Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl. ßejugrpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Ps.

FuldaerMZertung

Inserate: Die ei», spalr. Garmond­zeile oder berm Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

veranlwortlich: Lür die Redaktion 3of. Baum. Ja» Jnferate 3. Parzelle» in Lulda.

mit ZlnterKattungs-Anlage „Issuskrirle Sonntags-Zeitung!'

M 148.

JuLöcl, Montag, den 4. Juli 1898

25. Jahrgang.

WF** Bestellungen

auf die

= Fuldaer Zeitung = werden zu jeder Zeit von allen Postanstalten, den Landbriefträgern, Zeitungsträgern sowie in unserer Expedition (Harmonie) angenommen.

Die bereits erschienenen Nummern liefert die Post gegen Zahlung von 10 Pfg. nach.

* NeueHetze gegen die „Römischen".

Vom Evangelischen Bunde und seinen Gesinnungsgenossen soll jetzt augenscheinlich all­jährlich für die „Saison" ein ganz besonderes Zugstück erdacht werden, um damit künstlich die gewünschte Stimmung in den Reihen der Bundes­brüder und gegen die entsetzlichen „Römischen" zu erhalten — ohne solche Zugmittel scheint selbst in den Reihen der Bundesbrüder und im Gustav- Adolf - Verein die Stimmung „gegen Rom" all­gemach so stark abzuflauen, daß für die Herren Thümmel und Genossen kein Weizen mehr blüht. Im Jahre 1897 war es die Canisius-Encyklika des hl. Vaters, die den Vorwand abgeben mußte zu einem allgemeinen Feldzuge gegen "bie „Römi­schen". In diesem Jahre scheint der Prozeß in Alberschweiler wegen des sogen. „Ge­kreuzigten Knaben" den Hintergrund dafür abgeben zu sollen.

Schon vor einigen Wochen wurde an dieser Stelle die Meldung verzeichnet, daß dieser Prozeß die Veranlassung abgeben sollte zu einer großen Kundgebung in der diesjährigen Hauptversamm­lung des Gustav-Adolf-Vereins in Ulm. Gleichzeitig wurde damals behauptet, es „herrsche in evangelischen Kreisen höchste Entrüstung über diesen Prozeß" — aber wo diese „evangelischen Kreise" zu suchen sind, ist leicht zu errathen. Denn die öffentliche Meinung hat sich wenig und gar nicht mit diesem Prozesse und mit den Vorgängen beschäftigt, die ihm zu Grunde lagen, trotz der sen­sationell gefärbten Riefenberichte, die allerhand Zeitungen darüber brachten. Diese „evangelischen Kreise" stecken in dem „Evangelischen Bunde". Der Bund selbst fühlt allmählich heraus, daß er selbst schon allzu gut gekannt und durch­schaut ist in seinen Absichten und Grundsätzen; und deswegen muß der Gustav-Adolf-Verein in diesemJahre ebenso wie imVorjahre das Gefecht eröffnen. Nachher kommt dann der „Evangelische Bund" mit dem groben Geschütze nach.

In diesen Tagen hat der Gustav Adolf- Verein für Brandenburg seine Jahres­versammlung in Arnswalde abgehalten, in dem Mittelpunkte des Wahlkreises, der den Reichstag mit dem edeln Ahlwardt beglückt, dem „Rektor aller Deutschen". Und in dem Jahres- 1 berichte, den der Geheime Oberpostrath Dr. Spilling dort abstattete, ist der Prozeß von Alberschweiler als ein „Hauptbeweis" aufgesührt worden für „römischen Haß", für „römische Ueberhebung" und für „ultramontanen Fanatismus". Die Versammlung hat dann ganz nach dem verab­redeten Plane beschlossen, an den Centralvorstand das Gesuch zu richten, daß dieser „eine ent­sprechende Antwort" durch die Hauptver-

Der KapeUerchof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

24 ------ (Nachdruck verboten.)

Bob schwieg, und Hugo fragte: „Bist Du indessen nicht mehr nach Hause gekommen?"

„Nein," erwiderte der Matrose; „was sollte ich dort? Ich habe auf mein Muttererbe, wenn je noch etwas davon übrig ist, schon lange ver­zichtet, denn ich brauche es nicht. Weiß ich doch kaum, was ich mit meinem Solde anfangen soll. Doch dafür ist gesorgt. Was ich nicht für mich brauche, wird bei einer sichern Bark hinterlegt und fällt, wenn ich einst sterbe, unseren Missionen anheim."

Der Dienst rief Bob, und die Freunde mußten sich trennen.

Eines Abends war Hugo mit seiner Arbeit früher als sonst fertig geworden. Wie gewöhn­lich begab er sich aufs Deck. Soeben war das Schiff wieder an einer kleinen bergigen Insel vorübergekommen. Die Höhen traten schon mehr zurück, und üppige grüne, von einer Reihe dicht aneinander gedrängter bewaldeter Basalthügel durchschnittene Ebenen ergötzten das bewundernde Auge.

Im Abenddunkel machte die Küste eine Schwen­kung nach links, und man sah von der Insel nichts mehr. Der Kapitän stand ruhig oben auf der Brücke, welche die beiden Radkasten mitein­ander verbindet, und schaute schweigend vor sich in die Fluth. War es eine Gefahr, die ihn so einsilbig machte und dort oben auf den Wacht­posten zog? Wieder sah Hugo überall Klippen

sammlung in Ulm in Anregung bringen wolle auf „die aus Anlaß der Alberschweiler Vorgänge und der Verhandlung vor dem Landgericht in Saarburg dort gefallenen empörenden, das evangelische Gefühl tief verletzenden Aeußerungen". Schade, daß alle Welt schon vorher wußte, daß das kommen würde. Denn nunmehr können ja solche Beschlüsse als sichtlich „bestellte Arbeit" unmöglich noch besondern Ein­druck Hervorrufen bei solchen Leuten, die nicht von demselben angeblichen „evangelischen Gefühl" durchleuchtet sind, wie die versammelten Herren in Arnswalde.

Nebenher nur sei erwähnt, daß man sich in Arnswalde auch beschäftigt hat mit den „Ge­fahren, mit denen die römische Propaganda die Provinz Brandenburg von Jahr zu Jahr mehr bedroht" — und daß man herausgefunden hat, es sei „ein merkwürdiges Eindringen des Katho­lizismus in die höheren Schulen und Staats­ämter festzustellen und ein auffallendes Z urückgehen des Protestantismus". — Wirklich? Nun, wenn das letztere wahr sein sollte, dann wird es wohl auch seine bestimmten Gründe haben. Aber von einem „Eindringen des Katholizismus in die Staatsämter merken wir Katholiken leider so außerordentlich wenig, daß wir bekanntlich jahraus, jahrein laut unsere Klagen und Beschwerden ertönen lassen über die Imparität, unter der wir leiden, über die ungleichmäßige Behandlung der Katholiken und der Protestanten bei der Besetzung der Staatsämter und anderer Posten zum Schaden der Katholiken. Es scheint so, als ob sich das böse Gewissen bei den Herren für den Staat rege, daß nun schon im Voraus gegen die be- rechtigtenBeschwerden derKatholiken sichwehrenwill

Diese Versammlung in Arnswalde hat ein Huldigungstelegramm an den Kaiser gelangen lassen. Und der Kaiser ließ als Antwort darauf durch den Kabinetsralh v. Lucanus der Versammlung — feinen Segenswunsch entbieten.

Deutsches Deich.

Berlin, 2. Juli.

x Mehrfach übereinstimmenden Zeitungsn.^- dungen zufolge sollen „die Gtzefs der geiftticheu Angelegenheiten aller Maadesstaate« den Kaiser auf der Reise nach Palästina be­gleiten." Vorausgesetzt, daß diese Meldung auf thatsächlicher Grundlage beruht, bedarf sie wohl noch einiger Erläuterung in dem Sinne, was unter „Chef der geistlichen Angelegenheiten" zu verstehen ist. Es ist doch wohl kaum zu erwarten, daß katholssche Würdenträger den Kaiser nach Jerusalem begleiten werden, um dort den ge­planten ausgesprochen protestantischen Veranstal­tungen beizuwohnen?

X Gegenwärtig scheinen die Kriegervereine noch mehr als früher zum Schauplatze poli­tischer Agitationen gemacht zu werden. Von allen Seiten kommen Meldungen, daß Leute aus Kriegervereinen ausgestoßen werden, weil sie für die Wahl freisinniger Kandidaten bei der Wahl thätig gewesen sind. In Kottbus ist ein Schuhmachermeister ausgestoßen worden, weil er mit freisinnigen Stimmzetteln und Flugblättern und steile Felsen aus dem Meere heraufragen, und hier mußte das Schiff im Dunkel der Nacht den Weg hindurchfinden; ein wenig zu weit rechts oder links, und der Koloß konnte an einer Klippe zerschellen.

Fast plötzlich umzog sich der Himmel mit fin­sterem Gewölk. Der Wind, welcher seither küh­lend und sanft über die Meeresfläche geweht hatte, wuchs zum brausenden Sturme. Dfe Pfeife des Bootmannes gellte schrill über das Deck.

Ein zuckender Blitzstrahl erhellte auf einige Sekunden das Schiff und die nächste Umgebung sowie die angstbleichen Gesichter der vielen Men­schen, die in der unverkennbaren Gefahr nichts thun konnten, als den Himmel um seine Hilfe zu bitten. Blitz zuckle auf Blitz, und ein furchtbarer Regen ergoß sich unter dem Rollen des Donners aus dem schwarzen Gewölk. Der Kapitän stand, unbekümmert um Sturm und Regen, muthvoll auf seinem Platze. Wieder schoß ein greller Blitzstrahl zischend ins Meer, und ein Donner- baß mischte pch mit seinem rollenden Tosen und Brausen.

Der Kapitän hatte seine Augen bei der augen­blicklichen Helle durchdringend vorwärts gerichtet da erschien eine tödtliche Blässe auf seinem Ge­sichte. „Die Brandung", tönte es von seinen bebenden Lippen. Mit lauter Stimme rief er durch das Sprachrohr feine Befehle, doch der aufs neue mit aller Gewalt gegen das Schiff anstürmende Orkan wehte sie fort. Auf einmal ertönte in dem wilden Aufruhr der Elemente ein entsetzliches Krachen. Der schwimmende Koloß erbebte in allen Fugen. Das Nothsignal gellte durch den tobenden Sturm, und in die allgemeine

aufs Land gegangen war, und in Mühl- t) auf en in Thüringen ist der Vorsitzende des Bezirks - Kriegerverbandes „Nordwest -Thüringen und Obereichsfeld" seines Amtes enthoben worden, weil er den freisinnigen Wahlaufruf unterschrieben hatte. Solcher konservativer Uebereifer ist außer­ordentlich zu bedauern. Man braucht wahrlich kein Freund der freisinnigen Partei sein, um der Verwunderung darüber Ausdruck zu geben, daß die Vereine, um die es sich hier handelt, sich solche Uebergriffe ruhig gefallen lassen. Der nordhannover'sche Verein ist weniger gut- müthig gewesen. Dieser hat ganz entschieden Einspruch dagegen erhoben, daß sein Vor­sitzender jeden des „Treubruches an Kaiser und Vaterland" beschuldigte, der freisinnig oder welfisch wählen sollte, und mit ruhigem Gemüthe haben die nordhannooer'schen Kriegervereinler es angesehen, als auf diesen Einspruch hin der Vorsitzende sein Amt niederlegte.

* Unter den neugewäblten Reichstagsab­geordneten sind, wie die,Kreuzztg.' hervor­hebt, fieöe« Jude», und alle sieben sind Sozialdemokraten. Die ,Allgem. Israel. Wochenschr.', die schon vor den Wahlen die Frei­sinnigen vergebens beschworen hatte, doch auch jüdische Kandidaten aufzustellen, beklagt sich leb­haft, daß keine jüdischen Abgeordneten im Reichs­tage säßen, lieber die sieben Sozialdemokraten geht sie mit der seltsamen Behauptung hinweg, das seien keine Juden. Dem widerspricht die ,Kreuzztg.'; die Herren Singer, Wurm, Stadt­hagen usw. werden sich das kaum so ohne Weiteres gefallen lassen. Denn im Gegensatz zu Bebel und Liebknecht, die sich als religions- bezw. konfessionslos bezeichnen, betonen jene ausdrücklich ihre Zugehörigkeit zur „mosaischen" Religion. Jetzt wollen die Juden bei den preußischen Landtagswahlen mit aller Kraft darauf hinarbkiten, daß Juden ins Abgeordnetenhaus kommen. Bisher saßen dort nur die getauften Juden Dr. Friedberg und Dr. Arendt. — In Arnswalde haben die Juden bei der Stich­wahl für Ahlwardt gestimmt. Das hat den Beifall der ,Allg. Jsr. Wochenschr/ g fanden, denn die Juden hätten keinen Grund gehabt, den Anti­semiten im Reichstage den Ahlwardt zu nehmen.

* Die Centenar-chediichtmß Medaille am gelverr Aande wird nach der süddeutschen Reichs-Korrespondenz' auch den Hinterblie­benen von Veteranen, welche gestorben sind, nachdem sie ihren Anspruch auf die Medaille dargethan haben, nebst den auf die Namen der Verstorbenen auszufertigenden Besitzzeugnisfen ausgehändigt.

* Zur Mewäktignng des Kervstverketzrs auf de« Giseuöahne« sind vom Eifenbahn- Minister Maßnahmen angeordnet worden, welche in zwei Erlassen veröffentlicht werden. Der erste Erlaß betrifft organisatorische, auf die Auf­sicht bezügliche Maßregeln; der zweite lenkt die Aufmerksamkeit der Direktionen auf möglichste Be­förderung der Ausgestaltung der Anlagen und der Betriebsmittel. Es heißt darin, nachdem eine noch größere Steigerung des Verkehrs als in den früheren Jahren als zu erwarten bezeichnet ist:

Ich mache die Kgl. Eisenbahn-Direktionen schon jetzt daraus aufmerksam und vertraue ihrer Fürsorge, daß sie frühzeitig alle Vorkehrungen so vorbereiten und treffen.

Verwirrung schallte der Kommandoruf des Ka­pitäns: „Boote in See."

Schnell, aber mit einer Ruhe und Sicherheit, als ob nicht schon die nächste Sekunde den Tod bringen konnte, wurde der Befehlvon der Mann­schaft vollzogen. Ein eigenthümliches Gurgeln und Rauschen verrieth, daß sich der untere Schiffs­raum schon mit Wasser zu füllen begann. Glück­licherweise befanden sich nicht viele Passagiere an Bard, und es konnten alle in den großen Ret­tungsbooten untergebracht werden. Nach ihnen kam die Mannschaft, und zuletzt verließ der Kapitän das sinkende Schiff.

Voller Entsetzen hatte Hugo, wie von einem grauenvollen Traume umfangen, in die furchtbare Szene geschaut. Er dachte gar nicht an die eigene Rettung, da fühlte er sich plötzlich von kräftigen Armen umfaßt, und eine Minute nachher befand er sich mit feinem Freund Bob und zwei anderen Matrosen in einem Boote. Die Strömung riß sie mit fort, und bald waren die letzten Umrisse )es verunglückten Fahrzeuges im Dunkel ver­schwunden. Sturm und Regen ließen allmählich nach, und in der Hoffnung, auf ein Schiff zu tofjen oder in die Nähe des Landes zu kommen, ließen sich die Schiffbrüchigen von der Strömung forttragen.

Mit peinlicher Ungeduld erwarteten die Schiff- irüchigen den folgenden Tag. Er kam und irachte wieder Sonnenschein und klaren Himmel. Von einem Schiffe oder irgend einer Insel be­merkten sie ringsumher nichts. Auf acht Tage ungefähr waren sie verproviantirt. Es befanden ich ein Fäßchen mit Wasser, Zwieback und ge­räuchertes Fleisch in dem ziemlich geräumigen

daß mit Beginn des starken Verkehrs die Eisenbahnen nach jeder Richtung hin so gerüstet sind, daß — soweit es der außerordentlichen Verkehrsbewegung gegenüber überhaupt nur erreichbar ist — ihrer Herr zu werden vermögen. Eine erhebliche Hilfe wird die Ausgestaltung der Eisenbahn-Anlagen, soweit sie bis zum Herbst fertig gestellt werden kann, sowie die Betriebsmittel-Beschaf- sung, die bis an die Grenze des Erreichbaren geht, ge­währen. Alle diese Mittel werden aber der Gewalt der VerhälMisse gegenüber nur dann Stand zu halten ver­mögen, wenn von der gesammten'Berwaltung unausge­setzt alle Fürsorge bis zu den kleinsten Hilfsmitteln auf­geboten wird, und alle Theile der Verwaltung andauernd nach bestem Vermögen an der Bewältigung der schwie­rigen Aufgaben Mitarbeiten.

Der Minister ordnet speziell an, daß auch zu Zeiten, in denen auf eine starke Steigerung des Verkehrs nicht gerechnet zu werden pflegt, eine fortdauernde Information über die zukünftige Ent­wickelung beschafft und unter den Eisenbahn-Direk­tionen Magdeburg, Essen und Kattowitz dauernd, etwa in Fristen von zwei Wochen, ausgetauscht werden soll. Ob mit diesen Maßnahmen den bis­her hervorgetretenen Mängeln wirksam begegnet werden kann, erscheint zweifelhaft.

x Der ,Reichsanzeiger' theilt mit: „Auf Ein­ladung des Reichs-Eisenbahnamts hat am 29. v. M. in Stuttgart unter der Leitung des Geh. Ober­bauraths v. Misani als Vertreter der Reichsbe­hörde eine Berathung von Kommissaren der meist- betheiligten Bundesregierungen über die Weiter­entwickelung der Grundsätze für die Bemessung der Dieustdaner und Anhezeite« der Kiseu- öahnvelrieösveamlen stattgefunden. Wie wir hören, haben die Verhandlungen zu einer Ver­ständigung über alle wesentlichen Punkte geführt, so daß auf eine günstige einheitliche Regelung dieser für die Sicherheit des Eisenbahnbetriebes wichtigen Frage gerechnet werden kann. Die Durch­führung der verabredeten Grundsätze wird für zahlreiche Beamte eine weitere Erleich­terung des Dienstes zur Folge haben." Das ist eine recht erfreuliche Mittheilung. Man ersieht daraus, daß die Verweigerung der Erhöhung der Staatssekretär-Gehälter durch den Reichstag bis zur Ausbesserung der Unterbeamten und Landbrief­träger im Postdienste ihren Eindruck nicht verfehlt hat. Und außerdem kann man aus der Mittheilung des ,Reichsanzeigers' auch entnehmen, daß die Auseinandersetzungen nicht umsonst waren, die sich in der Presse und im preußischen Abgeordneten­hause in so umfangreichem Maße mitdenzahlreichen Eisenbahn-Unfällen des Sommers 1897 beschäftig­ten. Denn vorher ist noch stets von den Vertretern der Regierung geleugnet worden, oder doch der Versuch gemacht worden zu leugnen, daß die jetzt übliche Anspannung der Betriebsbeamten mit der Sicherheit des Eisenbahnbetriebes im Zusammen­hänge stehe. Aus der Mittheilung des ,Reichs- anzeigers' geht aber hervor, daß den Herren in Stuttgart dieser Zusammenhang sehr klar vor Augen gestanden hat. Hoffentlich trägt nun auch diese Berathung ihre guten Früchte zu Gunsten der Beamten und Bediensteten und ebenso zur Erhöhung der Sicherheit im Betriebe. Zu be­dauern ist, daß das amtliche Organ nicht genauere Ausschlüsse darüber gibt, fürwelcheBeamten derDienst erleichtert werden soll, und welcherUmfang die geplanten Diensterleichterungen haben sollen.

h Es scheint die Absicht zu bestehen, im Dienste der deutsche« Ikeichspost in Zukunft Boote, das hinten mit starkem Eisenblech aus­geschlagen war, so daß man nötigenfalls auch Feuer machen konnte. Aber ein Tag um den andern ging vorüber, und sie sahen nichts Anderes als Himmel und Meer. Endlich, am Morgen des neunten Tages glaubten sie in der Luft einige helle Punkte zu sehen. Anfangs hielten sie dieselben für kleine Wölkchen, die der Wind ihrem Nachen zutrieb. Da kamen sie näher und wurden von den Schiffbrüchigen mit lautem Jubel als eine Schaar Möven erkannt. Nun konnte das Land nicht mehr weit fein. Die Möven zeigten ihnen die Richtung, welche sie einschlagen mußten. Mit neuer Hoffnung griffen sie in die Ruder und fuhren den Vögeln nach über die glänzende Fluth. Ihre Hoffnung täuschte sie nicht. In nebelhaftem Umrissen anfangs, aber immer deutlicher und näher trat das bewaldete Ufer hervor; und alle Entbehrungen und Ge­fahren der letzten Tage waren bei diesem An­blicke vergessen. Man erquickte sich durch eine« Trunk Wasser, das man angesichts des Landes nicht mehr zu sparen brauchte, und fuhr wohl- gemuth in die erste Bucht ein, die als bequemer Platz zum Landen erschien. Zu ihrer großen Freude bemerkten die Schiffbrüchigen, daß die vermeintliche Bucht die Mündung eines kleinen Flusses war, der aus dem Innern des Landes kam. Sie fuhren mit dem Boote hinein und er­blickten rechts und links reizende Hügel, mit prächtigen Bananen bedeckt, von einer mensch­lichen Wohnung jedoch keine Spur.

Ein paar Stunden lang legten sie sich in den kühlenden Schatten zur Ruhe, dann aber griffen sie wieder zu den Rudern und fuhren landein.