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mit Zlnterhattungs-Aeitage „Mustrirte Sonntags-Jeitung!'
M 154.
Jutöcr, Montag, den 11. Juli 1898
25. Jahrgang.
L Bor der Wahl und nach der Wahl.
Kurz vor der Reichstagswahl erschienen in den amtlichen und halbamtlichen Organen Ankündigungen, daß zu einer der vornehmsten Aufgaben des nächsten Reichstages der weitere Ausbau der bestehenden sozialpolitischen Gesetze gehören müsse. Auch würden „die verbündeten Regierungen fortgesetzt bestrebt sein, die Wohlthaten der sozialpolitischen Gesetze immer weiteren Bevölkerungskreisen zuzuwenden und insbesondere auch die formale Wirksamkeit der genannten Gesetzgebung im Interesse der Arbeiterbevölkerung zu verbessern".
Das schien ein Wort zur rechten Zeit — aber leider war es eben ein Wort vor den Wahlen. Es war ein Wort in den Tagen, in denen die Regierung mit der Möglichkeit rechnete, so etwa 100 oder mehr sozialdemokratische Abgeordneten in den Reichstag zu bekommen — so ist hinterher verrathen worden. Nun aber ist es mit der Hälfte der Herren Genossen abgegangen und auf einmal scheint auch der sozialpolitische Eifer der Regierung wieder abgekühlt zu sein. Es wird von aCen Seiten abgewinkt, und dieselben amtlichen und halbamtlichen Organe, die vor den Wahlen allerhand schöne Versprechungen feilboten, sind jetzt an der Arbeit, um wieder flau zu machen.
Mit welcher Aengstlichkeit und Eilfertigkeit darauf hingewiesen wurde, daß nur in einem einzelnen Berichte, nicht etwa in mehreren Berichten, der preußischen Fabrikinspektoren die Frage der Einführung eines gesundheitlichen Maximalarbeitstages in Erwägung gezogen sei, ist bereits besprochen. Zu derselben Kategorie gehört das Aufgebot von Beweismitteln, das gegen die Errichtung eines Reichs- Arbeiteramtes mit einem Eifer aufgefahren wird, als handle es sich darum, einen der denkbar staatsgefährlicheu Vorschläge zu bekämpfen, die je dagewesen sind. Mindestens aber stellen sich jedesmql die offiziösen Federn bei neuen sozialpolitischen Vorschlägen so an, als sei es gar nicht denkbar, daß in unserer Sozialpolitik überhaupt noch etwas verbessert werden könnte — und dabei liegt doch auf diesem Gebiete alles so ziemlich dermaßen im Argen, wie es unter unseren Verhältnissen nur liegen kann. Denn seit Jahren ist geflissentlich und planmäßig jeder Fortschritt auf sozialpolitischem Gebiete Hintertrieb en worden. Ja, noch mehr: Gesetzentwürfe, die im Reichstage schon fast bis zur vollkommenen Erledigung gediehen waren, hat man unter den Tisch fallen lassen und dann nicht mehr eingebracht; so die viel besprochene Novelle zum Unfallversicherungsgesetz, die aus der Sitzungsperiode von 1896/97 als unerledigte Sache zurückblieb und in der nächsten Tagung nicht mehr eingebracht wurde. Und jetzt sollen augenscheinlich auch die allerletzten schönen Pläne, von denen kurz vor den letzten Wahlen gesprochen wurde, wieder in ein Nichts zerfließen, oder doch zu einem so winzigen Dinge zusammenschrumpfen, daß es sich nicht lohnt, davon zn reden.
Davon, daß „die Wohlthaten der sozialpolitischen Gesetze immer weiteren Bevölker-
Drr KapeUerchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
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| Es waren Gäste aus der nahen Garnisons- I stadt gekommen, darunter ein Militärarzt und der ff BräutigamLaoinias, Baron Rudolf v. Königsberg. ' Man tafelte bis in die Nacht hinein und war I ßuter Dinge. Der Hausherr wollte zum Schluffe noch mit etwas ganz Extrafeinem aufwarte«, einem alt>n Rheinwein, der sich in dem Keller unter dem Häuschen des Gärtners befand. Er i kam mit dem Doktor zu uns in das Bedienten- ' Zimmer und befahl mir, dem Burschen und noch zwei Schwarzen, ihm nach dem Hause zu folgen. Der Pavillon ist etwa zweihundert Schritte von dem Schlößchen entfernt, und wir hätten nach einigen Minuten wieder zurück sein können. Aber durch einen eigentbümlichen Zufall brach der Schlüsfel, als ihn der Gärtner in das Schloß des Kellers gesteckt hatte. Der Herr wurde ungeduldig und gebot, mit Gewalt aufzubrechen. Wir gehorchten, aber die starke Thüre widerstand doch einige Zeit, so daß mehr als eine Viertelstunde verstrich, bis wir, mit Flaschen beladen, ins Freie kamen. Da schracken wir alle zusammen. Vom Schlosse her tönte wildes Geschrei. Eine Räuberbande drang mordend und plündernd ins Haus, und eine Stimme schallte durch das Halbdunkel der Nacht, wie das Ge- prüll eines Jaguars: „Wo ist das Scheusal, wo ist der SVavenhändler? Nko ist da, um sich zu rächen!“
„Bei diesem Ruse begannen die Knie des
ungskreisen zugewendet" und daß „ihre Wirksamkeit im Interesse der Arbeiterbevölkerunc verbessert werden soll, ist schon jetzt gar nich mehr die Rede. Jetzt wissen die halbamtlichen Organe nur noch etwas davon, daß dem Reichstage im Spätherbste eine Novelle zum Alttes- und Jnvalidengesetze vorgelegt werden solle, da „diese weitaus dringlicher erscheine als die Revision der Unfallversicherung". Und was bisher über den vermuthlichen Inhalt dieser Novelle bekannt geworden ist, läßt den Schluß zu, daß dieselbe nicht int Interesse der Arbeiterbevölkerung erdacht worden ist. Eine sozialpolitische Fach zeitschrift, die,Soziale Praxis', macht darauf aufmerksam, indem sie sehr treffend und richtig so schreibt: „Vornehmlich handelt es sich dabei um einen Ausgleich der Beiträge zu Gunsten der noth- leidenden Versicherungsanstalten in einigen ländlichen Provinzen wie Ostpreußen und Niederbayern, sowie um Erleichterungen des Geschäftsganges — beides an sich Reformen, die man befürworten kann, von denen aber die Arbeiter selbst so gu wie nichts haben. Eine Herabsetzung der Altersgrenze der Versicherten und eine Erhöhung der Rente erscheint vor der Hand gänzlich ausgeschlossen . . ."
Weite Kreise, und nicht etwa nur Arbeiterkreise sind vollkommen durchdrungen von der Noth- wendigkeit einer Reform der Unfallversicherung. Nur die Sozialpolitiker der Regierung verschließen ihre Augen gewaltsam vor dieser Nothwendigkeit. Und warum? Die Geschichte der schon vorher erwähnten Novelle zur Unfallversicherung aus dem Winter 1896/97 lehrt uns das. Damals hat der Widerspruch und die geheime Agitation einer kleinen Gruppe von Großindustriellen hingereicht, um das Reformwerk unter den Tisch zu befördern. Und ähnlich wird es wohl auch diesmal zugegangen sein. Aber warum wundert man sich denn da eigentlich noch, daß die Umtriebe der Soziäldemokratie von einem Jahre zum andern sruchtbarern Boden vorfinden und je länger, desto üppiger ins Kraut schießen?
& Ter Sprachengesetz-Entwurf des Grafen Thun.
In Oesterreich arbeitet, wie schon kurz gemeldet, Ministerpräsident Graf Thun mit Hochdruck daran, die leidige und gefährliche Sprachenfrage zu lösen. Man darf erwarten, daß schon in wenigen Tagen die Entscheidung darüber getroffen fein wird, ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt fein werden. Daß die Regierung ihren Entwurf eines Sprachengesetzes fertig ausgearbeitet hat, ist schon vor wenigen Tagen berichtet worden. Nun gehören dem Kabinet des Grafen Thun sowohl ein Deutschliberaler, als auch ein Jungtscheche an, nämlich Dr. Bärnreither und Dr. Weizl, und da diese beiden Minister nichts von Amtsmüdigkeit erkennen lassen, müssen sie wohl alle beide mit dem Entwürfe des Sprachengesetzes einverstanden fein.
Von tschechischen Blättern werden Mit- theilungen über den Inhalt des Entwurfes gemacht. Danach soll der Entwurf aufgebaut ein auf dem Grundsätze der beiderseitigen Hausherrn zu schlottern. Seine Gesichtsfarbe wurde grau, und mit einem Seufzer brach er zusammen. Auf Befehl des Doüors trugen wir den Bewußtlosen wieder in den Keller zurück, dessen Thüre wir mit Fässern versperrten. Das infernalische Geschrei verstummte bald. Dagegen hörten wir in unserem Verstecke das Brausen der Flammen und das Prasseln und Krachen der kürzenden Balken an dem brennenden Schlosse."
„Nach zwei qualvollen Stunden, so fuhr der Neger fort, war es draußen ganz stille geworden. 5Der Doktor wagte sich ein wenig hinaus. Er ah und hörte von einem Feinde nichts mehr. Das Holzwerk des Schlößchens war verzehrt, und zwischen dem Qualm starrten die marmornen Säulen empor. Er trat näher. Da bot sich ihm ein schreckliches Blld. Auf der mit Asche und Schutt bedeckten Treppe lagen der Bruder des Hausherrn und Lavinia tobt und gräßlich ver- tümmelt. Von den übrigen Gästen bemeifte er nichts; wahrscheinlich hatte man sie im Innern des Hauses überfallen und niedergemacht. Halb tobt vor Entsetzen kam ber Doktor zurück. Nachdem er sich einigermaßen erholt harte, befahl er uns, ben noch nicht zum Bewußtfein gekommenen Herrn in die Wohnung des Gärtners zu tragen Von ba soll er nun in bte Stabt gebracht werben."
Hugo war durch den Bericht des Negers so tief ergriffen, daß er nicht sprechen konnte. In peinliche Gedanken versunken saß er auf seinem Pferde.
Die Kunde von dem grauenvollen Uebersalle Derbrettete sich nach feiner Ankunft schnell durch die Stadt, und als er mit seinem Wagen wieder
Gleichberechtigung der deutschen und der tschechischen Sprache. Die deutsche Amtssprache soll gelten in rein deutschen Gegenden, die tschechische Amtssprache in rein tschechischen, und es sollen von Amtswegen Uebersetzer bestellt werden für solche Eingaben, die bei den Aemtern, Behörden und Gerichten in derjenigen Sprache einlaufen, die an dem fraglichen Orte nicht Amtssprache ist. Außerdem heißt es, der Entwurf enthalte auch die von den Tschechen längst angestrebte Aufhebung der Sprachenverordnung, die für die Staatsprüfungen besteht. Nach dieser Verordnung soll jeder Beamte beider böhmischen Landessprachen mächtig fein. Würde diese Bestimmung wegfallen, dann würde von einem Beamten in einer rein tschechischen Gegend nicht mehr die Kenntniß der deutschen Sprache verlangt werden dürfen; und ebenso brauchten die deutschen Beamten in rein deutschen Bezirken nichts mehr vom Tschechischen zu verstehen. Es liegt auf der Hand, daß durch solche Einrichtungen die Zwiespältigkeit in der Verwaltung, die schon jetzt in so lästiger Weise in den österreichischen Ländern sich breit macht, noch mehr gefördert werden würde. Aber schließlich müßte doch wohl die Beilegung des gegenwärtigen, auf die Dauer unerträglichen Streitzustandes ein solches Opfer werth sein.
Es fragt sich, ob auf diesem Wege denn auch wirklich eine Beilegung dieses unseligen Nationali- tätenhaders zu erzielen sein würde. Einigen Vertrauensmännern der tschechischen Großgrundbesitzer und der Jungtschechen hat Graf Thun seinen Gesetzentwurf bereits in vertraulicher Weise vorgelegt; und diese haben sich im Allgemeinen einverstanden damit erklärt, daß sie bereit seien, in Unterhandlungen darüber einzutreten; und das ist schon immer etwas. Denn bisher will die deutsche Linke nicht einmal etwas von Verhandlungen wissen, solange noch die Sprachenverordnungen des Grafen Badeni zu Recht bestehen; und fortgesetzt lassen die Aeußer- ungen der Blätter der deutschen Volkspartei und der deutschen Fortschrittspartei auf eine starke Strömung in ben Reihen biefer Parteien schließen, bte nach wie vor benselben Standpunkt ber Obstruktion einnimmt. Graf Thun müßte also zunächst bebacht sein darauf, diese Parteien des stätkstetl Widerspruches zu vereinzeln. Und in der Thal wird berichtet, daß der Minister- präsibent nunmehr erst die Vertreter des deutschen Großgrundbesitzes zu einer unverbindlichen Aussprache über seinen Plan einlaben will. Das Exekutiv-Komitee hat bereits fein Einverstänbniß in dem Sinne ausgesprochen, daß die Vertreter des deutschen Großgrundbesitzes der Einladung des Grafen Thun folgen wollen. Würden dieselben dann innerhalb der Konferenz der Klubobmänner ber Linken nachbrücklich eine allgemeine Theilnahme ber Linken an ben Konferenzen mit bem Grafen Thun befürworten, o würde dieser letztere schon einen starken Schritt vorwärts gekommen sein.
Ob das aber ber Fall fein wird, baruber iegt heute noch ber Schleier des Geheimnisses einer ungewissen Zukunft.
finausfuhr, um den kranken Herrn heiwznholen, chlossen verschiedene Gefährte und Reiter sich an.
Beim Hellen Tageslichte zeigte sich die entsetz- iche Verwüstung erst recht. Man hatte inteffen die verkohlten Leichname ber Gäste unb auch die entseelten Körper Rubolss und Ukos gefunden; te alle lagen mit Palmblättern bedeckt in einer Reihe neben Lavinia und dem tobten Bruder in einem breiten Kiosk.
Hugo, den die Mittheilungen des Barons über den Bruder seines Herrn in eine begreifliche Spannung versetzt hatte, entfernte ben Palmzweig unb blickte wirklich in das schmerzverzerrte Antlitz von Julius Stern.
„Sein Bruber!" rief er aus unb griff sich an den fast schwindelnden Kopf. „Es ist ja nicht möglich! Jener heißt Schleedorn und dieser Stern."
„Wir hießen früher auch Stern," sagte da 'eise ber schwarze Gärtner. „Allein nach ber lebersiebelung von Cuba hierher haben wir den Namen gewechselt. Es hat nichts geholfen. Ufo hat den Feind auch in dem Namen Schleedorn gefunden, wenn ihm nun auch, durch die große Äehnlichkeit getäuscht, ber Rechte entging."
Der junge Mann blickte den Tobten noch einmal an, unb nun wußte er auf einmal, warum ;m bas Antlitz seines Herrn von Anfang an so lekamtt erschienen war. Die Gesichtsbildung ber beiben Brüder war vollständig gleich.
Eine Fluth der verschiedenartigsten Gedanken durchwogte in diesem Augenblicke des jungen Mannes Gemüth. Er dachte an das Empfehlungschreiben, mit dem Stern ihn an das Hamburger Haus geschickt hatte — an das Urtheil, das von Bob über letzteres gefallt worden war — an den
Deutsches Reich»
Berlin, 8. Juli.
X Die Möglichkeit, daß Aerzog Krnst Onnther vo» Schleswig Kolsteii» mit der Prinzessin von Koburg-Gotha den Anforderungen der katholischen Kirche gemäß getraut werden könnte, läßt den protestantischen Scharfmachern keine ruhige Stunde mehr. Jetzt ist es wieder der protestantische Berliner,Reichsbote', der in folgenden Aufschrei ausbricht: „Das evangelische Volk (!) hat ein begründetes Recht auf eine authentische Aufklärung, sobald nur immer die schwebenden Verhandlungen abgeschlossen sind. Die Kabinettsordre vom Jahre 1853, welche den evangelischen Offizier, der schwach genug ist, die katholische Kindererziehung zu yersprechen, aus der Armee entfernt, besteht noch immer zu Recht. . . ." Und bann verlangt ber ,ReichSbote', baß „diese Kabinettsordre und ihre Anwendung auf § schärfste erneuert werde. Und das nennt man nun „protestantische Geistesfreiheit" predigen! Wirb Herzog Ernst Günther wirklich „so schwach" sein unb sich vom .Reichsboten' sein Handeln in kirchlichen Dingen vorschreiben lassen?
X Die Zusammensetzung des Zkräfidmms im «eiten Aeichstage macht schon jetzt einigen kartell-politischen Organen große Unruhe. Es ist schon mehrfach darauf hingewiesen worden, daß das Präsidium nach streng parlamentarischem Brauche entsprechend der Stärke der politischen Parteien zusammengesetzt sein müßte aus einem Centrnmsmanne, einem Konservativen und einem Sozialdemokraten. Das Centrum wird als stärkste Partei ohne Zweifel den Anspruch erheben darauf, daß der Platz des ersten Präsidenten aus seinen Reihen besetzt wird. Von den Sozialdemokraten ist vermuthungsweise in bürgerlich-demokratischen, noch nicht aber in sozialdemokratischen Blättern gesagt worden, daß sie diesmal wohl auch den Anspruch darauf erheben würden, int Reichstags- Präsidium vertreten zu sein. Bisher hatten sie stets darauf verzichtet. Jetzt aber, so hieß es weiter, wollten sie diesen Anspruch erheben, um zu zeigen, daß sie „eine politische Partei sein wollten wie jede andere auch". Die sozial-demokratische Presse selbst hat sich darüber noch gar nicht geäußert. Das Ganze ist also nichts weiter als Vermuthung. Nun kommt eine Berliner Zeitungs- Korrespondenz mit der wundersamen Ankündigung: „Der neu gewählte Reichstag wird gleich nach seinem Zusammentritt stürmische Scenen erleben, weil die Sozialdemokraten das Verlangen stellen werden, in ber Leitung der Geschäfte des Hauses mit vertreten zu sein. Das Centrum dürfte diesem Ansprüche in feiner Mehrheit Folge zu geben geneigt fein . . . ." Die.Militärisch-Politische Korrespondenz', die diese Betrachtung anstellt, hat zum Centrum nicht die geringsten Beziehungen. Und was sie hier von vermuthlichen Anschauungen der Centrumsmehrheit im neuen Reichstage sagt, ist nichts weiter als etwas, das sie sich, wie man zu sagen pflegt, „aus den Redaktionsfingern saugt" — auf gut Deutsch: wesenloses Gewäsch, das nicht die geringste Beachtung verdient. In der That haben
Mordanschlag in der Faktorei gegen Pater Hubertus unb an auch vieles Anbere, das er zum Theil aus glaubwürdigem Munde gehört, zum Theil elbst erlebt hatte, — unb mit überwältigenber Kraft brach fich bei ihm die Ueberzeugung Bahn, daß er der Vorsehung für ihre gnädige Führung durch dieses Labyrinth der grausamsten Selbstsucht unb Verworfenheit den innigsten Dank schuldig war.
Gegen Abend verließ man die Hazienda — vor wenigen Stunden noch eine Stätte des Glückes und der Freude, und jetzt ein verwüstetes Grab.---*
In den nächsten Tagen war es in dem Hause des Millionärs Schleedorn sehr still. Die Diener gingen scheu unb mit verstörten Gesichtern umher unb wagten auf den mit Teppichen belegten Gängen kaum aufzutreten.
Der Herr befand sich immer noch in seinem traurigen Zustande, wenn er auch nicht mehr wie unmittelbar nach der Katastrophe in Tobsucht verfiel. Still unb unbeweglich saß er oft Stunben lang ba unb starrte mit seinem ausbruckslosen Blicke stumpf vor sich hin.
Man hatte wohl bie Räuberbande energisch verfolgt, aber damit jedoch keinen andern Erfolg als bie Ueberzeugung gewonnen, daß dieselbe zu dem grauenvollen Racheakt besonders organifrrt worden sein mußte. Fast zu gleicher Zeit wie in O. waren auch an anderen Plätzen mehrere Geschäftshäuser zerstört unb die Inhaber niedergemacht worden, .von denen man wußte, daß zwischen ihnen und den Sklavenhändlern eine Verbindung bestand. Außer ben Händlern mit Ebenholz hatten die schrecklichen Menschen Niemandem auch nur ein Haar gekrümmt.