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KuwaerMZeitung

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mit Unterhaltungs-Anlage „Allustrirte Sonntags-Zeitung?

M 155.

JuLöcr, Dienstag, den 12. Juli 1898

25. Jahrgang.

Deutsches Keich.

Berlin, 11. Juli.

* DieDsröereitnnge« für die preußischen LandlagsrvaHke« beginnen bereits. In Berlin wird an diesem bevorstehenden Freitag mit der Auslegung der Wählerlisten begonnen werden. Bermuthlich also wird dieselbe Maßregel auch an anderen Orten in diesen Tagen vorgenommen.

* Anscheinend dürfte demnächst Ireiherr v. Kammerstein, der ehemalige Leiter der ,Kreuzztg/ und konservative Parteiführer, aus dem Zuchthaus in Moabit entlassen werden. Herr v. Hammerstein wurde zu einer Strafe von 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt; außerdem waren noch 2 Monate Zuchthaus zu verbüßen für den Fall, daß die ihm auferlegte Geldstrafe nicht be­zahlt würde. Dieses Letztere ist nicht geschehen. Die Hauptstrafe würde erst am 22. April 1899 abgebüßt sein. Nach § 23 des Reichs-Straf­gesetzbuches aber können solche Leute, die zu einer langem Gefängniß- oder Zuchthausstrafe verur­theilt sind, vorläufig entlasfen werden, wenn sie sich gut geführt und mindestens drei Viertheile ihrer Strafzeit abgebüßt haben. Frhr. v. Hammer­stein soll sich im Moabiter Zuchlhause vorzüglich geführt haben und dementsprechend demnächst entlassen werden. Der Beschluß über die Ent­lassung geht von der Obersten Justizbehörde aus, und niemals soll eine solche vorläufige Entlassung als ein Recht iu Anspruch genommen werden können. Auch soll für die Entlastung nicht die gute Führung allein maßgebend sein. Es soll auch angenommen werden können, daß der Ge­fangene sich gebessert hat.

* Eine treffliche Anregung ist dem vaye- rifche« LarrdwirtHschaftsratH zu verdanken. Dieser hat bei der bayerischen Slaatsregierung den Antrag gestellt, im Bundesrathe dahin zu wirken, daß regelmäßige Erhebungen ange­stellt werden über die Mengen von Speise­getreide, die im Reichsgebiete lagern und für den Verbrauch verfügbar sind.

X Der Streit über den Aauernverei« Mordest" dauert fort. Auch die nationalliberale ,Magdeburgische Zeitung" hatte lebhaftes Jntereffe für den Verein geäußert und die Behauptung der »Freisinnigen Zeitung' angefochten, daß dieser Verein nur künstlich mit großen Geldmitteln er­halten werde. Aber die »Freisinnige Zeitung" muß wohl ihrer Sache sehr sicher sein. Sie er­mahnt die »Magdeburger Zeitung", ruhig zu sein, sonst — werde „Näheres mitgetheilt werden". Der Streit kann also noch allerhand interessante Enthüllungen ans Tageslicht fördern. Der genannte sogenannte Bauernverein ist bekannt­lich eine Schöpfung der Herren von der „frei­sinnigen Vereinigung".

x Nach der ZlnfaK Statistik der deutsche« KifenvaHnen sind im Monat Mai zu ver­zeichnen gewesen 26 Entgleisungen, davon 17 in Stationen und 9 auf freier Bahn, 13 Zusammen­stöße, davon 12 in Stationen und 1 auf freier Bahn. Außerdem sind 151 andere Betriebs­unfälle vorgekommen. Bei diesen Unfällen wurden 56 Personen getödtet, davon 2 Reisende, und 106 Personen verletzt, davon 15 Reisende. Es

Der Kapellerchof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

31 ------ (Nachdruck verboten.)

„Stern hier?" fiel ihm die Schwester ins Wori, als er des Vertrauten ihres Vaters und seines grauenvollen Endes erwähnte. „Was hat das zu bedeuten? Eine bange Ahnung sagt mir, daß die Uebersiedelung des Agenten nach Amerika mit dem Schicksale unserer Eltern in irgend einem unheilvollen Zusammenhänge steht. Ich habe bei ihnen vor meiner Reise hierher Abschied genommen und fand sie in einem großen, prachtvollen Hause, das sie in der Stadt gemeinsam mit Stern be­wohnten. Der Vater schien sich in dieser neuen Lage ganz glücklich zu fühlen, die Mutter aber wußte sich in die ungewohnten Verhältnisse nicht recht zu finden. Es war mir auch, als ob sie nicht an den Bestand des Glückes glauben könne, und fast möchte ich nun behaupten, daß ihre Ahnung sich erfüllt hat. Ich wurde als Pflegerin des alten kranken Barons von Königsberg be­rufen und hatte Gelegenheit, mit diesem Herrn bekannter zu werden, den der Vater immer als seinen Feind und Widersacher behandelte. Der alte Baron aber ist ein Mann, so edel, so gut und großherzig, wie ich noch wenige kennen ge­lernt habe. Wie wird sein Vaterherz aufs Neue bluten, wenn er das Ende seines einzigen Sohnes erfährt! Er hat mit mir über das ^Verhältniß des Agenten zu unserem Vater gesprochen und verhehlte dabei seinen Argwohn nicht, daß Stern falsches Spiel mit ihm treibe. Als Beweis hier­für hat er mir haarsträubende Einzelheiten über

kommt je ein Unfall auf 213 km Betriebslänge oder auf 160088 gefahrene Zugkilometer.

- Die Anstederrmgs-Kommifsto«, also die Kommission, die den doppelten Hundertmillionen- Fonds zur Bekämpfung des Polenthums möglichst geeignet oder auch ungeeignet unter­bringen soll, wird demnächst ihre Thätigkeit auch • auf die Provinz Ostpreußen ausdehnen. Bis­her beschränkte sich ihr Arbeitsfeld nur auf die Provinzen Westpreußen und Pofen. Mehrere größere Güter in Masuren und Littauen sind der Kommission zum Kauf angeboten, und es sollen demnächst mehrere Ministerialbeamte nach Ostpreußen reifen, um die Güter zu besehen. Mehr Erfolge als vorher wird die Kommission wohl auch in Ostpreußen nicht erzielen. Und diese Erfolge werden bekanntlich auch von den Freunden des Hundertmillionen-Fonds als sehr schwach bezeichnet — abgesehen von den mora­lischen Bedenken, die gegen dieses ganze Ver­fahren mit Recht erhoben werden.

Ausland.

h Wie«, 11. Juli. Am letzten Sonntag haben die Berathungen der Fraktions-Vor­sitzenden der deutschen Opposition begonnen, um entscheidende Beschlüsse zu faffen über die Stellung der Opposition zu dem Sprachen­gesetz - E n t w u r f e des Ministerpräsidenten Graf Thun. Acht Stunden dauerten die Be- rathungen am Sonntag, ohne daß man zum Ende gelangte. Am heutigen Montage sollten die Berathungen fortgesetzt werden. Sonntag Abend berief Graf Thun noch einen außerordentlichen Ministerrath. Man scheint die Sache nun also doch sehr ernst zu nehmen.

>< ä^aris, 11. Juli. Das neue fran­zösische Minister ium des Herrn Brisson hat nun auch seinen ersten Dreyfus-Tag gehabt. Es hat sich dabei, wie bekannt, gut aus der Affaice gezogen. Der Kriegsminister C a v a i g n a c hat eine sehr schneidige Rede gehalten, in der er darthat, daß das neue Ministerium über den Hauptmann Dreyfus Lenau dieselben Ansichten hat wie das alte, das heißt, daß es auf dem Standpunkte besteht, von der Schuld des Haupt­manns vollkommen überzeugt zu fein. Die Depu- tirtenkammer hat sich mit sehr großer Mehrheit zu den Standpunkten der Regierung bekannt, und damit hat diese einen weitern guten Erfolg für sich eingeheimst. Nur in einem Punkte unter­scheiden sich die Ausführungen Casaignac's von den Anschauungen, die in der Dreyfus-Sache beim Ministerium Meline maßgebend waren: Herr Caoaignac hat durchschimmern lassen, daß man neuerdings nicht mehr grundsätzlich eine Wiederaufnahme des Prozesses gegen Dreyfus adlehnt. Es scheint, als wolle man noch einmal genau prüfen, ob die Revision des Prozesses ein­treten soll oder nicht. Inzwischen hat der Oberst P icquart, bekannt aus dem Zola-Prozeß als ein Parteigänger der Dreyfus - Clique, einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten Brisson gerichtet, der seines Gleichen sucht. Herr Picquart erbietet sich darin zu einem Nach­weise vor Gericht, daß der Kriegsminister Ca- die Art und Weise erzählt, wie Stern seinen Sohn Rudolf durch den raffinirtesten Wucher in ein Labyrinth von Schulden verstrickt hat, so daß der leichtsinnige Mann, der dem Vater seine Verlegenheit nicht gestehen wollte, zu unlauteren Mitteln griff, um sich zu helfen und infolgedessen seine Entlassung aus dem Offizierskorps erhielt. Auch nachher übte der Agent einen unheilvollen Einfluß auf den jungen Mann aus und der Baron ist fest überzeugt, daß Rudolf auf Sterns Antrieb die Heimath verließ. Dies bestätigt sich nun. Dem alten Herrn, der ihn heimnehmen wollte, zum Trotze ging er fort. Der alte Baron kannte Deine früheren Beziehungen zu seinem Sohne. Er hatte sich gleich nach Deiner Flucht ür Dich verwendet. Damals vermochte er jedoch nchts auszurichten und erst später gelang es dem braven Manne, Begnadigung für Dich zu er­wirken. Rudolf hat Dir also die volle Wahrheit gesagt."

Emma schwieg, und Hugo wußte nicht, was er sagen sollte.

„Was weißt Du von Luise?" fragte Hugo endlich stockend.

Die Schwester ließ ihre Augen vorwurfsvoll auf ihm ruhen.

„Du hast das liebe Mädchen," sagte sie dann, „durch Deine Handlungsweise sehr unglücklich zemacht. An dem Abend vor meiner Abreise 'am sie zu mir. Fast hätte ich sie nicht mehr erkannt. Aus dem fröhlichen, lebenslustigen Kinde war eine stille Jungfrau geworden, deren trauriges Lächeln das tiefe Weh im Herzen verrieth. Sie 'am mir vor wie eine Blume, deren schönste Bluthen der Reif geknickt hat. Deshalb Bruder,"

vaignac in seinen Ausführungen auf gefälschte Schriftstücke sich gestützt habe! Natürlich rast nun die andere Preffe förmlich gegen den Obersten Picquart, und einige Blätter verlangen, daß er sofort verhaftet werde .... Ein französischer Offizier beschuldigt öffentlich den französischen Kriegsminister, das französische Parlament durch gefälschte Schriftstücke getäuscht zu haben . . . . Nun, es ist doch gut, daß wir in Deutschland nicht auch schon so große Fortschritte ins Moderne hinein gemacht haben, wie unsere westlichen Nachbarn!

* Ko«sta«tmopek, 11. Juli. In Folge wiederholter Schritte der russischen Botschaft wurden den türkischen Behörden an der türkisch­russischen Grenze Instruktionen ertheilt, nach denen die Rückkehr der geflüchteten Ar­menier ans dem Kankafns für den Fall ge­stattet werden solle, daß diese türkische Unter« thanen sind.

* DoKohama, 11. Juli. Ist Söul ist wieder ein Komplott gegen die Regierung entdeckt worden. Verschiedene angesehene Beamte wurden verhaftet, einige andere Persönlichkeiten, darunter auch der frühere Kriegsminister, sind geflüchtet.

Der spanisch-amerikanische Krieg.

O „Noch ein solcher Sieg wie am 1.Juli und unsere Truppen müssen sich zurückziehen" — so kennzeichnet der Berichterstatter des größten nordamerikanischen Blattes die Lage der Ameri­kaner vor Santiago auf der Insel Cuba. Wollen die Amerikaner also dort etwas ausrichten, so müssen fie noch bedeutende Verstärkungen er­halten. Vorläufig haben die Belagerer ihre Stellungen durch Vertheidigungs werke befestigt; und daraus könnte man also schließen, daß die Amerikaner auf eine schnelle Einnahme von San­tiago verzichtet und sich auf eine längere Bela­gerung eingerichtet haben. Man könnte das, wenn nur Cuba nicht so außerordentlich weit und die Nachrichten über die cubanischen Vorgänge mcht^sia-LußerardeEch-ULstchrr wären! Festzu­stehen scheint nur das Eine: daß nämlich bis Sonntag kein Bombardement der Stadt San­tiago stattgefunden hat. Wie in den Vereinigten Staaten, so scheinen auch innerhalb der Regie­rung in Spanien Meinungsverschiedenheiten zu bestehen darüber, ob man auf einen Friedens­schluß hinarbeiten soll oder nicht. Zwei Minister, fo wird berichtet, sind für Bitte um Frieden; zwei andere treten entschieden für Fortsetzung des Krieges ein, und der Ministerpräsident Sagasta soll, auf gut deutsch gesagt — selbst nicht wissen, was er eigentlich will. Daß bei der Regierung der Vereinigten Staaten die Neigung zum Frieden eher im Wachsen als im Abnehmen ist, scheint keinem Zweifel mehr zu unterliegen. Aber voll­kommen ungewiß ist es, ob es dabei bleibt oder ob nicht etwa plötzlich die Stimmung wieder zum Gegentheil umfchläqt. Unbedingt hat man sich im Anfänge in Washington die ganze Sache nicht so schwierig, so blutig und so außerordentlich theuer vorgestellt, wie sie nun wirklich ist. Und vielleicht entscheidet schließlich auch hier wieder

fuhr Emma mit ernstem, fast feierlichem Tone fort, „tritt nun die Pflicht an Dich heran, wieder gut zu machen, was Du gefehlt an Luise und an den Eltern. Ich vermag den Gedanken nicht von mir zu drängen, daß Vater und Mutter unglücklich sind, daß sie es wurden durch Stern. Eile heim an ihre Seite. Nichts hält Dich ab, dort ist Dein Platz!"

„Und Du?" fragte er nach einer Pause.

Die Schwester lächelte. „Hast Du vergessen," sagte sie, „daß ich verbannt bin? Ich bleibe hier, bis das Vaterland uns wieder ruft, was vielleicht eher geschieht, als wir ahnen. Der liebe Gott hat uns nicht ohne bestimmte Absicht in die Fremde geschickt. Was für ein reiches Feld für unsere Thätigkeit eröffnet sich hier! Wie rührend ist die Anhänglichkeit und Liebe der armen Geschöpfe, die unserer Pflege und Obhut anoertraut sind. Diese von der Welt verachteten Leute stehen in der Meinung Gottes ohne Zweifel viel höher als drüben in Europa Tausende vornehmer Damen und Herren; denn sie führen nicht wie jene Gottesfurcht und Glauben nur auf der Zunge, sondern ihre Seelen sind von einem heiligen Glauben an den Vater im Himmel durchglüht."

Mit unverkennbarer Bewunderung betrachtete Hugo die Schwester, auf deren bleichen Wangen die ernste Unterhaltung ein zartes Roth hervor­gebracht hatte. Aus dem schüchternen, anspruchs­losen Mädchen war eine ernste und erfahrene Jungfrau geworden, deren Lebenserfahrung in den paar Jahren dem Aller um Vieles voraus- geei't schien.

Es war ziemlich spat geworden, und Hugo kehrte nach Hause zurück.

einmal die äußerst prosaische, aber nichtsdesto­weniger ebenso brennende Geldfrage über den ganzen Krieg zwischen Spanien und den Verein. Staaten von Nordamerika.

* Hlerv-Dork, 11. Juli. Die Botschaft, welche Admiral Cervera (mit Erlaubnis des Admirals Sampson) an den General Blanc» geschickt hat, war die Rede eines braven Mannes: „Gemäß Ihren Befehlen bin ich gestern mit dem ganzen Geschwader aus Santiago gesegelt. Nach beispiellosem Kampfe gegen mehr als dreifache Uebermacht ist das Geschwader durch Feuer zer­stört worden. Die Maria Teresa, der Oquend» und die Viscaya wurden deshalb aus das Ufer gelassen. Der Cristobal Colon ergriff die Flucht. Ich benachrichtigte demgemäß die Amerikaner und stieg an's Land und ergab mich. Die Torpedo- Verfolger scheiterten. Ich weiß nicht, wie viele Menschenleben zu Grunde gegangen sind. Sicher­lich aber sind 600 todt und viele verwundet, wenn auch von den letzteren vielleicht nicht ganz so viele. Die Lebenden sind Gefangene der Amerikaner. Das Benehmen der Mannschaften erhob sich zu einem Heldenthum, daß es den be­geisterten Beifall des Feindes erzeugte. Der Be­fehlshaber der Viscaya übergab fein Schiff. Die Bemannung der Viscaya ist dankbar für die ge­nossene edelmüthige Behandlung."

* Washington, 11. Juli. Nach einem Telegramm des Generals Shafter verloren die Amerikaner gestern einen Hauptmann und zwei Gemeine. Ein Lieutenant und drei Soldaten wurden verwundet. — Die amerikanischen Schlacht­schiffe „Brocklyn", „Texas" und „Indiana" be­gannen gestern nach drei Uhr über den am Ufer sich erhebenden Felsen hinweg Santiago zu be- fchießen. Es war unmöglich, den Geschaffen die nöthige Elevation zu geben, sie fielen in zu ge­ringer Entfernung nieder. Da weder die acht­zölligen Gefchütze noch die schweren Kanonen ein besseres Resultat ergaben, wurde das Feuer nach einer Stunde eingestellt. Das ganze Bombarde­ment blieb fast resultatlos.

* Kavavva, 11. Juli. Marschall B l a n c o hat folgendes Manifest erlassen: „Einwohner der Insel Cuba! Nicht immer folgt das Glück der Tapferkeit. Das vom Contreadmiral Cervera befehligte Geschwader hat die größte Heldenthat verübt, welche die Annalen der spanischen Marine in diesem Jahrhundert zu verzeichnen gehabt haben. Das Geschwader hat gegen eine dreifach größere Uebermacht zu kämpfen gehabt. Es ist ruhmreich umtergegangen. Der Schlag ist hart, aber es wäre unter der Würde spanischer Herzen, einen Augenblick zu wanken in der Vertheidigung unserer gerechten Sache. Wenn wir alle vereint sind in der heiligen Sache der Vertheidigung unseres Vaterlandes, wenn wir Gut und Blut in den Tagen des Unglücks opfern, so steht die Tugend des Volkes zum Mindesten rein und unbefleckt da. Wollen wir Beweise ab­legen, daß das spanische Volk Tugend besitzt? In diesem hochernsten Augenblick müffen wir der ganzen Welt zeigen, daß unser Geist nicht durch Unglücksfälle gebeugt wird, und daß wir Muth genug haben, dem Unglück zu trotzen und zu kämpfen, bis wir das widrige Schicksal gebeugt haben. Wir haben Kraft genug dazu."

Eine hohe Freude schwellte sein Herz. Das Bewußtsein, daß ihm Luise die Treue bewahrt hatte, rief die süßen Hoffnungen wieder wach, die ihn einst so glücklich gemacht hatten; und so reifte in ihm der Entschluß, dem Rathe der Schwester zu folgen. Er war ja begnadigt und brauchte nichts mehr zu fürchten.

Er löste fein Dienstoerhältniß auf, was ihm unter den obwaltenden Umständen nicht allzu schwer wurde, und begann sich für die Reise in die Heimath zu rüsten. Er verschaffte sich auf dem nächsten nach Europa abgehenden Schiffe einen Platz, und nach einem herzlichen Abschiede von der Schwester trug ihn der Dampfer abermals in die schaumenden Fluchen hinaus.

Das Schiff machte fast den gleichen Weg, auf dem die „Themis" aus Europa gekommen war. Es legte sich im Hafen von Colon zwei Tage vor Anker, um Kohlen zu faffen, und nahm dann feinen Kurs an Haiti und St. Thomas vorbei der trauten Heimath zu.

Nach einer achttägigen Fahrt stand Hugo abends mit anderen Passagieren an Bord. Sehn­suchtsvoll schaute er in den grauen Nebelschleier hinein, hinter dem in weiter Ferne das schöne Ziel lag. . ...

Da schien am fernen Horizonte plötzlich ein kleines, rothes Licht aufzuflammen. Verwundert betrachtete er diese seltsame Erscheinung.

Auch der Kapitän hatte den Lichtschein be­merkt. Er fixirte ihn mit seinem Fernrohr und tief plötzlich: „Ein brennendes Schiff!" Der Dampfer, „Die Elbe", wurde gedreht, und mit voller Kraft durchschnitt er das Meer, um den Verunglückten Hilfe zu bringen. Das Flämmchen