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FuldaerMIeitmm

verantwortlich: Für die Redaktion Jof. Sauet, fär Inserate I. parzeller in Fulda.

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mit Unterhattungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!'

JE 159.

JuLöcr, Samstag, den 16. Juli 1898

25. Jahrgang.

nicht versagen, welches der Hund mit einem sachten

Der Kairchrrdner.

Aus dem Italienischen.

In beiden Fällen bezahlte Orazio keine Strafe, weil die spitzbübische Bestie nach vollbrachtem Verbrechen sich das Ansehen eines obdachlosen Thieres zu geben wußte. Orazio konnte daher beinahe mit gutem Gewissen sagen, daß der Hund

9ar nicht gehörte. Der Hund antwortete natürlich nicht auf die ihm vorgelegten Fragen.

Als Orazio seinem Hektor ein Kindersteckktssen vor die Nase hielt nebst einem Kautschuckkopfe, der das rosigste, süßeste Kindergesicht darstellte, das die Welt je gesehen hat, schien der Hund sofort den Scherz zu verstehen, denn ein leichtes Zucken mit seiner Schnauze, das die Zähne ent­hüllte, sollte jedenfalls ein Lächeln ausdrücken. Orazio steckte also den Hund in das Steckkissen, den Kopf in den Kautschuckkopf, setzte diesem eine reizende bänderreiche Haube auf und stieg mit

Hektor war ein sehr intelligentes und ruhiges Thier, das den Haß seines Herrn gegen Steuer­beamte aller Art theilte; einmal fraß er die Wade eines Gerichtsdieners halb auf, das ander­mal entriß er einem Kassirer einen Hundertlire- schein und verschlang ihn, ohne erst weiter daran zu kauen.

nicht nur in der Presse, sondern auch in der Kammer : weiter erörtert wird. Der letztern lag gleich schon wieder am Dienstag eine neue Interpellation über die Angelegenheit vor; sie wurde auf Antrag des Kriegs­ministers allerdings auf einen Monat vertagt, aber aus der Welt geschafft ist damit die Sache nicht, und wer weiß, wie viele Ministerien noch darüber stürzen werden, wenn nicht vorher der Kapitän Dreyfus in der Gefangenschaft stirbt, oder — freigelassen wird.

Das neue italienische Ministerium Pelloux ist vorläufig allen parlamentarischen Schwierigkeiten ent­hoben und hat nunmehr Zeit und Gelegenheit, zu zeigen, ob ihm gelingt, was seine Vorgänger vergeb­lich erstrebten: die Hebung des herrschenden Noth- standes, die Heilung der schweren sozialen Schäden und die Beruhigung des Landes. Ohne Prophet zu sein, kann man zuversichtlich sagen, daß auch das neue Kabinet sehr bald vor der trostlosen Wahrheit stehen wird, daß dem neu-italienischen Königreiche auf die Dauer nicht zu helfen ist, so lange nicht die Ursachen der schlimmen Lage beseitigt sind: das auf dem Raub am Patrimonium Petri beruhende revolutionäre System. Kammer und Senat haben sich auf unbestimmte Zeit, das heißt, bis zum nächsten Herbst vertagt, nachdem sie das vom Ministerium eingebrachte Ausnahmegesetz, die Vorlage „betreffend die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung erforderlichen Maßnahmen", an­genommen hatten. Mit Ausnahmegesetzen aber wird man in Italien politischer Bewegungen noch weniger Herr, als anderswo.

Die Lage Spaniens auf Cuba ist nach der Ver­nichtung der Flotte des Admirals Cervera bei Santiago recht schlimm geworden, und in Erkenntniß dieser ver­zweifelten Sachlage beginnt auch in Spanien selbst die Ueberzeugung sich Bahn zu brechen, daß es nutzlos sein würde, einen immer aussichtsloser werdenden Krieg noch weiter zu führen, nutzlos Menschen hinschlachten und das Land so völlig sich erschöpfen zu lassen, daß es später vielleicht gar nicht mehr sich erholen kann. Die Uebermacht der Amerikaner ist zu groß, als daß Spanien noch längere Zeit sich ihr widersetzen könnte. Es ist gewiß schmerzlich und bitter für Spanien, jetzt, nachdem es die furchtbaren Opfer gebracht hat, einen schimpflichen Frieden schließen zu sollen. Allein die harte Nothwendigkeit wird es schließlich doch dazu zwingen. Wie verlautet, sollen die Amerikaner außer einer Kriegsentschädigung von 250 Millionen Dollars (1000 Millionen Mark) die Abtretung von Cuba und Portoriko verlangen. Als Sicherstellung sollen die Philippinen bis zur vollen Befriedigung dieser Forder­ungen dienen. Bescheidenheit hat noch Niemand den Amerikanern nachgeredet, aber, was sie hier fordern, dürfte doch selbst über das hinausgehen, was man ihnen zugetraut hat. Es kann daher auch nicht auf­fallen, daß, wie berichtet wird, das Bekanntwerden dieser Forderungen in Spanien Helle Entrüstung her­vorgerufen hat. Und doch, was will man machen, wenn nicht Andere sich in's Mittel legen! Darauf aber ist jetzt weniger Aussicht, als jemals. Die Be­schießung von Santiago durch die Amerikaner hat am Sonntag wieder begonnen und die weitere Einschließung der Festung zur Folge gehabt, deren Fall man von Tag zu Tag erwartet. Nach den letzten Meldungen wäre auf der Festung die weiße Parlamentärflagge aufgezogen worden, ein Zeichen, daß der Kommandant in Unterhandlungen wegen Uebergabe eintreten wolle. In Verbindung damit treten auch Gerüchte von Friedensunterhandlungen auf, die eingeleitet sein sollen. Ob es wahr ist, dies Gerücht, wird sich wohl bald Herausstellen. Daß es den Amerikanern auch am liebsten sein würde, wenn der Krieg bald ein Ende fände, unterliegt gar keinem Zweifel, denn auch sie haben längst eingesehen, daß selbst ein glücklicher, sieg­reicher Krieg einein Lande keinen Vortheil bringt und die furchtbaren Verluste, die sie beim Vordringen gegen ' Santiago erlitten, haben die Kriegsbegeisterung in den

Hunde 60 Kilometer auf der Eisenbahn zurück­legen mußte, dachte er natürlich darüber nach, wie er es anstellen sollte, um seinen Hund mit hineinnehmen zu können, ohne ein Billet für ihn zu lösen.

in sein Koupee. Er befand sich allein in ihm. ' Als sich der Zug in Bewegung setzte, konnte

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 16. Juli.

Die Ferien haben begonnen, auch die der Minister und der sonstigen Staatsmänner, und damit ist die Politik, wenigstens die innere deutsche Politik, in das Stadium der Ruhe eingetreten. Das sollte eigentlich der normale Zustand sein, denn wenn die Politik ruht, haben auch die Völker Ruhe, der Kampf der Mei- nungen, der soviel Unruhe und Austegung in das öffentliche Leben trägt, verstummt mehr und mehr, die Menschheit beschäftigt sich mehr mit ihren eigenen, persönlichen Angelegenheiten, die im Getriebe des poli­tischen Kampfes entweder stiefmütterlich behandelt oder gar ganz vergessen werden, kurzum: man möchte schon wünschen, daß auf dem politischen Gebiete immer Ferien herrschten; das öffentliche allgemeine Wohl käme dabei nicht zu kurz. Für uns im engeren preu­ßischen Vaterlande kommt die Ruhepause doppelt er­wünscht, denn auf die Reichstagswahlen folgen hier im Herbste die Landtagswahlen. Obschon sie erst nach. stark einem Vierteljahre stattfinden werden, werfen sie doch bereits ihre Schatten voraus, rufen schon Auseinandersetzungen in der Presse und zwischen den Parteien hervor; und wenn die Agitation zu diesen, bekanntlich auf Grund des „schlechtesten aller Wahlsysteme", des Dreiklassensystems, erfolgenden Wahlen auch nicht den Grad der Aufregung hervor­ruft, wie die Volkswahl zum Reichstag, so schließt das doch nicht aus, daß recht hitzige Debatten darüber in der Presse entstehen. Und fast wären wir auf dem rechten Wege dazu.

Da nämlich dem neuen preußischen Landtage ein­zelne recht wichtige Gesetzesvorlagen zugehen werden, welche die politischen Rechte der Staatsbürger sehr nahe berühren — wir erwähnen nur die Aenderung des herrschenden, ganz kapitalistisch zugeschnittenen Ge­meinde-Wahlrechtes und eine unbedingt nothwendige Regelung des Äereinsrechts, die im vorigen Jahre zu der bekannten, berüchtigten, vom Landtag glücklicher­weise mit geringer Mehrheit abgelehnten Vorlage sührte — so trachten die einzelnen Parteien darnach, diesen Aufgaben gegenüber möglichst stark und gefestigt gegen­über zu stehen, um bei der Berathung jener Vorlagen ihren Einfluß um so wirksamer geltend machen zu können. Das hat in einzelnen Parteiorganen zu Vor- schlagen von Vereinigungen einzelner in ihren poli­tischen Anschauungen einander näher stehenden Par­teien zwecks gegenseitiger Unterstützung bei den Land­tagswahlen geführt. Diese neue Art Sammlungs­politik zeitigt aber sonderbare Blüthen. So hatte ein freikonservatives Blatt den sonderbaren Einfall, den Nationalliberalen zuzumuthen, nicht Kandidaten ihrer Partei zu wählen, sondern steikonservative, damit eine konservative Mehrheit zu Stande komme, die dann volksfeindliche Gesetze nach Belieben machen könnte. Die so niedrig taxirten NatioEberalen haben sich nun über diese Hundstags-Zumuthung arg entrüstet und als Antwort darauf eine „Vereinigung aller liberalen Parteien" in Anregung gebracht, um alle reaktionären Pläne abwehrcn zu können. Wir glauben, daß aus beiden Projekten nicht viel wird, weil „die feindlichen Brüder" dafür unter sich zu uneinig sind, insofern können wir vom Centrum auch diesen neuen ,,Sammlungs"-Versuchen mit großer Gemüthsruhe zu- sehen. Allerdings müssen wir sie an sich im Auge behalten, denn jede „Sammlung", mag sie von Rechts oder von Links ausgehen, wird in ihrem letzten Ziel und Ende immer gegen das Centrum gerichtet sein,

die Maske ab, um ihm Luft zu verschaffen. Er mußte ihm jedoch schnell wieder den Kopf auf­setzen, denn außerhalb erschien plötzlich ein Schatten, der des Schaffners. Gleich darauf steckte dieser in Person seinen Kopf durch das Fenster, faßte grüßend an die Mütze und fragte mit dem üb­lichen theilnamlosen Tone nach der Fahrkarte.

Orazio reichte ihm dieselbe mit der freund­lichsten Miene, als plötzlich das süße Kind, wahr­scheinlich beunruhigt durch den Ton dieser neuen Stimme und im Unklaren darüber, um was es sich handelte, ein deutliches Wau! Wau! hören

Orazio erbleichte, während der Schaffner in die Höhe schnellte.

„Sie haben einen Hund!" rief er und blickte in allen Ecken des Koupees.

„Einen Hund? Sie scherzen," antwortete Orazio lachend und gab heimlich seinem Hektor einen freundschaftlichen Rippenstoß; er wußte wirklich im Augenblicke nicht, wie er sich aus der Verlegenheit ziehen sollte. Hektor jedoch spürte die Gegenwart des nachforschenden Schaffners noch immer und fuhr fort, mit verstärkter Energie zu blaffen.

„Hören Sie," sagte schließlich Orazio geheim- nißvoll, „ich will Ihnen im Vertrauen etwas sagen, aber machen Sie keinen Gebrauch davon: der Hund bin ich selbst."

„Sie?"

„Ja, ich bin nämlich Bauchredner. Passen Sie auf!"

Und während Hektor knurrte und bellte, ahmte Orazio mit dent Munde die Maulbewegungen eines bellenden Hundes nach.

„Das ist merkwürdig," meinte der erstaunte Schaffner, dessen Gesicht sich aufgehellt hatte. Er betrachtete Orazio jetzt mit einem ganz be­sonderem Wohlwollen. Er ging und Hektor schickte ihm noch ein letztes Wau! Wau! nach. Während er an dem Wagen entlang kletterte, hörte man ihn noch einmal sagen: „Wirklich, wie ein Hund!"

Orazio athmete auf, befreite den Kopf seines Hundes und gab ihm ein paar tüchtige Ohrfeigen als Belohnung für den Verdruß, den Hektor ihm bereitet hat.

Der Schaffner aber hatte es nicht übers Herz bringen können, von dem Vorfälle zu schweigen. Bei der nächsten Haltestelle öffnete sich die Thür und davor standen der Zugführer mit dem be­wußten Schaffner.

„Das ist der betreffende Herr, der mit seinem Bauche einen Hund bellen lassen kann."

„Lassen Sie mich das auch hören," bat der Zugführer lachend.

Diesmal jedoch wollte Hektor durchaus keinen Ton von sich geben. Orazio mußte also wohl oder übel das Bellen selbst vornehmen. Hektor hatte jedoch kaum die Stimme eines Hundekollegen vernommen, als er höchst beleidigt eine ganze Folge von gurgelnden, heulenden Tönen ver­nehmen ließ.

Der Zugführer und der Schaffner hielten sich die Seiten vor Lachen, während jetzt Orazio die Muskeln feines Gesichtes krampfhaft nach allen Richtungen riß. Er konnte schon nicht mehr, als sich der Zug zu seinem Glücke in Bewegung setzte.

I dieses zu schwächen suchen, das allen gegnerischen Par- teien ein Dorn im Auge ist. Deshalb muß, auch wie bei den Reichstagswahlen, so auch bei den Landtags­wahlen unser ganzes Sinnen und Trachten darauf ge­richtet sein, ein möglichst starkes, zahlreiches Centrum in die neue Kammer zu entsenden und nur unter dem Gesichtspunkt unserer eigenen Interessen andere Par­teien bei diesen Wahlen zu unterstützen, d. h. nur die­jenigen, die uns am wenigsten schaden, resp. am meisten nützen können.

In den letzten Tagen haben die katholischen Blätter den Aufruf zu der in den Tagen vom 21. bis 25. August in Krefeld stattfindenden 45. Generalversamm­lung der Katholiken Deutschlands veröffentlicht, die sich, wie ihre Vorgängerinnen, zu einer großen Heer­schau der gläubigen deutschen Katholiken gestalten und diesmal sicher auch eine ansehnliche Anzahl Gäste aus dem nahen Holland anziehen wird, unter dessen Ka­tholiken bekanntlich ein sehr reges Leben herrscht. Während der Wahlbewegung war die bevorstehende Generalversammlung und deren öffentliche Behandlung etwas in den Hintergrund getreten. Das wird von jetzt ab bis zum Tagungstermin sich ändern; die wichtige Angelegenheit wird nunmehr in den Centrums- blättcrn in den Vordergrund ihrer Erörterungen ge­rückt und damit das Interesse für dieselbe rege erhalten.

Wie in den vorhergegangenen Jahren, so macht der Kaiser auch heuer eine sogenannte Nordlandreise, nach Schweden und Norwegen; dieselbe wird einen Monat dauern. Er hat sie anfangs voriger Woche angetreten, bisher aber meistens schlechtes Wetter gehabt.

In Oesterreich beherrscht auch nach der Vertagung des Reichsraths der Sprachen st reit die öffentlichen Erörterungen so vollständig, daß fast von nichts An­derem gesprochen wird. Leider ist dadurch aber die Angelegenheit bisher um kein Haar weiter gebracht worden. Auch ein neues, von der Regierung ausge­arbeitetes Projekt: die Sprachenfrage zu lösen, ver­spricht keinen Erfolg, denn die Vertreter der deutschen Parteien verlangen immer wieder als Vorbedingung einer Vereinbarung die Aufhebung der unglückseligen Badeni'schen Sprachenverordnungen. Wenn diese nicht erst erfolge, würden sie sich aus keinerlei Verhand­lungen einlassen. So bewegt sich die Frage, die schließlich das österreichische Staatsgefüge zu sprengen droht, fortgesetzt in einem bösen Kreise. Dem Fern­stehenden erscheint es ganz unverständlich, daß die Re- S’xung das der Anbahnung friedlicher Zustände im ege stehende Hinderniß der Badeni'schen Sprachen­verordnungen einzig aus Rücksicht auf die Tschechen nicht aus dem Wege räumt. Mit diesem slavischen Volksstamm allein kann sie den österreichischen Länder­staat weit weniger zusammenhalten, als mit den Deutschen, unter denen allerdings sich Elemente be­finden, deren jeder anständige Mensch sich schämen muß. Umso mehr sollten alle wahren Vaterlands­freunde aller Nationalitäten sich vereinigen, um diese Elemente vollständig kalt zu stellen, ihnen jeden Anlaß zu ihrer wüsten Hetze zu nehmen. Leider scheint man davon weiter als jemals entfernt zu sein, und immer mehr drängt sich die Frage auf, ob nicht auf politi­schem Gebiete ein Radetzki erstehen werde, um Oester­reich zu retten.

Das neue radikale französische Ministerium Brisson ist aus- der Kammerverhandlung über die Dreyfus- Frage, die nicht zur Ruhe kommen will, siegreich her­vorgegangen. Das hat es seinem bürgerlichen Kriegs­minister Cavaignac zu verdanken, welcher das Ver­trauen fast aller Parteien genießt, als ein Feind der Dreyfus-Leute gilt und eine scharfe Rede gegen die­selben hielt. Wenn er aber auch erklärte, für die Re­gierung sei der Fall Dreyfus abgethan, der Exhaupt- 1 mann sei zu Recht verurtheilt, und die Regierung : werde nicht dulden, daß man das Kriegsgericht, das : das Urtheil fällte, angreife, so konnte er damit doch ! nicht verhindern, daß der Fall Dreyfus nach wie vor, i

Orajio Renitente gehört zu den Erscheinungen, die ein gutes Theil der eigenen Glückseligkeit daran wenden, um den öffentlichen und privaten Behörden ein Schnippchen zu schlagen, nicht der Ersparniß wegen, sondern aus Genugthuung da­rüber, Nichts oder weniger zu bezahlen, als sie bezahlen müßten.

Solche Leute wie Orazio Renitente sind im Stande, die tollsten Streiche zu erfinden, um die Aufmerksamkeit der Steuerbehörden zu täuschen, einen vollen Monat Zeit mit dem Suchen einer Gratiseisenbahnfahrkarte zu verlieren, sich den demüthigsten Scenen auszusetzen, nur um kein Theaterbillet zu bezahlen und ernste Gefahr zu laufen, nur um einen kleinen verzollbaren Gegen­stand über die Grenze zu schmuggeln.

Orazio Renitente ist auch ein leidenschaftlicher ^ager, aber er fand die verwegensten Kniffe heraus, um hinter den Rücken der Flurschützen Schaaren von Wildprec zur Strecke zu bringen.

Einmal nach einer Arbeit von vier Mona.en, ging er mit einer in einen Schirm für Land­schaftsmaler verwandelten Flinte auf die Jagd. Der Stock war das Rohr; die Verschlußiheile ließen fich nach Belieben mit einem Hautsutter überziehen. Als er die Flurschützen erbüdte, _0....... ««, U.1V |tiea Hlu

spannte er seinen «schirm auf; er nahm schnell diesem sorgfältig gehüteten Baby frank und fröhlich unter ihm Platz, nachdem er zuvor noch ein in sein Koupee. Er befand sich allein in ihm Skizzenbuch und einen Beistift aus der Tasche Als sich der Zug in Bewegung setzte, konnte 9fä09*n. ®a™uf begrüßte er die Hüter sich Orazio ein helles Lachen der Befriedigung des Gesetzes mit liebenswürdigstem Lächeln. nicht versagen, welches der Hund mit einem sachten

Als L razw vor einem Monate mit seinem Knurren beantwortete. Darauf nahm er Hektor I

Vereinigten Staaten arg heruntergestimmt. So ver­einigt sich Alles in dem Wunsche nach Frieden, der hoffentlich bald und unter nicht zu entehrenden SBe» dingungen für Spanien zu Stande kommt.

Das schmählichste Ausnahmegesetz.

Ueber die Aechtung der Jesuiten im deutschen Reiche ist jetzt wieder eine Preßerör­terung im Gange. Ein Zeichen der Zeit ist es, daß sogar erklärte Kulturkämpfer nicht mehr wagen, das Gesetz in seiner wahren Natur zu verherrlichen, sondern zu allerhand Bemänte­lungen und Deuteleien greifen, um das Gesetz weniger häßlich erscheinen zu lassen. Die Herren, welche einst mit stürmischer Begeisterung das Banner der Jesuitenfrefferei vorwärts trugen, sehen sich allmählich in eine mühselige Vertheidi- gung gedrängt.

Die Entstellung der Thatsachen lassen wir uns nicht gefallen. Darum erheben wir auch Ein­spruch gegen die Ausrede der freikonservativen ,Post', das Gesetz richte sich gegen ein „System", nicht gegen „Personen". Umgekehrt liegt die Sache. Das Gesetz richtet sich ausdrücklich und ausschließlich gegen Personen. Es ist in dem Verfolgungsgesetz von nichts anderem die Rede als von Personen, nämlich in § 1 von einer bestimmten Genossenschaft von Personen und in § 2 von den Einzelpersonen, die zu dieser Genossenschaft sich zählen. Es wird kein System erwähnt, keine Handlungen oder Zwecke genannt, sondern nur eine Personengruppe namentlich bezeichnet.

Die betreffenden Personen werden auch nicht auf Grund von Handlungen oder Absichten ab- geurtheilt, sondern ohne Rücksicht auf ihr eigenes Verhalten bloß deshalb, weil sie zu der Gruppe gehören, die man verfolgen wollte.

Was für ein „System" sollte denn auch ver­folgt werden? Denkt man dabei an den sogen. „Ultramontanismus", so ist derselbe bekanntlich keine Spezialität der verfolgten Jesuiten, sondern wird von der Gesammtheit des katho­lischen Volkes getragen. Das ganze Centrum ist ultramontan; also muß man es, um folge­richtig zu bleiben, „auflösen", mit dem Verbot der Genossenschaftsthätigkeit belegen und die ein­zelnen Mitglieder der Willkür der Polizei behufs Jnternirung und Externirung überliefern. Die katholische Presse dient anerkanntermaßen dem „ultramontanen oder jesuitischen System". Wie kann man das „System" bekämpfen, wenn man nur die wenigen Jesuitenpatres aus dem Lande treibt, aber die Tausende von Leuten, welche ganz dasselbe thun wie die Verfehmten, unter dem Schutze der allgemeinen Gesetze ruhig weiter ihre „Ordensthätigkeit" betreiben läßt?

Da das Papier geduldig ist, so schreibt man kühn, das „System" der Jesuiten sei die Schür- ung der konfessionellen Zwietracht, der Kampf gegen die andere Konfession. Da auf protestan­tischer Seite dieVorurtheile sehr groß und die Kenntnisse katholischer Dinge sehr klein sind, so finden solche Redensarten vielfach Glauben. Früher wurde der Jude verbrannt, ohne daß man sich erst mit einer Beweisführung quälte; jetzt wird der Jesuit geächtet, ohne daß man ihm eine Friedensstörung nachzuweisen braucht. Das