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mit Zlnterhaltungs-ISeilage „Iffustrirke Sonntags-Zeitungs pelerszaSe Nr. 2 (Harmonie).
25. Jahrgang.
IrrLöcl, Samstag, den 16. Juli 1898
M 159.
* Kaffenärzte.
Es klingt sehr schön, wenn man in den Zeitungen liest, daß ein französischer Regie- rungskommissar nach Berlin kommt, um das deutsche Arbeiterversicherungswesen kennen zu lernen, und daß er alles dabei ganz großartig und vorzüglich findet. Natürlich! Wenn man Besuch bekommt, führt man ihn nicht in die Ecken, wo Kehricht und Abfall lagert; und im Garten führt man den Besuch dorthin, wo schöne Blumen blühen, und wenn dann der Besuch fortgeht, da ist er voll Bewunderung von alledem, was er gesehen hat; und selbst dann, wenn er es auch nicht ist, thut er doch so.
So ist es nun auch mit dem Pariser Regierungskommissar gewesen. In Berlin ist ja alles so gut eingerichtet, wie es unter den obwaltenden Umständen möglich ist. Und außerdem ist man in Frankreich noch so sehr im Rückstände, daß man anspruchslos ist in der Beur- theilung solcher Einrichtungen. Wenn man selbst von einer guten Sache noch nichts hat, bewundert man schon sehr kleine Gaben davon an anderen Orten. Aber bei uns in Deutschland selbst weiß man leider nur allzu genau, daß uns noch unendlich viel trennt von dem Zustande einer gewissen Vollkommenheit auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung. Man denke nur an die Geschichte der letzten Unfallversicherungs-Novelle. Dem Reichstage ging sie im Winter 1896/97 zu. Der Reichstag konnte die Vorlage in dieser einen Tagung nicht mehr erledigen, und — er sah sie niemals wieder! Da waren die Herren Freiherr von Stumm und einige geistesverwandte Herren gekommen, um hinter den Kulissen zu arbeiten, und die Novelle zum Unfallversicherungsgesetze verschwand auf Nimmerwiedersehen.
Jetzt haben die letzten Berichte der preußischen Gewerbe-Aufsichtsbeamten wieder einen wunden Punkt auf diesem Gebiete aufgedeckt: die Kassen-Aerzte. Nicht mehr neu ist die Klage der Fabrikinspektoren, daß sie ihre Fragen von den Kassenärzten ungenügend oder gar nicht beantwortet erhalten. Diese Klage ist vielmehr schon wiederholt erhoben worden. Aber so lebhaft wie diesmal war das noch nie geschehen; und au'* so seltsame Erklärungen wie diesmal sind von den Gewerbe- Aufsichtsbeamten noch niemals für diese höchst unliebsame Erscheinung beigebracht worden. So sucht der Gewerbe-Inspektor für den Reg.-Bez. Oppeln die Erklärung dafür darin, daß die Kassenärzte die Fragen der Gewerbe-Inspektoren nicht beantworten, um nicht dadurch auch ihrerseits zur Hebung des Gesundheitszustandes der Arbeiter beizutragen und sich gleichzeitig dadurch um einen Theil ihrer Patienten zu bringen. Dieser Argwohn ist sicherlich unbegründet. Wir machen dem Fabrik-Inspektor für Oppeln daraus gar keinen Vorwurf. Im Gegentheil: Es ist die Pflicht dieses Beamten, diese unangenehme Erscheinung scharf in's Auge zu fassen und nach
Der KapeUrrchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
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Der Arzt hatte für den kränklichen Baron möglichst viel Bewegung im Freien angeordnet. Infolgedessen kam Königsberg bei seinen Spaziergängen häufig auf den Kapellenhof; und dort hielt er sich, während Amberg seinen Geschäften nachging, oft stundenlang bei Luise und Hugos Mutter auf.
Die Einsamkeit drückte den alten Herrn schwer. Er schien seit dem Verschwinden seines Sohnes um viele Jahre älter geworden zu sein.
Aus dem häufigen Verkehr auf dem Kapellenhofe entwickelte sich nach und nach zwischen ihm und Amberg ein fast freundschaftliches Verhältniß, wozu die. Aehnlichkeit der Erlebnisse mit ihren Söhnen nicht wenig beitrug. Noch mehr als dieses stimmte den Baron zu dieser Handlungsweise seine Verehrung für die Tochter, die ihm während der schweren Tage seiner Krankheit fast wie ein höheres Wesen erschienen war. So viel Liebe, so viel Geduld und Freudigkeit in einem dornenvollen Berufe, wie bei dieser, hatte er noch niemals gefunden.
Erst kurz vor ihrem Scheiden war er durch Fniedrich von den persönlichen Verhältnissen der Schwester in Kenntniß gesetzt worden. Er hatte mit ihr über Hugo gesprochen, und als er die Thräneu gesehen hatte, die dem Schicksale des Bruders flössen, da hatte er sich im Stillen gelobt, dankbar zu sein.
Mit den Nachforschungen, die er anstellte.
bestem Wissen und Gewissen auch nach ihren Gründen zu forschen, ohne Ansehung der Personen, die dabei in Frage kommen. Aber gerade im besonderen mit dieser Vermuthung trifft der genannte Beamte nicht das Richtige. Bei den allermeisten Krankenkaffen nämlich bekommt der Arzt gar kein Behandlungs-Honorar für die einzelnen Patienten, fonbern er erhält ein festes Jahresgehalt, und dafür hat er alle die Leute zu behandeln, welche einer Kaffe angehören und im Laufe dieses Jahres krank werden. Von feinem Jntereffen-Standpunkte aus müßte also der Arzt alles Mögliche dazu beitragen, um die Zahl der Patienten zu vermindern, nicht aber, sie zu vermehren. Denn sein Einkommen von der Krankenkasse bleibt dasselbe, ob er nun viele oder wenige Mitglieder derselben im Laufe des Jahres zu behandeln hat; und je weniger davon krank werden, desto weniger hat er für dasselbe Geld an Arbeit zu leisten. Also darin kann der Grund für jene sehr bedauerliche Erscheinung nicht liegen; oder es könnte dies wenigstens nur in einigen vereinzelten Fällen so fein, wo das System der fixirten Aerzte nicht besteht. Die Gründe müssen andere sein.
Von wem ist der fest angestellte Kaffenarzt abhängig? Vom Vorstände der Krankenkasse. Aus was für Elementen sind diese Vorstände zusammengesetzt? Es pflegen in den Vorständen der Krankenkassen, um die es hier sich handelt, verhältnißmäßig viele Fabrikbesitzer zu sitzen. Und daß es diesen nichts weniger als angenehm ist, wenn gesundheitswidrige Zustände in ihren Fabriken aufgedeckt werden, kann man sich denken. Und da wird wohl so mancher Kaffenarzt gewisse Fragen des Gewerbe-Aussichtsbeamten unbeantwortet lassen, um sich nicht Feinde zu machen im Kaffenvorstande, von dem er abhängt. Daß das, wenn derlei vorkommt, ein ganz ungesundes und unwürdiges Verhältniß ist, braucht nicht noch besonders gesagt zu werden. Und es ist durchaus zu wünschen, daß mit solchen Mißständen da, wo sie bestehen, recht gründlich aufgeräumt werde.
Das kann zum Theil erreicht werden dadurch, daß man mit dem System der fixirten Aerzte bricht und zur freien Arztwahl übergeht. Dann handelt es sich nicht mehr um einen einzelnen bestimmten Arzt, der von dem Kassenvorstande abhängig ist. Und mehreren Aerzten gleichzeitig gegenüber können nicht gut solche Einflüsse, wie vorher geschildert, ihre Wirkung ausüben wie gegen einen einzelnen Arzt. Freilich sollte auch der einzelne Arzt niemals von solchen Einflüssen sich regieren laffen. Aber wenn dies doch der Fall ist, dann gibt es für ihn einigermaßen eine Entschuldigung, wenn er in seiner ganzen Existenz von einer Krankenkasse abhängig ist. Also sollte gar nicht erst die Möglichkeit dazu gegeben sein.
Außerdem aber ist zu bedauern, daß die Aerzte selbst ganz und gar nicht an der Gewerbe-Aufsicht betheiligt sind. Wäre dies der Fall, so würde erstens ihr Interesse gehoben werden für die Gewerbe-Aufsicht und die Gesundheitspflege auf gewerblichem Gebiete. Und zweitens würde auch dieses dazu beitragen, dem Arzte mehr Selbstständigkeit und mehr
um Hugo's Rückkehr nach der Heimath herbeizuführen, hatte er auch den Aufenthalt seines Sohnes zu erfahren gesucht, doch ebenfalls ohne Erfolg.
An einem schönen Sommerabend ergingen sich Amberg und der Baron, wie häufig, in den wogenden Kornfeldern. Sie schritten unter ernstem Gespräch nach der kleinen Waldkapelle, wo der alte Herr sich die Rasenbank unter den Linden zu seinem Lieblingsplatze ausgewählt hatte. Der Abend war so schön, so frisch und erquickend, daß sie nicht den nächsten Weg, sondern einen Waldpfad einschlugen, obgleich dieser in einem ziemlich großen Bogen an das Ziel führte.
Zu gleicher Zeit wanderte ein junger Mann mit einem Reisetäschchen den Weg nach der Höhe hinauf — Hugo. Er hatte nach einer glücklichen Fahrt die Heimalh erreicht. Schon unterwegs bekam er in der Hauptsache Kenntniß von dem Schicksale der Eltern und von ihren Beziehungen zu dem Baron. In den Schmerz mischte sich das erhebende Bewußtsein, daß sich ihm nun die beste Gelegenheit zur Erfüllung der Sohnespflicht darbot. lieber den Baron von Königsberg war ihm schon von der Schwester so vieles Gute erzählt worden, und nun vernahm er, wie dieser feinen Edelmuth aufs Neue gezeigt hatte. Es that ihm weh, daß gerade er dazu bestimmt fein mußte, das Herz des braven Mannes durch die Nachricht von dem grauenvollen Tode seines Sohnes so schwer zu verwunden! Sollte er schweigen? Die Todesstätte war ja so weit von der Heimalh entfernt, daß das entsetzliche Geheimniß vielleicht niemals enthüllt wurde.
Unter diesen Gedanken hatte Hugo die Kapelle
Autorität zu geben gegenüber dem Vorstände der Krankenkasse. Dann aber müßte der Arzt verpflichtet sein dazu, dem Gewerbe-Inspektor die von diesem gestellten Fragen über die Ge- sundheitsverhältniffe in einzelnen Fabriken zu beantworten, was jetzt durchaus nicht der Fall ist. Und dann müßte der Arzt auch für diese Arbeit bezahlt werden, ebenso wie jeder andere ehrliche Arbeit ihres Lohnes werth ist.
Auch die pflichtmäßige Einführung von Fabrikärzten würde vielleicht für die Zukunft zu erwägen fein. Kurz und gut: auf diesem Felde gibt es bei uns noch so ungeheuer viel zu arbeiten, daß wir doch ja nicht glauben sollten, wir hätten schon allerhand Großes darauf geleistet. Zur Selbstberäucherung wegen unserer sozialpolitischen Leistungen haben wir nicht den geringsten Grund!
d Friedensvermittelungen zwischen Spanien und Nordamerika.
Die Zweifel, die anfänglich der Nachricht entgegengesetzt wurden, daß die Diplomatie darauf vorbereitet ist, im gegebenen Zeitpunkte vermittelnd in den Streit zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten einzugreifen, sind unberechtigt gewesen. Nur das Eine ist richtig, daß dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen zu sein scheint; er würde erst dann gegeben sein, wenn die spanische Regierung felbst das Zeichen dazu gibt, indem sie zu Friedensunterhandlungen sich bereit erklärt. Daß thatsächlich die Königin-Regentin von Spanien und mehrere führende spanische Staatsmänner durchaus dem Frieden zuneigen, ist ebenfalls nicht zu leugnen. Aber zunächst muß erst die spanische Ministerkrise beigelegt fein, ehe man auf vollkommene Klärung der Geister in Spanien in dieser Frage rechnen darf.
Zunächst ist es nach mehrfach übereinstimmenden Meldungen der V at ik an gewesen und ist es noch, der der Königin von Spanien zum Frieden räth. Und außerdem tritt namentlich in Rußland eine ausgesprochene Neigung dazu hervor, eine Vermittlerrolle zwischen den beiden Kriegsmächten zu spielen. Diese Neigung ist schon mehrfach in russischen Regierungsblättern ganz klar hervorgetreten. Jetzt bringt die Wiener .Politische Korrespondenz' eine Kundgebung in gleichem Sinne, die ganz augenscheinlich unmittelbar von der zarischen Regierung beeinflußt ist. „Es ist — so heißt es in dieser Kundgebung — nicht daran zu zweifeln, daß alle europäischen Regierungen, die an dem spanisch-amerikanischen Konflikte lebhafteres Jnte- reffe nahmen, einem Entschlüsse Spaniens, die Vermittelung einer Macht oder mehrerer Mächte anzurufen, fast mit Ungeduld entgegensehen .... Da jedoch die spanische Regierung sich für einen solchen Schritt noch immer nicht entscheiden will, so wäre es ein Gebot der Humanität, daß eine Macht oder mehrere Mächte .... selbst die Initiative ergreifen, um eine Vermittelung in Fluß zu bringen . . . ." Das Petersburger Kabinet, so wird fchließlich versichert, stehe den Krieg führenden Mächten zu fern, um in diesem Sinne den Anfang zu machen. Aber es werde sich beeilen,
erreicht. Er warf einen Blick nach den wohlbekannten Ziegeldächern des Hofes hinüber und trat dann in das Innere des kleinen Kirchleins.
Unwillkürlich drängten sich in diesem Augenblicke die Erinnerungen aus den Tagen der Kindheit aus seiner Seele hervor. Wie oft hatte er mit dem lieben Bruder und dem kleinen Schwesterchen in dem Walde und auf den Wiesen Blumen gesucht und das Bild der Gottesmutter geschmückt? Wie fliegen damals die Gebete so inbrünstig und vertrauensvoll aus dem schuldlosen Herzen zum Himmel empor? Wie hatte ihm das Leben so schön und rosig gelacht, und wie war dann später alles ganz anders gekommen? Er dachte an den frühen Tod Georgs, an die aus der Heimath vertriebene Schwester, 'an die Eltern und an sein eigenes, seltsames Geschick, das Gott doch noch zum Guten gewendet.
Eine unverkennbare Wehmuth durchzog sein Gemüth, er fühlte die Augen feucht werden, und Thräne um Thräne rollte über seine Wangen herab.
Plötzlich wurde er durch ein Geräusch aufgeschreckt. Er drehte sich um und blickte in das Antlitz des Vaters, der mit vor Ueberraschung und Freude strahlenden Augen unter der Kirch- thüre stand und dann mit dem Rufe: „Hugo, mein Hugo"! auf ihn zueilte. Vater und Sohn lagen sich lange in den Armen. Vergessen war alle Fehde, vergessen aller Groll, der die Herzen der beiden so lange getrennt hatte.
Mit wehmüthigen Blicken sah der Baron die rührende Szene. „O wäre auch mir," seufzte er leise, „ein solches Wiedersehen vergönnt, wie gern
einer so rühmlichen Aktion sich anzuschließen, wen" eine andere Macht diesen Anfang machen wolle-
Die Vereinigten Staaten verlangen, daß Spanien die beiden westindischen Inseln Cuba und Puerto Rico vollkommen räume. Das wird neuerdings als die geringste Forderung der Amerikaner bezeichnet. Und diese Forderung ist hart. Aber wer weiß, ob die Amerikaner nicht noch mildere Saiten aufziehen.
Nun hat sich aber bekanntlich ein Feind, der viel gefährlicher ist, als alle spanischen Truppen zusammengenommen, mit den Spaniern gegen die Amerikaner verbündet: das gelbe Fieber. Und dieser fürchterliche Würgengel wüthet in den amerikanischen Truppen bereits mit aller verderblichen Gewalt. Außerdem aber haben auch schwere Regengüsse das amerikanische Lager bei Santiago überschwemmt; und ohne Zweifel ist jetzt auch die Lage der Amerikaner vor Santiago nichts weniger als beneidenswerth. Die spanischen Truppen find widerstandsfähiger gegen die schädlichen Einwirkungen des tropischen Sommerklimas, als die Amerikaner. Und das kommt ihnen als ein ganz besonderer Vortheil jetzt sehr zu statten. Die Amerikaner haben nach den neuesten Meldungen zwar Santiago schleunigst im Sturm genommen. Damit haben sie aber noch immer nicht das gelbe Fieber besiegt.
Amtlich wird von Madrid aus noch immer bestritten, daß man dort den Frieden wünsche. Ob aber diese amtliche Ableugnung den wirklichen Thatsachen entspricht, ist mehr als zweifelhaft.
Deutsches Deich.
Berlin, 15. Juli.
* Der Kaiser hat der Sammlung, die das Rote Kreuz zu Gunsten der Verwundeten und Kranken im spanisch-amerikanischen Kriege veranstaltet, 10 000 Mark überweisen lassen.
ft Eine überraschende Offenheit, um nicht zu sagen Unverftorenheit entwickelt ein großer Theil der kartellpolitischen Preffe. Als vor den Wahlen wiederholt und nachdrücklich gewarnt wurde vor den Leuten, die das bestehende Wahlrecht z«m Aeichslage ändern oder auch das ganze System abschaffen wollen, da fanden die konservativen, fteikonfervativen und manche andere kartellpolitische Blätter gar nicht Worte genug, um das Gegentheil zu versichern. Und jetzt, gerade ganze drei Wochen sind vergangen seit Beendigung der Reichstagswahlen, bekennt sich ein Kartell-Organ nach dem andern ganz offen dazu, daß man in den Kreisen feiner politischen Anschauungen durchaus für eine Aenderung unseres Reichstags-Wahlrechtes eingenommen ist. Eine dahingehende Aeußerung des,Reichsboten' haben wir schon in der gestrigen Nummer der,Fuld.Ztg.' mitgetheilt. Geradezu drastisch aber wirkt die Brutalität, mit der das anerkannte Partei-Organ der sächsischen Konservativen, das.Vaterland', zur grundsätzlichen Feindschaft gegen das geltende Reichstags - Wahlrecht sich bekennt. „Was wir wünschen," so schreibt das .Vaterland', „ist, daß mit bem bestehenden Wahlrechte gründlich aufgeräumt werde. Es wurde eingeführt, gäbe ich die Hälfte der Tage, die Gott mir noch zu bescheren gedenkt!"
Hugo grüßte auch den Baron, aber mit einer Befangenheit, die diesem auffiel. Man eilte nach Hause, wohin es Hugo mit doppelter Macht zog, als er vernahm, daß Luise sich auf dem Hose befände. Dort wollte er dann erzählen.
Amberg schritt so rasch voraus, als wäre er auf einmal um zwanzig Jahre jünger geworden. Man sollte die Freudenbotschaft erst aus feinem Munde hören.
Nach der Entfernung des Vaters hielt der Baron, dessen Mienenspiel eine unverkennbare Unruhe und Spannung ausdrückte, den jungen Mann einen Augenblick an.
„Hugo," sagte er, „ich lese es in Ihren Augen, daß Sie etwas von meinem Sohne wissen. Ich bitte, gestehen Sie mir alles, und wäre es auch noch so schlimm."
Hugo schaute mit traurigem Blicke in das bleiche Antlitz des unglücklichen Vaters. Er zögerte und schien mit einem Entschlüsse zu kämpfen.
„Rudolf ist tobt," erroiberte er endlich leise. „Ec fiel als bas Opfer eines Rachewerkes, das nicht ihm, fonbern einem anbern galt."
Der Baron schrak bei biefer Nachricht heftig zusammen. Doch gewann er seine Fassung bald roieber unb bat, ihn über bie näheren llmftänbe bes entsetzlichen Ereignisses in Kenntniß zu setzen. Hugo entsprach biefem Wunsche unb war noch nicht ganz zu Enbe gekommen, als er zwei weibliche Gestaltest auf sich zueilen sah. In bet nächsten Sekunbe lag er am Herzen ber Mutter.
Die Frau, bie sich auf biefen köstlichen Augen-