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MdaerMZeitung
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25. Jahrgang.
IuNa, Freitag, den 22. Juli 1898
M 164.
mit Zlnterhattungs-Meikage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitungs pelerrgaiic Nr. 2 ('Harmonie).
A Die rMen Gänse machen eine Unruhe t)tt deutschen Presse, die so arg ist, daß man 'nen könnte, es sei eine zweite Flottenvorlage i'Kizuge. Freilich herrscht im Allgemeinen eine Außergewöhnliche Ruhe und Stille auf dem der inneren Politik, daß auch minder bedeute Ereignisse scharf hervortreten. Und außerdefat die Presse in dieser unpolitischen Sommerszso recht schöne Muße, die russischen Gänse nastlen Regeln der Kunst dem Publikum vorzulegt
Aber die russische Gahat doch eine so hohe wirthschaftliche Bedeutunxlangt, daß man diese ganze Angelegenheit in dehat nicht mit einigen wohlfeilen Späßen abthlfann; und es ist in diesen Blättern schon darr hingewiesen worden, daß im Jahre 1896 die Ezhr von Gänsen aus Rußland nach Deutschlandehr als 9 Millionen Mark an Werth betragen:. Das ist schon ein tüchtiger Ausfuhrposten fütußland, und man begreift es darum sehr n, daß die russische Regierung im Interesse is Landes und der vielen Leute, die Gänse vRußland nach auswärts verhandeln, aufmern über der Erhaltung dieser wichtigen und wertllen Ausfuhr wacht.
Aber es ist doch nicht ch von Anfang an so scharf hergegangen, wie angedroht wurde: die russischen Zoll - Erhngen für einige deutsche Ausfuhr-Artikel so, zwar schon nach der ersten Verfügung der fischen Regierung mit dem 15. Juli (3. Juli richer Zeitrechnung) in Kraft treten; aber sie Ms heute noch nicht angewandt worden. Die Vendlungen darüber nehmen ihren Fortgang, und gesteht noch immer die Hoffnung, daß eine Lösuder Frage gefunden wird, die auf beiden Seitiefriedigt. Jedenfalls ist von Petersburg auestimmt worden, daß die erhöhten Zollsätze un keiner Bedingung vor dem Ende dieser Woche gewandt werden sollen. Die preußische Regietz hat bereits in einem Punkte nachgegeben, >m sie für den Fußtrieb von Gänsen einen Immten Weg in Oberschlesien vorgeschrieben hlund es ist nach all-n vorliegenden Meldungeuzunehrnen, daß dieses Entgegenkommen volle »erkennung und Erwiderung in Rußland findvird.
Es konnte nicht fehlen, dwie unmittelbar aufeinander folgenden, einandsidersprechenden Verordnungen der preußischestehörde großes Aufsehm wegen dieses ihres inn Widerspruches erregten. Erst wurde der Fsieb ganz verboten und es wurden im allgeren sehr scharfe Quarantäne-Bestimmungen eren — wenige Tage nachher aber erschien eine „jhvrrordnung", die einen Theil der zuerst langenen Verfügung wieder aufhob. Alleiflnscheine nach hat mit der ersten scharfen'erfügung der preußische Landwirtbschaftsmm Freiherr v. Hammerstein-Loxten et Schritt ge- than, der dann nachträglich nidie Billigung des Ministerpräsidenten fand; uth sehr scharfer Tonart bringt eine Zeitungs-K^pondenz, die mitunter von der Regierung Halbamtlichen Kundgebungen benützt wird, die>ußerung: es „werde voraussichtlich Vorkehru dagegen getroffen werden, daß Verord nuen von feiten eines einzelnen Ministers iffen werden
We alle Shreilch.
Novellette von M. von Radkersb^-Radnicki.
4 (Nach! verboten.)
Je stiller Mira wurde, desto «dter wurde Hauptmann Epping. Er sagte, wie sein Dienst und das Zusammenleben i den Kameraden ihn keineswegs befriedige, ibinsam lasse — und plötzlich war's heraus: der sie liebe, daß nur sie ihn glücklich machen le.
Sie wurde bleich, sie preßte dbände auf's Herz, sie schaute ihn an, als halte ihn nicht recht verstanden, was er sagte, in wich einen Schritt zurück.
„Mira, verstehst Du mich nich. ... Ich liebe Dich, liebe Dich über alles l"!f er.
Da brach ein warmer, glückverhetder Strahl aus ihren Augen, und er umschlanchelnd ihre zarte Gestalt.
Einen Augenblick schwieg in ?as Herzen unter dem freudigen Schrecken, der durchbebte, die Stimme des Gewissens, aber nuien Augenblick, dann stieß sie ihn von sich, w ihm einen Blick zu, der halb einen Vorwu halb eine Bitte um Verzeihung enthielt, undih wie ein aufgescheuchtes Reh, ohne sich unehen, der Stadt zu.
* *
*
Diesmal saß Mira beim Mittffen nicht wie gestern mit gerötheten Wangen, sie war vielmehr von einer außergewöhnlich^läffe und zog sich gleich nach demselben aufb Zimmer zurück, theils .um den forschenden tken ihres
können, welche die internationale Beziehungen berühren." HerrFrhr. v.Hammerstein scheint also hohe Politik über den Kopf des Ministerpräsidenten hinweg getrieben zu haben und muß sich nun vor der Oeffentlichkeit diese scharfe Korrektur gefallen lasten. Und das alles der russischen Gänse wegen!
In einem Punkte aber hat Minister v. Hammerstein sicherlich recht. Wir meinen in dem einen, daß wir alle Ursache haben dazu, gegen die Verbreitung von Thierseuchen so viel zu thun, wie es uns nur eben möglich ist. Und Freiherr v. Hammerstein 1 hat vermuthlich nichts Anderes gedacht und gethan als das, was er für feine Pflicht hielt als preußischer Land- wirthschaftsminister, ohne an die Möglichkeit zu denken, daß er dadurch internationale Verwickelungen heraufbeschwören könnte. Und es werden viele Leute im Lande sein, die dem preußischen Landwirthschaftsminister ohne weiteres und in vollem Umfange recht geben.
Jedermann müßte das thun, wenn nach gewiesen wäre oder ganz bestimmt angenommen werden könnte, daß die Geflügel- Cholera nur auf dem Wege aus Rußland zu uns gelangte, daß wir uns also vor dieser verderblichen Thierseuche schützen könnten durch die Sperrung unserer Grenze gegen die Einfuhr russischer Gänse. Und nicht nur hier in diesem Falle müßte diese Maßregel als richtig anerkannt, sondern nach diesem Beispiele müßte grundsätzlich überall da gehandelt werden, wo es sich ebenfalls um die Einschleppung von Thierseuchen aus dem Auslande nach Deutschland handelt. Aber es ist vorläufig noch ziemlich unbestimmt, ob wir denn die Geflügelcholera gerade hauptsächlich aus Rußland bekommen. Daß die strenge Handhabung der Veterinär-Polizei eine der wichtigsten Aufgaben der Regierung ist im Interesse des allgemeinen Volkswohlstandes, ist gewiß. Aber immerhin ist es nothwendig, bei der Ausübung einer solchen Polizei die Nachtheile und Vortheile einzelner Maßregeln gegen einander abzuwägen; und hier in diesem Falle würden die Nachtheile der Ausführung der ersten Regierungsverordnung jedenfalls den Nutzen derselben überwogen haben. Im allgemeinen Interesse kann man darum nur wünschen, daß die angeknüpften Verhandlungen über diesen zollpolitischen Fall in der That zu dem beiderseits befriedigenden Ergebniste führen, das die Stimmen der offiziösen Presse uns in Aussicht stellen.
Deutsches Deich.
Berlin, 21. Juli.
* Schon vor einigen Tagen brachte ein bayerisches Blatt eine außerordentlich sensationell klingende Meldung über einen Depescheuwechlel zwischen dem Kaiser und einem Bundesfürsten, nämlich dem Regenten von Lippe-Detmold, dem Grafen Ernst zu Lippe-Biesterfeld. Im Anfänge war man ziemlich allgemein der Meinung, daß die ganze Meldung auf Unwahrheit beruhe; und wir haben in der ,Fuldaer Zeitung' in derselben Meinung keine Notiz davon genommen. Allgemach aber gewinnt es den Anschein, als sei doch etwas Wahres daran. Denn erstens
Vaters auszuweichen, theils um in ihrem Herzenskämmerchen Ordnung zu machen.
Sie legte sich angekleidet auf ihr Lager mit den blauen Kornblumen auf weißem Grunde nieder; es war gerade wie gestern und doch so ganz anders: es war, als hätte sich die Kindlichkeit urplötzlich von ihr abgestreift.
Sie versuchte zu schlafen, denn wiederum hatten die Kopfschmerzen sich eingestellt, aber es gelang ihr nicht. Mit offenen Augen lag sie da, und ihre Blicke wanderten über die blauen Blumen ihrer Bettvorhänge empor, und als sie dann dem Muttergottesbilde begegneten, blieben sie voll Zagen daran haften, und dem armen Kinde war's, als ob die reinste Jungfrau nicht so liebevoll wie gestern auf sie herniederschaue; als ob es etwas gethan habe, das ihm verwehre, voll Vertrauen und kindlicher Liebe sich an ihr Herz zu schmiegen.
„Er hat mich in den Arm genommen," murmelte sie. „Ist das eine große Sünde? . . . . Und hab' ich's auch nicht gewollt, ich kann ihm darum doch nicht zürnen und nicht einmal bereuen, daß es so gekommen ist, und das ist das Schlimme, das ist die Sünde! . . . Was soll ich anfangen, was soll ich anfangen ? O, liebe Gottesmutter, schau' mich nicht so zürnend an. Ich will ja keine Sünde thun, keine Sünde um jeden Preis; noch lieber sterben."
„Was soll ich thun? Kann ich das denn dem Vater sagen? Und verhehlen darf ich's auch nicht . . gestern wohl, jetzt nicht mehr . . . Aber nein, ich kann's nicht sagen, ich brinz's nicht über die Lippen! O, warum, warum hat er das gethan?"
So quälte Mira sich mit ihren Gedanken zwei
sind nun schon mehrere Tage vergangen, ohne daß amtliche Blätter der Meldung widersprachen, und zweitens bringen nunmehr die .Berliner Neuesten Nachrichten' eine Mittheilung über dieselbe Angelegenheit, die als eine Bestätigung jener ersten Meldung aufgefaßt werden muß. Das bayerische Blatt hatte — um das Ganze kurz zu wiederholen — folgendes berichtet: „Der Regent von Lippe-Detmold hatte vor einiger Zeit an den Kaiser geschrieben, es seien ihm als Landesfürsten in militärischen Dingen gewiss« Rechte gewährleistet, und er bäte um Respektirung derselben durch den General in Detmold. Diese Respektirung sei bisher unterblieben. Daraus soll der Kaiser mit folgendem Telegramm geantwortet haben: „Dem Landesfürsten, was dem Landesfürsten gebührt; sonst nichts. Im klebrigen verbitte ich mir diese Tonart des Briefes." Der Regent von Lippe theilte diesen Austausch von Brief und Telegramm den deutschen Bundesfürsten mit und beauftragte den Vertreter des Fürsten- thums Lippe, eine Beschwerde im Bundes- rathe anhängig zu machen. Nunmehr also erscheinen in der Presse weitere Meldungen, die diese Mittheilungen zu bestätigen scheinen. Nach einer Meldung der,Berl. Reuest. Nachr.' ist „die Veröffentlichung des Telegramms des Kaisers an den Regenten gegen den Willen der lippe'schen Regierung erfolgt“ — also das Telegramm wird als thatsächlich ergangen angenommen. Und auch in der.Täglichen Rundschau' erscheint eine Kundgebung, die besagt, daß die geschilderten Vorgänge im großen und ganzen sich so zugetragen haben, wie sie das bayerische Blatt darstellt . ." Wie bekannt, bestand von Anfang an kein gutes Verhältniß zwischen Berlin und Detmold. In Berlin wurde dem Lande Lippe-Detmold der Schwager des Kaisers als Regent gewünscht, PrinzAdolfzuSchaum- burg-Lippe.
* Noch am Schluffe der letzten preußischen Landtags-Session mußte, wie man sich erinnern wird, Herr v. Miquel, der Hüter des preußischen Schatzes, wenn auch widerwillig, einer Forderung aller Parteien des Abgeordnetenhauses entgegenkommend, sich dazu bequemen, für die nächste Session eine Auföefferrrrrg der Gehälter der ««ter« Beamte« in Aussicht zu stellen. Damit nun aber diese Beamtenklaffe nicht schon im Voraus zu üppig werde und ihre Hoffnungen nicht za hoch schraube, läßt der sparsame Finanzminister, dem weit mehr die „Schlagfertigkeit der Armee" als die drückende Lage der Unterbeamten am Herzen liegt, den letzteren jetzt schon einen „heilsamen" Dämpser aufsetzen. Einerseiner Preßlakaien verkündet nämlich, es seien zwar bei der in Aussicht genommenen „abschließenden Regelung des Diensteinkommens der Unterbeam- ten“ „alle Verwaltungszweige beteiligt", aber es handele sich dabei nicht um eine allgemeine Ausbesserung der Gehälter der Unterbeamten, sondern nur „darum", die trotz der Ausbesserung von 1890 „noch vorhandenen Härten und Ungleichheiten zu beseitigen". Das ist jedenfalls sehr vorsichtig ausgedrückt und verpflichtet Herrn v. Miquel eigentlich zu nichts. Denn wenn et etwa später erklären würde, bei näherer Untersuchung habe er entdeckt, die „noch vorhandenen volle Stunden hindurch, und es wollte kein Schlaf sich auf ihre Wimpern senken, und sie konnte zu keinem Entschlüsse sich durchringen. Als sie aufstand, zitterten ihre Kniee, und es fröstelte sie, trotzdem draußen eine schwüle Hitze herrschte. Sie zog die Vorhänge aneinander und stellte sich mit dem Rücken gegen die Sonne, um sich zu erwärmen, dann ging sie ins Speisezimmer, wo sie ihren Vater vermuthete.
Ec wat nicht da; darum nahm Mira eine Häkelarbeit und setzte sich auf den anstoßenden Balkon, der nicht auf die Straße, sondern auf die Gärten hinausging. Die warme Luft that ihr wohl, und sie arbeitete mit aller Emsigkeit, wenngleich ihre Gedanken auf ganz andere Bahnen gingen. Endlich ließ sie jedoch die fleißigen Hände in den Schooß sinken und warf einen langen Blick auf das gesegnete Gelände, wo drunten an den Gartenwegen die (Zentifolie glühte, wo roth- wangige Aepfel und goldgelbe Birnen aus den grünen Blättern hervorlugten und ganze Alleen von hochstämmigen Sonnenblumen längs der Zäune aufgepflanzt waren.
Ein tiefer Seufzer hob ihre Brust, und sie merkte nicht, daß der Vater hinter ihr stand.
Das liebe Gesichtchen sah so bekümmert drein ; es that ihm in der Seele weh. Da hoben die Kirchenglocken mit feierlichem Geläute an. Hebet- rascht sprang sie empor und bemerkte jetzt erst ihren Vater.
„Mira, mein Töchterchen, Du siehst ja ganz verstört aus! Was ist geschehen?" forschte er liebevoll und nahm ihr Gesicht in beide Hände und sah ihr tief in die Augen.
Diese ertrugen heute nicht seinen fragenden
Härten und Ungleichheiten" seien nur geringfügig und nicht bedeutend genug, um den umständlichen Apparat einer eigenen Gesetzvorlage zu rechtfertigen, so dürfte es ihm nicht allzu schwer werden, unter seinen konservativen Freunden auch für diese Ansicht eine Mehrheit zu finden. Freilich find auch noch andere Parteien im Landtage, und diese, an erster Stelle das Cent rum, würden keinesfalls zugeben, daß die der Aufbesserung dringend bedürftigen Unterbeamten so trocken abgefpeift würden. Die Zusage muß so eingelöst werden, wie sie vor dem letzten Landtagsschluß im Abgeordnetenhause gegeben wurde, nachdem die in Folge eingegangener Petitionen von Beamten geführten Verhandlungen auf allen Seiten des Hauses förmliche Entrüstung über die drückende Nothlage so mancher Unterbeamten hervorriefen — während Herr v. Miquel ruhig auf feinen Überschüssen saß, die man für „höhere" Zwecke — eben für Militärforderungen — braucht. Soll aber den berechtigten Wünschen der bedrängten Beamten entsprochen werden, so ist vor Allem erforderlich, daß auch der neue Landtag eine ihnen wohlgesinnte starke Mehrheit auf weist, zu der, wie schon bemerkt, ganz besonders das (Zentrum gehört. Deshalb muß bei den nächsten Landtagswahlen dafür gesorgt werden, daß namentlich ba§ (Zentrum möglichst stark aus denselben hervorgeht.
* Die Reichskommission für Arbeiterstatistik hat nunmehr ihre Verhandlungen über die Arbeitszeit der Möller abgeschlossen. Sie hat sich mit großer Mehrheit für eine achtstündige, ununterbrochene Ruhezeit ausgesprochen, im Uebrigen wurde eine Einschränkung der Arbeitszeit für Windmühlen mit großer Mehrheit verneint. Dagegen sollen für Wassermühlen und Dampfmühlen noch folgende Bestimmungen befürwortet sein: In Waffermühlen und Dampfmühlen mit wenigstens zwei Hilfspersonen wird dir Höchstdauer der täglichen Arbeitszeit auf 14 Stunden festgesetzt. Bei wöchentlichem Schichtwechsel zwischen Tag- und Nachtarbeit darf der den Tagdienst besorgende Geselle zwölf Stunden, der Nachts beschäftigte Geselle 16 zusammenhängende Stunden täglich verwendet werden. Ausnahmen von diesen Vorschriften sind an 30 Tagen im Jahre zulässig. Ferner wurde in Bezug auf die Lehrlinge allgemein beschloffen: „Junge Leute unter 16 Jahren dürfen in der Zeit von 8‘/2 Uhr Abends bis 5Va Uhr früh nicht beschäftigt werden."
X Die „freisinnige" ,Vossische Zeitung' in Berlin hat bei Gelegenheit einer neuen Betrachtung über bie Stauung besHerzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein bie Entbeckung gemacht, baß ber Vatikan mit ber Ectheilung von Ehe-Erlaubnissen ohne bie Pflicht ber katholischen Kinder-Erziehung — Geldgeschäfte macht. Und das edle Blatt findet es „sehr bezeichnend", daß selbst katholische Blätter „von dieser Praxis der katholischen Kirche keine Ahnung" haben ...! Etwas Aehnliches soll nach der Meldung eines mitteldeutschen Blattes auch in der Sache der Verehelichung des Herzogs Ernst Günther im Werke sein. — Nun freilich, wo die katholische Kirche, ihre Vorschriften und ihr Oberhaupt systematisch in so niedriger Weise verleumdet und
Blick; sie senkte die Lider, und mit einem Gefühl von bitterm Wehe ließ Mahlseld den Kopf feiner Tochter wieder frei.
„Ich habe gar nicht daran gedacht, daß morgen Maria-Himmelfahrt ist," sprach Mira.
„Ja, Maria-Himmelfahrt," nickte er. Nach einer kleinen Pause fuhr er fort, ohne sie anzuschauen: „Möchtest Du nicht zur Beichte gehen? Dir fehlt etwas; was kann da wohlthuender sein, als hinzueilen zu dem, der gesagt hat: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig seid und beladen, ich will euch erquicken?"
Mira war's, als sei in die Wirrniß ihrer Gefühle plötzlich der Lichtstrahl gefallen, der ihr den Ausweg wiese. Voll Inbrunst ergriff sie die Hand ihres Vaters und sagte nur: „Du lieber, guter, theurer Papa!" und drückte viele Küsse darauf und drückce sie gegen ihre Augen, in die jetzt erst einige Thränen sich eingeschlichen hatten.
Dann ging sie hastig hinaus und kam gleich darauf mit Hut und Mantille wieder auf den Balkon, wo ihr Vater mittlerweile den von ihr verlassenen Platz eingenommen hatte.
„Segne mich, Papa, und verzeihe mir, wenn ich Dich' gekränkt habe,“ sagte sie. Das that sie jedesmal, bevor sie zur hl. Beichte ging, aber heute mit ganz besonderer Inbrunst.
Nach dem Abenbessen setzte sich Mira wie gewöhnlich an's Klavier, während ihr Vater die Zeitung zur Hand nahm. Er trug die Lampe auf das Spieltischchen, machte die Fensterflügel weit auf, um die erquickende Abendluft hereinzu- lassen, und ließ sich in dem dort stehenden Lehnstuhle nieder.