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JH 162.
•f- Ordnung aus Kreta.
Ordnung auf der ^nsel Kreta? Das klingt fast wie ein lustiger Einfall. Und wirklich wird ja auch das, was jetzt auf der Insel Kreta als Ordnung vorläufig eingeführt ist, nicht allzu tragisch zu nehmen sein. Aber es sind doch wenigstens ernsthafte Bemühungen vorhanden, das entsetzliche Wirrsal, das bisher auf der Insel herrschte, ein wenig zu entwirren und etwas wie eine Verwaltung dort einzusühren. Die vier Großmächte, die noch an kretischen Angelegenheiten betheiligt sind, haben einen vorläufigen Entwurf über eine Verwaltung der Insel Kreta vereinbart und haben diesen Entwurf der Nationalversammlung von Kreta zugleich mit einer Denkschrift übergeben, die sich über die Beweggründe ausspricht, aus denen dieser Entwurf hervorgegangen ist. Natürlich beschäftigt sich dieselbe nur mit den inneren Verhältnissen der Insel, nicht aber mit ihrem politischen Verhältnisse zur Türkei. Bis auch dieses geregelt sein wird, vergeht sicherlich noch eine sehr lange Zeit.
Die vier Mächte Rußland, England, Frankreich und Italien geben der National- wersammlung von Kreta auf, ein Exekutiv - Komitee einzusetzen, das dasjenige Gebiet der .Insel verwalten soll, das unter dem Einflüsse der Nationalversammlung steht. Die kommandirenden Admirale der Großmächte werden ihrerseits desjenigen Gebietes sich annehmen, das von den Truppen der Mächte besetzt ist. Das -Exekutivkomitee der Nationalversammlung soll in -steter Berührung mit den Admiralen bleiben und von diesen abhängig sein. Die Admirale können das Komitee absetzen, wenn dasselbe die Grenzen der ihm gesteckten Macht überschreiten sollte. Das Komitee soll sofort von der Nationalversammlung gewählt und aus sechs Mitgliedern zusammengesetzt werden. Eines dieser Mitglieder, der Präsident, soll der Vorsitzende der Naüonalver- fammlung sein. Die anderen fünf Mitglieder sind so zu wählen, daß je eines auf eine der -fünf Provinzen der Insel entfällt.
In dem Entwürfe der Mächte selbst befindet sich der charakteristische Satz: „Da feine ©pur von Verwaltung in den Gebieten vorhanden ist, welche sich unter dem Einflüsse der Nationalversammlung befinden .. ., so ist es nothwendig, wenigstens die Grundlagen festzustellen, auf denen die vorläufige Verwaltung der Insel aufgebaut werden soll." Diese Grundlagen, die die Mächte der Nationalversammlung von Kreta für die Verwaltung ihres Landes vorschreiben, bestehen wesentlich in folgendem: Für jeden Kreis der Insel wird ein Generalavministrator eingesetzt und für jeden Distrikt ein Administrator als Untergebener des Generaladministrators. Das Exekutivkomitee schlägt die Beamten vor, die Admirale ernennen dieselben. Und auch das Ver- hältniß zwischen den Beamten unter einander wird durck die Admirale geregelt. Es wird ans Europäern und aus Eingebornen eine Gens- darmerie gebildet, diese aber von einem fremden Offizier befehligt. Es wird eine geordnete Rechts- Pflege eingerichtet, die nach kretischen Gesetzen Recht sprechen wird. Es wird ein Plan für die staatlichen Einnahmen und Ausgaben aufgestellt.
Eine alle EhmschM.
Novellette von M. von Radkersberg-Radnicki.
2 (Nachdruck verboten.)
Mira fchwieg eine Weile. „Ich glaube kaum Papa, denn Über Dummheiten kommt man am besten hinweg, wenn man sie möglichst übersieht. Wie Du wieder ein bsorgtes Gesicht machst! Gerade, als ob Du mit Dir zu Rache gingst, ob Du den Arzt holen solltest oder nichts Es ist nichts, ich bin gesund, und zumal des Morgens früh, wenn ich mich ausgeschlafen habe, fühle ich mich ganz leicht und frisch. Erst Tags über packt wich die Aufregung und jagt mich hierhin und dorthin und macht mich so müde und so unzufrieden mit mir und der ganzen Welt."
„Aber es muß doch einen Grund haben. Womit beschäftigen sich denn Deine Gedanken am meisten und liebsten?" fragte er, indem er liebevoll feinen Arm um sie schlang.
Sie schwieg und wurde roth.
Da öffnete sich die Thüre und Dora, die alte Magd, führte den Herrn Pfarrer, der drei Mal in der Woche zu einer Tasse schwarzen Kaffee und einer Partie Schach sich einfand, herein.
„Wir haben uns mit dem Speisen heute verspätet, Herr Pfarrer," sagte der Hausherr lächelnd, indem er aufsprang und seinen Besuch zum Lehnstuhl am Fenster, wo bereits das Tischchen mit dem Kaffeeservice hergerichtet war, führte.
Dora besah mit langem, verblüfftem Gesichte die fast unberührten Speisen und schaute ihre junge Herrin fragend an.
„Es war recht gut, Dora, mache Dir keine
Jutöa, Mittwoch, den 20. Juli 1898
25. Jahrgang
und die Finanzverwaltung wird der Oberaufsicht der vier europäischen Admiräle unterstellt . . . . Man sieht, die Mächte machen es mit Kreta wie die Eltern mit einem kleinen Menschenkinde, das eben anfangen soll gehen zu lernen. Und sicherlich ist eine solche fortgesetzte strenge Kontrolle nickt nur sehr nützlich für Kreta und seine Bewohner, sondern auch sehr nothwendig. Aber freilich wird die Durchführung der lobenswerthen Absichten der Mächte auf vielerlei Schwierigkeiten stoßen; und es wird lange genug dauern, bis die vollkommene Anarchie auf der Insel wenigstens einigermaßen in einen Zustand der Ordnung verwandelt sein wird.
Die Türkei hat sofort Widerspruch erhoben gegen die Einführung einer solchen vorläufigen Selbstverwaltung der Insel Kreta. Die Pforte erkennt die kretische Nationalversammlung nicht als eine gesetzlich und ordnungsgemäß daseinsberechtigte Körperschaft an, sondern betrachtet sie als eine ungesetzliche Versammlung von Aufrührern. Die Pforte hat damit von ihrem Standpunkte aus nicht ganz unrecht. Denn sie stellt sich natürlich noch immer auf den Standpunkt, daß die Insel Kreta ausschließlich ihr gehört und sie von Rechtswegen allein auf der Insel zu befehlen und zu verwalten hat. Aber die Türkei hat sich ja als vollkommen unfähig erwiesen, das zu tbun. Deshalb eben haben ja die Mächte eingegriffen, und aus demselben Grunde ist nun auch der Widerspruch der Pforte gegen die Einführung der neuen Verwaltung von den Mächten nicht anerkannt worden.
Die Kreter selbst werden sich vermuthlich ebenfalls den Vorschriften der Mächte fügen müssen. Sie hatten augenscheinlich gern den Befehlen der Admirale Widerstand entgegengesetzt. Aber sie für sich allein sind dazu natürlich gar nicht fähig; und von außen her haben sie keine Unterstützung erhalten. Sie wollten sie gern haben von Griechenland und sind in Athen auch in diesem Sinne vorstellig geworden. Aber allem Anscheine nach hat man sich dort ihrer in aller Höflichkeit entledigt. Und in der That blieb ja auch wiederum dem griechischen Ministerpräsidenten Zaimis nichts Anderes übrig als so zu handeln. Also wird alles bei den Verfügungen der Admiräle bleiben — bleiben müssen, ob nun die Kreter wollen oder nicht. Und man darf hoffen, daß es so sehr gut fein wird für die vielgeplagte Insel.
Deutsches Deich.
Berlin, 19. Juli.
X Die nationalliberale Partei beginnt mit ihren Vorbereitungen für die preußische« Kandtagswahke«. In diesen Tagen wird der geschäftsführende Ausschuß des Centralvorstandes seine Sitzung abhalten, um die erforderlichen ersten Vorbereitungen zu treffen. Und dann wird der Centralvorstand in seiner Gesammtheit in der Mitte des Monats September zusammentreten, um unter Zuziehung der Obmänner der einzelnen Landtags-Wahlkreise den Wahlaufruf zu erlaffen.
X Noch am Montag gab die offiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg/ der Hoffnung Ausdruck, daß die
Sorgen," sagte diese freundlich. „Ich habe solch' entsetzliche Kopfschmerzen, und Du weißt, dann kann ich nicht essen. Nur trinken, immer nur trinken." Bei diesen Worten schenkte sie sich bereits das vierte Glas Wasser ein.
„Fräulein sollten sich etwas niederlegen," sagte die Alte.
Mira nickte ihr zu, als wenn sie dadurch ausdrücken wollte: „Du hast's getroffen," stellte die Schachbrett-Figuren zusammen und bat dann den Vater und seinen Gast um die Erlaubniß, sich in ihr Zimmer zurückziehen zu dürfen. Dort angekommen, sank sie ganz erschöpft auf den kleinen Sessel, der am Fenster stand, nieder und stützte den Kopf in beide Hände.
„Ja, woran denke ich nur den ganzen Tag?" fragte sie sich. „Was könnte ich Papa denn eigentlich antworten auf seine Frage? Ich kann ihm doch nicht sagen, daß ein junger Offizier mir so den Kopf verdreht hat, daß ich Tag und Nacht nichts Anderes sehe als ihn. Ich müßte mich ja in den Boden hinein schämen. Wenn er noch von Liebe zu mir gesprochen hätte, dann freilich wäre es ganz anders, dann müßte ich es Papa ja sagen. Aber das hat er ja nicht; ich habe ja nur dreimal überhaupt mit ihm gesprochen. Es ist nur, daß er mir überall begegnet, daß er mich so anders grüßt, so ganz anders; daß er mich stets so fragend und so ausdrucksvoll anschaut . . . und ach, daß er mir so gefällt! Aber das kann ich doch Papa nicht sagen. Das ist ja nichts, gar nichts . . . Warum denke ich denn immer an ihn? Pfui, schäme Dich, Mira! . . . Ach, wenn ich nur nicht solche entsetzliche Kopfschmerzen hätte!"
zollpolitischen Verhandlungen zwischen Dentsch- tarrd und Itntzkand zu einem beiderseits befriedigenden Ergebnisse führen ui.d die von Rußland angedrohten Vergeltungsmaßregeln für die erschwerte Gänse-Einfuhr von Rußland nach Deutschland nicht in Kraft treten lassen würden. Die Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen. Heute, am Tage darauf, wird die amtliche Petersburger Verordnung bekannt, daß die im letzten Jahre von Rußland eingeführten Zollermäßigungen für Lederwaren und Celluloid- Wäsche vom 3./15. Juli ab wieder aufgehoben werden. Das muß man bedauern im Interesse derjenigen, die an der Ausfuhr dieser Artikel nach Rußland betheiligt sind. Nichtsdestoweniger müssen doch die deutschen Verhütungsmaßregeln gegen die Einschleppung der Geflügel-Cholera aus Rußland nach wie vor als nützlich und nothwendig anerkannt werden.
* Die preußische Regierung macht sich gegenwärtig mit den "Mokeu "außerordentlich viele Arbeit. Jetzt finden amtliche Erhebungen darüber statt, wie viel Polen in den einzelnen Verwal- tungs - Bezirken in Preußen wohnen, und wie viele davon die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen. Vielleicht beginnen also bald wieder einmal Massenausweisungen von solchen Polen, die die deutsche Reichsangehörigkeit nicht besitzen.
* Der polnische Kongreß der Aerzle nnd Naturforscher soll in diesem Jahre Überhaupt nicht mehr stattfinden, da man sich über den Ort nicht einigen konnte, an dem er stattfinden soll. Nunmehr ist die Zeit für die Vorbereitungen dazu zu kurz geworden.
X Die Pläne der amerikanischen Standard- Oil-Company, den deutschen Netrokeum- handek in ein Monopol für diese Gesellschaft nmzuwandeln, scheinen endgiltig ins Wasser gefallen zu sein. Durch gemeinsame Bemühungen der badischen Regierung und mehrerer Handelsfirmen ist es gelungen, in Mannheim neben den großen Behältern der vorgenannten Gesellschaft und derjenigen Scheinfirmen, die in ihrem Dienste stehen, den Bau ebenso großartiger Petroleumbehälter zu sichern. Die badische Regierung hat die geeigneten Bauplätze unentgeltlich zur Verfügung gestellt, und nun wiriiunck die Pure-Oil- Company, eine ebenso große amerikanische Gesellschaft, in Mannheim Petroleum-Tanks errichten. Hoffentlich machen nicht eines schönen Tages die Amerikaner gemeinsame Sache miteinander!
X In Berlin war in diesen Tagen der 7. deutsche Schußmacher-Mervandstag versammelt. Derselbe beansprucht insofern allgemeines Interesse, als auch er sich in einem einst i rnmig gefaßten Beschlüsse für Zwangsinnungen ausgesprochen hat. Der Verbandstag empfiehlt in seinem Beschlüsse sämmt- lichen deutschen Schuhmacherinnungen, allerorts Gebrauch zu machen von der durch das Gesetz gegebenen Möglichkeit, Zwangsinnungen einzu- führen, um dadurch das Lehrlingswesen zu ordnen, die Hebung der Standesehre zu fördern und auch die noch ausstehenden Forderungen zu erreichen. Der Antrag, der diesem Beschlüsse zu Grunde liegt, stammt vom Obermeister Figge aus Köln.
Es flirrte und flimmerte ihr vor den Augen, es hämmerte ihr in den Schläfen, sie war wirklich recht leidend. Mit einem Gefühle unsäglicher Schlaffheit stand sie auf, löste den reichen Haarschmuck, holte das Fläschchen mit Franzbranntwein vom Toilettentische, rieb sich damit Stirne und Schläfen ein und warf sich auf ihr Lager.
„Wenn Papa nur nicht mit einem solchen Haß gegen alles Militärische erfüllt wäre, ich glaube, ich sagte es ihm doch, wie dumm es auch ist," sagte sie halblaut. „Weich' eine Erleichterung müßte das fein, sich aussprechen zu können! Aber so ... . nein, ich bringe es nicht über's Herz. . . Woher mag das nur kommen, daß Papa so ist? Ich darf ihn ja nicht fragen. Ich darf den Gegenstand gar nicht berühren."
Sie hatteihre beiden Hände zusammengefaltet unter die Wange gelegt, die dunkel bewimperten Lider senkten sich tiefer und tiefer — noch bewegten sich die Sippen, als wollten sie flüstern, und schon hatte ein erquickender Schlummer sie umfangen, Kopf und Herz ruhten aus.
Em süßer Friede schwebte durch das kleine Stübchen, wo alles so sauber, so zierlich war, alles so von Reinheit und Kinder-Unschuld sprach, wie die zierliche Gestalt der blonden Schläferin selber. Blaue Kornblumen auf weißem Grunde — das war so einfach und doch so allerliebst, das war wie geschaffen für die jugendliche Bewohnerin dieses Zimmers, auf welche das große Bild der Gottesmutter, welches zu Haupten des Bettes hing, mit inniger Liebe herab zu blicken schien.
Mittlerweile saßen die beiden Alten beim Schachbrett; doch es schien ein längerer Waffen-
45. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Krefeld.
Krefeld, 19. Juli.
Gestern Abend 6 Uhr fand im großen Saale der „Erholung" eine Versammlung des gesummten Lo kalkomitees des Katholikentages statt, zu der der Kommissar der Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands, Se. Durchlaucht Fürst Karl zu Löwenstein angefagt war. Die Versammlung war sehr gut besucht. Leider war der Fürst durch Krankheit zurückgehalten und so erschien als Vertreter sein Sohn, der Erbprinz zu Löwenstein. Den Hauptgegenstand der Berathung bildete das provisorisch aufgestellte offizielle Programm für die Tagung der Generalversammlung. Dasselbe wurde in allen seinen Einzelheiten durchgenommen und fand durchweg die Zustimmung der Versammlung. Nach der Mittheilung des Vorsitzenden, Herrn Stadtverordneten Dr. med Urfeg, sind die Vorarbeiten in den einzelnen Kommissionen in erfreulichster Weise vorangeschritten, so daß ein tadelloses Funktioniren des großen Organismus mit aller Sicherheit erwartet werden kann. Die Verhandlungen bezüglich des Präsidiums versprechen ehestens zu einem glücklichen Resultat zu führen, auch die Rednerliste ist beinahe ganz vollständig. Die große Festhalle ist entiprechend dem ursprünglichen Plane noch vergrößert worden. Sie mißt jetzt 46 Meter im Durchmesser, das sind über 150 Fuß. Mehr als 6000 Personen werden in der Halle bequem Platz finden können. — Der Erbprinz zu Löwenstein, der sich nach Schluß der geschäftsordnungsmäßigen Verhandlungen das Wort erbat, begrüßte das Lokalkomitee herzlichst auch seitens seines Vaters und gab seiner hohen Befriedigung darüber Ausdruck, daß die Vorarbeiten auf allen Gebieten schon so weit gediehen sind. Der Erbprinz hat das im Bau begriffene Festlokal, den Festplatz und die übrigen für die Verhandlungen der Tagung bestimmten Lokalitäten besichtigt und sich durch eigenen Augenschein davon überzeugt, daß Alles auf's Trefflichste vorbereitet ist, ja daß, wie er unumwunden anerkannte, das Lokalkomitee bisher geradezu Erstaunliches geleistet habe. Der Redner toastete schließlich auf das Lokalkomitee und das Gedeihen des großen Werkes, für dessen Gelingen alle mit gleicher Begeisterung und That- kraft einstehen. Herr Pfarrer Groß von Osterath brachte auf den Erbprinzen ein donnerndes Hoch ans, in welches die Versammlung kräftig ein- ftimmte. Damit hatte die Sitzung ihr Ende erreicht, und der Vorsitzende konnte dieselbe mit warmen Worten des Dankes an die Erschienenen und mit dem Ausdruck der Hoffnung auf eine gedeihliche Vollendung der schweren und Opfer heischenden Arbeiten schließen.
Der Krefelder katholische Arbeiter- Verein Unitas setzte am Sonntag in einer Generalversammlung das Programm fest für einen bei Gelegenheit der Katholikenversammlung am Sonntag, 21. August zu veranstaltenden Festzug mit einer anschließenden großen Arbeiterver- sammlung. Der Präses Pfarrer Dr. Thy- wissen bemerkte, es sei eine starke Betheiligung, besonders aus dem Bergarbeiterrevier zu erwarten.
stillstand eingetreten zu fein, denn die Hände der beiden Gegner verharrten in unthätiger Ruhe.
Sie sahen sich an, lange und schweigend. Ernst Mahlfeld hatte dem ehrwürdigen Geistlichen, dem langjährigen treuen Freunde, feine Sorgen nicht verhehlt.
„Nur Gottoertrauen und die Augen offen, mein Freund", tröstete ihn dieser. „Und nicht mit Gewalt durchdringen wollen; solch' ein zartes Herzchen will zart angefaßt fein. Wenn Sie das Bedürfniß nach dem heiligen Buß-Sakramente in ihr rege machen könnten! Die Beichte hat schon manchem auf den rechten Pfad verhalfen."
Der bekümmerte Vater entgegnete nichts, er schob nur mit einem Achselzucken auf's neue seine Königin vor ünd eröffnete die Schlacht.
* ♦ *
Mira war ganz frisch und wohlauf vom Schlafe erwacht, und als es kühler geworden war und die scheidende Sonne bereits mit purpurnem Glanze die bewaldeten östlichen Bergrücken übermalte und in jedem Fenster des hoch gelegenen Hänschens ein freundliches Feuer anzündete, gingen Vater und Tochter ins Freie, um am Ufer des See's in der frischen Luft sich zu ergehen. Mira war heiter und gesprächig, und dadurch wurde ihr Vater es auch. Dec schöne milde Abend that ihnen beiden wohl. Der Weg, den sie gewählt hatten, war ziemlich einsam, denn Ernst Mahlfeld scheute das Menschengewoge. Die Blicke der Fremden richteten sich meistens auf sie beide, und, sei's daß dies seinem Stelzfüße, sei's daß es seiner lieblichen goldblonden Tochter galt: es war ihm beides gleich unangenehm.