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FuUmerWZettung

M 161

JuLöcL, Dienstag, den 19. Juli 1898

25. Jahrgang.

Veravtwortlich: Für die Redaktion 3of. Sau», für Inserate 3. Parzeller in Fulda.

lichem Schmutz" hat nach einer Darstellung des „berühmten" sozialdemokratischen Genossen Ed. Bernstein in London der einstmals ebenso „berühmte und hochgeschätzte" Genosse Dr. Avekiug in London geführt. Dr. Aveling lebte, wie bekannt, in sozialdemokratischer, das heißt also wilder Ehe mit Eleanor Marx, der Tochter des alten Sozialisten­führers Marx, bis Fräulein Marx plötzlich zu allgemeiner Ueberraschung durch Gift ihrem Leben ein Ziel setzte. „Vor der Tochter des großen Karl

daß er hungrig hier am gedeckten Tische saß und Mira, seine Tochter, noch immer nicht heimgekehrt war? Das just auch nicht, denn der Hunger war ihm vergangen, aber seine Tochter stand doch mit seiner kummervollen Miene in Ver­bindung.

Was fehlte ihr? Sie war so verändert in den letzten Wochen; sie, die sonst stets mit dem Stieglitz um die Wette sang, hörte man jetzt kaum mehr. Sie war so still geworden, und wenn sie sich auch täglich noch ans Klavier setzte, so waren es doch immer nur traurige und manchmal un­verständliche Melodien, die unter ihren Fingern sich den Tasten entrangen. Warum war sie so blaß geworden, warum so wechselnd in ihren Stimmungen — sie, die nie launisch gewesen, warum manchmal so still und theilnahmslos und dann wieder voll überquellender Zärtlichkeit für ihren alten Vater, der ja in der ganzen weiten Wett mchts hatte als sie?

Ja, sie hatte etwas auf dem Herzen und ver­barg es ihm — und das war es, was ihn quälte. Er war ihr ja nicht blos Vater, er war ihr Mutter und Freundin zugleich gewesen, und in all den zwanzig Jahren, die er sie besaß, zumal seit den siebzehn Jahren, die seine Frau im Grabe ruhte, hatte er sein liebes Töchterchen ge­hegt und gepflegt, wie eine Mutter es nicht besser hätte hegen und pflegen können. Er hatte sich nie von ihr getrennt, sie war sein alles, sie war die Blume, die sein Herz erfreute, der Sonnen­schein, der es durchwärmte auf den steinigen und poesielosen Pfaden, welche das Schicksal ihn ae- sührt hatte.

Und nun war etwas Fremdes zwischen sie

geschichte des lutherischen Pastors Thümmel schreibt jetzt die nationalliberale ,Rhein.-Wests. Ztg.J „Am vorigen Samstag Mittag kommt der Fabrikbesitzer und Hauptmann der Landwehr Hermann Friedrich Klincke, die populärste Persön­lichkeit Altenas, nach Hause und findet einen Bries seiner Frau vor, in welchem sie ihm mittheilt, daß sie in den Kleff ginge, um sich zu ertränken. Sie habe nicht weiterleben können, weil sie feit 1892 verbotenen Umgang mit dem hiesigen Pastor Thümmel gepflogen habe. Außerdem habe sie dem Pastor Thümmel eine größere Summe Geld ohne Wissen ihres Mannes gegeben. Klincke hat in Folge dessen den Thümmel, der früher Reserveoffizier war, gefordert. Derselbe bestreitet aber entschieden den Umgang mit der Frau und lehnte die Forderung ab. Auf Veranlassung des Superintendenten Pickert in Iserlohn durfte Thüm­mel am Sonntag Morgen die Kanzel nicht be­steigen. Am Nachmittage wurde die Leiche der Frau Klincke geborgen und am Montag begraben. Am Montag Morgen fand unter Vorsitz des Superintendenten Pickert eine Presbytersitzung statt, infolge deren Thümmel vom Amte suspendirt und das Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet wurde. Dasselbe soll sich auch auf seine sonstigen Verhältnisse beziehen. Er soll tief in Schulden sitzen und bei vielen seiner Gemeindemitglieder Gelder ausgenommen haben, so daß auch aus diesem Grunde eine hochgradige Erbitterung gegen ihn

ganz vergessen, daß das Centrum angeblich das­selbe Tauschgeschäft mit der Flottenvorlage ge­macht haben sollte? Schon für die Bewilligung der Flottenvorlage sollte ja das Jesuitengesetz end­lich beseitigt werden — nun es damit wieder nichts ist und die Mär, daß das Centrum solche politische und religiöse Tauschgeschäfte treibe, wiederum als das sich herausgestellt hat, was sie wirklich ist, nämlich als ein altes Schwindel­stückchen der Gegner des Centrums in neuer Auflage, soll das Centrum gar das Reichstags- Wahlrecht preisgeben wollen für das Jesuiten- gefetz. Und gleichzeitig wird womöglich noch ver­sichert, das Centrum wolle das Jesuiten-Gesetz gar nicht beseitigt haben, denn gerade das sei das beste Agitationsmittel für das Centrum bei den Wahlen.

Leider paßt auf solche plumpe Erfindungen das Wörtchen, daß nichts so dumm ist, daß es nicht sein Publikum fände. Und darum sei doch auch im Ernste darauf hingewiesen, daß das Centrum groß geworden ist mit dem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechte, und daß es ihm nichts anderes als Selbstmord zumuthen heißt, wenn man ihm Gelüste andichten will, die auf die Beseitigung dieses vortrefflichen Wahlrechtes hinauslaufen. Das Centrum, das seine Größe dem Rufe als Volkspartei ver­dankt, würde sich selbst aufs fchwerste gefährden, wenn es helfen wollte an der Untergrabung dieses unseres Wahlrechtes zum Reichstage. Und nie und nimmer wird das Centrum in schnödem Tauschgeschäfte sich erschleichen wollen, was ihm und dem deutschen katholischen Volke doch endlich werden muß, wenn es noch ein Recht und eine Gerechtigkeit bei uns in Deutschland gibt. Lieber keine Jesuiten und kein Schulgesetz, als auf solche Weise erkauft!

Erscheint täglich, m Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl. gtjugsprtis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus- wär» IM. 50 Ps.

Dentsches Reich.

Berlin, 18. Juli.

* Der Kaiser ist in bestem Wohlsein Sonn­abend Nachmittag in Drontheim eingetroffen und bis Montag Nachmittag dort geblieben. Montag hat er dort den alten Dom besichtigt und ist Nachmittags auf seiner Macht „Hohen- zollern" nach Dingermulen in See gegangen.

* Nack den Mittheilungen verschiedener Fach- ilätter beabsichtigen dieTabak-undZigarren- yändler Deutschlands dem neuen Reichstag eine Wasserrpetitiorr zu unterbreiten, in der Protest dagegen erhoben werden soll, daß wäh­rend die Zigarrenhändler gezwungen seien, am Sonntag mit Ausnahme von wenigen Stunden die Läden zu schließen, in Gast- undSchank- wirthschaften den ganzen Sonntag hindurch ungehindert Tabak und Zigarren verkaufe werden dürfen.

* Nach einer offiziösen Ankündigung soll im Kultusministerium ein dem nächsten Landtag vor­zulegender Gesetzentwurf in Vorbereitung sein, der den Zweck verfolge, „einige als besonders drückend empfundene Härten des katholischen Schntregtemeuts" zu beseitigen. In dem ver­öffentlichten Entwurf ist für die preußischen Ka- tholiken von besonderem Interesse die Nr. 3, wo

<ß Das Centrum und das Wahlrecht.

Ein Berliner demokratisches Blatt hat sich einen netten Bären aufbinden lassen. Die.Volks- Zeitungs diese ist es, läßt sich „von einem Ge­währsmanns versichern", das Centrum „sei bereit, das geheime Wahlrecht beseitigen zu helfen". Und wahrscheinlich werden nun, wie das so zu gehen pflegt, eine ganze Reihe anderer Blätter diese hochbedeutsame Enthüllung des Gewährsmannes der Berliner ,Volks-Zeitung' nachdrucken. Als Lohn dafür, daß das Centrum zur Abschaffung des geheimen Reichstags-Wahl- rechtes beitragen wolle, verlange es die Auf­hebung des Jesuitengesetzes und in Preußen die Einführung eines Schul­gesetzes nach dem Muster des frühern Ent­wurfes des Grafen von Zedlitz-Trützschler, aber der „Gewährsmann" des Berliner Demokraten­blattes hat noch intimere Einblicke gethan in die tiefsten Tiefen des Centrumsberzens. Er verräth nämlich weiter, daß „das Centrum gar nicht fürchtet, dadurch Mandate zu verlieren. Vielleicht werde es durch die Freigabe des ge­heimen Wahlrechtes die Zahl feiner Sitze im Reichstage noch vermehren

Aber es kommt noch besser. Der „Gewährs­mann der ,Volks-Ztg/ weiß noch mehr. Er meint, das Centrum spekulire darauf, bei offener Stimmabgabe in den Wahlen zum Reichstage am Oberrhein und -Niederrhein und in Ober­schlesien und noch anderwärts „die unum­schränkte Beherrschung der Wahlen durch die Ortspfarrer" zu erreichen und somit „die zum Theil dringliche Gefahr der Ver­luste durch die Sozialdemokratie abzuwenden". Aber es möge genug sein des grausamen Spiels — die Geduld des Lesers sei nicht noch länger auf die Folter gespannt durch die Wiedergabe dieses Blödsinns. Auch würde dadurch dem so­genannten „Gewährsmanne" der Berliner ,Volks- Zeitung' viel mehr Ehre angethan, als er oeeuent. Aber es ist doch zum Verwundern, wie eine Zeitung gerade jetzt mit solchem Unsinn her­treten kann, gerade jetzt unmittelbar nach den­jenigen Reichstagswahlen, die zum Theil be­herrscht waren von der Parole: „Erhaltet das Wahlrecht zum Reichstage", und zwar von einer Parole, die aus den Reihen des Centrums selbst heroorgegangen war. Derlei muthet an, als erwache jemand nach langer, langer Zeit aus festem, ahnungslosem Dornröschenschlafs, und als habe nun dieser Jemand durchaus keine Vor­stellung von allem, was während der Zeit seines Schlafes sich zugetragen hat.

Der ganze Streit zwischen den Konserva­tiven und der Regierungspresse auf der einen und der Centrumspresse auf der an­dern Seite um die Gefährdung des unver­änderten Fortbestehens des Reichstags- Wahlrechtes ist vergessen, und es siegt die Hundstags - Phantasie mit der ungeheuerlichen Wahnvorstellung, das Centrum wolle die geheime Stimmabgabe verkaufen um die Aufhebung des Jesuitengesetzes und eine neue Auflage des Zed- litz'schen Schulgesetzes in Preußen!

Beides würde natürlich dem Centrum durch- aus willkommen sein. Aber hat man denn

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„Verzeih'mir, Papa, daß ich Dich habe warten lassen," sagte sie und küßte ihm die Hand und legte ihre heiße Wange an die seine. „Es ist so schwül draußen, und ich war so müde. Als ich

I merkte, daß es schon so spät war, bin ich freilich schneller gegangen, aber ich konnte die Zeit doch nicht mehr einbringen. Der Weg zum Schlößchen ist doch recht weit."

Mit diesen Worten legte sie Hut, Handschuhs und Sonnenschirm auf einen Stuhl und schenkte sich ein Glas Wasser ein, das sie mit großen, durstigen Zügen austrank.

Mit nachdenklichen Blicken sah der Vater zu ihr hinüber.

Sie bemerkte es. „Warum schaust Du mich so sonderbar an, Papa?" fragte sie lächelnd.

„Du gefällst mir nicht. Du machst mir Sorge."

Sie wurde roth, und ohne etwas zu erwidern begann sie die Suppe, welch: die Magd mittler­weile hereingebracht hatte, auszulöffeln. Stumm aßen beide ihren Teller leer.

Mira, welche zuerst damit fertig war, that sich Gewalt an und begann: „Die Damen vom Schlößchen haben selbst eingesehen, daß der Weg um die Mittagszeit sehr ermüdend für mich fein müsse und ersuchten mich, morgen und so lange die heiße Witterung anhalten würde, um 10 Uhr die Stunde zu beginnen. Das wird besser sein, meinst Du nicht auch?"

Er zuckte mit den Achseln.

„Was ist Dir, Papa?" fragt nun Mira, der das Weinen bereits in der Kehle steckte. „Zür­nest Du mir so sehr, daß ich zu spät zum Essen gekommen bin?"

ti „Ein ausschweifendes Leben voll von sitt- getreten, und sie verbarg es ihm — er konnte nicht wie bisher in ihrem Herzen lesen wie in einem offenen Buche. Was mochte es sein? Sollte jemand ihr Herz bethört haben? Unwill­kürlich griff er mit der Hand an die Seite, als wenn dort noch ein Säbel hinge. Doch der hing seit zweiundzwanzig Jahren in der dunkelsten Ecke des Schrankes und wurde seitdem nicht mehr umgeschnallt, und die glänzende Uniform hing ebenfalls dort, und nur ganz vereinzelt, nur wenn ihr Besitzer für den ganzen Vor- und Nachmittag vom Hause abwesend war, wurde sie hervorgeholt und in die Sonne gehängt und ausgeklopft, damit die Motten sie nicht zerfraßen.

Ja, einst stand auf seiner Karte: „Ernst Ritter Felding von Mahlfeld, k. k. Oberlieutenant", jetzt war ganz einfach: „Ernst Mahlfeld, Zeichenlehrer" darauf zu lesen. Als solcher lebte er die ganze Zeit über hier in der Heimath seiner Frau, und das, was er so verdiente, genügte int Verein mit seinem Offiziers-Ruhegehalt, um sich und sein Kind zu ernähren und seinem Liebling eine gute Erziehung und Ausbildung zukommen zu lassen. Seil vier Jahren unterstützte ihn Mira in der Sorge um's tägliche Brod durch Ertheilen von Gesang- und Klavierstunden, und während der schönen Jahreszeit, welche viele Sommer- und Kurgäste in jener herrlichen Gegend versammelte, war sie fast den ganzen Tag über beschäftigt.

Da kam sie endlich herein, das liebe Gesicht von der Hitze und vom schnellen Gehen geröthet. Der Stieglitz in seinem Bauer schmetterte einen Willkommgruß ihr entgegen, als freue er sich, daß le da sei, und daß das traurige Gesicht seines Herrn sich nun sicherlich erhellen würde.

Eine alte Ehreasihald.

Novellette von M. von Radkersberg-Radnicki.

(Nachdruck verboten.)

1.

Ernst Mahlfeld saß, d>.< Kopf in die Hand gestützt, in der Ecke seines lederüberzogenen Sophas und kaute an den Spitzen seines langen, bereits ergrauenden Schnurrbartes.

Lachend schaute die warme Juni-Sonne durch die Spalte, welche die zusammengezogenen rothen Vorhänge ihr freigeloffen, ins Zimmer hinein und übergoß mit purpurnem Schein die beiden Oelgemälde an der Wand, welche den Bewohner als schmucken Oberlieutenant und seine verstorbene 8wu — damals seine Braut — im ganzen ^tebreiz ihrer achtzehn Jahre darstellten. Der Stieglitz in seinem Bauer schaute mit seinen ttugen Augen fragend auf seinen sonst so heitern, Itets beschäftigten Herrn, der nun so unthätig und mißmuthlg dort in der Sopha-Ecke saß.

Was mochte ihm nur fehlen? Freilich, ein Blick in sein Gesicht, in das die Zeit tiefe Runen gegraben; auf feinen Rock, der in nichts an den eleganten Offizier, der dort von der Wand her­niederschaute, erinnerte; auf den Stelzfuß, der seitwärts unter dem Tische hervorschaute, verrieth gleich, daß der Mann nicht zu den wenigen glück­lichen Sterblichen gehörte, die heiter und sorg­los durchs Leben gehen durften, sondern daß er viele Schicksalsschläge hinter sich hatte — doch das war es ja nicht, das war ja bereits über­wunden.

Was war es bann? Vielleicht bloß dies,

1 es heißt: „Die bürgerlichen Gemeinden, in denen ein Theil der Einwohner zu einer besonderen konfessionell en Schulgemeinde vereinigt ist, haben nach ihrer Wahl entweder diese Ein­wohner bei der Umlegung der Schullasten frei« zulassen, oder die von ihnen „an die besondere Schulgemeinde zu leistenden Beiträge auf den Gemeindehaushalt zu übernehmen". Hiermit soll endlich einem für Katholiken, die in großen protestantischen Gemeinden kleine Minder- .... v... ........ „„ v„

Aiten bilden und katholische Schulen auf eigene Marx eröffnete sich ein moralischer Abgrund", so !tt>sten unterhalten, unerträglichen Zustande, einer schreibt Herr Bernstein. Sie empfand Abscheu schreienden Ungerechtigkeit, ein Ende gemacht vor ihrem „Gatten" Aveling. „Später aber"__

werden. Jahr für Jahr wurden int Abgeord- so schildert Herr Bernstein weiter - „siegte bei netenhause bet Berathung des Unterrichtsetats Eleanor Marx in dem Kampfe zwischen dem neu d^ Centrums Fälle angeführt, in denen aufsteigenden Gefühl des Abscheus und dem alt- Katholtken, die tn Diasporagemeinden mit schweren gewohnten Gefühl des Mitleids das letztere" bis Opfern eigene Schulen gegründet und unterhalten Herr Dr. Aveling „als vollendeter Schuft auf­hatten, von den protestantischen Gemeindeverwal- trat" und Fräulein Marx nach vierzehnjähriger tungen auch noch zur Deckung der protestantischen „Ehe" „in den Tod trieb . . ." Also Jahre lang Schullasten mit herangezogen wurden, während haben die Herren Genossen das wüste Treiben ihnen für ihre Schulen seitens der betr. Gemeinden ruhig mit angesehen, Jahre lang haben sie den kein Pfennig Beitrag geleistet wurde. Die Re- „moralischen Abgrund" gekannt, in den Herr Dr. gierung entschuldigte sich dann immer damit, daß Aveling versunken war, und dennoch haben sie sie die Gemeinden gesetzlich nicht dazu zwingen diesen letzteren fort und fort als „ehrenwerthen" ko»"?. Nunmehr also soll endlich auf dem Wege und „berühmten" Genossen hingestellt und gefeiert, des Gesetzes Abhilfe geschafft werden. Daß die Dafür gibt es nur zwei Erklärungen. Entweder Harten auch ohne gesetzliche Regelung hätten be- die Herren Genossen haben nicht mehr das selttgt werden können, zeigen die katholischen Ge- leisesteGefühlfür„moralischeAbgründe" melndeverwattungen, wo protestantische Minder- — oder aber sie treiben eine ganz erbärmliche Helten besondere Schulen hatten, die stets alsbald Heuchelei, indem sie einen Mann äußerlich und aus den Gememdehaushalt übernommen wurden, öffentlich feiern und rühmen, von dem sie inner« Sa r* lAer Lotcf)en Toleranz aber vermögen prote- lich und im geheimen ganz genau wissen, daß er stantische Gemeindeverwaltungen nicht sich zu er- ein „vollendeter Schuft" ist. Welche von beiden schwingen; die müssen erst durch Gesetz dazu ge- Erklärungen die Herren Genossen vorziehen, über« ^werben. lassen wir ihnen. Eine dritte Erklärung gibt es

* Aus einem süddeutschen Blatte war in nicht.

die deutsche Presse die Meldung übergegangen, * Attetta, 18. Juli, lieber die Skandal- daß Rußland gegen deutsche Einfuhr- ' '

Artikel mit neuen und erhöhten Zollsätzen eine Art Garifkrieg begonnen fyabe. Dies sollte eine Vergeltung fein für die Schwierigkeiten, die man neuerdings in Deutschland zur Verhütung der weiteren Einschlepvung der Geflügel-Cholera der russischen Gänse-Einfuhr macht. Eine halb­amtliche Kundgebung bezeichnet diese Meldung als „zum mindesten verfrüht". Dieselbe halb- amtliche Mittheilung fügt aber gleichzeitig hinzu, daß man sich in Rußland in der That durch die deutschen Maßregeln gegen die Einfuhr russischer Gänse „beschwert" fühle und gewisse Vergeltungs- Maßregeln in Aussicht genommen habe. Es schweben nunmehr zwischen den zuständigen Stellen in Deutschland und Rußland Verhandlungen, und es ist nach der offiziösen Meldung „nicht ausge­schlossen, daß diese Verhandlungen ein beiderseitig befriedigendes Ergebniß haben werden". Der Ausdruck „nicht ausgeschlossen" klingt recht matt, so _ daß man vielleicht dadurch vorbereitet wird auf wirkliche Vergeltungs-Maßregeln Rußlands.

Es würde aber sicherlich über das Ziel hinaus­geschossen sein, wenn man nun daraus auf die Wirklichkeit eines Zollkrieges zwischen Deutschland und Rußland in aller Form schließen wollte. Die deutschen Maßregeln gegenüber der russischen Gänse Einfuhr sind gerechtfertigt und sogar noth- wendig.

mit Zlnlerhaltungs-Meitage „Ifluflrirte Sonntags-Ieitung"