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JK 163.
Julöa, Donnerstag, den 21. Juli 1898
25. Jahrgang.
Lk Amerika, Deutschland und der Krieg.
Merkwürdig, mit welcher Zähigkeit ein Theil der englischen und der nordamerikanischen Presse die Hetze gegen Deutschland betreibt und Feindschaft zwischen zwei Ländern zu säen sucht, die bisher niemals eine Spur von Feindschaft gegen einander gefühlt haben. Unaufhörlich sucht diese Presse den Nordamerikanern einzureden, in Deutschland gebe es nur Freundschaft für Spanien, nur Feindseligkeit gegen die Vereinigten Staaten; und ohne Wirkung sind bei ihr die Worte der Versöhnung und der Anerkennung für Deutschland geblieben, die am Tage des nordamerikanischen Unabhängigkeitsfestes der Berliner nordamerikanische Gesandte zu seinen Landsleuten in Leipzig gesprochen hat.
Aber allgemach scheint man auch in Nordamerika dieser Hetze müde zu werden. Sehr richtig wird diese in einer großen Zeitung von Chicago gekennzeichnet, in dem diese schreibt: „Es besteht jetzt ein übereinstimmender, systematischer und niederträchtiger Versuch, das amerikanische Volk gegen Deutschland, seine Regierung und seine Bewohner aufzuhetzen. Falsche Gerüchte, erlogene Nachrichten, verleumderische und skandalöse Mittheilungen werden durch die Presse weithin über das Land verbreitet mit der offenbaren Absicht, unter unserem Volke Bitterkeit und Feindseligkeit gegen ein Land und eine Regierung hervorzurufen, die uns nie zu nahe getreten sind und auch nicht die geringste Absicht dazu haben ...." So schreibt nicht etwa eine deutsche, sondern eine englische Zeitung in Chicago, die sich im allgemeinen gar nicht durch besondere Vorliebe für Deutschland hervorthut, der,Daily Jnter-Ocean'. Und dort muß man ja am besten wissen, was es mit dieser Deutschland-Hetze auf sich hat.
Daß die Deutschen als einzelne Menschen bei diesem Kriege zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika von Anfang an mehr Sympathie für Spanien gehegt haben und noch hegen, ist keine ausschließlich deutsche Eigenschaft. Diese Gesinnung findet sich gleichmäßig wieder bei allen gerecht denkenden Menschen ohne Unterschied der Nation. Und daß dies der Fall ist, liegt ganz allein bei den Nordamerikanern selbst. Wenn man, wie sie, einen Krieg vom Zaune bricht, der nichts Anderes als lediglich ein Beutekrieg ist, ein Krieg, durch den man einen Andern, der schwächer ist, seines angestammten Eigenthums berauben will, so kann man unmöglich erwarten, daß man von der Welt dafür bejubelt wird. Im Uebrigen aber hat Deutschland während der ganzen Dauer dieses Krieges die Neutralität mit solcher peinlichen Genauigkeit beobachtet und mit solcher Strenge innegehalten, daß eine noch strengere Beobachtung der Neutralität unmöglich gewesen wäre und auch fortan unmöglich ist. Und somit haben die Vereinigten Staaten allen Grund, mit dem Reiche Deutschland ganz außerordentlich zufrieden zu sein. Ja noch mehr: wenn, wie öfter, russische und französische Zeitungen für ein vermittelndes Eingreifen der Mächte eine Lanze brachen, ist jedesmal von Berlin aus die Erwiderung erfolgt, daß Deutschland an solchen Maßnahmen sich niemals be-
tot alte tzhmfchild.
Novellette von M. von Radkersberg-Radnicki.
3 (Nachdruck verboten.)
2.
Als Mira am anderen Morgen erwachte, war ihr nicht wohl zu Muthe. Es lag ihr wie ein Stein auf der Brust, ihr war so bange, und sie wußte doch nicht, warum.
Mit dem Vater hatte sie gestern nur mehr wenige gleich giltige Worte gewechselt. Er war so wortkarg geworden und ganz gegen seine Gewohnheitgleich nach dem Abendessen ins Kasino gegangen. Da hatte sie freilich nichts besseres zu thun gewußt, als in ihr Zimmerchen zu gehen und sich vor dem Bilde der Muttergottes einmal so recht nach Herzenslust auszuweinen und dann schlafen zu gehen — ach ja, schlafen, das war noch das beste, was sie thun konnte, damit ihr diese Z-it, wo ihr so traurig zu Muthe war, nur möglichst rasch vorüber ginge. Sie hatte ja der Himmelsmutter keinen großen Schmerz zu klagen, sie wußte nicht ihr Anliegen in Worten ihr vorzutragen, sie wußte nicht einmal, was sie wollte und was ihr fehlte — sie weinte nur, damit ihr leichter wurde ums Herz, und in dem Bewußtsein, die Himmlische wisse schon, woran es ihr gebräche.
„Papa, hast Du nicht Zeit, mich eine Strecke Weges bis zum Schlößchen zu begleiten oder mich zwischen elf und zwölf Uhr abzuholen," fragte sie, nachdem sie sowohl wie ihr Vater ziemlich einsilbig das Frühstück eingenommen hatten. Es lag eine warme Bitte in dem Ton ihrer Stimme und in dem Blick der guten braunen Augen.
theiligen werde, sondern auf dem Standpunkte stehe, daß Spanien selbst den ersten Schritt thun müsse, um Friedensverhandlungen herbeizuführen.
Deutschland hat seine Pflicht als Staat gethan sogar gegen die herrschende Volksströmung, und es ist darum eine ganz besonder eUngerechtigkeit, wenn Deutschland von amerikanischen Blättern wegen angeblich feindseliger Gesinnungen gegen Nordamerika angegriffen wird.
Im Kriege selbst ist mit der Uebergabe von Santiago an die Amerikaner eine Pause der Ruhe eingetreten. Die Amerikaner sind froh, daß sie Santiago endlich haben. Die Spanier können die Pause erst recht gut brauchen. Und es ist nur das Eine zu wünschen, daß dieselbe mit Erfolg zur Herbeiführung des Friedens ausgenützt wird. Bemerkensw-rth ist der Umstand, daß der Befehl zurückgenommen worden ist, der den amerikanischen Admiral Watson nach den europäischen Gewässern gegen die spanischen Häfen selbst senden wollte. Man kann zweierlei Erklärung dafür vorbringen. Entweder der Befehl ist zurückgenommen worden, weil Nordamerika wirklich und ernsthaft geneigt ist zum Frieden; oder dies ist geschehen, weil die Amerikaner gefürchtet haben, durch die Uebertragung des Krieges in europäische Gewässer nun doch noch eine Einmischung der Mächte hervorzurufen, die so lange unterblieben ist, als der Krieg auf ferne Meere beschränkt blieb. Aber beide Erklärungen haben einen friedlichen Charakter; mag nun dieser Charakter aus dem freien Willen der Vereinigten Staaten oder aus einer Zwangslage hervorgehen, in die sie gerathen würden, wenn sie allzu scharf vordringen wollten; und uns kann es ziemlich gleich- giltig sein, welchen Beweggründen friedliche Wandlungen dieses spanisch-amerikanischen Streites ent- sprinyen — wenn sie nur eben wirklich friedlicher Art sind!
Deutsches R^ch.
Berlin, 20. Juli.
* Der Kaiser erfreut sich auf feiner Nordlandreise neuerdings des herrlichsten Wetters. Dienstag Abend traf der Kaiser in Dingermulen ein. Und die Fahrt von Drontheim dorthin gestaltete sich zu einer der schönsten, die je bei den Nordlandsreisen des Kaisers gemacht worden sind. — Die von mehreren Zeitungen gebrachte Mittheilung, wonach Vertreter von deutschen evangelischen Kirchengemeinden berechtigt sein sollen, an der Kaiserfahrt nach Palästina theilzunehmen, beruht der ,Postt zufolge auf einem Jrrthum. Diese Berechtigung besteht nur für die Vertreter der deutschen evangelischen Kirchenregierungen.
O Vermehrung und Aenderungen in der Hrgamsalion der Kavallerie werden angekündigt. Es verlautet, daß der Plan bestehe, die sämmtlichen fünften Schwadronen zu Regimentern von je vier Schwadronen zusammenzufaffen. Im ganzen zählt jetzt das deutsche Reichsheer 93 Kavallerie-Regimenter, darunter 10 bayerische, 6 sächsische und 4 württembergische. Nach diesem neuen Organisations-Plane würden also entfallen auf Preußen 20 oder 21 neue Kavallerieregimenter,
Er fühlte das heraus — er wollte, er durfte ihr nicht zürnen, sie hatte ihm ja auch keine Veranlassung dazu gegeben.
Liebevoll schlang er den Arm um ihren Nacken und küßte sie auf die Stirne. „Abholen kann ich Dich leider nicht, mein Töchterchen," versetzte er freundlich, „denn ich muß in die Stadtrathssitzung, wo heute die Vorlage wegen der Wafferleitung besprochen wird, und begleiten kann ich Dich auch nur ein kleines Stückchen Weges, weil ich um zehn Uhr eine Unterrichtsstunde habe."
„Ach, wie schade!" seufzte sie. „Heute habe ich gerade ein besonderes Verlangen danach, ich weiß selbst nicht warum."
„So gehen wir etwas früher, damit ich Dich wenigstens bis zur Hälfte des Weges begleiten kann, und Dora soll Dich abholen," meinte er.
„Nein, nein, die mag ich nicht, die muß kochen," entgegnete sie lachend. „Und wozu auch? Ich gehe ja fast immer allein."
Ja, Mira ging gern allein. Ihre Freude an der schönen Natur, von der sie rings umgeben war, war für sie stets eine Quelle der angenehmsten Unterhaltung gewesen — aber in der letzten Zeit fehlte ihr das richtige Auge dafür.
Sie unterhielten sich recht herzlich und lebhaft mit einander während der Strecke Weges, welche ihr Vater mitging, wenngleich es ihr auch nicht gelang, wie sie anfangs vorhatte, in ein vertraulicheres Gespräch einzulenken. Es ist manchmal so schwer, den rechten Weg hierzu zu finden.
Leichtfüßig schritt Mira weiter, nachdem der Vater sich von ihr verabschiedet hatte. Hier war das Wäldchen, das sie durchschreiten mußte, und hier die Bank, wo sie gestern ein Weilchen aus-
auf Bayern 2 bis 3, auf Sachsen und Württemberg je ein neues Regiment, im ganzen etwa 26 neue Regimenter. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß die Friedensstärke der vier übrigen Schwadronen der alten Regimenter alsdann vermehrt werden müffe, da alsdann die fünften Schwadronen nicht mehr in dem Sinne von Ersatz-Schwadronen bestehen würden. „Verbürgen — so bemerkt die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg/ zu diesen Meldungen — wollen wir die Nachricht einstweilen noch nicht, wenn auch bei der Vermehrung der Kavallerie, speziell in Rußland, der W u n s ch, eine größere Anzahl von Kavallerie- Divisionen im Kriege aufzustellen, immerhin erklärlich sein würde." Von einer neuen Militärvorlage in großem Stile, so wird von anderer Seite in offiziöser Tonart versichert, ist „in unterrichteten Kreisen nichts bekannt".
* Der geheime Justizrath Professor Ludwig Jakob v. A««y, Mitglied des Reichstages und des Abgeordnetenhauses, ist heute früh gestorben. (d. Cuny, geboren am 14. Juni 1833, gehörte dem Abgeordnetenhause seit 1873, dem Reichstage 1874/81 und seit 1884 als Mitglied der nationalliberalen Partei an. Er war seit 1875 Profeffor der Rechte in Berlin.)
* Innerhalb der Sozialdemokratie ist man noch nicht klar darüber, ob die Partei nun wirklich an den preußischen Landtagswahlen sich betheiligen soll oder nicht. Augenblicklich scheint die Neigung vorzuherrschen, sich nicht zu betheiligen. Nun, wir werden es ja sehen!
X Die russische Häuse-Kiusutzr spielt gegenwärtig eine ganz bedeutende Rolle. Die Zeit der polittschen Stille, in der wir augenblicklich leben, ist ganz dazu angethan, auch minder wichtigen Angelegenheiten sehr genaue und umständliche Erörterungen angedeihen zu lassen. Aber thatsächlich ist diese russische Gänse-Einfuhr gar nicht einmal so unbedeutend. Im Jahre 1896 betrug beispielsweise der Werth der von Rußland nach Deutschland eingeführten Gänse nicht weniger als 9,237,000 Mark. Man kann sich also ganz gut vorstellen, daß Rußland großen Werth legt darauf, daß dieser Gänsehandel in unvermindertem Umfange erhalten bleibe. Ein wenig unsicher ist die Haltung, die die deutsche Regierung in dieser Sache einnimmt. Noch keine ganze Woche ist verfloffen, seit die ministerielle Verfügung über den Transport von Gänsen und damit das Verbot des Fußtransportes über die ganze preußische Monarchie ausgedehnt wurde, und schon ist wieder eine sogenannte Nachverordnung erschienen, die jene erste Verfügung zum Theil wieder aufhebt. Nach einer vom ,Staatsanzeiger' neuerdings veröffentlichten und vom 18. Juli datirten „Nachtrags-Verordnung" der Regierung von Oppeln wird der Fuß trieb von Gänsen aus Rußland nun wieder gestattet auf den Wegstrecken von den russischen Grenzübergängen bei Z awisn a, Kreis Rosenberg O. S., und Herby, Kreis Lublinitz, bis zu den Bahnhöfen in Landsberg bezw. Herby. Vielleicht nimmt nun die russische Regierung auch wieder ihre Verordnungen zurück, nach denen neuerdings Sperrzölle angewandt werden sollten auf die Einfuhr einiger deutscher Artikel nach
geruht und sich dadurch verspätet hatte, denn es war gar so kühl und schattig und gar so zauberisch schön hier, und deshalb war die Versuchung zu einer kurzen Rast gar so groß gewesen.
Ein Kreis von schlanken Buchen umgab das grüne Rasenfleckchen und ließ nur oben ein Stück Himmelblau hineinschauen, daß es war wie ein hoher Dom mit gläserner Kuppel. Nach dem See zu war ein Portal offen geblieben, und wenn man hier auf der Bank saß, umfaßte der Blick ein entzückendes Panorama: im Hintergründe die grünen Höhenzüge mit schmucken, weißen Villen übersäet, und gerade vor sich der liebe, blaue See, auf dessen glitzernder Oberfläche die Mückchen tanzten und buntschillernde Libellen hin und her schaffen, gerade dort, wo die heißen Sonnenstrahlen sich in den kühlen Fluthen badeten.
Freundlich schaute Mira das traute Ruheplätzchen an; aber sie hielt sich nicht auf, um wie gewöhnlich durch das Portal hinaus zu schauen in die schöne Welt, sie eilte weiter, und bald war das Ziel ihres Ganges erreicht.
Die beiden jungen Damen, ihre Schülerinnen standen auf der Terraffe und begrüßten sie aus's freundlichste.
Nach der Klavierstunde lud die Hausfrau, welche das bescheidene Mädchen lieb gewonnen hatte, Mira zu der Mitte der nächsten Woche stattfindenden Abendunterhaltung ein, und bat sie alsdann mit ihren Töchtern eine Beethoven'sche Symphonie auf zwei Klavieren vorzutragen. Mira nahm es an unter der Bedingung, daß ihr Vater es erlaube, und verabschiedete sich dann. Ihre Schülerinnen begleiteten sie eine kleine Strecke.
Auch die Blicke des alten Herrn in Generals-
Rußland. Etwas mehr Klarheit und Sicherhe^ in den zollpolitischen Verhandlungen würde alf° der deutschen oder der preußischen Regierung nur zu wünschen sein.
* In der Meldung über russische Zolk- erhößuuge« ist zu bemerken, daß trotz der amtlich veröffentlichten Verfügung in diesem Sinne bis zum Nachmittag des heutigen Mittwoch noch keine Meldungen vorlagen, die eine praktische Anwendung des erhöhten Zolltarifs darlhun könnten.
x Die bayerische Staatsregierung stellt zur Zeit Erhebungen darüber an, wie etwa der Staat durch Zwangsmaßregeln beitragen könne zur Erhaltung und Förderung eines gesunden kleine« Aarrer«sia«des. Namentlich hat man in den Kreis dieser Erwägungen die Frage gezogen, ob nicht die Einführung eines Parzellen-Minimums sich empfehlen würde, das heißt also Festsetzung einer Mindestgröße für Grundstücke. Durch eine solche Maßregel würde der unbeschränkten Auftheilung von bäuerlichen Grundstücken ein Ziel gesetzt werden, über das diese Auftheilung nicht hinausgehen dürfte. Als sachkundige Auskunftsstellen sind die landwirth- schastlichen Ausschüsse der acht bayerischen Regierungsbezirke um ihre Meinung über die Sache befragt worden. Bisher ist aber erst die Aeuße- rung einer dieser Körperschaften eingegangen, nämlich des landwirthschaftlichen Ausschusses in der Rheinpfalz; und dieser Ausschuß verneint für die Pfalz die Nothwendigkeit der Einführung eines Parzellen-Minimums. Die Verhältnisse im rechtsrheinischen Bayern liegen aber anders als in der Pfalz; und es ist wohl zu erwarten, daß die Antworten von dort zum überwiegenden Theile anders lauten werden als aus der Pfalz.
ft Die letzten Jahresberichte der preußischen Gewerbe-Inspektoren wird unter manchen erfreulichen auch eine sehr unliebsame Thatsache festgestellt, und das ist eine bedeutende Vermehrung der i« de« Iaörike« veschäfligte« Kinder unter 14 Jahren. Es waren am Schluffe des Jahres 1897 in allen Fabriken 1359 solche Kinder beschäftigt gegen 988 am Schluffe des Jahres vorher und 802 am Schluffe des Jahres 1895. Die Zahl dieser Kinder hat sich also im letzten Berichtsjahre um 37,1 oder um 37,6 vom Hundert vermehrt. Unter diesen Kindern befanden sich 869 männlichen und 490 weiblichen Geschlechtes, und vergleicht man auch diese Einzelzahlen mit denen der Jahre vorher, so erhält man das wiederum sehr unerfreuliche Ergebniß, daß die Zunahme beim weiblichen Geschlechte stärker als beim männlichen ist. Am stärksten vertreten waren diese Kinder in den Fabriken des Regierungsbezirkes Düsseldorf, und von den einzelnen Gewerbegruppen hat die T e x t i l i n d u st r i e die meisten Kinder in Fabriken aufzuweisen.
45. Generalversammlung derKatholilren Deutschlands m Krefeld.
O Krefeld, 20. Juli.
Die Vorarbeiten zur 45. Generalver- versammlung der Katholiken Deutschlands schreiten Dank der eifrigen Thätigkeit
uniform, der, die Zeitung in der Hand, auf der Veranda im Schaukelstuhl saß, hatten über das Blatt hinaus mit wohlgefälligen Blicken zu der anmuthigen Erscheinung im einfachen grauen Kleidchen hinübergeblinzelt.
„Dies Gesichtchen kommt mir so bekannt vor; aber ich weiß nicht, an wen es mich eigentlich erinnert. Wie heißt das junge Mädchen, Henriette ?" wandte sich Feldmarschall-Lieutenant Epping von Eppinghofen an seine Schwester.
„Mira Mahlfeld, ein junges Mädchen von ausgezeichneter Herzens- und Geistesbildung und durchaus feinen Umgangsformen," versetzte diese. „Darum habe ich auch nichts dagegen, daß meine Töchter herzlicher mit ihr verkehren, als dies meist zwischen Lehrerin und Schülerin üblich ist. Ihr Vater ist zwar nur Zeichenlehrer hier, ich kenne ihn nicht, aber er ist allgemein geachtet, und man sagt, daß er von sehr gutem Herkommen sei."
„Mahlfeld, Mahlfeld," murmelte der alte Herr. „Auch der Name kommt mir bekannt vor, aber doch entsinne ich mich nicht, wohin ich sihn thun soll, und ich habe doch sonst ein gutes Ge- dächtniß."
Nachdem die jungen Damen des Schlößchens sich von Mira verabschiedet hatten, gingen sie langsam weiter. Sie hatte ja Zeit genug und brauchte heute nicht zu fürchten, sich zum Mittag- effen zu verspäten.
Es war ihr ganz beklommen zu Muthe geworden, als. sie die Augen des Generals, den sie heute zum ersten Male gesehen, auf sich gerichtet fühlte.
„Was mag er wohl von mir gedacht haben?*