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M 165. \ Iuröcr, Samstag, den 23. Juli 1898
25. Jahrgang.
△ NeuespreußischesBolksschulgesetz?
3n jüngster Zeit ist die Mittheilung von einem Gesetzentwürfe durch die Presse gegangen, durch den chas katholische Schulreglement für Schlesien vom Jahre 1801 abgeändert werden soll, namentlich in denjenigen seiner Bestimmungen, die die Schulunterhaltungspflicht der Gutsherrschaften regeln (vgl. Nr. 161 der Fuldaer Zeitung. D. Red.). Dazu wird von einem nationalliberalen Blatte die Frage aufgeworfen, ob es nicht bester sein würde, anstatt einer solchen Gesetzesvorlage eine andere zu machen, durch die die Pflicht der Unterhaltung der Schulen im allgemeinen geregelt wird.
Nun kann es ja kaum in Abrede gestellt werden, daß auf diesem Gebiete allerhand Noth- stände oder doch wenigstens Schattenseiten vorhanden sind, und daß deren Beseitigung nur wünschenswerth ist. Aber die Sache hat auch ihre Bedenken. Je mehr auf dem Gebiete des preußischen Volksschulwesens einzelne Reformen und überhaupt Aenderungen vorgenommen werden, desto mehr rücken wir auch ab von der Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Volksschulgesetzes auf konfessioneller Grundlage. Es mag also ein wenig verkehrt klingen, aber es hat doch auch seine Berechtigung, wenn man sagt, daß es besser sei, durch das vorläufige Fortbestehen alter Zustände einen ständigen Mahner zu behalten im Interesse der Nothwendigkeit einer allgemeinen Schulreform auf konfessioneller Grundlage, als so ganz allmählich der heutigen Schulversassung durch allerhand äußere Stützen zu einem ewigen Bestände zu verhelfen.
Freilich gehört die Frage der Einführung eines allgemeinen Schulgesetzes für Preußen schon diesem ganzen Jahrhundert an. Denn bereits im Jahre 1817 wurde ein solches allgemeines Schulgesetz verheißen und ernstlich in Angriff genommen. Der Entwurf blieb dann aber liegen, weil über einzelne Fragen keine Einigung erzielt werden konnte. Und so entstanden dann im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte besondere Schulordnungen für einzelne Provinzen. Für die katholischen Schulen in Schlesien blieb es aber der Hauptsache nach bei den Bestimmungen des Schul- Reglements von 1765 und 1801. Später unternahm der Kultusminister v. Mühler in der zweiten Hälfte der 60er Jahre einen neuen Versuch, die verschiedenartigen Schulordnungen der einzelnen preußischen Provinzen einheitlich zu regeln. Denn zu den alten Provinzen waren die neuen Länder von 1866 gekommen, und so gestaltete sich die Verwaltung der Volksschule noch verwickelter als vorher. Herr v. Mühler erzielte wiederum keinen Erfolg mit diesen seinen Bemühungen, und ebenso wenig gelang dies dem Unterrichtsminister Falk. Auch dieser hatte im Jahre 1877 ein allgemeines Unterrichtsgesetz vorbereitet; aber die Vorlage gelangte nicht an den preußischen Landtag. Hernach kam Minister v. Goßler. Dieser kündigte im Jahre 1884 ein
Ci« alte EhmschM.
Novellette von M. von Radkersberg-Radnicki.
5 (Nachdruck verboten.)
„Ich muß Dir etwas sagen, Papa; aber ich muß mein Gesicht verstecken, denn sonst bring' ich's nicht über die Lippen," sprudelte es aus der beengten Brust heraus. „Mein Beichtvater hat gesagt, ich müßte es Dir sagen, und so thue ich's gleich heute. Ich hätte es Dir auch sonst gesagt ... aber vielleicht erst später . . .'denn es wird Dich kränken. So aber gehe ich morgen zur heiligen Kommunion, und da will ich mit ruhigem und reinem Herzen hingehen. D'rum muß ich's Dir heute noch sagen .... gerade heraus, wie in der Beichte."
Sie hatte ihr Gesicht in den Händen versteckt, und Ernst Mahlfeld strich liebkosend mit der Hand über ihren blonden Scheitel, wenngleich eine bange Ahnung sein Herz umkrallt hielt.
„Du wirst mir nicht zürnen, nicht wahr, Papa? Ich konnte ja nicht dafür. Und wenn Du mir zürnst, so zeige es mir nicht, zeige es mir wenigstens heute nicht," flehte sie und hielt das thränen- überströmte Gesichtchen zu ihm emporgewandt.
Er schüttelte den Kopf und sagte fast tonlos: „Was ist es denn?"
Ihr Athem stockte, sie senkte das Gesicht wieder in die Hände und sagte: „Hauptmann Epping . . . Du hast ihn ja gesehen ..."
„Nun!" Er biß mit den Zähnen in die Unterlippe.
„Hat mir gesagt, daß er mich lieb hat. . . und..." «
Gesetz über die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen an. Jndeffen legte er im Jahre 1890 ein allgemeines Gesetz über die öffentliche Volksschule vor. Seine Entlassung hinderte die weitere Berathung. Und schließlich nahm im Jahre 1892 Minister Graf v. Zedlitz den Plan von Neuem und in noch mehr erweiterter Gestalt auf, aber auch mit keinem andern Erfolge als sein Vorgänger.
So gelten im allgemeinen noch alle die alten Einzelgesetze in den verschiedenen Landestheilen. Und mit einigem Rechte kann man sagen: vestigia terrent — die Spuren der Vorgänger schrecken! Dennoch dürfen wir, wollen wir zielbewußte Katholiken sein, niemals den Grundsatz aus den Augen verlieren, daß eine geeignete, allgemeine Neuregelung des Volksschulwesens auf dem Boden christlich - konfessioneller Anschauungen ganz allein das Richtige für uns sein und bleiben kann. Und nicht ohne Befriedigung können wir in diesem Sinne auch eine konser- v a t i v e Stimme verzeichnen. Die ,Kreuz-Zeitung' nämlich, das leitende Blatt der konservativen Partei, schreibt in einer Besprechung der für Schlesien angekündigten Vorlage folgendes: Wir glauben mit Bestimmtheit versichern zu können, daß, falls das neue Abgeordnetenhaus eine ähnliche Zusammensetzung zeigt wie das bisherige, sich in diesem eine Mehrheit für ein (allgemeines) Schulunterhaltungs-Gesetz nicht finden wird. Die konservative Partei insbesondere kann sich auf ein solches deshalb nicht einlassen, weil mit der Schulunterhaltungspflicht die Frage der Konfessionalität aufs engste verknüpft ist und, wenn man versuchen wollte, sie aus einem Gesetze über die Schulunterhaltungspflicht auszuscheiden, die Gefahr einer völligen Beseitigung des konfessionellen Charakters der Volksschule besonders nahe liegt .... Diese (nämlich die Beseitigung der Nothstände auf dem Gebiete der Schulunterhaltungspflicht) kann nur im Rahmen eines umfassenden Volksschulgesetzes erfolgen, das die Rechte der einzelnen Konfessionen genau umgrenzt und demgemäß auch die Bestellung konfessioneller Schulvorstände sichert".
Die Worte der ,Kreuz-Zeitung' klingen gut und tapfer. Leider entspricht nicht immer die konservative Handlungsweise in den Parlamenten den vorausgesandten tapferen Worten in ihrer Presse. Diesmal handelt es sich freilich noch nicht um Dinge, die wahrscheinlich kommen werden. Wir haben es vielmehr nur mit einer Auseinandersetzung der nationalliberalen und konservatiren Presse unter sich zu thun über Fragen, die vorläufig leider nur „Doktorfragen" bleiben werden. Und schon Fürstbischof Kardinal Kopp hat im Herrenhause auf die bedauerliche Thatsache hingewiesen, daß gegenwärtig die Schwierigkeiten groß sind, die einem Schulgesetze gleich dem des Grafen von Zedlitz sich entgegenstürmen. Also wiederum warten — heißt die Losung; aber nicht vergessen! Schließlich wird auch auf dem Gebiete der Volksschule der Sieg unser sein.
„Nun, und?"
„Und hat mich umarmt..."
Ein Athemzug hob seine Brust.
„Ich bin fortgeeilt, so schnell mich meine Füße tragen konnten. . .und wir müssen fort von hier, denn ich darf ihn nicht mehr sehen," fuhr sie mit Erregung fort und sah ihn mit inniger Liebe hilfesuchend in die Augen, was ihn, trotzdem es in ihm gährte, mit unsäglicher Genug- thuung erfüllte.
„Warum denn?" fragte er.
„Aber fühlst Du das nicht heraus, Papa? Weil ich ihn ja auch lieb habe. Und ich weiß, daß Du den Militärstand haffest .... und, Papa .... Du hast mich über Alles lieb, ich habe Dich auch über Alles lieb."
Da umarmte er sie mit einer Rührung, wie er sie nicht mehr empfunden hatte seit jenem Tage, da er seine Braut, die ihm treu geblieben war trotz allen widrigen Schicksalsschlägen, als sein Weib in die Arme schloß. Mit leise zitternder Stimme sprach er: „Dein Vater segnet Dich, meine Tochter, und wird gewiß nach bestem Vermögen für Dein Glück und Deinen Frieden sorgen. . . . Und nun geh' schlafen, mein liebes, gutes, treues Kind. Der liebe Gott behüte Dich!"
Er saß noch viele Stunden lang am geöffneten Fenster und dachte über das Gehörte nach, und düstere Gestalten aus vergangenen Zeiten standen vor ihm auf und wuchsen, groß und immer größer. Und immer wieder kam ihm die Geschichte von dem armen Manne und dem reichen in den Sinn. Der reiche Mann hatte dem armen bereits alles genommen, und zuletzt nahm er ihm auch noch das einzige, was er besaß, sein einziges Gut und
Deutsches Keich»
Berlin, 22. Juli.
h. Jetzt äußert sich auch die konservative ,Kreuz-Ztg/ zu den Andeutungen über eine ttene Wikttär-Dorkag-. Das konservative Partei- Organ meint, man könne es „als feststehend betrachten, daß größere Neuformationen nicht geplant sind ... die Feldartillerie wird einige bedeutendere Umbildungen erfahren, wie überhaupt der neue Etat nothwendigerweise mancherlei Unebenheiten regeln wird". Leider hat die Erfahrung früherer Jahre gelehrt, daß bei solchen Sachen gewöhnlich der alte Spruch zutrifft, daß ein Feuer vorhanden ist, wenn Rauch aufsteigt. Man wird jedenfalls gut damit thun, die verschiedenen Beschwichtigungs-Meldungen mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Denn mehrfach hat man früher die Taktik beobachtet, durch fortgesetzte Meldungen und Gegenmeldungen das öffentliche Gefühl erst gegen die Schrecken einer solchen neuen Vorlage ein wenig abzustumpfen, ehe man mit der Vorlage selbst herausrückte oder ihr Vorhandensein zugab.
X Die Auffassung, die von Anfang an in der ,Fuldaer Zeitung' von den IokkverHand- r««ge« zwischen Dentschkand und N«ß kand zum Ausdruck gekommen ist, hat sich im Gegensätze zu anderen Meldungen als die richtige erwiesen: Die Maßregeln der preußischen Regierung, uns so viel wie möglich vor der Einschleppung der Geflügelcholera aus Rußland zu schützen, haben nicht zu Vergeltungsmaßregeln Rußlands geführt. Es wurde an dieser Stelle bereits mitgetheilt, daß die neuen hohen Zölle, mit denen von Petersburg aus gedroht wurde, noch nicht in Anwendung gekommen sind. Und jetzt wird von amtlicher Seite festgestellt, daß die russischen Zollämter angewiesen sind, bis auf weiteres an )er bisherigen Zollbehandlung festzuhalten, da Verhandlungen mit der deutschen Regierung in der Schwebe sind. Diese Verhandlungen werden, wie weiter amtlich mitgetheilt wird, auf beiden Seiten mit Wohlwollen und Entgegenkommen geführt, so daß eine zusrieden- lellende Uebereinkunft in sicherer Aussicht steht. Im übrigen hat man auch schon den Weg ge- ünden, um dem preußischen Landwirths- ch a ftsminister den Rückzug vor der Oeffent- ichkeit möglich zu machen. Es wird nämlich nachträglich noch festgestellt, daß der Minister fleichzeitig mit einer für die Oeffentlichkeit be- timmten Verordnung gegen den Füßbetrieb der Gänse vertraulich die Regierungspräsidenten angewiesen habe, „zur Vermeidung unnöthiger Härten Ausnahmen für solche Fälle zuzulassen, n denen Geflügeltransporte auf dem Fußmarsche tattfinden könnten, ohne daß gefährliche Berührungen zu befürchten seien". Und gleichzeitig ist, ebenso wie in Oberschlesien, auch in Ost- ireußen ein Weg für den Fußbetrieb der Gänse eröffnet, außerdem ist die ostpreußische Grenze an vier Punkten für die russischen Gänse wieder eröffnet worden. Infolgedessen war am etzten Mittwoch der Markt in Rummelsburg in Dstpreußen mit 20 000 russischen Gänsen bestellt. Ind damit werden hoffentlich nun alle Betheiligten wieder zufrieden sein.
eine einzige Freude: sein schönes weißes Schäfchen fort.
Jndeß Ernst Mahlfeld war nicht der Mann >azu, um fruchtlosen Gebilden der Einbildungskraft zu lange nachzuhängen; die Umstände ver- angten Ueberlegen und Handeln. Was thun? . . . Ja, fort von hier! Mira hatte in ihrem geraden Sinn unbewußt das allein Richtige getroffen, das einzige Arzneimittel für diese Seelenkrankheit... Flucht, das einzige Hilfsmittel bei hoffnungsloser Liebe!
„Ja, hoffnungslos, darüber ist kein Zweifel!" murmelte er voll Bitterkeit. „Und wollte ich auch meinen berechtigten Haß, den ja die Zeit längst umpf gemacht hat, vergeffen und beg.aben, um ihr Glück zu erkaufen, es würde ja doch nichts nützen. Ein Generalstabs-Hauptmann und ein Mädchen ohne Ansehen und Familie, ohne Kaution, ia ohne Mitgift, wie reimt sich das?"
„O Epping, das war schlecht von Dir. Schlecht! Schlecht! Schlecht!" rief er aus und erschrak fast vor seiner eigenen Stimme, die an den Wänden widerhallte.
Ja, was thun? Die Hände auf dem Rücken gekreuzt, ging er einigemal im Zimmer auf und nieder. „Ja, fort von hier! . . . Aber das ist a gar nicht möglich," sprach er weiter und ließ ich wieder im Lehnstuhl nieder. „Mira und ich, wir waren ja beide vergangenen Winter krank, und so haben wir ja kein erspartes Geld. Verwandte, zu denen ich sie geben könnte, habe ich auch keine in der Nähe . . . und ach, unsere nterrichtsstunden im Sommer, das ist ja unsere 1 fitsten;! . . . Wir können nicht fort, aber er muß fort. . . . Und wenn er nur etwas Gewiffen im
* Die Medizinalabtheilung des Kriegsministeriums bringt den Selbstmörder» im Keere und deren Ursachen neuerdings ein ganz besonderes Jntereffe entgegen. Nachdem die Medizinalabtheilung vor Kurzem durch eine Verfügung angeordnet hatte, daß zu Beginn eines jeden Kalenderjahres von Sanitätsämtern eine Statistik über die vorgekommenen Selbstmorde im Heere und deren Ursachen einzureichen sei, hat sie jetzt eine neuerliche Verfügung erlassen, wonach die betreffenden Zählkarten in der Weise einzurichten sind, daß aus ihnen ein ganz bestimmter Aufschluß gewonnen werden kann, welcher Art die als Veranlassung zum Selbstmord nachgewiesene oder angenommene Geisteskrankheit gewesen ist.
* Das fürstlich kippische Staatsmini- stermm veröffentlicht folgende Erklärung:
Den durch die Presse gehenden Mittheilungen über einen Schriftwechsel zwischen Sr. Majestät dem Kaiser und Sr. Durchlaucht dem Grafen-Regenten zu Lippe steht die lippische Staatsregierung gänzlich fern. Die Veröffentlichung ist von nichtlippischer Seite und ohne Wissen und Wollen der hiesigen Staatsregierung erfolgt.
Die Thatsache des Schriftwechsels selbst wird in vorstehender Drahtung nicht in Abrede gestellt.
X Der preußische Minister des Innern hat ziemlich schnell die Eingabe beantwortet, in der er um Gestattung des pokui scher» Kongresses der Aerzte «nd Naturforscher in Posen angegangen wurde. Die Antwort des Ministers lautet ablehnend, wie nicht anders zu erwarten war. Aber es ist doch interessant, die Gründe zu erfahren, aus denen heraus diese Ablehnung erfolgt ist. Und da muß man sagen, daß diese vom Minister vorgeführten Gründe eigentlich keine Gründe sind. Die ganze Darlegung in dem Bescheide des Ministers beruht nämlich darauf, daß tschechische Blätter in Prag an diesen geplanten Aerzte-Kongreß Betrachtungen geknüpft haben, aus denen zu schließen sei, daß mit dem Kongresse ein Vereinigungspunkt für das gesammte Slaventhum und eine gegen das Deutschthum gerichtete politifche Kundgebung bezweckt werden sollte; und das könne die Regierung nicht dulden. Der Minister will also glauben machen, daß eigentlich nur einige Zeitungsäußerungen in Prag schuld seien daran, daß der Kongreß verboten wurde; und es ist geradezu merkwürdig, wie feinfühlig die preußische Regierung auf Aeußerungen der Presse reagirt. Schade, daß man sonst von dieser Feinfühligkeit für Auslassungen der Presse so wenig merkt, auch in Fällen, wo der Regierung unendlich mehr Feinfühligkeit dafür dringend zu wünschen wäre.
* Pfarrer Wümme! ans Nemscheid hat dem ,Reichsboten' auf dessen Ersuchen Mittheilungen zu der Affaire seines Bruders gemacht. Letzterer hat nach den Erklärungen des Bruders die Fabrikanten-Gattin nicht zur Untreue verleitet. War es denn umgekehrt der Fall oder ist überhaupt kein Ehebruch vorgekommen? Eine sichere Antwort enthält die Mittheilung Thümmels nicht. Er schreibt zwar, der General-Superintendent in Münster habe ihm als seine private Anschauung, die sich auf die bis jetzt geführte Disziplinaruntersuchung gründe, kundgegeben, daß sein Bruder des vorgeworfenen Ehebruchs nicht
Leibe hat, so wird er gehen; ich werde ihn schon zu zwingen wissen."
Den Kopf in die Rechte gestützt, sann er noch lange darüber nach, bis ein jäher Windstoß die Fensterflügel zusammenschlug und ihn aus seinem Nachdenken anfschreckte.
Er lehnte sich zum Fenster hinaus. „Ah, Witterungswechsel, das paßt mir gerade," sagte er, schloß das Fenster und begab sich zur Ruhe.
3.
Bleischwer lagerte sich am folgenden Tage die Luft über den üppigen Auen. Der lachende blaue See sah fast schwarzgrau aus, und mit müden Schritten schleppten sich die Sommergäste durch die Promenadenwege dahin.
Am Nachmittage hatte es den Anschein, als ob die schon seit Wochen angesammelte Elektrizität sich entladen wollte, denn in den Wolken rollte und grollte es nach allen Richtungen. Auch Ernst Mahlfeld fühlte es an der Schwere, die auf seinen Gliedern lag, daß ein Gewitter im Anzuge war; aber noch schwerer als dies lag ihm etwas anderes auf dem Herzen: das war der Entschluß, den er gefaßt hatte, um sein Kind zu retten.
„Sei nur ruhig, Dein Vater wird schon sorgen," tröstete er Mira, indem er ihr liebevoll die bleichen Wangen streichelte.
Als diese jedoch auf seine Aufforderung, sich nach dem Mittagessen zur Ruhe zu begeben, erwiderte: „Nein, Papa, es ist ein schweres Gewitter im Anzuge. Mir ist so bange, wir wollen beisammen bleiben," sagte er fast rauh: „Nein, das geht nicht; Du mußt schon sehen, wie Du ohne mich fertig wirst, ich muß hinaus."
Damit nahm er seinen Hut, seinen Regenmantel