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KuUmerMZeitung

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mit Nnlerhaüungs-Aeikage „IüMrirte Sonnlags-Jeilung" petersz-Se Nr. 2 (Wnw«ie).

M 157.

ß Eine Warnung.

Ohne Zweifel hat in der neuesten Zeit unser ganzes wirthschaftliches Leben einen erfreulichen Aufschwung genommen. Und namentlich unsere Industrie erfreut sich einer Entwickelung wie lange nicht mehr. Jeder vernünftige und redlich denkende Mensch hegt den ganz selbstverständ­lichen Wunsch, daß dies recht lange so bleiben möge. Aber jeder wirthschaftliche Aufschwung pflegt von allerhand Erscheinungen begleitet zu sein, über die man sich gar nicht freuen kann, namentlich jeder Aufschwung auf industriellem Gebiete. Die gewerbsmäßige Spekulation schießt jedesmal in der Zeit eines solchen Auf­schwunges üppig ins Kraut und fordert hinterher ebenso regelmäßig'zahlreiche Opfer.

Gegenwärtig hat die Bewegung auf unserem Geldmärkte einen Charakter angenommen, der die Vermuthung recht nahe legt, daß nächst- dem recht viele solche Opfer vorhanden fein werden. Denn es unterliegt kaum einem Zweifel mehr, daß gegenwärtig beinahe alle Jndustrie- Aktienerheblichüber ihren wahren Werth hinaus bezahlt werden. Dennoch steigen die Kurse solcher Papiere noch immer, und noch immer finden diese Papiere willige Käufer. Drei Milliarden neues Kapital ist seit etwa achtzehn Monaten an die Börse gelangt, und noch immer will die Fluth nicht versiechen. Das Privat­kapital nimmt noch immer willig alles an, was ihm an Jndustriepapieren geboten wird, und die Banken machen dabei theilweise ganz gute Ge­schäfte. Aber die goldstcheren Staatspapiere be­gehrt niemand: Die Kursnotirungen der preu­ßischen Konsols gehen zurück, immer zu­rück, und haben augenblicklich denselben Kurs­stand, wie die russischen Staatsanleihen.

Das ist kein gutes und gesundes Ver- .hältniß. Den Preis einer Industrie-Aktie soll man berechnen nach dem Reservefonds des Unter­nehmens und nach dem Durchschnitte der Divi­denden, die seit einer Reihe von Jahren gezahlt werden. Aber diesen Grundsatz scheint man heute wieder einmal ganz und gar vergessen zu haben. Augenblicklich genügt es, daß für ein einziges Jahr eine gute Dividende gezahlt wird, um ein Jndustriepapier reißend steigen zu lassen. Ein Beispiel genügt, um dies darzuthun: Die Hasper Eisenwerke zahlen 10 pCt. Dividende, und in dem kurzen Zeiträume von 3 Monaten gehen ihre Aktien um volle 60 Prozent in die Höhe!

Dabei kann es unmöglich bleiben. Der Rückschlag ins Gegentheil kann gar nicht ausbleiben. Es ist darum jetzt die allerhöchste Zeit, sehr vorsichtig zu werden in den Spekulationen mit Industrie-Papieren. Und vor allen Dingen sollte man von jetzt an, wenn man durchaus auch noch fortgesetzt in Industrie- Papieren „machen" will, dies nur noch mit solchen Papieren thun, die man kennt, und zwar ganz genau kennt nach dem Werthe und nach dem Stande desjenigen industriellen Unternehmens, dem sie angehören. Aber am allerschlauesten wird jedenfalls der sein, der die gegenwärtige vortreffliche Konjunktur benützt und seine Jn- dustriepapiere verkauft, sobald eine gute

Der KaprUerchof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

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Der Kapellenbäuerin, die aller Glanz nicht zu blenden vermochte, kam es allmählich vor, als ob Sterns Gesicht nicht mehr die frühere Zuver­sicht zeige. Sie machte ihren Mann darauf auf­merksam, aber Amberg lachte sie aus.

Da erklärte der Bankchef eines Tages, auf mehrere Tage verreisen zu wollen. Er ging, und man sah ihn nicht mehr. In der nächsten Woche aber schon konnte man in den Zeitungen lesen, das Haus Stern, Amberg & Co. habe mit einer halben Million Ueberschuldung fallirt. Dieser plötzliche Schlag wirkte auf den vertrauensseligen Amberg wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Er verzweifelte fast und vermochte die entsetzliche Thatsache nicht zu begreifen. Erst als ihm der alte Aaron mit schlecht verhehlter Schadenfreude von dem großen Krach, von den werthlosen Papieren und von all' dem Schwindel, der sich während der letzten Zeit in der Geschäftswelt breit gemacht hatte, sowie von dem Umstande erzählte, daß Stern alles verfügbare Geld mit auf die Reise genommen hatte, ging ihm ein Licht aus.

Amberg fing an zu begreifen, daß der gute Freund, auf dessen Treu- er Häuser baute, "ihn zu Grunde g richtet hatte. Doch alles Klagen half nichts. Was noch zu retten war, wollte er retten. Dabei stand ihm jedoch seine vollständige Unkenntniß des Geschäftes im Wege. Trotz des besten Willens wußte er sich bald nicht mehr zu

IuLöcr, Donnerstag, den 14. Juli 1898

Gelegenheit dafür sich bietet. Der Erlös, der für das überwerthete Papier erzielt wird, wird sich gerade jetzt ausgezeichnet eignen für den An­kauf der goldsicheren Konsols, die augenblicklich billig zu haben sind. Und wer das so macht, der wird ein ausgezeichnetes Geschäft machen und bei Zeiten in den Besitz von Papieren gelangen, mit denen er auch dann ruhig schlafen kann, wenn andere betrübten Auges mit ansehen muffen, wie ihre künstlich in die Höhe getriebenen Jn- )>ustriepapiere von einem Tage zum andern im Kurse sinken und damit zu ihrem natürlichen und wirklichen Werthe zurückkehren, der beträchtlich unter der Kursnotiz von heute liegt.

Am besten wird der handeln, der bald handelt. Sonst dürfte es zu spät sein.

Deutsches Weich»

Berlin, 13. Juli.

x Neueren Meldungen aus Kairo zufolge soll für den Herbst in Verbindung mit der Palästina- Reise der Kaiser nun auch einen Besuch in Egypten bestimmt in Aussicht genommen haben. Der Besuch, so lautet die Meldung, soll in den letzten Tagen des Monats Oktober erfolgen — das müßte also vor der Palästina-Reise sein. Ob ein Ausflug nach Oberegypten unternommen werden soll, stehe noch nicht fest. In Kairo solle der Kaiser Gast des Khediv sein und im Abdin- Palaste Wohnung nehmen.

x Der Besuch, den Reichskanzler Iürst zu KohenkoHe in diesen Tagen von seinem Stamm­schlosse Schillingsfürst aus in München machte, wird in Zusammenhang gebracht mit der Rege­lung der Frage des besonderen bayerischen Obersten Militärgerichtshofes. Komischerweise meinen natio­nalliberale Blätter hinzufügen zu müssen, in „klerikalen Kreisen" fürchte man, Fürst Hohen­lohe werde eine Einigung erzielen. Warum fürchten? Es ift ja nichts mehr zu wünschen, als daß eine Einigung erzielt werde, die beide Theile befriedigt!

x Neuere Zeitungsmeldungen bestätigen, daß von allen preußischen Oberbehörden sehr ener­gische Krlafle au die Meamten geplant sind, um die Beamten vor der Sozialdemokratie zu warnen, besonders auch vor dem Halten sozial­demokratischer Zeitungen. Gegen vergeblich ge­warnte Beamten wolle man dann sehr scharf vor­gehen, unter Umständen sie sofort aus dem Dienste entlassen. Neulich war von einem Erlasse des Kaisers selbst an die Beamten die Rede. Von diesem Plane scheint man also wieder abgekommen zu sein — glücklicher Weise, darf man wohl sagen. Denn es könnte doch auf die Dauer unmöglich segensreich wirken, wenn bei solchen Anlässen die Person des Monarchen selbst eine Rolle spielte.

X Vor wenigen Tagen wurde an dieser Stelle die Auslassung eines Berliner Offiziosus be­sprochen, der einen neuen Angriff unternahm gegen das ^clilionire« von Beamte« an parlamentarische Körperschaften. In dieser halb amtlichen Darlegung, die nicht weit vom preußi­schen Finanzministerium ihren Ursprung hatte, war unter anderem die Aeußerung enthalten, daß Massenpetitionen und überhaupt Petitionen von

helfen und athmete erleichtert auf, als ihm ein Kurator die Bürde abnahm.

Ambergs Gut war für die Firma verpfändet und nach der Liquidation zeigte es sich, daß der Kapellenbauer fast nichts mehr besaß: der Hof, das schöne Haus, die Equipag', die Livree, das Gold- und Silbergeschirr, alles wurde von den immer noch schwer geschädigten Gläubigern ver­kauft. Amberg und seine Frau wußten buchstäb­lich nicht, wo sie ihr Haupt hinlegen sollten.

Am letzten Abend vor der Nacht, die sie noch in ihrem Palaste zubringen durften, saß der Mann mit bleichem Gesichte und furchendurchzogener Stirn an dem Tische, der nicht mehr sein Eigenthum war, und dachte mit Grauen daran, was nun­mehr aus ihm werden sollte. Die gegen den flüchtigen Bankchef eingeleitete Untersuchung hatte ihm die Augen über das Treiben dieses Freundes in der entsetzlichsten Weise geöffnet.

Aus den in Beschlag genommenen Papieren ging hervor, daß Stern von Anfang an durch seinen Anschluß an den Kapellenbauern lediglich den Zweck verfolgt hatte, den reichen Mann aus­zubeuten. Der Eigendünkel desselben und das Zerwürsniß in der Familie, das er auf die schlaueste Weise stets peinlicher zu machen verstanden hatte, gaben ihm eine willkommene Handhabe für seinen Zweck. Man fand auch den Schuldschein, den Hugo vor seiner Flucht ausgestellt hatte. Er lautete auf 20,000 Mark. Die letzte Null an dieser Summe paßte jedoch so wenig zum Gan­zen, daß selbst ein ungeübtes Auge die Fälschung erkannte.

Die Hand Stern's war offenbar bei Ausübung der Schurkerei nicht sicher gewesen. Er hatte den

Beamten an die Parlamente zu dem Zwecke der Verbesserung ihrer wirthschaftlichen Lage gegen die Beamtendisziplin seien. Der Vorgesetzte sei vielmehr der richtige Schutzherr des Beamten, nicht das Parlament. Es ist aber Fürsorge dafür getroffen, daß in Zukunft die Be­amten ohne Besorgniß vor Maßregelung durch ihre vorgesetzten Behörden mit Petitionen und sonstigen Eingaben wenigstens an den Reichs- tag sich wenden können. Bisher ist es freilich im Reichstage Brauch gewesen, die eingelaufenen Beamten-Petitionen sammt den Unterschriften den Behörden mitzutheilen, die um eine solche Mit- theilung ersuchten. Von jetzt ab soll das nicht mehr geschehen. Nachdem der Reichstag gegen Ende seiner letzten Tagung ganz zweifellos diese Handhabung von Beamten-Petitionen als unge­hörig bezeichnet hat, ist von der Reichstagsleitung strenge Anordnung dahin ergangen, daß von nun an nur noch der Wortlaut solcher Petitionen in einer Abschrift solchen Behörden mitgetheilt werden darf, die um die Mittheilung ersuchen. Und auf keinen Fall sollen die Unterschriften solcher Petitionen hinzugefügt werden. In der That ist eine solche Handhabung der Beamten- Petitionen auch durchaus nothwendig. Gegen die Aufrechterhaltung straffer Disziplin unter den Beamten ist sicherlich nichts einzuwenden; im Gegentheil ist zu wünschen, daß dieselbe ganz un­verändert aufrecht erhalten wird. Aber auf der andern Seite muß dem Beamten doch auch fein Petitionsrecht erhalten bleiben. Denn es würde höchst ungerecht sein, dem Beamten etwas nehmen zu wollen, was sonst allen Staatsbürgern h uneingeschränktem Maße zur Verfügung steht.

X Der letzte Reichstag konnte, wie bekannt, auch die ^off-^ortaße nicht mehr erledigen. Diese Vorlage enthielt einige Aenderungen der Portosätze; außerdem handelte es sich dabei um die Ausdehnung des Postzwanges auf die Be­förderung von geschloffenen Briefen auch im Orts­verkehr. Diese letztere Neuerung würde denPrivat- P o st a n st a l t e n die Beförderung von geschlossenen Briefen im Ortsverkehr nehmen, und es entstand die Frage, ob den privaten Postanstalten dafür eine Entschädigung zu gewähren sei oder nicht. Anfänglich wollte die Regierung nicht anerkennen, daß ein Anspruch auf Entschädigung vorhanden sei. Die Ansichten darüber scheinen sich aber in vortheilhafter Weise geändert zu haben. Denn es haben nach einer halbamtlichen Mittheilung der ,Nordd. Allgem. Zeitung' Verhandlungen darüber zwischen dem Reichs-Po st amte und den verschiedenenPrivat-Postanstalten statt­gefunden, und diese Verhandlungen lassen nun­mehr ein befriedigendes Ergebniß für beide Seiten erwarten.

ff Im Interesse der Verhütung weiterer Hochwassergefahren für die Landstrecken an den schlesischen Gebirgen soll nach halb­amtlicher Ankündigung dem preußischen Landtage ein Gesetzentwurf zugehen, der die weitere Kttlforstttng der schlesische« Gevirgszüge verhüten soll. Daß ausreichender Hochwalds­bestand an Gebirgshängen eine bedeutsame Rolle für den Schutz von Hochwasser spielt, ist allge­mein bekannt. Aber gerade die schlesischen Ge­birgszüge tragen noch außerordentlich viel Hoch-

Mangel wohl selbst eingesehen und deshalb keinen Gebrauch von der Urkunde gemacht. Durch diesen letzten Fall wurde namentlich die Mutter schmerz­lich berührt. Durch allen Verlust an Geld und Gut war sie nicht so sehr in Aufregung versetzt worden, als durch die Erfahrung, daß der Agent auch an dem fast spurlosen Verschwinden ihres Sohnes die meiste Schuld trug.

Hätte Stern ehrlich gehandelt, dann wäre Hugo sicherlich wenigstens mit ihr in Verbindung geblieben. Sie würde ihn von seiner Begnadi­gung in Kenntniß gesetzt haben, und Hugo wäre bei rhr. Durch die Falschheit Sterns waren alle Spuren verwischt worden. Denner hatte niemals auch nur eine Silbe davon gesagt, daß er Hugo vor feiner Entweichung gesprochen hatte.

Die Kapellenbäuerin saß ihrem Manne mit kummervollem Gesichte gegenüber und las in einem Gebetbuche. Trotz aller Niedergeschlagenheit war sie doch mehr gefaßt als Amberg. Sie hatte sich an eine verwittwete Schwestertochter mit der Bitte gewendet, sie und Amberg so lange aufzunehmen, .bis sich zu einer anderweiten Unterkunft Gelegen­heit zeige; und die ziemlich »ermögliche Bafe halte ihnen ihr Haus in der zuvorkommendsten Weise zur Verfügung gestellt. Der Kapellenbauer pflog in den Tagen des Glückes wenig Umgang und Verkehr mit seinen Verwandten und empfand es nunmehr um so bitterer, daß er von ihnen ein Obdach annehmen mußte.

Die Sonne warf ihre letzten Strahlen durch die geschliffenen Gläser an den rundbogigen Fenstern in das große Gemach, das der ehemalige Bank- theilhaber am nächsten Morgen seinem einstigen Kassirer, dem Israeliten Aron Bär einraumen

25. Jahrgang.

wald : und so wird auch in der erwähnten halb­amtlichen Ankündignng gleich zugegeben, daß „die schlesischen Gebirge . . . verhältnißmäßig gut be­waldet sind". Aber „im einzelnen entbehren manche Hänge der Bewaldung, deren Beforstung mit Holz im Interesse wirksamen Musterschutzes zu wünschen wäre ....", so fährt der Offiziosus fort. Und mit dieser Lappalie soll der Hoch- wassernoth vorgebeugt werden? Hoffentlich soll dies nur der sehr kleine Anfang fein zu einer eigentlichen und richtigen Schutzvorlage. Denn wenn das auch ganz gut gemeint fein mag mit der Beforstung „einzelner Hänge", was sollen diese „einzelnen Hänge" und einige winzige Waldparzellen mehr bedeuten gegenüber der a l l- gemeinen Nothlage, die genau so brennend dort ist, wo alle Hänge mit Wald bedeckt sind. Die Beforstung allein genügt also bei weitem nicht als Schutz gegen die Hochwassergefahr. Und es müssen ganz andere Vorkehrungen getroffen werden, um dieser Gefahr für die Zukunft wirk­lich und wirksam zu begegnen.

X Der Gva«getische A««d beginnt seine Sommer-Campagne. Der bekannte alte Hetzer in Halle, Professor Bey schlag, hat die Cam­pagne eröffnet mit einer Rede, die gar zu charak­teristisch ist, als daß man sie so ohne weiteres „zu dem Uebrigeti" legen könnte. Herr Professor Beyschlag hat diese Rede in einer Bundesver­sammlung in Aschersleben gehalten. Er arbeitet darin sehr viel mit „man" — also mit jemand, den er unmittelbar nicht nennen will oder nicht zu nennen wagt. „Man feiert Windthorst am Grabe als Patrioten mit — man läßt zwar nicht die Jesuiten, aber ihre Affen, die Liguo- tianer, ins Land — man liebkost einen Bischof Anzer — man versetzt dem deutschen Protestan­tismus manchen Fußtritt, nicht bloß bei der Bülow'schen Abfertigung — man denkt aber, es werden auch wieder bessere Zeiten kommen, wo man dem Centrum den Laufpaß geben kann; und bis dah n erwartet man von den deutschen Protestanten, daß sie nicht alles Un­gemach übel nehmen, das man ihnen zufügt, sondern daß sie die Noth und Verlegenheit unserer Regierung zu würdigen wissen und still und verständnißinnig auf bessere Zeiten für sie warten . . ." So stellt sich Professor B ey s ch l a g die Sachlage vor, und mit stürmischem Beifall hat die Aschersleber Versammlung diese Rede ausgenommen, diese „hoch bedeutsame" Rede, wie das Organ des „Evangelischen Bundes" sie nennt. Ei, ei! Das ist ja eine außerordentliche Enthüllung. Namentlich „man“ und die Re­gierung werden überrascht fein, durch Herrn Professor Beyschlag in Halle zu erfahren, daß sie „in Noth und Verlegenheit" sich befinden unter der wuchtigen Macht des Centrums. „Man" hat vermuthlich selbst noch gar nichts gemerkt davon, und nun enthüllt auf einmal der gewaltige „Rom-Hasser" in Halle die schaudervollen Ab­gründe, an denen „man" und die Regierung in ihrer Noth und Verlegenheit einhertaumeln als Sklaven der Centrumspartei .... Ob „man" sich sehr von H:rrn Professor Beyschlag imponiren lassen wird? Wir zweifeln.

ff Seit längerer Zeit schon arbeitet man an einer Dersicher««g von Aröeilgever« gegen

mußte. Denn der hatte das Haus gekauft und sofort bar bezahlt. Da wurde er durch ein be­scheidenes Klopfen aus seinem Brüten geschreckt. Die Frau wctr so in ihr Gebet vertieft, daß sie nichts hörte. Auf Amberg's „herein" ging die Thüre auf, und zwei weibliche Gestalten erschienen in dem Rahmen — Luise Walz und deren Mutter.

Infolge des Geräusches der sich öffnenden Thüre hatte auch die Kapellenbäuerin von ihrem Buche aufgeschaut. Bei dem Anblicke der beiden stand sie auf und ging ihnen mit dem Ausdrücke der größten Ueberraschung und Verlegenheit auf dem bleichen Antlitze entgegen.

Die Mutter Luisens wußte die traurige Lage der armen Leute in vollstem Maße zu würdigen und versuchte, Balsam auf die Wunde zu legen. „Ich habe von Eurem Unglücke gehört," sagte sie gütig, „und komme, um meinen Statt) anzu- bieten. Mein Haus in W. ist groß genug für uns alle. Deshalb bitte ich, zieht zu mir."

Auch Amberg hatte sich von feinem Teste! erhoben und reichte den beiden die Hand. Eine eigenthümliche Bewegung zeigte sich auf feinem Gesichte. Die Augen wurden feucht, und um den Mundwinkel begann es wie in tiefem Schmerze zu zucken. Den bitteren Erfahrungen der letzten Zeit und der trostlosen Lage hielten sein Stolz und sein Eigendünkel nicht Stand.

Die wiederholte Wahrnehmung, daß es noch Menschen gab, die auch im Unglücke treu bleiben, brachte vollends eine plötzliche Wandlung in seinem Gemüthe hervor. Die starre Rinde um sein Herz schmolz. Er 'wandte sich ab, und Thränen riefelten über feine Wangen herab. Er hatte sich an das Fenster gestellt und drückte die heiße Stirn an