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Fuldaer M Zeitung
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mit Zlnlerhattungs-Meikage „IssuKrirte Sonntags-Zeitung"
Druck und Verla« der Fuldaer Lctieudruckeret peter»«affe Nr. 2 (Harmonie».
M 152.
Iuröcr, Freitag, den 8. Juli 1898
25. Jahrgang.
O Die katholische Kirche in Preußen und Deutschland.
! Mit einer
Nach den amtlichen Angaben anläßlich des Gesetzes über das Einkommen der Pfarrer gibt es in Preußen 4719 katholische Pfarreien, wovon 135 in den letzten Jahren gegründet wurden. Die Diaspora-Pfarreien scheinen nicht mit inbegriffen zu sein. Mit diesen und den sogenannten Kapellen- usw. Gemeinden dürfte es etwa 5000 Gemeinde-Mittelpunkte der Seelsorge geben. Bei 11 Millionen Katholiken kommen also 2200 derselben auf eine Pfarrei. Nun gibt es aber 1800 bis 2000 meist ländliche Pfarreien, die unter 2000, vielfach auch 1000 Seelen zählen. Diese Pfarreien sind, sofern kein Priestermangel herrscht, genügend versorgt. Zusammen aber zählen dieselben schwerlich viel über zwei Millionen Seelen. Bleiben also neun Millionen Katholiken für die übrigen 3000 Pfarreien, also im Durchschnitt 3000 auf eine Pfarrei. Im Osten, Schlesien, Posen und Westpreußen haben in der That auch ine ländlichen Pfarreien vielfach über 2000 und selbst oft 4-—5000 Seelen.
Offenbar genügt die Zahl der Pfarreien, abgesehen von den Großstädten, keineswegs. Bei der Mehrung der Bevölkerung werden in -nicht allzu ferner Zeit 12 Millionen Katholiken vorhanden sein, für welche 8000 Pfarreien nicht zu viel sein würden. Es bleiben also auch außerhalb der Großstädte noch viele Pfarreien zu gründen, wenn eine genügende Seelsorge statthaben soll. In den Großstädten sind 8- bis 10 000, die höchste Seelenzahl, welche auf einen Pfarrer mit mehreren Kaplänen gerechnet werden kann, natürlich vorausgesetzt, daß außerdem noch Ordensleute aushelfen, ihre und andere Anstaltskirchen (oder -Kapellen) vorhanden sind. Dieses Berhältniß ist aber z. B. in Köln, Düsseldorf, Dortmund usw. noch nicht erreicht. In Berlin kommen 160000 Katholiken auf acht Pfarreien, in Breslau 140-—150000 auf neun Pfarreien. In beiden Städten wären also etwa die doppelte Zahl Pfarveien erwünscht, nolh- wendig. Aehnliche Beispiele finden sich noch mehrere.
Bayern besitzt laut der ,Köln. Volksztg.' 2800 Pfarreien für 4,115,000 Katholiken, das Berhältniß ist also etwas günstiger als in Preußen; Mangel herrscht hauptsächlich in den großen Städten. München z. B. zählt 360--370,000 Katholiken für 16 oder 17, Nürnberg 40,000 für 3 Pfarreien. Württemberg zählt etwa 4-—500 Pfarreien für 620,000 Katholiken;nneue Pfarreien wären namentlich in mehreren Städten nothwendig. Baden besitzt 8-—900 Pfarreien für 1,050,000 Seelen. In den großen Städten, namentlich Mannheim und Karlsruhe, kommen 12-—15,000, selbst 20,000 Katholiken auf eine Pfarrei. Sachsen zählt nur 30 Pfarreien für 140,000 Katholiken, die unter drei Millionen Protestanten leben; also großer Mangel an
Der KaprUrrchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
28 ------ (Nachdruck verboten.)
Am Abend des folgenden Tages war ihr Ziel, die Mission in O. erreicht. Pater Hubertus befand sich nicht zum erstenmal in dieser Stadt und wußte Bescheid. Man beschloß, den Rest des Tages einem kleinen Abschiede zu widmen und am folgenden Morgen die nöthigen Schrille für die Zukunft zu thun.
In dem Gasthofe, den sie zum Absteigequartier wählten, wurde dem Pater eine freudige Neber- raschung zu Theil. Er traf einen Landsmann aus feinet deutschen Heimath, der als Buchhalter in einem öffentlichen Bureau angestellt war. Dieser begrüßte auch Hugo und Bob als Landsleute und rieth ihnen, in O. zu bleiben, wo er für beide sehr lohnende Stellen nachweisen könne.
Bob schüttelte, ohne sich zu besinnen, den Kopf und bat, ihm einen Platz auf irgend einem Schiffe zu besorgen. Hugo dagegen zeigte sich zur Annahme des Vorschlages bereit, umsomehr, als er hörte, daß er einer deutschen Familie als eine Art Hofmeister zngetheilt werden sollte.
Am gleichen Abend noch nahm er das Anerbieten bestimmt an, nachdem auch der Pater diesem Schritte seine Billigung ertheilt hatte.
Des anderen Tages erhoben sich alle schon früh, um die nöthigen Ausgänge zu machen. Bis zum Mittagstisch waren auch Bob und die beiden Matrosen versorgt. Letztere hatten Plätze auf einem englischen Dampfer gefunden, und Bob war Bootsmann auf einem amerikanischen Schiffe.
Seelsorge. Hessen besitzt 180 Pfarreien für 280s—300,000 Katholiken, also ebenfalls viele Lücken. Am besten steht es wohl im Reichsland, welches über 1100 Pfarreien für 1,300,000-—1,400,000 Katholiken besitzt. In den letzten Jahren sind mehrere neue Pfarreien gegründet worden. In Mülhausen, Straßburg, Saargemünd und andern Städten wären weitere Pfarreien nothwendig. Oldenburg zählt 36 Pfarreien für 70,000 Katholiken. Daß für die Katholiken in Hamburg, Bremen, Lübeck, den thüringischen Staaten usw. meist ungenügend gesorgt ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden.
Im Ganzen besitzen die 20 Millionen Katholiken des Deutschen Reiches höchstens 11,000 Pfarreien, so daß fast 2000 Seelen auf die Pfarrei kommen. Weitere 4000 Pfarreien wären jetzt nothwendig, oder werden in nicht allzu ferner Zukunft nothwendig fein, wenn eine ausreichende Seelsorge eingerichtet werden soll. Bei jährlich 120 bis 130 neuen Pfarreien würde es 30 Jahre zur Gründung dieser 4000 Pfarreien bedürfen. Aber in solchem Zeitraum würde die Zahl der Katholiken auch wiederum um 3—4 Millionen gewacbsen, das Berhältniß gegen heute also nicht gar viel günstiger sein. Es werden aber jetzt jährlich höchstens 50 neue Pfarreien gegründet. Bei solcher langsamen Zunahme ist also keine allgemeine Besserung der Verhältnisse zu erreichen, Die Katholiken müssen sich noch ungleich mehr anstrengen als bisher.
Aus vielen, besonders norddeutschen Sprengeln wird eine hocherfreuliche Zunahme der sich dem Priesterstande widmenden jungen Leute gemeldet. Doch sind die Lücken noch nicht alle ausgefüllt, welche der Kulturkampf gerissen hat. Die Zahl der jungen Priester muß sich noch bedeutend mehren, wenn eine größere Zahl neuer Pfarreien besetzt werden soll. Protestantische oder simultane Gymnasien stellen aber wenig oder keine katholischen Theologen. Folglich müssen wir auf Errichtung katholischer Gymnasien bestehen. Will der Staat uns keine gewähren, wie es doch feine Pflicht und auch fein Gedeihen erheischte, so soll er uns gestatten, eigene Gymnasien zu gründen, nöthigenfalls durch Ordensleute. Daß letztere auch zur Aushilfe in der Seelsorge unter den geschilderten Verhältnissen zahlreicher sein sollten als bisher, ist selbstverständlich.
Daß es besonderer, allgemeiner Anstrengungen bedarf, um die nöthige Zahl neuer Pfarreien zu gründen, ist außer Frage, selbst wenn Staat und Gemeinden dazu beitragen. Namentlich mußte der St. Bonifatius-Verein vj-l größere Summen, das doppelte, dreifache, aufbringen. Aber auch noch aus einer anderen Ursache Mte derselbe in allen Diözesen, allen Pfarreien eingeführt werden. In Frankreich ist es eine schon alte Erfahrung: überall wo sich der Verein der Glaubensverbreitung ausbreitet, steigt auch sehr bald die Zahl der Jünglinge, die sich dem Priesterstande widmen, oft Missionäre werden.
Wir dürfen es nicht verheimlichen, der Besitzstand der katholischen Kirche in Deutschland ist eingeengt, benachtheiligt, gefährdet. Schon vor mehreren Jahren wurde ausgerechnet, daß die Katholiken im Berhältniß zu den Protestanten, feit 1815 um eine Million in der Mehrung
So ging der letzte Tag vorüber. Mit dem nächsten Morgen mußte jeder in seinem neuen Wirkungskreise sein.
Hugo fiel der Abschied von dem treuen Bob schwer. Auch für diesen hätte es eine geeignete Stelle im gleichen Hause gegeben, das ihm eine willkommene Unterkunft bot, und der junge Mann gab sich alle Mühe, den ihm liebgewordenen Gefährten an die Scholle zu fesseln. Er vermochte aber nicht, ihn in seinem Entschlüsse wankend zu machen.
Zwei Tage später lichtete der „Herald", Bob's neues Schiff die Anker.
Hugo begleitete ihn an das Meer. Noch einmal drückten sich die Freunde ans Herz. „Auf Wiedersehen!" tönte es von ihren Lippen, und in der nächsten Minute trennte sie die rauschende See.
Pater Hubertus hatte O. fchon am Abende vorher verlassen. Aber er harte versprochen, bald wieder in die Gegend zu kommen, wenn die Umstände es irgendwie erlauben würden.
VI.
Mehr als zwei Jahre waren vorübergegangen. Hugo Amberg befand sich immer noch in seiner angenehmen Stellung bei dem Millionär Kilian Schleedorn, die ihm durch den Bekannten des Paters Hubertus verschafft worden war. Von Bob und dem alten Herrn hatte er in der ganzen Zeit nichts mehr gehört. Sein Dienst war sehr leicht. Er mußte die Aufsicht über die männlichen Dienstboten führen, von denen ihm ein Gärtner, ein Kutscher, ein Hausknecht und zwei Laufburschen unterstellt waren. Ferner hatte er die Haushaltungskasse zu verwalten und sonst noch einige Funktionen,
zurückgeblieben sind, was den.Reichsboten' und andere protestanttsche Blätter jubelnd als Beweis der Überlegenheit des Protestantismus ausposaunten. Nach den amtlichen Ausweisen fällt überall in Deutschland die größere Hälfte der Kinder aus Mischehen dem Protestanttsmus zu. Eine der Ursachen hiervon, wie auch des Ueber- trittes mancher Katholiken zum Protestantismus, besteht unzweifelhaft in dem Mangel an Seelsorge und Schulen jeder Stufe auf katholischer Seite. Nur durch die vereinten, einmüthigen Anstrengungen aller Katholiken Deutschlands kann eine Besserung dieser Verhältnisse erreicht werden. Dadurch können sie ihre Rechte erkämpfen und zugleich auch das Haus des Herrn bauen.
Deutsches Deich.
Berlin, 7. Juli.
* Eine Berliner Zeitungskorrespondenz meldet: Nach der Rückkunft des Kaisers von der Nordlandreise werden dieendgiltigenDispositionen für die nächste Winterkampagne getroffen werden. Zu dem Zwecke sind um diese Zeit der Reichskanzler, der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums und der Staatssekretär des Innern wieder in Berlin. Der Reichskanzler wird seinen längeren Urlaub erst nachdem antreten, und Herr v. Miquel wahrscheinlich noch einen Nachurlaub nehmen.
* Dem Kultusminister Dr. Masse ist das Großkreuz des Rothen Adlerordens mit Eichenlaub verliehen worden, und zwar mit einem sehr gnädigen Handschreiben des Kaisers, in welchem besonders des Verdienstes des Kultusministers um das Zustandekommen des Pfarrer- Besoldungs-Gesetzes gedacht ist.
* Es ist bekannt, weich' uneingeschränktes Lob die große Mehrzahl der Forschungsreisenden den katholischen Missionen spendet. Einen neuen Beleg hierfür liefert der deutsch-russische Journalist v. Rengarten, welcher dieser Tage in Stuttgart einen Vortrag hielt. „Die Schilderung eines Besuches bei den Aussätzigen", so berichtet der württembergische Staatsanzeiger, „gab dem Redner Anlaß, auch über die Mission in Persien und Asien überhaupt ein Wort zu sagen. Selbst Lutheraner, tadelte Redner aufs Schärfste das Gebühren der amerikanischen, vielfach ans der Heilsarmee hervorgehenden und fast von jeder Aufsicht befreiten protestantischen Missionäre, die die großen, für ihre Mission jährlich gesammelten Summen im Wesentlichen zum eigenen Wohlleben verbrauchen; rühmend sprach sich Herr v. Gengarten dagegen über die katholischen Missionen aus und bedauerte nur, daß ihrer nicht mehr sind."
* Das Juliheft der Monatsschrift ,Die Wahrheit' (Herausgeber Dr. Armin Kausen, Verlag von Rudolf Abt in München) bringt „Mokitifche Mhantasiee«" aus der Feder des in Berlin lebenden Prinzen Heinrich von Hanau. Der Verfasser ist ein Sohn des 1866 deposse- dirten Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen. Der Aufsatz geht von der Thatsache aus, daß in Europa keine Hand sich rührt, um Spanien gegen den frechen Angriff des überlegenen Nordamerika zu schützen. Er wirft die
die alle zusammen seine Zeit nicht viel mehr als zur Hälfte ausfüllten.
Von der alten deutschen Heimath wußte er nur, was in den Zeitungen stand. Darin hatte allerdings eine Nachricht fein Interesse in hohem Grade in Anspruch genommen: die neuen Gesetze und die Aufhebung der Klöster. Er dachte an seine Schwester, die zartliebende Blume, die freiwillig ihr junges Leben einem schweren Berufe geopfert hatte. Sollte auch ihr sich das Asyl verschließen, nach dem sie sich so heiß gesehnt hatte? lieber« Haupt beschäftigte er sich in feinen Mußestunden im Geiste viel mit der Heimath, und wenn er die Bilder der Vergangenheit an sich vorbeiziehen ließ, dann fand er fo vieles, wobei er sich gestehen mußte, daß er es nicht recht gemacht hatte. Er konnte über sein Schicksal nicht klagen. Er durste das umsoweniger, als er an der Verbannung selbst die Schuld trug; und doch hatte sich wiederholt in feiner Seele die Sehnsucht nach dem lieben Deutschland geregt. Schon mehr als einmal war ihm der Gedanke gekommen, an die Eltern zu schreiben; doch jedesmal stand er wieder von diesem Entschlüsse ab. Was hätte er mittheilen sollen? Daß er gesund und wohl sei — das wußten die Eltern aus dem Briese des Paters. Die eigentliche Ursache seines Zögerns lag in seinem immer noch nicht ganz überwundenen Trotze. Er fürchtete, er werde sein Gefühl verrathen und sich dadurch dem Vater gegenüber eine Blöße geben; und das gerade wollte er nicht. Er beschloß deshalb, auf die Erfolge des versprochenen Vermittlungsversuches des Paters Hubertus zu warten.
Sein Herr war ein schon älterer Mann, dessen Gesichtszüge ihn beim ersten Anblicke sehr über«
Frage eines europäischen Kontinental« Bundes auf, bringt Vorschläge zur Lösung der kretensischen Frage, spricht für eine Versöhnung Frankreichs mit Deutschland und macht schließlich bestimmte Vorschläge zur Lösung der römischen Frage. Es sind „Phantasieen", welche Prinz Heinrich von Hanau entwickelt; aber ein sehr ernster und edeler Grundgedanke beherrscht das Ganze, ein Gedanke, der in die Mahnung ausklingt: „So rafft euch auf, »Völker Europa's, wahrt euere heiligsten Güter«, im Osten und im Westen!"
* Im Meichsgesundtzeilsamle begannen am Mittwoch die Kommissionsverhandlungen von Sachverständigen über die Frage, ob und in wie weit eine Revision ober Ergänzung der Vollzugsoorschriften zum Reichsimpfgesetze angezeigt erscheint.
* Die Meichslagsvauverwattnng beabsichtigt, im Herbst mit dem Neubau des Hauses für den Präsidenten und den Bureaudirektor zu beginnen. Rund zwei Millionen Mark sind für den Grund und Boden ausgewendet worden, das Gebäude selbst, dessen Pläne Wallot entworfen hat, wird 3lt Millionen kosten. Gegenwärtig zahlt das Reich für die Präsidialwohnung am Pariser Platz 18,000 Mark Jahresmiethe; die Wohnung, im Blücher'schen Palais belegen, besteht aus 22 Zimmern und Sälen. Ebenso umfangreich werden auch die Räume für den Präsidenten in dem Neubau gegenüber dem Reichstagsgebäude fein. Die Wohnung des Bureaudirektors wird natürlich beträchtlich kleiner ausfallen. Der jährliche Mehraufwand, der dem Reiche durch die Errichtung eines eigenen Präsidialgebäudes erwächst, beträgt rund 90,000 M., da den künftig ersparten 18,000 M. für die ge= miethete Wohnung, die etwa 110,000 M. Zinsen für den Neubau gegenüberstehen, Tatsächlich indeffen wird das Reich, wie verschiedenen Blättern geschrieben wird, dabei kein schlechtes Geschäft machen. Gleichzeitig mit dem Neubau wird ein eigenes Elektrizitätswerk auf dem Terrain des Präsidialgebäudes errichtet, von dem aus der Reichstag beleuchtet werden soll, und die Kosten dieses Neubaues werden mit aus den bewilligten Summen bestritten. Gegenwärtig erfordert die Versorgung des Reichstagspalastes mit elektrischem Licht einen jährlichen Aufwand von über 90,000 Mark, den die Berliner Elektrizitätswerke beziehen. Diese Summe also wird in Zukunft zu einem Thkil erspart werden. Die Ausführung der gefammten Neubauten wird in den Händen des Bauinspektors Häger liegen, der schon beim Reichstagspalast der technische Mitarbeiter Wallots gewesen ist.
* Die Einführung von Iwei Msennigmarken bei der Reichspostverwaltung sollte nach der Meldung der.Krenzzeitung' beoorftetzeN iltib die Reichsdruckerei bereits mit Herstellung der Marken beschäftigt sein. Wie nun die ,Germania' an zuständiger Stelle erfahren hat, entbehrt die Nachricht ebenso wie alle daran geknüpften FolgerungenjederBegründung. Insbesondere ist eine Herabsetzung der Gebühren für Drucksachen vorläufig nicht geplant. Die einzige Ermäßigung im Briefportotaris, welche bevorsteht, ist die Herabsetzung des Stadtbriefportos auf
rascht hatten. Er glaubte diese scharf geschnittenen Linien mit den buschigen Brauen und dem durchdringenden Blicke schon gesehen zu haben; aber er wußte nicht mehr, wo. Schleedorn mußte ungeheuer reich sein. Denn außer dem großen, prachtvoll ausgestatteten Hause in der Stadt besaß er noch einen Landsitz in einer wunderschönen Gegend, kaum eine Meile von dem Orinoko entfernt. Den größten Theil des Jahres brachte er mit feiner einzigen Tochter Lavinia auf dem Lande zu.
In geschäftlichen Angelegenheiten hatte der Herr feinen Hausmeister im Lause der Zeit mehrmals dahin berufen, und fo hatte Hugo Gelegenheit zur Bewunderung der geradezu fürstlichen Pracht erhalten, die man dort sand. Mitten in einem großen Parke, durch Kunst und Natur zu einem kleinen Paradiese geschaffen, stand ein prächtiges Schloß, zu dessen Erbauung man den Marmor aus Europa geholt hatte.
Und trotz allen Reichthums schien der Mann nicht glücklich zu sein. In den rauschenden Gesellschaften, die er oft gab, zeigte er sich zwar immer als einen zuvorkommenden und heiteren Wirth, allein Hugo hatte ihn schon öfter beobachten, wenn er sich während feines Aufenthaltes in der Stadt einsam und allein in dem Garten erging. Dann funkelten feine Augen unheimlich und düster, und deutlich lag der Ausdruck eines geheimen Seelenleidens auf feinem Gesichte.
Ein herrlicher Morgen brach an. Hugo durchschritt die Räume des Hauses und ging dann hinaus, um nachzusehen, ob Knecht und Kutscher ihre Pflicht- gethan hatten. Auf den heiligen Tag war die Ueberftebelung des Herrn nach dem Landgute bestimmt. Da erblickte Hugo, nach-