FuldaerMZertung
25. Jahrgang.
Iuköc», Donnerstag, bett 7. Juli 1898
1898
1893
60 000
Bund der Landwirte
Im Jahre 1893
Wahlbetheiligung.
1 ISS 900
1881
Bayr. Bauernbund
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Freisinn. Vereinii
TbislnnP/olkspartel
Polen
1898
R1898
Sozialdemokraten
124700
geschäftlichen Empfanges des Greises.
National- 9 liberal *
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Vierteljährl. tzerugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. 50 Pf.
iReichspartei 346 900 Frel-Ko nserv .)! I
104
Zentrum
19 Polen
16 Antisem./
fm Jahre 1871
Bund der
Lend wirte 60
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National- liberal 1160
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13 Polen r
9 Welfenr—
2 Sozioldem.
1 Volkspart. MM
Zentrum
1330
Stimmen
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerrt petersgatie Nr. -1 (Harmonie).
57 Sozial-
1893
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Reichspartei
Polen
von Prof. A. L. Hlckmann.
Vergleichende Größe der Fraktionen im Deutschen Reichstage. Parteistellung der 397 Abgeordneten.
53
National- liberal
Graphisch-statistische Darstellung
Fraktionen im Deutschen Reichstage vom Jahre isti-ises
„Wollen
Bleich und betroffen starrte er sie an.
„In der Küche ist ein armer, alter Mann aus Jodlina," fuhr sie fort.
„Aus Jodlina? rtef vor Schrecken erblassend ihr Gatte.
„Ja, aus Deiner Heimath; und darf ich wissen, wer's ist?"
„Bertha!"
,Du schweigst? So will ich selbst es Dir sagen: Franz, es ist Dein alter Vater; er ist durch unsere Ehe auch mein Vater geworden, und Du schämst Dich seiner und behandelst ihn f02» Und mit inniger und unverhohlener Theil- nahme fuhr sie fort: „Franz, ich muß Dir einen schweren Vorwurf machen. Du setzest nicht so viel Vertrauen in mich, als ich billigerweise erwarten darf, denn Du bist in einem Vorurtheil befangen, durch welches Du Dich zu dem Verdachte berechtigt glaubst, auch mich für stolz und eitel zu halten. Was anders könnte Dich sonst bestimmen, Deines Vaters Stand und Dem Herkommen mir zu verheimlichen? Dieser alte schlichte Landmann, der Dir so ähnlich sieht, kann kem anderer sein, als Dein Vater. Anstatt aber als Vater mit uns zu Tische zu sitzen, steht er zur Seite geschoben, verlegen und betrübt da. Ihm wird schwer zu Muthe sein, aber Dir nicht minder wegen der Vorwürfe und Unruhe Deines Gewissens."
Die Augen des tiefgerührten Mannes füllten sich mit Thränen. „Verzeihe, Herzensbertha, ich habe nichtswürdig gehandelt, ich habe Dich für hochmüthig gehalten, weil ich es war."
Bertha fiel ihm in die Rede: „Zunächst stellst Du mich sofort dem Vater vor und bittest ihm das Unrecht ab." Und ihn an der Hand fastend, zog sie ihn mit sich zur Küche hinüber. Dort kmete sie nieder und zog auch ihren Mann zu sich nieder,
Zentrum
700 400
57
Konservat.
■demokr. Sozial- ■ ■ demokratenM ■ 2120 ■
/ Kartogr. Anstalt M 6. Freytag & Berndt, Leipzig und Wien.
Die Schwiegertochter.
(Etwas, was man mehr als einmal lesen kann.)
Franz hatte eine glänzende Partie gemacht. Der Sohn eines armen Bauern, hatte er wegen seiner Talente und seines Fleißes auf Kosten des Pfarrers und dann von reichen Gönnern unterstützt studiren dürfen, hatte nach Vollendung seiner Studien und seiner Praxis in Wien eine bedeutende Stelle erhalten, war in der besten Gesellschaft eingeführt und beliebt und hatte endlich die Tochter eines berühmten und sehr reichen Arztes zur Frau erhalten, mit welcher er so glücklich lebte, daß er auf dem Gipfel irdischer Zufriedenheit angekommen schien. Und doch hatte seine Gattin ihn schon einige Male überrascht, wie er eine ängstliche Beklommenheit und Verlegenheit verrathen hatte. Das war jedesmal der Fall gewesen, wenn ein alter, dürftig gekleideter Bauersmann auf einige Minuten bei ihm ui seinem Arbeitszimmer gewesen war. Bertha, seine Gattin, fragte, wer der Alte sei, erhielt aber nur die ausweichende Antwort: „Ein Verwandter."
„Das muß anders werden," sagte sich Frau Bertha im Stillen; „ich muß der Sache auf die Spur kommen." — Nach einigen Wochen — Frau Bertha war eben in der Küche beschäftigt — öffnete sich die Glasthüre zum Korridor, und schüchtern trat jener alte Mann wieder ein.' Ihn scharf musternd, fragte sie: „Zu wem wünschen Sie zu gehen?"
Der alte Mann schaute sie einen Augenblick ganz verwirrt und erschrocken an und stammelte: „Ich — ich — will lieber wieder gehen!"
„Nein, gewiß nicht, lieber Mann," sagte Bertha erröthend, denn sie schämte sich ihres etwas
•) Nach dem Wahlergebnis v. J. fS74
18 Polen .
15 Elsässern >
I 12 Sozial
I 10 Welfen
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140 000
72 000
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Elsässer *>234000 153000 114700 90000
Professor A. L. Hi ckm ann in Wien, ein bekannter Statistiker, hat eine graphisch-statistische Darstellung der Wahlergebnisse nebst einer Zusammenstellung der Stimmenzahlen der verschiedenen Parteien veröffentlicht, die wir hier unseren Lesern vo^ führen. Das war diesmal ein kühnes Unterfangen, denn bekanntlich sind gerade diesmal die amtlichen Mittheilungen über den Ausfall der Wahlen sehr mangelhaft ausgefallen; und die Rechenergebnisse des Herrn Professors Hickmann stehen in so merkwürdigem Gegensätze zu dem Gesammtergebniffe der Wahlen, daß sie sehr starker Verbesserungen bedürfen. Bei der Beurtheilung der Zahlen darf nicht vergessen werden, daß die Reichstagswahlkrelse im Deutschen Reiche außerordentlich verschieden stark bevölkert sind. Wir haben Wahlkreise, wie beispielsweise Berlin VI oder Bochum- Gelsenkirchen, die bis an IOOOOO wahlberechtigte Manner haben, und wieder andere, in denen nicht viel mehr als 10 000 Relchs- tagswähler zu finden sind. Deswegen kann bei uns die Zusammensetzung des Reichstages niemals genau überemstlmmen nut den Summen der Wahlstimmen, die die einzelnen Parteien bet der Wahl im ganzen deutschen Reiche erhalten haben.
Die Zahlen Hickmann's sehen gar zu absonderlich aus, als daß man sie so ohne Weiteres als gut und zuverlässig ansehen könnte. Nach Hickmann's Berechnungen hätten nämlich nur die National- liberalen, Antisemiten und Sozialdemokraten diesmal mehr Stimmen aufgebracht als im Jahre 1893; alle anderen Parteien sollen nach diesen Berechnungen in ihrer Gesammtsttmmen- zahl zurückgegangen sein: das Centrum von 1468000 in 1893 auf 1333000 in 1898, die Konservativen dementsprechend von 1038300 auf 900000 usw. usw. Die Nationalliberalen sollen dagegen ihre Stimmen von 997 000 im Jahre 1893 auf 1160000 vermehrt haben, und das verleitet einige nationalliberale Blätter dazu, einen begeisterten Triumphgesang anzustimmen auf ihre eigene Partei. Nun, erstens sind die Zahlen schwerlich richtig. Und zweitens vergessen die Nationalliberalen, wenn sie über die Zahlen m Verzückung gerathen, ganz und gar einen ganz fatalen Umstand: müßte der Reichstag zusammengesetzt werden nach dem Verhältnisse der Gesammtstimmenzahlen, dann würden die Sozialdemokraten in den neuen Reichstag in einer Stärke von etwa 111 Mann einziehen.
Aehnliches, sagt man, hatte übrigens die Regierung gefürchtet. Man hatte in Regierungskreisen auf eine etwa 100 Mandate starke sozialdemokratische Partei im neuen Reichstage gerechnet; und nun soll der Wahlbrief des Staatssekretärs Grafen v. Posadowsky das Verdienst dafür in Anspruch nehmen können, daß das nicht so gekommen ist — starke Selbstüberschätzung! Das andere Ergebnlß, das Professor Hickmann herausgerechnet hat, ist dagegen ganz gewiß richtig: daß nämlich diesmal die Wahlbetheiligung schwacher gewesen ist, als im Jahre 1893. Bei der Hauptwahl am 16. Ium dieses Jahres haben nach Hickmann's Berechnungen nur 68 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben. Und ganz ohne »weife! sind namentlich die Konservativen und das Centrum diesmal von der schwachen Wahlbetheiligung beeinflußt worden, wahrend die Sozialdemokraten bekanntermaßen immer alle Mann an die Urne bringen. Man braucht sich also von den Zahlen Hickmann s noch lange nicht bange machen zu lassen.
Die einzelnen graphischen Darstellungen auf nebenstehender Tabelle bedürfen keiner weiteren Erläuterung, da sie leicht verständlich sind. Daß die einzelnen Zahlen nicht immer mit den amtlich ermittelten Wahlergebnissen genau übereinstimmen, haben wir bereits oben bemerkt. Jedoch ist der Unterschied keineswegs sehr bedeutend, so daß diese bildliche Darstellung im allgemeinen ein getreues Bild der Wahlen wiedergibt.
Sie zu meinem Manne?"
„Ich — ja, gnädige Frau, — aber ich kann ja später wieder kommen!" sprach der Greis, in dessen Gesicht sich eine unnennbare Verlegenheit und ein gewisser Schmerz abprägte.
„Nein, nein, bleiben Sie, lieber Mann, kommen Sie herein in die Küche, nehmen Sie Platz, mein Mann kann jeden Augenblick kommen."
Rührender Dank schaute dem Greis aus den Augen über die Freundlichkeit der Frau; er nahm Platz, und Frau Bertha, nachdem sie ihm em Glas Wein hingestellt hatte, arbeitete ruhig weiter. Nach einer kleinen Weise wandte sie sich wieder zu ihm mit der freundlichen Frage: „Sie werden müde sein, haben wohl einen weiten Weg gemacht; woher wenn ich fragen darf?"
„Von Jodlina," erwiderte der Alte zögernd und heftig erröthend. ,
„Jodlina?" entgegnete Bertha, „da ist,a, wenn ich nicht irre, mein Mann daheim." Ein Gedanke fuhr ihr in diesem Augenblicke blitzartig durch den Kopf. Ihr Mann hatte ihr niemals etwas sagen wollen von seinen Eltern — sollte etwa gar dieser alte Mann — sie wagte nicht auszudenken, aber wie sie den Greis wieder ansah, so mußte sie sich sagen: Ja, es ist kein anderer als der Vater meines Mannes, mein Schwiegervater. Mein Vater schämt sich seiner und hat mich im Verdacht derselben Sünde.
In diesem Augenblicke klingelte die Glocke an der Glasthüre. Frau Bertha ging rasch zur Küchenthüre hinaus, um ihrem Manne, denn er war es, zu öffnen. — Mit tiefernstem Blicke empfing sie ihn und führte ihn sofort in das Empfangszimmer.
„Franz," sagte sie mit zitternder Stimme und mit "Thränen in den Augen, „Franz, Du hast nicht gut, nicht ehrlich an mir gehandelt."
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Inserate: Die rin- spalt. Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
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Polen 176 300 194000 229500 160000 1,
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der Wahl Verhältnisse und
Anzahl der bei der ersten ordentlichen Wahl abgegebenen Stimmen für die verschiedenen Parteikandidaten.
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ergriff dann die harte schwielige Hand des Alten, küßte dieselbe ehrfurchtsvoll und bat: „Vater, verzeihet und segnet uns!"
Der Greis schluchzte und weinte laut vor Rührung, indem er seine Kinder mit Segensworten Überschüttete. — Die Köchin schaute mit offenem Munde der Szene zu. „Mr drei Personen zu Mittag decken!" befahl jetzt die Herrin des Hauses der Dienstmagd, welche sich eilig entfernte, den Auftrag zu vollziehen.
Nach dem Mittagessen fuhren alle drei m der Stadt umher, und es wurden Einkäufe gemacht, um der Mutter und den Schwestern mit einer Befcheerung eine Ueberraschung zu bereiten. Gegen Abend begleiteten dann die Kinder ihren alten Vater noch auf den Heimweg, und der Abschied vollzog sich in herzlich kindlicher Weiset Einige Wochen nach diesem Vorgänge reisten die beiden Ehegatten nach Jodlina, woselbst die alten Eltern Überglücklich ihrer Ankunft entgegensahen, sowie ihre beiden Töchter hocherfreut und beklommen zugleich ob des vornehmen Besuches. Am nächsten Morgen besuchten sie die Dorfkirche und sprachen dann beim Pfarrer vor, demselben, welcher einst Franz getauft und hauptsächlich das Studiren ihm ermöglicht hatte. Der alte Vater aber wußte seiner Freude über die gute Schwiegertochter ferne Grenze, zudem hatte sie ihm auch seinen verlorenen Sohn wiedtrgewonnen. . .
So kehrte das Glück und die Zufriedenheit einer ganzen Familie zurück durch die Vermittlung einer guten edlen Frau. Wäre sie nicht eine solche gewesen, so hätte voraussichtlich ihr Mann aus verwerflicher Scham kurzweg seine Eltern verleugnet, und die Vorwürfe seines Gewissens würden ihm sein Leben verbittert und sein Weib unglücklich gemacht haben; denn das vierte Gebot und der Segen und Fluch, der an ihm hängt, bleibt für immer bestehen.
Anzahl der bei der ersten ordentlichen Wahl » abaenebeoen Stimmen für die verschied. gl Parteikandidaten
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Perzentueiies Verhältnis der Wahlberechtigten zur Bevölkerung des Deutschen Reichs.
Im Jahre 1871
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119,5*7, Wahlberechtigte «5
Süddeutsche 103400 100 800 120000
Volkspartei JS70Q *93400 ।-----।
Im Jahre 1881
45240000 Einwohner
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Verhältnis der abgegebenen Stimmen ffc zur Wählerzahl. 1898 ££
49430000 Einwohner
20,5*7, Wahlberechtigte Im Jahre 1898
52280000 Einwohner
21 *7, Wahlberechtigte
1881 1803 1898
500
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. . 256500 230000
Freisinnige Vereinigung ।-----1 ।-----1
649 300 666 400 500 000
^Freisinnige -----
Volkspartei SASAflO
379 300 * 56 40> 220000
1871 1881
830 800
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mit Zlnierhaktungs-Meilage „Illustrirle Sonntags-Zeitung"