nichts als Mabonnen, Kopien jener Abbilber ber heiligen Frau, welche Raphael einst geschaffen. Süß, bezaubernb unb fromm blickten sie aus ihren Rahmen herab.

Hier war es, wo Frau Brigitte täglich in schmerzlicher Versunkenheit, in tiefem Sinnen unb Grübeln weilte.

Worüber sie sann —?

In Thränen blickte sie auf zu all' den milden, verklärten Augen, unb über ihre Lippen zitterten heimliche Gebete.

Da gab es eines Morgens eine bewegliche Szene im Frühstückszimmer. Die sonst so ge­lassene Stimme des Hausherrn klang aufgeregt und scharf. Einer der bewährtesten Diener des Hauses hatte sich desjenigen Vergehens schuldig gemacht, das der Senator am härtesten ver­dammte und niemals ungestraft ließ: der Lüge. Unnachsichtlich wurde der Mann entlassen.

Mit zitternd erhobenen Händen legte Frau Brigitte Fürsprache ein.

Gehrenbeck stützte sich schwer auf den Rand des Tisches. „Wer lügt, trägt eine faule Stelle in sich, — steht auf der ersten Stufe zum Ver­brechen." Er blickte düster vor sich hin.

Brigitte erschrak: sie wagte nicht, weiter zu sprechen.

Der Senator fuhr nach Hamburg hinein. Mit bebenden Knieen schlich die Frau zur Marien­kammer.

Da brachte man ihr einen Brief, einen weit­gereisten, überseeischen Brief. Antheillos öffnete sie den Umschlag, gleichgiltig senkte sie den Blick auf die Schrift nieder.

So seltsam bekannt erschien ihr diese Schrift.

Ein gewaltiger Ruck ging durch ihre Glieder, sie fuhr aus dem Stuhl empor, als habe ein Schuß sie getroffen, sank wieder zurück — preßte den Brief an ihre Lippen, an ihr Herz. Sie lachte, sie weinte, — ein Paroxismus der Freude hatte sie ergriffen.

Doch plötzlich entsank das Briefblatt ihren Händen. Sie zuckte zusammen, ihre Augen wur­den weit, starr, — dann deckte sie die Hände darüber.

Sie stöhnte . . .

Mit bleiernem Flügelschlag zog die Zeit an ihr vorüber, es berührte sie kaum. Sie wartete auf ihn, ihren Gatten — ihren Richter!

Endlich klangen Gehrenbecks Schritte im Gang. Mit seiner gewohnten stillen Miene trat der Senator ein; doch er erschrak vor dem Anblick, der sich ihm bot."

„Was bedeutet das?" fragte er, mit erzwun­gener Gelassenheit auf seine Frau zugehend.

„Du sollst alles erfahren," sagte sie nach Athem ringend, den Blick am Boden, mit »er­

möglich sein soll, ist nicht abzusehen, nachdem die Deutschen seine Vorschläge abgelehnt und die Tschechen erklärt haben, daß sie von dem, was sie auf Grund der Badeni'schen Sprachenverordnung erlangt hätten, sich nichts nehmen ließen. Auf welcher Grundlage soll da eine Einigung erzielt werden? Jetzt will Graf Thun mit der katholischen Volkspartei, die zwischen der Rechten und der Linken den Ausschlag gibt, ver­handeln. Auch hier wird nicht viel herauskommen. Inzwischen haben in Oesterreich schon die Festlichkeiten begonnen, die zu Ehren des 50jährigen Regierungs- Jubiläums des Kaisers Franz Joseph, der bereits mit 18 Jahren auf den Thron kam, int ganzen Lande be­gangen werden, und bei denen die Gefühle der Ver­ehrung, die der Kaiser überall genießt, lebhaft zum Ausdrucke kommen.

Frankreich steht mehr als jemals unter der Herr­schaft der Dreyfus-Frage, nachdem manche Leute geglaubt hatten, durch die vor 14 Tagen darüber ge­führte Kammerverhandlung und die in derselben ab­gegebene Erklärung des Kriegsministers Cavaignac fei diese Angelegenheit nunmehr endlich erledigt. Eitler Wahn! Diese Frage frißt wie eine Eiterbeule am Körper Frankreichs, das vor derselben nicht eher Ruhe finden wird, bis die Beule aufgebrochen, d. h. bis die Sachlage bezüglich des verurtheilten und verbannten Kapitäns durch ein neues Verfahren vollständig klar gestellt ist. Weßhalb man dagegen sich so wehrt, ist ganz unverständlich, und der Widerstand, der dieser Forderung entgegengesetzt wird, weckt immer mehr den Verdacht, daß doch irgend etwas nicht in Ordnung sei. Inzwischen ist am Montag zum zweiten Male der Prozeß des Romandichters Zola verhandelt worden, der bekanntlich in erster Instanz wegen Beleidigung des Kriegsgerichts, das Dreyfus verurtheilt hat, und des Generalstabes zu Gefängniß verurtheilt ward. Wegen eines Formfehlers hob der Kassationshof das Urtheil auf und verwies die Sache vor das Schwur­gericht von Versailles, das jetzt den aufgeblasenen Zola zu einem Jahre Gefängniß und 3000 Franken Geld­buße verurtheilte. Wenn etwas dem Kapitän Dreyfus schaden kann, dann ist es der Umstand, daß dieser widerliche Kamerad, der Dirnen- und Kloaken-Roman- schrciber, für ihn eintritt, eine der schmutzigsten Er­scheinungen, welche die neuere Zeit hervorgebracht hat — allerdings nur in Frankreich!

Nichts Neues vom spanffch-amerikanifchcn Kriegs­schauplatz? Die Festung Santiago auf Cuba ist zwar gefallen, der Krieg aber doch noch nicht zu Ende, und ob er jetzt schon fein Ende finden wird, ist noch sehr fraglich. Erobert haben die Amerikaner Santiago nicht, der Hunger, der zuverlässigste Bundesgenosse aller Belagerer, hat es ihnen in die Hände gespielt. Die spanische Besatzung hielt sich heldenmüthig und brachte den Amerikanern schwere Verluste bei; als aber schließlich der Lebensmittelvorrath erschöpft war, wäre es Wahnsinn gewesen, wenn die halbverhungerte Besatzung den aussichtslosen Kampf noch weiter fort­gesetzt hätte. Wären noch für zwei Wochen Lebens­mittel da gewesen, so würden die Amerikaner Santiago sobald noch nicht bekommen haben, denn in ihren Reihen brach die furchtbarste Geißel jener Gegenden, das gelbe Fieber aus, welches für die an das Klima gewöhnten Spanier der beste Bundesgenosse gewesen ein würde, wenn sie, wie gesagt, noch kurze Zeit sich hätten halten können. Die Amerikaner sehen denn auch ein, daß sie von einem eigentlichen Siege nicht sprechen können, zumal sie sich dazu verstehen mußten, der spanischen Besatzung ehrenvollen Abzug und freie Rückbeförderung nach Spanien zuzugestehen. Mit Sant­iago haben sie erst ein sehr, kleines Stückchen von Cuba, und wenn sie von hier aus auf dem Landwege Havanna erobern und damit sich die Insel unter­werfen wollten, würden jedenfalls noch viele Monate vergehen. Dies erkennend, wünschen die Amerikaner insgeheim auch, daß der Krieg, der auch ihnen so furchtbare Opfer auferlegt, denen keine entsprechenden Vortheile gegenüberstehen, ein Ende nehmen möchte, aber stolz, wie die Iankee's sind, verlangen sie, jdaß die Spanier als Bittende zu ihnen kommen, was diesen natürlich auch nicht leicht wird. So steht eben bie Partie. Ob irgend eine der Großmächte einen Aus­weg aus dieser Schwierigkeit bahnen wird, läßt sich in diesem Augenblicke nicht sagen. Man glaubt, daß nur England dies thun könne, das mit den Ameri­kanern am besten stehe. Ob man aber in England geneigt sein wird, bie Vermittlerrolle zu übernehmen, ist eine anberc Frage. Daß, wie neuerbings berichtet wirb, bie Amerikaner auf bie Jbee kommen sollten, eine Flotte nach Spanien zu entfenben, um bie spani­schen Häfen zu beschießen, klingt nicht sehr wahrschein­lich. Uebrigeus ist bie spanische Flotte, bie nach ben Philippinen entsandt war, nach Spanien zurückgekehrt, so daß den Amerikanern, wenn sie jene Absicht wirk­lich ausführen sollten, ein nichts weniger als freund- licher Empfang an der spanischen Küste bereitet würde.

Lebtest in einer Lüge an meiner Seite? — Aus welchem Grunde, Brigitte?" Gleich einer An­klage schleuderte er ihr die Worte zu.

Sie sank zu seinen Füßen nieder.

„Um mein Kind zu schonen, fein Andenken zu retten!"

„Ich verstehe das nicht!"

Schweigen erfüllte den hohen Raum. Die Liebe, der er geweiht war, schwebte hindurch, die Mutterliebe.

Brigitte, immer noch knieend, begann: „Ich liebte meinen einzigen Sohn über alles, abgöttisch! Selber fast noch ein Kind, verzog ich ihn, statt ihn zu erziehen. Aber schwer sollte sich meine Schwachheit rächen, an ihm, an mir — unbändig wurde er, als er zum Knaben heranwuchs. Nie­mand hatte Gewalt über ihn. Ich versuchte es, ihn mit verspäteter Strenge, ihm Einschränkungen, aufzuerlegen — er kam so weit, sich .an — an fremdem Eigenthum zu vergreifen." Ihre Stimme erlosch.

Gehrenbeck stöhnte.

Kaum hörbar fuhr Brigitte fort: „Da wurde mein Herz hart, versteinte. Ich übergab ihn dem Schicksal zur Erziehung. Aus meiner süddeutschen Heimath brachte ich ihn hierher nach Hamburg. Ein Ostindienfahrer nahm ihn als Schiffsjungen an Bord. In finfterm Trotz schied der Lieb- verwöhnte von mir.--Halbgebrochen, wie

ich war, vermochte ich es nicht, mich von der Stadt zu trennen, in der ich meinen Sohn zuletzt gesehen, zum letzten Male vielleicht. — Ich blieb in Hamburg. Da lernte ich Dich kennen, Johannes, Dich die Wahrhaftigkeit, die Mannes­stärke und Mannesgröße selber. Ich faßte eine tiefe, starke Neigung zu Dir — Du batest um mei*e Hand. Johannes, kannst Du es mir ver­zeihen, wenn ich es nicht wagte. Dir das Ver­brechen meines Sohnes zu gestehen? Wenn ich den für tobt ausgab, der fortan verschollen für mich blieb?"

Da seufzte Gehrenbeck tief. Er gedachte einer finsteren Stunde seines Lebens.--

„Steh' auf Brigitte," sagte er mild, „ich verzeihe Dir." Er nahm sie in feine Arme und küßte ihre Stirn. „Wir alle erleben wohl unser Golgatha, wir Menschen. — Du hast meine eigene Geschichte erzählt. Nur ist mein Ver­gehen —", er zögerte, als er fortfuhr, zitterte seine Stimme: „Meinen strengen Vater hab' ich ein­mal — einmal eine kleine Summe genommen, um sie nach drei Tagen, von Gewissensbissen gefoltert, wieder in seine Kasse zu legen — nur ist mein Vergehen ein Geheimniß geblieben zwischen mir und Gott. Mein Fall wurde die Erhebung."

Wie sie ihn anblickte! Voll von Verehrung, von Dankbarkeit! „Auch mein Sohn wurde ein gebesserter Mensch, ein nützliches Glied der Ge­sellschaft. Er steht auf eigenen Füßen. Und nun fleht er mich an, zu mir zurückkehren zu dürfen."

„Schreib' ihm, daß er kommen soll. Deinem Sohn —! Er wird einen Vater in mir finden."

Sein Gesicht trug wieder den stillen, fried­lichen Ausdruck. Die Madonnen schienen von den Wänden niederzulächeln, die kleinen Engel zwischen den Wolken ihre Flügelchen zu regen.--

Vermischtes.

* 6,utcs Beispiel. In einem amerikanischen kirch­lichen Wochenblatte erzählt ein Offizier, der auf einem Flaggschiffe des Admirals Sampson dient, er habe am ersten Abend, als die Glocke zum Schlafengehen er­tönte, sich in etwa genirt, nach der ihm vom elterlichen Hause her gewohnten Sitte niederzuknieen unb fein Abendgebet vor dem Bette zu verrichten, bevor er sich auskleidete. Da habe er aber Muth bekommen, als er durch die halb geöffnete Thür der Kabine des Admirals Sampson mit mehreren Kameraden diesen erblickt habe, wie er ebenfalls am Bette kniete, das heilige Kreuz­zeichen machte und andächtig betete. Admiral Sampson komme seinen Pflichten als katholischer Christ strenge nach, fei aber weit davon entfernt, irgend einem andern feine Ueberzeugung aufbrängen zu wollen.

* Abgespeist. Stubent: „Lieber Onkel, ich bin überzeugt, Du würbest mir das Gelb bestimmt geben, wenn Du Dich nur einmal in meine Lage versetzen würbest." Onkel: „Mag sein, aber ich habe eben nicht bie Uebung im Versetzen, wie Du."

* Druckfehler. Der Student kam ganz ermübet im Bauernhöfe an unb klagte über Durst, worauf er von ber Bäuerin mit Wasser gekränkt würbe.

G-ttrsdienstordrmng in Fulda.

Sonntag, 24. Juli. Dom. 5, 6, 63 * * * 7 8,. und 7*/» Uhr hl. Messen, 9 Uhr Amt mit Predigt, 11 Uhr Christen­lehre, 12 Uhr hl. Messe, '/, Uhr Andacht unb Christen­

lehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. — Stadtpfarrkirche. 5 Uhr hl. Messe

und Predigt, 6 Uhr hl. Messe und Kommunion des Müttervereins, 7 Uhr hl. Messe, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9'/, Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1 Uhr Christenlehre, 2 Uhr Predigt u. Andacht für den Mütter­

verein, 3 Uhr Andacht. — Michaelskirche. 10 Uhr hl. Messe

mit Segen, 2 Uhr Predigt und Bruderschaft von den

7 Schmerzen Marias. — Pfarrkirche (xum hl. Geiste.

8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Frauenberg. 5 und 6*/« Uhr hl. Messen, 8 Uhr Bruderschaftsmeffe, 9 Uhr Hochamt, l*'i Uhr Kreuzweg­andacht auf dem Kalvarienberge mit Predigt.