FuldaerMZertung
25. Jahrgang.
Iukda, Samstag, den 9. Juli 1898
JE 153
Setut und Vertag der Fuldaer Actiendruckeret petersgakse Nr. 2 (Harmonie).
übliche Versprechen — und es gedenke, der Kammer bis zum November mehrere Vorlagen zu unterbreiten. Da das Parlament jetzt vertagt wird, hätte das neue Ministerium einige Monate Ruhe und Schonzeit. Im Winter aber wird sich die neue Missra wiederholen, das Ministerium wird gestürzt, und wer dann die Erbschaft übernehmen soll — wer weiß es?!
Im Kriege zwischen Amerika und Spanien ist nunmehr eine allem Anscheine nach entscheidende Wendung eingetreten, und zwar eine für Spanien recht ungünstige Wendung: bei der von den Amerikanern seit Wochen belagerten Hafenfestung Santiago im westlichen Theile von Cuba ist es in den letzten Tagen der vergangenen Woche zu einem blutigen Kampfe gekoinmen, der mit der Niederlage der Spanier endete, die trotz heldenmüthigster Tapferkeit schließlich doch der liebermacht der Amerikaner erliegen mußten, denen sie aber schwere Verluste beibrachten. Schlimmer aber noch, als der Ausgang dieses Kampfes, und auch folgenschwerer ist für Spanien der Verlust der Flotte unter dem Admiral Cervera, die im Hafen von Santiago lag und hierher gekommen war, um die Amerikaner zu zwingen, ihre Flotte vor Havanna zu theilen, und so letzteren etwas Luft zu machen, was auch gelungen war. Am Samstag nun machte der Admiral den heroischen Versuch, die starke amerikanische Flotte, welche vor dem Hafen lag, zu durchbrechen und das offene Meer zu gewinnen. Sein Versuch gelang leider nicht. Die Schiffe kamen zwar aus dem Hafen heraus, geriethen dann aber in das furchtbare Feuer der schweren amerikanischen Schiffe — denen sie übrigens auch Schaden beibrachten — wurden von diesen in Brand geschossen und gingen zum größten Theile in Flammen auf. Was von der Besatzung nicht umkam, gerieth in die Gefangenschaft der Amerikaner. Es ist zwar noch nicht zuverlässig festgestellt, ob alle Schiffe Cerveras verloren sind — die amerikanischen und die spanischen Meldungen hierüber gehen weit auseinander — aber es kann doch kaum mehr bezweifelt werden, daß Spanien den Verlust dieses Theiles seiner Flotte zu beklagen und damit den bis jetzt schwersten Schlag in dem Kriege erlitten hat.
In Folge dieser spanischen Niederlage tauchen auch wieder Nachrichten von Friedensvermittelungen auf, die namentlich der Papst machen soll- Der spanische Ministerpräsident Sagasta soll aber erklärt haben, daß Spanien nicht um Frieden bitten, sondern bis zum letzten Mann kämpfen werde. In Havanna befänden sich noch lOOOOO Mann kampffähiger, geübter Truppen; die Lage sei somit keineswegs eine verzweifelte. Havanna könnten die Amerikaner nicht nehmen, und so lange sie dieses nicht eingenommen, hätten sie auch Cuba nicht. Das klingt alles sehr schön, allein wir möchten bezweifeln, daß die Dinge sich weiter so entwickeln werden, wie Sagasta — wünscht.
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Elisabeth antwortete: „Recht gern und von ganzem Herzen."
Dann besteigt jene die Stufen des Schaffots.
Darauf begann der Zug der Verurtheilten vor der Prinzessin.
Alle umarmten dieselbe mit Ausnahme der Männer, welche sich tief vor ihr verneigten. Ihnen allen erwiderte Elisabeth den letzten Gruß, und ihr Blick war voll von Hoffnung und christlichem Glauben.
Während dem schauerlichen Akte der Hinrichtung betete Elisabeth mit lauter Stimme das De profundia, wobei ihre Todesgefährten antworteten. Aber ihr Chor verminderte sich mehr und mehr.
Der Augenblick war gekommen, wo keine Stimme mehr antwortete. Während das vier- undzwanzigste Opfer sich erhob, um das Blutgerüst zu besteigen, halte Elisabeth zu ihm gesagt: „Muth, Glaube und Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes!"
Während sie dieses sprach, erhob sie sich selbst von den Knieen, um ihren Namen aus dem Munde des Scharfrichters zu vernehmen.
Ohne jegliche Hilfe stieg sie mit festem Schritte die verhängnißvollen Stufen hinan, die sie nicht mehr hinuntersteigen sollte und, indem sie ihre reinen Augen noch einmal zum Himmel erhob, ließ sie sich an den Block befestigen.
Da fiel ihr Halsband von den Schultern, und man konnte eine goldene Medaille von der unbefleckten Empfängniß sehen, die auf ihrer Brust ruhte. Der Scharfrichter wollte ihr dieses Zeichen der Andacht abnehmen. Als er sich dazu an- schickle, sagte Elisabeth zu ihm: „Im Namen Ihrer Mutter, mein Herr, bedecken Sie meine Brust!"
Es waren ihre letzten Worte; Worte, welche
Erinnerung an die Hinrichtung der unglücklichen Prinzessin Elisabeth von Frankreich.
Verschiedene Blätter erinnerten jüngst eines der schmachvollsten Verbrechen der großen französischen Revolution, an die Hinrichtung der edlen und frommen Prinzessin Elisabeth, der Schwester des Königs Ludwig XVL von Frankreich.
I.
Nach dem Zeugnisse der damals lebenden Geschichtsforscher vereinigte Elisabeth mit ihrer reizenden Anmulh die berrlichsten Tugenden. Geschmückt mit dem edelsten, opferreichsten Seelenadel war sie nicht minder intelligent, entschlossen und scharfsichtig. Sie allein vermochte mit ihrem Hellen Blicke die Geschicke der Revolution zu durchschauen. Ihr Herz, sowie auch ihr Geist zeichnen sich in zwei Zügen.
Eines Abends brachte man ihr einige Kleinodien ; es war ungefähr ein Werth von 400 Livres. Einige Augenblicke zögerte sie, dann sprach sie entschlossen: „Nein, ich will sie nicht, mit diesem (Selbe kann man vier Familien ernähren. —- Die lieben Armen — das war das Wort, das ihr so oft von den Lippen kam — der Winter wird wieder streng, was wird aus den Armen werden? Warum habe ich nicht mehr Geld, um sie unterstützen zu können!"
In den großen Gefahren der Revolution konnte sie sich nicht vom König trennen. Sie wollte sich auch nicht verheirathen; auch wollte sie Frankreich nicht verlassen, obschon ihr keine schöne Zukunft entgegenwinkte. Ihr Muth richtete alle auf und tröstete alle, so daß die Königin schrieb: „Meine liebe Schwester Elisabeth stärkt uns alle urch ikre große Ruhe und ihren Gleichmuth."
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X Fulda, 9. Juli.
Wahlbetrachtuugen findet man auch jetzt noch in 'bet Presse, allerdings meist in der Form von Äus- «einandersetzungen zwischen Organen einzelner Parteien, von denen die eine die andere beschuldigt, bei den Stichwahlen nicht staatserhaltend genug gewirkt . zu haben. So können Kartellblätter, konservative sowohl wie nationalliberale, die bei den Stichwahlen . auf ausgiebigere Unterstützung seitens der Freisinnigen gerechnet hatten, es den letztern nicht verzeihen, daß sie dieser Erwartung nicht entsprochen, sondern anstatt mittelparteilicher Kandidaten, die der Sozialdemokraten unterstützt haben. Dafür werden sie nun von den Kartellblättern mit den Sozialdemokraten auf eine Stufe gestellt, während hinwiederum die Freisinnigen sich dadurch rächen, daß sie Wahlkreise anführen, in denen Konservative zu Gunsten sozialdemokratischer Kandidaten, gegen freisinnige, den Ausschlag gegeben haben. Wir können diesen gegenseitigen Beschuldigungen um so mehr mit verschränkten Armen zusehen, als das Centrum von diesen Auseinandersetzungen nicht berührt wird und außerdem seitens der gegnerischen Prffse auch nachträglich nicht der Versuch gemacht wird, an dem unbestrittenen Wahlerfolg des • Centrums herumzumäkeln. Zwar haben nationalliberale Blätter, in der ihnen eigenen Gewissenlosigkeit, versucht, das Centrum für die Wahl von Sozialdemokraten in den drei badischen Wahlkreisen Mannheim, Karlsruhe und Pforzheim verantwortlich zu machen; indeß ist dieser Versuch an seiner eigenen Schlechtigkeit erstickt. Er sollte die Rache dafür sein, baß das Centrum sich nicht dazu hergab, in jenen Kreisen bei der Stichwahl die Nationalliberalen, die ben Sozialisten gegenüberstanden, zu unterstützen. Schon die bloße Zumuthung an das Centrum, dies zu thun, enthielt für letzteres eine schwere Beleidigung. Indem nun das Centrum in den drei Wahlkreisen Wahlenthaltung proklamirte, vertrat es den einzigen, richtigen Standpunkt, und daran kann alles nachträgliche Gekläffe nationalliberal-kulturkämpferischer Blätter nichts ändern.
Man wird sich erinnern, wie entrüstet vor den Wahlen die Kartellpresse darüber that, daß Centrumsund freisinnige Blätter unaufhörlich auf die dem Reichstags-Wahlrecht drohenden Gefahren hiu- wiesen, falls eine mittelparteiliche Mehrheit gewählt werden sollte. Diese Behauptungen wurden als „Schwindel" und „unehrliches Wahlmanöver" bezeichnet. Kaum nun sind die Wahlen vorüber, da tauchen in derselben Kartellpresse schon wieder Angriffe auf das Reichstags-Wahlrecht auf, dessen Aenderung, wie die eben beendeten Wahlen gezeigt hätten, unbedingt „nothwendig" sei. Die „Nothwendigkeit" ergibt sich natürlich daraus, daß die Kartellbrüder bei den Wahlen so schlechte Geschäfte gemacht haben, und da ihre Interessen mit den Reichsinteressen selbstredend „gleichbedeutend" sind, muß ihnen zuliebe das Wahlrecht geändert werden. Man sieht hieraus, wie gut es war, daß die Wähler auf der Hut waren, den Kartellbrüdern eine gründliche Absage ertheilt und für eine Mehrheit gesorgt haben, die alle Angriffe, welche im Reichstage auf das Wahlrecht etwa gemacht werden
Insel kosten wird. Als der neue Aufstand ausbrach, hieß es, es handele sich nur um die Beutezüge einiger Räuberbanden; es fei bereits Gensdarmerie ausgesandt, um dieselben unschädlich zu machen.
Allem Anscheine nach hat im Anfänge die spanische Regierung selbst diesen Unsinn geglaubt. Dann wurde gehandelt, als es zu spät dazu war, während man im Anfänge die neue Bewegung wahrscheinlich ganz leicht hätte unterdrücken können. Man hätte darauf um so mehr bedacht sein müssen, als man ja längst ganz genau wußte, daß die Amerikaner schon immer lüstern waren nach dem Besitze der Insel Cuba, die man mit vollem Rechte die Perle der Antillen nennt. Man mußte, wenn der Regierungsapparat nur einigermaßen in Ordnung war, unbedingt wissen, daß die Yankees im Geheimen fortwährend unter den Cubanern wühlten und schürten, um sie zu neuem Aufstande gegen Spanien zu reizen. Aber dieser Apparat scheint wirklich von aller Ordnung außerordentlich entfernt gewesen zu sein. ,
Daß die Spanier wie Tyrannen m Cuba gehaust hätten, ist nichts weiter, als eine vollendete Lüge. Dem liebenswürdigen Volkscharakter des Spaniers liegt gerade dieser Zug sehr fern. Aber eine fast unbegreifliche Verkennung dessen, was die Cubaner brauchten und wollten, zieht sich wie ein rother Faden durch die ganze Entwickelungsgeschichte der spanischen Regierung auf der Insel Cuba.
Zunächst wünschten die Cubaner nichts sehnlicher, als daß man sie theilnehmen ließe an der Regierung und Verwaltung der Insel. Und wahrscheinlich würde sich niemals auf der Insel Cuba ein Aufstand gegen die spanische Herrschaft erhoben haben, wenn die Spanier diesen Wünschen mit klugem Nachgeben nur ein wenig entgegen gekommen wären. Aber gerade das Gegentheil davon ist geschehen. Die eingeborenen Cubaner wurden geflissentlich von allen, aber auch von allen Stellen ausgeschlossen, und diese letzteren wurden ausschließlich nur mit Urspaniern besetzt. Und diese spanischen Beamten auf Cuba wirthschafteten allerdings nicht so, wie sie hätten wirthschaften sollen. Ihr Hauptstreben ging vielfach dahin, ihre Taschen so schnell und so gut wie möglich zu füllen und dann so rasch wie möglich nach dem Mutterland? Spanien zurückzukehren. Daß ein solches Verfahren, von einer Generation zur andern , fortgesetzt, bei den eingeborenen Cubanern Erbitterung hervorrief, Hervorrufen mußte, liegt klar auf der Hand. Aber höchst wahrscheinlich würde es noch lange nicht zum regelrechten Aufstande gekommen sein, wenn nicht fort und fort das heimliche Jntriguenspiel der Amerikaner die eingeborenen Cubaner zum offenen Aufstande aufgereizt und angestachelt hätte. Denn auf der Insel Puertorico haben die Spanier genau ebenso „regiert", wie in Cuba. In Puertorico aber hat es niemals nordamerikanische Umtriebe, und demgemäß auch keine aufständischen Bewegungen gegeben.
sollten, entschieden abwehren wird. Bester vorgebaut, als zu spät berent'
Regierungs- und mittelparteiliche Blatter, denen das starke Anwachsen der Sozialdemokratie schwere Sorgen macht, unterhalten sich fortgesetzt darüber, wie diesem Anwachsen erfolgreich entgegengetreten werden könne Trotz allen schlimmen Erfahrungen nun endigt die Weisheit" aller dieser Erörterungen auch jetzt wieder in der Forderung nach einem Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie, während doch gerade das Bismarcksche Sozialistengesetz am meisten zur Ausbreitung der Sozialdemokratie beigetragen hat. Diese gewaltthätigen „Sozialistentödter" werden niemals klug werden, und wenn ihnen die Fluth auch bis zum Halse gestiegen wäre. Gerade die eben beendeten Wahlen wieder haben bewiesen, wie das Stocken der Sozialreform, das Hinneigen der Regierung zu der reformfeindlichen Richtung der Stumm u. Gen. das beste Förderungsmittel der Sozialdemokratie ist. Und doch soll auf diesem verhängnißvollen Wege fortgeschritten werden! Man begreift eine solche Blindheit nicht. Anstatt die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, welche der erfolgreichen Bekämpfung des Sozialismus entgegenstehen, sollen noch weitere Hindernisse aufgethürmt werden! Allerdings werden die Volks- und arbeiterfteundlichen Parteien im Reichstag den Versuch machen, die ins Stocken geratene Sozialreform wieder in Fluß zu bringen, allein wenn die Regierung zu diesem Versuche sich widerwillig stellt — was kann dann viel dabei herauskommen?! Freilich darf sie dann sich auch nicht wundern, wenn sie für das Wachsthum der Sozialdemokratie mit verantwortlich gemacht wird.
In Frankreich hat das neue radikale Ministerium Brisson in „gemäßigter" Verkleidung die Kammermehrheit zu täuschen verstanden und mit 80 Stimmen Majorität ein Vertrauensvotum von derselben erhalten. Wie lange dasselbe aber vorhalten wird, ist eine andere Frage. Da nicht anzunehmen ist, daß das Kabinet seine radikalen Bestrebungen dauernd aufgegeben hat — das würden schon die ungestümen Radikalen und Sozialisten nicht dulden — dürfte sich bald ein anderes Bild zeigen, denn es wäre doch gar zu merkwürdig, wenn ein radikales Ministerium längere Zeit mit einer „gemäßigten" Mehrheit sollte regieren können. Die Rechte wird, sobald sich die Gelegenheit bietet, nicht zögern, dem Ministerium Brisson den Lebensfaden abzuschneiden. Daß dies recht bald geschehe, kann man nur dringend wünschen, sonst wird Frankreich bald wieder das Schauspiel einer verschärften Katholikenhetze bieten, denn, wie berichtet wird, beabsichtigt das Ministerium, mehrere Gesetze zur Bekämpfung des „Klerikalismus" der Kammer vorzulegen; insbesondere soll es auf die weitere Ausraubung der Kirche, eine Lieblingsbeschäftigung der radikalen Spitzbuben, abgesehen sein.
In Italien hat nach wiederholten vergeblichen Versuchen Anderer der frühere Kriegsminister General Pelloux mit Ach und Krach ein Ministerium zu Stande gebracht, von dem aber auch kein Mensch sagen kann, ob und wie lange es lebensfähig sein wird. Am Montag hat das meist aus neuen, mehr oder weniger unbekannten Männern bestehende Kabinet sich der Kammer und dem Senate vorgestellt. Der Ministerpräsident gab die Erklärung ab, daß das Ministerium ein Kabinet der Verwaltung sei, also ein unpolitisches, das lediglich die Geschäfte führen, das Land beruhigen und dieses wieder zu normalen Zuständen — eben besteht nämlich noch der Belagerungszustand — zurück- führen wolle. Er forderte die Bewilligung des Budgets bis zum Ende des Jahres. Inzwischen werde das Kabinet „Reformen" anbahnen — das in Italien
Das Volk von Paris — das wahre Volk, nicht jenes, das die Straßen durchzog, brüllend, raubend, mordend — nannte sie die „heilige Ge- nofeva der Tuilerien".
Hier kurz die Geschichte ihrer Hinrichtung.
Mit Prinzessin Elisabeth hatte man noch 24 andere veruriheilt, darunter einige Männer und Damen des Adels. Dumas, Präsident des Gerichtshofes, rief, als er ihr das Urtheil vorlas, mit unverschämtem, beißendem Spolt: „Elisabeth von Frankreich kann sich nicht beklagen, sie kann sich nach Versailles denken, wenn sie sich am Fuße der heiligen Guillotine (!) befindet, umgeben von ihrem treuen Adel"
Man stieß die Opfer in den Saal der zum Tode Verurtbeilten. Elisabeth, so erzählte einer der Gesängnißwärter, forderte sie auf, mit Vertrauen auf Gott ihr Leben hinzugeben, der dieses Opfer ihnen vergüten könne. Sie beschwor sie dann, das Opfer ihres Lebens auf den Altar zu legen zur Sühne für die Sünden Frankreichs, um so den Zorn Gottes von ihm abzuhalten.
Unter denen, welche mit ihr zum Tode ver- uriheilt waren, befanden sich auch Arme; aber für alle hatte sie ein liebendes Wort und einen liebreichen Blick.
Man fuhr zur Richtstätte; es war 5 Uhr Abends, ein schöner Frühlingstag. Das Fahrzeug, auf welchem Elisabeth war, enthielt noch vier andere Personen: die alte Schwester de Males- Herbes und die Marquise de Crussol, welche ihr zu beiden Seiten saßen; zu ihren Füßen saßen zwei Männer. Ein treuer, braver Priester, R. P. de Sambucy, begleitete sie zum Schaffot.
Als die Wagen aus dem Gerichtshöfe fuhren, erhob sich ein Gebrüll aus der gaffenden Volksmenge. Dame de Malesherbes wollte vor Schrecken zusammenbrechen.
O Spanien und Cuba.
Noch gar nicht weit liegt die Zeit zurück, in der die Insel Cuba schon einmal von schweren inneren Kämpfen heimgesucht wurde. Das war in dem Jahrzehnt von 1868 bis 1878. Und schon daraus, daß der Aufstand damals zehn Jahre dauerte, kann man den Schluß ziehen, daß es schon damals den Spaniern nicht leicht geworden ist, den Aufstand niederzuwerfen. Um so unbegreiflicher ist es, daß die spanische Regierung in so außerordentlicher Weise aber die Natur des neuen Aufstandes sich täuschen konnte, der nunmehr aller Wahrscheinlichkeit nach dem Königreiche Spanien den Besitz der ganzen
„Muth!" rief ihr da Elisabeth zu, „bald sind wir im Schooße des himmlischen Vaters, allwo wir all' unsere Lieben wiederfinden!"
Die Prinzessin trägt ein weißes Kleid, ein Schleier bedeckt ihre Schulteru, während ein Taschentuch über ihre Haare geworfen ist, welche man ihr abgeschnitten hat. — Alle Verurtheilten hatten die Hände auf dem Rücken festgebunden.
Der Trauerzug setzt sich in Bewegung. Bald nimmt das „echte Franzosenvolk" den Platz des gemeinen Pöbels ein, den man um den Gerichtshof versammelt hatte. Ruhige Stille, dann eine Art von Schrecken und Bestürzung treten an die Stelle des Lärmens der Jakobiner.
II.
Endlich ist man am Richiplatz angelangt. Die Schreckensmänner hatten beschlossen, um das königliche Opfer so viel als möglich zu quälen, daß sie zuletzt hingerichtet werden sollte, so daß sie die Häupter aller ihrer Freunde fallen sehen mußte. Aber Gott wendet oft die Pläne der Bösen zum Ruhme der Gerechtigkeit.
Eine ungeheure Menge ist dort versammelt, und augenblicklich herrscht unter ihr das tiefste Schweigen. Nun las der Polizeibeamte die Namen der Verurtheilten ab. Dann spielte sich jene Szene ab, eine der edelsten und rührendsten, welche die Geschichte uns erzählt: Die königliche Prinzessin steht aufrecht da, mit entblößtem Haupte, die Hände gebunden, ganz weiß gekleidet, bald das Schaffot mit ruhiger Verachtung be- trachend, bald mit sanftem Lächeln ihre Mitver- urtheilten anblickend; dann richtete sie ihre blauen Augen gen Himmel, deren sanften Strahl schon so viele Arme bewundert hatten.
Dame de Crussol wird zuerst genannt. Sie schreitet auf die Prinzessin zu, verbeugt sich tief vor ihr und bittet, sie umarmen zu dürfen.