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KuldaerMZeitung

Jutöcl, Samstag, den 9. Juli 1898

25. Jahrgang

M 153

Inserate: Dien» spalt. GarmonL- zeile oder üerrn Raum 15 Pf., Rs» Namen die Petit» zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

-Erscheint täglich, ^».Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Keiugsprris ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts 1 M. 50 Pf.

für Ztfcrau?I. parz-ller tn Lntta. mit Anterkaltungs-Ieilage „Ilkukrirte Sonntags-Zeitung" prt-r»gaäe Nr. 2 (ttoimetue).

Einladung

zur

45. Semalversmmlllvg der Latholikeu Deulschlaods in Lreseld.

Kathokike«!

Die 45. Generalversammlung der Katholiken 'Deutschlands findet laut einstimmigem Beschlüsse des Landshuter Katholikentages in Krefeld statt. Sie wird am 21. A«g«fi beginnen und bis zum 25. dauern.

Die Katholiken Krefelds waren sich wohl be­wußt, welch schwere Verantwortung sie über­nahmen, als sie sich die Auszeichnung erbaten, den Katholikentag in den Mauern ihrer Vater­stadt beherbergen zu dürfen. Das von ihnen ein­gesetzte Lokalkomitee hat in steter Fühlung mit den kirchlichen Behörden und im Einvernehmen mit dem verehrten Kommissar der Generalver­sammlungen, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Karl . ju Löwenstein, in monatelanger Arbeit alle Vor­bereitungen getroffen, um die 45. Generalver­sammlung ihren Vorgängerinnen ebenbürtig an­zureihen, ihr ein würdiges Heim zu bereiten und ihr einen fruchtverheißenden Verlauf zu sichern. Das Lokalkomitee gibt sich nunmehr die Ehre, die Katholiken von nah und fern zum Besuche derselben herzlichst einzuladen.

Die Stadt Krefeld hat zwar keine große ge­schichtliche Vergangenheit, sie hat daher keine hervorragende historische Denkmäler aufzuweisen. Als der alte Hauptsitz der deutschen Seiden­industrie ist sie eine Stätte still-emsiger Betrieb­samkeit, anspruchslos wie die gewissenhafte täg­liche Pflichterfüllung, schlicht und einfach gleich der weiten Ebene des Niederrheins, aus der sie sich erhebt, aber auch gleich ihr nicht ohne an­heimelnden Reiz. In einem Punkte aber glaubt Krefeld, das in dem hl. Bischof und Märtyrer Dionysius seinen Schutzpatron verehrt, hinter keine andere Stadt zurücktreten zu brauchen: in der Lebendigkeit seines katholischen Bewußtseins und in der unermüdlichen, zielbewußten Thatkraft, die katholische Ueberzeugung auch im bürgerlichen Leben entschieden zum Ausdruck zu bringen. Und so freut sich Krefeld der Ehre, Schauplatz, Zeuge und Theilnehmer jener erhebenden Kundgebung katholischer Einheit zu sein, die, aus der Wurzel katholischen Glaubens emporsprießend, alljährlich neue Blüthen und Früchte trägt.

Die 45. Generalversammlung fällt in ein Jubiläumsjahr. Ein halbes Jahrhundert, reich an Umwälzungen und Neubildungen aller Art, ganz besonders aber fruchtbar für die Entwickelung des katholischen Lebens in Deutschland ist seit dem Umsturzjahre 1848 dahingegangen. Durchaus wider die Absicht der Leiter der revolutionären Strömungen hat das rothe Jahr der katholischen Bewegung einen mächtigen Impuls gegeben und gerade dem katholischen Deutschland das gebracht.

Der Kaprllrnhof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

29 ------ (Nachdruck verboten.)

Hugo hatte seine junge Herrin stets mit freundlichem Interesse beobachtet. Mit der zarten Gestalt, dem bleichen Antlitze und den großen dunkeln Augen, in denen ein fast wehmüth'ger Ernst lag, glich sie der Schwester. Auch ihr Herz war sanft und gut, und alle Dienstbolen hingen mit großer Liebe an ihr.

„Möge Fräulein Lavinia glücklich sein," dachte Hugo — „so glücklich, wie sie's verdient."

Es war schon ziemlich spät in der Nacht und Hugo wollte eben die Ruhe suchen. Da wurde eine dringende Depesche für Herrn Schleedorn gebracht.

Der junge Mann begab sich in das Zimmer des Laufburschen, um ihn nach der Hazienda zu schicken; allein der Schlingel war fort. Er hatte ohne Zweifel die Abwesenheit der Herrschasl zu einem Ausfluge benützt. Den zweiten Burschen hatte der Herr mit auf das Landgut genommen. Hugo beschloß deshalb, die jedenfalls wichtige Depesche selbst zu befördern. Er sattelte ein Pferd und ritt in der stillen Mondnacht davon.

Hugo mußre mehrere Meilen zurücklegen, hoffte aber gegen Morgen an Ort und Stelle zu sein. Schon glaubte er aus weiter Ferne das dumpfe Rauschen des Orinoko zu hören, da schlug eine mächtige Feuergarbe zum Himmel empor. Das Feuer war ganz in der Richtung der Hazienda des Herrn. Von einer bangen Ahnung erfaßt, trieb Hugo sein Pferd zum schnellsten

5. Schriftführer.

Paul Krüsemann, Rechtsanwalt und Stadtver­ordneter. Johannes Blum, Gutsbesitzer und Stadt­verordneter. Vincenz Ens hoff, Kanzleirath. Max Kämper, Rendant. Dr. med. König, Arzt. Heinr. Theisten, Kaufmann und Stadtverordneter, Uerdmgen.

6. Vorsitzende der Atommifsione«- a) Anmelde- und Finanz-Kommission.

Max Sticker, Rentner. Dr. Karl Jumpertz, Bankdirektor.

b) Ausstellungs-Kommission.

Dr. Johann Hasenäcker, Pfarrer. Dr. med. König, Arzt.

c) Bau- und Ausschmückungs-Kommission.

August Koch, Architekt. August Wienges, Architekt.

d) Fest-Kommission.

Hch. Creutzberg, Buchhändler und Stadtverord­neter. Joseph Oediger, Kaufmann.

e) Ordnungs-Kommission.

Karl Maurenbrecher, Kaufmann und Stadt­verordneter. Ernst Schefers, Hauptlehrer.

f) Preß-Kommission.

Heinrich Otto, Verleger und Stadtverordneter. Theodor Bechen, Kaplan.

g) Redner-Kommission.

Hubert Flecken, Pfarrer. Paul Krüsemann, Rechtsanwalt und Stadtverordneter.

h) Wallfahrts-Kommission.

Dr. Kaspar Thywissen, Pfarrer. Michael Giersberg, Kaplan.

i) Wohnung?- und Begrüßungs-Kommission.

Wilhelm Theodor Bremen, Rentner und Stadt­verordneter. Max Kämper, Rendant.

was jene für das politische Deutschland damals vergeblicherstrebten: die Einigung. Wie sich die Katholiken aller deutschen Gaue in jener Zeit der Auflösung jeglicher Ordnung ausnahmslos als die treuesten Unterthanen und als die uner­schütterlichen Stützen der bedrohten Throne be­währten, so schufen sie sich, von der errungenen Freiheit klugen und maßvollen Gebrauch machend, in der damals zum ersten Male (vom 3. bis 6. Oktober in Mainz) abgehaltenen Generalver­sammlung ein gemeinsames dauerndes Organ zur Vertheidigung ihrer eigenen Jntereffen, zur Pflege des katholischen Gedankens auf dem politischen, sozialen und charitativen Gebiete, in der Wissen- schaft, Literatur und bildenden Kunst. Von der ersten Mainzer Generalversammlung datirt der Aufschwung des katholischen Lebens in Deutsch­land. Unter schweren Käprpfen und Mühen, selbst im Sturm und Drang übermächtiger Ver­folgung sind die deutschen Katholiken seither un­ablässig vorangeschritten und haben durch die Ebenbürtigkeit ihrer Leistungen und Thalen auf allen Gebieten den Beweis erbracht, daß der Vorwurf der Inferiorität längst seine Berechtigung verloren hat.

Auf unseren Katholikentagen behandeln wir unsere eigenen Angelegenheiten, nur diese; wir erneuern auf ihnen das öffentliche einmüthige Bekenntniß zur Fahne Christi, prüfen und be­festigen, was wir unter ihrem Schirm errungen haben, suchen unsere Mängel zu erkennen und zu erwägen, wie ihnen abgeholfen werden kann. Auch die 45. Generalversammlung wird in dieser Weise thätig sein, einig, eifrig und freudig. Möge sie dazu beitragen, daß das Werk, welches vor fünfzig Jahren muthvoll begonnen wurde, mit stets wachsendem Erfolge fortgesetzt wird! Ihre Aufgabe ist groß und bedeutungsvoll, denn wir arbeiten nicht zu unserer eigenen Ehre, nicht um irdischer, vergänglicher Vortheile willen, sondern im Dienste und zum Ruhme des Kreuzes, welches die Völker zu wahrer Weisheit und unvergäng­lichem Glücke führt.

Katholische Brüder und Freunde, findet Euch recht zahlreich aus allen Gauen des Vaterlandes mit uns zu gemeinsamer Berathung und ein­trächtiger Arbeit zusammen! Allen lieben Gästen freudigen herzlichen Willkommgruß!

Krefeld, den 5. Juli 1898.

Das tokalkomitrr

iur Norberritllug Her 45. Grukralvkrsammluag drr Katholiken Deutschlands.

1. Stzren-SrNkdinm.

Johannes Lefranc, Dechanl und Oberpfarrer. Seine Durchlaucht Prinz und Herzog Johann Engelbert von Aren berg, Haus Pesch.

2. Präsidium.

Dr. med Wilhelm Urfen, Arzt und Stadtverord­neter, 1. Vorsitzender. Norbetl Keussen, Seidenfabri- kaltt und Stadtverordneter, 2. Vorsitzender. Heinrich Lagelse, Rentner, 3. Vorsitzender.

3. Eyren-Vorllands-Atitgtieder.

Joseph P a ult), Definitor und Pfarrer. Johann Gerh. Brockerhof, Rentner und Gutsbesitzer. August Hörster, Rentner und 1. Beigeordneter, Uerdingen. Johann Schmitz, Gutsbesitzer, Provinzial-Landtags­abgeordneter und Kreisdeputirter, Renneshof beiWillich.

4. Schatzmeister.

Dr. Karl Jumpertz, Bankdirektor. Heinr. Sinn, Kaufmann.

Deutsches Deich»

Berlin, 8. Juli.

X Je mehr von den einzelnen Ergebnisfen der letzten Reichslagswahlen bekannt wird, desto deutlicher tritt die Thatsache hervor, daß die Sozialdemokratie in überwiegend katholi­schen Landestheilen im Allgemeinen keine Fortschritte gemacht hat, daß vielmehr die Sozial­demokratie ihre starke Stimmenvermehrung pro­testantischen Wahlkreisen verdankt. Ein neuer Beweis für diese Thatsache sind die Stimmen­verhältnisse im Königreiche Bayern. Dort hat die Sozialdemokratie diesmal im Ganzen rund 10 700 Stimmen mehr erhalten als im Jahre 1893. Aber diesen Stimmenzuwachs hat ganz allein die überwiegend protestantische Rhein­pfalz aufgebracht, bisher bekannt als eine „Hoch- bur? des Nationalliberalismus". Denn thal- sächlich betragt in der Rtzeinpfalz allein der sozialdemokratische Stimmenzuwachs von 1893 bis 1898 nach der amtlichen Stimmenzählung 10 732 Stimmen. Bayern umfaßt 42 Reichs­tagswahlkreise. In 18 von diesen hat die Sozial­demokratie im Ganzen Fortschritte gemacht, also, da die Rheinpfalz sechs Wahlkreise umfaßt, in zwölf Wahlkreisen des eigentlichen Bayern. Von diesen zwölf Wahlkreisen aber sind 11 über­wiegend protestantisch! Die bayerische Stimmen Vermehrung der Sozialdemokratie im Ganzen hat allein die protestantische Rheinpfalz aufgebracht. Im übrigen Bayern hat sich also die Sozialdemokratie nicht vermehrt, wenn man das eigentliche Bayern als Ganzes betrachtet. Die einzelnen zwölf Wahlkreise aber, in denen die Sozialdemokratie diesmal mehr Stimmen be­kommen hat als vor 5 Jahren, und von denen 11 vorwiegend protestantisch sind, haben der So­zialdemokratie einen Stimmenzuwachs von etwas mehr als 14000 gebracht. Um diese 14000

Lause an. Er sah das Feuer, als er näher kam, schon säst erstickt. Dagegen stiegen immer noch dunkle Rauchwolken auf, und ein verworrenes Gelöse schlug an sein Ohr.

Nach einer weitern Viertelstunde hatte er die äußere Umzäumung der Hazienda erreicht. Er sprengte durch das Thor und sah statt des feen­haften Schlößchens einen wüsten Haufen rauchender Trümmer vor sich. Eine unheimliche Stille lag über dem Platze, nur das Heulen einiger Wölfe tönte aus dem angrenzenden Walde. Hugo war vom Pferde gestiegen und schritt in ängstlicher Spannung vorwärts — da tauchte plötzlich eine dunkle Gestalt vor ihm auf. Er erkannte beim Mondschein den alten Gärtner.

„Allmächtiger Gott, Sie sind es, Sennor Hugo!" rief der Neger, dessen Miene Angst und Schrecken verrielh. „Kehren Sie um, hier würgt der Tod."

„Was ist hier geschehen?" fragte Hugo mit bebender Stimme.

Der Neger schwieg und schaute traurig zu Boden. „Es geschah," sagte er nach einer Pause, „was ich schon lange gefürchtet hatte. Uko hat sich gerächt. Wir können nichts helfen," fuhr er nach einer Weile fort; „was todt ist, ist todt. Wir brauchen aber auch nichts mehr zu fürchten. Ich will Ihnen, Herr, die schreckliche Geschichte erzählen."

Hugo blickte mit großer Spannung in des Alten Gesicht, und dieser begann:

„Sehen Sie, lieber Herr, wir waren früher nicht hier, sondern drüben auf Cuba. Wir be­saßen kein schönes Haus, sondern nur eine höl­zerne Hütte und einen kleinen Garten davor.

Da fing der Herr den Handel mit Ebenholz (schwarzen Sklaven) an, und bald war er ein sehr reicher Mann. Einst brachte er einen guten Fang nach Hause, die ganze Familie eines Häupt­lings, Vater, Sohn, Mutter und Tochter. Die ersten entledigten sich Nachts ihrer Bande und entflohen. Allein man verfolgte sie mit den Blut­hunden, und ehe die Sonne am andern Tage unterging, waren sie wieder gefangen. Zur Strafe wurden beide unmenschlich gepeitscht, so daß der Vater seinen Schmerzen erlag. Der kräftige Sohn dagegen erholte sich bald. Seine Gesichtszüge jedoch hatten sich seit jenem Tage furchtbar verändert und er sprach mit keinem Menschen ein Wort. Ich habe ihn einst bei Nacht in seiner Hütte belauscht und die furchtbaren Ver­wünschungen und Flüche gehört, die er gegen seinen Peiniger ausstieß, und den Schwur ent­setzlicher Rache. Später verkaufte der Herr fein ganzes Besitzthum auf Cuba und zog hierher. Er hatte jenen Tag wohl schon lange vergessen, ich nicht; denn ich wußte, was Uko schwört, das hält er, und lägen auch noch so viele Jahre da­zwischen. Da sehen Sie hin, meine Furcht war nur zu sehr begründet. Das Haus ist zerstört und die Bewohner sind bis auf wenige todt."

Tief erschüttert folgte Hugo dem langsam vor­anschreitenden Alten.

O „Dort liegt der Schreckliche!" sagte dieser, nachdem sie eine kleine Strecke Weges zurückge­legt hatten, und deutete auf eine am Boden liegende menschliche Gestalt. „Er hat seine Rache mit dem Leben bezahlt."

Hugo trat näher und blickte in das häßliche Todtenäntlitz des Negers, der mit so großer Be-

müssen sich also die sozialdemokratischen Stimmen in dem überwiegend katholischen Bayern vermindert haben. Das Exempel ist so einfach und klar, daß irgend ein Zweifel an seiner Richtigkeit ausgeschlossen ist.

* Kaum sind die Wahlen vorüber mit ihrer nothdürftigen Vereinigung der beiden feindliche« freisinnigen Arüder, da beginnt auch schon wieder der Krieg zwischen beiden, der freisinnigen Volkspartei und der freisinnigen Vereinigung. Diese letztere ist, wie man weiß, sehr stolz auf den „Bauernverein Nordost", der in Pommern sein Heim aufgeschlagen hat zum Kummer und Aerger mehrerer konservativer Landräthe, nament­lich des einen Landrathes von Puttkamer. Aber Herr Eugen Richter hegt nichts weniger als Be­wunderung für die; en sogenannten Bauernverein, der ganz speziell eine Schöpfung seines Busen­feindes Rickert ist. Herrn Richter's »Freisinnige Zeitung" zerzaust das Wirken dieses Vereins un­barmherzig und kommt zu dem Schluffe, daß „Organisationen nach Art des Bauernvereins Nordost . . . weder für den Anschluß noch für die Nachahmung zu empfehlen sind". Die ,Frei- sinmge Zeitung" hegt diese Anschauung nament­lich deswegen, weil sie den Bauernverein Nordost als ein Gebilde ansieht, das der selbstständigen Kraft und Bedeutung entbehrt und sein Leben nicht voninnenheraus, sondern von oben herab bekommt .... und damit meint die freisinnige Zeitung" die wohlgefüllten Geld­säcke gewisser Leute, die namentlich Herrn Rickert zum politischen Häuptling und Geschäftsvollzieher sich ausersehen haben. Es will uns bedünken, als habe Herr Eugen Richter außerordent­lich recht mit dieser Kritik an dem Bauern­verein „Nordost". Die ganze Richtung, die sich Freisinnige Vereinigung nennt, hat ihr Leben nicht aus dem Volke heraus, sondern ist eine Gruppe, die aus geschäftlichen und eigensüchtigen Interessen entsprungen ist und nur mühsam durch Auf­wendung großer Geldmittel sich am Leben erhält.

x Nur immer langsam voran, nur immer langsam voran! Schleunigst wird die Nachricht widerrufen, daß in den Berichten der preußischen Fabrikaufsichtsbeamten die Einführung eines ge- snttdheilkiche« Warimararveitstages vor­geschlagen worden fei. Halbamtlich wird näm­lich richtig gestellt: „Wir machen besonders da­rauf aufmerksam, daß es sich bei dieser Mit­theilung lediglich um die Wiedergabe eines Vor­schlages handelt, den ein einzelner Beamter und zwar der Aufsichtsbeamte für den Regie­rungsbezirk Potsdam gemacht hat." Dem Auffichtsbeamten für den Regierungsbezirk Pots­dam gereicht dieser Vorschlag zur besondern Ehre. Weniger erfreulich ist die Geschäftigkeit, mit der von amtlicher Seite festgestellt wird, daß es sich nur um einen „vereinzelten" Vorschlag handele. Wir meinen, der Vorschlag an sich verdient ganz genau dieselbe Beachtung, ob er nun von mehreren Beamten oder nur von einzelnen gemacht wird.

X Die Aeschäflignng meivkicher Per­sonen im ^ostdiensie macht schon jetzt Fort­schritte. Namentlich werden jetzt fast jede Woche 20 bis 30 Gehilfinnen angestellt für den Tele­graphen- und Fernsprechdienst, und an einigen Postämtern macht man Versuche mit weiblichen

harrlichkeit ihr Haus in der Stadt beobachtet hatte. Ohne Zweifel hat er dort gestanden, um auf die Abreife des Herrn nach seiner Hazienda zu lauern — und dann die Vorbereitungen zum Vollzüge seiner Rache zu treffen. Auf dem ver­zerrten Antlitze glaubte Hugo jetzt noch den Widerschein eines wilden Triumphes zu sehen.

In diesem Augenblicke wurden die beiden durch ein Stöhnen erschreckt, das aus dem nächsten Kiosk kam. Sie traten ein und fanden auf der Moosbank einen jungen Mann in Offiziersuniform, bei dessen Anblick Hugo einen Rus der höchsten Ueberraschung entfuhr.

„Rudolf!" tönte es von seinen Lippen.

„Wasser, um Gotteswillen, Wasser!" ächzte der junge Offizier.

Hugo eilte nach einer Fontäne und brachte in seinem Hule Wasser herbei. Er hielt es an Rudolfs Mund und dieser schlürfte begierig den küh lenden Trank.

Erst jetzt öffnete der Baron v. Königsberg die Augen und erkannte den Mann, der ihm das Wasser gereicht hatte.

„Hugo," ries er voll Entsetzen, als erschien ihm ein Gespenst, „Du bist's? Nun glaube ich, daß es eine ewige Gerechtigkeit gibt!"

Hugo fühlte sich durch das gräßliche Wieder­sehen ebenfalls in nicht geringe Bestürzung ver­setzt. Eine Fluth der verschiedenartigsten Em­pfindungen drängte sich aus seiner Seele hervor, von denen jedoch das Mitleid für den Unglück­lichen im Vordergründe blieb. Auf feine Frage, ob er etwas helfen könne, bewegte der Verwun­dete mit trübem Lächeln verneinend den Kopf.

,,Es ist alles aus," sagte er, „die Kugel ha^