Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl. Ke,ug,preis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. bv Pf.
Inserate: Die ei» spalt. Garmond
zeile oder der« Raum 15 Pf., Re-
Namen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
mit Unterhaltungs-Anlage „Iklustrirte Sonntags-Zeitung!'
M 156.
Juköa, Mittwoch, den 13. Juli 1898
25. Jahrgang.
scha
brie
großen Heeren längst vorhanden ist. Den Stamm für die zu errichtende Telegraphentruppe wird
* Die Errichtung von drei Gekegraphe«- N«taMo«e« ist, wie bereits berichtet, seitens der Militärverwaltung in Aussicht genommen. Wie die ,Köln. Zeitung' mittheilt, soll diese Erweiterung der technischen Truppen bei der Militärvorlage, welche dem Reichstag in seiner nächsten Session vorgelegt werden wird, geforder werden. Zur Begründung dieser Forderung führ die «Köln. Zeitung' aus: „Der Dienst der Mili- tärt,elegraphie im Felde hat einen solchen Umsang angenommen, daß er mit Rücksicht auf seine Wichtigkeit nicht länger mehr von den Pionier- Bataillonen als ein Nebendienstzweig betrieben werden kann, sondern die Aufstellung einer besonderen Truppe erfordert, wie sie in allen andern
übrigens das Vertrauen sein, welches der ,Vorw.' in die Dummheit seiner Leser setzt, wenn er ihnen angesichts der Lage der städtischen Arbeiter mit solchem Unsinn kommen darf.
* Der KotorriakratH wird, wie gewöhnlich im Herbste, nach Aufstellung der Etats für die Schutzgebiete zu einer Tagung einberufen werden.
Dem Anscheine nach soll seine Mitgliederzahl vermehrt werden, denn es sind an koloniale Gesell- ften deshalb Anfragen ergangen. Nach der Verfügung des Reichskanzlers vom 10. Oktober
1890 sollen nämlich die mit kaiserlichem Schutz- brie e ausgestatteten oder in den Schutzgebieten durch die Anlage wirthschaftlicher Unternehmungen von bedeutendem Umfange in Thättgkeit befindlichen Kolonialgesellschaften aufgefordert werden, aus ihrer Mitte Mitglieder zum Kolonialrath in Vorschlag zu bringen. In den letzten Jahren sind aber mehrere wirthschaftliche Gesellschaften von jBedeutung in den Schutzgebieten errichten worden. Da der Kolonialrath schon jetzt 28 Mitglieder hat, so wird die Zahl wohl bald 30 übersteigen. In den letzten Jahren hat der Kolonialrath schon eine recht bemerkenswerthe Initiative an den Tag gelegt, doch sind vielfach wohlbegründete Anregungen aus seiner Mitte nicht ausgeführt worden.
Deutsche» Reich»
Berlin, 12. Juli.
* Die Stellung der deutschen Regierung zu der Dreyfnsfrage bleibt einer anscheinend offiziösen Meldung zufolge auch nach den Erklärungen des neuen französischen Kriegsministers Cavignac unverändertdieselbe. Deutschland betrachtet diese Sache fortgesetzt als eine rein innere Angelegenheit Frankreichs, die es höchstens auf dieselbe Weise oetfolgt roie jede andere interessante Kriminalaffaire. Man sieht auch keinerlei Anlaß zu Aufschlüssen oder Aufklärungen, die ein Berliner Blatt neulich in Aussicht gestellt hatte.
* Das sozialdemokratische Hauptblatt, der .Vorwärts', läßt keine Gelegenheit unbenutzt, um die Arveiter aufzutzetze«. Jetzt, zur Reisezeit, schreibt das sozialdemokratische Hauptorgan:
die 5. Kompagnie des Garde-Pionier-Bataillons Mugehen haben, die.M_rtma zwei. Jahren als Versuchstruppe an die Militärtelegraphenschule abgegeben ist und auch ein besonderes Telegraphenabzeichen auf den Schulterklappen trägt. Eine Vereinigung dieser neuen Formationen mit den Eisenbahntruppen ist um so weniger beabsichtigt, als die Hauptthätigkeit der Telegraphentruppe in die vorderste Linie gehört, was bei der Eisenbahntruppe nicht der Fall ist."
* Vom „amöukantett" Gerichtsstand der Aresse liegt wieder ein lehrreiches Beispiel vor. Wegen Beleidigung ist die in Berlin erscheinende »Deutsche Tageszeitung' von dem Schöffengerichte zu Flensburg zu 10 Mark Geldbuße ver- urtheilt worden. Es ist durch Auskunft der Postverwaltung in Flensburg festgestellt worden, daß das Blatt in Flensburg abonnirt wird! — Daß jeder Zeitungsredakieur es sich gefallen laffen muß, vor jedes beliebige deutsche Gericht gezogen werden, wenn seine Zeitung irgendwo auch nur in einem Exemplar zur Verbreitung gelangt, das gehört zu den Ergebnissen jener juristischen Auslegungsfteiheit, die
„Für die Hunderttausende von Proletariern . . . gibt es keine Abwechslung in dem täglichen Einerlei. Keine auch noch so bescheidene Erholung. Da heißt es Tag für Tag von früh bis spät im Dienste des Unternehmers fronden ... Die industrielle Entwickelung hat ja den Arbeiter bereits zu einer Maschine degradirt, dazu beüimmt, dem Nimmersatten Kapitalisten die Mittel zum behaglichen Wohlleben zu schaffen und sich selber jeden, auch den bescheidensten Lebensgenuß zu versagen. So will es die herrliche, kapitalistische Weltordnung."
> Will man die ganze Nichtswürdigkeit dieser Verhetzung der Massen kennen lernen, so muß man in derselben Nummer des,Vorw.' den Anzeigentheil durchlesen. Da erfährt man, daß die Parteigenoffen des Reichstagswahlkreises Niederbarnim am 3. Juli ein großes Volksfest mit Vokal- und Instrumental-Konzert, Brillant- Feuerwerk rc. im „Sternecker" veranstalteten, Anfang früh 8 Uhr, Billets 20 und 25 Pfg., Tanzkarten 50 Pfg. Noch großartiger aber ist das Volksfest, das — ebenfalls von 8 Uhr früh ab — die Parteigenossen des 6. Berliner Reichstagswahlkreises für den 24. Juli ankündigen. Man höre ihre eigene Anzeige:
„Massengesänge von ca. 500 Mitgliedern des Arbeiter-Sängerbundes. Großer Radfahrer-Korso auf festlich geschmückten Fahrrädern durch das ganze Etablissement unter Voranlritt einer Musikkapelle. Eine Stunde später grostes Retgenfahren, ausgeführt von Mitgliedern d«K-Mb«ter-RadfahrLc-BereinK -Berlin, ^^oßartige turnerische Aufführungen von Mitgliedern der Manner- und Damenabtheilungen des allgemein beliebten Arbeiter-Turnvereins „Fichte". Im herrlich gelegenen See große Schwimm-Pantomime. Die Besitzergreifung von Sing-fang-Sing oder die gepanzerte Faust, ausgeführt vom Berliner Arbeiter-Schwimmerbund („Neptun", „Nord", „Vorwärts"). Auftreten der berühmten Norddeutschen Konzertsänger. Auftreten sämmt- licher Spezialitäten in dem herrlich gelegenen See- Theater. Konzertmusik von zwei stark besetzten Musikkapellen. Kinderbelustigungen aller Art mit großartigen Ueberraschungen. Am Abend: Großes Brillant - Wasserfeuerwerk. Für hinreichende Fährverbindung wird Sorge getragen. Da wir weder Mühe noch Kosten gescheut haben, das Fest großartig zu gestalten und die Besucher in jeder Weise zufrieden zu stellen, so ersuchen wir um recht zahlreichen Besuch. Das
Man sieht, es geht hoch her im sozialdemokratischen Lager und für Unterhaltung ist bestens gesorgt. Wahrscheinlich aber rechnet der,Vorw.' die Betheiligung an diesen Volksfesten nicht zur Erholung, sondern als Dienst im Interesse der Partei, der zu Ehren man ja keine noch so großen Anstrengungen scheuen darf. Grenzenlos muß
wegen ihres übermäßigen Scharfsinns schon oft zum Kopfschütteln Anlaß gegeben hat! Wann wird der Ausnahmezustand für die Presse einmal aufhören, zu dem sie durch die Preßgesetzgebung selbst sowie durch eine überscharfsinnige Interpretation verdammt ist?
* Die Zulassung der Aossasfisseute« z«m Sekretar-Kxame« wird der ,Köln. Volksztg' zufolge vom nächsten Jahre ab erfolgen. Diese Neuerung dürste von den betheiligten Beamten mit Freuden begrüßt werden.
* Bekanntlich dürfen keine Aemerke i« Guittuugskarle» angebracht werden. Das Reichsgericht hat neuerdings endgiltig entschieden, daß ein Arbeitgeber wegen Vergehens gegen die §§ 108 und 151 des Jnvaliditäts- und Alters- verstcherungsgesetzes zu bestrafen sei, weil er in die seinen Gchilfen gehörende Quittungskarte in der Colonne „ Dauer der bescheinigten Krankheiten" eine zweimalige, tatsächlich vorgekommene Erkrankung eingetragen hatte. Diese Angaben über Krankheiten dürsen nur von der zuständigen Behörde, d. h. von den Karten- Ausgabestellen, eingetragen werden, welchen die von den Krankenhäusern ertheilten Entlaffungs- scheine stets vorzulegen sind, da für die Zeit der Krankheit Marken nicht verwendet zu werden brauchen, diese Zeit aber trotzdem für die Jnva- liditäts- und Altersversicherung mit angerechnet wird. Da dergleichen Vermerke häufiger in gutem Glauben von Arbeitgebern angebracht werden, so sollte dieses Urtheil des Reichsgerichts weitesten Kreisen als Warnung zur Kenntniß gebracht werden. Es kommt auch öfters vor, daß Arbeitgeber durch Angabe ihrer Firma und ähnliche unzulässige Eintragungen Vermerke machen, die im Sinne des angeführten § 151 ebenfalls strafbar sind. Es sei deshalb an diesem Zusammenhang hervorgehoben, daß außer der Angabe des Entwerthungstages in Ziffern, beispielsweise 23. 6. 98, auf den Beitragsmarken selbst weder Arbeitgeber noch Versicherte in den Quittungskarten irgend welche Vermerke machen dürfen. Alles Weitere ist Sache der zuständigen Behörde, wozu auch die Eintragung der Ableistung von militärischen Hebungen gehört.
♦ Die Zahl der Zwaugsversteigerttttge« in Preußen Hal sich während des Jahres 1897 sowohl was die Gesammtzahl der versteigerten Grundstücke betrifft, als auch die der darunter befindlichen landwirthschaftlichen Grundstücke angeht, gegen das Vorjahr abermals erheblich vermindert. Dieser Rückgang verdient ganz besondere Beachtung und es muß festgestellt werden, daß in keinem der früheren Jahre seit der Einführung des Zwangsversteigerungsgesetzes vom Jahre 1883 die Zahl der versteigerten ländlichen Grundstücke so gering war, wie im letzten Jahre. Diese Thatsache ist ein erfreuliches Anzeichen dafür, daß die Lage der Landwirthschaft sich mehr und mehr bessert und daß sie am Ende doch wieder so rentabel sein wird, wie sie es vor Jahren zum Heile des Vaterlandes gewesen ist.
Ausland.
* Arüssek, 12. Juli. Die Brüsseler Zucke r- konferenz ist doch nicht ganz vergeblich gewesen.
Es haben nÄrlich nach amtlicher Mitthellung be* belgischen Regierung die folgenden Staaten bi völlige Beseitigung der Zuckerprämien angenommen: Deutschland, England, Oesterreich, Belgien, Holland, Spanien, Schwede». Die belgische Regierung wird eine neue Einladung zur Fortsetzung der Konferenz im Oktober versenden. Das neue französische Ministerium ist, wenn auch nicht für eine Aufhebung der Prämien, so doch für eine Ermäßigung derselben, und man hofft, daß die bereits eingeleiteten Unterhandlungen zwischen den französischen und russischen Delegirten der Zucker- konferenz ein gutes Resultat erzielen werden.
* Aaris, 12. Juli. In dem Verleumdungs- prozeß der Schreibsachverständigen gegen Zoln und den Herausgeber der „Aurore" wurde am Samstag das Urtheil verkündet. Zola ist zu 2000 Francs Geldstrafe und 15 Tagen GDmgniß unter Anwendung des Gesetzes, bett. denBttaf- aufschub, verurtheilt worden. Ferner wurden Zola und der Herausgeber der „Aurore" solidarisch zur Bekanntmachung des Urtheils in zehn Zeitungen und 5000 Francs Schadenersatz an jeden der drei Sachverständigen verurtheilt.
* Atom, 12. Juli. Die Ernennung der französischen Bischöfe wird durch päpstliches Breve erfolgen, ein Zeichen, daß in nächster Zeit kein Konsistorium stattfinden wird. — Der Vatikan ließ den für die heißen Augusttage angekündigten französischen Arbeiter-Pilgerzug absagen.
* Wie«, 12. Juli. Das Gerücht von der bevorstehenden Verlobung des Erzherzogs Franz Ferdinand Este mit der Prinzessin Marie Louise von Cumberland beruht auf T h a t s a ch e n. Von bestunterrichteter Seite wird mitgetheilt, daß diese Verbindung ein Herzenswunsch des Kaisers sei. Die Prinzessin wird zum Katholizismus übertreten und die Hochzeitsfeier soll noch vor den Jubiläumssestlichkeiten statlfinden.
* Aukaress, 12. Juli. Der Staatssekretär des deutschen Reichspostamtes Herr v. Podbielski weilte seit einigen Tagen hier. Er hat das Postamt besucht, sowie das im Bau begriffene Postdirektionsgebäude besichtigt. König Karol hat Herrn v. Podbielski in Sinaia empfangen, darauf machte v. Podbielski einen Ausflug in die Umgegend Sinaias. Der Besuch Podbielskis ist von großer Bedeutung für den Verkehr. Es handelt sich darum, eine direkte Telegraphenverbindung zwischen Berlin und Bukarest herzustellen. Die ersten Maßregeln zu diesem Zwecke sind schon von der rumänischen Postdirektion getroffen worden. Die Kosten werden sich für Rumänien auf 150,000 Francs belaufen. Wie verlautet, soll auch ein direkter Eisenbahn- zug zwischen Berlin—Bukarest und Constanza über Galizien hergerichtet werden. Heute früh ist v. Podbielski nach Konstantinopel abgereist.
* Konssautiuopek, 12. Juli. Der Staatssekretär des Reichspostamts von Podbielski ist heute in Begleitung der Geheimräthe Gieseke und Sydow hier eingetroffen. Der Staatssekretär beabsichtigt mit der türkischen Regierung Verhandlungen einzuleiten wegen einer direkten Kabeloerbindung Berlin-Konstantinopel. Ferner ist der deutsche General-Konsul von Müller heute aus Kairo zu vierzehntägigem Aufenthalt in Kon-
Drr Kapeüerchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Bennv.
32 ------ (Nachdruck verboten.)
VII.
Wir eilen Hugo auf seiner Reise in die Hei- math voraus und greifen gleichzeitig um einige Jahre zurück.
Als nach der Flucht des Sohnes mehrere Wochen vorübergegangen waren, ohne daß man etwas von ihm zu hören bekam, fing der Kapellenbauer an, leichter zu athmen. Die Angst um die Ehre seines Namens verschwand. Es war ihm überhaupt ausgefallen, daß man die Nachforschungen nach dem Flüchtlinge so lässig betrieb. Doch Stern hatte ja versprochen, in diesem Sinne zu wirken, und Amberg schrieb die willkommene Thatsache gern auf die Rechnung des Agenten, der sich nach seiner Meinung überhaupt in dieser ganzen Angelegenheit als wahrer Freund gezeigt hatte. Es fiel ihm nicht ein, an den wirklichen Urheber der geübten Rücksicht zu denken, an den alten Baron; und doch war dieser es, der durch den Hinweis aus das herausfordernde Benehmen des eigenen Sohnes an maßgebender Stelle eine mildere Beurteilung der Thal Hugos herbeigeführt hatte.
Mit der Verpachtung des Kapellenhofes wurde es ernst. Der Pachtvertrag kam unter der Leitung des Agenten zwischen Amberg und einem jungen Landwirlhe unter den Bedingungen zu Stande, die für beide Theile annehmbar waren. Mit Herbstesanfang zog der Kapellenbauer mit seiner Frau in die Stadt.
Die Periode des sogenannten „großen Aufschwunges" hatte begonnen, und Stern hatte mit seiner bekannten Schlauheit und Umsicht den richtigen Zeitpunkt zu glänzenden Geschäften erkannt. Er beredete den Freund, der feine Kapitalien da und dort gegen gute Sicherheit aus- stehen hatte, all sein Geld aufzukünden und rief ihm warnend zu, als er nicht anbeißen wollte: „Denk' an den Hafer!" Das wirkte. Obgleich Amberg jenen Verlust schon wieder verschmerzt hatte, überkam ihm doch jedesmal bei der Erinnerung an die eigensinnige Thorheit ein beschämendes Gefühl, und er hatte sich vorgenommen, nicht mehr gegen den Rath des Freundes zu handeln.
Die Kapitalien wurden gekündigt, und alles baute Geld wurde in Aktien und Papieren angelegt.
Gelegentlich eines Holzverkaufes rechnete der Freund dem Bauern vor, daß aus der Bewirth- schaftung des Waldes kaum fünf Prozent Nutzen abfallen, und rieth ihm, auch diesen in Geld um- zusetzen. Amberg verstand sich ungern zu diesem Schritte, er gab doch schließlich nach, als man ihm eine verhältnißmäßig sehr hohe Summe anbot.
Ein Unterhändler hatte in seinem eigenen Namen den Kauf abgeschlossen und auch die festgesetzte Summe bezahlt. Später erfuhr Amberg jedoch, daß der nunmehrige Besitzer seines schönen Waldes kein anderer als der Baron von Königsberg war. Er ärgerte sich furchtbar und hätte am liebsten den Handel wieder rückgängig gemacht; aber es war zu spat.
Sein Prozeß gegen den verhaßten Gutsnachbar schien auch im Sande verlaufen zu wollen.
Heinrich Ferber hatte ihm erklärt, daß der Erfolg desselben von einigen alten Urkunden abhänge, die er in dem Archiv eines früheren Besitzers des Gutes Königsberg aufsuchen müsse. Der Kapellenbauer fing an, die Geduld zu verlieren und wünschte den ganzen Prozeß sammt allen Urkunden zum Kuckuck. Aber nachzugeben und damit einzugestehen, daß er einen dummen Streich gemacht habe, ließ sein Stolz nicht zu. Uebrigens begannen die von Stern eingeleiteten Geschäfte einen derart günstigen Aufschwung zu nehmen, daß die durch den Prozeß alljährlich in Anspruch genommene Summe dem ungeheueren Gewinn gegenüber als die reinste Bagatelle erschien.
Als Amberg am Jahresschlüsse seinen Vermögensstand prüfte, erschrak er fast vor der Größe der Zahlen, durch die sein Reichthum als Totalsumme seiner verschiedenen Papiere dar- gestellt war.
Ec hakte bisher zur Miethe gewohnt, und dieses Verhältniß gefiel ihm nicht mehr. Da ‘am wiederum Stern seinem Verlangen mit dem Anträge zuvor, gemeinschaftlich ein neues Haus bauen zu wollen. Augenblicklich schlug Amberg em. Der Agent reifte nach der Residenz, um, wie er sagte, seinen Geschmack an den großartigen Schöpfungen der Neuzeit auf dem Geriete der Baukunst zu bilden, und k-chrte nach einigen Tagen mit einem eigenen Baumeister zurück. Dec Bau wurde sofort in Angriff genommen. Der Techniker hatte den Auftrag, rasch, gut und schön zu bauen, ohne Rücksicht auf dre Kosten zu nehmen. Was lag den angehenden Millionären darau, ob das Unternehmen einige Tausend mehr oder weniger verschlang!
Schneller noch, als die beiden gedacht hatten, war das Haus fertig. Man zog ein und begann das Geschäft im großartigsten Stile einzurichten. Es wurde ein Bank-, Wechsel- und Diskonto- Geschäft etablirt mit der Firma Stern, Amberg und Comp Als stiller Theilhaber hatte nämlich auch der Advokat Ferber eine Summe in das Geschäft eingelegt.
In dem großen Komtor hantirten nun Tag aus Tag ein fast ein ganzes Dutzend Gehilfen und Schreiber unter dem Kommando des alten Aaron.
Amberg hatte sich anfangs auch nützlich zu machen versucht und dann und wann seine Nase in die verschiedenen Bücher gesteckt. Aber es graute ihm jedesmal bald vor den endlosen Zahlen, und er begnügte sich damit, den reichen Gewinn einzustecken. In allem Ucbrigen verließ er sich auf Stern. Man schaffte eine prächtige Equi- ).ige an, die an Eleaanz und Kostbarkeit die- enige des Barons v. Königsberg weit übertraf, und der frühere Kapellenbauer hatte ein besonderes Vergnügen daran, sich recht behäbig in die weichen Polster zu legen, wenn der Kutscher in feiner reichen Livree die Straßen mit der gaffenden Menge durchfuhr.
Seine Frau fühlte sich in diesem geräuschvollen Leben nicht glücklich. Es war ihr zu remd. Ohne sich auch nur eine Minute zu be- tnnen, hätte sie alle Pracht und Herrlichkeit in der Stadt wieder mit ihrem stillen Hose vertauscht.
Der Reichthum, von dessen ungeahnt raschen Anwachsen sie durch Amberg fast täglich Kunde bekam, erdrückte sie fast. Manchmal kamen ihr auch Bedenken und Zweifel an dem Bestände dieses fabelhaften Erfolg.s, und wenn der Mann